Das ist das Logo dieser Website.Hallo Besucher/-in. Dies ist meine Website mit philosophischen und anderen Inhalten (Politik, Internet, Spiele).

Mein Spezialgebiet ist die Philosophie. Ich bin ein philosophischer Autor, der ebenso zur letzten Generation der reinen Bücherphilosophen gehört, wie zur ersten Generation der heutigen Webphilosophen. Die grossen alten Schunken der Klassiker der Philosophie habe ich noch selber gelesen und nutze jetzt aber natürlich auch das Internet (inkl. dem Betreiben der eigenen Website* mit einigen Spezialseiten zur Philosophie).

* In den Sozialen Medien (Facebook, Twitter, Instagram und andere) bin ich (noch) nicht vertreten. Dies ist eine bewusste Entscheidung für die Website - und einige andere Dinge, die ich mache - und nicht gegen die Sozialen Medien.

Philosophie und Internet gehörten denn auch stets zu den bedeutendsten Themen auf dieser Website. Die persönlichen Eckdaten dazu: 1988 Erster PC, 1992 (ff) Beginn meines Interesses für die Philosophie (-> Philorel, Philotimeline), 2000 Internetzugang (-> Links) und Webpublisherkurs (-> Webpublishing, Internetbegriffe), 2001 Website online, 2003 Erstes philosophisches Buch (drei weitere Bücher 2016-2018 -> Verlag, myphilosophie).

Ein neueres Thema ist der Bereich der Brett-, Karten- und Würfelspiele (-> Spielemuseum). Hobbymässig habe ich - in ganz kleinem Stil - schon in meiner Kindheit selber Spiele kreiert. Die Beschäftigung mit Spielen ist für mich v.a. ein guter Ausgleich zu meiner philosophischen Tätigkeit, allerdings haben sich die beiden Themen auch verbunden (im Interesse für die Spielphilosophie).

Die weiteren Seiten thematisieren die politische Schweiz (-> Wahlen, Geschichte, Daten; inkl. einem Offenen Brief an den Bundesrat bezüglich der anhaltend negativen Wahlbeteiligung) - für mich der grundsätzlichste und wichtigste Punkt bezüglich der Schweizer Politik. Ferner gibt es die diversen begleitenden und ergänzenden Seiten (-> Homepage [diese hier], Sitemap, Person, Kontakt).

Warum überhaupt eine so umfangreiche Website? Dies war zur Zeit, als ich ins Internet eingestiegen, so üblich. Mit der Aufschaltung der Website gehörte ich im Jahr 2001 zu den Webpionieren von selber gestalteten privaten Websites der zweiten Generation. Development Tools, Website Templates und schliesslich Social Media haben dazu geführt, dass es nicht mehr allzu viele selber gemachte bzw. handgestrickte private Websites im alten Stil im Netz gibt. Die meisten Seiten aus jener Zeit sind entweder schon längst aus dem Internet verschwunden oder werden nicht mehr aktualisiert. Am Anfang des Webs gab es den Traum von einem Internet als einem riesigen Wissensnetz von speziellen Themenseiten, welche Nerds mit einem bestimmten Hobby und entsprechendem Spezialwissen zusammengestellt haben (dies war wohl etwa die ursprüngliche Vorstellung vom Internet vor dessen Kommerzialisierung [heute gibt es stattdessen: Wikipedia (2001) und Facebook (2004) - und ähnliche]).

P.S. Die Navigation der Website befindet sich - wie hier auf der Homepage - jeweils unten an der Seite.

Unten (sowie im Aufhänger [rechte Spalte, oben]) gibt es einen längerfristig angelegten Artikel zu einem aktuellen Thema (bzw. zum Hauptthema dieser Zeit).



Aktuell: Schweiz - Quo vadis?
(Zum Abbruch der Verhandlungen zum Rahmenabkommen mit der EU)
.

