Philosophie und Bildung: Allgemeinbildung



Einführung. Wie bin ich auf die Idee gekommen, hier eine Seite für die 'Allgemeinbildung' zu machen*? Der Begriff, welcher früher ganz natürlich verwendet wurde - etwa seit der grossen Enzyklopädie im Aufklärungszeitalter (im 18. Jahrhundert) und seit der Einführung der Volksschule (dito) - tendiert heute zu einem negativen Beigeschmack: er wird gerne und immer mehr in die Ecke des Intellektuellen gestellt, mit welchem der Normalbürger von heute ein immer grösseres Problem hat. Ich möchte ein bisschen vermitteln, weil ich finde, dass die Allgemeinbildung immer noch und erst recht - in einer Zeit von zunehmender Dystopie, Fantasy und Esoterik sowie immer abstruseren Verschwörungstheorien - ihren Platz in der menschlichen Kultur haben sollte. Ich sage nicht, dass diese neuen Dinge nicht auch ihre Berechtigung hätten, aber immer mehr Leute von heute scheinen ob den ganzen verwirrenden Sachen zu vergessen, dass der Mensch einmal eine Bildung und Intellektualität der Klarheit aufbauen wollte (etwa seit den christlich-scholastischen Denkern Canterbury im 11. Jahrhundert [mit der Forderung nach Einsicht im Glauben] und Ockham im 14. Jahrhundert [mit einer ersten Formulierung eines Rationalprinzips, unter welchem man sich auf die wichtigen und bedeutenden Dinge konzentrieren sollte]). Einiges mag dabei auf nicht mehr immer ganz durchschaubare Wege geraten sein (spätestens seit der Relativitätstheorie und der Quantentheorie in der Physik [im frühen 20. Jahrhundert] und seit dem marxistischen Kommunismus bzw. politischen Marxismus und dessen Scheitern in Osteuropa [im 19./20. Jahrhundert]), aber gerade deswegen sollte oder könnte uns die Klarheit heute wieder etwas bedeuten. Der heutige Trend zielt jedoch auf das Gegenteil: auf noch mehr Verwirrung und Vernebelung (durch Dinge, deren Herkunft, Sinn und Zweck die Leute oft nur schwer durchschauen können [und manchmal auch nicht allzu gross hinterfragen, notabene]). Ich frage mich manchmal, warum wir die Aufklärung, die wir begonnen haben (im 18. Jahrhundert), so rasch wieder aufgeben wollen, bei den kleinsten Schwierigkeiten (und lauter Kulturkritik aus den Reihen einer immer belangloser werdenden Philosophie selber, zugegeben [seit Voltaire, Kant und Nietzsche sowie den Kulturpessimisten des 20. Jahrhunderts]), und warum wir auf Abwege geraten, statt das Projekt der Aufklärung vielmehr umfassender zu gestalten: als eine Aufklärung nach allen Seiten hin (das ist mein Aufklärungspostulat).

* Diese wendet sich übrigens nicht nur an Leute, die sich sonst nicht so gross mit intellektuellen Dingen beschäftigen, sondern durchaus auch an Techniker oder Intellektuelle bestimmter Fachgebiete, die sich als Spezialisten oft nicht allzu gross für die anderen Disziplinen interessieren (das Spezialistentum geht ja heute bis in die Universitäten und bis in die einzelnen Disziplinen hinein [sogar auch in der heutigen Philosophie]). Kein Spezialist muss ein Generalist werden, und natürlich benötigen wir in der heutigen komplexen Welt viele gute Spezialisten - und trotzdem bin ich der Meinung, dass auch ein allgemeiner Überblick über die Bildung und das Wissen seinen Platz hat. Es geht auch hier darum, v.a. die Grundstrukturen, d.h. den Aufbau und die Kernpunkte der Bildung herauszuarbeiten. Die Menschen sollten wissen, in welcher geistigen Welt sie leben. (Ich werde hier meine eigene Philosophie einbeziehen, wenn auch bloss mit einer kleinen Rubrik am Ende der Beiträge.)

Als generalistischer Philosoph ist es für mich wichtig und bedeutend, gerade im Rahmen des Projekts einer Allgemeinbildung, dem gesamten Kulturbereich bzw. den verschiedenen Faktoren der Kultur - Religion/Esoterik, Philosophie/Politik, Wissenschaft/Ökomomie sowie auch Kunst/Spiel (und schliesslich auch: Jurisprudenz/Medien) - die gleiche Berechtigung zu geben, wie verschieden auch ihr konkreter Stellenwert in einer gegebenen Gesellschaft zu einer gegebenen Zeit sein mag - letztlich geht es in einer Friedensgesellschaft um eine ausgewogene Gesamtkultur, in welcher alle Interessen adäquat vertreten sind. Ein Wort zur Kulturkritik, wie sie in der Philosophie seit Voltaire und Nietzsche aufgekommen ist (verstärkt im 20. Jahrhundert): wenn etwa Freud von einem Unbehagen in der (heutigen) Kultur gesprochen hat, dann müssen wir zuallerst sagen, dass das Unbehagen in der Natur sicher nicht kleiner ist, und dass dies auch sicher nicht heissen kann, dass wir die Kultur verwerfen sollen, sondern: dass wir dieses Unbehagen betrachten und dessen Ursachen verbessern müssen. Eine Kultur, in welcher das Unbehagen im Allgemeinen grösser ist als die Freude, kann nicht eine Kultur sein, die wir als Menschen langfristig weitertragen können. Ferner wichtig und bedeutend sind für mich die wissenschaftlichen Disziplinen, daher werde ich die Inhalte im System derselben eingliedern. Bildung erlernt man - entgegen anderem heutigem, ordnungslosem Bestreben - mit der richtigen Einordnung. Man kann nicht anfangen damit, Wissen zu verbinden, wenn man noch gar keines hat. Das ist eine bedeutende Fehlentwicklung in der heutigen Volksschule. Zuerst kommen die Analysefähigkeiten und erst danach die Synthesefähigkeiten. Wenn man das Einzelne verstanden hat, kann man darangehen, das Ganze zu verstehen. Das ist die richtige Vorgehensweise einer (analytischen) Wissenschaft (die freilich auch nicht zu Ende gedacht ist, wenn sie dann nicht auch das Ganze zu ergründen versucht, sondern im Einzelnen steckenbleibt). Hier also gibt es die klassische Einteilung der Bildungsinhalte nach den wissenschaftlichen bzw. universitären Disziplinen (inkl. der Einteilung in Natur- und Geisteswissenschaften).

Anfangen möchte ich die Betrachtung der einzelnen Disziplinen mit der Theologie, welche neben der Philosophie und deren Wissenschaftstheorie eine spezielle Kategorie innerhalb des Systems bildet, von Wissenschaften, die sich nicht so leicht in Natur- oder Geisteswissenschaften einteilen lassen. Aristoteles, der Begründer der systematischen Wissenschaft in der Antike, von welchem auch die Einteilung in theoretische Philosophie (heute: Naturwissenschaft) und praktische Philosophie (heute: Geisteswissenschaft) stammt, betrachtete Gott als den Ersten Beweger [im ewigen Regress des Kausaldenkens - dies war für ihn der Grund, um die Religion in die Wissenschaft aufzunehmen]). Es stellt sich natürlich übrigens in der Wissenschaft bezüglich der Theologie nicht die Frage, ob man ein 'gläubiger Mensch' ist oder nicht: die Theologie ist - an unseren Universitäten - eine wissenschaftliche Disziplin.

Am Ende jedes Abschnitts werde ich ganz kurz meine philosophischen Hauptpunkte zum jeweiligen Gebiet anführen (in der Rubrik 'Meine Philosophie' - natürlich ist es mir als Denker kaum möglich, meine eigenen Ansichten nicht auch darzulegen, im Vordergrund steht aber hier die Anschauung eines Gebietes nach allgemeinem heutigem Kenntnisstand [daher habe ich meine spezifisch eigenen philosophischen Anmerkungen erst am Schluss jedes Abschnitts angeführt]).





Die Theologie ist die Wissenschaft vom religiösen Glauben. Dieser orientiert sich an Götterwelten (immer, wenn wir von Religion sprechen, geht es um Götterwelten: polytheistisch bei mehreren Göttern [Polytheismus], monotheistisch bei einem Gott [Monotheismus], ferner: atheistisch ohne Gott [Atheismus], agnostisch bei der Offenlassung der Gottesfrage [Agnostizismus], pantheistisch bei der Annahme einer blossen, allumfassenden Naturkraft [Pantheismus]). Wir sprechen heute von fünf grossen (Welt-) Religionen - von Westen nach Osten: Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus - sowie vielen kleineren [inkl. den ausgestorbenen Religionen (die aber heute teils im Fantasybereich wieder erscheinen)]). Zwei Religionen kennen eine bedeutende Vermittlerfigur, welche den zentralen Wert dieser Religionen begründet: Jesus Christus im Christentum und Buddha Gotama im Buddhismus (der Gott Jesu heisst Abba [dt. Vater, in der Heiligen Schrift der Bibel], jener von Buddha ist Brahma [in den Reden Buddhas] - die anderen Religionen kennen auch Vermittlerfiguren, diese sind aber nicht so zentral in ihrem Kontext, sondern zentral sind in diesen Religionen v.a. oder eigentlich alleine die Götterphänomene selber [Jahwe [das ist der Gott, der keinen spezifischen Ort hat, sondern überall sein und auftreten kann], [Herr] Zebaoth [der Gott der biblischen Propheten], Abba, Allah, Brahma/Vishnu/Shiva, u.v.a.]). Anstelle der Grötter können auch Geister stehen (namentlich in den Naturreligionen [z.B. Animismus, Schamanismus, Voodoo]), oder ein Grosser Geist (so etwa in manchen indianischen Religionen).

Die bekanntesten religiösen Schriften der bedeutendsten Religionen sind etwa: Bibel (Judentum und Christentum), Talmud (Judentum), Koran (Islam), Avesta (Parsismus bzw. Zoroastrismus), Veden (Hinduismus), Bhagavadgita (Hinduismus), (Lehr-) Reden des Buddha (Buddhismus - auch: Pali-Kanon oder Tipitaka). Antike Götter- und Heldensagen findet man in den Schriften der griechischen Dichter Homer (Ilias, Odyssee) und Hesiod (Theogonie) sowie des römischen Dichters Ovid (Metamorphosen). Bedeutend in der germanischen Götter- und Heldenmythologie sind etwa: die Edda (Island), die Heimskringla (Norwegen), das Nibelungenlied (Deutschland), die Artussage (Britannien). Ebenso alt wie verstörend ist das Gilgamesch-Epos aus aus dem babylonischen Raum (es handelt sich um eine eigentliche [religiöse] Kampfschrift eines leidgeprüften Helden mit sehr rigidem Duktus). Verwandt mit der Religion und deren Theologie sind die Mystik und die Esoterik - diese beiden Formen der Religion können als spirituelle Geheim-und/oder Tiefenlehren bezeichnet werden. Die Mystik, eine Art tiefe innere Einkehr im Glauben, bildet die Grundlage des Phänomens der Religion überhaupt, während die Esoterik eher diverseste Randphänomene der Religion und/oder einer verschiedenartigen Spiritualität bezeichnet (heute ist der Begriff auch ein bisschen geprägt durch eine gewisse Beliebigkeit der Legitimisierung sowie eine zunehmende Kommerzialisierung dieses Bereichs [die Esoterik kann jedoch sehr verschiedene Formen aufweisen: im frühen Christentum wurde dieser Begriff für die Gnostik verwendet, in den 1970-er und 1980-er Jahren etwa für die New-Age-Bewegung - heute wird der Begriff sehr breit aufgefasst für allerhand Phänomene, die in irgendeinem Zusammenhang mit Religion stehen (aber nicht klar einer bestimmten Religion zugeordnet werden können; die heutige Esoterik trägt oft auch neuheidnische [paganistische] Züge)]).

Mit dem Begriff der Ökumene wird die gleichwertige Zusammenarbeit verschiedener Konfessionen im Christentum bezeichnet. Weiter gefasst kann darunter aber auch die Zusammenarbeit aller Religionen der Welt verstanden werden (siehe: Weltparlament der Religionen). Das Christentum, welches auf dem Glauben des galiläischen Wanderpredigers Jesus Christus beruht, der von den Propheten im Alten Testament der Bibel als grosser Friedefürst verheissen wurde, ist in verschiedene Konfessionen eingeteilt: Orthodoxe, Katholiken (Benediktiner, Dominikaner, Franziskaner, Jesuiten, u.a.), Reformierte (Lutheraner, Calvinisten, Baptisten, Methodisten, Anglikaner, Freikirchler, usw. usf., etc. etc. - aufgrund der Reformation von Luther und Calvin im 16. Jahrhundert). Die Katholische Kirche wird als Grundlage des Christentums betrachtet, da sie sich auf eine Bibelstelle beziehen kann, in welcher Jesus das Kirchenamt an Petrus übergibt, der in der katholischen Tradition als erster Papst gilt. Philosophisch wird das mittelalterliche Christentum eingeteilt in die Zeit der Patristik der Kirchenväter im ersten Jahrtausend (etwa 1.-8. Jahrhundert - mit Paulus dem Apostel, Justinus dem Märtyrer [welcher sagte, der Christus sei der ganze Logos (philosophischer Urgrund des Christentums)], Augustinus von Hippo) und der Scholastik der Kirchenlehrer im zweiten Jahrtausend (etwa 11.-16. Jahrhundert - mit Anselmus von Canterbury, Thomas von Aquino, Wilhelm von Ockham). Die Patristik ist geprägt von der Aufrichtung des kirchlichen Dogmas (u.a. mit der Heiligen Dreifaltigkeit [Vater, Sohn und Heiliger Geist], der Gnadenlehre oder den Sakramenten), die Scholastik durch Fragen zu allen Glaubensinhalten (inkl. auch philosophischen und wissenschaftlichen Fragen); die Methodik der Scholastik lag in den Quaestiones, bestehend aus Fragen, Argumenten und Auflösung.

Die Heilige Schrift der Bibel - eine kurze Inhaltsbeschreibung und Zusammenfassung (und ein bisschen Interpretation). Das Alte Testament kann in zwei Teile gegliedert werden: in einen eher mythischen Teil, mit den Geschichten von Adam bis Noah, und einen eher historischen Teil, mit den Geschichten von Abraham bis zu den Propheten (eigentlich ist jedoch die ganze Bibel durchmischt mit historischen Fakten und mythischen Darstellungen). Die Schöpfungsgeschichte sagt, wie zuerst die Planeten entstanden sind (Sonne und Erde), dann die Tiere und schliesslich die Menschen. Adam und Eva werden als erste Menschen bezeichnet; ich stelle mir Adam als ersten Menschen vor, welchem der monotheistische Gott erschienen ist (nach jüdischer Zeitrechnung im Jahr 3761 v. Chr.*). Adam und Eva werden aus dem Paradies** vertrieben, weil sie von Früchten kosteten, die Gott ihnen verboten hatte***. Das frühe Leben der Menschen war also nicht nur paradiesisch, sondern v.a. auch arbeitsreich. Noah, ein Nachfahre Adams, baute auf Geheiss Gottes eine riesige Arche, ein technisches Wunderwerk seiner Zeit, um der grossen Sintflut zu entkommen**** - mit sich nahm er seine Verwandten und Tiere verschiedener Gattungen; die Arche Noahs landete auf dem Berg Ararat. Abraham gilt als Urvater der jüdischen, christlichen und islamischen Religion - er schloss einen Bund mit Gott und ihm wurde von Gott das heilige Land versprochen. Die drei Erzväter der Israeliten sind Abraham, Isaak und Jakob - dieser gilt als Vater der zwölf Stämme der Israeliten. Ismael, ein Halbbruder Isaaks, gilt als Stammvater der Araber. Als die Israeliten in Ägypten unter die Knechtschaft des Pharaos gerieten, wuchs Mose, selber ein Israelit, am Hof des Pharaos auf. Ihm wurde von Gott aufgetragen, dass er die Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft führen sollte. Er führte sie durch die Wüste und in die Region des heiligen Landes, welches Gott Abraham verheissen hatte. Dort starb er, und Joshua übernahm die Führung der Israeliten. Kriegerisch zogen sie ins heilige Land ein und liessen sich dort nieder, wo sie mit den heimischen Kanaanitern zusammenlebten (obwohl Gott ihnen geraten hatte, diese zu vertreiben). Im heiligen Land wurden die Israeliten von Richtern wie Gideon, Simson und Samuel geführt und schliesslich von Königen wie Saul, David und Salomo regiert. Das Reich zerfiel allerdings nach der Herrschaft Salomos in zwei Reiche, die beide in fremde Gefangenschaft gerieten: der letzte König des Reiches Israel, Hoschea, geriet in assyrische Gefangenschaft, der letzte König des Reiches Juda, Zedekia, geriet in babylonische Gefangenschaft. Propheten wie Elia, Jeremia und Jesaja hatten die Israeliten vor dem Abfall von ihrer Religion und dem Zerfall ihrer Reiche gewarnt. Sie verhiessen auch einen Messias (Erlöser), welcher der grosse Friedefürst sein sollte. Als solcher wird Jesus Christus, welcher in Bethlehem geboren wurde*****, aber in Nazareth aufwuchs, im Neuen Testament beschrieben. Er zieht als Wanderprediger durch das Land Palästina, hält vor vielen Zuhörern eine Bergpredigt der Liebe, bezeichnet sich als Licht der Heiden und wird schliesslich von Pilatus, dem römischen Statthalter in Judäa, zum Tod verurteilt, weil ihm von den Pharisäern, der herrschenden Elite in Palästina, religiöse Aufruhr vorgeworfen wurde (das israelitische Volk, welches von Pilatus in dessen Entscheid einbezogen wurde, erwartete nach immer wieder wechselnden Fremdherrschaften wohl eher einen politischen Erlöser, wie es Mose war, und war daher mit Jesus ebenso wenig zufrieden wie die Pharisäer). Jesus wurde gekreuzigt und soll nach drei Tagen von den Toten auferstanden, seinen Jüngern erschienen und zum Himmel aufgefahren sein. Im Neuen Testament der Bibel finden sich neben den vier Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, welche die Lebensgeschichte Jesu beschreiben, u.a. auch die Apostelbriefe von Paulus und Petrus sowie die Offenbarung des Johannes (auch als Apokalypse bekannt), welche dieser vom Christus empfangen hatte.

* Dies erklärt auch die Darstellung von zwei bis sogar drei verschiedenen Schöpfungsgeschichten: der siebentägigen Weltschöpfung, welche in sich auch zweigeteilt ist, in eine erste und zweite Schöpfung des Himmels (physialischer und religiöser Himmel?), und der Menschenschöpfung mit Adam und Eva. Die spezifische Schöpfungsgeschichte der Menschen mit Adam und Eva beschreibt eine theologisch-patriarchalistische Wendung: das hätte man, wenn man dies gewollt hätte, durchaus etwas neutraler gestalten können, was aber offenbar nicht im Sinn jener Zeit lag****** (interessant ist auch, dass der Gottesname in der Lutherbibel bis zur Figur von Abraham neutral gehalten ist ['Gott'] und erst von da an eine patriarchalistische Wendung nimmt ['Gott, der Herr'], d.h. der mystische Gott ist neutral, der theologische Gott ist männlich - das ist aber wiederum von Bibelausgabe zu Bibelausgabe verschieden [ich beziehe mich auf eine neuere Ausgabe der Lutherbibel]).

** In der Bibel ist von zwei frühen Paradiesen bzw. fruchtbaren Landschaften die Rede, einem in Afrika (in der Gegend von Ägypten und/oder Äthiopien) und einem in Mesopotamien - vermutlich ist damit eine frühe Völkerwanderung angedeutet.

*** Wer bei dieser Stelle an euphorisierende und aphrodisierende (Natur-) Drogen denkt, liegt vermutlich nicht ganz so falsch: viele alte Naturreligionen hatten auch mit Drogen zu tun (ferner ist etwa im Christentum eine Affinität zum Wein oder bei den Rastafaris eine Affinität zum Cannabis bekannt [dies vermutlich aufgrund eines relativ engen Verhältnisses von Mystik, Religion und Rausch (siehe auch: tanzende Derwische im Sufitum)]).

**** Vermutlich eine Flut des indischen Flusses Sindh (während die theologische Interpretation oft von einer 'Sündflut' spricht).

***** In der Region von Galiläa (auch Bezirk der Heiden genannt, mit einer bedeutenden Population von Galliern [Kelten]).

****** Inwieweit die Theologie der Zukunft neutraler werden soll oder nicht, wird sicher eine bedeutende Diskussion in der Zukunft sein. Ich kann beide Argumente verstehen - sowohl jene, welche die Religion möglichst original erhalten möchten (falls dies nicht überhaupt eine Illusion ist), und jene, welche die Innovation fordern (natürlich aber nicht eine frauenfeindliche Religion und/oder Praxis). Eine wichtige Frage dazu wird auch sein, welche Rolle die Religion in einer angehenden und/oder künftigen neutraleren Friedensgesellschaft******* spielen kann/soll. Bezüglich der Geschlechter wäre es die einfachste Lösung, wenn die Männer zum (Gott-) Vater und die Frauen zur (Gott-) Mutter beten würden (bzw. je nach Person und/oder Situation - ohne die historische Bibel zu verändern).

