Philosophisches Manifest -
Das Manifest der wahren Philosophie

(von Marco Hirt)

1. Die Philosophie ist heute wichtiger und bedeutender denn je. Die Philosophie (-geschichte) bietet bedeutende Hinweise zur Gegenwart. Diese ist ohne die Philosophie (-geschichte) nicht recht verständlich. Philosophie ist Ideengeschichte, Sinnzusammenhang und Weltdeutung. Religion, Philosophie und Wissenschaft sind - nach Comte (und dem gesunden Menschenverstand) - drei verschiedene Dinge (es gibt in diesem Sinn keine 'wissenschaftliche Philosophie' - ebenso wenig wie eine 'philosophische Religion').

2. Philosophie beginnt mit der Suche nach dem Urgrund (oder: der Uridee). Diese mündet in die Erwägung von (Ideen-) Systemen. Diese führen zu Zweifeln, schliesslich zur Überwindung der Zweifel und zu neuen philosophischen Prozessen und Systemen.

3. Wir brauchen einen philosophischen Urgrund. Dafür kommt eigentlich - nach Parmenides - nur das (Da-) Sein in Frage. Denn alles, was ist, benötigt (Da-) Sein, um überhaupt (da) zu sein (sogar Gott [Sein thematisiert in der Bibel (2. Mose 3,14)], womit gesagt ist, dass der philosophische Urgrund vor dem religiösen steht). Das (Da-) Sein ist ewig: was einmal (da) war, wird immer ([da] gewesen) sein. Die Teilgebiete der Philosophie sind: Metaphysik, Systematik, Logik, Ethik, Politik. Der logische Zusammenhang bildet die Logistik einer (bestimmten) Philosophie.

4. Die religiöse Grundbedeutung ist diese: Gott und/oder - nach Spinoza - Natur schöpft vom Sein ins Dasein. Ob wir (einen theistischen) Gott oder (eine atheistische) Natur einsetzen, verändert die Philosophie als solche insgesamt nicht.

5. Die physikalische Entwicklung der Welt ist dreifaltig: (Da-) Sein, Raum-Zeit, Materie-Feld-Energie (ferner nach Laotse: «aus der Drei entstehen alle Dinge» - ich spreche diesbezüglich von der 'Einfachen Erkenntnis der zweifachen Dreifachheit (der [Menschen-] Welt)': Für die Materie gilt: Atom, Molekül, Körper. Das ist die Grundlage der kausalen Naturwissenschaft (Physik - Chemie - Biologie). Für den Menschen gilt: Körper, Seele, Geist. Das ist die Grundlage der intentionalen Geisteswissenschaft. Im Bewusstsein entscheiden sich die menschlichen Dinge (das Urbewusstsein besteht aus Orientierung, Konzentration und Koordination).

6. Wir benötigen ein philosophisches Grundsystem. Dafür kommt eigentlich nur ein sogenanntes Schichtenmodell in Frage (vgl. Aristoteles, Bovillus, Hartmann, Gebser), welches vom Materiellen (Körperlichen) zum Mentalen (Geistigen) und - nach Locke, Bentham und Mill - schliesslich zum Utilitären (Nützlichen) fortschreitet. Nur was auch nützlich ist, macht letztlich wirklich Sinn (da es sich hierbei um eine Letztbegründung handelt, sollte diese in höchster Verantwortung und Fairness aufgefasst und angewendet werden). Meine Systematik vom (Da-) Sein, welche mein eigentliches philosophisches System darstellt, beinhaltet die fünf (emergetischen) Dimensionen vom (Da-) Sein, Leben, Glauben, (Nach-) Denken und Handeln (sowie Gut-Handeln und Nicht-Handeln - kurz also: Sein, Leben, Glauben, Denken, Handeln [Anm.: unter dem Glauben verstehe ich nicht bloss ein religiöses Glauben, sondern das Glauben allgemein]).