Chronologie der Ereignisse Schweiz/EU/UNO. 1291 Gründung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Gebietsvergrösserungen [neue Kantone]: 1332, 1351, 1352, 1353, 1481, 1501, 1513, 1803, 1815 [1979]). 1515 Eidgenossen verlieren Schlacht gegen Frankreich bei Marignano und beschliessen ihre Expansionspolitik einzustellen (faktischer Beginn der Neutralitätspolitik [gebrochen von den katholischen Kantonen in den Reformationskriegen]). 1648 Westfälischer Frieden nach dem Dreissigjährigen Krieg (rechtliche Unabhängigkeit der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation [Souveränität], Schweiz als Pufferstaat zwischen Grossmächten [Frankreich/Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation]). 1712/17 Saint-Pierre entwickelt sein "Projet pour rendre la paix perpétuelle en Europe" (Ewiger Frieden in Europa). 1795 Aufklärungsphilosoph Kant entwickelt in seiner Schrift "Zum ewigen Frieden" die Idee eines (Welt-) Völkerbundes* sowie eines Weltbürgerrechts. 1803 Gebietsvergrösserung der Schweizerischen Eidgenossenschaft in der Napoleonischen Mediation (inkl. Ticino [italienischsprachige Schweiz], Graubünden [rätoromanischsprachige Schweiz - dreisprachig]). 1815 Wiener Kongress zur Neuordnung Europas in der nachnapoleonischen Zeit (Anerkennung/Forderung der Schweizer Neutralität, Gebietsvergrösserung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [Romandie (französischsprachige Schweiz - exkl. Fribourg [1481 - zweisprachig], Vaud [1803 - Untertanengebiet des Kantons bzw. der Republik Bern 1536-1798])], Schweiz als Pufferstaat zwischen Grossmächten [Frankreich/Österreich (-Ungarn)]). 1848 Schweiz gründet modernen Bundesstaat. 1849 Französischer Schriftsteller Hugo spricht von den 'Etats-Unis d'Europe'. 1870 Hugo pflanzt im Garten seines Hauses eine Eiche, welche den Vereinigten Staaten von Europa gewidmet ist (fünf Tage vor Beginn des Deutsch-Französischen Krieges). 1870/71 Deutsch-Französischer Krieg. 1874/1891 Schweiz führt Direkte Demokratie ein (Referendums- und Initiativrecht). 1914-1918 Erster Weltkrieg. 1918 US-Präsident Wilson stellt 14-Punkte-Programm vor - u.a. mit der Gründung eines Völkerbundes zur Verhinderung weiterer Kriege. 1920 Gründung des Völkerbundes (mit Sitz in Genf [Schweiz]; Schweiz nicht Gründungsmitglied, ist aber bereits 1920 beigetreten). 1922 Paneuropäische Bewegung von Coudenhove-Calergi (Paneuropa-Union). 1930 Denkschrift des ehemaligen französischen Aussenministers Briand "L'organisation d'un régime d'union fédérale européenne". 1939-1945 Zweiter Weltkrieg. 1945 Gründung der United Nations Organization UNO (heute: United Nations UN, dt. Vereinte Nationen VN - ersetzt den Völkerbund [Hauptsitz in New York, europäischer Hauptsitz in Genf (Schweiz [seit 1966]); Schweiz nicht Mitglied (Beitritt 2002 [siehe dort])]). 1948 Schweiz wird Beobachterin bei den Hauptorganen der UNO. 1950 Erklärung des französischen Aussenministers Schuman (Vorschlag einer Montanunion [Koordinierung der nationalen Kohle-, Stahl- und Rüstungsindustrien] als Anfang für Europäische Integration bzw. der Idee vom dauerhaften Frieden durch wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit und Verflechtung). 1951 Deutschland (BRD), Frankreich, Italien und die Beneluxstaaten gründen die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl EGKS. 1957 Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG. 1957 Erste bilaterale Verträge der Schweiz mit der EGKS. 1960 Dänemark, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz und Grossbritannien gründen die Europäische Freihandelsassoziation EFTA (eines der Ziele ist die Regelung der Beziehungen zwischen EWG und EFTA-Mitgliedstaaten). 1963 Élysée-Vertrag (deutsch-französischer Freundschaftsvertrag zwischen Adenauer und De Gaulle). 1967 EG-Fusionsvertrag (Europäische Gemeinschaft EG). 1970 Schweizer Volk verwirft (Anti-)Überfremdungsinitiative mit 54% Neinstimmen (Stimmbeteiligung 74,1% ['Schwarzenbach-Initiative']). 1972 Freihandelsabkommen der Schweiz mit der EG. 1973 Erste Erweiterung der EG (Norderweiterung - weitere folgen [1981, 1986, 1995, 2004, 2007, 2013]). 1973 EFTA verliert an Bedeutung aufgrund des Übertritts von Grossbritannien und Dänemark in die EG. 1985 Schengen-Abkommen in der EG (Personenfreizügigkeit). 1985/86 Einheitliche Europäische Akte (Binnenmarkt). 1986 Schweizer Volk verwirft UNO-Beitritt mit 75,7% Neinstimmen (Stimmbeteiligung 51%). 1992 Maastricht-Vertrag (Europäische Union). 1992 Bundesrat reicht eigenmächtig ein EU-Beitrittsgesuch ein. 1992 Schweizer Volk lehnt Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum EWR mit 50,3% Neinstimmen ab (Stimmbeteiligung 78,7% - der EWR ist eine Verbindung von EG und EFTA - in dieser Abstimmung nimmt SVP-Vertreter Blocher, welcher gegen die Ausrichtung des Bundesrates und aller anderen grossen Parteien antritt, eine herausragende Rolle ein). 1992 Bundesrat friert EU-Beitrittsgesuch ein. 1994 EWR tritt in Kraft (ohne die Schweiz). 1995 SVP in der Schweiz mit bemerkenswerten Wahlgewinnen. 1999 Bilaterale Abkommen I (Binnenmarktregelungen). 1999 SVP mit erdrutschartigen Wahlgewinnen. 2001 Schweizer Volk lehnt Europabeitrittsverhandlungen mit 76,8% Neinstimmen ab (Stimmbeteiligung 55,8% - Bundesrat hatte Ablehnung empfohlen [Ziel sei Beitritt, Vorgehen aber zu rasch]). 2002 Schweizer Volk nimmt UNO-Beitritt mit 54,6% Jastimmen an (Stimmbeteiligung 57,6%). 2002 Ausländeranteil in der Schweiz erreicht 20%. 2002 Erstmals kommt in der politischen Diskussion der Schweiz der Begriff eines Rahmenabkommen auf, um alle bilateralen Abkommen unter einem Dach zu bündeln. 2003 SVP wird wählerstärkste Partei. 2004 Schweiz tritt Schengen-Raum bei (Bilaterale Abkommen II). 2008 EU kritisiert Differenzen zwischen bilateralem Recht und EU-Recht. 2008 Schweizer Parlament beschliesst, dass der Bundesrat Verhandlungen über ein Rahmenabkommen aufnehmen soll. 2010 EU verlangt dynamische Rechtsanpassung. 2011/12 Rücktritt aller Parteipräsidenten der Bundesratsparteien als Wahlverlierer bei den Schweizer Parlamentswahlen, ausser dem SVP-Präsidenten als Wahlsieger (die FDP und die CVP belegen ihr Präsidium durch Vertreter des rechten Parteiflügels). 2012 EU-Kommission fordert Schweiz per Brief zur institutionellen Anbindung an. 2013 Bundesrat verabschiedet ein Verhandlungsmandat zu einem institutionellen Rahmenabkommen mit der EU und stellt seine Ideen dazu vor (EU-Mandat folgt 2014). 2014 Schweizer Volk nimmt SVP-(Anti-)Masseneinwanderungsinitiative mit 50,3% Jastimmen an (Stimmbeteiligung 56,6%). 2014 Erste Verhandlungen zum Rahmenabkommen. 2016 Bundesrat zieht EU-Beitrittsgesuch offiziell zurück. 2016 Ausländeranteil in der Schweiz erreicht 25%. 2017 Beim Treffen zwischen Bundespräsidentin Leuthard und EU-Kommissionspräsident Juncker wird Annäherung signalisiert. 2018 Schweizer Aussenminister Cassis spricht kurz nach seiner Amtseinführung bezüglich der Beziehungen mit der EU von einem 'Reset-Knopf'. 2018 EU informiert nach der Ausarbeitung eines Entwurfs über das Zustandekommen des Rahmenvertrags, Schweiz dementiert. 2019 Schweiz stösst sich v.a. an drei Punkten im Rahmenabkommen, wie es sich die EU vorstellt, und verlangt eine Klärung in den strittigen Punkten (Lohn- und Arbeitnehmerschutz, staatliche Beihilfen [im Agrar-, Fischerei- und Forstsektor] und Unionsbürgerrichtlinie [diese geht weiter als die reine Personenfreizügigkeit: sie ist grosszügiger bei der Sozialhilfe und dem Aufenthaltsrecht und legt zudem die Hürden für Ausschaffungen höher]). 2019 EU erneuert die Börsenäquivalenz der Schweiz nicht. 2019 Schweiz blockiert Kohäsionsmilliarde für die EU. 2021 Schweizer Botschafterin Leu verhandelt mit EU-Vertretern in Brüssel. 2021 Bundespräsident Parmelin besucht EU-Kommissionspräsidentin Von der Leyen. 2021 Bundesrat bricht Verhandlungen zum Rahmenabkommen ab.

