Meine Philosophie (auf den Punkt gebracht).



Das Programm meiner Philosophie ist gleichsam jenes von einer 'Postmodernen Ontologie' (vgl. erster Buchtitel) geblieben. Auf diese beiden Begriffe bin ich anfangs eigentlich eher intuitiv gekommen (schon gar nicht ist mir bewusst gewesen, dass ich damit just die Schlagworte der deutschen und der französischen Philosophie im 20. Jahrhundert verwendet und zusammengebracht habe). Die tiefere Bedeutung dieser Formel, die mittlerweilen, wie ich meine, auch hält, was sie anfangs versprochen hat, liegt in einer Unzufriedenheit mit der nihilistischen Philosophie der Kritizisten (Kritische Theorie), der Existentialisten und der Poststrukturalisten. Ich habe mich als philosophischer Generalist mit einer vielfältigen, breiten Lektüre anfangs gar nicht allzu tief und speziell mit den philosophischen Wurzeln dieser Begriffe beschäftigt (dies kam eigentlich erst später - und daher spreche ich von einer philosophischen Intuition). Ich hatte Heideggers Hauptwerk gelesen und kannte ganz rudimentär Hartmanns Schichtenmodell, und ebenso rudimentär die Verbindung von Poststrukturalismus und Postmodernismus. Auf dieser generalistischen Grundlage machte ich mich - ziemlich unvoreingenommen - ans Werk eines eigenen philosophischen Systems, welches schliesslich vom (Da-) Sein ausgehen, durch das Leben das Glauben vermitteln und durch das (Nach-) Denken das Handeln (sowie Gut-Handeln und Nicht-Handeln) bestimmen sollte. Unter der Postmoderne verstehe ich die Überwindung der Moderne, also der Zeit des ständig und immer rascher sich wandelnden Modus vom Dasein, durch neue Gewissheiten, welche eine postmoderne Zeit begründen können - diese Überwindung und Begründung sehe ich in einem langen Prozess einer aktuellen und zuküftigen spätmodernen und frühpostmodernen Zeit. Diesen neuen Gewissheiten, die heute noch schwierig zu ergründen sind, versuche ich, auf die Spur zu kommen. Ich gehöre damit zu denjenigen (wenigen) Philosophen, welche im Begriff der Postmoderne keinen negativen, sondern einen positiven Begriffen sehen wollen. [Siehe auch: Text zur nächsten Zeit und zum nächsten Zeitalter (unten auf dieser Seite).]


Einführung. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Vorurteile die Leute gegenüber der Philosophie haben. Vielleicht hatte ich solche früher auch; ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie ich über die Philosophie dachte, bevor ich mich mit ihr beschäftigt habe. Niemand hätte in meiner früheren oder späteren Jugendzeit gedacht, dass aus mir einmal ein Philosoph werden würde. Mit einer eher bescheidenen, aber doch vorhandenen intellektuellen Vorgeschichte, als mittelmässiger Schüler am Gymnasium und als Studienabbrecher an der Universität, begann ich etwa im Alter zwischen 27-30 Jahren [d.h. etwa in der Zeit nach dem Abbruch meines Wirtschafts- und Rechtsstudiums] damit, mich mit philosophischer Literatur zu beschäftigen (nachdem ich in der Gymnasiumszeit bereits New-Age-Literatur [Capra, Fromm, Jonas, Sheldrake, Vester] und existentialistische Belletristik [Camus, Sartre] gelesen hatte, ohne mir bewusst zu sein allerdings, dass dies irgendwie auch schon zur Philosophie dazugehörte und damit meinen allerersten Erfahrungen mit der Philosophie entsprach - in der Folge gehörte ich sowohl zur letzten Generation der reinen Bücherphilosophen wie auch zur ersten Generation der Internetphilosophen [ich glaube, dass es im heutigen Internetzeitalter gar niemandem mehr in den Sinn kommt, in dieser Intensität und Quantität*, wie ich das gemacht habe, all die alten Bücher zu lesen]). Ich bin zwar nicht der Meinung, dass die Philosophie bloss aus Büchern besteht, sondern: eher aus Ideen als aus Büchern - andererseits kann ich mir aber keinen ernsthaften heutigen Philosophen vorstellen, der sich nicht mindestens etwa mit den Werken von Descartes, Locke, Rousseau, Kant und Hegel auseinandergesetzt hat (ich frage mich aber, ob das auch wirklich alle Universitätsphilosophen tun [man macht sich vermutlich eine falsche Vorstellung von einem Philosophiestudium, wenn man denkt, dass die Studenten der Philosophie in Massen alte Klassikern lesen würden - ein Philosophiestudium funktioniert anders]). Was aber ist Philosophie überhaupt? Vielleicht oder vermutlich fängt bei der Erklärung dessen, was Philosophie ist (grch. philein: lieben, sophia: Weisheit), schon die ganze Schwierigkeit der Philosophie an. Für mich ist Philosophie (v.a.): Ideengeschichte und Weltbegründung. Die Ideengeschichte zeigt uns, wie verschiedenste Ideen im Lauf der Kulturgeschichte der Menschheit zu unserer heutigen Zeit geführt haben. Die Weltbegründung kann uns zeigen, dass die Dinge, die da sind, durchaus eine metaphysische Bedeutung und einen metaphysischen Sinn haben und machen können (das heisst, eine Bedeutung und einen Sinn, welche hinter und zwischen aller Physik der Dinge der Welt steht). Die philosophischen Ideen sind nicht bloss blasse Schimmer aus der Vergangenheit, sondern lebendig wirkende Kräfte in dieser heutigen Zeit, und die philosophischen Weltbegründungen sind nicht bloss leere Worte, sondern sinnreiche Weltdeutungen und -erklärungen. Der Philosoph möchte wissen, in welcher Welt er lebt, und was für Kräfte darin wirken - im Guten wie im Schlechten, notabene (der Mensch macht ja in seinem Leben nicht nur gute, sondern auch schlechte Erfahrungen, ergo gehören auch diese zur Philosophie dazu). Und meine Philosophie ist eine wundersame Reise durch die Ideengeschichte und die Weltbegründung. Dabei habe ich schon früh in meiner Beschäftigung mit der Philosophie angefangen, ein eigenes philosophisches System zu erwägen (offenbar reichten mir die Ideen und Begründungen der vorhandenen spätmodernen, aus dem 19. und 20. Jahrhundert** stammenden - existentialistischen, kritizistischen und analytischen - Philosophie nicht).

* Dazu gehören etwa - um nur einige der bedeutendsten Namen zu nennen (20): Aristoteles, Augustinus, Bacon, Descartes, Hegel, Heidegger, Hobbes, Hume, Kierkegaard, Konfuzius, Locke, Montesquieu, Nietzsche, Platon, Rousseau, Sartre, Schopenhauer, Spinoza, Thomas von Aquino, Voltaire - insgesamt umfasst meine bisherige Leseliste rund 100 Philosophen (darunter weitere grosse Klassiker, vornehmlich der deutschen und europäischen, oder auch der US-amerikanischen Philosophie). Meistens habe ich vom entsprechenden Philosophen das Hauptwerk gelesen, teils auch weitere Werke; dazu auch rund zehn verschiedene Bücher über die Philosophiegeschichte, viele Internetseiten und -videos zu philosophischen Themen, sowie auch die Grundbücher der grössten Religionen (etwa: Bibel, Koran, Bhagavadgita, Reden des Buddha) und ein paar wissenschaftliche Bücher.

** Interessant: dass wirklich alle bedeutenden aktuellen Philosophien ihren Ursprung bereits im 19. Jahrhundert haben: mit Kierkegaard (Existentialismus), Nietzsche (Kritizismus/Kulturkritik) und Frege (Analytik/Logizismus) als Hauptpersonen; ebenso übrigens die Umweltphilosophie mit Haeckel - eigentlich bloss mit der Begriffsbegründung der Ökologie, aber immerhin -, welche aber bis dato leider einen eher untergeordneten Wert in der philosophischen Welt besitzt, und ebenso die sozialorientierte Philosophie mit Saint-Simon (noch weiter zurück geht die liberalorientierte Philosophie, nämlich bis ins 17. und 18. Jahrhundert mit Locke [und den bekannten Figuren der Aufklärung und der Bürgerrevolution (allen voran natürlich Rousseau [sowie Kant als Spätaufklärer in Deutschland])]). Die drei Hauptrichtungen der Philosophie des 20. Jahrhunderts sag(t)en eigentlich: die Welt ist befremdlich (Existentialismus), die Kultur ist zu kritisieren (Kritizismus), und die Philosophie ist der Mathematik, dem Logizismus und dem Formalismus zu unterwerfen. Das war - wie sich das insbesondere nach den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs eingerichtet hat - insgesamt eine philosophische Umgebung, in welcher ich mich nicht wohlgefühlt habe (daher habe ich wohl auch damit begonnen, all die alten Klassiker der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit und ihrer Moderne zu lesen und aufzuarbeiten, um zu schauen, ob da nicht doch eigentlich noch viel mehr hinter dieser ganzen Philosophie steckt, als bloss die mageren Schlüsse, welche uns die Philosophen des 20. Jahrhunderts vorgesetzt haben [die blosse Frage danach, ob die Alten vielleicht schon zu verstaubt seien, um sich heute noch wohlwollend damit zu beschäftigen - vgl. Sloterdijk: Regeln für den Menschenpark, 1997 - genügte mir auch nicht, sondern ich habe quasi den Staub von den alten Büchern geblasen und sie wirklich interessiert und intensiv gelesen (was man vermutlich nicht tun kann, ohne gewisse Nachteile bezüglich der allgemeinen Lebensqualität für das eigene Privatleben in der spätmodernen [Wirtschafts-*** (und Mobbing-)] Gesellschaft zu riskieren, da einem diese Informationen unweigerlich in einen gewissen Widerstreit mit dem Zeitgeist bringen müssen. Der Schluss, die althergebrachten Kulturgüter aus diesem Grund abzulehnen, wäre natürlich ein falscher Schluss (es gilt letztlich, sie so aufzubereiten, dass man sie für die Zukunft verwenden kann).