******* Unter einer Friedensgesellschaft verstehe ich vorab eine Gesellschaft, welche in einem äusseren Frieden lebt, d.h. keine Kriege gegen andere Länder führt. Der äussere Frieden wird in der zukünftigen Welt notwendigerweise herzustellen sein, aufgrund der immer stärkeren und gefährlicheren Waffen, welche im Kriegsfall weltweit zur Verfügung stehen (sowie auch aufgrund des bedeutenden Massenmigrationsproblems, welches bei grossen Kriegen auftritt, denn Kriege bedeuten ja immer auch grosse und unberechenbare humanitäre Katastrophen allgemeiner Art, mit Millionen von Menschen, die sich dadurch in plötzliche und unkoordinierte Bewegung setzen). Der äussere Frieden wird vielleicht (und hoffentlich) durch die Organisation der Vereinten Nationen und ein starkes internationales Beziehungsgeflecht zwischen den Nationen herzustellen sein. Noch viel schwieriger wird es jedoch sein, den inneren Frieden in den verschiedenen, unterschiedlichen Gesellschaften herzustellen - dies wird vermutlich noch Jahrtausende dauern (während die Herstellung des äusseren Friedens bzw. eines weitreichenden, wenn auch vermutlich nie ganz perfekten äusseren Friedens eine Sache von Jahrhunderten sein könnte).

Zehn bedeutendste (christliche) Theologen: Paulus von Tarsus (10-60 [Interpretation Christi]), Simon Petrus (gest. 65 [Erster Papst (posthum)]), Justin der Märtyrer (100-165 [Christus als Logos]), Augustinus von Hippo (354-430 [Trinität (Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit)]), Anselm von Canterbury (1033-1109 [Einsicht im Glauben]), Thomas von Aquino (1225-1274 [Summe der Theologie]), Meister Eckhart (1260-1328 [Mystik vom Seelenfünklein]), Nikolaus von Kues (1401-1464 [Zusammenfall des Entgegengesetzten]), Martin Luther (1483-1546 [Reformation]), Hans Küng (geb. 1928 [Ökumene]).

Meine Einschätzung. Die Berechtigung von Religion und Theologie scheinen im Allgemeinen (bzw. von einem objektiven Punkt aus betrachtet) ungebrochen, weil die aus der Philosophie hervorgegangenen neuzeitlichen Wissenschaften die letzten Fragen nicht adäquat beantworten können. Was steht am Anfang/Ursprung der Welt? Was ist das Universum? Was ist der Sinn des (Da-) Seins? Was ist das Leben? Woher kann der Mensch Kraft in seinem Leben beziehen? Woran kann sich der Mensch halten in schwierigen Momenten/Situationen? Was soll der Mensch letztlich tun, woran soll er seine Handlungen knüpfen? Was steht am Ende der Welt? Die Wissenschaften haben auf diese Fragen teils schon eigene Antworten, aber es sind durchwegs Antworten, die (auch) nicht unbezweifelbar sind (bzw. nicht an wirkliche Letztbegründungen heranreichen können). Die Wissenschafen reden sich damit heraus, dass eben von der Wissenschaft her noch nicht alles geklärt sei, dass aber alles von der Wissenschaft geklärt werden wird zu gegebener Zeit. Dies aber ist reine Spekulation und Behauptung, und daher nicht wirklich wissenschaftliches Denken (und es hilft auch nicht über die aktuellen Fragen diesbezüglich hinweg). Es ist der Wissenschaft bisher weder gelungen, die Theologie zu widerlegen, noch sich mit ihr zu verbinden. Man kann also - summa summarum - den Gläubigen trotz aller Wissenschaft ihren Glauben noch immer nicht absprechen (und das ist für manche eine frohe Botschaft oder doch zumindest ein kleiner Trost). Trotzdem muss auch darauf hingewiesen werden, dass gewisse Ausprägungen von religiösen Fundamentalismen wahrscheinlich nicht mehr zeitgemäss - und/oder sogar zu verurteilen - sind. Eine Religion, welche die philosophische Vernunft und/oder das wissenschaftliche Engagement ablehnt, sollte es in der heutigen Zeit eigentlich nicht mehr geben. Die Religion, die Philosophie und die Wissenschaft wären in einem vernünftigen Weltbild gegenseitig dazu angehalten, miteinander zusammenzuarbeiten, insofern alle das Ziel von einer besseren Welt erreichen wollen. Die Frage, wie die patriarchalische Tendenz in praktisch allen bestehenden Religionen (aber nicht nur in den Religionen!) heute bewertet werden soll, und wie den Frauen mehr Gewicht in diesen Religionen verliehen werden kann (damit Religionen keine halben Sachen bleiben, sondern runde Sachen werden*), das ist offen.

* Das wird vermutlich nicht allzu einfach, sondern eher schwierig werden. Das Schwierige ist voller Probleme, aber nicht ohne Hoffnung. Das Schönste in der Religion ist die Hoffnung (diese aktive, kraftgebende und gestalterisch machende Hoffnung der Religion) - das Beste (nach Paulus) die Liebe. Das wundervoll Schwierige in der christlichen Liebe besteht darin, das Gutartige zu lieben und das Bösartige nicht zu hassen. Alle grossen Wahrheiten sind... schwierig (exemplarisch auch: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit [Credo der bürgerlichen Revolution]; oder auch Luther: «Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.»).

Anmerkung (und kleiner Exkurs zur Rechtfertigung von blossen Geschichten gegenüber der reinen Wissenschaft). Lyotard, Philosoph der Postmoderne, sprach von denotativem und narrativem Wissen. Dieses bedeutet sinnstiftende Erzählungen, jenes auf Kernbedeutung und Neutralität (und Objektivität) gerichtete Schlüsse. Das denotative Wissen (vgl. u.a. Russell: "On Denoting", 1905) entspricht dem Wissen der (denotativen) Philosophie und der Wissenschaften, das narrative der Mystik, Religion und Esoterik sowie auch der (literarischen) Kunst (wie sie aus der Tradition der [Volks-] Weisen und Märchen hervorgegangen ist). Manche sagen heute, dass Jesus gar nie gelebt habe (das ist eine der vielen Spitzen von heutigen Religionskritikern), dass er in den früheren Geschichtsbüchern nicht vorkomme, und dass dies alles bloss eine Erfindung sei. Für die damalige Welt und für die Historiker der späten Antike und des frühsten Mittelalters war das keine grosse, sondern eine kleine Geschichte (von der sie vermutlich gar keine grosse Kenntnis hatten - bis das Christentum unter Kaiser Konstantin dem Grossen im Jahr 391 zur römischen Staatsreligion erklärt wurde). Die historische Geschichte jener Zeit wurde gemacht von Augustus, Pilatus und Herodes (von den Kaisern, Königen und deren Getreuen). Einzig und allein eine narrative Kraft ging von der kleinen grossen Geschichte Jesu aus (natürlich besteht die Religion nicht nur aus dem Narrativen, aber dieses ist doch ein wesentlicher Bestandteil der Religion [weil es hierbei immer auch um Personen geht]). Kann das alles - was die Evangelisten und die Apostel berichteten (weit über das eigentliche Leben Jesu hinaus, mit den ersten Missionaren und Theologen) - bloss erfunden sein? Ich denke eher nicht. Was diese Geschichte aber heute noch bedeutet - und ob es auch heute noch Gründe dafür gibt, sie für die grösste Geschichte der Weltgeschichte zu halten - das ist eine Frage der Einschätzung. [King of Kings - Filmtrailer (1961 [grösster Film aller Zeiten?]), 2000 Jahre Christentum - Vorspann (Von Jesus zu Christus, 1999).]

Meine Philosophie. Ich betrachte die Religion, die Philosophie und die Wissenschaft als gleichberechtigte Bereiche, obwohl die Wissenschaft letztlich im Allgemeinen den bedeutendsten Stellenwert besitzt (so gesehen betrachte ich die Religion und die Philosophie auch als Wissenschaften [wenngleich sie aus je unterschiedlichen Gründen nie so wissenschaftlich sein können wie die (Natur-) Wissenschaft]). Wie Morris spreche ich von der Weltreligion, in der Meinung, dass die religiösen Phänomene in der Welt in einem bedeutenden Zusammenhang stehen. Ich bin der Meinung, dass der Christus für einen einzelnen Menschen in der Religion genügt, habe mich aber auch mit der Maitreya-Figur beschäftigt. Ich sehe die Bedeutung dieser Figur allerdings in einer zukünftigen Zeit. Nach Steiner sehe ich auch eine interessante Verbindung zwischen Buddha (Gotama), Christus und Maitreya, schätze aber die Maitreya-Figur, welche bedeutend ist für die Ökumene in der Weltreligion, im Gegensatz eigentlich zur gesamten übrigen bisherigen westlichen Rezeption nicht höher ein als den Christus (sondern gleichwertig). Ebenso habe ich mich mit Rastafari (und Reggae) beschäftigt, was für mich auf ein noch viel ferneres King-Alpha-Phänomen hindeutet - das ist aber heute noch eine sehr nebulöse Sache (die zukünftigen religiösen Phänomene bewerte ich geschlechterneutral [d.h. sie können männlich oder weiblich sein]). Dem aktuellen Trend, den Gottesbegriff durch den Naturbegriff zu ersetzen, stehe ich skeptisch gegenüber, weil damit oft ein unzulänglicher bis willkürlicher Naturbegriff (eigentlich: das Ursprüngliche) verbunden ist (das ist ja aber natürlich beim Gottesbegriff teils auch nicht anders). Meinen Glauben bezeichne ich als christlich-ökumenisch (ich habe ihn quasi selber erfunden bzw. erfinden müssen [aber das ist eine ganz andere Geschichte]).

Und eine kleine Kontroverse... Obwohl meine Philosophie die Religion beinhaltet, was zeigt, dass ich dieser nicht abgeneigt bin, doch die - auch verständliche - Kontroverse. Ist Religion nun etwas Gutes und Heilbringendes (wie die Theisten sagen) oder etwas Gefährliches und Schlechtes (wie die Atheisten sagen)? Meine Meinung dazu: Es kommt immer auf den Geist und die Auffassung der Menschen drauf an (bei der Religion vermutlich noch mehr als bei der Philosophie und der Wissenschaft, aber eigentlich auch bei diesen). Diese Frage kann nicht absolut beantwortet werden. Man kann mit der Religion gute und schlechte Dinge machen (wie vermutlich mit fast allen Dingen der Welt). Gott an und für sich ist gut (nach meiner Ansicht), aber eben: es kommt v.a. darauf an, was die Menschen daraus machen.






Die Philosophie ist die Wissenschaft vom philosophischen (Nach-) Denken. Die Philosophen stellen die klassischen, traditionellen Glaubenssysteme in Frage und denken eigenständig über die Welt nach (jedenfalls versuchen sie dies zu tun; der Zweifel am Religiösen bedeutet natürlich noch lange nicht dessen Verwerfung, sondern die Religion kann in die Philosophie eingebunden sein). Das Ziel der Philosophie ist der Weg zur Weisheit (daher bezeichnen sich Philosophen als Freunde der Weisheit [und nicht als Weise (was ein kleiner, aber feiner Unterschied ist)]). Was ist Weisheit genau? Darüber kann man sich trefflich streiten, wie über fast alles in der Philosophie (was nicht heisst, dass in der Philosophie nicht manche Argumente einleuchtender und andere weniger einleuchtend sind [und dennoch gibt es in der Philosophie keine entscheidende Instanz, welche eine solche Bewertung letztlich vornehmen und festlegen könnte*]). In der Neuzeit stellte sich wohl heraus, dass die philosophische Weisheit etwas mit Vernunft zu tun hat - und mit Aufklärung. Die schulmässige Philosophie begann im antiken Griechenland (mit den sogenannten Urgrundphilosophen, welche den Grund von allem Daseienden suchten) und führte zu deren Klassik mit Sokrates (Zweifel, Kritik), Platon (Ideenlehre) und Aristoteles (Begründung einer systematischen Wissenschaft). Im späteren Mittelalter erinnerten die christlichen, islamischen und jüdischen Philosophen an die Philosophie des Aristoteles. Das frühere Mittelalter war eher platonisch geprägt (etwa bei Augustinus von Hippo), das spätere dann aber klar aristotelisch (etwa bei Thomas von Aquino). Durch die Auseinandersetzung der frühen neuzeitlichen Wissenschaftler mit der aristotelischen Physik wurde v.a. durch Galilei, welcher jene verwarf - nebst etwa Kopernikus und Kepler - die neuzeitliche Wissenschaft begründet. Descartes behauptete im 17. Jahrhundert eine starke Rolle des Subjekts in der Welt ("Ich denke, also bin ich"). Durch das forschende Subjekt, die experimentelle Forschung und die vergleichende Erkenntnis wurde aber gleichsam auch eine starke Rolle des Objektiven mitbegründet: das Subjekt erforscht das Objekt (die Wissenschaft behauptet daher quasi ein objektives Subjekt).

Man kann sagen, dass zwei verschiedene und sogar widersprüchliche Philosophien die neuzeitliche Wissenschaft mitbegründet haben: der Empirismus (Bacon, Locke, Hume) und der Rationalismus (Descartes, Spinoza, Leibniz) - ersterer brachte v.a. die experimentelle Forschung in die Wissenschaft, letzterer v.a. die mathematische Beweisführung. Die Wissenschaftstheorie, d.h. die Vorstellung darüber, was die Wissenschaft ausmacht, ist bis heute eine Disziplin der Philosophie geblieben (!). In der Zeit der Aufklärung wurde auch politisch eine neue, objektive Sichtweise begründet - gegen die übertrieben absolutistische Regierungsweise der damaligen europäischen Könige (exemplarisch: Louis XIV., der sogenannte Sonnenkönig, in Frankreich). Locke und Montesquieu sprachen von der Gewaltentrennung im Staat, Rousseau von der Volkssouveränität und Demokratie (und Smith vom Wirtschaftsliberalismus). Kant sprach von einer kritischen Vernunft, einem Weltbürger und von einem Völkerbund (Idee 1795, Realisierung 1920/1946 [nach dem ersten und zweiten Weltkrieg]). Nach und mit diesem Höhepunkt einer Philosophie als Aufklärung folgte eine grossangelegte und unerbittliche Kulturkritik, angefangen bei Voltaire über Nietzsche bis zur heutigen Zeit, v.a. mit der Kritischen Theorie in Deutschland und dem Poststrukturalismus in Frankreich - aber teils auch im Existentialismus, welcher die Situation eines entwurzelten und doch intellektuellen und v.a. künstlerischen Menschen schildert. Dieser existentialistische Mensch hat sich in seinem puren Existentialismus von den (philosophischen) polit-ökonomischen Ideologien des Liberalismus/Kapitalismus und des Sozialismus/Kommunismus gelöst, die nach ihm je nicht das halten konnten, was sie versprochen haben. Doch der existentialistische Mensch, welchem verschiedene mehr oder weniger verzweifelte Jugendkulturen folgten, hat vermutlich eine fragwürdige Zukunft vor sich. Kann man alles aufgeben und trotzdem weiter hoffen? Wie auch immer: die Philosophie kann und muss sich immer neu erfinden und sich trotzdem selber treu bleiben. Die aktuelle (postexistentialistische?) Philosophie ist stark wissenschafts- und psychologiebezogen - und vermutlich (oder hoffentlich?) gerade wieder einmal daran, sich selber zu hinterfragen und neu auszurichten. Was kann die Philosophie heute noch sein? (Eine offene Frage**.)

* Die allerletzte Instanz, wenn man denn doch eine festlegen wollte, hat in der Philosophie sogar jedoch einen ähnlich fatalen Charakter wie in der Religion. Da ist es das Gericht Gottes (also eines übergeordneten Wesens, welches letztlich weitgehend ausserhalb unseres Macht- und Einflussbereichs liegt bis - nach manchen Religionen - sogar vollkommen über uns bestimmt), hier die Wahrheit der Skeptizisten. Die philosophischen Skeptiker sind bereits im Hellenismus der Antike aufgetreten (v.a. mit Pyrrhon - und später vereinzelt immer mal wieder [Agrippa, Sextus Empiricus, Montaigne, Fries, Hume]). Die Fatalität der skeptizistischen Ansicht liegt darin, dass aufgrund der verschiedenen Temperamente und Auffassungen der Menschen keine Wahrheit möglich ist. Das Denken, so meinen sie, vollziehe sich bloss in Zirkelschlüssen, welche nur beweisen können, was zuvor schon vorausgesetzt wurde. Umgekehrt bedeutet dies auch: es gibt eigentlich und letztlich für alles irgendwelche Gründe, die man erwägen und vorbringen kann. Das ist gleichzeitig absolute Relativität (alles ist aufeinander bezogen und voneinander abhängig) wie absolute Paradoxie (nichts steht da ohne Widerspruch). Nichts ist wahr und also ist alles wahr. Das verunmöglicht nicht nur jegliche Philosophie, sondern auch jegliche Wissenschaft (und jegliche Religion). Ein solches Denken, so fand man schon in der Antike heraus, ist letztlich nicht alltagstauglich, weil der Alltag Entscheidungen erfordert, die auf Wertschätzungen beruhen. Offenbar benötigt der Mensch ein einigermassen vernünftiges Denken, um den Alltag bewältigen zu können. (Und doch bleibt dieser Radikalskeptizismus als philosophische Fatalität irgendwo im Raum stehen [und wird auch von heutigen Philosophen gerne benutzt, wenn sie sich die Sache allzu einfach machen möchten - natürlich kann man so eben alles und jedes kritisieren und argumentativ vernichten, aber geholfen ist damit am Ende eben auch niemandem; die Philosophie konnte und kann nicht beim Radikalskeptizismus stehen bleiben (das haben die modernen Kulturkritiker nicht berücksichtigt)].)

** Natürlich stellt sich die Frage: warum überhaupt Philosophie? Vielen reicht heute die Wissenschaft, anderen die Wissenschaft und die Religion. Die Philosophie hat eindeutig am Wenigsten Anhänger. Das liegt natürlich v.a. an der Komplexität und an dem Faktum, dass man sich damit beschäftigen muss, wenn einem das Thema interessiert. In der Wissenschaft können wir einfach die Anwendungen benutzen, in der Religion eine schwammige Ahnung haben (vielleicht sogar ohne je die Bibel gelesen zu haben). In der Philosophie ist man sofort in Theorien und Widersprüche verwickelt, und das mögen viele Leute nicht durchmachen (bzw. schon gar nicht anfangen). Es gibt aber doch genügend Gründe, um an der Philosophie festzuhalten, und das muss nicht nur (wie bei mir) der Glaube an eine Grosse Vereinigende Theorie sein. Die Philosophie kann die Dinge besser überblicken und einschätzen. Sie kann eine Vernunft anführen und eine Aufklärung herbeiführen. Und sie kann eben auch - nebst ihrer Fähigkeit einer umfassenden Kritik - das Grosse und Ganze betrachten. Das sind schon genügend Vorteile, auf welche die menschliche Kultur kaum wird verzichten können. Die Philosophie ist deshalb zu beachten, weil sie aus der menschlichen Kultur ebenso wenig wegzudenken ist wie die Wissenschaft und die Religion.

Zehn bedeutendste Philosophen: Konfuzius (551-479 v. Chr. [Tugend von Mass und Mitte (auch von Aristoteles vertreten)]), Platon (427-347 v. Chr. [Ideenlehre*]), Aristoteles (384-322 v. Chr. [Wissenschaftliche Systematik]), René Descartes (1596-1650 [Rationalismus]), John Locke (1632-1704 [Empirismus, Liberalismus, Voraufklärung]), Jean-Jacques Rousseau (1712-1778 [Aufklärung, Gesellschaftsvertrag]), Immanuel Kant (1724-1804 [Aufklärung, Kritik der reinen Vernunft]), Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831 [Phänomenologie des Geistes]), Sören [Aabye] Kierkegaard (1813-1855 [Existentialismus, Psychologie]), Friedrich (Wilhelm) Nietzsche (1844-1900 [Kulturkritik]).

* Die Ideenlehre ist eine der bedeutendsten, wenn nicht die bedeutendste philosophische Grundvorstellung der antiken (griechischen) Philosophie. Sie basiert darauf, dass hinter den Dingen Ideen stecken. Diese kann man sich vorstellen als die ideale Vorstellung des Dings. Das heisst: von einem einzelnen Pferd besteht immer auch die (allgemeine) Idee von einem (idealen) Pferd. An der Spitze der Ideen stehen in dieser Ideenwelt die Ideen des Guten und der Gerechtigkeit. Das Gute ist die höchste Idee, die Gerechtigkeit ist - nach Platon - die höchste Tugend (von vier Tugenden: Klugheit, Mässigkeit, Tapferkeit, Gerechtigkeit).

