In den Jahren 2014-2023ff haben wir eine Art Mini- und/oder Medien-Apokalypse erlebt - mit Islamistischem Terror, Rechtskonservatistischer Reaktion (Brexit, Trumpwahl), Ökoprotesten (mit Greta Thunberg), Coronapandemie (mit Lockdowns) sowie Kriegswirren (Ukraine, Palästina - inkl. Weltkriegsdrohungen). Seit der zweiten Trumpwahl 2024/25 (und der Kommerzialisierung der Künstlichen Intelligenz sowie der Beflügelung der Roboterentwicklung) scheint die Welt (-politik) verrückt zu spielen und immer totalitärere Tendenzen zu zeigen. Wir scheinen in einer Zeit der zunehmenden Krisenpotenzierung zu leben.

Ich glaube, dass dies heute eine sehr spezielle Zeit ist in der Geschichte der Menschheit, und ich glaube, dass die Menschen heute an den Rand der Welt getrieben werden, damit sie sich noch einmal überlegen können, was sie sich eigentlich schon bei der Erscheinung Jesu hätten überlegen können.

Stop demonizing thought. Denn Denken ist die Zurückweisung des Infamen und die Wiedereinsetzung des Wahren. Und Schreiben? Vielleicht müssen wir gar nicht für die Ewigkeit schreiben, vielleicht nicht einmal für diese Zeit - vielleicht müssen wir nur schreiben, in das Buch der Gegenwart.


Weltdeklaration, im Januar 2026.

Das ist kein 'Kampf der Kulturen' (wie Huntington meinte [1996]), und schon gar nicht das 'Ende der Geschichte' (wie Fukuyama meinte [1989/1992]), sondern: was wir derzeit erleben in der Weltpolitik, ist ein Kampf der untergegangenen Kulturen und daher der untergehenden Kultur. Es gibt keine grosse Kultur mehr, die nicht schon untergegangen wäre, und es gibt keine grosse Ideologie mehr, die nicht schon widerlegt worden wäre, und trotzdem bekriegen sie sich noch immer (bis zum Letzten? - und können gar nicht mehr aufhören damit). Why?

Und die Philosophen? Sind sie noch mehr, als bloss ein Echo von dem, was hätte sein können? Und können sie je überhaupt noch wieder mehr sein als dies?

Der allererste überlieferte und erhaltene Satz der altgriechischen Philosophie - welcher durch Simplikios überliefert ist, der sich auf Aristoteles bzw. ein verlorengegangenes Werk von dessen Schüler Theophrastos von Eresos berufen hat - stammt von Anaximander, beschreibt dessen Weltprinzip und ist (ausserhalb der Philosophie) relativ unbekannt. Er lautet so: «[Woraus aber für das Seiende das Entstehen sei, dahinein erfolge auch sein Vergehen (Anm. dieser Teil ist nur fragmentarisch erhalten)] gemäss der Notwendigkeit; denn diese schaffen einander Ausgleich und zahlen Busse für ihre Ungerechtigkeit nach der Ordnung der Zeit.»

Oder spielt dieser Satz - und überhaupt die gesamte Philosophie - keine Rolle mehr? Was bedeutet dieser Satz überhaupt? Haben wir das überhaupt schon geklärt? Nietzsche und Diels haben diesen Satz etwa bereits übersetzt ins Deutsche* (in einer ähnlichen Version wie hier Rapp [1997]).

Nietzsche: «[Woher die Dinge ihre Entstehung haben, dahin müssen sei auch zu Grunde gehen] nach der Notwendigkeit; denn sie müssen Busse zahlen, gemäss der Ordnung der Zeit.» [1873 - vor ihm scheint sich kein deutscher/europäischer Philosoph je um diesen Satz gekümmert zu haben].

Diels: «[Woraus aber die Dinge das Entstehen haben, dahin geht auch ihr Vergehen] nach der Notwendigkeit; denn sie zahlen einander Strafe und Busse für ihre Ruchlosigkeit nach der festgesetzten Zeit.» [1903].

Heidegger meinte wiederum, der Spruch sei wörtlicher so zu übersetzen: «[Aus welchem aber das Entstehen ist den Dingen, auch das Entgehen zu diesem entsteht] nach dem Notwendigen; sie geben nämlich Recht und Busse einander für die Ungerechtigkeit nach der Zeit Anordnung.» [1946].

Dann gibt er aber - nach der typisch heideggerischen, sprachspielerischen Art - eine sehr eigentümliche, sinngemässe Version (ohne die fragmentarische Anfangspassage): «[...] entlang dem Brauch; gehören nämlich lassen sie Fug somit auch Ruch eines dem anderen (im Verwinden) des Un-Fugs.» [1946].

Ich kann leider weder Griechisch noch Latein (nur Deutsch, Englisch und Französisch), und daher kann ich nicht einmal einen Versuch wagen, das wörtlich zu übersetzen (den ersten Moralsatz also der eigentlichen Philosophie, noch vor dem ersten grossen Moralphilosophen Konfuzius). Meine sinngemässe Übersetzung (aus alledem) lautet aber so: Die Natur fordert Ausgleich (das entspricht meiner Meinung nach dem ersten und dem zweiten Teil des Satzes [etwa: woraus die Dinge entstehen, von daher haben sie auch ihre notwendigen Gründe; und das Einrichten von Ungerechtigkeit wird ausgerichtet am immerjüngsten Tag (oder auch, noch besser: im Moment der Ewigkeit oder in der Ewigkeit des Moments - eine Erklärung dazu lässt sich in den Paradoxien von Zenon von Elea ableiten)]).

Im Weltprinzip von Anaximander (Apeiron), welches in diesem Satz gegeben ist, geht es um alte (heidnische) Mythen von Entfaltung, Wiederversöhnung und Rückkehr des Unbestimmten in seinen Gegensätzen. Die Wiederversöhnung ist sehr interessant, ich halte jedoch nichts von Zerstörung und Erneuerung auf der Ebene der Welt. Das ist eine Illusion. Der Mensch ist ein guter Bebauer, aber ein schlechter Bewahrer. Es kommt immer eben - wie ich sage - auf die notwendigen Gründe an. Haben wir noch notwendige Gründe, ober haben wir sie nicht mehr? Sind sie nicht mehr gegeben, erfolgt das Vergehen. Was wir dann erleben würden (in einer solchen Apokalypse), brauchen wir uns nicht vorzustellen. Eine bessere Welt erreichen wir innerhalb der Vernunft, nicht ausserhalb.