*** Natürlich habe ich nichts gegen eine Wirtschaftsgesellschaft, d.h. eine Gesellschaft deren oberste Priorität die Wirtschaft ist (und dies nicht nur, weil ich früher einmal Wirtschafts- und Rechtswissenschaften studiert, wenn auch nicht abgeschlossen habe - aber es ist doch sicher auch, trotz vielen anderen Phasen und Erfahrungen in meinem Leben, etwas davon hängengeblieben). Letztlich sehe ich die Politik als bedeutendstes Instrument des Menschen an, und in der Politik wiederum die Wirtschaftspolitik - ergänzt durch die Sozial- und Umweltpolitik. Eine gut funktionierende Wirtschaft ist eine der wichtigsten Grundbedingungen für eine gut funktionierende Gesellschaft. Natürlich aber kann ich mich nicht erwärmen an einem reinen Ökonomismus (oder jedem anderem reinen Ismus), welcher ausser der Wirtschaft - und vielleicht noch einer ökonomisierten Wissenschaft - nichts anderes gelten lässt (und auf solches treffe ich natürlich relativ häufig und bedeutend in der heutigen Schweiz, sei es vorder- oder hintergründig; die Schweiz gehört sicher ideologisch mit den USA - nebst [noch] kleineren Staaten wie Liechtenstein, Luxemburg, Monaco, Singapur, Katar, Brunei - zu den bedeutendsten Wirtschaftsgesellschaften der letzten 50 Jahre). Ebenso wenig erwärmen, wie an den reinen Ismen, kann ich mich an den Gegnern der Ismen, die in verschiedenster (meist nicht bewusster) Hinsicht von früheren Ismen profitieren und behaupten, sie könnten gänzlich ohne diese auskommen.

Es bleibt die Frage, warum mir denn das heutige wissenschaftliche Weltbild nicht genügt hat. Die meisten heutigen Menschen geben sich ja damit zufrieden: dass die Religion und die Philosophie immer mehr verblassen, dagegen aber die Wissenschaft immer bedeutender scheinende Erklärungen anbietet, welche bis in Erst- und Letzterklärungen hineingehen. Schaut man sich diese etwas genauer an, so sind die Erstbegründungen (Urknall, Singularität) doch einigermassen schwammig und brüchig, die Letzterklärungen dagegen sogar vollkommen unakzeptabel (Technologische Singularität*, Weltende - die Wissenschaft geht davon aus, dass das Schicksal der Menschen die Unterwerfung derselben unter eine Technik ist, welche sie selber erschaffen haben, und noch ferner hinausgedacht von verschiedenen Weltendszenarien [Erlöschen von Erde und Sonne etwa, oder sogar das Verschwinden des Universums in einem Schwarzen Loch; das sind Spekulationen und Extrapolationen, die in die Milliarden und Billionen oder noch mehr Jahre hinausreichen, und das kann, als reinstes Faktum dargestellt, gar nicht wissenschaftlich sein (zumal wir ja heute noch nicht einmal genauer wissen, was das Universum eigentlich darstellt und ist)]). Ich kritisiere die Wissenschaft deshalb nicht, oder nicht ausschliesslich, sondern ich glaube, dass in einer neuen (postmodernen?) Betrachtung die Religion, die Philosophie und die Wissenschaft(en) zusammenbetrachtet werden müssen bzw. dass - noch weitergehend - alle möglichen Ansätze von Erfahrungen und Wissen zusammengenommen werden müssen, um eine zukunftsträchtige, umfassende Wissenschaft zu begründen. Der Mensch wird das ganze Spektrum seiner Möglichkeiten aufbieten und nutzen müssen, um den Problemen und Gefahren der Zukunft adäquat begegnen zu können. Die Wissenschaft der Zukunft dient nicht mehr bloss der Erweiterung der Wohlfahrt, sondern der Bewältigung bedeutender Gefahren. Bei dem, was die Philosophie dabei in positiver Hinsicht noch immer leisten kann (ausser dem modernphilosophischen Hang zur Kritik), stechen für mich zwei Argumente heraus, und das sind: das Ganze und das Mittlere. Die Philosophie kann eine Gesamtbetrachtung versuchen, und sie kann das Mittlere erheben (siehe: Konfuzius und Aristoteles - in einer grossen ethisch-moralischen Übereinkunft zwischen Ost und West in der Antike [Aristoteles mit der Tugend, die auf die Mitte ziele, Konfuzius mit der Bewahrung von Mass und Mitte als wahrer Tugend; und dem schloss sich auch noch Jesus Christus übrigens an, als Mensch der späteren Antike wie des früheren Mittelalters, mit dem Gottesreich mitten unter uns - und ferner ist natürlich auch das Gesellschaftsmodell der Moderne dazu zu nennen: mit einem breiten Mittelstand im Zentrum der modernen, demokratischen Gesellschaft]). Die Philosophie kann natürlich noch viel mehr, aber diese zwei würde ich herausheben.

* Das Grundproblem einer zu technokratischen Ansicht ist natürlich dies: dass wenn wir bloss noch die Maschine betrachten, den Menschen vergessen, welcher dahintersteht (sowohl in der Arbeit mit der Technik wie auch in der Begründung und Erfindung der Technik an und für sich) - und damit die Verantwortung desselben (der Erschaffer kann seine Verantwortung letztlich nicht an das Geschaffene übergeben). Ein ähnlich gelagertes Problem besteht etwa mit der Kritik des Anthropozentrismus in der Ökologie. Gerade die Kritik an menschlichem Verhalten muss uns ja dazuführen, den Menschen und seine Verantwortung noch stärker (und nicht schwächer) in den Fokus zu rücken (und gerade die Ökokritik sollte den Menschen in den Fokus stellen, doch sie tut das Gegenteil - dies sind [u.a.] die Denkfehler, die sich heute einschleichen [und die unweigerlich zu falschen Schlüssen führen werden - wie auch andere falsche Akzentuierungen, notabene (man kann weder Jesus noch Kant dafür verantwortlich machen, dass sich der Mensch zu wenig an moralische und ethische Grundsätze hält und die Verantwortungsphilosophie gehört für mich zu den bedeutendsten Zweigen der heutigen Philosophie [Ingarden, Weischedel, Jonas, Lévinas, Etzioni, Nida-Rümelin, Heidbrink (u.a.)]). Im schlimmsten Fall bedeutet eine technologische Singularität, dass sich der Mensch nur noch mit der Lösung von Problemen beschäftigt, welche die Maschinen, die er selber erschaffen hat, verursachen (und dabei seine eigene Problematik - die Conditio humana [wie sie beispielhaft Mirandola in der Renaissance herausarbeitete] - vergisst).

Anmerkung: Die folgenden, im Text hochgestellten Zahlen beziehen sich auf die Ersterwähnung des entsprechenden Gedankens in meiner Literatur: eine Zusammenstellung davon findet sich weiter unten im Text.


System und Ausrichtung. Braucht der Mensch überhaupt ein Weltbild - oder nicht? In der Religion heisst es zuweilen, wir sollen uns keine Bilder machen, aber nur um ihre eigenen spezifischen (und limitierten) Bilder durchzubringen - zudem gibt es auch keine Religion, die nicht auch ihre Theologie hat (also ihre eigene Deutung der Bilder und Phänomene). Ich hatte im Verlauf meines Lebens das Gefühl, dass ich eigentlich gerne ein Weltbild haben möchte, aber keines hatte (daher habe ich mich auf die philosophische Suche und Reise gemacht). Der erste Philosoph, welcher ein philosophisches Weltbild und/oder -system aufstellte, war Empedokles. Für ihn bestand die Welt aus vier Elementen (Erde, Wasser, Luft, Feuer) und zwei Kräften (Liebe, Streit). Das ist ein Weltsystem bzw. das war das erste eigentliche Weltsystem der Philosophie. Heute sollten wir ein bisschen weiter sein, aber sind wir das wirklich? Die Physik hat die Elementenlehre von Empedokles verworfen, und die Philosophen haben manch anderes erwogen. Die heutige Philosophie aber kann und will kein Weltsystem mehr anbieten. Ein bedeutender Grund dafür besteht vermutlich in den Enttäuschungen mit den grossen politischen Ideologien (sofern man diese je für sich selber betrachtet und behauptet [(politisches) Christentum, Liberalismus/Kapitalismus, Sozialismus/Kommunismus]), aber das waren ja keine Weltsysteme, sondern eben eigentlich nur politische Systeme. Man kann zwar sagen, dass derjenige, welcher die Welt verändern will, die Politik verändern muss, aber trotzdem sind politische Systeme keine philosophischen Weltsysteme - sondern: sie sind politisch tendenziös (daher bin ich in der Politik letztlich für einen vernünftigen Ausgleich der Tendenzen). Die Politik bestimmte das Weltgeschehen im 20. Jahrhundert, v.a. mit der politischen Auseinandersetzung zwischen dem Liberalismus und dem Sozialismus. Auch die Philosophie ist im 20. Jahrhundert politisch geworden (zumindest ein bedeutender Teil der Philosophie, und in diesem Prozess der Politisierung von mehr oder weniger allem stecken wir immer noch drin, notabene [wir merken das heute ganz deutlich und immer wieder: wie hochpolitisch diese Zeit ist]). Unser heutiges Weltbild wird aber v.a. auch von der Wissenschaft geprägt - so bedeutend, dass wir offenbar meinen, dass die Wissenschaft schon alles richten wird, und dass wir gar kein (philosophisches) Weltbild mehr benötigen würden. Doch wo bleibt der Mensch in diesem technokratischen Weltbild? Ist ein zukünftiges Weltbild alleine geprägt von den Möglichkeiten und Grenzen von Maschinen, Robotern und Cyborgs? Ein philosophisches Weltbild kann die Bereiche von Religion/Esoterik, Philosophie/Politik und Wissenschaft/Wirtschaft sowie Kunst/Spiel - für mich die Grundbereiche des geistigen Erwägens von Kultur - ausgleichend betrachten (wir sehen dabei, dass die moderneren Zusatzbegriffe [die je zweiten, angeführten Begriffe] die alten Begriffe ergänzt, abgelöst und teils überformt haben). Im 20. Jahrhundert gab es nur wenige Systemphilosophen - ich sehe zwei Namen diesbezüglich im Vordergrund: Nicolai Hartmann (Aufbau der realen Welt: Unorganisches, Leben, Seele, Geist) und Jean Gebser (Strukturmodell der Bewusstseinsentwicklung: Archaisches, Magisches, Mythisches, Mentales, Integrales [vgl. Integrale Theorie]). Beide vertraten ein sogenanntes Schichtenmodell bzw. ein System mit verschiedenen Ebenen - das tue ich ebenfalls (und schliesse mich in meiner Systematik damit philosophiegeschichtlich an diese beiden Philosophen an [wobei die Erhebung von philosophischen Schichtenmodellen historisch bis auf Aristoteles zurückgeht]). Meine Systematik vom (Da-) Sein hat fünf verschiedene Dimensionen: (Da-) Sein, Leben, Glauben, (Nach-) Denken und Handeln1 (sowie Gut-Handeln und Nicht-Handeln2 - was dazu unbedingt angefürt werden muss [als gerichtetes bewusstes Tun und bewusstes Nicht-Tun]). In meinem System steht also am Anfang, als Urgrund von allem, das (Da-) Sein - mit der Erklärung von einer Schöpfung vom (reinen) Sein durch Gott ins Dasein3 - und am Ende das Handeln, d.h. das bewusste Tun: das Dasein ist sozusagen das erste Wesentliche der Welt, das Handeln die letzte, bewusst gewählte Tätigkeit des Menschen als Individuum und der Menschen im Kollektiv. Das ist der Sinn dieser Aufstellung (in der Mitte steht das Glauben, wobei ich hier nicht einen bestimmten religiösen Glauben meine, sondern das Glauben allgemein [jeder Mensch glaubt an irgendetwas, oder an verschiedene Dinge, auch Menschen, die sich als nicht-religiös bezeichnen]). Die bedeutendsten Grundsätze in diesem bewussten Tun, dem Handeln, sind für mich - auf einer allgemein menschlichen Ebene - die Sozialgerechtigkeit und die Umweltverträglichkeit4. Daher vertrete ich eine Neuausrichtung der Wissenschaften: die Naturwissenschaften sollen ökologisch, als Natur-, Technik- und Ökowissenschaften, die Geisteswissenschaften soziologisch, als Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften, ausgerichtet werden5. Dies ist für mich bzw. nach mir die einzige Möglichkeit, wie wir den Problemen der Zukunft adäquat begegnen können.