* Kant sprach dabei ausdrücklich nicht von einem 'Völkerstaat' (Weltregierung), sondern bloss von einem Völkerbund freier Staaten, dessen Ziel es sein sollte, alle Kriege zu beenden. Von einer Regierung der Welt sollen indes schon antike Philosophen wie Platon, Aristoteles oder Zenon von Kition geschrieben haben (ist mir nicht näher bekannt) sowie moderne Philosophen wie Nietzsche, Russell oder Einstein (sowie auch etwa der chinesische Philosoph Kang Youwei, dessen Buch 'Grosse Gemeinschaft' [1902], Wilson zur Begründung des Völkerbundes inspiriert haben soll). Zu den Vertretern einer Stärkung der UN gehörte Haile Selassie: «If we are to survive, this Organization must survive. To survive, it must be strengthened.» (1963).

Nun habe ich ein kleines Problem. Ich wollte hier - um die vorherigen, relativ spontanen und chaotischen 'Internettexte zum Zeitgeschehen' etwas zu beruhigen - jeweils das aktuelle Hauptthema (der Medien, der Welt, der Schweiz) kommentieren, und das war in letzter Zeit natürlich klar: die Coronapandemie (und das war auch mein erster Beitrag zu dieser neuen Rubrik 'Aktuell' auf meiner Homepage). Jetzt aber, gegen (so denkt und hofft man) das Ende der Coronakrise, steht ein noch sehr viel schwierigeres Thema im Vordergrund: der Abbruch der Rahmenabkommensverhandlung zwischen der Schweiz und der EU durch den Schweizer Bundesrat. Was einem hierzu zuerst einmal in Sinn kommt, ist das rohe Chaos (sowohl in der Schweizer Aussenpolitik mit der EU, wie auch in der Parteienlandschaft derzeit in der Schweizer Innenpolitik). Aber ich möchte das gleich ein bisschen relativieren. Es gibt - wie so oft - zwei Ansichten in dieser Sache: die faktische Ansicht ist sehr dramatisch, während die theoretische Ansicht dazu weniger dramatisch ist. Ich sage immer, dass wir in einer ambivalenten Zeit leben, und ich habe auch schon gesagt (in meinen früheren Internettexten zum Zeitgeschehen), dass das EU-Schweiz-Problem für mich das zweitschwierigste Problem der Weltgeschichte sein und werden könnte, nach dem Israel-Palästina-Konflikt (es scheint mir zumindest das theoretische Potenzial dazu zu haben, dies zu werden). Ich sage nicht, dass das gleich ausarten wird bzw. muss, ich sage nur, dass die Problemlage eine ähnliche oder vergleichbare ist. In beiden Konflikten geht es um unvereinbare Positionen in sehr schwierigen Konstellationen und Dimensionen (dort geht es um religiöse, hier um politische Dimensionen). Insbesondere für die Schweiz ist das überhaupt keine erfreuliche Sache. Sie hat aber die Direkte Demokratie zu verteidigen (und die Populisten nützen das natürlich aus, um von allem Möglichen zu reden - realpolitisch geht es dann meist um andere Dinge, aber das Hauptproblem ist eigentlich die Direkte Demokratie). Es stehen hier die europäische Integrations- und Friedensorganisation gegen die Direkte Demokratie. Es gibt keine einfache Lösung in diesem Problem, und es wird vermutlich nie eine einfache Lösung in diesem Problem geben. Die EU kann nicht erwarten, dass die Schweiz die Direkte Demokratie aufgibt, und die Schweiz kann nicht erwarten, dass die EU die europäische Integrations- und Friedensorganisation aufgibt. Das ist der ernste Hintergrund dieses Problems, und der ernste Vordergrund dieses Problems ist, dass der Bundesrat nach sieben Verhandlungsjahren das Rahmenabkommen nun einseitig aufgegeben hat (sehr zum Unbill der EU). Derzeit weiss niemand so genau, wie es weitergehen soll (der Bundesrat scheint einfach mal abzuwarten).

Im Klappentext zu meinem politischen Buch (2016) habe ich geschrieben: «Die Schweizer Politik steht derzeit vor einigen schwierigen Herausforderungen - sowohl in der Aussen- wie auch in der Innenpolitik. Es scheint also gerade der richtige Zeitpunkt zu sein für eine Publikation zur politischen Situation und Zukunft der Schweiz (inmitten des grossen Problems).» Was hier in Klammern stand, hat mittlerweilen bzw. bereits ein paar Jahre später nun seine Klammern aufgemacht, und darüber muss ich natürlich hier berichten (weil mich dies als publizierender Philosoph direkt etwas angeht - die Schweizer Politik hat für mich auch eine philosophische Komponente* [als Vorreiter und Vorbild in der Direkten Demokratie]). Es ist ja genau dieses Problem, was ich damit gemeint habe. Es geht um das Problem und den schwierigen Weg der Schweiz, welchen diese spätestens seit den Abstimmungsniederlagen zum EWR (1992) und zu EU-Beitrittsverhandlungen (2001) sowie dem Aufstieg der SVP (Schweizerische Volkspartei) von der kleinsten und viertstärksten zur (wähler-) stärksten und grössten Bundesratspartei aussen- wie innenpolitisch eingeschlagen hat. EU-Beitrittsverhandlungen wurden vom Volk im Jahr 2002 mit 76,8% abgeschmettert (und spätere Umfragen haben immer Verwerfungswerte von etwa 75-85% ergeben). Das Hauptargument des Schweizer Volkes für diese Verwerfung scheint ganz klar die Angst vor einem Wohlstandsverlust zu sein. Das ist natürlich ein perfekter Nährboden für Populisten. In dieser ganzen Zeit seit 1992 hatten wir in der Schweiz eine unglaublich starke Links-/Rechtspolarisierung zu verzeichnen. Dass nun die SVP und die SP (Sozialdemokratische Partei) dieses für die EU so wichtige Rahmenabgekommen gemeinsam versenkt haben, ist schon fast als eine Ironie dieser heutigen Schweizer Politik zu bezeichnen (die Einen verteidigen den Wohlstand der Wirtschaft, die Anderen die Löhne des Mittelstandes im Wohlstand der Wirtschaft). Die Schweizer Politik ist seit der Begründung des Bundesstaates stark wirtschaftsorientiert - die Schweiz ist wirtschaftlich sehr stark, politisch aber eher schwach. Das liegt nicht an der Direkten Demokratie und ihrer Organisation, sondern an der wirtschaftlichen Ausrichtung der Schweiz. Natürlich hat diese Ausrichtung viele Vorteile für die Schweizer - aber was ist, wenn ernsthafte und grosse politische Probleme auftreten und die wirtschaftsorientierte Politik diesen Problemen nicht gewachsen ist? Das ist das, was heute und künftig zu befürchten ist, und was gemeint ist mit der Frage: Quo vadis? Es ist vorerst nur eine Frage. Volkstribun Blocher sieht heute erstmals praktisch den gesamten Bundesrat auf seiner Linie, was ihm vorkommen muss, wie der schönste Traum, den er je gehabt hat. Er spricht also von Einigkeit in der aktuellen Schweizer Politik, ich dagegen spreche als aussenstehender Beobachter vom grössten Chaos in der Schweizer Politik, welches wir je gesehen haben. Die kurzfristige Einigkeit bezüglich des Rahmenabkommens wird sicher rasch wieder verfliegen - daran ist kaum zu zweifeln. Ebenso wenig ist daran zu zweifeln, dass die EU ein sehr harter Verhandlungspartner sein und bleiben wird (sie hat derzeit den Brexit zu verkraften [2020], ist selber noch immer im Aufbau und Ausbau begriffen und hat international auch keinen leichten Stand).