Anmerkung/Einordnung. Das Internet und die Sozialen Medien drohen die Dinge durcheinanderzubringen, daher ist es notwendig, sie zu (er-) klären. Wir können da etwa lesen, dass der Zoroastrismus älter sei als das Judentum, das Christentum und der Islam, und dass es im Zoroastrismus bereits die Vorstellung von einer Apokalypse (Frashokereti) gibt. Die Religion von Zarathustra soll zwischen 1800-600 v. Chr. entstanden sein. Die Bibel soll zwischen dem 9. und dem 2. Jahrhundert v. Chr. entstanden sein - also einige Zeit später. Wir finden apokalyptische Mythen jedoch auch in noch älteren (polytheistischen) Kulturen: im Alten Ägypten, Indien oder Mesopotamien (alte mesopotamische Kulturen, etwa jene von Uruk, u.a., gehen teils sogar vor die biblische Zeitrechnung zurück). In der indischen Religion ist etwa die Rede von Maha Pralaya (Grosse Auflösung). Das Datum der biblischen Schöpfung ist angegeben mit dem 7. Oktober 3761 v. Chr. Das exakte Datum können wir vielleicht als einen seltsamen Einfall des lachenden Gottes betrachten (siehe: Dürrenmatt, welcher meinte, dass Gott einen unendlichen Humor haben müsse, um die [nach seiner Ansicht] absurde und ausweglose Lage der Menschheit ertragen zu können), die Jahresangabe ist aber durchaus interessant. Dieser Zeitpunkt bedeutet für mich die Zeit, in welcher der erste Mensch (Adam) vom Glauben an den einen und vereinenden Gott erfasst worden ist (in der Bibel wird das Menschliche bei der Entstehung des Glaubens an den monotheistischen Gott gesehen). Im Alten Testament der Bibel gibt es apokalyptische Geschichten aber erst in einer viel späteren Zeit - in den Prophetenbüchern. Elia ist der erste (namentlich genannte) Prophet im Alten Testament (im klassischen Sinn) - er lebte im 9. Jahrhundert v. Chr. Deuten wir die ganze Sache in einem biblischen Sinn, so lautet die Schlussfolgerung etwa so: die apokalyptischen Vorstellungen sind entstanden als frühzeitliche Wendung gegen die alten Könige jener Zeit (offenbar gab es damals kein anderes Mittel zur Gegenwehr als ein mythisches: es ist die Welt dieser alten Könige, ihrer Herrschaften und ihrer Reiche, die da in der Apokalypse untergegangen ist [und die Johannesoffenbarung wendet sich demnach gegen das damalige Cäsarentum des Römischen Reiches und alle späteren Formen von übertriebener Herrschaft]; wir können uns auch denken, dass die Entstehung von apokalyptischen Mythen mit den ersten grossen Völkerwanderungen von Afrika nach Mesopotamien zu tun hat, und damit mit der Entstehung von ersten grösseren Königreichen ausserhalb bzw. jenseits von Afrika). Anaximanders Lebenszeit liegt um 610 bis nach 547 v. Chr.

P.S. Ich gehe davon aus, dass die Schöpfungsgeschichte von Adam und Eva in Afrika stattgefunden hat (in der Schöpfungsgeschichte ist übrigens von zwei Paradiesen die Rede, einem afrikanischen und einem [späteren?!] mesopotamischen). Dass in der Zeit von Set der Name des Herrn angerufen wurde (davor ist in der Lutherbibel nur von 'Gott' die Rede). Dass im Geschlechtsregister der alten Israeliten mindestens Henoch vermutlich noch als Afrikaner identifizierbar ist (er spielt eine bedeutende Rolle in der äthiopischen Kultur [und das apokryphe Henochbuch ist das früheste apokalyptische Buch im biblischen Kontext]). Dass (dieser Logik folgend) vermutlich auch Noah noch von afrikanischer Herkunft war. Dass Nimrod u.a. in Assur, Ninive und Kalah Städte baute (in Mesopotamien - alles im heutigen Irak). Dass Noah zur Zeit der Sindhflut in Indien lebte, bevor er quasi mit seiner Arche im Ararathochland, in Ostanatolien (in der heutigen Türkei), strandete (es gibt dazu auch hinduistische Texte, die von einer Figur namens Manu sprechen, welche eine Arche gebaut hat; eine ähnliche Geschichte gibt es auch im Gilgamesch-Epos, welches zwar älter ist als die vedische Kultur, aber wesentlich jünger als die Indus-Kultur insgesamt [Indus = Sindhu]). Dass die Nachkommen Noahs die Stadt Babylon bauten. Dass die Stadt Ur (ebenfalls im heutigen Irak) die Heimatstadt von Abraham war. Und dass Mose die alten Israeliten aus ihrer ägyptischen Knechtschaft geführt hat (usw. usf., etc. etc.). Wie es in der Bibel geschrieben steht. Die Religionen haben heute das Problem, dass sie (aus gutem Grund?) die Männer stärker in die Verantwortung nehmen, und daher teils weniger attraktiv sind für die Frauen.

In der klassischen Auffassung, dass Adam der erste Mensch überhaupt gewesen ist, müsste es sowieso klar sein, dass er Afrikaner war, denn die Wissenschaft weiss heute, dass der Mensch aus Afrika stammt. Es finden sich auch in der Schöpfungsgeschichte vermutlich Bezüge zum Urwald, so dass wir annehmen können, dass Adam und Eva Urwaldbewohner gewesen sein könnten (heute: Pygmäen-Völker [wie Baka, Bayaka, Aka, Bagyeli; die Baka glauben an einen Hochgott namens Komba und einen Urwaldgeist namens Djengi, auch: Djengui, Ejengi oder Jengi, welcher eine Art Mediator zwischen Gott und den Menschen ist - daneben kennen sie viele weitere Geister, die aber weniger bedeutend sind]).

Nachdem man sich im hinreichenden Sinn und Mass - und mit der notwendigen Kritik auch - um den ersten Satz der Philosophie gekümmert hat, müsste man sich mit ähnlichem Bestreben um jeden weiteren Satz der Philosophie kümmern, um der Sache vollauf gerecht zu werden. Ich kann nach langem und redlichem Bemühen sagen, dass dies nicht möglich sein wird - selbst mit der Künstlichen Intelligenz bzw. mit den Künstlichen Intelligenzen nicht (es gibt ja heute schon mehrere, die auch in Konkurrenz gegeneinander stehen, notabene).