7. Das Ziel des menschlichen Handelns besteht in der Menschlichkeit sowie in der Wirtschaftlichkeit (d.h. in der optimalen Bereitstellung und Verteilung von Gütern), Sozialgerechtigkeit und Umweltverträglichkeit (das sind die beiden Kernziele). Die Wissenschaften sind neu zu begründen, indem zwar die alte Trennung in Natur- und Geisteswissenschaft - nach Aristoteles - (unbedingt) beibehalten, jeder Bereich aber einer führenden Wissenschaft untergeordnet wird. Die Führerin der Naturwissenschaften ist die Ökologie, die Führerin der Geisteswissenschaften ist die Soziologie. Das entspricht einer konsequenten soziologischen und ökologischen Wende.

8. Die Weltpolitik braucht eine Führung. Dazu ist eine Weltregierung notwendig (d.h. - nach Kant und v.a. Selassie - ein gestärkter und verbesserter Vökerbund der UNO [United Nations Organization]). Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, warum die Welt nicht (vernünftig) regiert und geordnet werden sollte. Bei einer Weltregierung ist besonders auf die Schwächen und die schlimmsten Dinge in allem Menschlichen zu achten: Arroganz, Ignoranz, Impertinenz, Inkompetenz, Korruption, Mobbing. Eine Weltregierung soll nicht bloss zentralistisch sein, sondern kontinentale, nationale, regionale und lokale Gegebenheiten beachten. Politische Einheiten soll es auf allen genannten Ebenen geben (Welt, Kontinent, Nation, [Gross-] Region, Lokale Gemeinde).

9. Das beste (nicht das einzige) politische System ist - nach Aristoteles, Rousseau, Lange/Bleuler und Churchill - die Mischform zwischen einer (Direkten) Demokratie und einer Oligarchie/Elite (dies entspricht - in Verbindung mit einer [Liberal-] Sozialen Marktwirtschaft - exakt dem Schweizer System der heutigen Zeit [derzeit in der ökologischen Diskussion sind, alternativ, Modelle von einer Kreislaufwirtschaft]). Die (politische) Balance ist heikel, aber notwendig. Sie steht und fällt mit dem Ausgleich der Mitte (Konfuzius, Aristoteles). Das politische Motto der Aufklärung für eine freiheitliche Gesellschaft lautet: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit! (Lasst uns das nicht vergessen - es genügt politisch, an dieser [schwierigen] Formel weiterzuarbeiten; sie bildet auch - zurecht - noch immer das Grundgerüst der demokratischen Politik).

10. Es gibt - nach Holzapfel und (Agnes) Martin sowie den antiken Klassikern (Platon: Idee des Guten, Aristoteles: Glück als höchstes Gut) - ein All-Ideal, welches (nach mir) darauf zielt, dass alle Menschen in einer intakten Umwelt und Gesellschaft glücklich und zufrieden sind*. Dies - d.h. diesem All-Ideal möglichst nahe zu kommen - ist die ewige, immer wiederkehrende Aufgabe der Menschheit.

* Agnes Martin ist eine wenig bekannte minimalistische Malerin, die auch interessante philosophische Essays geschrieben hat. Sie sagt: «Was wir wirklich wollen, ist dem Glück dienen. Wir möchten, dass alle glücklich sind, nie unglücklich, auch nur für einen Augenblick. Wir möchten, dass die Tiere glücklich sind. Das Glück eines jeden Lebenwesens ist das, was wir wollen.» (1992). Sie macht zu dieser Ausführung der aristotelischen Behauptung des Glücks als höchstes Gut der Menschen eine (durchaus angebrachte) Einschränkung bezüglich der Möglichkeit der Realisierung dieses hohen Ideals, aber das Ideal selber ist letztlich relevanter als die Realisierung (das ist immer so im Idealen - wir versuchen das Ideale zu erreichen, obwohl wir wissen, dass es letztlich gar nicht gelingen kann [aber nur so kann das Bestmögliche erreicht werden, oder sogar nur das Gute, bei welchem wir eigentlich schon haltmachen können: was gut ist, kann einerseits noch besser sein/werden, ist andererseits aber eben auch schon gut genug]).