Weiteres. Auf dem Weg zu meiner Philosophie gab und gibt es natürlich noch viele andere Erwägungen zu diesem und jenem. Das möchte ich aber hier nicht alles anführen, weil es sonst zu ausführlich und die Erfassung des Kerns im Ganzen untergehen würde - daher nur kurz ein paar Erwähnungen (teils sind oben bereits erwähnte Gedanken mitaufgeführt). Die Philosophie habe ich eingeteilt in fünf (Grund-) Gebiete: Metaphysik, Systematik, Logik, Ethik, Politik6. In der Metaphysik habe ich die Frage nach dem Urgrund behandelt: der Urgrund ist das (Da-) Sein7 (Gott tritt in der Religion als Schöpfer vom Sein ins Dasein auf8). In der Logik habe ich die (regressive) Ursache-Wirkungs-Beziehung von der (intentionalen) Grund-Folge-Beziehung unterschieden9: das sind die beiden unterschiedlichen Grundprinzipien der Natur- und der Geisteswissenschaften. In der Ethik habe ich auf die erstaunliche Übereinkunft in der östlichen und westlichen Philosophie der Antike bezüglich der Tugend, welche auf die Mitte zielt, hingewiesen10 (Konfuzius/Aristoteles). In meinen Erwägungen zum Bewusstseinsbegriff habe ich von drei Faktoren des Ur-Bewusstseins gesprochen: Orientierung, Konzentration, Koordination11. Bezüglich der Raum-Zeit der Physik habe ich den Raum und die Zeit wechselseitig definiert: den Raum als Anordnung in der Zeit, die Zeit als Veränderung im Raum12 (so ähnlich zu finden auch bei Schelling [wobei ich das aber selbstständig erarbeitet und erst später ansatzweise auch bei ihm gefunden habe (solches kommt in der Philosophie manchmal vor, weil man ja nicht jedes Werk der Philosophie bis in den hintersten Winkel kennen kann)]). In der Physik habe ich ferner eine feldtheoretische Ansicht des Daseins erwogen, mit den Faktoren der materiell gebundenen Energie ('Materie'), der organisierenden Feld-Energie ([Energie-] 'Feld') und der freien Energie13 ('Energie' - das entspricht [trotz Ansätzen etwa in der Elektrodynamik] hier einer neuen [feldtheoretischen] Grundansicht der Physik). Bezüglich des in der heutigen Philosophie oft zitierten Leib-Seele-Problems habe ich darauf hingewiesen, dass dieses Problem längst gelöst ist durch die Vorstellung vom dreigliedrigen Menschen (Körper, Seele, Geist14, oder etwa: Hand, Herz, Kopf [nach Pestalozzi]), wie sie u.a. in der Philosophie von Steiner vorkommt (die Vorstellung soll, so habe ich einmal gelesen, von altägyptischen Wanderpredigern um die Zeit Christi Jesu stammen - jedenfalls aus einer alten Zeit [bedeutend ist die Philosophie der Triade auch im Neuplatonismus (Plotin, Porphyrios, Proklos) und im frühen Christentum (Marius Victorinus, Augustinus)]). In der Religion habe ich das Verhältnis zwischen dem Christus und dem kommenden Gesandten der Weltreligion, von welchem in der Esoterik die Rede ist, zu klären versucht. Diese Figur ('Weltlehrer', 'Maitreya') steht für mich - im Gegensatz zur fast gesamten westlichen Maitreya-Rezeption - nicht höher als der Christus (sondern auf der selben Stufe15; zudem bin ich der Meinung, dass diese Figur auch weiblich sein könnte16 [das ist offen (das Geschlecht ebenso wie die Herkunft, notabene) - ebenso wie bei King oder Queen Alpha*]). Ferner habe ich eine neue Himmelsordnung17 erwogen, in sieben verschiedenen Himmeln: vom Himmel des Schlüssels bis zum Himmel des Thrones (dieses Thema wurde seit dem Mittelalter nicht mehr aufgegriffen; ich habe diese Himmelsordnung direkt aus der Bibel abgeleitet). In diesen (religiösen) Fragen habe ich eine längere, schwierige persönliche Entwicklung durchgemacht (die während dem Aufbau der eigentlichen Philosophie kontinuierlich und logisch erfolgte [sie führte mich quasi vom Christus über den Maitreya zu Jesus zurück, in welchem ja auch die ganze Weltreligion schon enthalten ist - trotzdem vertrete ich ein eher esoterisches Christentum zwischen Mediation und (auch philosophischer) Meditation]). In der Politik habe ich ein Buch geschrieben zur Schweizer Politik (immerhin das einzige direktdemokratische Land der Welt, und daher für mich auch von philosophischer Relevanz [in diesem Buch habe ich u.a. die Zauberformel18 besprochen [bzw. die Machtverteilung in systematisch-mathematisch-ästhetisch-symmetrisch-politologischer Hinsicht], einen EU-Beitritt der Schweiz mit Sonderstatus zum Schutz der direkten Demokratie vorgeschlagen19 sowie die Einführung der Wahlpflicht zur Aufhebung des Problems der Wahlbeteiligung unter 50% seit den späteren 1970-er Jahren20]). In der Wirtschaft habe ich ein (kleines) Modell für die Weltwirtschaft begründet, in welchem die Produktionsfaktoren (Boden, Arbeit, Kapital) erweitert werden durch Sozialverträglichkeit und Umweltgerechtigkeit: dies ist mein modellhafter Vorschlag zu einer Verbesserung des Wirtschaftssystems bzw. zu einem bewussteren Umgang mit der Weltwirtschaft21 - wir benötigen in Zukunft unbedingt eine sozialgerechtere und umweltverträglichere Wirtschaft (siehe auch unterer Abschnitt zu 'Wirtschaft und Politik')]). Schliesslich habe ich zwei verschiedene Zeit- und Epocheneinteilungen begründet: eine kulturgeschichtliche22 und eine astrologische Zeitrechnung23 (zu diesem Thema gibt es bereits verschiedene Rechnungen, ich habe eine neue Rechnung dazu angeführt [im Zentrum steht dabei die Frage nach dem Wassermannzeitalter (in der New-Age-Philosophie)]). Bedeutend ist ferner auch die Kleine Tafel der Philosophen nach Richtungen24 (was vermutlich der erste Versuch überhaupt ist, die gesamte Philosophie in einer Philosophenliste zu kategorisieren). Neue Themen gibt es teils im kommenden bzw. geplanten Buch zur Spielphilosophie und zur Wissenschaftstheorie.

* Diese Figur habe ich in meiner Esoterik - für eine sehr viel fernere Zeit - vom Rastafarianismus abgeleitet, der immerhin wohl bedeutendsten Weltbewegung der Religion im 20. Jahrhundert, in welchem es nicht viele solche Bewegungen gab. Ich stelle mir diese Figur in einer gut abgesicherten Demokratie vor, und auch als Verteidiger oder Verteidigerin derselben, wogegen das Verhältnis der heutigen Referenzfigur, d.i. Haile Selassie, zur Demokratie nicht klar umrissen ist (es gibt von ihm positive, und für das Afrika seiner Zeit sehr fortschrittliche, wie auch eher fragwürdige Aussagen dazu - aber das gab es eigentlich in derselben Art und Weise schon bei Rousseau [heute sind wir - hoffentlich - einen kleinen Schritt weiter (und das wird - hoffentlich - ein grosser Schritt werden in der Zukunft)]). Wir haben natürlich heute, aus unserer heutigen Zeit heraus, grosse Mühe, uns einen demokratischen König oder eine demokratische Königin vorzustellen, aber das heisst nicht, dass dies unmöglich ist für alle Zeit. Die Spätform der Demokratie könnte einer Mischung aus Monarchie/Oligarchie und Demokratie/Anarchie entsprechen, in welcher das Beste aller Grundformen vereinigt wird. (Für die Schweiz ist dieser Gedanke vielleicht weniger bedeutend als für andere Staaten der Welt, die keine direktdemokratische Tradition kennen.)


Bücher:


Postmoderne Ontologie (2003). Dies ist sozusagen mein philosophisches Grundbuch, in welchem meine gesamte, auch spätere Philosophie bereits vorangelegt ist. Die Systematik vom (Da-) Sein - mit den Dimensionen vom (Da-) Sein, vom Leben, vom Glauben, vom Denken und vom Handeln - ist hier ausführlich dargelegt. Sie bildet das Grundgerüst meiner Philosophie. Dazu gibt es in diesem Buch die breiteste Gedankenübersicht zu anderen Themen, wenngleich einiges später noch etwas besser und reifer ausgearbeitet wurde*. Die bearbeiteten Themen umfassen u.a. die Bereiche der Philosophie, Theologie, Psychologie, Physik, Mathematik, Biologie, Soziologie, Ökonomie, Esoterik, Astrologie. [612 Seiten.]

* Meine Philosophie entspricht ja nicht - wie es in der heutigen spezialisierten Philosophie eigentlich üblich ist - einer Bücherreihe zu verschiedenen Spezialthemen, sondern einer fortwährenden Weiterentwicklung einer generalisierten Philosophie (und daher habe ich auch in jedem Buch eine übersichtsmässige Zusammenfassung gegeben vom aktuellen Stand meiner [Gesamt-] Philosophie [so wie ich das auch auf dieser Webseite tue]).