* Die Philosophie hat im Übrigen sehr viel mehr mit der Schweizer Politik zu tun, als man gemeinhin annimmt. Man nimmt nämlich gemeinhin an, dass diese beiden Dinge nichts miteinander zu tun haben - aber das ist falsch. Philosophen waren immer (bedeutend) mitbeteiligt, wenn es in den letzten Jahrhunderten um wichtige Dinge in der Schweizer Politik ging: so bei der Helvetischen Gesellschaft in der Zeit der Aufklärung (1761-1848 - Iselin [(Geschichts-) Philosoph], Hirzel [philosophischer Schriftsteller], Schlosser [philosophischer Schriftsteller]), bei der Gründung des Bundesstaates und deren Bundesverfassung (1848 - Troxler [Philosoph]) und bei der Begründung der Direkten Demokratie (1874/1891 - Lange [Philosoph]) sowie auch etwa bei der Entwicklung des Zivilgesetzbuches (1907 - Huber [Rechtsphilosoph]) - auch Kritiker im 20. Jahrhundert kann man anführen (Dürrenmatt [philosophischer Schriftsteller - vielleicht auch Frisch], Saner [Philosoph]). Politik ist für mich auch so etwas wie die Quintessenz der Philosophie bzw. einer Philosophie, die nicht beim reinen Denken stehenbleibt (bezeichnenderweise stammt denn auch die heutige politische Kontroverse weitgehend aus der Philosophie [Konservativismus-Liberalismus-Christentum-Sozialismus-Ökologismus]).

Wenn man das aktuelle Geschehen in der vollen Dramatik des Faktischen ausdrücken und wiedergeben will, dann müsste man fast sagen, dass der aussenpolitische Weg der Schweiz (mit der EU) zu Ende ist (jedenfalls ist die Schweiz jetzt vollkommen abhängig von der Reaktion der EU, welche ihr wichtigster Handelspartner und direkter Nachbar ist [in einer enklavischen Situation (vergleichbar mit Lesotho, San Marino oder Vatikanstadt)]). Wir haben hier - in aller Dramatik gesprochen - ein epochales und totales Versagen der Schweizer Diplomatie erlebt, welche seit 1515 das Kernstück der Schweizer Politik war - über den Westfälischen Frieden (1648), die Napoleonische Zeit (im 18./19. Jh.) und den Wiener Kongress (1815) bis hin zu den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert sowie den grossen Friedenskonferenzen der Weltpolitik (v.a. nach dem Ersten Weltkrieg und auch wieder im Kalten Krieg). Es hat - rein faktisch betrachtet - wohl keine fatalere Entscheidung in der Politik der Schweiz je gegeben, als diesen relativ abrupten und relativ perspektivlosen Abbruch der Verhandlung, gleichzeitig mit 27 europäischen Staaten (und das sind ja nicht irgendwelche Staaten, sondern das sind die umliegenden Nachbarstaaten)! Die Schweiz zeichnete sich bisher in Europa aus als eine äusserst anpassungsfähige und -freundliche und handlungskluge Nation (und das war auch ein bedeutender Teil des 'Erfolgsmodells Schweiz', bis hierhin). Jetzt aber macht sie urplötzlich eine Politik des Gegenteils: sie geht auf Konfrontationskurs (Herr Blocher - ob er nun in dieser Frage, alleine oder überhaupt relevant ist oder nicht - spricht zu dieser Stunde sogar von einem möglichen Wirtschaftskrieg gegen die EU*, wenn es nötig sein sollte [solche kriegerischen Töne hat man von der Schweiz seit 1515 nicht mehr gehört, und das ist durchaus nicht zu unterschätzen, wenn man den Einfluss von Herrn Blocher auf die Schweizer Politik der letzten Jahre betrachtet, mitsamt der ganzen radikalisierten Um- und Neuorientierung der SVP (und diesem Abbruch jetzt in den Verhandlungen zum Rahmenabkommen))]). An diesem Punkt geht es aber weiter mit der Relativierung. Vermutlich werden die Schweizer nun vieles probieren, um ihr seltsames Handeln vor der EU wieder zu relativieren (nicht die Selbstherrlichen müssen das tun, sondern die Verantwortlichen [falls es noch solche gibt, natürlich]). Und die EU ihrerseits ist eine 'Friedensorganisation', welche sehr interessiert ist an einem gesamteuropäischen Frieden, und daher wird sie wohl auch kaum allzu früh auf die Barrikaden gegen die Schweiz steigen. Letztlich kann man sich dann vielleicht - das ist die Hoffnung - doch wieder irgendwie finden. Im Moment aber ist das eben faktisch doch relativ dramatisch - und ich musste das so schildern, damit man das begreift (denn das ist letztlich eben nicht ein kurzfristiges Problem - das ist ein Problem der Jahrzehnte, der Jahrhunderte und vielleicht sogar der Jahrtausende [!]). Die Schweizer sollte bei alledem auch nicht unterschätzen, dass sie in Europa sehr viel Goodwill genossen hat in der Vergangenheit, welchen sie weltweit vermutlich nicht mehr bzw. nicht mehr in der gleichen Art und Weise haben wird in der Zukunft (das zeigte sich sowohl etwa im Umgang der US-Justiz mit den Schweizer Banken in der Bankenkrise [2011 ff] wie auch in den Aussagen des libyschen Diktators Gaddafi [2008], welcher vor der UNO die Teilung der Schweiz forderte, oder des chinesischen Künstlers Ai Weiwei [2021], welcher die Schweiz als das scheinheiligste Land der Welt bezeichnete). Der Standpunkt der Schweiz wird (sowieso) schwieriger werden, in verschiedenerlei Hinsicht - und die Schweiz hat es bisher verpasst, ihren besonderen Standpunkt international richtig klar zu machen (man betrachtet diesen in der Schweiz offenbar als selbstverständlich - das ist er aber nicht [nicht einmal mehr innerhalb Europas]).