Wie wir im zu erwartenden kommenden Wirbelsturm der Ideen der menschlichen Kultur in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (sofern das nicht schon Tatsache ist heute) bestehen wollen, das ist schleierhaft, wenn wir nicht einmal eine minimale Sicherheit haben über den ersten Satz der Philosophie. Dieser Wirbelsturm der Ideen - vor welchem nichts und niemand sicher sein kann, weil er alles und jeden treffen wird - wird die grösste Herausforderung sein, welche die Menschheit je zu bestehen hat.

Mein Anhaltspunkt in dem allem, ist die Behauptung von drei Grundsätzen der Philosophie (je sinngemäss): 1. Die Natur fordert Ausgleich. (Anaximander). 2. Es gibt das Seiende und die Meinungen dazu. (Parmenides [dieser Satz ist weniger bekannt, aber das ist tatsächlich die eigentliche und erste Grundlage der parmenideischen Philosophie] - Zusatz: Es gibt nur Seiendes und kein Nichtseiendes). 3. Die Idee des Guten ist die höchste Idee. (Platon - diese wird in der Religion von 'Gott' eingenommen, und hier [bzw. nach Platon] beginnt auch [mit Aristoteles] der Reigen der fröhlichen Wissenschaft, und auch eine erstaunliche ethisch-moralische Übereinkunft der östlichen und westlichen Philosophie in der Antike, darüber: dass eine Tugend der Mitte vorherrscht im Menschlichen [das behaupteten Konfuzius und Aristoteles gemeinsam (wie später auch Jesus, als er vom Gottesreich mitten unter uns sprach)]).

Intermezzo. Warum ist die Wissenschaft fröhlich? Weil sie glaubt, experimentieren zu können, und weil sie denkt, beweisen zu können. Das macht sie frölicher als die Religion und die Philosophie, welche - noch stärker als die Religion - dem Ernst des Ernstes entspricht. Weil sie keine Institution hinter sich weiss, wie es die Kirche für die Religion und die Universität für die Wissenschaft ist. Die Universität ist eine wissenschaftliche Institution, keine philosophische. Es gibt keine philosophische Institution, sondern der Philosoph steht alleine vor der Wahrheit, vor den Leuten und vor Gott. Es gibt keine wissenschaftliche Philosophie, ebenso wie es keine philosophische Religion und keine religiöse Wissenschaft gibt. Ich bin jedoch ein Vertreter der Philosophie, der Wissenschaft und der Religion, wobei ich letztlich versuche, alles in der Philosophie zu integrieren (nicht in der kantischen Art und Weise, von einer 'Religion innerhalb der Grenzen der blossen Vernunft', oder ähnliches, sondern adäquat und gerecht: es soll alles - wenngleich nicht unkritisch - in die Philosophie eingebracht werden, als das, was es ist).

Leicht wird es auch mit diesen allergründlichsten Grundsätzen nicht. Denn sobald wir versuchen, die Wahrheit zu erfassen, geraten wir in die Widersprüche dieses Unterfangens. So stellen sich etwa Fragen wie: Was ist die Natur? Wie sind das Seiende und die Meinungen miteinander verknüpft? Oder: welches Verhältnis ergibt sich zwischen dem Guten und der Mitte?

Nimmt man die drei Grundsätze zusammen, ergibt sich die Formel: Der Mensch wünscht sich das Gute (und soll sich im Ideal auch das Gute wünschen), aber die Natur fordert (realiter) den Ausgleich. Das Ideal gibt die Richtung an, aber es ist nicht realistisch. So haben wir das gesehen etwa bei allen politischen Ideologien, weswegen sich diese letztlich gegenseitig beschränken (in der Demokratie: das Konservative, das Liberale, das Christliche, das Soziale und das Alternative [Grüne]). Das heisst, dass das Perfekte für den Menschen meistens nicht erreichbar ist, sondern nur das möglichst Gute, welches so gut sein soll, dass es nicht (religiös) böse, (philosophisch) schlecht oder (wissenschaftlich) falsch sein soll. Wir leben damit in einer ständigen Doppelmoral, in welcher die Mitte hinreichend ist, das Gute aber als Ideal aufrecht erhalten werden soll. Und wir bewegen uns (nach der Nikomachischen Ethik von Aristoteles) in ständigen Gegensatzvergleichen (selbst dann eigentlich, wenn es nur um die blosse Erfüllung einer Aufgabe geht, denn da geht es darum, wie hoch oder tief das Ziel angesetzt wird: wir können es so hoch ansetzen, dass kaum jemand es erreichen kann, oder wir können es so tief ansetzen, dass die Meisten es schaffen werden - typisches Beispiel: bei einem Rennlauf auf Zeit, z.B. in einem Qualifikationsmodus, kann die Zeit, die es zu erreichen gilt, sehr tief angesetzt oder aber die Strecke erschwert werden, z.B. durch Hindernisse).

Was ist das Infame? Es ist alles Schlechte in der Menschheit: Arroganz, Ignoranz, Impertinenz, Inkompetenz, Korruption, Mobbing. Heute ist die Zeit, um sich zu wehren und dagegen aufzustehen. Es wird ein langer und harter Kampf werden, aber wir werden ihn gewinnen.

We will fight. We find it necessary. And we know. We shall win.
As we are confident. In the victory. Of good. Over evil.

We need equal rights.
And justice.

Was heisst Gerechtigkeit? Jedem/jeder das Seine/Ihre, keinem/keiner alles, niemandem nichts. Gerechtigkeit bedeutet (im Ideal) eigentlich nichts anderes, als dass alle zu ihrem Recht kommen sollen. Realiter bedeutet es den Kampf für eine gerechte(re) Gesellschaft und Welt (ohne Krieg).

Ich spreche von den Wünschen der Menschen, nicht von Utopien. Wenn wir alle daran arbeiten, können wir es vielleicht (irgendwann einmal) schaffen. Wir müssen die richtigen Ziele und Ideale haben, wenn wir als Menschen überhaupt etwas erreichen wollen in dieser Welt. Gelingt es uns nicht, entstehen Nachteile für die Gesellschaft/Menschheit (das meint eigentlich schon der erste [erhaltene] philosophische Satz von Anaximander, welcher besagt, dass die Menschen einander Ausgleich schuldig sind, für ihre Ungerechtigkeit, und das ist mit den heutigen Problemen offenkundiger denn je).