Meine Philosophie. Ich halte nicht allzu viel von der Systemfeindlichkeit der Philosophie im 20. Jahrhundert. Die Philosophie kann sich nicht darauf beschränken, Fragen zu stellen (und/oder Probleme zu sensibilisieren, wie ein heutiger Philosoph meint), sondern sie muss auch Antworten liefern (das haben auch die grossen Zweifler Sokrates/Platon und Descartes gemacht [und wenn es heute neue Antworten braucht, dann müssen wir uns diesen Fragen (wieder und neu) stellen]). Meine Philosophie zielt darauf hin, alles - auch bedeutendste Gegensätze - in einer Grossen Theorie zu vereinigen (manche sagen, die Systemphilosophie sei etwa bei Hegel ausgestorben, aber das stimmt nicht - im 20. Jahrhundert wurde sie etwa noch bedeutend, wenn auch wenig beachtet vertreten von Hartmann und Gebser). Nach mir entspricht das Hauptprojekt der Philosophie einer wirklichen und ständigen Aufklärung nach allen Seiten hin (inkl. einem System, welches die reine [Kultur-] Kritik der Philosophie des 20. Jahrhunderts relativiert, gleichzeitig aber auch in einer umfassenden Gesamtschau jede einzelne Ideologie relativiert: es kann nur eine Vielzahl von Anschauungen geben, aber man kann sie systematisieren [nach dem Aufbau der (Menschen-) Welt, wie ich meine, denn was den Menschen ausmacht, ist letztlich sein Bewusstsein und seine Verantwortlichkeit: dies macht ihn auch zu einem besonderen Wesen in der Welt (und nichts anderes - ausser seinem Zerstörungspotenzial, natürlich)]). In meiner Philosophie findet sich ebenso Neues wie auch der Einbezug von Althergebrachtem aus der gesamten Philosophie-, Kultur- und Ideengeschichte, dies mag erscheinen wie eine eigenartige und/oder (bei zugeneigtem Eindruck) gelungene Mischung, vielmehr ist es aber eben eine generalistische Philosophie, die versucht, einen möglichst guten Ausgleich zu schaffen (wie gesagt hier: in Verbindung auch mit neuen und innovativen Ideen). Im Zentrum meiner Philosophie steht die Systematik vom (Da-) Sein - mit den Dimensionen vom (Da-) Sein, Leben, Glauben, (Nach-) Denken und Handeln (sowie Nicht-Handeln und Gut-Handeln). Der Sinn dieser Systematik liegt in der Einordnung der Phänomene der (Menschen-) Welt. Ich komme dabei auch zu einem bestimmten (teleologischen und/oder ethischen) Schluss, welcher auf Sozialgerechtigkeit und Umweltverträglichkeit zielt. (Weiteres zu meiner Philosophie kann der Seite zu meiner Philosophie entnommen werden.)

Anmerkung. Ich habe im Abschnitt der Theologie von denotativer Philosophie gesprochen (frei nach Lyotard). Das bedeutet eine Philosophie, welche möglichst nahe bei der Logik und bei der Wissenschaft sein möchte (was man sowohl gekünstelt - in der Betrachtung mancher analytischer Philosophen - wie auch wirklich und wahrhaftig betrachten kann). Das ist natürlich aber nicht der einzige Modus der Philosophie. Es entspricht der wunderbaren &Auuml;sthetik der Philosophie, dass sie - im Gegensatz zur Religion und zur Wissenschaft - grundsätzlich und immer sehr viele verschiedene Formen annehmen kann.






Die Wissenschaft (lat. sciencia [Kenntnis]) ist die Wissenschaft vom wissenschaftlichen Handeln. Dabei soll durch empirische Forschung gesichertes Wissen erzeugt werden. Wissenschaft gab es bereits in der Antike (herausragend etwa: die Sternbeobachtung, die euklidische Geometrie sowie die Begründung der wissenschaftlichen Systematik durch Aristoteles, welcher viele erste Grundschriften zu wissenschaftlichen Teilgebieten verfasst hat) und im Mittelalter (herausragend: die Alchemie), und trotzdem sprechen wir von einer eigentlichen Wissenschaft, wie wir sie heute kennen, erst seit der Neuzeit (im 16./17. Jh.). Was war denn so neu in dieser grossen erkenntnistheoretischen Wende (von der alten Naturphilosophie zur neuen Naturwissenschaft)? Erstens die Neubetrachtung und -erwägung uralter Grundansichten (vgl. Kopernikus mit dem heliozentrischen Weltbild [obwohl es diese Ansicht auch in der Antike schon gab: bei Aristarchos von Samos und Seleukos von Seleukia]), zweitens die experimentelle Methodik (vgl. Galilei mit seinen Experimenten zur Bewegung auf schiefer Ebene, generell auch die Empiristen [Bacon, Locke, Hume]), drittens das Verlangen nach naturbeherrschender Technik (vgl. Bacon mit seinem wissenschaftlich-technischen Weltbild von Neu-Atlantis), viertens die starke Stellung des Forscher-Ichs gegenüber einer objektivierten Welt (vgl. Descartes mit seiner Subjekt-/Objekt-Scheidung), fünftens die grosse Bedeutung der Mathematik für die Beweisführung in den neuen Erklärungen zu den Phänomenen der Welt (ebenfalls bedeutend erhoben v.a. bei den Rationalisten [Descartes, Spinoza, Leibniz]). All diese Faktoren gingen zusammen in dieses neue Projekt ein, die Welt systematisch wissenschaftlich zu ergründen, was v.a. bedeutete, dass über die Phänomene der Welt nicht mehr bloss nur nachgedacht werden sollte, sondern: dass das Denken, wo es möglich ist, experimentell in der Wirklichkeit nachprüfbar werden muss. Das vage Denken sollte zu einem geprüften und gesicherten Wissen werden. Wir schauen heute zurück auf 400 Jahre immer rasantere Entwicklung der Wissenschaften und ihrer Technik. Vor allem Bacon und Descartes werden heute von der Wissenschaftskritik indes auch stark kritisiert - ihnen wird Feindschaft zur Natur (Bacon) und deren Degradierung zum reinen Objekt (Descartes) vorgeworfen (vgl. etwa: Capra mit seiner esoterischen Wendezeit-Vorstellung und seinem New-Age-Postulat von einer sanfteren Technik und Forschung). Kann man die Wissenschaft in Frage stellen, ohne sie zu beeinträchtigen? Ist sie zu gefährlich, wenn sie nicht auch kritisiert wird?

Als der deterministische Rationalismus (vgl. Laplace) an seine Grenzen stiess, erhob der Wissenschaftsphilosoph Popper den Kritischen Rationalismus, welcher besagt, dass eine Theorie nicht nur verifiziert werden muss, sondern: dass sie vielmehr auch immer falsizierbar bleibt (d.h. wenn eine bessere Theorie gefunden werden kann, ist die alte Theorie in den entsprechenden Bereichen oder allgemein nicht mehr gültig, was allerdings in der Praxis aus verschiedenen Gründen nicht immer so einfach ist - berühmte Beispiele zeigen, dass eine neuere Theorie eine ältere nicht immer gänzlich ausräumen kann: das Paradebeispiel ist die Mechanik von Newton in der Relativität von Einstein]). Vieles von dem, was die Wissenschaften und ihre Technik hervorgebracht haben, möchten wir nie wieder missen, aber wir (an-) erkennen mittlerweilen nicht mehr nur den Segen von Wissenschaft, Technik und Fortschritt, sondern auch fragwürdige Aspekte (wie etwa: [moderne] Waffentechnik oder Ökoproblematik - vielleicht auch eine gewisse Überforderung des Menschen durch eine zunehmende Komplexität). Wir sollten daher die Wissenschaft weder verdammen noch überidealisieren. Der Mensch benötigt eine gute Wissenschaft - wie schon Augustinus im Mittelalter meinte (wonach kein vernünftiger Mensch gegen die Wissenschaft sein kann). Diese sollte aber auch ihr eigenes Handeln in Frage stellen, damit sie eine wahre Wissenschaft bleibt, welche das (neue) Wissen ebenso sucht, wie sie auch dessen gute Anwendung in der Technik anstrebt (spätestens seit der Atombombe sollte sich die Wissenschaft diesen Fragen stellen [beteiligte Physiker wie Oppenheimer oder Einstein wurden nach deren Einsatz zu Gegnern von Atomwaffen]). Die Wissenschaft und die Ethik, bei Aristoteles noch vereint, haben sich in der Neuzeit voneinander getrennt, zugunsten einer freien Wissenschaft. Die Wissenschaft will frei sein (v.a. um eine freie Forschung zu ermöglichen), die Ethik möchte sie einbinden. Dies ist einer der Konflikte, welche die Wissenschaft in der Zukunft zu bewältigen haben wird (u.v.a. [darunter auch einige interne Konflikte (Spezialisierung [gibt es noch einen interdisziplinären Austausch?], Politisierung [alles wird heute politisch, auch die Wissenschaften?], Technisierung [Technizismus vor Szientifismus?], Komplizierung [die Menschen verstehen immer weniger, was die Experten machen und forschen])]).

Wenn wir uns heute fragen, wo es denn mit der Religion/Theologie und der Philosophie hingehen soll, so stellt sich die Frage noch viel bedeutender bezüglich der Wissenschaft, da diese seit einigen Jahrhunderten die treibende Kraft der menschlichen Kultur ist (und als solche die moderne Kultur auch zusammenhält). Auch über den nicht immer einfachen, aber grundsätzlichen Gegensatz von Natur- und Geisteswissenschaften wird noch zu reden sein (folgt).

Anm. In der Corona-Pandemiekrise 2020/2021 ist ein interessanter und bedeutender Konflikt zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlern aufgetreten, spezifisch: zwischen Virologen und Ökonomen. Diese wollen (bei politischen Massnahmen) eine möglichst grosse Rücksicht auf die Wirtschaft bzw. die ökonomischen Strukturen und die Arbeitsplätze nehmen, während jene mit allen verfügbaren Mitteln die Krankheit bekämpfen und deren Schadensentfaltung verhindern wollen. Ausgetragen wird dieser Konflikt auf dem politischen Parkett. (Mit mehr solchen Konflikten zwischen Natur- und Geisteswissenschaften ist in Zukunft zu rechnen [der Grund dafür liegt v.a. in einer erstarkten Position der Geisteswissenschaften gegenüber den Naturwissenschaften - freiheitliche Staaten und Volkswirtschaften bildeten sich eigentlich erst im 19./20. Jahrhundert grossflächig heraus; früher gab es absolutistische Regime, welche wenig auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingingen und einen eher willkürlichen Kontakt zu den Wissenschaften pflegten (sowohl zu den Natur- wie auch den Geisteswissenschaften, notabene [erstaunlich genug, notabene, dass sich die Wissenschaft gerade in dieser politischen und gesellschaftlichen Situation, zuweilen in der Hochblüte des europäischen Absolutismus etablieren konnte, was vermutlich damit zu tun hat, dass sie wesentlich von den Universitäten und deren Eliten ausging, welche natürlich mit den politischen und gesellschaftlichen Eliten verbunden waren])].)

Zehn bedeutendste Naturwissenschaftler: Nikolaus Kopernikus (1473-1543 [Astronom u. Arzt]), Galileo Galilei (1564-1642 [Astronom, Physiker u. Ingenieur]), Johannes Kepler (1571-1630 [Astronom]), Robert Boyle (1627-1692 [Chemiker]), Isaac Newton (1643-1727 [Physiker]), Carl von Linné (1707-1778), Antoine de Lavoisier (1743-1794), Charles Darwin (1809-1882 [Biologe]), James Clerk Maxwell (1831-1879 [Physiker]), Albert Einstein (1879-1955 [Physiker]).

Zehn bedeutendste Geisteswissenschaftler: Thomas Hobbes (1588-1679 [Philosoph u. Politologe]), John Locke (1632-1704 [Philosoph u. Politologe (u. Arzt)]), Montesquieu (1689-1755 [Philosoph u. Politologe]), Jean-Jacques Rousseau (1712-1778 [Philosoph, Pädagoge u. Politologe]), Adam Smith (1723-1790 [Ökonom u. Philosoph]), Immanuel Kant (1724-1804 [Philosoph]), Auguste Comte (1798-1857 [Soziologe u. Philosoph]), Karl Marx (1818-1883 [Ökonom, Soziologe u. Philosoph]), John Maynard Keynes (1883-1946 [Ökonom]), Talcott Parsons (1902-1979 [Soziologe]).


Meine Philosophie. Ich bin für ein neues Paradigma in der Wissenschaft, in welchem die bisherige chaotische Wissenschaft zugunsten einer geordneten Wissenschaft aufgegeben wird, in welcher die Ökologie die Führerin der Natur-, Technik- und Ökowissenschaften ist und die Soziologie die Führerin der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Dies ist der eigentlich letzte Schluss aus meiner Philosophie. Meiner Meinung nach gibt es keinen anderen Schluss, als die Probleme dieser Zeit ernstzunehmen und die Wissenschaft entsprechend anzupassen. Gerade weil ich die Wissenschaft sehr hoch einschätze, schlage ich diese Neuausrichtung vor. (Dies ändert nichts daran, dass die Disziplinen einzeln und analytisch gelehrt werden sollen, notabene, aber es braucht auch eine vernünftige und adäquate Synthese.)





Die Naturwissenschaften. Betrachten wir die Naturwissenschaften, also die Untersuchung der Natur in verschiedenen Disziplinen, im Einzelnen. Die eigentliche oder sogenannte Naturwissenschaft ist unterteilt in Physik (Ebene der Atome sowie der unbelebten Körper und des Universums), Chemie (Ebene der Moleküle/Verbindungen/Stoffe) und Biologie (Ebene der lebendigen Körper [inkl. Anatomie (Lehre vom menschlichen Körper)], wobei die Untersuchung der gesellschaftlichen Strukturen in den Bereich der Geisteswissenschaft gehört [siehe unten]). Früher sprach man noch oft von Naturwissenschaftlern an und für sich, weil es früher mehr Universalgelehrte gab (sei es im Bereich der Naturwissenschaft oder der Wissenschaft allgemein [inkl. Geisteswissenschaften], während man heute eigentlich nur noch die Bezeichnung der Spezialisten verwendet: Physiker, Chemiker, Biologe - oder noch spezifischer, so etwa: Teilchenphysiker, Agrochemiker oder Mikrobiologe. Jede Wissenschaft - das gilt ebenso für die Geisteswissenschaften - hat ihren spezifischen Untersuchungsgegenstand und ihre spezifische daraus hervorgehende Logik sowie auch ihre spezifische Fachsprache (dabei ist festzustellen, dass eigentlich jeder Wissenschaftler ein seiner Disziplin entsprechendes Weltbild hat: der Physiker ein physisches, der Chemiker ein chemisches, der Biologe ein biologisches [usw. usf., etc. etc. - die Wissenschaft hat also letztlich nicht wirklich ein einziges wissenschaftliches Weltbild hervorgebracht, sondern viele verschiedene, disziplinenspezifische Weltbilder]). Bei den Naturwissenschaften gibt es aber trotzdem eine gewisse Linearität in deren natürlichem (Grund-) Bezug: Physik/Atom, Chemie/Molekül, Biologie/Körper-Organismus (Leben). Es herrscht also in diesem Bereich eine sehr viel klarere Ordnung und Struktur als bei den Geisteswissenschaften (und doch wäre es eben auch falsch zu sagen, dass diese naturwissenschaftliche Ordnung in sich selber vollkommen abgeschlossen wäre [dies ist schon alleine deshalb nicht möglich, weil es natürlich diverse Bezüge zu anderen Wissenschaften gibt, auch zur Theologie und Philosophie, und auch zu den Geisteswissenschaften; ein naturwissenschaftliches Weltbild kann also nie ein abgeschlossenes und umfassendes Weltbild sein]).

Während im Ursprung einer eigentlichen (systematischen Natur-) Wissenschaft - bei Aristoteles - die Wissenschaft und die Ethik noch gleichermassen vertreten (wenn auch nicht wirklich miteinander verbunden) waren, kennt die Wissenschaft heute eigentlich, ausser einem immanenten Fortschrittsglauben, keine spezifische Ethik mehr (dafür sind oder wären dann eben die Geisteswissenschaften sowie Religion und Philosophie [und realiter v.a. die Politik] zuständig).

Bedeutendste Erfindungen: Ur-Innovationen vor ca. 2,5 Mio. Jahren; Feuer vor 1 Mio. Jahren; Keramik, Glas, Porzellan ca. 20'000 v. Chr.; Ackerbau und Viehzucht ca. 10'000 v. Chr.; Schlitten und Rad ca. 9000 v. Chr.; Pfeil und Bogen ca. 9000 v. Chr.; Spinnen und Weben ca. 7000 v. Chr.; Kupfer, Bronze, Eisen ca. 7000 v. Chr.; Schiffe ca. 6000 v. Chr.; Backen und Brauen ca. 3500 v. Chr.; Schrift und Papier ca. 3000 v. Chr.; Bewässerung und Kanalisation ca. 3000 v. Chr.; Bogen in der Baukunst ca. 1400 v. Chr.; Medizintechnik ca. 1000 v. Chr.; Wind- und Wassermühle ca. 700; Schiesspulver und Feuerwaffen ca. 850; Buchdruck 1045; Linse, Fernrohr, Mikroskop 13. Jh.; Uhr 13. Jh.; Rechenhilfen 1623; Dampfmaschine 1712; Automaten und Roboter 1728; Telegraphie 1791; Fahrrad 1817; Eisenbahn 1825; Photographie 1826; Glühlampe 1854; Beton 1855; Verbrennungsmotor 1859; Telephon 1861; Kühltechink 1879; Schallplatte 1877; Strom 1880; Fluggeräte 1891; Dieselmotor 1892; Röntgen 1895; Film und Kino 1895; Magnetspeicher 1898; Kunststoff 1905; Kunstdünger 1913; Rundfunk 1923; Fernsehen 1927; Rakete und Weltraumfahrt 1927; Computer 1930; Atomkraft 1942; Laser 1953; Solarzelle 1954; Internet 1969; Mikroprozessor 1971; Gentechnik 1972. (Diese Liste habe ich aus dem Buch '50 Klassiker: Erfindungen' [2003] übernommen].)



Die Physik untersucht die Bewegung von Teilchen und Körpern (und Wellen). Ich teile sie ein in Mechanik und Relativität sowie Elementar- und Astrophysik (und einige andere Teilgebiete [siehe unten]). Die Mechanik untersucht die Bewegung der Dinge (Materie) und die Kräfte (Energie), welche dabei wirken. Sie geht davon aus, dass es mechanische Grundformeln gibt. Diese lauten: 1. Kraft [F] ist Masse [m] mal Beschleunigung [a] -> F=m·a (d.h. Kraft ist definiert durch eine Masse und die Beschleunigung [also: Geschwindigkeitsveränderung*], welche sie erfährt). 2. Arbeit [W] ist Kraft [F] mal Weg [s] -> W=F·s (d.h. Arbeit ist definiert durch eine wirkende Kraft und den Weg, welchen diese Kraft zurücklegt). 3. Leistung [P] ist Arbeit [W] in der Zeit [t] -> P=W/t (d.h. Leistung ist definiert durch eine Arbeit und die Zeitdauer, in welcher sie erbracht wird). Hat man diese drei Formeln begriffen, dann hat man schon einmal den Grundansatz der mechanistischen Physik begriffen.

* a=dv/dt=v2-v1/t2-t1 (d = delta [oft mit einem Dreieck dargestellt], steht in der Mathematik für: Veränderung - d.h. Beschleunigung [a] ist die Veränderung der Geschwindigkeit [dv=v2-v1] im Verhältnis zur Veränderung der Zeit [dt=t2-t1]).

Physikalische Einheiten im obigen Abschnitt (d.h. Messeinheiten, in welchen die verschiedenen Grössen messbar sind - ich gebe hier jeweils noch den englischen Begriff dazu, nach welchem die Grössen bezeichnet sind): Mass (engl. mass, m) in Kilogramm [kg], Weg (engl. space, s) in Meter [m], Zeit (engl. time, t) in Sekunden [s], Geschwindigkeit (engl. velocity, v) in Meter pro Sekunde [m/s], Beschleunigung (engl. acceleration, a) in Meter pro Sekunde im Quadrat [m/s2]*, Kraft (engl. force, F) in Newton [N], Arbeit (engl. work, W) und Energie (engl. energy, E) in Joule [J], Leistung (engl. power, P) in Watt [W].

* Bei einer Beschleunigung von 1 m/s2 verändert sich die Geschwindigkeit pro Sekunde um 1 m/s.

Weiterführend - analog zur Arbeitsformel gibt es diverse Energieformeln: Potentielle Energie oder Höhenenergie [Epot] ist Masse [m] mal Erdbeschleunigung [g=9,81 m/s2 (Erdbeschleunigungskonstante)] mal Höhe [h], Kinetische Energie oder Bewegungsenergie [Ekin] ist halbe Masse [m] mal Geschwindigkeit im Quadrat [v2] -> Epot=m·g·h, Ekin=0,5·m·v2. (Dies ist schon ein bisschen schwieriger verständlich und kurz zu erklären - und daher hier nur am Rande angemerkt: bedeutender ist das Verständnis der einfachen Grundformeln [oben].)