* Unnötig natürlich fast zu sagen, dass bereits eine klare Haltung gegen die EU politisch eine schwere Neutralitätsverletzung darstellt. Man kann nicht gleichzeitig neutral und gegen die EU sein. Und eine klare Haltung gegen die EU verletzt die Neutralität sogar schwerer als ein EU-Beitritt, weil die EU kein willkürlicher Sonderbund ist, sondern eine supranationale Kontinentalorganisation (einer solchen könnte man sich theoretisch - wie der Weltorganisation - trotz der Neutralität anschliesssen, wie ich finde; das heisst nicht, dass ich für einen EU-Beitritt bin [meine Haltung - beschrieben in meinem politischen Buch - besteht darin, dass ein Beitritt höchstens unter Wahrung der direktdemokratischen Sonderinteressen der Schweiz stattfinden sollte (das heisst: ein EU-Beitritt mit einem Sonderstatus zum Schutz der Direkten Demokratie; was nach meiner Meinung auf jeden Fall anzustreben ist für die Zukunft, das ist eine klare Regelung des Verhältnisses zwischen der Schweiz und der EU: das liegt nicht nur im Interesse der EU, sondern gerade auch im Interesse der Schweiz - ich bin gegen einen allzu naiven Beitritt ohne Schutz der Direkten Demokratie, aber auch gegen einen vermutlich allzu risikoreichen Alleingang ausserhalb der EU, und ebenso bin ich gegen einen bilateralen Weg, welcher nicht klar geregelt ist [was auf diesem Weg passiert, das sehen wir jetzt: die EU verlangt als stärkere Macht immer mehr Zugeständnisse (und sie wird das auch weiterhin tun)]).

Schliesslich muss man zu der ganzen Sache auch sagen, dass es nicht primär an der EU liegt, die Schweiz im zukünftigen Europa zu integrieren, sondern: dass es an der Schweiz liegt, mit ihrer eigenen Sonderrolle, welche mit der Direkten Demokratie zusammenhängt, zurecht zu kommen, auf diese hinzuweisen, diese zu erklären und auch etwas anzubieten, damit man sie durchsetzen kann. Ein Abbruch der Verhandlungen ist natürlich das Gegenteil von dem, was eigentlich passieren sollte. Man kann sich nicht als auserwählte Nation betrachten, die einfach ohne Zutun eine Sonderrolle in der Welt und/oder in Europa verdient hat. Ansonsten kann man einen Alleingang versuchen, aber das wird, mitten im geografischen Zentrum der EU gelegen, sehr schwierig werden (die anderen Alleingänger wie Grossbritannien [definitiv?], Norwegen oder Island liegen am Rande Europas). Dass es in der Schweiz einige Leute gibt, welchen eine supranationale Organisation in Europa nicht in ihren Kram passt, ist kein Grund dafür, die Schwierigkeit der Situation für die Schweiz herunterzuspielen. Und bei einem allfälligen Alleingang der Schweiz ist der Preis, auch der innenpolitische Preis, welchen ein solcher fordern würde, miteinzuberechnen. Als Grund für den Abbruch gab Aussenminister Cassis die Angst vor dem Volk an - er meinte, das Volk hätte ein solches Rahmenabkommen verworfen. Davon kann man - unter Vorstellung der Propaganda, die es dazu gegeben hätte (von den beiden entgegengesetzten politischen Seiten) - tatsächlich ausgehen. Aber das war eigentlich noch kein Grund für einen Abbruch. Man hätte einfach sagen können, dass man aus diesem Grund nicht mehr weiterkommt. Die Gegner eines Rahmenabkommens sehen diesen Schritt des Bundesrates als 'Mut zum Abbruch'. Ein neutraler Beobachter sieht darin vielleicht eher ein Zeichen der Ratlosigkeit (Abbruch) und der Schwäche (Ankündigung der Deblockierung bei der Kohäsionsmilliarde [dies vielleicht um unmittelbare Reaktionen der EU zu verhindern]). Die Situation ist nun also diese, dass die EU ein Rahmenabkommen will, und auf einem solchen auch beharren muss, wenn sie ihr Gesicht nicht verlieren will (sie sagte ja klar und deutlich, dass sie neue Marktzugangsabkommen nur noch auf Basis eines Rahmenabkommen abschliessen will), während die Schweiz ihrerseits in drei Punkten hart bleiben will. Eine diplomatische Lösung wäre gewesen, in diesen drei Punkten und/oder anderen Bereichen gewisse Zugeständnisse zu machen, um auch vor der Öffentlichkeit so dazustehen, dass man tatsächlich auch aktive Vorschläge gemacht hat (die Verhandlungen waren ja geheim, und man hat selten bis nie etwas von Schweizer Zugeständnissen gehört [darum kann man diese Verhandlungen und die aktuelle Situation auch eigentlich gar nicht richtig beurteilen - von aussen sieht es heute danach aus, als habe die Schweiz eine vollkommen sture Haltung eingenommen]). Offenbar war/sind (weitere?) Zugeständnisse für die aktuelle Regierung nicht möglich. Und so herrscht also derzeit gegenseitige Blockierung und Verunsicherung, was natürlich in der Politik allgemein überhaupt keine gute Basis ist.

Ich hoffe, es ist mir gelungen, darzustellen, warum für mich diese Sache - das Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU - kein vorübergehendes Geschäft der Tagespolitik ist, sondern ein langfristiges (bis ewiges) Problem, mit welchem man entsprechend ernsthaft umgehen sollte (diese 'Ewigkeitsdimension' gibt es normalerweise in der Politik nicht, hier ist sie aber in einem gewissen Sinn gegeben und entsprechend problematisch).


-> Pressekonferenz des Bundesrates zum Abbruch der Verhandlungen zum EU-Rahmenabkommen (26.5.2021). Diese Pressekonferenz erinnert an die vielen, vom Schweizer Fernsehen übertragenen Pressekonferenzen des Bundesrates während der Coronazeit, in welchen jeweils Gesundheitsminister Berset (SP) im Zentrum stand (dieser wurde auch grösstenteils gelobt für sein Auftreten in der Coronakrise, während die anderen Bundesräte während dieser ganzen Krise in seinem Schatten standen - in der Schweiz kann man sich fast 100%-ig sicher sein, dass wenn links zu stark in den Fokus rückt, postwendend etwas von rechts kommt, und umgekehrt, notabene [ich habe in meinem Corona-Artikel den Vorschlag eines Krisenmanagers oder einer Krisenmanagerin für solche, länger andauernde Krisen vorgeschlagen]).