Als Winston Rodney alias Burning Spear am 6. Juli 2001 die Bühne vom Jazz Festival in Montreux betrat, versicherte er dem Publikum, dass Gott nicht gestorben ist ('Jah no dead!', auf Schallplatte herausgekommen im Jahr 2002 als 'Jah Nuh Dead', in der Aufzeichnung dieses Konzerts). Damit hat er die gesamte Philosophie von, mit und nach Nietzsche vom Tisch gewischt (diese Aussage stammt freilich bereits aus dem Jahr 1976: Bob Marley - Jah Live, 1975; The Cimarons - Jah No Dead, 1976; Burning Spear - Jah No Dead, 1980). Im kulturellen Kontext kann man diese Aussage(n) durchaus als direkt gegen die Philosophie von Nietzsche gerichtet bezeichnen. Ich weiss, dass eine solche Ansicht Kontroversen auslösen könnte, etwa gegen den Sozialismus, aber erstens ist Rastafari/Reggae nicht gegen den Sozialismus gerichtet (das zeigen Titel wie Max Romeo - Socialism Is Love [1974] oder The Ethiopians - Socialism Train [1975]), und zweitens war der frühe Utopische Sozialismus nicht unbedingt antireligiös - das zeigen Figuren wie Henri de Saint-Simon, Félicité de Lamennais, Wilhelm Weitling, Moses Hess oder Christoph Blumhardt. Ich möchte also diese Diskussion hier nicht unbedingt führen. Die Religion, und insbesondere auch die christliche Religion, scheint mir nicht unbedingt festgelegt zu sein in ihren politischen Standpunkten. Hingegen scheint v.a. mit Marx - aber auch mit frühreren Figuren wie Babeuf, Owen oder Fourier - ein gewisser anti-religiöser Reflex in den Sozialismus hineingekommen zu sein. Leider ist mit Eduard Bernstein auch der Begründer der revisionistischen Sozialdemokratie, welche den sozialistischen Einfluss im Westen anführte (nachdem sie sich durchgesetzt hatte gegen den Anarchismus und den Kommunismus), nicht ganz befreit davon. Dies ist für mich auch der Grund dafür, dass der Sozialismus im Westen immer nur eine ergänzende Ideologie geblieben ist und die hier kein eigenständiges Gesellschaftssystem begründen konnte, sondern nur - aber immerhin - die Soziale Marktwirtschaft mitbegründen konnte. In einer postmodernen Demokratie kann und soll das Volk bestimmen, wie gross der Anteil der verschiedenen ideologischen Richtungen in Politik und Wirtschaft sein soll (von rechts nach links: Konservatismus, Religion/Christentum, Liberalismus, Sozialismus, Ökologismus - dies entspricht der historischen Entwicklung: in einigen Staaten ist jedoch die Religion nach dem Aufkommen des Sozialismus und dem Rechtsrutsch des Liberalismus in die Mitte gerückt [so etwa in der Schweiz, wo sich die ehemalige christliche Partei heute als 'Die Mitte' bezeichnet]; man könnte vielleicht sagen, dass in gesellschaftlichen Fragen eher der Liberalismus im Zentrum steht, in wirtschaftlichen dagegen eher die Religion - aber dieser Einwand zeigt vielleicht, dass die einzelnen Positionen in diesem System nicht ganz unvariabel sind). Die Demokratie bleibt ein Zusammenspiel von Freiheit (Liberté!), Gleichheit (Égalité!) und Brüderlichkeit (Fraternité!), wie sie im Zeitalter der Aufklärung als Credo der (wahren) Bürgerlichkeit begründet wurde (wenngleich man heute sagen müsste: Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit). Es bleibt zu sagen, dass Politik - ein Begriff, der vom antiken Polis-Begriff abgeleitet ist - nicht Spaltung bedeutet, sondern: den gemeinsamen Willen, die Probleme der Zeit und Gesellschaft adäquat zu lösen. Am Ende des weltlichen Ideals stehen sich die Weltregierung und die (Direkte) Demokratie gegenüber - für die Bildung einer demokratischen Weltregierung und einer weltregierenden Demokratie (gerne inspiriert von allen geistigen Bereichen der menschlichen Kultur: von Religion, Philosophie und Wissenschaft, sowie Politik und Wirtschaft sowieso, welches eigentlich Disziplinen der Philosophie sind, aber auch Kunst und Spiel).

So kommen wir vom einen zum anderen und werden am Schluss in einfacher und verständlicher Art und Weise alles erklärt haben, was der postmoderne Mensch verstehen und begreifen muss.

Wer nicht mehr so recht weiterkommt mit seinem Glauben heute (und von denen soll es ja einige geben, wie Mani Matter gesagt hätte), der/die könnte sich z.B. mit den bedeutendsten Schweizer Theologen des 20. Jahrhunderts beschäftigen: Karl Barth (Theologielehrer), Ernst Sieber (Armenpfarrer), Hans Küng (Spezialist der Ökumene - siehe auch: wie Küng das Christentum sieht [wäre die Welt eine andere geworden, wenn Küng Papst geworden wäre und die katholische Kirche seine Forderung nach einem Weltethos unterstützt hätte? - das scheint mir eine der interessantesten Fragen der heutigen Zeit zu sein]). Die stärksten Felder des schweizerischen Geistes sind die Theologie und die Psychologie (was manche erstaunen mag, aber es ist halt einfach so - grosse Psychologen sind etwa Bleuler, Jung oder Piaget [nicht die Wirtschaft? Nein, nicht im (geistes-) wissenschaftlichen Bereich; mit der Philosophie haben sie es ein bisschen weniger, wenngleich die Schweiz auch eine grosse philosophische Tradition hat, v.a. auch dank den ausländischen Aufenthaltern und Gästen (von Hegel und Goethe oder Adorno und Benjamin über Rousseau und Voltaire bis Bakunin und Lenin, u.v.a.), während - immerhin und sehr bemerkenswert - in der Moderne immer auch Philosophen beteiligt waren, wenn sich in der Schweizer Politik Entscheidendes ereignete: Iselin (Helvetische Gesellschaft/Aufklärung), Troxler (Bundesstaat, Bundesverfassung), Lange (Direkte Demokratie)]).