[Bern (Region), 26.10.2021 (Punkte 1-10), 23.11.2021 (Redaktion, Punkt 10 [neu]]), weitere Ausführungen zwischen 30.11.2021 bis 3.9.2022 [an den 10 Grundsatzpunkten wurde in dieser Zeit nichts verändert, ausser zwei Ergänzungen: siehe Nachträge zum Grundprogramm*], Redaktion der Zusätze vom 4.9. bis zum 14.9.2022

* Nachträge zum Grundprogramm - ich habe seit der ersten Publikation (und der oben beschriebenen Ersetzung des zehnten Punktes) nur noch wenig geändert. Zu Punkt 3: Änderung in der eckigen Klammer («Sein thematisiert...», vorher: «dessen Sein ist...») - ich gebe mir Mühe, in philosophischen Texten immer von Gott in der mystischen (neutralen) Form zu sprechen. Zu Punkt 5: Zusatz 'Einfache Erkenntnis der zweifachen Dreifachheit (der [Menschen-] Welt)' - «[...] ich spreche diesbezüglich von [...]» bis Abschnittende. Zu Punkt 6: Bezug zur Emergenztheorie ergänzt: «(emergetischen)». Zu Punkt 8: letzten Satz hinzugefügt - «Politische Einheiten soll es [...]». Anmerkung (zu Punkt 8): Einerseits haben wir heute immer mehr Probleme, die nur noch auf der Weltebene lösbar sind, andererseits muss die Konsistenz der Menschheit verbessert werden; dies erfordert einen adäquaten Ausgleich (ich sehe also eine Weltregierung nicht als ein rein elitäres Projekt).

Ich gehe in diesem Manifest (natürlich) nicht auf alle Aspekte meiner Philosophie ein, so fehlt hier etwa die Esoterik - mit einer Maitreya- und einer (King/Queen) Alpha-Rezeption (ursprünglicher Punkt 10 im Manifest, welchen ich durch die Erklärung des All-Ideals ersetzt habe, weil ich in diesem Manifest keine Esoterik anführen möchte [diese besteht im Hintergrund meiner Philosophie, ist aber nicht unbedingt nötig im Vordergrund] - siehe dazu: erstes und v.a. drittes Buch) - sowie die Spielphilosophie (diese wird in meinem nächsten, fünften Buch besprochen).




Das philosophische Ideal, wonach es allen gut gehen soll führt, natürlich nicht dazu, dass man als Mensch keine Gefühle der verschiedensten Arten und Weisen gegenüber anderen Menschen hat. Man ist und bleibt schliesslich ein Mensch, und man erlebt in seinem Leben die verschiedensten Situationen und Lebenslagen. Ich behaupte aber, dass es trotzdem einen Unterschied macht, ob man ein solches Ideal hat oder nicht. Und ich glaube auch, dass die Menschheit ein solches Ideal benötigt (ebenso ein philosophisches System/Weltbild; mein System berücksichtigt alle Ideologien, um die Übertreibung einzelner Ideologien zu verhindern [dagegen denke ich, dass eine anti-ideologische Haltung dies nicht leisten kann, sondern - mit ihrer Gleichgültigkeit - gerade das Gegenteil bewirkt: wir haben heute eine Zeit (zu) starker Ideologien ebenso wie eine Zeit der Anti-Ideologie - das geht scheinbar Hand in Hand]).

P.S. Ich habe mich dazu entschlossen die Zusätze, welche ich zum Manifest gemacht habe, zu entfernen. Zu viel Zusatztext überlagert das Manifest. Ohne Zusatztext scheint es dagegen vielleicht ein bisschen trocken, aber vielleicht muss ein Manifest so sein. Die Begründungen für die hier sehr kurz zusammengestellten Aussagen finden sich in meinen Büchern.