Die Mechanik wurde bereits durch erste, primitive Bewegungstheorien in der Antike begründet (Platon, Aristoteles) und danach durch die sogenannte Impetustheorie erweitert - erst die Auseinandersetzung Galileis mit der aristotelischen Theorie brachte die klassische (neuzeitliche) Mechanik hervor*. Berühmt sind in der Mechanik die drei Newtonschen Grundgesetze der Bewegung (auch: Grundgesetze der Mechanik): 1. Ein Körper, auf welchen keine Kraft einwirkt, bleibt in Ruhe oder bewegt sich geradlinig mit konstanter Geschwindigkeit (Trägheitsprinzip), 2. Bewegungsänderungen entsprechen der Einwirkung der bewegenden Kraft nach der geradlinigen Richtung dieser Kraft (oder: Kraft ist Masse mal Beschleunigung -> Aktionsprinzip), 3. Kräfte treten immer paarweise auf: jede Kraft (actio) hat eine gleichwertige Gegenkraft (reactio –> Wechselwirkungsprinzip**).

* Die Entwicklung der Bewegungstheorie ist sehr interessant. In unserem heutigen Verständnis ist es relativ klar, was für Faktoren eine Rolle bei der Bewegung spielen, aber am Anfang, als die ersten Denker über die Bewegung nachdachten, war das durchaus nicht klar (und so war es mit allem in der Wissenschaft***). Man wusste v.a. nicht, was die Bewegung der Dinge erhält. Platon nahm an, dass Luftwirbel, welche von der Pfeilspitze her den Pfeil von hinten nach vorne anschieben, für die anhaltende Bewegung eines Pfeiles sorgen, Aristoteles meinte, dass der Bogen die bewegende Kraft an die Luft weitergibt (dass also quasi der Pfeil von sich bewegender Luft getragen wird). Die Impetustheorie (von Philoponus und Buridan) besagte im Mittelalter dann erst, dass die anhaltende Bewegungskraft gar nicht von der Luft stammt, sondern durch den Bogen direkt in den Pfeil geht (eines von vielen Beispielen, welches beweist, dass es im christlichen Mittelalter durchaus eine wissenschaftliche Weiterentwicklung gegeben hat!). Diese Kraft aber sei nur geliehen und gehe darum wieder verloren (deswegen falle der Pfeil auch nach einer gewissen Flugdauer wieder zu Boden [erst Newton konnte sagen, dass es die Schwerkraft ist, welcher den Pfeil gegen den Boden zieht (während er in einem Vakuum unendlich lange konstant weiterfliegen würde)]). (Wer sich für den gesamten Verlauf der Bewegungstheorie interessiert, kann dies hier einsehen: Von Aristoteles zu Galilei und Newton - Die Entdeckung der Grundgesetze der Mechanik (Webseite). Man kann dabei auch sehen, dass Aristoteles durchaus schon ein interessantes Grundverständnis von der physikalischen Bewegung hatte. Schade: dass einem in der Schule die historische Entwicklung der Wissenschaft nicht nähergebracht wird, denn dies würde den Sinn für die Wissenschaft schärfen.)

** Ein anschauliches Beispiel ist die Bewegung eines Ruderbootes. Mit dem Rudern wird das Wasser nach hinten gedrückt, gleichzeitig erfährt das Boot durch das Wasser einen Schub nach vorne. Bei diesem Gesetz müssen immer zwei Kräfte aufeinander wirken (beim Sportrudern sitzt man - anders als beim Freizeit Bö&oouml;teln [oder auch beim Paddeln im Kanufahren] - quasi verkehrt im Boot, weil mit dem Rücken zur Bewegungsrichtung mehr Kraft entwickelt werden kann).

*** Wir sind uns heute nicht mehr bewusst, dass wir - wenn wir unsere Wissenschaft verlieren würden - mit dem ganzen Denken wieder bei Null anfangen müssten. Wir stünden dann vor einer uns vollkommen unverständlich erscheinenden Welt. Gut, so war es natürlich auch nicht ganz: die antiken Menschen hatten einfach andere Vorstellungen von der Welt, als wir es heute haben, aber sie kamen ja auch irgendwie durchs Leben. Das lässt uns vermuten, dass unser heutiges Wissen, in der Zukunft betrachtet, auch nicht so hervorragend sein wird, wie wir das heute meinen...

Exkurs: Vom Unfassbaren in der Physik - die Entwicklung der physikalischen Erkenntnis vom Magnetismus über jene der Elektrizität bis zur Strahlung (sowie zur Quanten- und Relativitätstheorie sowie zur Chaos- und Katastrophentheorie [in der Mathematik]). Bedeutend für das Verständnis der Entwicklung der modernen Physik ist v.a. die Entwicklung von einer magnetischen zu einer elektrischen Physik - und darüber hinaus. Der Magnetismus hat eine alte Herkunft und war schon im Altertum und in der Antike bekannt. Im Mittelalter schrieb Petrus Peregrinus de Maricourt die erste bedeutende wissenschaftliche Abhandlung zum Magnetismus ("Epistola de magnete", 1269), und auch am Beginn der Wissenschaft der Neuzeit steht eine solche - von William Gilbert ("Tractatus, sive physiologia nova de magnete, magneticisque corporibus et de magno magnete tellure", 1600 - er wird häufig vergessen, wenn es darum geht, die bedeutendsten frühen Wissenschaftler der Neuzeit zu nennen, gehört aber unbedingt dazu: in seinem Hauptwerk behandelte er nicht nur den Magnetismus, sondern auch die Elektrizität, ein Phänomen, welches ebenfalls im Altertum und in der Antike schon bekannt war, dem er aber dessen Namen gab [lat. vis electrica (dt. Elektrische Kraft)]). Seinen eigentlichen Höhepunkt erlebte der Magnetismus in der mechanischen Physik von Newton, in welcher dieser einen wesentlichen Faktor bildete - mit dem Newtonschen Gravitationsgesetz (veröffentlicht in dessen Hauptwerk: "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica", 1687). Die Elektrisierung der Physik erfolgte wesentlich durch die Experimente von Galvani über tierische Elektrizität (veröffentlicht 1791) und die Interpretation derselben durch Volta, welcher die Batterie erfand (1800). Hier beginnt die elektrische Zeitenwende, nach welcher der Magnetismus klar der alten, die Elektrizität klar der neuen Welt zugeordnet werden (siehe dazu etwa: Siegfried Zielinski - "Archäologie der Medien - Zur Tiefenzeit des technischen Hörens und Sehens", 2002). Die Elektrifizierung der Welt ist das Phänomen, welches die Moderne symbolisiert. Verschiedene Naturforscher und Erfinder beschäftigten sich mit dem Phänomen der Elektrizität bis zur Erfindung der Batterie eben, oder der Begründung der Elektrostatik (Coulomb) und des Elektromagnetismus (Oersted, Ampère) sowie der Erfindung des Elektromotors (Faraday und andere), der Begründung der Elektrotechnik (Siemens) und der weiteren Erforschung der Elektrizität (etwa durch Ohm oder Joule). Einer der bedeutendsten Autoren zum Elektromagnetismus, sozusagen der Vereinigung von Elektrizität und Magnetismus, ist James Clerk Maxwell ("On Physical Lines of Force", 1861-1862). Berühmt wurde Thomas Alva Edison als Erfinder der Glühlampe, welche allerdings eine viel längere Entwicklungsgeschichte hat sowie als Begründer des modernen Beleuchtungssystems (zuerst in New York). Berühmt ist auch der Stromkrieg bzw. Formatstreit zwischen Edison (Gleichstrom) und Westinghouse (Wechselstrom - Tesla hatte den Wechselstrom 1887 erfunden). Nach der Beschäftigung mit dem elektrischen Strom und den elektromagnetischen Wirkungen im 19. Jahrhundert erfolgte gegen Ende jenes Jahrhunderts die Beschäftigung mit den Röntgenstrahlen (Röntgen 1895) und der Radioaktivität (Becquerel 1896, Curie 1898) sowie ebenfalls um die (für die Wissenschaft der Physik - aber auch für die Kultur allgemein - höchst bedeuteungsvolle) Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert, in der Ära der sogenannten Belle Epoque*, die Begründung der Quantenphysik (Planck, 1900 [Plancksche Strahlungsformel]; Bohr, 1913; De Broglie, 1924; Heisenberg/Born/Jordan, 1925; Dirac, 1925; Schrödinger, 1925) und - auf einer anderen Ebene (aber nicht unverwandt) - der Relativitätstheorie (Einstein 1905/1916). Fast ein bisschen esoterisch mutet die Relativität im Grossen und Ganzen (Einstein) oder auch die Verschränktheit im Kleinsten (Schrödinger) bis heute an. Physikalische Phänomene waren schon immer auch eine beliebte Quelle für esoterische Spekulationen (innerhalb und ausserhalb der Wissenschaften, notabene [sowohl die subatomare Physik wie auch die Astrophysik scheinen heute einiges Halbwissen für die esoterische Spekulation hervorzubringen]). Die Mathematik schloss an das Unfassbare der Physik an - mit der Chaostheorie (Poincaré, Lorenz, Mandelbrot, Feigenbaum), mit einer unberechenbaren Mathematik, welche gleichwohl auf deterministischen Gleichungen gründet, und der Katastrophentheorie (Thom, Zeeman, Arnold), mit einer Mathematik von unstetigen, sprunghaften, diskontinuierlichen Veränderungen kontinuierlicher dynamischer Systeme. Hier fällt die Mathematik teilweise aus dem Rahmen ihrer Berechenbarkeit und Fassbarkeit heraus. Es scheint - oh Wunder! - ausserhalb der menschlichen (und/oder klassisch mathematischen) Kultur einen Bereich der Natur zu geben, welcher letztlich schwierig bis gar nicht zu berechnen ist. Diesen gar nicht so sensationellen Befund nutzen wiederum einige extreme Kulturkritiker aus, um die ganze Menschenkultur über den Haufen werfen zu wollen: dazu aber besteht kein Anlass (wir können wissen, dass wir nicht alles berechnen können, und trotzdem - jenseits des reinen Nutzens - Freude haben über das, was wir berechnen können: in dem [alten und klassischen] Sinn, in welchem wir Mathematik und Physik auch als ästhetische Phänomene betrachten können; und analog: wir können nicht alles wissen, aber wir können froh sein über das, was wir wissen können, oder: dass wir überhaupt etwas wissen können).

* Diese famose Zeit, die irgendwie über die 1968-er Generation direkt mit unserer Zeit verbunden ist, ist - nebenbei gesagt - übrigens nicht nur die Zeit der Quanten- und der Relativitätstheorie, welche das Verständnis und die Fassbarkeit der Physik veränderten, sondern auch die Zeit fast aller Vergnügungsfaktoren der heutigen Gesellschaft (inkl. Begründung der Olympischen Spiele der Neuzeit durch Pierre de Coubertin 1894/1896 [Beschluss/Durchführung] oder Erfindung der Schallplatte - und damit Reproduzierbarkeit von Musik - durch Emil Berliner 1887).


Nebst dem Konzept der Mechanik (von Isaac Newton, 17. Jh.) hat sich in der modernen Physik das Konzept der Relativität (von Albert Einstein, 20. Jh.) etabliert, welches die Verhältnisse von Zeit- und Raumbestimmungen in verschiedenen Bezugssystemen einbezieht* (es ist dabei die Rede vom Inertialsystem [einem abgeschlossenen, gleichförmig bewegten oder unbewegten System -> reine Mechanik] und vom Relativitätsprinzip [zwei (oder mehrere) unterschiedlich zueinander bewegte Inertialsysteme im Vergleich -> Relativität - bedeutend ist dabei, dass das eine Inertialsystem vom anderen aus beobachtet wird (Inertia [dt. Trägheit] wird als die physikalische Kraft bezeichnet, welche etwas unbewegt in der gleichen Position oder in der gleichen Richtung bewegt erhält und damit als Resistenz physikalischer Objekte gegenüber Geschwindigkeitsänderungen [Beharrungsvermögen])]).

* Ein einfachstes Beispiel dazu: irgendein Gegenstand auf unserem Pult scheint in Ruhe zu verharren, in Wirklichkeit aber bewegt er sich - nämlich durch die (bzw. mit der) Erdrotation (die Erde dreht sich ja in rund 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse). Betrachten wir das Bezugssystem des Pultes, so verharrt er in Ruhe, betrachten wir aber das Bezugssystem der Erde, so ist er in Bewegung. Daher ist die Angabe von Ruhe oder Bewegung für diesen Gegenstand relativ - je nachdem, von welchem Inertialsystem der Beobachter ausgeht - und das ist die Relativität, die Einstein meint. Desgleichen könnten wir also 24 Stunden stehenbleiben und würden uns dabei einmal um die Erdachse drehen (man kann das ausprobieren und wird nichts davon merken, weil das gesamte eigene Bezugssystem sich mit uns dreht - und warum fallen wir unten nicht weg? Weil wir mit unserem ganzen Bezugssystem von der Erdanziehungskraft angezogen werden, und weil es auf einer Kugel im Weltall kein oben und kein unten gibt: unten ist für den Menschen immer gegen den Mittelpunkt der Erde hin, wo die Masse am Stärksten verdichtet ist und daher die Schwerkraft am Stärksten wirkt). (Dieses Relativitätsprinzip in der Physik hatte indes schon Galilei beschrieben: er sagte, dass in einer Schiffskajüte [ohne Fenster] die Bewegung des Schiffes mitunter [bei ruhigem Wellengang] gar nicht eingesehen werden könne (während diese auf dem Deck draussen - im Vergleich mit der Umgebung und/oder dem Horizont - einsehbar ist [die Kajüte scheint also für einen inneren Betrachter in Ruhe, für einen äusseren Betrachter aber in Bewegung zu sein (die beiden Beispiele sind analog)]). Der Begründer des Relativitätsprinzips ist also eigentlich Galilei, während Einstein eine grosse und bedeutende Theorie daraus gemacht hat.

Berühmt in der Relativitätstheorie ist die Einsteinsche (bzw. Physikalische) Weltformel: Energie [E] ist Masse [m] mal Lichtgeschwindigkeit im Quadrat [c²] -> E = mc² (auch: Äquivalenzprinzip von Masse und Energie bzw. [Ruheenergie und Masse entsprechen einander - und: Masse und Energie können ineinander umgewandelt werden, wobei schon bei der Umwandlung geringer Massen sehr grosse Energiemengen frei werden (siehe z.B.: Kernspaltung)]).

Die Astrophysik oder Astronomie ist ein Teilgebiet der Physik, in welchem die physikalischen Himmelsvorgänge untersucht werden. Die Astronomie stand am Beginn der neuzeitlichen Wissenschaft - mit Kopernikus, Brahe, Bruno, Kepler und Galilei (alles Astronomen). Bedeutend in der frühen neuzeitlichen Astronomie sind etwa die drei Keplerschen Gesetze des Planetenumlaufs um die Sonne (siehe: Johannes Kepler, 16./17. Jh.), wobei das erste Gesetz besagt, dass die Planeten im Sonnensystem in elliptischen Bahnen um die Sonne kreisen (dies nach einer Anpassung der Beobachtungen von Brahe an das heliozentrische Weltbild von Kopernikus [in der Antike und im Mittelalter war das geozentrische Weltbild vorherrschend (geozentrisch = Erde steht im Mittelpunkt, heliozentrisch = Sonne steht im Mittelpunkt)]). Unser Sonnensystem besteht aus einem Stern (Sonne) und acht Planeten (sowie verschiedenen Zwergplaneten und anderen Himmelskörpern) - in dieser Reihenfolge (Abstand zur Sonne): Sonne, Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun (die äusseren vier Planeten, jenseits des sogenannten Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter, sind reine Gasplaneten). Die heutige Astrophysik spricht von Weissen Zwergen (kleine, sehr kompakte alte Sterne), Neutronensternen (Endstadium in der Sternentwicklung eines massereichen Sterns), Schwarzen Löchern (Objekte, deren Masse auf ein extrem kleines Volumen konzentriert ist und in welchem kein Licht vorkommt) und vielen anderen Dingen. Im Vordergrund steht dabei die Frage nach dem Ursprung des Weltalls; derzeit herrscht die Theorie vor, dass Schwarze Löcher ganze Galaxien hervorbringen, und dass es in ihnen einen Singularitätspunkt mit extrem verdichteter Masse gibt. Dieses Phänomen soll auch am Anfang des Universums stehen. Während die Quantentheorie und die Relativitätstheorie ein kleines Stück Mystik in die Wissenschaft hineinbrachten, lieferte die Urknalltheorie (Lemaître, 1931; Gamow, 1948; Hoyle, 1949) und der Singularitätspunkt eine Ersterklärung und ferner die Technologische Singularität, wonach die Künstliche Intelligenz der menschlichen einmal überlegen sein wird, eine Letzterklärung (dies vor noch viel schlimmeren Letzterklärungen wie etwa dem Verlöschen von Erde und Sonne, oder dem Verschwinden des Universums in einem Schwarzen Loch - Anm. alles sehr spekulativ und über Billionen von Jahren hinaus extrapoliert, notabene). Die Wissenschaft scheint heute für alles Wesentliche eine Erklärung zu haben, aber die ersten und letzten Erklärungen sind teils noch immer recht dürftig (bis sogar fast unhaltbar).

-> Terra X: Der Urknall - Das Rätsel des Anfangs (Video [43:43] - Anm. die allerletzten Begründungen würde ich auch hier in Zweifel ziehen - dies ist aber trotzdem eine sehr interessante Sendung darüber, wie sich die heutige Wissenschaft den Ursprung des Universums vorstellt).

Die Elementarphysik oder (Elementar-) Teilchenphysik In der Elementarphysik oder (Elementar-) Teilchenphysik werden die Grundteilchen der Welt untersucht: das Atome sowie die subatomare Ebene. Das Atommodell stammt aus der griechischen Antike (Leukipp, Demokrit) und wurde in der Neuzeit wieder aufgenommen und weiterentwickelt (Dalton [18./19. Jh.], Rutherford [19. Jh.], Bohr [20. Jh.] und weitere). Es geht davon aus, dass ein Atom aus einem Atomkern mit Neutronen (ungeladene bzw. elektrisch neutrale Elementarteilchen) und Protonen (positiv geladene Elementarteilchen) sowie einer Atomhülle mit Elektronen (negativ geladene Elementarteilchen) besteht. Ursprünglich war die Wissenschaft der Meinung, dass mit dem klassischen Atommodell die kleinsten Teilchen beschrieben sind. Im 20. Jahrhundert wurde der Bereich der sogenannten subatomaren Teilchen weiter erforscht (dabei wurden weitere, kleinere Teilchen entdeckt). Diese Forschung brachte eine spezifische Klassifizierung hervor: das Standard-Modell der Elementarteilchen mit Teilchen, welche für die Materie zuständig sind (Fermionen: Quarks und Leptonen) sowie Teilchen, die für die Wechselwirkungskräfte bzw. Naturkräfte zuständig sind (Bosonen der Gravitation, des Elektromagnetismus sowie der Schwachen und Starken Wechselwirkung - diese Kräfte werden ebenfalls mit Teilchen bezeichnet: die Physik nimmt heute an, dass diese elementaren Naturkräfte durch Teilchen übertragen werden: so ist etwa das Photon [Lichtteilchen] für die Kraftübertragung im Elektromagnetismus zuständig [die Forschung in diesem Bereich ist nicht abgeschlossen und meiner Meinung nach mit einiger Vorsicht zu betrachten - die meisten subatomaren Teilchen sind unstabile Teilchen*)]). Ebenso ist in diesem Bereich die Rede von Antimaterie sowie Dunkler Materie/Energie - diese beiden sind im Standard-Modell nicht enthalten, gehören aber zur erweiterten Erklärung dieses Standardmodells.

* Scheinbar tendiert die heutige Physik dazu, die Kräfte zu materialisieren** (weil man natürlich nicht sagen kann, wo Kräfte herkommen, wenn sie nicht direkt auf Teilchen zurückzuführen sind (wieso und woher allerdings die Teilchen Kräfte entwickeln ist eben auch nicht klar, na ja: in diesem Bereich scheint es ein bisschen schwierig zu werden bzw. zu sein mit der reinen Wissenschaft). Die einzige Erklärung scheint Bewegung und Reibung zu sein, als urigste Form von Energieerscheinung, ferner auch Bindung als Einschränkung von Bewegung, aber auch dann ist es nicht klar, woher die Bewegung kommt. (An diesem Punkt hatte Aristoteles eben Gott als den Erstbeweger angenommen [ohne etwas von subatomaren Teilchen zu wissen]. Mehr Gedanken zur Physik wird es in meinem nächsten Buch geben.)