Wir erleben derzeit einen Neokonservatismus, welcher nur sich selber gelten lässt, wie wir zuvor einen Neoliberalismus erlebt haben, welcher nur sich selber gelten liess. Sie versuchen alles, um die historische Entwicklung umzustürzen, aber es gelingt ihnen nicht. Der Neoliberalismus ist an der ökologischen Frage gescheitert, der Neokonservatismus wird an der sozialen wie an der ökologischen Frage scheitern (als ob nicht der Liberalismus und der Neoliberalismus schon an diesen Fragen gescheitert wären - es ist ein kopfloser Versuch, welcher aber immerhin bedeuten kann, gewisse Werte wiederzuerinnern, mehr aber nicht). Wir müsen die ganze Entwicklung erkennen und alles berücksichtigen. Der Mensch ist letztlich frei zu wälen, aber er kann nicht sagen, dass dies oder jenes nicht stattgefunden habe. Alles hat stattgefunden (das ist die Ausgangslage in der postmodernen Zeit), und alles hat aus gewissen bzw. guten Gründen stattgefunden. Ich gehe weiter und sage: jede Ideologie ist für sich - in ihrer reinen Form - eine gute Ideologie, und sie könnte funktionieren, wenn die Menschheit einfältig genug dazu wäre, was sie aber nicht ist. Wäre es nicht schön, einen gerechten König zu haben, und eine Ethik und ein Gesetz, woran sich alle halten? Wäre es nicht schön, einen Christus zu haben, der - ohne weiteres - alle überall zum Guten inspiriert und motiviert? Wäre es nicht schön, eine Freiheit zu haben, welcher alle gerecht werden können? Wäre es nicht schön, wenn alle Menschen einander lieben würden, und wenn sie zusammenarbeiten würden, ohne von höheren Mächten dazu angetrieben zu werden? Wäre es nicht schön, wenn wir alle wieder Kinder der Natur würden schliesslich, im Einklang mit dem Natürlichen alleine? Das mag alles schön und gut erscheinen, aber die Menschheit ist nicht so, wie sich in allen Fällen gezeigt hat oder noch zeigen wird. Daraus kann man zwei Folgerungen ableiten: entweder verwirft man alle Ideologien (Bell: The End of Ideology [1960]) oder man erklärt alle Ideologien für wahr [wie es Vivekananda bekanntlich mit den Religionen machte, beim Weltparlament der Religionen, 1893], alleine aber nicht lebensfähig, sondern nur im Verbund miteinander brauchbar (weil sie als Reaktionen aufeinander entstanden sind, um jeweilige Lücken zu schliessen, welche die älteren Ideologien aufgerissen hatten, und weil - wenn dieser Prozess beendet ist - alles zuammenkommen muss, zuerst im Streit und danach, so können wir hoffen, in einer immer grösser werdenden Einsicht). Das ist das, was ich mache. Ich sage, der Mensch braucht alles, um überleben zu können in einer immer schwierigeren und komplexeren Welt und Zukunft: die Religion, die Philosophie und die Wissenschaften, und alle Ideologien der menschlichen Kulturgeschichte. Wir müssen diesen intellektuellen Schluss akzeptieren (ob es uns passt oder nicht), denn die Zeit der Bildung von allzu einfach gestrickten Ideologien, die alle für sich alleine genommen gnadenlos scheitern, ist vorbei. Die Menschheit kann sich solches nicht mehr erlauben heute und in der Zukunft (mit den Waffen, die wir heute haben, und mit dem Chaos, welches wir auch sonst und überhaupt in unseren Gesellschaften heute produzieren können). Kann man nicht die ganze Entwicklung akzeptieren, und trotzdem für sich eine bestimmte Richtung favorisieren? Ich bin ein Systemwähler geworden - ich wähle das, was das System gerade am Meisten braucht (oder zu scheinen braucht - sicher sein können wir nie, sondern wir können es immer nur abschätzen, nach bestem Wissen und Gewissen). Anti-intellektuelle Züge und Reflexe sind für mich schwer verständlich in dieser heutigen Zeit (es gibt sie gerade in Ländern, die sich besonders freiheitlich nennen besonders oft [z.B. in den USA oder in der Schweiz] - das Leben ist voller Paradoxien). Denn ich bin zwar ein intellektuelle Arbeiter, das heisst: einer, der am Intellektuellen und an den Ideen arbeitet, aber ich sehe rund um mich herum nur intellektuelle Menschen. Menschen, die in ihren eigenen Ideen verwoben, verstrickt, verloren und verstockt sind. Der Mensch ist ein Ideenwesen. Wer das verleugnet, der hat die Conditio humana nicht verstanden.

Die Veröffentlichung vom grossen Werk von Adam Smith, "The Wealth of Nations" (dt. Wohlstand der Nationen, 1776), bedeutete die Begründung der moderne Volks- und Marktwirtschaft. Nach ihm gab es nicht bloss drei Stände, wie wir im geschichtlichen Unterricht hören, sondern eigentlich... fünf. Neben dem Adel und der Geistlichkeit bezeichnete Smith nämlich die Arbeitgeber (damals v.a. Fabrikherren, wobei auch die Grundbesitzer und Freibauern dazu zu zählen wären) als Dritten Stand. Aber was ist denn mit den Anderen? Wir gehen ja in der Schulbildung (heute noch) davon aus, dass die Revolution v.a. von Arbeitern, d.h. von den Massen, und Verbrechern geführt worden ist (also von 'den Elenden', nach Victor Hugo ['Do you hear the people sing? Singing a song of angry men? It is the music of a people who will not be slaves again! When the beating of your heart echoes the beating of the drums there is a life about to start when tomorrow comes! Will you join in our crusade? Who will be strong and stand with me? Beyond the barricade is there a world you long to see? Then join in the fight that will give you the right to be free!', oder auch: 'give me your hungry, your tired, your poor - I'll piss on 'em, that's what the Statue of Bigotry says: your poor huddled masses, let's club 'em to death, and get it over with and just dump 'em on the boulevard']). Den vierten Stand würden demnach die Arbeiter (oder heute: Arbeitnehmer) bilden, als 'diejenigen, auf deren Stimme man nicht hört' (bzw. nicht hören muss, nach Smith [weil sie aufgrund ihrer Erziehung gar nicht zu eigenen Urteilen fähig seien] - also quasi: die Unständigen oder Unständischen), während der fünfte Stand von den Randständigen gebildet wurde (oder: den Unanständigen, quasi). Die ersten beiden Stände wurden bei der Französischen Revolution beseitigt, die anderen drei aber wurden beibehalten... Solcherart sind die Fehler, mit denen uns falsche Dinge gelehrt werden. Wir leben also immer noch in einer ständischen Gesellschaft - jeder spürt und weiss das eigentlich. Trotzdem wird in unseren Schulen gelehrt, dass die ständische Gesellschaft in der Zeit der Französischen (Bürger-) Revolution (1789) abgeschafft worden sei. Manchmal lohnt es sich, diese alten Werke wirklich zu lesen... (auch wenn sie noch so mühsam erscheinen heute). Deswegen auch hat die Welt dermassen gestaunt, als die Sozialisten mit der Idee der klassenlosen Gesellschaft aufgekommen sind, und den Liberalisten erschien dies als die absurdeste und grauenhafteste Idee überhaupt. Interessant ist natürlich auch, dass diese (heutigen) Wirtschaftsstände und -gründe vor der Revolution begründet wurden, denn zuerst musste die neue Gesellschaft eine eigene Wirtschaft haben - und nur auf dieser Grundlage war dann auch (kurz darauf bzw. erstaunlich kurz darauf) eine gesellschaftliche Revolution möglich. Trotzdem waren es natürlich die Philosophen, welche diese Revolution (von der heute niemand mehr gerne spricht, übrigens) initiiert haben, mit den aufklärerischen Philosophen (Montesquieu, Voltaire, Rousseau - später etwa auch: Kant, Condorcet) sowie den voraufklärerischen Philosophen (Locke, Bayle, Diderot). Wie gut, dass man nach der Revolution dann schrittweise doch auch eine Demokratie eingeführt hat. Denn in dieser können wir nun wählen (und in der Schweiz sogar abstimmen), wie wir die ganze Sache gerne eingerichtet haben möchten - trotz aller Störfrequenzen, die wir gerade heute wieder einmal feststellen müssen. Die Demokratie macht nämlich eine weitere Revolution (vielleicht, oder vermutlich) hinfällig, wenn sie vernünftig gehandhabt wird (und nicht nur an der Urne, sondern auch im Volk stattfindet). Ein Problem bleiben natürlich weiterhin all jene Länder in der Welt, die gar nie eine Revolution gehabt haben (oder die falsche, und die auch nie neu und von vorne anfangen konnten [mit all den Tücken, welche auch solches hat], wie quasi die afrikanischen Staaten nach ihrer Befreiung vom westlichen Kolonialismus und Imperialismus), und die daher einen geringen bis gar keinen Bezug zur Demokratie haben (die ja eben, man kann es nicht genug sagen, nicht nur an der Urne stattfinden kann, sondern auch im Volk stattfinden muss). Wie können sie friedlich an die modernen gesellschaftlichen Strukturen herangeführt werden? Das ist auch eine der grössten Fragen in der heutigen und kommenden Zeit.