Ich gebe hier eine kurze Zusammenfassung von diesen (ehemaligen) Zusatztexten ('Kritik der Analytischen Philosophie') und werde das weitere davon in meinem nächsten Buch verarbeiten. Ebenso ist ein neuer, abrundender Zusatz gegeben ('Vom Problem mit der Elite und der Verbesserung der Menschheit' [13./14.9.2022]).


Kritik der Analytischen Philosophie. Ich habe - vor dem Hintergrund meiner systematischen Philosophie - in diesen Zusatztexten die Arbeitsweise der heutigen (sogenannt) Analytischen Philosophie* kritisiert, welche die systematische Philosophie verwirft und stattdessen eine (pseudo-) wissenschaftliche Philosophie betreibt, welche die Philosophie aufteilt in viele verschiedene Einzelteile und -fragen, an welchen alle Philosophen und Philosophinnen mitarbeiten können (ohne dass dabei irgendein Ganzes, oder auch schon nur wirklich Verbundenes, entsteht: es bleibt alles blosses Stückwerk). Dies führt zur heutigen Zerstückeltheit, Zerrissenheit und Zerspaltenheit der Philosophie, einer Philosophie, für welche sich (selbst im gesamtuniversitären und -intellektuellen Bezug) kaum noch irgendjemand interessiert, ausser die (universitären) Experten und Expertinnen, die sie betreiben. Die Art und Weise dieser Philosophie kommt erstens von der allgemeinen wissenschaftlichen Arbeitsweise, ohne dass die Philosophie damit wirklich wissenschaftlicher würde (denn sie bleibt trotzdem Philosophie und kann nicht [reine] Wissenschaft sein und werden), zweitens vom universitären Betrieb, in welchem, notabene bei einer weltweit ständig steigenden Zahl von Universitäten, Studierenden und Ausgebildeten, viele Arbeiten gemacht und Bücher geschrieben werden müssen - über irgendwelche Themen (Hauptsache: es sieht irgendwie philosophisch aus). Da ich denke, dass man in Zukunft auf keines von beidem verzichten kann - weder auf diese Art der heutigen universitären Philosophie, welche in der Einzelanalyse besteht, noch auf eine ganzheitliche Philosophie (die notwendigerweise von einem [unabhängigen?, konsistenten und deklarierten] Individuum, oder von einer ebensolchen Korporation [was vielleicht auch möglich wäre], gemacht werden muss?), habe ich - um der universitären Philosophie nicht die Wahrheit von meiner Seite her absprechen zu müssen, sondern diese ebenfalls gelten zu lassen und deren Notwendigkeit ebenfalls einzusehen - vorgeschlagen, von einer Allgemeinen (systematischen) und einer Speziellen (analytischen) Philosophie zu sprechen. Wenn Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) manchmal oder oft als letzter (grosser) Systematiker der Philosophie bezeichnet wird (was nicht ganz stimmt, da es im 20. Jahrhundert Hartmann und Gebser gab), kann man abschätzen in welchem Mangelzustand sich die heutige Philosophie befindet, die sich seit längerer Zeit praktisch nur noch an den Universitäten abspielt (die letzten grösseren, ausseruniversitären Philosophen waren nach meiner Kenntnis Voltaire und Rousseau im 18. Jahrhundert, sowie Mill im 19. Jahrhundert [hierzu rechne ich jemanden wie Gebser nicht, der - wie ich selber - universitäre Vorlesungen besuchte, ohne einen universitären Abschluss zu besitzen]). Und in diese Bresche bin ich quasi gesprungen. Ich habe in der aktuellen Philosophie irgendetwas gesucht und praktisch nichts von dem, was ich gesucht habe, gefunden. Daher habe ich meine eigene (andere) Philosophie begründet. Dies ist natürlich eine klare und grosse Kritik an der heutigen Philosophie (und Intellektualität) überhaupt.