-> Arena-Spezialsendung (26.5.2021). Stimmen der Parteivertreter. Wermuth (SP): «Gescheitert ist das Abkommen am Schluss am Unwillen des Bundesrates politisch zu verhandeln, selbstverständlich primär am Aussenminister, der ja gar nie richtig in Brüssel gewesen ist.» - Walti (FDP): «Das Ergebnis ist das Ergebnis von einem fehlenden gemeinsamen Willen, eine konstruktive Lösung zu finden.» Die CVP scheint die einzige Partei gewesen zu sein, welche Bedenken gegenüber diesem Verhandlungsabbruch gehabt hat - eine glasklare Position hat sie aber (auch) nicht vertreten.


Marco Hirt, Ende Mai 2021.

[Ältere Beiträge (Corona-Pandemie [Februar 2021])].


Ergänzung: der innenpolitische Aspekt. Der aussenpolitischen Aspekt des (grossen) Problems in der Schweizer Politik 2000+ wurde bereits dargestellt. Weniger klar und offensichtlich erkennbar, aber ebenfalls gut darstellbar ist das innenpolitische Problem: man kann es ablesen an der Veränderung in der Parteienlandschaft in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Während man früher von der vorbildlichsten Ordnung in diesem Bereich weltweit sprechen konnte, muss man heute von einem zunehmenden Chaos sprechen. Wie hat sich die Parteienlandschaft verändert? Die heutigen Veränderungen begannen 1971 mit der Fusionierung von BGB (Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei) und DP (Demokratische Partei) zur SVP. Die Folge der Gründung der SVP war das Bestehen einer grösseren Rechtspartei, welche nach und nach die verschiedenen kleinen Gruppierungen rechts aussen überflügelte, teils auch integrierte, und praktisch zur alleine relevanten Kraft auf der rechten politischen Seite wurde. Der Charakter und Kurs der Partei radikalisierte sich mit dem Aufstieg Blochers, damals Präsident der SVP Zürich, rund um die EWR-Abstimmung 1992 (die Kursbestimmung verlagerte sich vom gemässigteren Berner Flügel zum radikaleren Zürcher Flügel). Der Druck von rechtsaussen im Zuge der verschiedenen EU- und Migrationsdebatten führte zu anhaltenden, nachhaltigen Veränderungen in der Schweizer Parteienlandschaft. Markant ist v.a. der Einbruch der Mitte (der 'bürgerlichen Mitte', wie man in der Schweiz realpolitisch eigentlich sagen muss [d.h. einer Mitte mit einer bürgerlichen Tendenz]). Die frühere, ehemals staatstragende bürgerliche Mitte von FDP und CVP gibt es heute praktisch nicht mehr. Symbolisch dafür änderten beide Parteien nach etlichen Wahlniederlagen und im Zuge von Fusionen mit kleineren Parteien ihre Parteinamen: die Ex-FDP akzentuiert in ihrem neuen (neoliberalistischen?) Namen das liberale Element ('FDP.Die Liberalen', 2009 [Fusion mit LPS]), während die Ex-CVP heute den alleinigen Anspruch auf die Mitte erhebt ('Die Mitte', 2021 [Fusion mit BDP]). Sie hat jedoch im Verlauf dieser Prozesse einen Bundesrat verloren und hat derzeit nur noch einen, welcher langfristig auch nicht wirklich vollkommen gesichert ist, d.h. die theoretische Mitte besteht heute nicht mehr aus drei Bundesräten, sondern nur noch aus einem (immer männlichen oder weiblichen Geschlechts natürlich). Das entspricht einem Einbruch der theoretischen Mitte von 28,6%, also fast einem Drittel; sie liegt jetzt in der Hand von nur noch 14,3% (vorher 42,9%! [Garant für eine breite Mittelschicht und einen (relativ) ausgewogenen Wohlstand]). Die Mitte spielt realpolitisch zwar immer noch relativ oft das (kleine) Zünglein an der Waage, wie sie aber ausgehebelt werden kann, wenn die Extreme zusammenspannen, zeigt eben gerade der Abbruch der Verhandlungen zum Rahmenabkommen exemplarisch. Das bedeutet insgesamt eine relativ dramatische Erosion der (theoretischen) politischen Mitte, also: einen bedeutenden Stabilitätsverlust derselben und der Schweizer Politik überhaupt. Praktischerweise bestimmt sich die Mitte natürlich nicht theoretisch, sondern verschieden je nach Thema und Debatte. Vielleicht müsste man Teile der FDP heute weiterhin zur Mitte dazu zählen. Die Partei hat in den letzten Jahren jedoch deutliche Zeichen gegeben, dass sie sich von der Mitte wegbewegt, nicht zuletzt eben durch die Namensänderung(en). Man befindet sich heute wohl eben eher irgendwo zwischen der SVP und der neuen (Ex-CVP-) Mitte. Weitere Effekte durch die verschiedenen Namensänderungen* sind etwa das vollkommene Verschwinden des Christlichen aus der Schweizer Politik - zumindest bei den grösseren und relevanteren Parteien - und die Verminderung vom Wert des Demokratischen unter den Bundesratsparteien um 50% (rein nominativ betrachtet - von vorher drei Bundesratsparteien mit dem Begriff des Demokratischen in ihrem Hauptnamen, ist es jetzt nur noch eine einzige! [In Bundesratssitzen bzw. -anteilen sind das noch 28,6%! (Vorher: 71,4% bzw. 85,7% [vor 2003] - Garant für die bedeutende und herausragende Stellung der Schweizer Demokratie)]). Das sind alles ein bisschen seltsam erscheinende Rechnereien, vielleicht, die aber doch eine gewisse Dramatik auch im innen- bzw. parteipolitischen Bereich ausdrücken können, die rein mit Worten schwieriger zu beschreiben wäre. Im ganzen heutigen, wahltaktischen Parteiengewusel (und/oder -chaos?), in welchem es letztlich v.a. um Bundesratssitze geht (neben den Parlamentssitzen, natürlich), ist ferner anzumerken, dass sich die grüne Bewegung in der Schweiz ihrerseits gespalten hat in 'Original-Grüne' und 'Grün-Liberale' (warum diese Spaltung in der kräftigsten neuen Oppositionsbewegung dieser Zeit? - sie ist, wie oft bei Parteispaltungen, aus einem Personenstreit entstanden, andererseits aber auch logisch aufgrund der traditionell starken Stellung des Freisinns in der Schweizer Politik [so hat sich diese etwas seltsame Kombination von Freiheitlichkeit und Ökologie ergeben]). Summa summarum: nicht nur aussenpolitisch, sondern auch innenpolitisch stellt sich für mich bezüglich der heutigen und zukünftigen Schweiz die Frage: Quo vadis??