Die christliche Kultur wurde zuletzt, d.h. nach deren Verunglimpfung durch Nietzsche (und andere), stark von jüdischen Denkern geprägt, die aber auch gar nicht eigentliche Vertreter des jüdischen Glaubens waren/sind, sondern Menschen, die nirgendwo mehr dazugehörten: weder zur jüdischen noch zur christlichen Kultur (vorab Marx, Freud, Einstein - aber auch etwa: Friedman, Miller [in den USA]). Dies müssen wir relativieren. Wir müssen das, was sie der westlichen Kultur und der Weltkultur sagen wollen, ernstnehmen. Andererseits aber ist auch die ganze Radikalität davon zu verwerfen. Diese widerspricht insbesondere dem Postulat der europäischen Vernunft (diese wiederum kann nur noch ein ewiges Postulat [d.h. Gefordertes, Erbetenes, vor Gericht Beanspruchtes oder Behauptetes] sein, weil die Europäer sie in ihrer eigenen imperialistischen Politik selber heruntergemacht haben - von daher gesehen, war ja Nietzsches Totalkritik nicht ganz unangebracht, aber trotzdem). Die bedeutende Schwäche der christlichen Kultur dieser Zeit, die offenbar sehr grosse Mühe bekundet, sich adäquat zu erneuern, muss als ein grosses Weltproblem betrachtet werden. Wir stehen mitten im biblischen Dilemma drin vom 'Wenn ich will, dass er bleibt, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!' (Johannes 21,22). Dieser Satz scheint direkt auf die Johannesoffenbarung zu zielen, aber wir wissen nicht, was Jesus wirklich vorhat(te [denn die Offenbarung des Johannes ist im Ganzen gesehen eine sehr wirre und unklare Schrift, gerade wenn es um die Absichten geht, die dahinter stehen]). Wir können ihm nur vertrauen oder nicht. Vielleicht wird der letzte Prophet diese Dinge entwirren, aber ich glaube nicht, dass es heute Zeit ist für eine solche Figur. Ich glaube nur, dass es Zeit ist, den Menschen mitzuteilen, dass sie diese Figur vorbereiten sollten, d.h. dass sie eine Welt einrichten sollten, in welcher eine solche Figur auftreten kann (damit es nicht zu einem ähnlichen Dilemma kommt wie bei Jesus Christus). Der Clou davon ist natürlich: wenn die Menschen eine solche Welt einrichten würden, bräuchte es diese Figur gar nicht mehr. Sie könnte dann nur noch kommen und sagen: Das habt ihr gut gemacht! Und: Weiter so! Das ist das Ziel. Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!

[Weiter geht es in der Philosophie zwischen der Natur und dem Kapital bald - oder zumindest irgendwann. Im Januar 2026].