* Ich fasse die Analytische Philosophie - wie hier dargelegt - nicht bloss als philosophische Richtung auf, sondern, darüber hinaus, als heutige universitäre Arbeitsweise in der Philosophie. Ich sehe den Kritizismus (Kritische Theorie und Poststrukturalismus), den Existentialismus und die Analytische Philosophie als die drei grossen Richtung der Philosophie des 20. Jahrhunderts (die allesamt aus dem 19. Jahrhundert stammen [Nietzsche, Kierkegaard, Frege] - im 20. Jahrhundert ist nichts Neues dazugekommen [wenn man von zwischenzeitlichen Phänomenen absieht, wie z.B. einer Ökophilosophie, ausgegangen etwa von Paul Shepard (The Subversive Science: Essays Toward an Ecology of Man, 1969), von den späteren 1960-er bis zu den früheren 1990-er Jahren]). Der Existentialismus spielt im 21. Jahrhundert praktisch keine Rolle mehr (obwohl er für mich v.a. in der Politik noch immer eine grosse Bedeutung hat [siehe auch: Michael Grossheim - Politischer Existentialismus (2002)]). Die kritizistischen Philosophen haben sich praktisch der analytischen Arbeitsweise angeschlossen - ein Beispiel u.v.a. ist Habermas, einer der bedeutendsten Ethiker der aktuellen deutschen Philosophie, welcher viele Vertreter der analytischen Philosophie in seinen Werken anführt (oder [vornehmlich US-] Philosophen im näheren oder weiteren Umfeld derselben), oder auch Höffe, einer der bedeutendsten Ethiker der aktuellen deutschen Philosophie. Der Kritizismus ist ebenso derzeit mehr oder weniger klar auf dem Rückzug. Was bleibt ist (alleine?)... die Analytische Philosophie, welche - portiert als Minderheitsphilosophie im deutschsprachigen Raum durch grösstenteils krisen- und kriegsbedingte Auswanderer, beginnend etwa mit Wittgenstein, folgend u.a. mit Auswanderern des neopositivistischen Wiener Kreises, in welchem viele vom Nationalsozialismus vertriebenen Philosophen und Wissenschaftler jüdischer Herkunft vertreten waren, im 20. Jahrhundert im englischen Sprachraum gross und in den USA zur führenden philosophischen Richtung dieser Zeit wurde. Ich habe überhaupt nichts gegen die US-Kultur, im Bereich der Philosophie bin ich jedoch kritisch, ob die US-Philosophie dem Anspruch der europäischen philosophischen Tradition gerecht werden kann - ihre eigene Philosophie bestand, vor dem beschriebenen europäischen Einfluss, eigentlich in einem Transzendentalismus und einem Pragmatismus (beides ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammend). Besonders letzteres kann ich als (eigentliche) US-Philosophie anerkennen - was das heutige ist (und soll [d.h. wo es hinfüren soll]), das ist mir eben aber letztlich nicht so ganz klar.

Anmerkung: Konkret aufgestossen ist mir die Methode der Analytischen Philosophie, als ein (sogenannt) wissenschaftlicher Philosoph zu meinen Büchern meinte, sie seien nicht wissenschaftlich, weil die Literaturhinweise fehlen würden. Das sind die kleingedruckten Hinweise auf andere (Fach-) Literatur zu den jeweils besprochenen Dingen, die jeweils unten an den Seiten angebracht werden (mit Bezügen aber auch im Text selber), welche den universitären Werken einen wissenschaftlichen Anstrich geben sollen. Nach dem Motto: ich sage dies, und jener hat etwas ähnliches gesagt, während wiederum ein anderer etwas ganz anderes gesagt hat, und verschiedene Leute sonst auch noch irgendetwas dazu sagten. Wenn das die Wissenschaftlichkeit einer Publikation unterstreichen soll, dann weiss ich nicht, was ich dazu sagen soll*. Eigentlich ist das v.a. Nachschlagefutter für Leute, die mit Universitätsbibliotheken arbeiten (Professoren/Professorinnen, Studierende und Ex-Universitätler). Mir ist es wichtig, möglichst gute Philosophie zu machen, und nicht möglichst viel Nachschlagefutter zu liefern. Die eigenen Aussagen finden sich in solchen Werken dann nicht selten an einem relativ kleinen Platz - mit sehr viel mehr oder weniger unnötigem Darumherum. Ich bin nicht gegen die Institution der Universität, aber ich muss darauf bestehen, dass auch eine ausseruniversitäre Philosophie - mit vielleicht ein bisschen anderen Methoden, Arten und Weisen** - ihren Platz und ihre Geltung haben muss.