Politika 2000+ (2016). In diesem Buch gebe ich Anregungen für die (Schweizer) Politik, anhand eines 13-Punkte-Programms (welches ursprünglich als Parteiprogramm für eine neue Partei gedacht war, welche dann aber nicht gegründet wurde [stattdessen flossen die entsprechenden Ideen in dieses Buch ein]). Zentrale Punkte sind etwa: EU-Beitritt mit Sonderstatus (zum Schutz der Direkten Demokratie), Allgemeine Anerkennung der Sozialen Marktwirtschaft - evtl. mit einer Festlegung des Begriffs in der Bundesverfassung als offizielle Bezeichnung der Wirtschaftsordnung - oder Wahl- und Stimmpflicht für Schweizer sowie Wahl- und Stimmrecht für Ausländer. [124 Seiten.]

Vom Sein, vom Wahren und vom Guten (2017). In diesem Buch, welches als mein Hauptwerk deklariert ist, gebe ich einen Überblick über meine Gedanken zur Philosophie, Religion und Wissenschaft. Mit einer Verfeinerung meiner Systematik vom (Da-) Sein (sowie weiteren philosophischen Überlegungen zur Metaphysik, Systematik, Logik, Ethik und Politik), einer Maitreya- und Alpha-Rezeption in der Weltreligion sowie meinen Postulaten von der Soziologie als Führerin der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sowie der Ökologie als Führerin der Natur-, Technik- und Ökowissenschaften. Meine Philosophie zielt damit letztlich auf eine soziologische und ökologische Ausrichtung in den Wissenschaften. [144 Seiten.]

Geschichte der Philosophie (2018). In diesem Buch liefere ich eine Darstellung der Philosophiegeschichte - von der Ur-Idee bis zum Welt-All. Dazwischen liegt ein weites Feld der Menschheits-, Kultur- und Ideen-geschichte, oder eben: die Philosophiegeschichte (inkl. Religion und Wissenschaft), gegliedert in die Zeitepochen der Antike, des Mittelalters (Christentum), der Neuzeit (Wissenschaft, 17./ 18. Jh.) sowie deren Moderne: Moderne I (Aufklärung/Liberalismus, 18./19. Jh.), Moderne II (Sozialismus, 19./20. Jh.), Moderne III (oder: Spätmoderne, Existentialismus, 20./21. Jh.). Angeführt ist eine Tafel zu den Philosophen nach Richtungen. [288 Seiten.]




Hier finden sich die entsprechenden Passagen der Kernpunkte meiner Philosophie (siehe: hochgestellte Zahlen im obigen Text) in meinen Büchern. 1 Postmoderne Ontologie, Kap. 3.3-3.6 u. 3.8, S. 71-87 u. 92-101. 2 Vom Sein, vom Wahren und vom Guten, Kap. 1.3, S. 33 u. 34. 3 Vom Sein, vom Wahren und vom Guten, Kap. 1.2, S. 21-29. 4 Postmoderne Ontologie, Kap. 3.9, S. 101. 5 Vom Sein, vom Wahren und vom Guten, Kap. 3.1, S. 118. 6 Politika 2000+, 5.[0], S. 108; Vom Sein, vom Wahren und vom Guten, Kap. 5.[0], S. 59. 7 Postmoderne Ontologie, Kap. 3,2, S. 65. 8 Postmoderne Ontologie, Kap. 3,2, S. 71. 9 Vom Sein, vom Wahren und vom Guten, Kap. 3.3, S. 128. 10 Postmoderne Ontologie, Kap. 2.1 u. 2.2., S. 38 u. 39. 11 Geschichte der Philosophie, Kap. 7.[0], S. 276. 12 Postmoderne Ontologie, Kap. 3.3, S. 72. 13 Postmoderne Ontologie, Kap. 3.3, S. 72 u. 73. 14 Postmoderne Ontologie, Kap. 3.4, S. 76; Vom Sein, vom Wahren und vom Guten, Kap. 1.4, S. 55. 15 Vom Sein, vom Wahren und vom Guten, Kap. 2.2, S. 91. 16 Vom Sein, vom Wahren und vom Guten, Kap. 2.2, S. 92. 17 Postmoderne Ontologie, Kap. 12.3, S. 446-459; Vom Sein, vom Wahren und vom Guten, Kap. 2.1, S. 85-88. 18 Politika 2000+, Kap. 2.2, S. 35-37. 19 Politika 2000+, Kap. 3.4, S. 68 u. 69. 20 Politika 2000+, Kap. 3.7, S. 71 u. 72. 21 Vom Sein, vom Wahren und vom Guten, Kap. 3.3, S. 139 u. 140. 22 Geschichte der Philosophie, Inhaltsverzeichnis, S. 5-6. 23 Postmoderne Ontologie, Kap. 11.4, S. 404-411; Vom Sein, vom Wahren und vom Guten, Kap. 2.2, S. 93-95. 24 Geschichte der Philosophie, Kap. 6, S. 255-273.

Da ich in meinen Büchern jeweils auch eine aktuelle Zusammenfassung meiner Philosophie gemacht habe, finden sich die Ansätze teils in verschiedenen Büchern - ich habe hier jeweils die Ersterwähnung und/oder die eigentliche oder bedeutendste Erwähnung angegeben (wo mir zwei Erwähnungen gleich relevant erscheinen, habe ich beide angegeben). Die Angaben zu meinem zweiten Buch "Politika 2000+" beziehen sich auf die 2. Auflage - die erste war leider fehlerhaft korrigiert, und ich betrachte diese daher als nicht relevant. Natürlich findet sich in meinen Büchern noch sehr viel mehr, was für den Leser je nach Interesse interessanter oder weniger interessant ist - dies ist eine Auflistung meiner vielleicht bedeutendsten Ideen. Es würde zu weit führen, hier eine ausführlichere Aufstellung zu geben - dies genügt als kleine Übersicht über meine Philosophie. Das Meiste vom Diversen findet sich in meinem ersten Buch. Eine Darstellung der Philosophiegeschichte findet sich in meinem vierten Buch "Geschichte der Philosophie" (in diesem Buch findet sich auch eine Tafel der Philosophen nach Richtungen - dies ist der erste Versuch, eine allgemeingültige Ordnung in die Philosophiegeschichte zu bringen bzw. eine Art Klassifizierung der Philosophie).


In meinem nächsten Buch wird es um Spiel, Ernst und Wissenschaft gehen, d.h. v.a. um Spielphilosophie und Wissenschaftstheorie. Da wird sicher der eine oder andere interessante neue Punkt in meiner Übersicht noch dazu kommen. Vielleicht wird dies mein letztes philosophisches Buch werden - es ist fast wie bei einem Marathonläufer: das denke ich eigentlich bei jedem Buch (schon vor dem ersten Buch übrigens, denn ureigentlich wollte ich bloss ein philosophisches Buch schreiben), und doch ist immer wieder etwas Neues dazugekommen, aber das nächste Buch könnte nun wirklich der Abschluss meiner philosophischen Publikationstätigkeit in der Art und Weise sein, wie ich dies in den letzten Jahren praktiziert habe. Das heisst nicht, dass ich in Zukunft keine Bücher mehr publizieren werde, aber dass es vermutlich eine grössere Pause geben wird, und dass weitere Bücher, falls es sie geben wird, von einer anderen Art sein werden. Ich habe meine publizistische Philosophie bzw. meine Philosophiepublikation eigentlich immer als ein zeitlich beschränktes Projekt betrachtet, welches ich irgendwann einmal abschliessen können möchte, und auf welches ich irgendwann einmal zurückschauen können möchte. Ob das wirklich gelingen kann, das steht in den Sternen geschrieben (be humble for you are made of earth, but be noble for you are made of stars [whatever gods there may be]*).

* Ich habe diesen Satz erstmals beim Youtube-Philosophen Jason Silva gehört, hierzu aber eine interessante weiterreichende Erklärung gefunden. (Letztlich kann man wohl nicht so genau sagen, woher das alles genau kommt, aber es ist doch interessant zu sehen, wie sich solche Dinge aufbauen - von dem her gesehen, was man weiss, und das ist ja meistens nur die Spitze eines Eisbergs.)


Die kürzeste Zusammenfassung meiner Philosophie. Kulturbereiche: Religion/Esoterik, Philosophie/Politik, Wissenschaft/Ökonomie und Kunst/Spiel (sowie Medien als Fluidum und [politisch begründete] Jurisprudenz als [gesellschaftliche] Grundlage). Philosophiedisziplinen: Metaphysik, Systematik, Logik, Ethik, Politik. Metaphysik: (Da-) Sein als Urgrund. Systematik bestimmt Logik, Politik bestimmt Ethik. (Philosophisches Schichten-) System: (Da-) Sein, Leben, Glauben, (Nach-) Denken, Handeln (sowie Gut-Handeln und Nicht-Handeln). Politik: Sozial-liberal (Sozialgerechtigkeit und Umweltverträglichkeit in liberaler Wirtschaft und demokratischer Gesellschaft). Mensch: Körper, Seele, Geist. Körper: Fitness (Schlaf, Ernährung, Bewegung [je ausreichend und/oder ausgewogen])*. Seele: Liebe (Christus/Maitreya). Geist: Vernunft (Philosophie).

* Dieses Thema kommt in meiner bisherigen Philosophie nirgends explizit vor, ich erwähne das jedoch hier dazu (in einem Bereich, welcher vielleicht in eine Lebenshilfephilosophie gehen würde, die aber weniger mein Thema ist [ich sehe Lebenshilferatgeber heute eher in der Psychologie beheimatet, jedoch gibt es einige Philosophen, welche sich dem verschrieben haben, in einer Tradition, die vielleicht bis etwa auf Epikur zurückgeht]).

Manche meinen, dass wir heute mit unserer Wissenschaft - ergänzt durch die Religion (oder auch nicht) - eigentlich gar keine Philosophie und insbesondere kein spekulatives Denken mehr nötig haben. Ich bin da (als Philosoph, natürlich) ganz anderer Meinung. Philosophie ist sicher nicht reine Spekulation, sondern sie versucht, die Welt so gut wie möglich zu ergründen. Sie scheut sich aber auch nicht davor, dort spekulativ zu denken, wo man anders nicht mehr weiterkommt (die Wissenschaft tut dies übrigens auch, deklariert das aber nicht so klar - wenn eine These in der Wissenschaft oft genug wiederholt wird, gilt sie langsam aber sicher als wahr, auch wenn es eigentlich bloss eine Hypothese ist). Siehe auch: meine Entgegnung zur Philosophiekritik (unten).