P.S. Zur Erinnerung: das ist - ganz kurz - die Entwicklung im digitalen Bereich (seit die Welt verrückt geworden ist): 1975 Altair 8800 gilt als erster PC (Personal Computer). 1978 Space Invaders ist der erste grosse kommerzielle Erfolg im Bereich von Videospielen. 1981 IBM Personal Computer ('PC') setzt den Standard für PCs. 1985 Microsoft Windows bildet den neuen Standard im Bereich der Betriebssysteme; Super Mario Bros. bildet und erobert den Mainstream im Videospielbereich. 1989-1991 Tim Berners-Lee entwickelt am CERN in Genf das WWW (World Wide Web). 1993 Der erste Webbrowser Mosaic führt zu einer ersten Popularisierung des Webs (erstmals über 1 Mio. Rechner angeschlossen). 1994 Webshop Amazon (und zunehmende Kommerzialisierung des Webs). 1995 Weitere Popularisierung des Webs durch die neuen, besseren Browser Netscape Navigator und Microsoft Internet Explorer; RealNetworks legt mit RealAudio den Grundstein für die Streamingdienste (heute: Spotify, Netflix). 1997 Einführung der neuen Standardsuchmaschine Google; Ultima Online ist das erste grosse MMOG (Massively Multiplayer Online Game - und hat den Begriff der MMORPG [Massively Multiplayer Online Role-Playing Game] geprägt). 1998 Online-Bezahldienst PayPal. 2000 Dotcom-Blase: Börsenspekulationsblase mit Dotcomunterhmen (hat der digitalen Entwicklung jedoch in keiner Art und Weise geschadet); I-love-you-Virus wird wegen seiner raschen und weiten Verbreitung zum Inbegriff von Schädlingen im Netz. 2001 Einführung der Internetenzyklopädie Wikipedia (eine Art relativ kurze Intellektualisierung des Webs [oder ein Versuch dazu]). 2003 Second Life, die erste grosse Virtual-Reality-Plattform, wird trotz der Beteiligung vieler Unternehmen zu einem der grössten und berühmtesten Flops der Internetgeschichte (aber das letzte Wort ist in diesem Bereich wohl noch nicht gesprochen - die KI könnte das verbessert wieder aufbringen [oder verschmelzen gar digitale Welt und Alltagswelt auf eine andere Art und Weise?]). 2004 Popularisierung des Social-Media-Bereichs durch Facebook. 2005 Youtube. 2006 Amazon Web Services startet modernes Cloud-Computing (gefolgt in den nächsten Jahren von Google App Engine und Dropbox). 2007 Apple iPhone mit dem Beginn des heutigen Status' des Smartphones (fast bis zur Omnipräsenz). 2009 Internet-/Kryptowährung Bitcoin (hat sich aber bis heute nicht so richtig durchgesetzt). 2010 Instagram. 2012 Google Chrome wird der am weitesten verbreitete Webbrowser. 2016 TikTok. 2022 Einführung der ersten kommerziellen Künstlichen Intelligenz ChatGPT (die sofort sehr erfolgreich ist, rasch gefolgt von anderen KIs wie Google Gemini, Claude, Microsoft Copilot, Grok). [In der genau gleichen Zeitspanne ist die Menschheit ebenfalls mit dem Aufkommen des Ökoproblems beschäftigt. Und heute haben wir Techmilliardäre gegen Grünalternative (in der Zeit der Techmilliardäre drohen die Grünen tatsächlich wieder zu den Alternativen zu werden, die sie anfangs waren).]

Ebenfalls eine Erinnerung wert ist die Tatsache, dass die Gegenwelt zu dieser heutigen digitalen Welt ja noch gar nicht so lange zurückliegt (und sogar, irgendwie, bis fast in die heutige Zeit noch hineinreicht) - es ist (natürlich) die Zeit der grossen Romane... als die Schriftsteller noch Zeit hatten, bis zu tausend oder gar tausende Seiten zu schreiben für ihre langen Romandarstellungen (und auch in der Philosophie, notabene). Das waren ja Leute wie Madeleine de Scudéry (1607-1701), Alexandre Dumas (1802-1870), Victor Hugo (1802-1885), Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1888), Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910), Marcel Proust (1871-1921 - sein grösster Roman umfasst, je nach Übersetzung, 3000 bis 5000 Seiten!), Thomas Mann (1875-1955), Robert Musil (1880-1942), James Joyce (1882-1941), Jules Romains (1885-1972), Thomas Pynchon (geb. 1937), dazu auch ein paar weniger bekannte Schriftsteller und Schriftstellerinnen - diverse ältere und neuere lange Romane gibt es auch in China und Japan. Bei den Philosophen mit den längsten und komplexesten Werken müssten man wohl etwa Thomas von Aquino, Baruch de Spinoza, Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel aufzählen (in meinem ersten Buch [2003] habe ich es auch noch auf satte 612 Seiten gebracht, und alles selber redigiert, danach versuchte ich, mich ein bisschen kürzer zu fassen). Ich glaube, ich brauche ein bisschen Gegenwelt, im Moment, und da ich die Philosophen bereits fast alle gelesen habe, lese ich derzeit vermehrt wieder grosse alte Romane (da habe ich noch Lücken).

Ich fange an mit 'Anna Karenina' und werde mich auch ein bisschen mit der russischen Literatur befassen. Ich möchte mich auch ein bisschen mit der russischen Seele beschäftigen. Ich weiss nicht, ob man das verstehen kann, aber ich werde mir Mühe geben und versuchen fair zu sein. Der Roman enttäuscht mich allerdings schon auf den ersten Seiten - das ist ja reine Propaganda gegen den britischen Liberalismus und gegen das deutsche Wesen (und in den Sozialen Medien hat man mir versichert, dass man stolz darauf sei, und dass das in den russischen Schulen Pflichtlektüre ist [denn da gebe es noch Bildung, im Gegensatz zur Unbildung im Westen]). Ich bin gespannt, ob da noch mehr kommt...

Im Web habe ich eine Aussage gefunden von einem Ex-Putin-Berater, namens Karaganow. Er sagt, Europa sei die Quelle des Elends und des Bösen in der Geschichte, und dass man offenbar bei einem Krieg gegen Europa zuerst Deutschland angreifen wolle. Warum sollte man das heutige Deutschland angreifen? Das ist doch blosser Irrsinn. Und dieser Irrsinn hat offenbar Methode, nicht erst seit dem Zweiten Weltkrieg, wie man meinen könnten, sondern bereits seit der Zeit von Tolstoi und vermutlich geht das noch weiter zurück. Ich sehe tiefe Minderwertigkeitskomplexe im russischen Wesen und in der russischen Seele, die zu solchem führen (das hat man ja auch bei Putin gesehen, diese Minderwertigkeitskomplexe [berechtigt oder nicht?] - bei den Russen ist das aber sehr speziell, mit diesen Minderwertigkeitskomplexen, denn diese kommen nicht davon, dass man weniger wäre, sondern: dass man mehr sein möchte, als man tatsächlich ist; das ist das russische Problem). Der Anti-Europa-Reflex ist natürlich heute sehr leicht zu bedienen, die Wahrheit aber ist, dass Europa im Aufbruch ist (seit dem Zweiten Weltkrieg), Russland dagegen im Niedergang (seit dem Kalten Krieg). Aus der Geschichte wissen wir, dass Propaganda zwar relativ viel auf den Kopf stellen, die Wahrheit letztlich aber nicht verdrehen kann. Europa rate ich dazu, die aktuelle Situation genau zu analysieren, und zu schauen, mit wem es sich lohnt, in Zukunft zusammenzuarbeiten und mit wem nicht. Es könnte sein, dass es ein paar weitere Überraschungen geben wird in der Welt der Zukunft. Ein geopolitisches Problem von Russland ist, dass es seine heutige Grösse aufgrund von Landmassen erworben hat, welche es China geklaut hat - das ist natürlich im heutigen Aufstieg Chinas ein gewisses Problem, und ich kann mir vorstellen, dass dies die Hauptsorge von Putin ist. Und so könnte sich auch der imperialistische Vorteil Russlands gegenüber Europa verkehren in einen Nachteil. Europa ist nämlich heute relativ à jour mit seiner Vergangenheit, nicht was das Image in der Welt betrifft, sondern was die Geopolitik betrifft, während Russland da eben ein ziemlich grosses Problem auf seiner Weltkarte hat (daher versucht Putin die Aufmerksamkeit weiter gegen Westen zu lenken).