* Das mag im technischen Bereich eine gewisse Geltung haben, in der Philosophie, in welcher man letztlich alles behaupten kann und immer auch dessen pures Gegenteil, für mich eher weniger - da geht es für mich doch eher und v.a. um die Behauptung und Ausführung der eigenen Sache (in dieser gibt es natürlich auch viele fremde Einflüsse, welche auch zu deklarieren sind, wo es Sinn macht, doch das sind letztlich derart viele Einflüsse, gerade auch mit dem Internet, was heute noch dazukommt [und in den Literaturhinweisen der (sogenannt) wissenschaftlichen Werken nicht berücksichtigt wird], dass man nur einen kleinen Bruchteil davon anführen kann, was ich im Text selber mache; dazu werde ich auch am Ende meines fünften Buches - noch einmal, wie im ersten Buch - meine persönliche Literaturliste anführen). Dazu zu sagen gilt es auch, dass es dafür, was einzelne Leute in der Philosophie zu einzelnen Dingen gesagt haben, spezielle Bücher gibt, wie Überblicke über bestimmte Themen und Fragen sowie auch Philosophielexika (und natürlich auch etwa die Wikipedia im Web und/oder schliesslich das ganze Web überhaupt).

** Zu diesen Methoden, Arten und Weisen der Philosophie muss man auch noch dies sagen, dass der Eindruck einer allgemeinen Einheit erst eben eigentlich mit der hier kritisierten Analytischen Philosophie aufgekommen ist. Wer nämlich die Klassiker der Philosophie (wirklich) liest, wird und muss rasch merken, dass jeder Autor (und jede Autorin) einen ganzen anderen Stil pflegt(e): von Konfuzius und Laotse sowie Platon und Aristoteles über Augustinus und Thomas bis zu Bacon, Hobbes, Descartes, Locke, Voltaire, Rousseau, Kant, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger, Sartre unter so vielen anderen. Da gibt es überhaupt keine Einheit irgendwelcher Art, weder vom Stil, noch von den Persönlichkeiten her (sondern: das ist alles nicht nur intellektuell, sondern auch höchst individuell!).