Ich habe versucht, meine Philosophie, die ein riesiges Gebiet natürlich umfasst (sozusagen: 'alles'), mit möglichst wenigen Schriften zu umreissen - letztlich könnten es etwa fünf Bücher sein mit insgesamt etwa 1300 Seiten (schon alleine fast die Hälfte - etwas über 600 Seiten - macht mein erstes Buch und Grundbuch aus, welches vielleicht ein bisschen zu üppig geraten ist - danach habe ich mich deutlich kürzer gefasst); ich finde das vertretbar (manche Philosophen brauchten so viele Seiten für ein einziges Werk zu einem speziellen Thema von vielen Werken im Gesamtwerk - was ich im Verlauf der Zeit alles dazu aufgeschrieben habe, dürfte einige 10'000 Seiten umfassen [das Allermeiste davon ist bereits wieder vernichtet worden: ich versuche mich immer wieder am Wesentlichen zu orientieren - und es geht letztlich um das, was in den Büchern steht; ich sage das auch, nicht damit jemand meint, ich würde hier ein paar Büchlein schreiben, um mich lustig zu machen und mich gross als Philosophen hinzustellen, sondern dahinter steckt natürlich sehr viel Arbeit, Leistung und Einsatz (für die Philosophie)]). Wieso überhaupt noch Bücher? Für mich ist immer noch das Buch der Ort, an welchem eben das Verbindliche zu einem besimmten Autor und Thema steht. Die neuen Medien mögen für vieles gut sein - insbesondere zur Unterhaltung - aber trotzdem. [Im Sommer 2020.]


Stellungnahme zur Kritik. Im Internet bekommt man selten positive Reaktionen - wenn die Leute reagieren, dann meist mit negativer Kritik. Dies ist auch bezüglich meiner Philosophie und/oder der Philosophie im Allgemeinen nicht anders. Da kommen kaum Leute, die einem auf die Schultern klopfen, sondern da kommen v.a. Leute, die einem Dreck anwerfen (das Missverhältnis ist bei einer privaten Website vermutlich noch grösser als in den Sozialen Medien, wo man doch meistens einen gewissen Ausgleich hat [weil in den Sozialen Medien alle Leute Kommentare schreiben, zu einer privaten Website aber meist nur diejenigen, die etwas Negatives vorzubringen haben - und die Leute scheinen auch nicht mehr zu unterscheiden, zwischen einer Eigenleistung, hinter welcher etwas steht, und bei welcher etwas selbstständig erarbeitet wurde, und irgendeiner Meinung, die irgendwo aufgefasst und dann irgendwie weiterverbreitet wird, das scheint heute im Web alles mehr oder weniger einerlei zu sein]). Ich möchte hier kurz auf die Hauptpunkte dieser Kritik, wie sie mir gegenüber etwa geäussert wird, eingehen. Ich möchte dies sehr dezidiert tun, da auch die Kritik teils recht scharf (und unüberlegt) daherkommt.

1. Woher nehmen die Philosophen denn eigentlich ihre Information (oder: sagen sie einfach irgendetwas daher)? Das ist eine gute Frage, aber sie ist falsch gestellt, denn in der Philosophie kommt es nicht darauf an, woher die Informationen stammen, sondern wie sie verarbeitet werden. In der Philosophie geht es gar nicht darum, irgendetwas vorzuschieben, d.h. - wenn wir es einmal ein bisschen kritisch und abgrenzend formulieren wollen - ein unbeweisbares Jenseits (Esoterik, Religion) oder zusammenhangslose Experimente (Wissenschaft). Die Philosophie beruht - seit den frühesten Philosophen in der griechischen Antike - auf eigenem Nachdenken, und sie behauptet auch gar nichts anderes (vgl. Kant: sapere aude). Die Information zu meiner Philosophie kommt also demnach aus meinem Leben und aus dem, womit ich mich in meinem Leben beschäftigt habe.

2. Wie rechtfertigt sich ein philosophischer Alleingang (oder: sollte man in der Philosophie nicht mit anderen über seine Gedanken sprechen/diskutieren [es gibt ja spezielle philosophische Gruppen dafür])? Über Philosophie diskutieren, ist etwas anderes, als Philosophie machen. Ich bin manchmal erstaunt darüber, wie selbst Philosophen mit anderen Philosophen umgehen. Philosophie, d.h. die Philosophie eines Philosophen, ist eigentlich gar nicht diskutierbar, sondern sie ist ein Faktum. Man kann sie verstehen oder nicht verstehen, aber diskutierbar ist sie als Faktum eigentlich nicht. Dürrenmatt sagte einmal, er lese keine (belletristischen) Bücher, sondern er schreibe selber welche - das kann man zwar nicht 1:1 übertragen, aber der Sinn davon kann auch für einen Philosophen gelten (ich diskutiere nicht über Philosophie, ich mache selber welche [und ein Philosoph benötigt keine 'Selbsthilfegruppe' für seine Philosophie]). Praktisch alle grossen Leistungen der Kultur-, Geistes- und Ideengeschichte wurden im Alleingang erbracht. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass eine solche Leistung konzentrierter und authentischer ist. Wenn es heute in der Wissenschaft mehr Zusammenarbeit gibt als früher, so deswegen, weil einerseits heute mehr Forschung an den Universtitäten betrieben wird, und weil andererseits heute so grosse und teure Apparate im Spiel sind, welche sich ein einzelner Forscher teils gar nicht beschaffen und leisten könnte (man stelle sich einen früheren Forscher wie Galilei mit einem Large Hadron Collider vor - das geht so nicht zusammen [und daher besteht auch die Gefahr, dass die eigentliche Wissenschaft in den reinen Technikwissenschaften verloren geht (und dass es da am Ende nur noch um Technik geht und nicht mehr um Wissenschaft)]). Das ist die neue Entwicklung im Bereich von reinen Technikwissenschaften. Auch in der Religion hat es notabene noch nie ein Teamwork von Propehten gegeben, sondern das waren auch - ausser vielleicht bei 'Warten auf Godot' - immer Einzelpersonen. Wenn der US-Filmregisseur Scott meinte, dass Science-Fiction-Autoren Prophets of Science seien, dann sind Philosophen Propheten des Denkens. Es geht darum, einen einzelnen Verstand auszuschöpfen, nicht verschiedene Verstande aneinander auf- und abzureiben. Und wenn Herr Prof. Dr. Habermas in der Philosophie einen geregelten Diskurs sieht, dann soll er einen solchen versuchen und schauen, was dabei herauskommt. Der Philosoph oder die Philosophin ist natürlich immer mit vielem und mit vielen in Kontakt - innerhalb und ausserhalb der Philosophie (in der heutigen umtriebigen Wirtschafts- und Medienwelt sowieso), aber das Denken ist ihm/ihr selber überlassen (und er/sie muss es dann auch selber vertragen und vertreten).

3. Die Philosophie ist zu langweilig und/oder zu komplex (und die Darstellung auf dieser Website hier ist zu ausführlich). Im Gegensatz zu Kant oder Einstein versuche ich nicht das Einfache möglichst komplex darzustellen (schon Galilei brachte die Relativität in der Physik vor), sondern ich versuche das Komplexe möglichst einfach darzustellen. Es bleibt dabei freilich komplex, und daher ist das auch immer nur mit vielen Nebensätzen und Erklärungen möglich. Das kann man noch immer für zu komplex halten letztlich, und ich verstehe das. Mir ist es auch noch immer ein bisschen zu komplex, aber ich kann die Welt nicht einfacher machen, als sie tatsächlich ist - ich kann nur versuchen, die Philosophie so einfach wie möglich darzustellen. Reine Trivialität ist sicherlich nicht das, was die Philosophie darstellen und ausdrücken will, aber man kann eben auch alles komplexer machen, als es tatsächlich ist (vgl. Kant, dessen einfacher Schluss - der Kategorische Imperativ - in keinem Verhältnis steht zu seinem gesamten Gedankengebäude [dazu ist zu sagen, dass es oft in der Philosophie eben so ist, dass eigentlich bloss das Einfache aus dem Komplexen herausgeschält wird - die Art und Weise, wie Kant das machte, scheint aber schon ein wenig darauf abgezielt zu haben, die Sache möglichst komplex darzustellen; das ist bei mir sicher anders, und daher habe ich auch in jedem Buch eine aktuelle Zusammenfassung meiner Philosophie gegeben - wie auch hier im Internet - um eben meine Philosophie letztlich so einfach und klar zu halten, darzustellen und zu erklären, wie es möglich ist (Kant oder Hegel, u.v.a., haben nie eine Zusammenfassung ihrer Philosophie gemacht - das hätte ihrer Ehre als Komplexisten widersprochen [ich denke, sie haben sogar noch eine klammheimliche Freude darüber gehabt, wenn die Leute und die Kritiker sie falsch verstanden haben - zumindest Kant zeigte, dass er das auch anders gekonnt hätte, in seiner einzigen kurzen, knappen und klaren Schrift 'Zum ewigen Frieden': aber das Publikum jener Zeit erwartete und erwünschte sich eine gewisse Komplexität in der Philosophie; ganz anders als in unserer Zeit, wo man am Liebsten alles gleich im SMS-Stil [Short Message Service] hätte])]). Was die Langweiligkeit betrifft: das ist nun natürlich vollkommene Ermessenssache. Für mich ist die Philosophie als Ideengeschichte das grösste und aufregendste Abenteuer der Welt überhaupt, anderen wiederum sagt das rein gar nichts (nicht zuletzt deswegen, weil die heutigen Schulen keinerlei Bezug dazu schaffen). Und das ist durchaus in Ordnung so. Jedem das Seine, keinem alles und niemandem nichts.

Natürlich gibt es auch die Kritik, dass die Darstellungen auf meiner Website zu ausführlich seien. Was dies betrifft, so stellte sich mir die Frage, ob ich mit meiner Philosophie ins Internet gehen soll oder nicht. Konnte man sich als autodidaktischer Philosoph zu jener Zeit (in den früheren 2000 Jahren anders entscheiden [zumal: wenn man noch einen Webpublisherkurs gemacht hat])? Und wenn man als Philosoph auftritt, dann sollte die Darstellung auch authentisch und adäquat sein - ich bin im Moment daran, ein paar der längeren Seiten zu überdenken, ein paar solche Seiten werden aber sicher bleiben.