Sie überschätzen sich ja alle heute, und ich möchte sie doch alle bitten, von ihren hohen Steckenpferden ein bisschen herunterzukommen und sich bewusst zu werden, dass sie alle heute zu einer Gattung, der Menschen, gehören, welche vom jüngsten Gericht Deus sive natura angeklagt sind, wegen Schwerstkriminalität, gegen die ökologische und gegen die soziologische Wahrheit. Und sie suchen alle den Fehler bei den Anderen, dabei sind sie ja der grosse Fehler. Es macht überhaupt keinen Sinn in dieser Zeit Kriege zu führen. Es ist absolut sinnlos, und jeder vernünftige Mensch sieht das ein.

Wir brauchen eine Weltregierung. Die Menschen sind nicht mehr in der Lage, sich selber zu regieren, durch ihre Staaten - die Probleme sind zu gross geworden. Und die KI wird ihnen nicht helfen dabei. Ausserirdische werden auch keine kommen. Beten wollen sie auch nicht (sondern Kriege führen). Also brauchen wir eine Institution, die verantwortlich ist für die Welt. Warum gibt es das nicht??? Es gibt keine andere Möglichkeit mehr - das zeigt diese Zeit überdeutlich. Die Staaten müssen schrittweise entmachtet werden (nicht abgeschafft, sondern in ihrer Macht eingeschränkt) - je rascher desto besser. Es kann nicht sein, dass nur 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg von denselben Staaten schon wieder von Weltkrieg die Rede ist (es leben immer noch Leute heute, welche den letzten Weltkrieg miterlebt haben). Schon das Sprechen darüber ist eine absolute Unmöglichkeit. Ich verstehe nicht, warum die Leute das nicht so sehen - dass nicht einmal unsere Medien das so sehen... Wenn die Menschen wider die Vernunft handeln, werden sie das Schlimmste erleben, was sie je erlebt haben (für nichts und wider nichts - denn es gibt nur sehr viel zu verlieren in dieser Zeit, aber nichts zu gewinnen [wer Boden hat, wird dafür verantwortlich gemacht werden: niemand will noch mehr Boden in dieser Zeit - nur wer vollkommen verrückt ist, und dasselbe gilt auch für die Macht: wer will heute Macht, wenn er morgen dafür verantwortlich gemacht wird - in dieser Zeit!??]). Und danach wird das kommen, was man heute schon tun könnte.

Was bedeutet eigentlich das ganze Verschwörungstheoriewesen rund um den Weltregierungsbegriff - das ist ja sogar die grösste und letzte Verschwörung für Leute, die an so etwas Freude haben. Da muss man sich natürlich fragen, was für Leute denn interessiert sind daran, dass die Welt nicht regiert wird. Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. Dann sieht man auch gleich, was das für Leute sind, die solche Verschwörungstheorien verbreiten (um die anderen Leute damit zu verunsichern). Wenn die Welt aber regiert werden soll (wie alles, was in der Welt ist: von den Staaten über das Ich-Bewusstsein bis zu den Zell- und Atomkernen), dann stellt sich natürlich die Frage, wie das geschehen soll. Und das ist die wirklich ganz grosse Frage für mich. Es gibt - obwohl die Welt ganz offenkundig bereits am Abgrund steht - noch immer keine Diskussion dieser Frage, aus den genannten Gründen. Im Zusammenhang mit diesen ganzen Verschwörungstheorien steht ja auch der Elitebegriff ganz wesentlich. Die Verschwörungstheoretiker sind gegen die Elite, ganz einfach begriffsmässig und grundsätzlich (und sehr tendenziell bis fundamentalistisch, natürlich). Sie sagen uns aber nicht, wie wir denn unsere heutigen Gesellschaften organisieren sollten ohne Eliten. Das sagen sie nicht. Früher lebten die Menschen in sehr kleinen Dorfgemeinschaften, wo jeder jeden kannte. Und selbst da noch wurden Dorfhäuptlinge oder -älteste als Eliten betrachtet. Hat es je eine Menschheit ganz ohne Elite gegeben? Ich weiss es nicht. Jedenfalls ist solches in der heutigen Zeit absolut undenkbar. Die Frage ist nicht: Elite ja oder nein. Sondern: was für eine Elite. Das ist die Frage, und das sind die Fragen. Heutige politische Bewegungen zielen gegen die Eliten, um selber die Macht übernehmen und eine eigene Elite bilden zu wollen, welche auf null Grundsätzen und reiner Willkür besteht. Das ist ganz sicher keine gute Lösung (und mit Konservatismus hat das natürlich schon erst recht überhaupt gar nichts zu tun, sondern bloss mit reiner Unvernunft). Und das haben wir in der Geschichte bereits allzu oft gesehen - das ist dem Untergang geweiht. Die Menschheit muss endlich anfangen, sich vernünftig zu organisieren (bevor es dafür zu spät sein wird). Die Menschen haben immer noch nicht verstanden, dass wir heute an einem ganz wichtigen und vermutlich entscheidenden Punkt der menschlichen Kultur und Geschichte stehen. Die Probleme der Menschheit sind so gross geworden, dass wir sie nicht mehr nach alten Mustern lösen können, sondern: wir müssen eine Vernunft entwickeln, welche dieser Zeit und deren Herausforderungen gerecht werden kann. Das ganze Gegeifer der Verrückten kann man sehr leicht relativieren. Das sind nämlich alles Menschen - fast ausnahmslos - welche, wie wir alle, von dieser heutigen, neuzeitlichen und spätmodernen Welt und Gesellschaft in der verschiedensten Art und Weise profitieren. Man stelle sich vor, wie oft ein heutiger Mensch im ganz normalen Alltag von der Struktur dieser Gesellschaft und Politik profitiert. Sie profitieren und profitieren und profitieren und lassen gleichzeitig dieses ganze Gegeifer gegen die Politik und deren Eliten los. Das ist nicht normal, sondern das ist verrückt. Eine vernünftige Kritik ist normal und zweckdienlich, aber nicht das, was da heute abgeht. Heute ist es nicht mehr gefährlich, sich für die Anarchie einzusetzen, sondern dagegen.

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