Vom Problem mit der Elite und der Verbesserung der Menschheit. Wie bei vielem in dieser Gesellschaft handelt es sich auch in diesem Problem zu grossen Teilen um ein Eliteproblem. Die Universität ist natürlich - wie auch die Politik, die Wirtschaft oder die Medien (u.a.) - ein Produkt der Elite. Die Elite verlangt Handlungs- und Philosophiefreiheit (unter anderen Freiheiten) und verweigert eine ganzheitliche und wahrheitliche Sichtweise. Logischerweise steht die Elite mehr für die Freiheit, während die Leute mehr für die Gleichheit stehen, als Ausgleich für die Privilegien, welche die Elite geniesst (spätestens dann, wenn sich grosse bis extreme Ungleichheiten ergeben). Die Sichtweise der Leute ist aber in der Philosophie kaum bis gar nicht vertreten, sondern da geht es vornehmlich um Interessen der Elite (denn die Elite kann keine andere Philosophie machen, als eine Philosophie der Elite). Dass die Philosophie vornehmlich aus der Elite herauskommt, war etwa schon in der Antike, bei Platon und Aristoteles (oder auch Konfuzius [und Buddha] - das heisst: bei den grössten, bedeutendsten und bekanntesten Philosophen der Antike), sehr deutlich zu erkennen; und es ist auch logisch: sie wird kaum je dort entstehen, wo es primär bloss um Anpassung und/oder reines Überleben geht. Wir müssen uns also (mehr bzw. zunehmend) fragen, was wahre Philosophie ist (oder: wäre und sein könnte). Warum? Weil die Geschichte - im Übergang vom (sogenannten) Absolutismus zur (sogenannten) Aufklärung - gezeigt hat, dass die Sichtweise der Elite alleine nicht ausreicht, um eine adäte und stabile Gesellschaft zu bilden. Die heutige Gesellschaft hat in vielen Dingen die Tendenz, in anderen Formen in alte Muster zurückzufallen. Der gesellschaftliche Fortschritt, den man erreicht hat in den letzten rund 250 Jahren ist nicht gesichert, weil die Geisteswissenschaften keine ähnliche Sicherheit bieten wie die Naturwissenschaften. In den Geisteswissenschaften geht es um Intentionen, und das bedeutet eben in der Philosophie mehrheitlich um Intentionen der Elite. Die Philosophie bezeichne ich deshalb als Geisteswissenschaft, weil sie über die Naturwissenschaften hinausgeht: sie ist eigentlich beides - Natur- und Geistes- oder Gesellschaftsphilosophie (insofern man den Intentionsbegriff auf die Gesellschaft überträgt). Eine zusätzliche Erschwerung dieser Problematik kommt daher, dass wir es heute nicht mehr mit geschlossenen, sondern mit offenen Staats- und Gesellschaftswesen zu tun haben. Es geht - aufgrund der Problemlagen - zunehmend mehr um Weltpolitik und -wirtschaft, als um blosse Staatspolitik und -wirtschaft. Dieses wertet die Gesellschaftspolitik, -wirtschaft und -philosophie ab. Wir dürfen aber, wie schwierig sie auch heute zu erklären ist, nicht von ihr ablassen, denn wir haben letztlich keinen anderen logischen Ansatzpunkt, als jenen der Gesellschaft, welche zwischen dem schwer zu belangenden Individuum und der schwer zu fassenden Menschheit liegt. Das Individuum ist ein (konkretes) Produkt der Gesellschaft, und die Menschheit ist die (abstrakte) Summe der Individuen. Freilich müssen wir trotz allem, oder gerade wegen allem, die Probleme auf allen Ebenen angehen: auf der Ebene des Individuums, auf der Ebene der Gesellschaft und auf der Ebene der Menschheit. Es versteht sich von selber, dass die Aufbürdung der Probleme aber natürlicherweise umgekehrt verläuft, n¨mlich vom Abstrakten zum Konkreten: der Menschheit wird am wenigsten aufgebürdet, dem Individuum am meisten. Das gilt solange, die Sache in einem einigermassen vernünftigen Rahmen verläuft. Gerät sie aus dem Ruder, dann sind alle Ebenen gleich betroffen. Daher sprechen wir heute auch zuweilen davon, dass die Menschheit gefährdet sei - weil die Sache droht, aus dem Ruder zu laufen. Dies ist die erste Zeit, die so spricht (abgesehen von einigen früheren Propheten der Religion, die damals niemand verstanden hat [weil es die (technischen) Mittel damals noch gar nicht gab, um die Menschheit tatsächlich zu gefährden (was die Propheten in ihren mystischen Weisen schlicht übersehen haben) - heute aber gibt sie, zumindest sind sie heute einsehbar]). Was können wir tun? Dazu gibt es hier (in der wahren Philosophie) nur eine allgemeine Aussage. Wir müssen uns dem Guten bzw. dem Besseren zuwenden, indem wir zuerst ein Bewusstsein dafür schaffen. Die Verbesserung ist notwendig, um die schlimmsten Bedrohungen und Gefährdungen für die Menschheit, die Gesellschaft und das Individuum abzuwenden. Kann und wird das gelingen? Das wird die Zukunft zeigen. Es bleibt uns aber nichts anderes übrig, als es zu versuchen. Alles muss besser werden: das Individuum, die Gesellschaft, die Menschheit (man kann es nicht anders sagen). Die Zeichen der Zeit - von der ökologischen Krise über die Superwaffen der Kriegstechnik bis zu soziologischen und psychologischen Phänomenen - zeigen uns deutlich, dass wir mit dem Erreichten nicht zufrieden sein können und dürfen, und dass die Hoffnung alleine nicht mehr ausreicht, um die Welt weiterzubringen. Wer im alten Fatalismus verharren will, kann das tun, aber es braucht genügend Menschen, welche sich der Verbesserung zuwenden. Damit meine ich keine bzw. nicht bloss abstrakte (alte) Moral (damit ist und wurde es nicht gemacht bzw. verbessert), sondern konkrete Verbesserungen. Wir brauchen für die Zukunft mehr Güte und mehr Gerechtigkeit. Das ist (relativ) leicht dahergesagt, aber es ist notwendig, dies klar und deutlich zu sagen in dieser Zeit. Beim Einfachen und Klaren müssen wir - und muss auch unsere Philosophie der Zukunft - anfangen, um schliesslich dem Komplexen gerecht werden zu können. Man muss die Grundlagen kennen, um die Welt verstehen zu können (umgekehrt - wie manche Philosophen, ältere wie heutige, es auch versuchen - geht es nicht).