4. Die Ontologie ist zu spekulativ. Diese Kritik - welche an den ersten Punkt anschliesst - stammt nicht aus dem Internet, sondern aus Kants Hauptwerk 'Kritik der reinen Vernunft'. Er bezog sich auf die damalige Ontologie im Leibniz-Wolffschen System, welches vor ihm in Deutschland vorherrschte (wie sich Haags Ontologiekritik im 20. Jahrhundert v.a. auf Heidegger und die existentialistischen Ontologen bezog). Den Stellenwert als Erste Philosophie, wie es Wolff formulierte, sprach Kant der Ontologie nicht ab, aber er meinte eben, dass sie zu spekulativ sei. Er dagegen wollte eine wissenschaftlichere Philosophie präsentieren. Die Antwort auf diese Kritik ist teils oben schon gegeben: Philosophie entspricht reinem eigenem Nachdenken und kann daher nie so wissenschaftlich sein wie die Naturwissenschaften (nicht einmal die Geisteswissenschaften können das). Die Philosophie sollte das auch gar nicht versuchen. Sie sollte ja erstlich Philosophie sein und danach erst auch Wissenschaft - und nicht umgekehrt. Die Philosophie und die Theologie haben dasselbe Dilemma: die Wissenschaft fordert von ihnen reine Wissenschaftlichkeit und damit die Aufgabe ihrer eigenen Disziplin. Die Philosophie steht immer zwischen sich selber und der Wissenschaft (und der Religion, notabene auch). Eine Wissenschaft der Philosophie ist mehr als blosse Philosophiegeschichte, aber auch weniger als reine Naturwissenschaft, damit muss der (wissenschaftliche) Philosoph leben. Wie Gott in der Religion (rein natur-) wissenschaftlich nicht beweisbar ist, ist auch die Qualität einer Philosophie letztlich nicht objektiv messbar (und zu allem in der Philosophie gibt es auch die Gegenrede, wie schon die antiken Skeptizisten festgestellt haben [wobei ein reiner Skeptizismus ebenfalls nicht aufgeht, weil er nicht alltagstauglich ist, wie auch schon in der Antike festgestellt wurde]). Letztlich ist nicht nur die Philosophie, sondern die gesamte Evolution eine Spekulation auf Optionen. Es geht dabei um die Wahrscheinlichkeit von Wahrheit, jedoch nicht eine mathematische, sondern eine logische Wahrscheinlichkeit. Diese Logik, die hinter der Welt steht, ist das, was die Wissenschaftler, die Philosophen und die Religiösen gerne erkennen möchten - die letztendliche und alles bestimmende Weltlogik. Diese ist aber offenbar derart komplex (oder so einfach im Komplexen verhüllt?), dass alle bisherigen Versuche, in den verschiedensten Bereichen und Disziplinen (und bis ins weiteste All hinaus und bis ins kleinste Teilchen hinein), ihr allzu genau auf die Spur zu kommen, nur bruchstückhaft geblieben sind. 'We are here to pick up the pieces' (Reggaestar Burning Spear am Jazz Festival in Montreux 2001 [wie so oft im Reggae doppeldeutig gemeint: pieces/peace(s) - die Wahrheit sollte für den Frieden nicht verfälscht werden, aber sie sollte im Einklang sein mit ihm]).

Stellungnahme. Bezüglich einer grundsätzlichen Ontologiekritik, wie sie Platon gegenüber Parmenides äusserte, muss man sehr gut differenzieren. In seiner Schrift 'Parmenides' machte Platon den schlimmsten Fehler seines gesamten Schaffens. Worum geht es? Parmenides, der erste ontologische Philosoph, hatte gesagt, dass es nur Seiendes gibt und kein Nichtseiendes. Das ist der Grundsatz der gesamten Ontologie, und an diesem Punkt müssen wir auch die Kritik überprüfen. Platon spricht, wie danach auch Aristoteles, davon, dass es Nichtseiendes gibt - er widerspricht also Parmenides. Sein Widersprechen glaubt er in folgender Passage beweisen zu können: «Das Sein ergreifen, heisst das nicht 'werden'? - Ja. - Vom Sein ablassen, nicht 'vergehen'? - Auf jeden Fall.» Eben nicht. Ich musste diese Passage auch sehr genau anschauen, bis ich den Fehler erkannte. Würde vom Sein ablassen tatsächlich vergehen bedeuten, hätte Platon tatsächlich recht, denn das wäre eine Bewegung auf ein Nichtseiendes zu - und wir müssten Parmenides widersprechen. Die Lösung liegt im Gegensatz von Sein und Wesen, wie ihn Thomas von Aquino herausgearbeitet hat (seine grösste Leistung in der Philosophie!). Es ist nämlich nicht das Sein, welches sich verändert, sondern das Wesen. Genauer: das Sein führt über das Dasein zum Werden, und das, was da weiterführt bzw. dazukommt, ist das Wesen. Das Dasein fürt zu einem Wesen, und dies kann sich verändern - das Sein aber nicht, es ist unveränderlich und in jedem Phänomen des Seins dasselbe, notabene (und damit auch eins, wie Parmenides sagte*). Die wahre Urgrundhaftigkeit des Seins ist nicht so leicht und einfach einzusehen und zu begründen: man sieht das an der Ontologiekritik. Aber man kann es ganz exakt begründen. Ich sage daher auch: was einmal war, wird immer sein (weil es gewesen ist) - es verliert durch den Verlust des Wesens im Vergehen nicht das Sein an und für sich. Wenn das abstrakte Verständnis zu schwierig ist, können wir dazu sehr konkret werden: jede Aktion jedes Wesens hat eine bleibende Wirkung in der Welt bzw. jede Aktion und Nicht-Aktion - das ist gemeint mit dem Immersein (die Aktionen der Vergangenheit sind allesamt in der Gegenwart vorhanden - genau dies sagt auch die Karmalehre übrigens). Wir kommen hier auch ganz nahe an die Definition des Realitätsbegriffs heran, indem wir nämlich sagen können, dass es Dinge gibt, die nicht real sind, aber reell. Eine reine Fantasyfigur wie ein Einhorn z.B. ist nämlich reell, aber nicht real. Es gibt also reale und reelle Wesen, wenn wir diese Begriffe so verwenden wollen, um nicht sagen zu müssen, das eine sei und das andere nicht, was vollkommen falsch wäre, denn alles Seiende ist (ob nur reell, oder real und reell). Im selben Sinn, wie es hier besprochen wurde, muss man den Satz von Shakespeares Hamlet ('Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage!**') und die Aussage von Mani Matter ('Oh, wären sie' - ein guter Liedermacher, aber ein etwas weniger guter Philosoph) zurückweisen. Denn man kann nicht sein oder nicht sein, oder mehr oder weniger sein, sondern: man ist einfach. Weiter möchte ich hier anführen, dass Null und Nichts beides kein Nichtsein ist, sondern ein Sein. Null ist Null, und Nichts ist Nichts. Nichtseiendes ist aber nicht Nichtseiendes, weil es Nichtseiendes nicht gibt (in der Mathematik würde man zu so etwas sagen: es ist nicht definiert, wie die Division durch Null [weil wir keine Vorstellung dazu finden können, weder eine reale, noch eine reelle]). Noch klarer gesagt: es kann nicht etwas geben, was es nicht gibt. Das ist ein absoluter Widerspruch. Somit sollte mit logischen Schlüssen auch bewiesen sein, dass die Ontologie als solche nicht spekulativ ist, sondern das Gegenteil davon - sie entspricht äusserster Konkretisierung (wir sprechen ja hierbei auch nicht von der Evolution des Wesens, sondern vom Sein an und für sich - von der Ersten Philosophie).

* Bei Hamlet geht es um die Frage nach dem Leben, nicht um die Frage nach dem Sein. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie man mit der Systematik vom (Da-) Sein Denkfehler aufdecken kann, bei welchen die Dimensionen vertauscht werden bzw. die Dinge nicht in der richtigen Dimension betrachtet werden. Solches begegnet mir immer wieder***. Andererseits aber auch das Herausgreifen einer Dimension mit der gleichzeitigen Vernachlässigung aller anderen Dimensionen. Wenn z.B. etwa von einer Lebensphilosophie die Rede ist, so wird in einer solchen bloss die Dimension des Lebens betrachtet, alle anderen Dimensionen - Sein, Glauben, Denken, Handeln - werden aber stark vernachlässigt, was zu einer beschränkten Ansicht füren muss.

** Das ist auch der Hauptfaktor dafür, dass man von der Einigkeit des Seins sprechen kann. Es ist nicht eins, weil es das Ganze ist, sondern weil es überall dasselbe ist. Dies wiederum hat Parmenides zu wenig gut ausgearbeitet. So kam es zum Missverständnis darüber, dass Parmenides im Gegensatz zu Heraklit, der vom Fluss im Ganzen, zugedichtet wurde, seine Philosophie würde einen Stillstand behaupten. Dies kam v.a. aufgrund der Aussagen seines Schülers Zenon von Elea zustande, welcher sagte, dass die Bewegung, wenn man sie bis auf ihren kleinsten Schritt verfolge, eigentlich stillstehe (ein Paradoxon: man kann z.B. einen Schritt aufteilen in kleine und kleinste Einheiten, von welchen die kleinste dann gegen Null streben würde, so dass es aussieht, dass die Bewegung in der kleinsten Einheit ihrer Betrachtung einen Stillstand bedeutet - das ist das, was Zenon von Elea sagte [Schüler müssen auch nicht immer die genau gleiche Meinung wie ihrer Lehrer vertreten, das zeigen Platon und Aristoteles, unter vielen anderen]). Der Gegensatz zwischen Heraklit und Parmenides ist eine falsche Behauptung. Ebenso ist die Auffassung Platons von der Einigkeit des Seins bei Parmenides falsch. Was dieser im Gegensatz zu Heraklit eigentlich aussagte, ist: dass es auch Einiges im Verschiedenen gibt (und nicht bloss Verschiedenes, wie Heraklit meinte). Denn das Sein als solches - d.h. als blosses Sein ohne Wesen (im Gegensatz zum Dasein mit Wesen) - ist überall ein Einiges.