* Fragwürdige Dinge gibt es nicht nur zu den jüngeren Namensänderungen zu bemerken, sondern auch schon bei den älteren Namen der Parteien sind solche anzumerken. So gibt es etwa zwei grosse Parteien - und dies sind ausgerechnet die heute grösste Rechts- und die heute grösste Linkspartei, welche schon längere Zeit in den verschiedenen Sprachregionen mit verschiedenen Bedeutungen auftreten. So heisst die SVP etwa in der Romandie: Union démocratique du centre UDC, die SP: Parti socialiste PS (zwischen dem Begriff von Sozialdemokraten und Sozialisten gibt es [auch] einen bedeutenden Unterschied [die Sozialdemokratie ist jene revisionistische Bewegung, welche sich zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert gegen den revolutionären Kommunismus gestellt hat, der Sozialismus ist ein Oberbegriff für die sozialpolitische Bewegung überhaupt (d.h. dieser Begriff beinhaltet jenen des Kommunismus, aber item)]). Ist es jetzt je beides - oder keines von beidem? Konfuzius meinte einmal (frei interpretiert): Man solle die richtigen Namen für die Dinge verwenden, sonst habe sowieso alles keinen Sinn (Buddha dagegen meinte [ebenso frei interpretiert], Namen seien bloss Schall und Rauch). Natürlich haben die heutigen Parteien - allen voran christliche, liberalistische und sozialistische Parteien - auch das Problem, dass sie historische Werte verteidigen, während wahltaktisch betrachtet eher momentane und situative Dinge entscheiden (das ist mit ein Grund für die Namensänderungen - hierbei stellt sich die Frage, ob gute historische Werte nicht gegen die Willkür des Moments zu verteidigen wären [statt sie zu verwischen (und damit wohl auch zu schwächen)]). In einer berühmten Rede meinte Max Frisch 1986: "Am Ende der Aufklärung steht das goldene Kalb". Heute können wir sagen, dass er nicht recht hatte, denn am Ende der Aufklärung liegt v.a. der politische Knorz (bzw. dieses ewige Seilziehen, bei welchem die Einen nach rechts und die Anderen nach links ziehen, während die Dritten danach trachten, dass das Seil immer wieder zurück in die Mitte kommt).

Summa summarum scheint in der Aussen- und Innenpolitik der Schweiz derzeit gerade so einiges durcheinander zu geraten, und das scheint erst der Anfang zu sein von möglichen zukünftigen Entwicklungen. Grundwerte wie jener der Eidgenossenschaft und jener der Neutralität, welche auch die Grundpfeiler bezüglich der Innen- und der Aussenpolitik in meinem 13-Punkte-Programm zur Schweizer Politik* (2016) darstellen, scheinen durch Willkürpolitik des Augenblicks in Gefahr zu geraten. Dazu kann man nur sagen, dass Eidgenossenschaft und Neutralität gute Mittel sind gegen Ignoranz, Arroganz, Impertinenz, Inkompetenz, Korruption, Mobbing und alle schlechten Dinge überhaupt, zu welchen der Mensch imstande ist.

* Man kann dies als eine konservative Haltung bezeichnen. In meinen politischen Ansichten gibt es konservative und progressive Elemente - und ich würde sagen, dass sie sich etwa die Waage halten. Zu den Begriffen der Eidgenossenschaft und der Neutralität muss ich sagen, dass es mich dünkt, dass diese Begriffe nicht selten auch in fragwürdiger Art und Weise verwendet werden, wer die tiefere Bedeutung dieser Begriffe erkennt, wird vielleicht erkennen, was ich so gut finde an diesen Begriffen. Auch bedeutet Neutralität nicht, dass man keine Meinung haben soll, oder dass man diese nicht äussern soll, und Eidgenossenschaft bedeutet wederum nicht, dass es nur eine Meinung geben soll (es geht bei der Eidgenossenschaft nicht um Meinungen, sondern um ganz andere Dinge). Freilich sind auch diese Begriffe nur Begriffe und daher eben auch kritisch zu betrachten (wie alle Begriffe, aber trotzdem: irgendeine Grundhaltung muss man ja haben in der Politik [und diese Grundpfeiler der Schweizer Politik scheinen mir grundsätzlich eine gute Sache zu sein]).


Nachtrag: Was diesen Abbruch der Verhandlungen zum Rahmenabkommen angeht, so sehe ich viele nachteilige Möglichkeiten. Wenn ich aber an die Vorteile davon denke, kommt mir überhaupt rein gar nichts in den Sinn. Rechtsexperte Cottier stellte in den Medien sogar in Frage, ob der Bundesrat nicht verfassungswidrig gehandelt habe, aber ich möchte dies hier nicht weiterverfolgen. Es ist nicht bloss eine Sache des Bundesrates, sondern es ist eine Sache der Schweiz. Ich befürchte, dass die Schweiz, wenn sie auf diesem Weg, auf welchem sie sich heute befindet, weiterwandelt, früher als wir heute denken, der EU ohne Wenn und Aber wird beitreten müssen - schlicht und einfach: mangels Alternativen. Dies würde die Direkte Demokratie vernichten, oder sie doch zumindest bedeutend ausgehebeln. Und dies hätte wiederum meiner Meinung nach bedeutende ideelle Konsequenzen für die Weltpolitik (ich werde das in meinem nächsten Buch erklären und ausführen). Es dürfte also von grosser Bedeutung sein, die nächsten Schritte in dieser Sache besser zu überlegen, als die letzten. Von der EU darf man erwarten, dass sie nicht zur Vernichterin der Direkten Demokratie werden will, sondern an dieser ebenfalls ein adäquates Interesse hat (auch wenn diese manchmal auch unangenehm sein kann - das ist sie manchmal auch für uns Schweizer).


Ich fordere den Bundesrat dazu auf, seine politischen Probleme zu lösen, und zwar je früher desto besser. Wenn er das nicht tun, kann er zu diesem Zeitpunkt sehr grossen Schaden für die Schweiz anrichten. Ich komme nicht umhin, dies zu sagen, damit ich es gesagt habe. Was der Bundesrat und die Schweiz heute und in Zukunft zu tun gedenken, ist mir ansonsten vollkommen egal. Ich habe genug in und mit diesem Land erlebt, um nicht wirklich daran zu hängen. Ich halte viel von der Direkten Demokratie, aber was die Schweiz tut, ist ihre Sache. Ich tue nur meine Pflicht, das ist alles (und ich halte mich an das Allergrunsätzlichste - das ist in erster Linie die Wahlbeteiligung, damit die Berechtigung des Staates überhaupt abgesichert ist, und das ist ferner, die allerschlimmsten Fehler zu vermeiden: das ist der Grund, warum ich an diesem Punkt etwas sagen muss). [31.7./1.8.2021].