P.S. Mir geht es weder um eine Wendung gegen die Eliten, noch um eine Abschaffung der (alten) Moral, sondern um ein Bewusstsein für die aktuellen Probleme und einen (allgemeinen, philosophischen) Ansatz für deren Lösung. Dies ist keine Zeit der Revolution (die grosse Revolution wurde bereits gemacht [im 18. Jahrhundert], und eine neue würde diese nur gefährden [und noch unsicherere Zustände heraufbeschwören] - über die Umsetzung der Revolution kann man freilich eben diskutieren [Freiheit? Gleichheit? Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit?]). Dies ist eine Zeit des Bewusstseins.

In der Philosophie, finde ich, macht es einen grossen Unterschied, ob wir von einer Philosophie als Wissenschaft, von einer wissenschaftlichen Philosophie, von einer Philosophie, die mehr oder weniger verzweifelt versucht, sich den Anstrich von Wissenschaft zu geben, oder von einer Philosophie, die versucht, (philosophisches) Wissen zu schaffen, (und/oder von einer Philosophie, die weiss, dass sie nichts weiss) ausgehen. Einfach anzunehmen, dass das, was die Universitäten mit der Philosophie machen, Wissenschaft ist, das wäre oder ist philosophisch fahrl¨ssig (Wissenschaft nach welchen Kriterien? Die Philosophie folgt weder alleine der kausalen Struktur der Naturwissenschaften, noch alleine der intentionalen Struktur der Geisteswissenschaften - sie müsste also ihre eigenen Kriterien von einer Wissenschaftlichkeit definieren: dass so etwas möglich ist oder wäre, davon habe ich aber noch nichts gehört). Die Wissenschaften werden eingeteilt in Naturwissenschaften (Physik, Biologie, Chemie, Geografie, Anatomie, usw. usf.), Geisteswissenschaften (Ökonomie, Soziologie, Jurisprudenz, Medienwissenschaften, etc. etc.), ferner gibt es Hilfswissenschaften (v.a. Mathematik, Linguistik [Sprachen], Geschichte), Technikwissenschaften (etwa Informatik, Architekturwissenschaft), Kunstwissenschaften (etwa Kunstwissenschaft, Filmwissenschaft). Als Wissenschaften wohl umstritten - und nicht einteilbar - sind: die Psychologie, die Theologie und die Philosophie. In der Theologie und der Psychologie gibt es je einen praktischen Bereich, welcher den theoretischen relativiert, in der Philosophie gibt es keinen praktischen Bereich (es sei denn die gesamte Wirklichkeit), und darum ist sie die Wissenschaft, die als solche am umstrittensten ist.


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