*** Häufig hört man den Satz, dass es im Leben keine Gerechtigkeit gebe. Beim Menschen kommt zum Leben noch das Glauben, Denken und Handeln dazu (und alle Dimensionen sind - von unten nach oben bzw. vom Anfang zum Ende hin - miteinander verbunden). Darum gilt für den Menschen: es gibt keine Gerechtigkeit im Leben, wenn der Mensch keine Gerechtigkeit schafft, nämlich mit dem richtigen Glauben, dem richtigen Denken und dem richtigen Handeln (und dafür in erster Linie die Gesellschaft verantwortlich und nicht der Einzelne, denn der Einzelne vermag nichts auszurichten gegen eine ungerechte Gesellschaft: eine gerechte Gesellschaft vermag aber etwas auszurichten gegen Ungerechte [wobei wir auch hier aufpassen müssen: das Rechtsverständnis der Leute ist erschreckend schlecht - über ihr Gerechtigkeitsverständnis urteile ich nicht]). Solche Lügen kann man mit der richtigen Systematik entlarven. Damit können wir nach der Sache mit dem Sein nun auch jene mit der Gerechtigkeit klären - und das ist dann eher die Sache von Platon, notabene. Aus der Philosophie (Platons) könnte man ableiten, dass wer keinen Sinn für Gerechtigkeit kennen oder zugeben will, nicht ein Mensch, sondern ein Unmensch ist. Und man könnte das verbinden mit der Conditio Humana nach Mirandola (Mensch zwischen Gott und Tier). Gerechtigkeit und Menschlichkeit gehen Hand in Hand. Und darum ist die Liebe das Grösste (im Menschlichen), die Gerechtigkeit aber das Höchste. Glauben, Hoffnung, Liebe, Güte und Gerechtigkeit. Einen Übermenschen kann es im Allgemeinen nicht geben: der Mensch steht und fällt mit der Conditio Humana. Natürlich lässt sich über Gerechtigkeit trotzdem philosophieren und diskutieren - darum wird ja auch über das Recht diskutiert und politisiert. Dem anschliessen kann ich schliesslich auch eine Aussage über die Wahrheit. Meiner Meinung nach gibt es in der Philosophie - trotz allem Skeptizismus und trotz aller Relativität und Ambivalenz - richtige und falsche Aussagen. Der Satz, wonach es im Leben keine Gerechtigkeit gebe, ist falsch (w.z.b.w.). Und trotzdem kann in der Philosophie kann in der Philosophie das Gegenteil behauptet werden. Das heisst: in der Philosophie ist es erlaubt, zu lügen - aber es nicht richtig, dies zu tun (ich würde eine unbewusst lügenhafte Philosophie als unreife Philosophie bezeichnen, eine bewusst lügenhafte Philosophie als eine tendenziöse Philosophie). Letztlich bleibt allerdings bestehen, dass es in der Philosophie keine Instanz gibt, welche die Wahrheit überprfüfen und festlegen kann (und darum gilt nach Kant: sapere aude - jeder muss sich gegenüber sich selber Rechenschaft ablegen über Wahrheit, Unwahrheit und Lüge). Man muss das einmal klar und deutlich sagen und festhalten, um der ganzen heutigen Negativität ein bisschen entgegenzuwirken.

Zum Schluss möchte ich hier noch einmal speziell darauf hinweisen, dass ich kein Universitätsphilosoph und/oder -gelehrter bin. Ich bin ein privater, autodidaktischer Philosoph, von welchen es in der gesamten neuzeitlichen Philosophiegeschichte eigentlich nur wenige gab (etwa Spinoza, Voltaire, Rousseau, Mill [und ein paar wenige weitere - dagegen sind einige Philosophen, denen man das vielleicht gar nicht immer geben würde durchaus Universitätsphilosophen, so etwa Steiner, Zizek oder Silva (u.a.)]). Ich anerkenne die Bedeutung der Universitäten gerade auch in der Philosophie, aber ich gehöre eben nicht zum Universitätsbetrieb (jedenfalls solange, wie keine Universität mich - wie etwa das Schweizer Tennisas Roger Federer - zum Ehrendoktor macht [und darauf könnte man vermutlich lange warten, wenn man darauf warten wollte]). Ich bin also - obwohl ich drei Jahre an der Universität war, mein Studium der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften aber nicht abgeschlossen habe - kein Professor und kein Doktor und überhaupt nichts solches, sondern ein ganz normaler Privatmensch (aus einer einfachen, mittelständischen Familie - beide Grossväter waren Handwerker [Mechaniker und Schreiner], der Vater ist als kaufmännischer Angestellter in der Automobilbranche - meine Eltern haben sich bei General Motors kennengelernt - und als [letztlich wenig erfolgreicher bzw. abgestürzter] selbstständiger Kleinunternehmer in der Immobilienbranche tätig gewesen; die Herkunft und die Biografie sind aber eigentlich sekundär, denn in der Philosophie geht es alleine um die Ideen, trotzdem möchte ich das hier speziell erwähnen). Manche werden sich noch fragen, wie denn das alles zusammenpasst in meiner Philosophie. Die Hauptsache ist, dass ich das sehr genau weiss. Was man hier dazu sagen kann, habe ich hier dazu gesagt (und was man hier nicht sagen kann, das habe ich hier nicht gesagt [vgl. Wittgenstein]).


Über die nächste Zeit und das nächste Zeitalter - eine abschliessende Zeitgeistanalyse. Eine meiner neusten Überlegungen betrifft den Versuch ein kommendes Zeitalter näher zu bestimmen. Dabei bin ich zur Einsicht gekommen, dass es in jedem Zeitalter zwei bedeutende Faktoren gibt: einen bestimmenden und einen gegensätzlichen (zusätlich zwischen den Zeitaltern einen überführenden Faktor, welcher vom gegensätzlichen Faktor der alten Zeit zum bestimmenden Faktor der neuen Zeit wird). Fangen wir bei der Antike an. Ich möchte natürlich sofort sagen, die Antike sei durch die Philosophie geprägt gewesen, das Mittelalter durch die Religion und die Neuzeit durch die Wissenschaft. Aber das stimmt nicht. Die Philosophie war nicht der bestimmende Faktor in der Antike, sondern es waren nur einige wenige Philosophen, welche Philosophie betrieben haben. Da es aber trotzdem ein sehr wichtiger Faktor war (inkl. der attischen Demokratie, notabene), ist zu schliessen, dass dies der gegensätzliche Faktor in der Antike war. Was aber war der bestimmende Faktor? Es war der Krieg. Es gab sehr viele Kriege in der Antike - eigentlich war in der Antike dauernd Krieg*. Die (christliche) Religion führte nun von der Philosophie ins Mittelalter (sie ist damit der überführende Faktor, welchen es auch gibt, aber nicht ein bestimmender). Was war hier der bestimmende Faktor, wenn es nicht die Religion war? Da es am Ende des Mittelalters eine grosse Revolution gab, fällt es uns nicht allzu schwer, diesen Faktor zu bestimmen: es war der Adel (gegen welchen sich diese Revolution dann auch richtete). Demgegenüber ist der gegensätzliche Faktor des Mittelalters in der Armut des Volkes zu sehen. Ganz klar wiederum ist der bestimmende Faktor der Neuzeit, in welcher wir ja selber leben: es ist natürlich die Wissenschaft. Und was führte von der Armut des Mittelalters zur Wissenschaft der Neuzeit? Es war die Pest. Sie war hauptverantwortlich dafür, dass die Menschen am Glauben jener Zeit zu zweifeln begannen und eine bessere Wissenschaft wollten**. Was ist nun in unserer Zeit das Gegenteil vom Wissen? Es ist das Unwissen und/oder die Verschwörung (diese besagt, nach den heute bekannten Verschwörungstheorien, dass sich die Mächtigen der Elite mit ihrer Kultur gegen uns verschworen haben [u.v.a.], was natürlich einer vollkommenen Überspitzung der wirklichen Gesellschaftsmechanismen entspricht [dies wird ja notabene in demokratischen Gesellschaften behauptet, in denen zwar noch lange nicht alles zum Besten steht, aber sicher auch nicht alles zum Schlechtesten, und welchen der immer noch breite Mittelstand zumindest die politische Elite selber wählen kann]) - und/oder eine sehr schwammig bis kaum begründete Esoterik. Das ist das, was wir heute merken: dass wir zwar die höchstentwickelte Wissenschaft haben, dass aber gleichzeitig dieser gegensätzliche Faktor immer stärker ins Spiel kommt. Der heutige Mensch weiss im Allgemeinen wenig Bescheid über die Religion, die Philosophie und die Wissenschaft - das heisst: er weiss, etwas krass formuliert, im Allgemeinen eigentlich von nichts mehr irgendetwas (im Sinne von klarer Gewissheit - die alten Gewissheiten hat er verloren und das neue Wissen*** hat er sich nicht angeeignet; er geht zwar mit der Technik der Wissenschaft um, aber er weiss nicht, was wirklich dahintersteckt [und er will es auch gar nicht wissen, sondern er ist mit der reinen Anwendung (in eigentlicher Unwissenheit) zufrieden, etwa ähnlich verhält es sich im ökonomischen Bereich - diese Zeit lädt auch gar nicht dazu ein, sich tiefer und breiter mit den Dingen zu beschäftigen]). Und von diesem Faktor aus wird auch ein überführender Faktor in eine neue Zeit führen - vielleicht könnte man das Internet als solchen bezeichnen - und dort einen bestimmenden Faktor auslösen. Wir können heute noch nicht sagen, was genau das für ein Faktor sein wird, aber wir können diesen Mechanismus erkennen (und hier stossen wir ja auch wieder auf die Ambivalenz*, welche ich ansonsten immer als heute schon beobachtbaren Grundfaktor der kommenden Zeit angebe: das Internet verbreitet nämlich ebenso das Wissen, und bietet eigentlich eine perfekte Plattform dafür, wie aber auch das Unwissen und die Verschwörung). Im Vordergrund steht derzeit die Dystopie, d.h. die Angst vor einer negativen Zukunft. Ich würde von einer schwierigen Zukunft sprechen, die aber im Endeffekt nicht rein negativ sein wird. Das Positive und das Negative halten sich in den grossen Zeitenrechnungen meist einigermassen die Waage (es ist immer Dafür und Zuwider, immer aber ein bisschen mehr dafür). Wir kommen aber heute von einer 'goldenen Zeit' (etwa zwischen 1950-2000 [vielleicht eine Art Höhepunkt der Neuzeit]) und müssen in der nächsten Zeit mit zunehmenden Schwierigkeiten rechnen (ich spreche hier nicht von konkreten Dingen oder Schwierigkeiten, sondern von diesen allgemeinen Zeitgeistfragen [und -antworten]; die Fragen sind heute schon klar und deutlich: im ökologischen, soziologischen und ideologischen Bereich). Es ist auch klar, mit diesen Erwägungen, was wir tun müssten, wenn wir im Zeitalter der Wissenschaft verbleiben und/oder dies ausdehnen möchten: wir müssen das Wissen im breiten Volk und damit die Bildung im breiten Volk verbessern (und zwar sehr stark verbessern!). Ob es besser ist, in diesem Zeitalter zu verbleiben bzw. dieses auszudehnen, oder nicht, das kann ich nicht sagen. Es ist bloss ein Gefühl, welches mir sagt, dass es besser wäre, dies zu tun, um auch möglichst viel von diesem Zeitalter in ein allfälliges nächstes Zeitalter zu übernehmen. Eine grosse Schulreform ist ein wichtiges und bedeutendes Anliegen in meiner politischen Philosophie (dabei ist sowohl der Stoff wie auch die Methodik der Schule neu zu bedenken - ich bin, wie ich oft sage, auch für eine umfassende Wissenschaft, welche die Religion und die Philosophie mitnimmt, statt fallenlässt). Wenn die nächste Zeit in der Spitze der Moderne besteht, so besteht das nächste Zeitalter eben in der Postmoderne, d.h. in der Überwindung der Moderne, d.h. der Unkonstanz und Unstabilität, zu neuen Gewissheiten. Und das ist die Reise, die wir heute bereits beginnen können.