** Dieses Phänomen findet sich schon bei Einstein, welcher versuchte, den Raum zu materialisieren (indem er die Beschaffenheit des Raumes von der Beschaffenheit der Materie und deren Bewegung ableitete [so kam er zur überaus seltsam anmutenden Vorstellung von einem 'gekrümmten Raum']). Wir können also - trotz, oder gerade wegen der Quantentheorie - von einem zunehmenden Materialismus in der heutigen Physik sprechen. (In der Relativitätstheorie steckt neben einem Quäntchen Wahrheit auch einige Falschheit bzw. Tendenziosität [wie man sie in der wahren (Natur-) Wissenschaft eben eigentlich gerade nicht haben möchte].)


-> Entwicklung der Atomtheorie. (Anm.: Die Vier-Elementen-Theorie in der Antike stammt von Empedokles - Aristoteles hat sie ebenfalls verwendet.)


* * * * * * * Zweite Redaktion * * * * * * *


In der Physik gibt es verschiedene weitere Spezialgebiete, dazu gehören etwa die Optik (Lehre vom Licht) und die Akustik (Lehre vom Schall und seiner Ausbreitung - sehr bedeutend ist auch etwa die Thermodynamik [Wärmelehre, auch: Kalorik]; die Elektrodynamik [Elektrizitätslehre], die Astronomie [Astrophysik] und die Teilchenphysik wurden schon erwähnt). Allgemein interessant ist in der Optik insbesondere die Farbenlehre bzw. die Wellenlänge elektromagnetischer Strahlung (die Farbenlehre ist allerdings zusammengesetzt aus den Erkenntnissen verschiedener Wissenschaften [Physik (Optik), Physiologie, Psychologie, Kunst]). Das Licht besteht aus elektromagnetischer Strahlung bzw. elektromagnetischen Wellen. Dadurch wird ein optischer Farbeindruck erzeugt. Der Mensch sieht Farben in einem Frequenzbereich von 380 nm (violett) bis 780 nm (rot) [nm = Nanometer]. Das Spektrum reicht von violett über blau, grün, gelb, orange bis rot (dies entspricht natürlich auch dem Farbspektrum des Regenbogens, dem einzigen Phänomen in der Natur, in welcher das Farbenspektrum [auch: Lichtspektrum oder Elektromagnetisches (Wellen-) Spektrum] so gut einsehbar ist). Das menschliche Auge ist nicht empfänglich für ultraviolett (sowie die anschliessende Röntgenstrahlung [wäre dieser extrem ultraviolette Bereich für den Menschen einsehbar, hätte er quasi einen Röntgenblick]) und infrarot (mit dessen Wärmestrahlung [könnte der Mensch infrarot sehen, so würde er ein Wärmebild sehen]). Farben werden unterschieden in Lichtfarben (von Lichtquellen) und Körperfarben; diese entstehen durch Remission ('Zurücksendung'), d.h. diffuse Reflexion von Lichtstrahlen. Die Farben entstehen dadurch, dass ein bestimmter Teil des RGB-Spektrums gefiltert bzw. nicht remittiert wird (bei einem gelben Körper wird nur rot und grün remittiert, blau nicht - dadurch entsteht nach der additiven Farbmischung der drei Primärfarben Rot, Grün und Blau [RGB] die Farbe gelb).

-> Sichtbares Lichtspektrum, Additive und Subtraktive Farbmischung (RGB/CMY[K]).

Zehn bedeutendste Physiker (und Astronomen - der Neuzeit und Moderne): Nikolaus Kopernikus (1473-1543 [Heliozentrisches Weltbild]), Galileo Galilei (1564-1642 [Bewegungsexperimente auf der schiefen Ebene]), Johannes Kepler (1571-1630 [Umlaufbahnen der Planeten]), Isaac Newton (1643-1727 [Grundgesetze der Mechanik]), Michael Faraday (1791-1867 [Elektromagnetische Induktion]), James Clerk Maxwell (1831-1879 [Elektrodynamik/Elektromagnetische Wellen]), Henri Becquerel (1852-1908 [Radioaktivität]), Max Planck (1858-1947 [Strahlungsformel/Quantentheorie]), Ernest Rutherford (1871-1937 [Atommodell]), Albert Einstein (1879-1955 [Relativitätstheorie]).


Die Chemie untersucht Zusammensetzung von Verbindung und Stoffen (auf der Ebene der Moleküle [d.h. einer chemischen Verbindung aus Atomen von zwei oder mehreren Elementen]). Die Entstehung der neuzeitlichen und modernen Chemie aus der antiken und mittelalterlichen Alchemie* heraus ist eines der bedeutendsten Phänomene in der neuzeitlichen (Natur-) Wissenschaft überhaupt. Der bedeutendste Bezugspunkt der Chemie ist das Periodensystem der Elemente (kurz: Periodensystem - siehe: Mendelejew und Meyer [19. Jh., gleichzeitig und unabhängig]). In diesem System sind alle chemischen Elemente** tabellarisch aufgeführt (angefangen mit Wasserstoff und Helium [den beiden häufigsten Elementen auf der Sonne] bis zu den diversen Metallen, Nichtmetallen und Gasen [die häufigsten Elemente auf der Erde sind: 1. Sauerstoff 32,4%. 2. Eisen 28,8%. 3. Silicium 17,1%. 4. Magnesium 15,8%. 5. Nickel, Calcium und Aluminium 1,5-1,7%. Das Periodensystem ist einerseits geordnet nach der Ordnungszahl, welche die Zahl der Protonen im Atomkern angibt, und damit auch nach steigender Masse, andererseits stehen auch Elemente mit ählichem chemischen Verhalten nahe beieinander).

* Exkurs: Alchemie. Besonders im Mittelalter bedeutete die Alchemie eine Art Vorwissenschaft (daran beteiligt waren nicht nur unabhängige Alchemisten, sondern durchaus auch Klosterbrüder). Bekannte Alchemisten sind etwa: Hermes Trismegistos (vermutlich mysthologischen Ursprungs), Ostanes (400 v. Chr.), Zosimos von Panopolis (250-310 ), Geber (auch: Dschabir ibn Hayyan - zweite Hälfte des 8. Jh.), Rhazes (auch: Abu Bakr Muhammad ibn Zakariyya ar-Razi - 865-925), Paracelsus (1493-1541), John Dee (1527-1608). Selbst bedeutendste und initiierende frühe neuzeitliche Naturwissenschaftler wie etwa Boyle oder Newton beschäftigten sich noch mit Alchemie (der Ökonom Keynes, welcher sich mit Newtons Alchemie und Mystik befasste, meinte: 'Newton was not the first of the age of reason. He was the last of the magicians [...].' Vermutlich kann man das nun so oder so betrachten.) Bedeutend war neben der westlichen auch die arabische und die chinesische*** Alchemie. In der Alchemie ist oft auch die Rede von geheimnisvollen Dingen wie dem Stein der Weisen, dem Elixier des Lebens, dem Perpetuum Mobile oder dem Corpus Hermeticum. Daher wird die Alchemie heute irgendwo zwischen Magie und Wissenschaft angesiedelt (zu ihrer Zeit war sie aber eben eine durchaus - wenn auch sagenumwobene - Vorform der neueren Wissenschaft). Unter dem Stein der Weisen wird die Umwandlung von unedlen Metallen in edle Metalle, v.a. in Gold, verstanden (ebenso gilt der Begriff in der Alchemie allgemein auch als Symbol für Verwandlung, Heilung und Läuterung). Der scheinbar so phantastische Traum der Alchemisten ging 1935 tatsächlich in Erfüllung, als der italienische Physiker Enrico Fermi Platin mit Neutronen beschoss und es so in Gold umwandeln konnte (die Herstellung von Gold aus unedlen Metallen ist allerdings so immens teuer, dass dies geschäftlich betrachtet vollkommen unrentabel ist).

** Exkurs: Entwicklung der Elementenlehre. In der Antike gab es eine Vier-Elementen-Lehre von Empedokles (Erde, Wasser, Luft, Feuer), welche im Mittelalter beibehalten wurde; diese bestand ausser den vier Grundelementen auch aus zwei Grundkräften (Liebe/Verbindung und Hass/Trennung). Die chinesische Antike kannte eine Fünf-Elementen-Lehre (Holz, Feuer, Metall, Wasser, Erde). Die schrittweise Entdeckung der wissenschaftlichen Elemente war ein bedeutender Schritt in Richtung der heutigen, höher entwickelten (Natur-) Wissenschaft: 1669 Phosphor (Brandt), 1735 Cobalt (Brandt), 1751 Nickel (Cronstedt), 1755 Magnesium (Black), 1766 Wassserstoff (Cavendish), 1772 Stickstoff (Rutherford), 1774 Sauerstoff (Priestley u. Scheele), usw. usf., etc. etc.).

*** Exkurs: Wissensschaftliche Kulturgeschichte. Die chinesische Antike gehörte zu den bedeutenden früheren Hochkulturen. Diese ist v.a. berühmt durch die vier grossen (alt-) chinesischen Erfindungen: Papier, Buchdruck, Schiesspulver und Magnetkompass. Bedeutend waren in der Antike auch die Sterndeutung und die Alchemie. Die arabische Wissenschaft war im Mittelalter wichtig für die Medizin, aber auch in der Übertragung des heutigen Zahlensystems von Indien nach Europa sowie für die Herausbildung der Algebra. Die Griechen begründeten in der Antike die Euklidische Geometrie. Man darf die heutige Wissenschaft nicht bloss als ein westliches Produkt sehen - man stelle sich etwa vor, die europäische Wissenschaft wäre ohne das indisch-arabische Zahlensystem begründet worden und hätte mit dem römischen Zahlensystem rechnen müssen (das ist fast undenkbar).


In der Chemie geht es oft v.a. um die Darstellung von chemischen Reaktionen (einfachste: 2H + O -> H2O [zwei Wasserstoffteile und ein Sauerstoffteil ergeben die Verbindung von Wasser]). Bei einer chemischen Reaktion werden chemische Verbindungen in andere umgewandelt, wobei Energie freigesetzt oder aufgenommen wird. Eine der bedeutendsten Reaktionen ist die Oxidation, bei welcher ein Atom, Molekül oder Ion (also ein elektrisch geladenes Atom oder Molekül) Elektronen abgibt (bei einer Oxidation findet immer gleichzeitig eine Reduktion statt, d.h. ein Reaktionspartner nimmt Elektronen auf [Redoxreaktion]).

Bedeutendste chemische Elemente: H = Wasserstoff (lat. hydrogenium), O = Sauerstoff (lat. oxygenium), N = Stickstoff (lat. nitrogenium), C = Kohlenstoff (lat. carbo), Fe = Eisen (lat. ferrum), Pb = Blei (lat. plumbum), Cu = Kupfer (lat. cuprum), Au = Gold (lat. aurum), Ag = Silber (lat. argentum), Al = Aluminium (lat. aluminium), Ca = Calcium (lat. calx), He = Helium (grch./lat. helios), S = Schwefel (lat. sulpur).

-> Periodensystem der Elemente.

Beispiele von chemischen Verbindungen: H2O = Wasser, CO2 = Kohlen[stoff]dioxid, H2CO3 = Kohlensäure, CuSnx = Bronze, CuZnx = Messing, Fe2O3 = Eisen(III)-oxid (farbgebender Bestandteil des Rostes), CaCO3 = (kohlensaurer) Kalk, NaCl = Kochsalz, C2H6O = Ethanol (auch: gewöhnlicher Alkohol), C6H12O6 = Glucose (auch: Traubenzucker), C8H8O3 = Vanillin, C6H10O5 = Stärke, C12H20O10 = Cellulose (am häufigsten vorkommendes Biomolekül), C8H8 = Polystyrol (inkl. Styropor [geschäumtes Polystyrol - wird als Schaumstoff verwendet]), CH2O= Formaldehyd (nebst Phenol Bestandteil des ersten vollsynthetischen Kunststoffs [Bakelit]).

Die Chemie wird mit vielen anderen Naturwissenschaften verbunden und/oder in viele verschiedene Klassen unterteilt: Allgemeine Chemie, Anorganische Chemie, Organische Chemie, Physikalische Chemie, Biochemie, Agrochemie, Kosmochemie (usw. usf., etc. etc.). Bedeutend ist die Chemie heute natürlich (u.v.a.) für die Herstellung von Kunststoffen aller Art.

Für die Beschreibung der Stoffe gibt es verschiedene Kriterien. Das elementarste Kriterium ist die Einteilung in festem, flüsigem und gasförmigem Zustand, dem sogenannten Aggregatszustand. Je nach Zustand sind die Teilchen des Stoffes weniger nahe beisammen, beweglicher und unregelmässiger angeordnet. Bei Stoffen, die auch bei hohen Temperaturen fest bleiben, ist die Anziehung zwischen den Teilchen besonders gross, während bei Flüssigkeiten und Gasen die Teilchen sich durch Erhitzung immer freier bewegen bis sogar sich frei im gesamten Raum verteilen. Flüssigkeiten werden unterschieden als sauer (Säuren) oder basisch (auch: alkalisch - Basen); dieser Unterschied wird nach dem ph-Wert angegeben. Weitere bedeutende chemische Eigenschaften sind etwa die Dichte oder die Brennbarkeit.

Zehn bedeutendste Chemiker (der Neuzeit und Moderne): Robert Boyle (1626-1627 [Moderner Elementbegriff]), Antoine [Laurent] de Lavoisier (1743-1794 [Quantitative Messmethoden]), John Dalton (1766-1844 [Atomtheorie]), [Jöns] Jakob Berzelius (1779-1848 [Buchstaben für chemische Elemente]), Justus von Liebig (1803-1873 [Mineraldügung (Agrochemie)]), Louis Pasteur (1822-1895 [Pasteurisierung zur Haltbarmachung flüssiger Lebensmittel]), [Julius] Lothar Meyer (1830-1895 [Periodensystem der Elemente]), Dmitri Iwanowitsch Mendelejew (1834-1907 [Periodensystem der Elemente]), Svante Arrhenius (1859-1927 [Voraussage einer globalen Erderwärmung durch Kohlendioxid-Emissionen]), Linus Pauling (1901-1994 [Forschungen zur Natur der chemischen Bindung]).


Die Biologie setzt sich mit den lebendigen Wesen (Organismen) auseinander, welche aus Zellen und Organen aufgebaut sind und eine Erbinformation beinhalten. Dabei bedient sie sich eines Klassifizierungssystems (auch: Nomenklatur oder Taxonomie genannt – siehe: Linné [18. Jh.]). Die Biologie wird grob eingeteilt in Flora (Pflanzenreich, Fachgebiet: Botanik) und Fauna (Tierreich, Fachgebiet: Zoologie). Bedeutend sind in technischer Hinsicht die Grundlagen der Genetik (Vererbung und Züchtung – siehe: Mendel [19. Jh.]) und die Evolutionstheorie von Darwin über die Entstehung der Arten durch natürliche Selektion (siehe: Charles Darwin [19. Jh.]). Der Übergang zwischen dem nichtlebendigen Bereich ([Klassische] Physik, Chemie) und dem lebendigen Bereich (Biologie [und Organische Physik/Chemie]) ist noch immer nicht restlos geklärt - bedeutend sind dazu etwa die Überlegungen des Biochemikers Oparin zur Entstehung des Lebens (1924) oder das Urey-Miller-Experiment (1953), in welchem die Verhältnisse in einem Ur-Ozean simuliert wurden (es ist dabei die Rede von einer 'Ursuppe' [aus Wasser, Schwefelwasserstoff, Methan und Ammoniak]). Als bedeutendste Grundlage allen Lebens gelten organische Kohlenstoffverbindungen und v.a. Aminosäuren, welche die Proteine (Eiweisse) bilden. (Organische Chemie bzw. Biochemie ist im Wesentlichen die Chemie von Kohlenstoffverbindungen.)

Die biologische Klassifizierung besteht etwa aus den Kategorien: Domäne, Reich, Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung (und Art). In diese biologische Klassifizierung ist auch der Mensch eingegliedert.

Dies hört sich etwa wie folgt an (nur als Beispiel) - Klassifikation. Klasse: Lebewesen. - Domäne. Domäne: Eukaryoten (Lebewesen mit echtem Zellkern). Ohne Rang: Amorphea. Ohne Rang: Obazoa. Supergruppe: Opisthokonta (Schubgeissler). Ohne Rang: Holozoa. - Reich. Reich: Metozoa (Vielzellige Tiere). Ohne Rang: Gewebetiere. Ohne Rang: Zweiseitentiere. - Stamm. Stammgruppe: Neumünder. Überstamm: (bei Säugetieren nicht verwendet). Stamm: Chordatiere. Unterstamm: Wirbeltiere. - Klasse. Überklasse: Kiefermäuler. Reihe: Landwirbeltiere. Ohne Rang: Nabeltiere. Klasse: Säugetiere. Unterklasse: Höhere Säugetiere. - Ordnung. Überordnung: Euarchontoglires (auch: Supraprimates). Ordnung: Primaten. Unterordnung: Trockennasenaffen. Teilordnung: Altweltaffen. - Familie. Überfamilie: Menschenartige. Familie: Menschenaffen. Unterfamilie: Homininae. - Gattung. Tribus: Hominini. Gattung: Homo (Menschen). Art: Mensch (Homo sapiens).

Die besondere Verbindung zwischen Menschen und Affen war eigentlich schon früh in der Menschheitsgeschichte bekannt. So meinte etwa auch der bedeutende Mediziner Galen im 2. Jahrhundert, dass sich Menschen und Affen biologisch am Meisten ähneln. In der Klassifizierung von Linné war der Mensch bereits in das Tierreich eingegliedert. Umso mehr erstaunt der grosse Wirbel, welchen Darwin mit seiner Evolutionstheorie entfachte, in welchem er selber etwa satirisch als Affe dargestellt wurde. Interessant auch: Aristoteles meinte in seiner Psychologie, dass die menschliche Seele einen pflanzlichen, einen tierischen und einen spezifisch menschlichen Anteil besitze (im Gegensatz dazu stellte Mirandola, vermutlich noch beeinflusst von der mittelalterlichen christlichen Theologie, in der Renaissance die Conditio Humana speziell zwischen Gott und Tier heraus - es bleibt zu erwähnen, dass auch in der zweifachen Schöpfungsgeschichte der Bibel eine Art Evolution dargestellt ist [die Pflanzen am dritten, die Wasser- und Lufttiere am vierten, die Landtiere am fünften, die Menschen am sechsten Tag; auf die Bedeutung der zweiteiligen Schöpfungsgeschichte habe ich im Bereich der Religion schon hingewiesen]).

Die biologische Klassifizierung der Lebewesen reicht also etwa von den Einzellern über Mehrzeller, Pflanzen (d.h. Lebewesen, die Photosynthese* betreiben), Pilze (bilden eine eigene Kategorie nebst Pflanzen und Tieren), Schwämme (gehören zum Tierreich), Würmer, Fische, Insekten, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere bis zu den Menschen - inkl. Bakterien; einen Sonderfall bilden die Viren, da sie keinen eigenen Stoffwechsel und keinen eigenen Vervielfältigungsmechanismus besitzen - sie benötigen dazu eine fremde Wirtszelle. Virologen klassifizieren daher Viren nicht als Lebewesen, sondern bloss als dem Leben nahestehend. Für uns am Bedeutendsten sind natürlich die Pflanzen- und Tierarten.

* Photosynthese ist eine umgekehrte Atmung bzw. Atmung ist eine umgekehrte Photosynthese. Bei der Atmung (der Tiere und Menschen) wird Sauerstoff aufgenommen und Kohlenstoffdioxid abgegeben, bei der Photosynthese, welche in den Blättern der Pflanzen stattfindet, wird Kohlenstoffdioxid aufgenommen und Sauerstoff abgegeben. Mit Hilfe des Sonnelichts produzieren die Pflanzen aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Glucose (Traubenzucker), um damit Stärke zu erzeugen. Stärke ist eine der wichtigsten Stoffe des primären Stoffwechsels in pflanzlichen Zellen.

-> Tier- und Pflanzenbestimmung (ein paar Beispielwebsites): Bäume, Speisepilze, Vögel (mit Stimmen). [Weitere folgen.]

Die Mendelsche Vererbungslehre stammt von einem Priester, welcher in seinem Klostergarten Erbsen, Habichtskräuter und Bienen züchtete und kreuzte. Daraus zog Mendel die Grundgesetze der Vererbung. Bekannt für die Kreuzungsforschung wurde insbesondere auch die Drosophila-Fliege. Im späteren 20. Jahrhundert wurde die Gentechnologie zu einem bedeutenden Thema. Man spricht dabei etwa von Gen-Knockout (Ausschalten von Genen), Knock-in (Einschalten bzw. einbringen von Genen) oder Knock-down (Aktivität von Genen drosseln). Seit 1996 gibt es transgene Nutzpflanzen; im selben Jahr wurde auch die Klonung des Hausschafs Dolly bekannt gegeben*. Im Jahr 2007 wurde der erste Rhesusaffe geklont. Diskussionen darüber, wie bedeutend auch der Mensch in die gentechnische Forschung und Praxis einbezogen werden soll, sind heute im Gang und haben allgemein verstärkt zum Aufkommen der Ethikfrage in der Wissenschaft und deren Forschung und Technik geführt.