Wollen wir einmal schauen, wie lange es geht, bis man auf so etwas Reaktionen bekommt? Ich habe schon eine bekommen. Sie wollen einem Angst machen, so dass man schweigt (nichts Neues für mich). Ich schweige nicht*. Ich bin wie gesagt daran derzeit, das Buch von Herrn Blocher zu lesen. Ich werde mich darüber hier nicht auslassen, sondern ihm meine Antwort dazu persönlich mitteilen. In diesem Land muss sich etwas ändern. Wir sind an einem Punkt angekommen, wo es so nicht mehr weitergehen kann. (An diesem Nationalfeiertag 2021 wurde dieser Punkt überschritten, und jetzt ist er überschritten.)

* Dies hier ist meine eigene, private, persönliche Website. Ich darf hier meine Meinung sagen. Ich trete sonst nirgendwo auf im Internet. Aber hier darf ich meine Meinung sagen.

In der Schweiz herrscht das Prinzip*: Du hast deine Stimme an der Urne und ansonsten nichts zu sagen. Wenn du etwas sagen willst, dann mach eine Petition, die wir ablehnen können. Die Meinungen werden nicht an der Urne gemacht, sie werden in den kleinen und grossen Öffentlichkeiten gemacht - vom Biertisch über die Arbeitsstelle bis zum Vereinswesen und zu den Medien. Alles ist manipuliert, nur die Wahrheit ist es nicht.

* Ähnliche Prinzipien herrschen auch anderswo. Nur: in der Schweiz muss man es speziell sagen, weil sie sonst behaupten würden, dass es hier mit 'gerechten' Dingen zu und her geht (und sei es auch nur in ihrem sozialdarwinistischen Sinn). Das tut es nicht (nicht einmal in diesem Sinn, geschweige denn in einem anderen, höheren Sinn [die Anpassungstheorie stimmt übrigens im Menschlichen schon aufgrund der vielfältigen Arten und Weisen des Menschen, wie sie ja auch in der Politik von rechts bis links aussen ersichtlich ist, nicht: man kann sich am einen Ort anpassen und am anderen scheitern, man kann sich nicht überall anpassen, zu allen Zeiten und an allen Orten der Welt, und man kann nicht immer rein selbst bestimmen, an welchem Ort man sich gerade befindet, in einer globalen Welt auch je länger je weniger - das spricht gegen diese Theorie im Menschlichen]).

Auch interessant, irgendwie. Petkovic: «Alle sind gleich, jemand ist gleicher. So ist das in einer Mannschaft.» (Blick). Orwell: «All Animals Are Equal but Some Animals Are More Equal Than Others.» (Ironisch gemeint - Satz gegen Vetternwirtschaft und willkürliche Herrschaft). Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - was bedeutet das? Bedeutet es überhaupt etwas (was wir verstehen können)? Der Satz von Petkovic ist sicher etwas unglücklich ausgedrückt... Wenngleich es schon erstaunt, dass man einen solchen Satz (immerhin als erst kürzlich zurückgetretener und vorher langjähriger Schweizer Nationaltrainer) in den Schweizer Medien unwidersprochen heute äussern darf und dies dann auch abgedruckt wird. Die entscheidende Frage ist aber letztlich, ob jeder dieser Jemand sein kann, oder nicht (und wenn nicht, warum nicht? [Wie bei einem Bundespräsidenten, z.B.: die Frage ist nicht, ob es einen Bundespräsidenten geben darf/muss/soll oder nicht, sondern die Frage ist, ob das jedermann und jedefrau sein kann, oder nicht, und wenn nicht, warum nicht? (Das ist eine sehr interessante und spannende Diskussion - in der Geschichte der Republiken gab es solche, welche ihre öffentlichen Ämter nach Losentscheid vergaben, d.h. jeder mündige Bürger muss so erzogen und gebildet sein, dass er ein öffentliches Amt ausführen kann [ob das sinnvoll ist oder nicht, das ist eine andere Frage, die Frage, die ich hier stelle ist diese: wo liegt der Unterschied zwischen gerechtfertigter Bevorzugung und willkürlicher Vetternwirtschaft?])]). Viel wichtiger sind aber die politischen Fragen. Fussball ist vielleicht die schönste Nebensache der Welt (oder eine der schönsten), aber letztlich eben doch nur eine Nebensache.

Pierluigi Tami, Direktor Nationalmannschaften (EM 2021, 17.6.2021).

Was will ich mit alledem sagen? Gar nichts.
Es nützt auch gar nichts, etwas zu sagen, notabene.
Ich beschreibe nur, was vor sich geht - damit man das weiss.
Denn: wenn man das nicht weiss, dann kann man sich auch nicht darauf einstellen.
Viele wissen nicht, was vor sich geht. Manche wissen es, haben aber kein Bewusstsein dafür. Es ist wichtig und bedeutend, ein Bewusstsein für die Dinge zu haben, die vor sich gehen.




PINBOARD


Aktuell: Schweiz - Quo vadis? (Zum Abbruch der Verhandlungen über das Rahmenabkommen mit der EU)

Hier gibt es eine Einschätzung zum Abbruch der Verhandlungen über das Rahmenabkommen EU-Schweiz durch den Schweizer Bundesrat. (Siehe: unten auf der Seite).


Hier gibt es aktuelle und/oder spezielle Hinweise zu dieser Website.

Während der Fussball-EM reaktiviere ich meine alte Nationalteam-Seite.

Auf dem Webportal gibt's jetzt unterhaltsame, lustige Mini Games
(-> Links-Seite [unten an der Seite]).

Ein kleines P.S. zur philosophischen Situation
(-> myphilosophie-Seite [unten an der Seite]).


Mein aktuelles Buch (zuletzt publiziert):






Die Startseite dieser Website.
INTERNE NAVIGATION

HOMEPAGE   Sitemap   Person   Kontakt   -
Philosophie   -   myphilosophy   Philosophiegeschichte   Philotimeline   -   Anderes   -    Spielemuseum   -
Verlag   -   Verlag    -   Web & Info   -   Links   Internetbegriffe   Web-Publishing   -    Schweiz   -    Daten    Geschichte    Wahlen   -

SCREEN-ZOOM. 0.5, 0.75, 0.8, 0.9, 1.0, 1.1, 1.2, 1.25, 1.5, 2.0.

© Hirt Verlag + Publikation