* In der Wikipedia ist dazu zu lesen (was meine These bestätigt): «Gewaltsame Auseinandersetzungen mit auswärtigen Feinden waren etwas Alltägliches in denjenigen Gesellschaften der Antike, die keine klar definierten Grenzen hatten und deren Schutz von einer Kriegerschicht gewährleistet wurde, deren gesellschaftliche Stellung von ihrer Bewährung im Krieg abhing. Beutezüge in das Territorium der Nachbarn erfolgten daher regelmässig ein- bis mehrmals im Jahr. Der Krieg war allgegenwärtig, er bestimmte das Leben und das Selbstverständnis solcher Stammesgesellschaften und ist nur in Ausnahmefällen überliefert. Aber auch die Herrscher der antiken Hochkulturen definierten sich über militärische Erfolge und mussten diese Legitimation ständig erneuern.» (Wikipedia, zur 'Liste von Kriegen und Schlachten in der Antike').

** Der Höhepunkt dieses Zweifels liegt in der Zeit der Hexenverfolgung: es konnte nicht sein, dass die Pest gleichzeitig von Gott und von Hexen gesandt war. Wenn sie aber von Hexen gesandt war, dann hatten diese ja einen grösseren Einfluss auf die Menschen als Gott und wären damit mächtiger als Gott - und andererseits: hätten sie im Einklang mit Gott gehandelt, dann wären sie ja gottgefällig und heilig gewesen. Hier ging das alte System definitiv nicht mehr auf, und die Menschen begannen dies nach und nach zu merken. Die Kirche hätte sich im besseren Fall gescheiter von der ganzen Pest distanziert, als das aufzuführen, was sie aufgeführt hat. Handkehrum führte das Verhalten der Kirche zu diesem Thema eben auch wiederum zu einer neuen Zeit. Vieles von dem, was man an der Religion seltsam finden kann, kommt gar nicht von der Religion selber, und schon gar nicht von der Mystik, welche der Religion zugrunde liegt, sondern von der Macht (bzw. von einer zu grossen Macht), aber dies ist natürlich immer eben auch ein Faktor.

*** Es ist hierbei die Rede vom Wissen der Astronomie, der Physik, der Chemie, der Biologie, der Anatomie, der Medizin, der Geografie, der Ökologie, der Technikwissenschaft, der Mathematik, der Sprache, der Theologie, der Psychologie, der Pädagogik, der Philosophie, der Ontologie, der Anthropologie, der Soziologie, der Ökonomie, der Jurisprudenz, der Politologie, der Medienwissenschaft, der Kunstwissenschaft (u.a.). Von alledem sollten die Menschen heute eine kleinere bis grössere Ahnung haben - schon alleine, um bei demokratischen Entscheidungen bestehen zu können - aber überhaupt: um diese Zeit (der Wissenschaft) mittragen zu können. Dass dies in weiten Teilen der Bevölkerung nicht der Fall ist, liegt im Verantwortungsbereich des Bildungswesens. Wir können nicht von den Menschen erwarten, dass sie wenig bis gar nichts von der Wissenschaft verstanden haben und ihr dennoch für immer günstig gestimmt sind. Das werden sie sein, solange sie Vorteile darin sehen, aufgrund des allgemeinen Fortschritts und v.a. der allgemeinen Wohlfahrt - wenn es aber grössere Schwierigkeiten gibt, dann wird diese Gunst dahinbröckeln (wir sehen das bereits exemplarisch heute, in der Coronazeit: das sind bloss erste Anzeichen von einem zunehmenden Misstrauen der spätmodernen Menschen gegenüber der Wissenschaft). Das ist nicht bloss intellektuelles Zeug, sondern das sind die bedeutendsten Bereiche unserer Lebenswelt - und die ideelle Auseinandersetzung damit (wie sie in der Geschichte stattgefunden hat, und wie sie auch - mit allem, was sich in der Geschichte ergeben hat - in der Gegenwart heute stattfindet). Es ist auch erstaunlich, dass es heute so riesige Enzyklopädien gibt wie die Wikipedia, aber kein verlässliches Grundbuch für die Allgemeinbildung (wenn ich irgendwann einmal zu viel Zeit habe, werde ich eines schreiben [und sonst sollte das jemand anderes tun, so dass im besten Fall eine verlässliche Institution daraus wird, eine Art 'Bibel' der Allgemeinbildung, welche freilich immer wieder zu erneuern wäre - vermutlich werde ich mich darauf beschränken, mir zu überlegen, was dabei zu berücksichtigen ist, oder vielleicht werde ich auch einfach ein Fragment schreiben, welches man weiterverwenden kann - aber das ist derzeit noch Zukunftsmusik]). Ich selber war fünf Jahre am Gymnasium und wusste eigentlich nichts - ich habe in verschiedenen Fächern verschiedene Dinge kurzfristig auswendig gelernt, aber von den Zusammenhängen hatte ich nichts verstanden. Ich studierte danach drei Jahre Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an der Universität - ohne Abschluss - und wusste danach eigentlich noch weniger als vorher. Erst durch mein Interesse an der Philosophie und durch das eigene Nachdenken habe ich angefangen, verschiedene Zusammenhänge besser zu begreifen. Ein solches Begreifen muss nicht unbedingt von der Philosophie ausgehen, sie kann auch einfach von einem besonderen allgemeinen Interesse ausgehen. Der Gegensatz davon, was unsere Schulen uns lehren und was wirklichem Begreifen entspricht, ist aber schon einigermassen frappant. Ich möchte die Wirkung der klassischen, heutigen Bildung auch nicht unterschätzen: die Schulbildung, die ich bekam, bedeutete für mich, von allem schon irgendwie ein bisschen etwas mitbekommen zu haben. Das bedeutete aber eben noch lange nicht wirkliches Begreifen und Verstehen.

**** Geradezu typisch dafür ist auch der Widerstreit zwischen Epidemologen und Ökonomen in der Coronakrise. Grundlegend bedeutend erscheint mir der aktuelle politische Streit, welchen ich zwischen den Polaritäten der Sicherheit und der Freiheit sehe. Dieser Streit löst derzeit die alten ideologischen Gegensätze auf und ab****, und er ist meiner Meinung nach geeignet dafür, die Menschheit ins grösste politische Dilemma zu stürzen, welches sie je bisher kannte. Es ist - v.a. durch die Verblassung und/oder Verklärung des Faktors der Religion - nicht mehr die alte bürgerliche Vereinbarkeit und Verträglichkeit (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), sondern ein purer Gegensatz (Sicherheit vs. Freiheit, und umgekehrt: es ist eine reine Ambivalenz, denn der Mensch möchte eigentlich beides haben, aber es widerspricht sich letztlich diametral - wir können dieses Dilemma in allen spätmodernen Problemen sehen, in den ökologischen ebenso wie in den soziologischen Problemen). Nur die Vernunft scheint uns in dieser Zeit, in welcher immer weniger Dinge konstant und stabil erscheinen, weil in der spätmodernen Zeit die moderne Veränderungs- und Sensationslust auf die Spitze getrieben wird, aus diesem Dilemma heraushelfen zu können - eine Vernunft, von welcher sich beide Seiten - und die Menschen überhaupt - heute mehr und mehr distanzieren.

**** Interessant ist dabei, dass die Freiheit von allen politischen Richtungen besetzt wird. Es gibt die Freiheit etwa als Behauptung und Privileg, als Antrieb und Toleranz (in der Gesellschaft), oder als Selbstverwirklichung und -bestimmung (ferner meinte Paulus in der Bibel, dass dort, wo der Christus ist, die Freiheit sei, und die Grünen werden schon bald behaupten, dass der Mensch nur frei sein könne, wenn er im Einklang mit der Natur und der Umwelt lebt). Umgekehrt können wir damit sagen, dass auch der Begriff der Sicherheit von allen politischen Richtungen besetzt werden wird (in der Parteipolitik ist es keine Unmöglichkeit, im gleichen Programm Gegensätze zu besetzen, sondern es ist ein politischer Erfolgsgarant; ich tue dies zwar auch, aber ich spreche über die Welt, in welcher es offenkundig Gegensätze gibt, und nicht über eine Partei, aber Parteien wollen gewählt werden, und dies nicht von möglichst wenigen, sondern von möglichst vielen Leuten; ich plädiere daher übrigens nicht dafür, keine Parteien mehr zu wählen, sondern jene Partei, welche zu einer bestimmten Zeit den besten Ausgleich im politischen Gesamtsystem schaffen kann - mit den Parteien können wir vernünftig umgehen lernen, mit reinen Einzelpersonen wäre dies vermutlich schwieriger [wobei Einzelpersonen sogar das Parteiensystem aufmischen können, was man je nach Situation als notwendig oder nicht notwendig bezeichnen kann]).

[Im Herbst 2020 - kurz vor einem zweiten Corona-Lockdown in der Schweiz (laut der Bundespräsidentin ist es derzeit kurz vor Zwölf - das Ausland wundert sich derzeit über den Corona-Hotspot Schweiz; im Juni stand die Schweiz noch an der Spitze einer internationalen Rangliste, jetzt wurde sie nach einer massiven Verschlechterung der Situation als Reiseziel sogar von Nachbar Deutschland auf die rote Liste gesetzt [warum sich der Bundesrat erst kurz vor Zwölf zurückmeldet, ist eine andere Frage: vielleicht zeigt dies, wie sehr der Bundesrat in dieser Situation unter das Gängelband der Wirtschaft geraten ist, inkl. den Voten des grossen Durseuchungsexperten Eichenberger, international fast unerreicht, und in der Schweiz eine Zeit lang ständig in den Medien gebracht (im Moment gerade nicht mehr); schlimm v.a. auch: dass die Wirtschaft einmal mehr nicht einmal für sich selber schauen kann, sonst hätte sie nämlich schon früher drastische Massnahmen fordern müssen genau um solche Lockdowns zu verhindern: ständig wird gesagt, man tue alles, um Lockdowns zu verhindern, aber das ist überhaupt nicht wahr - aktuelles Fazit: Bundesrat zu spät, Medien katastrophal (und wie ein Blatt im Wind)]).]


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