* Ein Transgen ist ein Gen, welches natürlicherweise bzw. durch Gentechnologie vom einen in einen anderen Organismus übertragen wird. Klonen bedeutet die Erzeugung eines oder mehrerer genetisch identischer Individuen von Lebewesen durch Kopie der DNA (Desoxyribonukleinsäure, d.i. ein bedeutendes Biomolekül in den Chromosomen des Erbguts, welches paarweise in einer verdrillten sogenannten Doppelhelix-Struktur geformt ist [Chromosomen sind komplexe Zellen auf welchen die Erbinformationen gespeichert sind]).

-> Mendelsche Regeln (muss man nicht zwingend kennen/wissen, aber vielleicht sollte man die Begriffe einmal gehört haben).

Die Darwinsche Evolutionstheorie behauptet, die biologischen Arten seien durch natürliche Selektion entstanden (gleichzeitig hatte der weniger bekannte Wallace die selbe Idee). Darwin meinte, die natürliche Selektion bestehe aus der bestmöglichen Anpassung an die Umwelt. Der Soziologe Spencer, welcher die Theorie von Darwin auf die menschliche Gesellschaft anwandte (Sozialdarwinismus*), sprach vom 'survival of the fittest' (also etwa: Überleben des/der Fittesten), ein Begriff, welchen Darwin selber später übernahm. Im Darwinschen Zusammenhang sind mit der biologischen Fitness nicht die Stärksten gemeint, sondern eben die Bestangepasstesten. Die Evolutionstheorie von Darwin setzte sich durch gegen die älteren Theorien von Maîllet (Panspermie [d.h. das Leben stammt von Samen im All]) oder Lamarck (Urzeugung [auch heute noch gegeben], Pflanzen und Tiere entwickeln sich unabhängig, keine gemeinsame Abstimmung aller Arten gegeben [auch Lamarck erwog dagegen bereits die biologische Abstammung des Menschen vom Affen]).

* In der Soziologie ist die Theorie des Sozialdarwinismus bzw. die Anwendung der biologischen Evolutionstheorie von Darwin auf den Menschen und dessen Gesellschaft umstritten. Einwände gegen eine solche Verbindung können etwa vom Gleichheits- und/oder Menschlichkeitskonzept abgeleitet werden (die Frage nach einer biologischen Relevanz bleibt allerdings bestehen).

Zehn bedeutendste Biologen (der Neuzeit und Moderne). Andreas Vesalius (1514-1564 [Anatomie]), William Harvey (1578-1657 [Entdeckung des Blutkreislaufs]), Antoni van Leeuwenhoek (1632-1723 [Mikrobiologie]), Robert Hooke (1635-1703 [Zelltheorie]), Carl von Linné (1707-1778), Charles [Robert] Darwin (1809-1882 [Evolutionstheorie (durch natürliche Selektion)]), Gregor [Johann] Mendel (1822-1884 [Vererbungslehre]), Thomas Hunt Morgan (1866-1945 [Bedeutung der Chromosomen]), Alexander Iwanowitsch Oparin (1894-1980 [Überlegungen zur Entstehung des Lebens]), Francis Crick (1916-2004 [Entdeckung der DNA (mit Watson)]).

Der Mensch besteht aus Körper (Spüren und Empfinden), Seele (Fühlen) und Geist (Denken bzw. Bewusstsein, Verstand und Vernunft). Der Biologie sind - nebst etwa der Biochemie - mehrere Wissenschaften, die im folgenden einzeln behandelt werden, mehr oder weniger stark angeschlossen, so etwa die Anatomie, die Medizin, die Psychologie, die Neurologie, die Trophologie, schliesslich auch etwa die Ökologie.

Die Anatomie ist die Lehre vom inneren Bau der Körper von Lebewesen (Organismen). Die bedeutendsten Organe im menschlichen Körper sind das Gehirn (Denken), das Herz (Pumpe im Blutkreislauf), die Lunge (Atmung), die Leber (Stoffwechsel), die Niere (Harnsystem), der Magen-Darm-Trakt (auch: Verdauungstrakt - Verdauungssystem), die Milz (Unterstützung des Blutkreislaufs), die Gallenblase (umgangssprachlich: Galle - Unterstützung des Verdauungssystems), die Geschlechtsorgane (Sexualität) und - nicht zu vergessen - die Sinnesorgane (fünf Sinne: Hören [Ohren], Riechen [Nase], Schmecken [Mund], Sehen [Augen], Tasten/Spüren [Haut - sie ist vielseitig und dient auch etwa der Abdichtung/Abgrenzung sowie der Unterstützung der Atmung [beim Menschen weniger als 1%; bei Tieren, speziell bei Amphibien, kann sie auch Wasser aufnehmen und abgeben]). Die Anatomie wurde als Wissenschaft erst im 16. Jahrhundert begründet, durch den flämischen Anatom und Chirurg Andreas Vesalius.

Die Medizin ist die Lehre von der Heilung erkrankter Organismen bzw. Organe und Funktionen und/oder die Lehre einer möglichst guten Gesundheit. Der antike griechische Arzt Hippokrates hat den hippokratischen oder medizinischen Eid begründet. Dieser begründet eine besonders hohe Ethik im Arztberuf, welcher etwa das Gebot umfasst, Patienten nicht zu schädigen, sowie auch die ärztliche Schweigepflicht. Der bekannteste Arzt im Mittelalter war Galen (auch: Galenos) - bedeutend war auch Avicenna im arabischen Raum. Die Pest war einer der Hauptgründe dafür, dass das mittelalterliche vom neuzeitlichen Weltbild abgelöst wurde. Als Schwarzer Tod wird eine der schlimmsten Pandemien der Weltgeschichte bezeichnet, die in Europa zwischen 1346 und 1353 rund 25 Millionen Todesopfer forderte - ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas. Mit der neuzeitlichen Wissenschaft hat sich auch die Medizin stark weiterentwickelt. Sehr wichtig war dabei die Verbesserung der Hygiene* (u.a. durch Semmelweis [im 19. Jahrhundert]). Berühmt geworden sind Florence Nightingale als Pionierin der modernen westlichen Krankenpflege (ebenfalls im 19. Jahrhundert) oder Albert Schweitzer als Urwaldarzt und Symbol dafür, dass die Wissenschaft der Medizin auch in ärmeren Weltgegenden eingeführt werden soll (im 20. Jahrhundert).

* Exkurs: Müll- und Abwasserentsorgung. Die Hygiene war allgemein bis ins 19. Jahrhundert sehr schlecht - dies zeigt sich auch etwa an der Müll- und Abwasserentsorgung. Wien war im Jahr 1739 die erste Stadt Europas, welche eine vollständige Kanalisation zur Entsorgung des Abwassers besass. In London dagegen etwa wurde mit dem Bau einer Kanalisation erst 1842 begonnen. Die erste Kläranlage wurde 1882 in Frankfurt am Main begründet. Um die hygienischen Verhältnisse in Paris zu verbessern erliess der Präfekt Eugène Poubelle 1883 ein Dekret, welches die Hauseigentümer verpflichtete, den Mietern Mülleimer zur Verfügung zu stellen. In der französischen Sprache wurde fortan sein Name für den Begriff des Mülleimers verwendet (poubelle). Bis zum 16. Jahrhundert wurden sämtliche Abfälle in Paris einfach auf die Strasse geworfen.

Die Psychologie ist die Lehre von der menschlichen Seele und ihren Zuständen - sie ist aus der Medizin heraus entstanden (in ihrer Weiterentwicklung nahm sie jedoch eine Zwischenstellung zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften ein). Die Psychologie ist eine uralte Diszipin, welche etwa schon bei Platon und Aristoteles eine gewisse Rolle spielte. Während in der Antike v.a. von der Seele die Rede war, sprach man im Mittelalter eher vom Geist (wenngleich der Christus Jesus meinte, dass der Mensch die Seele nicht auslösen könne). In der Neuzeit kam die Rede vom Leib-Seele-Dualismus/-Problem* auf. Bedeutende Richtungen der neueren Psychologie sind die Tiefenpsychologie (Freud [Begründer der Psychotherapie], Jung), der Behaviorismus (Watson, Skinner) oder die Gestalttherapie (Perls, Goodman) - spezifisch für die Psychiatrie sind Namen wie Cullen (Neurose), Canstatt (Psychose), Kraepelin (Psychopharmakologie) oder Bleuler (Schizophrenie) sowie Szasz (Antipsychiatrie) zu nennen. Heute reicht die Psychologie in fast alle Bereiche hinein, welche das menschliche Leben betreffen. Die Psychologie als Wissenschaft steht zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften.

* Exkurs: Leib-Seele-Problem. In der neuzeitlichen Wissenschaft ging es erst eigentlich eher darum, die Seele auszuschalten (spezifisch etwa bei Bacon oder Descartes [Subjekt-Objekt-Scheidung, auch: Leib-Seele-Dualismus, auch: Geist-Körper-Dualismus - in der Philosophie wurden die Begriffe von Seele und Geist immer wieder ein bisschen durcheinander gebracht - auch: Seele verstanden als denkendes Ding (res cogitans)] oder De La Mettrie [Mensch als Maschine]). Als frühe psychologische Schriftsteller und Philosophen werden u.a. etwa Carus (Geschichte der Psychologie), Schopenhauer (Leiden, Willen), Kierkegaard (Angst, Existenz), Fechner (Psychophysik), Marx (Entfremdung), Dostojewski (Irrationales), Hartmann (Unbewusstes) oder Nietzsche ('Es') bezeichnet. Der Anthroposoph Steiner vertrat - wie etwa Pestalozzi zuvor (Kopf, Herz, Hand) - die Dreifaltigkeit des Menschen: Körper, Seele, Geist (was offenbar einer alten religiösen Ansicht entspricht).

Die Neurologie ist die Wissenschaft vom Nervensystem (sowie dessen Gehirn). Begründet wurde dieses Gebiet als neurologische Anatomie vom Anatomen Willis (im 17. Jahrhundert). Statt von der Neurologie wird heute oft von den Neurowissenschaften gesprochen, da die Unterdisziplinen verschiedene andere Wissenschaften tangieren, so etwa: Neurobiologie, Neurophysiologie, Neuropsychologie oder Neuropsychiatrie. Die Neurowissenschaften gehören derzeit zu den trendigsten Wissenschaften, welche auch die heutige Philosophie beeinflusst (insbesondere in der Philosophie des Geistes und des Bewusstseins). Von grosser Bedeutung war u.a. die Einsicht, dass bei Nervenaktionen sowohl physikalische (elektrische) wie auch chemische Faktoren beteiligt sind. Ins Zentrum des Interesses rückten im 20. Jahrhundert die sogenannten Neurotransmitter: Botenstoffe, die an chemischen Synapsen die Erregung von einer Nervenzelle auf andere Zellen übertragen. Eine weitere sehr bedeutende Disziplin der Neurologie ist die Hirnforschung.

Die Trophologie (oder: Ökotrophologie) ist die Lehre von der guten und richtigen Ernährung (allgemein und auch bezüglich spezieller Ernährung bei bestimmten Krankheiten). Als Hauptstoffe der Nahrung gelten Kohlenhydrate, Eiweisse (auch: Proteine) und Fette. Experten empfehlen für die Gesundheit eine ausgewogene Ernährung (sowie ausreichend Bewegung und einen gesunden Schlaf).

Die Ökologie ist die Lehre von Natur- und Umweltsystemen - sie ist aus der Biologie heraus entstanden* und ist - wenn wir die heutigen Probleme und Aussagen der Wissenschaft betrachten - vermutlich (nach meiner Philosophie zusammen mit der Soziologie) als bedeutendste und richtunggebendste Naturwissenschaft der Zukunft zu betrachten. Die Ökologie ist die erste Naturwissenschaft, die nicht primär auf einen technischen Fortschritt zielt, sondern auf die Erhaltung des Gegebenen - trotzdem spielt natürlich auch der technische Fortschritt in der Ökologie eine bedeutende und entscheidende Rolle. Im Vordergrund stehen dabei alternative Energieträger bzw. -gewinnung wie die Wasserkraft, die Windenergie, die Erdwärme, die Solarenergie oder die durch Gezeiten gewonnene Energie.

* Exkurs: Entwicklung der Ökologie. Eine neue Einstellung zur Natur begann sich bereits in der Kunst der Renaissance zu entwickeln (mit der Schäferdichtung [1504 - Jacopo Sannazaro: "Arcadia"] und der Landschaftsmalerei [1522 - Albrecht Altdorfer: "Donaulandschaft mit Schloss Wörth"]). Der Ökonom Carlowitz verwendete in seinem Hauptwerk zur Forstwirtschaft 1713 erstmals den Begriff der Nachhaltigkeit. Im 19. Jahrhundert sind die Bewegungen der Naturheilkunde und des Naturschutzes (Perkins Marsh, Thoreau - ferner: Leopold [20. Jahrhundert]) zu erwähnen. Im Jahr 1866 prägte der Biologe Haeckel in seinem Hauptwerk den Begriff der Ökologie***. Bereits ab 1935 begann sich die Ökologie als Wissenschaft zu etablieren (Tansley, Odum - Vorläufer: Warming [im 19. Jahrhundert]). Wesentlich zur gesteigerten Bedeutung der Ökologie haben die Ökokatastrophen des 20. Jahrhunderts beigetragen (Great Smog 1952, Seveso 1976, Harrisburg 1979, Bhopal 1984, Tschernobyl 1986 - all diese Katastrophen haben zur wachsenden Einsicht darüber geführt, dass die Technik für die Menschheit nicht nur ein Segen ist, sondern auch eine steigende Gefahr**). Aufsehenerregend war The Limits to Growth (dt. Grenzen des Wachstums), ein Bericht des Clubs of Rome von Meadows (1972). In den 1980-er fand eine bedeutendere Politisierung der Umweltbewegung statt. In den 2000-er Jahren trat das Klimaproblem in den Vordergrund der Diskussion (globale Erwärmung, vermutlich durch menschliche Einwirkung verursacht).

** Dagegen behaupten Trans- und Posthumanisten, dass die heutige Technikkritik übertrieben sei und viel bedeutender dagegen die zunehmende Verbindung von Mensch und Technik:

-> Jason Silva: Are We Already Cyborgs? (Mein Gedanke zu dieser Behauptung, ist dieser: dass der Mensch solange Mensch bleibt, als er eine menschliche Seele oder sogar bloss ein menschliches Seelenfünklein besitzt. Das heisst: die Verbindung von Mensch und Roboter ist letztlich bloss eine Phantasie. Der Mensch bleibt - selbst, wenn er sich selber technologisiert - Mensch [weil der Mensch die Seele nicht auslösen kann (wie Jesus Christus sagte)]. Zur Science-Fiction-Terminologie: Roboter sind Maschinen, die dem Menschen dazu dienen, häufig wiederkehrende mechanische Arbeit abzunehmen, Androiden sind Roboter, die menschenähnlich aussehen, Cyborgs sind Mischwesen aus lebendigem Wesen und Maschinenwesen bzw. aus Mensch und Roboter.)

*** «Unter Oecologie verstehen wir die gesammte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Aussenwelt, wohin wir im weiteren Sinne alle 'Existenz-Bedingungen' rechnen können. Diese sind theils organischer, theils anorganischer Natur; sowohl diese als jene sind, wie wir vorher gezeigt haben, von der grössten Bedeutung für die Form der Organismen, weil sie dieselbe zwingen, sich ihnen anzupassen.» Dies schrieb Haeckel sieben Jahre nach der Erscheinung von Darwins Hauptwerk, welches hier offenbar einen grossen Eindruck hinterlassen hatte (bzw. direkt verantwortlich war für die Begründung der Ökologie als Wissenschaft).


-> Greta Thunberg's speech at UK climate strike (2020). (Die schwedische Schülerin wurde 2019 mit ihrer Bewegung Fridays for Future zum globalen Aushängeschild der Umweltbewegung.)

Anmerkung: die Jahre 2019 und 2020 waren sehr kontrovers. 2019 war das Jahr der Umweltproteste (bzw. der Proteste gegen die scheinbar zunehmende Problematik der Umweltgefährdung), 2020 das Jahr der Coronaproteste (bzw. der Proteste gegen die Coronamassnahmen der Regierungen). Umwelt- und Naturkatastrophen stehen vielleicht in einem engeren Zusammenhang als wir denken, und doch sind es zwei Seiten der selben Sache. Grundsätzlich geht es hier um Bildung und klare Inhalte - in Sachen Ökologie ist aber durchaus heute ein bisschen Kontroverse auch gegeben.

-> Aktuell: Pandemieproblem. Hier sollte eigentlich ein Link sein zu einem hervorragenden Film über das Pandemieproblem, leider aber ist er nirgends im Web (kostenlos) zu sehen: Unseen Enemy (dt. Viren - die unsichtbaren Feinde - USA, BRA, KPU, CHN, CON, D, LIBR, SL, SIN, CH, THAI, GB 2017 - Regie: Janet Tobias [Trailer]). Hier gibt es einige zentrale Aussagen aus diesem Film (u.v.a.). Peter Piot (Belgischer Mikrobiologe): «Ob es uns gefällt oder nicht: unsere Welt wird immer globalisierter werden - nicht nur Finanzmärkte und Wirtschaft, auch Krankheiten. Unsere Mobilität macht uns verwundbar. Immer mehr Menschen leben auf der Erde in immer volleren Städten. Ideale Voraussetzungen für Viren. Im Nu sind hunderttausende Menschen infiziert. [...] Wir haben es alle unterschätzt - alle. Jetzt weiss ich, dass bereits ein Ebola-Fall den Ernstfall bedeutet. Jeder neue Fall lässt die Zahlen immens steigen. Die Devise ist: sofort handeln oder später bezahlen. [...] Der Schlüssel, um eine Epidemie zu stoppen, ist das Übertragungsrisiko genau zu kennen.» - Larry Brilliant (US-amerikanischer Epidemologe): «In den letzten drei Jahrzehnten haben sich rund 30 neue Krankheiten mit dem Potenzial einer Pandemie entwickelt. Wenn wir nichts unternehmen ist die Frage nicht, ob es dazu kommen wird, sondern nur noch: welcher Virus, wann und wie schlimm es wird.» - Heidi Larson (US-amerikanische Anthropologin): «Falsche Informationen können die Verbreitung einer Krankheit verstärken.» - George Gao (Chinesischer Virologe und Immunologe): «Wenn wir den Neu- und Wiederausbruch von Viren verhindern wollen sind drei Dinge wichtig: eine frühe Identifizierung, präzise Diagnose und sofortiges Handeln.» - Sprecher und Sprecherinnen (nicht deklariert): «Man kann definitiv zu spät handeln. [...] Immer wenn eine Infektionskrankheit so richtig zuschlägt, müssen unsägliche Entscheidungen getroffen werden, die die Freiheit und die Rechte einer Gesellschaft einschränken. [...] Das 21. Jahrhundert lässt sich als die Zeit des Wettlaufs zwischen Gefahren und Vorteilen der Modernisierung definieren. Unsere einzige Chance, zu gewinnen, ist die Methoden des 21. Jahrhunderts gegen die Epidemien zu nutzen und sie in idealer Weise durch Impfungen zu verhindern. [...] Bessere Diagnosen sind wichtig, um zu verhindern, dass aus Ausbrüchen Epidemien werden. Gerade die Grippe wird oft falsch diagnostiziert. Auch Ebola und Zika wurden zu Beginn oft mit anderen Krankheiten verwechselt, dabei ging wertvolle Zeit für die Eindämmung des Virus verloren.»


Ebenfalls eher im naturwissenschaftlichen angesiedelt werden ferner etwa die Geografie und die spezifischen Technikwissenschaften (auch: die Ingenieurwissenschaften - wie etwa Agrartechnik, Maschinentechnik, Elektrotechnik und andere).





Über die Unterscheidung von Natur- und Geisteswissenschaften. Bevor wir zu den Geisteswissenschaften kommen, müssen wir erklären, warum diese überhaupt als Wissenschaften gelten. Denn selbstverständlich ist das nicht. Die ursprüngliche Wissenschaftstheorie (Bacon, Descartes) war vollkommen auf die Naturwissenschaften ausgerichtet (wie sie sich aus der Astronomie und der Physik heraus entwickelt haben). Diese haben sich in der Neuzeit auch zuerst als Wissenschaften konstituiert, während dies bei den Geisteswissenschaften eigentlich erst in der Zeit der Aufklärung der Fall war. Gelehrt wurden einzelne geisteswissenschaftliche Disziplinen freilich schon immer - auch im Mittelalter und in der Antike. Aristoteles machte die grundsätzliche Unterscheidung zwischen theoretischer Philosophie (etwa Physik, Biologie - Metaphysik, Logik) und praktischer Philosophie (etwa Staats-/Politik- und Rechtsphilosophie, Ethik), daraus sind die heutigen Natur- und Geisteswissenschaften entstanden* (ich spreche von Natur-, Technik- und Ökowissenschaften sowie von Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften). Diese Unterscheidung ist bis heute relevant**. In der Philosophie selber hat diese Differenzierung eigentlich - seltsamerweise - keine allzu bedeutende Rolle mehr gespielt, in den Wissenschaften aber ist sie sehr bedeutend geworden.

* Wir können feststellen, dass die Relevanz der klassisch-wissenschaftstheoretischen Faktoren wie Subjekt-Objekt-Scheidung, Experiment oder Mathematik vom nicht-lebendigen zum lebendigen und menschlichen Bereich hin abnehmen. Oder anders gesagt: ein Mensch ist weniger gut berechenbar als ein Stein (das ist irgendwie sehr logisch, aber man muss es sagen, denn für die reine Wissenschaft ist das - ohne Unterscheidung - nicht unbedingt logisch). Das heisst: die Wissenschaftstheorie für die Geisteswissenschaft kann nicht genau dieselbe sein wie für die Naturwissenschaften. Dieses Faktum hat mit der Entwicklung der Geisteswissenschaften - und insbesondere etwa der (Tiefen-) Psychologie und der Soziologie - einige Verwirrung in die Wissenschaftstheorie gebracht (weil meist oder oft diese Unterscheidung nicht gemacht wird).

** Wieso ist diese Differenzierung überhaupt so wichtig? Das ist ganz leicht zu erklären: der Grund liegt darin, dass es einen wesentlichen Unterschied in der Grundausrichtung der Wissenschaften gibt: die Naturwissenschaften zielen auf das Ursache-Wirkungs-Prinzip, die Geisteswissenschaften dagegen auf das Grund-Folge-Prinzip. Die Naturwissenschaften suchen Kausalitäten in der Vergangenheit, um die Gegenwart zu erklären, die Geisteswissenschaften suchen aus heutigen Gründen heraus Zwecke in der Zukunft, um auf diese zu verweisen (zumindest sollten sie dies tun). Daher haben auch die Naturwissenschaften eine realistische (bzw. theoretisch-realistische) Referenz, während die Geisteswissenschaften eine idealistische (bzw. praktisch-idealistische*) Referenz haben sollten. Die Naturwissenschaften fragen: was ist, und warum es so ist, während die Geisteswissenschaften fragen: was sein soll, und wie wir dies erreichen können





Die Geisteswissenschaften. Zu verschiedenen Zeiten war die Gewichtung bzw. Wichtigkeit der geisteswissenschaftlichen Disziplinen unterschiedlich. In der griechischen Antike lag das Augenmerk auf der Geschichte (allerdings mit blosser Geschichtsschreibung [und eher bis gar nicht vergleichender Wissenschaft]) und v.a. auf der Staats-/Politikphilosophie (bei Platon und Aristoteles - dieser interessierte sich ebenfalls etwa für die Poetik und die Rhetorik), in der römischen Antike nahm die Rechtsphilosophie die bedeutendste Stellung ein (das moderne Recht ist auf dem Römischen Recht aufgebaut - zu nennen ist aber v.a. auch Cicero, welcher die politische Philosophie weiterführte). Die heutigen Geisteswissenschaften sind jedoch weitgehend erst im 18. Jahrhundert - mit und nach der Zeit der Aufklärung - entstanden. Nach mir zählen alle Wissenschaften zu den Geisteswissenschaften, die nicht bei den Naturwissenschaften eingeordnet werden können (ausser der Theologie und der Philosophie, die ich als eigenständige Wissenschaftssektoren sehe - Mathematik und Linguistik [im Sinn von Sprachwissenschaften] würde ich als Hilfswissenschaften bezeichnen), ebenso die Informatik und die Archäologie. Dazu zählen etwa die Sozialwissenschaft (Soziologie [für mich die bedeutendste Richtungsdisziplin innerhalb der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften]), die Politikwissenschaft (Politologie), die Wirtschaftswissenschaft (Ökonomie, früher: Nationalökonomie), die Rechtswissenschaft (Jurisprudenz), die Geschichtswissenschaft (Geschichte) sowie die Pädagogik, die verschiedenen Kunst- und Kulturwissenschaften, die Medienwissenschaft (ferner auch Teile der Psychologie, welche sowohl den Natur- wie auch den Geisteswissenschaften zugerechnet werden kann [je nachdem, ob sie eher einem anatomisch-physiologischen oder eher einem philosophischen Bezug folgt; man spricht in der Psychologie oft auch von Psychosomatik: das ist die Verbindung der beiden Bereiche]). Die Ökonomie ist übrigens ganz klar eine Geisteswissenschaft (sie hat sich aus der Moralphilosophie heraus entwickelt - ich spreche nicht von der praktischen Wirtschaft, sondern von der Ökonomie als Wirtschaftswissenschaft, welche allerdings das heutige ökonomische Denken hervorgebracht bzw. bedeutend unterstützt hat, insbesondere den Wirtschaftsliberalismus und die Marktwirtschaft]).

Entwicklung der Geisteswissenschaften* (Moderne). Im kurzen Zeitalter der Renaissance (zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit) entstand die Idee, dass der Mensch im Zentrum des Weltgeschehens steht (damit wurde der alte Humanismus aufgenommen, wie ihn Protagoras vor der Zeit der Klassik formuliert: der Mensch ist das Mass aller Dinge). Dies führte zur Begründung der neuzeitlichen und modernen Naturwissenschaft(en). Geisteswissenschaftlich interessierte im 17. Jahrhundert zuerst einmal die Politik (Althusius) und die Pädagogik (Comenius), wobei das politische Interesse (ein halbes Jahrhundert vor der Geburt des französischen Sonnenkönigs Louis XIV.) noch nicht im Vordergrund stand (in Europa herrschten die Könige, und daher war es nicht angebracht, eine Wissenschaft der Politik zu betreiben, welche andere Dinge behaupten könnte als das, was die Könige wollten). Die Pädagogik stellte sich zunehmend die Frage, wie man Erziehungsfragen vom Interesse des Kindes her beurteilen kann (v.a. bei der späteren Reformpädagogik [Rousseau, Montessori, Piaget (bei diesen Pädagogen hat das Kind im Gegensatz zur früheren Pädagogik bereits einen deutlichen Eigenwert)]). Im Zeitalter der Aufklärung kam im 18. Jahrhundert die grosse Neuorientierung der Geisteswissenschaften. Die staatstheoretischen Erwägungen von Montesquieu, Voltaire und Rousseau führten zur Französischen Bürgerrevolution gegen den damals in Europa noch immer vorherrschenden Absolutismus. Der Liberalismus brachte Toleranzgedanken - v.a. zuerst einmal im religiösen Bereich (zuvor initiiert bei Locke, welcher als bedeutender Voraufklärer gilt) - sowie eine Konzentration auf die Ökonomie (Smith). Die moderne, freiheitliche Gesellschaft war herausgefordert, eine eigenständige Politik und Ökonomie zu begründen. Man kann diese Zeit sicher als (erste) Hochblüte von geisteswissenschaftlichen Überlegungen betrachten (auch etwa Pestalozzi und seine Begründung der Volksschule oder Fröbel und dessen Begründung des Kindergartens [vormals: Kinderbewahranstalten] gehören in diese Zeit).

* Ich verwende hier (und auch im übrigen Teil des Textes) vereinfachend den Begriff der Geisteswissenschaft im alten und allgemeinen Sinn bzw. im Gegensatz zu den Naturwissenschaften, wie Aristoteles diese Differenzierung begriff, heute ordnet man gewisse Wissenschaften eher den Kultur- oder Sozialwissenschaften zu, daher sollte man eigentlich immer von Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sprechen (oder analog: von Natur-, Technik- und Ökowissenschaften).

Im 19. Jahrhundert folgte die Kapitalismuskritik der Sozialisten (Saint-Simon, Marx) und die Begründung der Soziologie als Wissenschaft (Comte), im 20. Jahrhundert die Begründung von neuen Geisteswissenschaften, wie der eigentlichen Politikwissenschaft sowie der Medienwissenschaft. Das 20. Jahrhundert war einerseits geprägt von der Akzentuierung verschiedener Befreiungsbewegungen innerhalb der modernen Gesellschaft, andererseits aber auch von einer starken und schwierigen Kulturkritik in der Philosophie (Kritische Theorie, Poststrukturalismus sowie auch Existentialismus [der Aufklärer Kant hatte sein Zeitalter schon als das kritische bezeichnet und der Nihilist Nietzsche schon als Entwerter und/oder Umwerter aller kulturellen und moralischen Werte - Voltaire, Schopenhauer, Marx und Nietzsche (u.a.) können als bedeutendste Vorläufer der Kulturkritik des 20. Jahrhunderts genannt werden, welche offenbar immer nach einer grossen Zeit der Klassik kommt (vgl. Skeptizismus in der Antike oder Canterbury und Abaelardus im Mittelalter)]). Der Ausgang dieser sehr umfassenden Kulturkritik der Neuzeit und ihrer Moderne - mit Namen wie Voltaire, Nietzsche, Freud, Heidegger, Lacan, Orwell, Sartre, Beckett, De Beauvoir, Frisch, Camus, Flusser, Dürrenmatt, Lyotard, Baudrillard, Derrida (u.v.a.) - ist noch immer offen. Wie kann/soll sie integriert werden in ein zukünftiges Menschen- und Gesellschaftsbild? Wir leben heute in einem immer ambivalenteren Zeitalter zwei grundverschiedener Strömungen (Positivismus der [Natur-] Wissenschaft [Utopie - zurückgehend auf Bacon und Comte], Negativität der Kulturkritik [Dystopie]).


Wie schon gesagt, gibt es bei den Geisteswissenschaften eine weniger genaue Ordnung als bei den Naturwissenschaften, daher kann auch die Reihenfolge bei der Besprechung der einzelnen Disziplinen beliebig gewählt werden. Ich beginne die Ordnung der Geisteswissenschaften mit der Soziologie, der Politologie und der Ökonomie (ebenso liessen sich aber auch die Politologie oder die Ökonomie vorziehen - oder [fast] jede andere Geisteswissenschaft).


Die Gesellschaftswissenschaft (Soziologie) behandelt das soziologische (gesellschaftliche) System und Handeln. Die Wissenschaft der Soziologie werde sich erst richtig entwickeln, wenn alle anderen Wissenschaften schon hoch entwickelt seien, meinte deren Begründer Auguste Comte (im 19. Jahrhundert). Und es scheint, als hätte er damit recht gehabt (die allermeisten heutigen Menschen wissen vermutlich nicht einmal, dass es überhaupt eine Wissenschaft der Soziologie gibt) - die Menschen scheinen sich zuerst für alles andere zu interessieren und zuletzt erst für ihre eigene Gesellschaft. Im Zentrum des Begriffs der Gesellschaft* steht wohl die Zusammengehörigkeit (einer bestimmten bzw. grösseren Gruppe von Menschen [grösser als die Familie - heute spricht man meistens von Gesellschaften innerhalb eines bestimmten Staatsgebietes, d.h. politischen Gesellschaften, aber auch kulturell verwandten Gesellschaften, z.B. von der westlichen Gesellschaft (der Begriff kann aber eigentlich für jede grössere zusammengehörige Gruppe verwendet werden)]). In der Wissenschaft der Soziologie ist von einer verwissenschaftlichten, objektiven (Welt-) Gesellschaft die Rede, insofern es eine solche überhaupt geben kann. Wir können uns quasi eine platonische Idee von der Gesellschaft darunter vorstellen, und die Frage danach, wie die Gesellschaft bzw. eine sich selber konstituierende Gesellschaft sein soll, aber natürlich auch die ganze, grosse und breite Diskussion um die Themenbereiche, welche den Begriff der Gesellschaft realiter und idealiter betreffen. Wir sehen: die Sache der Gesellschaft ist relativ schwierig zu fassen, und das ist nicht untypisch für die Geisteswissenschaften allgemein (ich versuche es, so einfach wie möglich zu halten).

* Man könnte meinen, dass der Begriff der Gesellschaft wohl etwa bei den früheren Sozialisten und den frühen sozialen Siedlungen aufgekommen ist (Fuggerei 1521, New Harmony 1825). Indessen könnte der Begriff auch aus der Politik und der Wirtschaft stammen, denn hier ist ja auch von Gesellschaften die Rede (engl. associations - so sprechen wir etwa von der Aktiengesellschaft). Nebst dem Begriff der Gesellschaft gibt es etwa die verwandten Begriffe der Gemeinschaft und der Genossenschaft.

Die Soziologie kann insofern als oberste Geisteswissenschaft gesehen werden, als dass sie andere Geisteswissenschaften wie die Politologie oder die Ökonomie beinhaltet (natürlich auch etwa die Rechts-, Sprach- oder Geschichtswissenschaft: eine Gesellschaft macht ihr Recht, sie spricht ihre Sprache[n] und sie hat ihre Geschichte[n]). In der Naturwissenschaft gibt es schon längstens auch eine Pflanzen- und eine Tiersoziologie: diese können aber ganz eindeutig der Naturwissenschaft zugeordnet werden, was zeigt, dass es in den Geisteswissenschaften vorwiegend um den Menschen und wiederum vorwiegend um den geistigen Menschen geht. Nach Comte ist die Soziologie die komplexeste Wissenschaft; er sieht einen sechsfachen Aufbau der Wissenschaften (Mathematik, Astronomie, Physik, Chemie, Biologie, Soziologie), welcher zeigt, dass er unter der Soziologie allgemein die Geisteswissenschaften zusammenfasste. Weiter stand Comte ein für das Wirken der Frauen in der Gesellschaft und v.a. für den Positivismus, welcher einen dreifachen Aufbau der Bereiche Religion, Philosophie und Wissenschaft behauptet. Hier also steht am Ende die Wissenschaft der Soziologie über der Philosophie und der Religion. Als Sekretär von Henri de Saint-Simon war Comte direkt mit dem utopischen Frühsozialismus verbunden, ohne diesen jedoch später zu vertreten. Sein Schluss aus der sozialistischen Idee war eben vielmehr die Begründung der Soziologie als Wissenschaft.

Die ideologische Kontroverse zwischen Marx und Spencer im 19. Jahrhundert zeigt ein grosses Problem der Soziologie und der Geisteswissenschaften überhaupt: ihre Anfälligkeit für ideologische Ansichten und Verfälschungen aller Arten und Weisen. Während Marx den Sozialismus zum Kommunismus erweiterte (und Rodbertus den Staatssozialismus begründete), übertrug Spencer die Theorie von Darwin auf die menschliche Gesellschaft (Sozialdarwinismus). Daraus entstanden die Ideen von einer (theoretischerweise - nach sozialistischen Kriterien) vollkommen sozialen und vollkommen unsozialen Gesellschaft - beides im Namen und/oder Umfeld der Soziologie (während Spencer tatsächlich Soziologe war, gilt Marx als Ökonom). Demgegenüber versuchte Durkheim die Soziologie mit einer Studie über Selbsttötung auf eine wissenschaftliche und empirische Schiene zu bringen. Sein Gesellschaftsmodell war getragen von der Arbeitsteilung, welche er als organische Solidarität interpretierte (die gemeinsamen Ansichten würden dagegen langsam in den Hintergrund treten).

Während viele Soziologen Themen diskutieren, die sie als besonders bedeutend in einem soziologischen Zusammenhang betrachten, stechen Georg Simmel und Talcott Parsons hervor, wenn es darum geht eine wirklich wissenschaftliche Ansicht der Soziologie zu begründen. Simmel versuchte eine formale Soziologie zu begründen, welche er als reine Soziologie und exakte Wissenschaft verstand, wobei er von Formen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens ausging, die zu allen Zeiten und in allen Kulturen bestehen. Was Soziologie nun für Simmel ist, das ist die Analyse von beobachtbaren sozialen Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen den Individuen einer Gesellschaft. Parsons setzte sich dagegen v.a. mit den Institutionen auseinander und sah diese als bedeutend zum Erhalt der sozialen Ordnung. Seine strukturfunktionalistische Systemtheorie versteht sich als soziologische Universaltheorie, welche für alle Formen von Sozialität gilt. Nach dieser Theorie müssen alle sozialen Systeme vier elementare Funktionen erfüllen: Anpassung (Adaption), Zielerreichung, Integration und Strukturerhaltung. Dieser systemischen Auffassung gegenüber hatte wiederum Mead zuvor die Identität ins Zentrum seiner soziologischen Überlegungen gestellt. Bedeutend sind auch etwa die Untersuchungen des Zusammenhangs zwischen der christlichen Religion und dem Kapitalismus (Weber) sowie der Naturwissenschaft (Merton).

Wie gesagt: die Soziologie und die Geisteswissenschaften stecken eben allgemein voller Wechselwirkungen und -überlegungen. Dies soll sie weder ab- noch aufwerten. Es ist halt eben so. Aus diesen ganzen Kontroverson* eine Soziologie als Wissenschaft herauszulesen, das ist eine der bedeutendsten Aufgaben von Soziologen und Soziologinnen.

* Da es bei der Geisteswissenschaft immer um das Menschliche geht, steckt der Mensch hier anders als in der Naturwissenschaft selber - d.h. mit seiner eigenen und ganzen Person - mitten drin im Geschehen. In der Naturwissenschaft wird eine Subjekt-Objekt-Scheidung behauptet, welche in der Geisteswissenschaft so strikt nicht zu halten ist. Für die Soziologie gilt: jeder Forschende ist Teil der Gesellschaft, d.h. er nimmt einen ganz bestimmten Platz in der Gesellschaft ein und tätigt seine Überlegungen von diesem Ort aus. Wie sehr er sich auch Mühe gibt für eine objektive Sichtweise, ganz ist das Persönliche und Subjektive in der Geisteswissenschaft nicht auszuschalten (auch hier: vielleicht stellt sich diese Frage sogar auch in den Naturwissenschaften, in den Geisteswissenschaften sicher aber bedeutender).

Einer der bedeutendsten Soziologen des 20. Jahrhunderts ist Jürgen Habermas, dessen Diskursethik und -theorie (zusammen mit Apel) als Versuch bewertet werden kann, den Diskurs in der Wissenschaft und Gesellschaft zu verwissenschaftlichen (ebenfalls kein unkontroverses Thema). Zu erwähnen ist auch etwa Richard Sennett, welcher mit seiner Kontroverse vom Verschwinden des öffentlichen Menschen irgendwie an Durkheim erinnert. Interessant - u.v.a. - ist sicher auch der Begriff der flüchtigen Moderne von Zygmunt Bauman, welcher auch das Problem der Migration behandelte (er sieht auch zeitgeschichtlich eine Verabschiedung von einer ersten Phase der Moderne [was die Auffassung, dass wir heute zwischen der Moderne und einer Postmoderne stehen, wie sie in der Kunst und in der Philosophie geäussert wurde, bestätigt - ich bezeichne die heutige Zeit als Spätmoderne]). Die erste Adresse, wenn es in der Soziologie um die globale Industrialisierung und das Umweltproblem geht, ist Anthony Giddens. Das 20. Jahrhundert* verlief in der Soziologie sehr lebhaft, und man kann sagen, dass diese sich mittlerweilen im Reigen der Wissenschaften bedeutend etabliert hat.

* Weitere bedeutende und bekannte Namen der Soziologie des 20./21. Jahrhunderts sind etwa (alphabetisch): Adorno, Alexander, Anderson, Appadurai, Bataille, Baudrillard, Beck, Becker, Bourdieu, Butler, Caillois, Castells, Cooley, Du Bois, Elias, Ellwood, Etzioni, Foucault, Fromm, Garfinkel, Gehlen, Goffman, Gramsci, Hall, Horkheimer, Koigen, Kracauer, Latour, Lefebvre, Lévi-Strauss, Luhmann, Malinowksi, Mannheim, Marcuse, Mayo, Mead (Margaret), Merton, Michels, Müller-Armack, Negt, Neurath, Ortega y Gasset, Pareto, Plessner, Putnam (R.D.), Robertson, Rosa, Rüstow, Sassen, Scheler, Tönnies, Topitsch, Touraine, Townsend, Veblen, Wallerstein, Welzer, Willis, Ziegler, Zukin.

Zehn bedeutendste Soziologen: Auguste Comte (1798-1857 [Positivismus]), Herbert Spencer (1820–1903 [Sozialdarwinismus]), Gustave Le Bon (1841-1931 [Massenpsychologie]), Émile Durkheim (1858–1917 [Empirische Soziologie]), Georg Simmel (1858–1918 [Formale Soziologie]), Max Weber (1864–1920 [Protestantismus und Kapitalismus]), George Herbert Mead (1863–1931 [Identität]), Talcott Parsons (1902-1979 [Strukturfunktionalismus, Soziologische Systemtheorie]), C[harles]. Wright Mills (1916–1962 [Macht, Elite]), Daniel Bell (1919-2011 [Postindustrielle Gesellschaft]).


Die Politikwissenschaft (Politologie) behandelt das politische System und Handeln in der menschlichen Gesellschaft. Grundlegend war in der Antike v.a. die Grundordnung des Systems bzw. die eigentliche Staatsform. Platon schlug zuerst Philosophenkönige vor, korrigierte sich dann aber selber auf eine Regierung durch (gerechte) Gesetze. Aristoteles unterschied zwischen fünf unterschiedlichen Formen: Monarchie (Anzahl der Herrscher: einer, altruistisch [dem Gemeinwohl dienend]), Aristokratie (einige, altruistisch), Politie (alle, altruistisch), Tyrannis (einer, egoistisch [dem Eigennutz dienend]), Oligarchie (einige, egoistisch), Demokratie (alle, egoistisch). Die Politie bezeichnete Aristoteles an anderer Stelle als die beste Staatsform und als eine Mischform zwischen der Oligarchie und der Demokratie (interessant: das ist fast exakt die Staatsform, welche wir in den heutigen Demokratien haben [mit einer Demokratie in der Politik und einer Oligarchie in der Ökonomie (aber auch in der politischen Elite)]). Sowohl Platon wie auch Aristoteles lebten zur Zeit der attischen Demokratie (d.h. der Demokratie im antiken Athen), waren aber erstaunlicherweise eher fast ein bisschen demokratiekritisch (jedenfalls nicht demokratieunkritisch). Selbst Rousseau, der bedeutendste Demokratietheoretiker der frühen Moderne, meinte noch, die Demokratie sei vermutlich nur geeignet für kleinere Staaten - die nachfolgende Zeit hat sie (zumindest sicher schon eine Zeit lang) eines Besseren belehrt. Montesquieu formulierte seinerseits zuvor - basierend auf den Gedanken von Locke - die sehr bedeutende Teilung der Machtverhältnisse (Gewaltenteilung) zwischen der Legislativen (gesetzgebende Gewalt - in der Schweiz auf eidgenössischer Ebene: Parlament [mit National- und Ständerat (Zweikammersystem)]), der Exekutiven (ausführende Gewalt [und eigentliche 'Regierung'] - Bundesrat mit Bundespräsident) und der Judikativen (richterliche Gewalt - Bundesgericht).

Es gibt vermutlich keine andere Wissenschaft, von welcher es so schwierig ist, zu sagen, wer sie denn eigentlich als Wissenschaft begründet hat. Meistens wird Tocqueville genannt (im 19. Jahrhundert), welcher als Begründer der Vergleichenden Politikwissenschaft gilt (er verglich die französische und die amerikanische Revolution und Staatsform). Die Entwicklung der Politik ist wiederum eigentlich ein Teil der Disziplin der Geschichte, welche sich ja auch sehr bedeutend mit der Politik beschäftigt. Vielleicht ist dies auch ein Grund dafür, dass sich die Politikwissenschaft sehr spät wirklich - d.h. an den Universitäten - begründet und konstitiuiert hat (realiter eigentlich sogar erst im 20. Jahrhundert [in den Demokratien, die ja wesentlich in den meisten Fällen erst im 20. Jahrhundert oder sogar erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind (Ausnahmen: USA [1776], Frankreich [1789], Schweiz [1848 - erste demokratische Landsgemeinde im Kanton Uri 1231*] - England ist, wie ein paar andere Staaten Europas auch, noch immer eine Monarchie! (Ansonsten: 1689 - die Angaben sind jedoch schwierig, da der Übergang von anderen Staatsformen zur Demokratie meist nicht ganz genau zu bestimmen ist)]). Die erste Generation von wirklichen Politikwissenschaftlern soll es erst im späten 19. Jahrhundert in den USA gegeben haben (1882-1900 - und ihr Motto soll gewesen sein: 'History is past politics and politics present history'), zu ihr gehörte der nachmalige US-Präsident Woodrow Wilson, welcher den Völkerbund (heute: UNO) ins Leben rief. In Europa gab es wirkliche Politikwissenschaftler erst nach dem Ersten Weltkrieg (eine Ausnahme ist Sonnenfels, welcher schon im 18. Jahrhundert Politische Wissenschaften lehrte, an der Universität Wien).

* Älter sind skandinavische** Volksvertretungen/-versammlungen: 979 Tynwald auf der Isle of Man (älteste durchgehend existierende Volksvertretung), 930 Althing in Island, 900 Loegting auf den Färöer-Inseln. (Das erste Parlament mit Bürgerbeteiligung fand in England 1265 statt [mit der Mitwirkung von zwei Bürgern]; älter sind adlige Beraterkreise der angelsächsischen Könige [Witan, 7.-11. Jahrhundert].)

** Interessant dazu: dass in der Geschichtsschreibung der Name des Kantons Schwyz sowohl auf schwedische wie auf suebische Einwanderer zurückgeführt wird (die Sueben waren eine germanische Volksgruppe aus dem Nordosten, von welchen die Schwaben und die Alemannen abstammen sollen). Die Landsgemeinde gibt es heute auf eidgenössischer Ebene nicht mehr - auf kantonaler Ebene noch in den Kantonen Appenzell Innerrhoden und Glarus. Die Direkte Demokratie wurde in der Schweiz gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt (1874 Fakultatives Referendum, 1891 Volksinitiative).

Die noch relativ junge Wissenschaft hat noch nicht viele grosse Richtungen hervorgebracht. Die bedeutendste ist vermutlich der Behavoiralismus in den USA (Waldo, Easton, Almond), in welchem (etwa nach 1942) überhaupt erstmals eine unbestrittene Politikwissenschaft behauptet wurde. Die US-Behavioralisten versuchten, die Politologie mit überprüfbaren Studien und harten Fakten, Feldforschung und Datenanalyse, zu einer anerkannten Sozialwissenschaft zu formen (in der Psychologie versuchte der Behaviorismus ebenfalls zuvor gegenüber der Tiefenpsychologie als eigentliche oder richtige Wissenschaft aufzutreten). Die Behavioralisten studieren politisches Verhalten eher als politische Institutionen und Verfassungen. Dieser Ansatz wurde kritisiert - etwa, indem den Fakten Werte entgegengehalten wurden - und er spielte zudem auch in Europa kaum eine bedeutende Rolle. Der Soziologe John Meyer propagierte stattdessen einen Neuen Institutionalismus (1977). Die weitere Entwicklung der Politikwissenschaft scheint recht unbestimmt zu sein; sie scheint auch heute - gegenüber der realen Politik - eine sehr geringe Dynamik* zu haben (sowohl in kritischer wie auch in positiver Hinsicht). Die heutige Parteienlandschaft ist (etwa exemplarisch in der Schweiz) geprägt von Nationalisten, Liberalisten, Christen, Sozialisten und Grünen - je länderspezifisch scheinen sich in dieser Struktur relativ stabile politische Verhältnisse herausgebildet zu haben (jedoch sehen wir auch immer wieder, wie leicht diese zu erschüttern sind - das politische Dilemma der Menschen wird bestimmt weitergehen und nichts scheint in der Politik wirklich sicher und dauerhaft zu sein [was natürlich die Sache einer Politikwissenschaft sehr schwierig macht]).

* Ganz anders natürlich als etwa zur Zeit der Aufklärung und der Bürgerrevolution. Dies scheint auch heute keine Zeit von grossen politischen Revolutionen zu sein (jedenfalls nicht im westlichen Kulturraum - eine heutige Revolution könnte sogar die Errungenschaften der Bürgerrevolution im 18. Jahrhundert gefährden; andererseits lässt sich aber auch kaum wegdiskutieren, dass deren Motto noch besser umgesetzt werden müsste [Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit]). Die Revolutionstheorie spielt interessanterweise in der Philosophie, in der Soziologie - auch etwa in der Geschichte - eine bedeutendere Rolle als in der eigentlichen Politikwissenschaft.

Ein bedeutendes Thema der Politik ist sicher der Weltfrieden. Bedeutende Friedensordnungen gingen etwa aus dem Westfälischen Frieden 1648 oder dem Wiener Kongress zur Neuordnung Europas 1815 hervor. Beide können als Vorläufer der Europäischen Union betrachtet werden (EWG 1957, EG/EU 1993). Von einem Projekt der europäischen Integration sprach Charles Irénée Castel (oder: Abbé) de Saint-Pierre bereits 1712 (in seiner Schrift: 'Projet pour rendre la paix perpétuelle en Europe'). Kant griff das Thema 1795 auf der Weltebene auf, in seiner Schrift "Zum ewigen Frieden", in welchem er einen internationalen Völkerbund vorschlug, der anders als die Friedensverträge nicht nur einen Krieg, sondern alle Kriege für alle Zeit beendigen sollte. Das ebenso ambitiöse wie schwierige Projekt wurde 1920, nach dem Ersten Weltkrieg, vom damaligen US-Präsidenten Woodrow Wilson verwirklicht und heisst heute United Nations (Organization [UNO]). Internationale Politik wird jedoch heute oft auch und v.a. im kleineren Zirkel gemacht, etwa bei Treffen der führenden Industrienationen (G7, G8, G20 - nebst allen bilateralen Vereinbarungen und vielen weiteren internationalen Organisationen und Institutionen). Wir befinden uns zunehmend in einer Weltsituation, in welcher der Weltfrieden, nach zwei schlimmen Weltkriegen im 20. Jahrhundert, nicht mehr eine Frage des reinen Pazifismus ist, sondern eine Frage der Arterhaltung wird - dies aufgrund der immer stärker gewordenen Waffen (inkl. chemische, nukleare und biologische Waffen). Daher ist davon auszugehen, dass die Erreichung und Erhaltung des Weltfriedens die grösste Aufgabe der zukünftigen (Welt-) Politik sein wird.

Zehn bedeutendste Politologen (und Staatstheoretiker): Jean Bodin (1529-1596 [Verteidigung des Absolutismus]), Johannes Althusius (1563-1638), Hugo Grotius (1583-1645 [Völkerrecht]), Thomas Hobbes (1588-1679 [Staatstheorie, Gesellschaftsvertrag (I)]), John Locke (1632-1704 [Gewaltentrennung (I), (Politischer) Liberalismus]), Montesquieu (1689-1755 [Gewaltentrennung (II)]), Jean-Jacques Rousseau (1712-1778 [Gesellschaftsvertrag [II], Demokratie]), Immanuel Kant (1724-1804 [Völkerbund]), Thomas Paine (1737-1809 [Common Sense, Menschenrechte]), Alexis de Tocqueville (1805-1859 [Vergleichende Politikwissenschaft]).


Die Wirtschaftswissenschaft (Ökonomie) behandelt das ökonomische System und Handeln in der menschlichen Gesellschaft. Der erste ökonomische Denker der Kulturgeschichte war Xenophon, ein Zeitgenosse von Platon. Er sagte u.a., dass der Frieden eine wichtige Bedingung für einen florierenden Handel sei. Als Begründer der modernen Volkswirtschaftslehre (oder Klassischen Nationalökonomie), welche die alten Formen des Merkantilismus (Colbert - Wirtschafts- und Handelspolitik im politischen Absolutismus) und des Physiokratismus (Quesnay - Betonung der Werte der Natur und damit des Grund und Bodens) ablöste, gilt der Moralphilosoph Adam Smith (im 18. Jahrhundert, zur Zeit der Aufklärung; als weitere Vertreter der Klassischen Nationalökonomie gelten etwa Ricardo oder Malthus). Seiner Meinung nach funktioniert die Wirtschaft dann am Besten, wenn jeder sein Eigeninteresse verfolgt* (oder anders gesagt: wenn jeder Einzelne nach persönlichem Erfolg strebt, dann erhöht sich auch der Gesamterfolg in der Gesellschaft - dies führt nach ihm auch zum Wohlstand der Nationen. Tatsächlich führte der Wirtschaftsliberalismus, angefeuert durch die Industrielle Revolution**, nach und nach zu einer stark gesteigerten betriebs- und handelswirtschaftlichen Tätigkeit, auch wenn der Industriesektor noch immer vergleichsweise klein war. Noch bis anfangs 20. Jahrhundert waren über 80% der Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt - heute sind es weniger als 5% (dies nach einer bedeutenden Industrialisierung der Landwirtschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert). Das 20. Jahrhundert war zuerst das Zeitalter der Industrie, dann das Zeitalter der Dienstleistungen und schliesslich der Computerisierung***. Der Soziologe Daniel Bell sprach in seinem Hauptwerk 1973 vom Kommen der post- bzw. nachindustriellen Gesellschaft, in welcher die Information der neue Hauptfaktor ist. Die Realwirtschaft freilich bleibt vorderhand weiter beim Industriebegriff: sie spricht derzeit von der Industrie 4.0 (Industrie 1.0: erste Massenproduktion in der Industriellen Revolution [ca. um 1800], Industrie 2.0: Elektrifizierung der Industrie, Industrie 3.0: Computerisierung der Industrie, Industrie 4.0: Zukunftsprojekt zur umfassenden Digitalisierung der industriellen Produktion im Zeitalter der Digitalen Revolution). Eine interessante kleine Divergenz zwischen den Wissenschaften der Ökonomie und der Soziologie (siehe dort).

* Der Staat sei dabei so klein wie möglich zu halten. Ein Mindestmass an Staatlichkeit sei aber notwendig, schon alleine um den freien Markt zu ermöglichen und zu sichern. Diese Staatsauffassung wurde vom Sozialisten Lassalle despektierlich als Nachtwächterstaat bezeichnet.

** Daten zur Industrielle Revolution: Newcomen, 1712 (Dampfmaschine I); Hargreaves, 1764 (Spinnmaschine); Watt, 1769 (Dampfmaschine II), E. Cartwright, 1785 (Webmaschine); Trevithick, 1804 (Eisenbahn u. Dampflokomotive I); Stephenson, 1825 (Eisenbahn u. Dampflokomotive II). Philosophische, politische und ökonomische Daten dazu: 1748 Gewaltentrennung in der Gesetzesschrift von Montesquieu, 1762 Rousseaus Schrift zum Gesellschaftsvertrag, 1776 Common-Sense-Pamphlet von Paine, 1776 Unabhängigkeitserklärung der USA, 1776 Wealth of Nations (Smiths Hauptwerk des klassischen Wirtschaftsliberalismus), 1787 US-Verfassung (mit Menschenrechten), 1789 Französische Bürgerrevolution, 1795 Kants Idee vom Völkerbund (zum ewigen Frieden [umgesetzt erst nach dem Ersten Weltkrieg, 1920]), 1799-1815 Napoleons Herrschaft in Frankreich, 1815 Wiener Kongress zur Neuordnung Europas. Die grosse technische und die grosse politische Revolution gingen zeitlich also sozusagen Hand in Hand. Wenn man von bedeutendsten Zeitabschnitten in der Weltgeschichte sprechen würde, käme man um diese Zeit gewiss nicht herum.

*** Etwa ab den späteren 1970-er Jahren: Apple I 1976, IBM PC 1981, World Wide Web 1991, Kommerzialisierung des Webs etwa ab 1995.

Die Volkswirtschaftslehre wird eingeteilt in Makroökonomie (gesamtwirtschaftliches Verhalten der Wirtschaftssektoren) und Mikroökonomie (Verhalten einzelner Wirtschaftssubjekte [Haushalte und Unternehmen]). Zur Makroökonomie gehört etwa das sogenannte magische Vieleck der Koordination von volkswirtschaftlichen Zielen (ursprünglich als Viereck: stetiges und angemessenes Wachstum, stabiles Preisniveau, hoher Beschäftigungsgrad, aussenwirtschaftliches Gleichgewicht; bei einem Fünf- oder Mehreck können weitere Ziele dazu kommen, wie z.B. ausgeglichene öffentliche Haushalte, gerechte Einkommensverteilung und Vermögensverteilung oder Erhaltung einer lebenswerten Umwelt und andere). Auch sehr bedeutend sind die Produktionsfaktoren der Volkswirtschaftslehre: Boden, Arbeit und Kapital. Unser Wirtschaftssystem wird Kapitalismus genannt, was zeigt, dass das Kapital hierbei eine starke Hauptrolle spielt (dies im Gegenteil etwa zur mittelalterlichen Ökonomie, in welcher es eine Zinsverwerfung gab [was wenig kapitalfreundlich ist]). Zur Mikroökonomie gehört etwa das Bestimmen des Preis-/Mengenverhältnisses im Marktgleichgewicht - dieses ergibt sich im Schnittpunkt der Angebots- und Nachfragekurve. Nach diversen Vorarbeiten (v.a. bei Gossen [Gesetz des abnehmenden Grenznutzens (erstes Gossensches Gesetz, d.h. der Nutzen eines Gutes nimmt mit der Menge ab)] und weiter in den sogenannten Grenznutzenschulen [mit Jevons, Menger, Pareto, Schumpeter, Walras und anderen]) wurde das Marktdiagramm schliesslich von Alfred Marshall präsentiert (im frühen 20. Jahrhundert). Diese ganze Grenznutzentheorie wird auch Neoklassik genannt. Im 20. Jahrhundert begründeten John Maynard Keynes den Keynesianismus (Hauptfaktor: gesamtwirtschaftliche Nachfrage, Befürwortung von staatlichen Eingriffen) und Milton Friedman den Neoliberalismus (insbesondere auf Vorarbeiten der österreichischen Ökonomen Mises und Hayek [aber auch deutschen Ökonomen wie Eucken u.a.] - sein Sohn David Friedman gehört zu den führenden Vertretern des sogenanten Anarchokapitalismus, welcher den Staat gänzlich abschaffen möchte).

-> Marktdiagramm, Marktgleichgewicht, Gleichgewichtspreis/Gleichgewichtsmenge einfach erklärt.

Während die Volkswirtschaft das gesamtwirtschafliche Handeln untersucht, behandelt die Betriebswirtschaft das einzelwirtschaftliche Handeln. Hauptsächlich geht es dabei um die Unternehmensführung - ein klassisches Instrument ist die Unternehmensbilanz mit der Doppelten Buchführung (Soll/Haben, mit Verbuchung von Aktiven [Vermögen (als Anlage- und Umlaufvermögen) bzw. Mittelverwendung - Zugänge im Soll, Abgänge im Haben] und Passiven [Kapital (als Eigen- und Fremdkapital) bzw. Finanzierung oder Mittelherkunft - Zugänge im Haben, Abgänge im Soll]- begründet vom Mathematiker Pacioli bereits im späten 15. Jahrhundert [seit dem 13. Jahrhundert wurden in Florenz (Italien) die ersten grossen Bankhäuser in Europa aufgebaut]), ferner auch etwa die gleich aufgebaute Erfolgbilanz (Soll/Haben, mit Verbuchung von Aufwand und Ertrag). Ebenfalls sehr bedeutend ist in der Betriebswirtschaft der (vielfach kritisierte) Taylorismus: die (sogenannt) wissenschaftlich rationelle Betriebsführung und Arbeitsgestaltung durch Frederick Winslow Taylor (im frühen 20. Jahrhundert [Scientific Management - das Problem dabei: dass hier technizistisches Denken, ohne Rücksicht auf menschliche Belange, 1:1 auf die Wirtschaftswissenschaft übertragen wird]). Von neuerer Bedeutung ist das Qualitätsmanagement, auch Total Quality Management (William Edwards Deming). Global betrachtet, kommt neben den Ebenen der Betriebs- und der Volkswirtschaft die Ebene der Weltwirtschaft dazu (als Begründer der neueren Weltwirtschaftslehre gilt Bernhard Harms [im frühen 20. Jahrhundert]).

-> Unternehmensbilanz einfach erklärt.

Realiter führte der Wirtschaftsliberalismus nicht nur zu einer Produktionssteigerung, sondern auch zu einer Ausbeutung der Arbeiterschaft durch die Fabrikbesitzer. Dies rief die Sozialisten auf den Plan*, zuerst die utopischen Frühsozialisten (Saint-Simon, Owen, Fourier sowie Weitling), dann die Kommunisten (Marx und Engels) und schliesslich die Sozialdemokraten (Bernstein), die gegenüber den Kommunisten einen revisionistischen bzw. reformistischen, nicht-revolutionären Kurs ansteuerten. Der Sozialismus schlug sowohl ein neues politisches System wie auch ein neues ökonomisches System (Staatliche Planwirtschaft vs. Freie Marktwirtschaft) vor. Der realexistierende Kommunismus scheiterte im Osten Europas im 20. Jahrhundert (aufgrund von wirtschaftlicher Ineffizienz und staatlichem Machtmissbrauch), in welchem gleichzeitig die Sozialdemokratie in der westlichen Welt die allgemeinen Arbeits- und Lohnbedingungen verbessern konnte. Dies führte vorab in England zu Fabrikgesetzen (1842-1847 ff: Verbot der Frauen- und Kinderarbeit in Bergwerken 1842, Beschränkung der Arbeit von unter 13-Jährigen auf 6,5 und von Frauen auf 12 Stunden pro Tag 1944, Allgemeine Beschränkung der Arbeitszeit auf 63 Stunden pro Woche 1847). Durch den besseren Ausgleich entstand ein breiter und stabiler Mittelstand (ganz im Sinne der Utilitaristen [Bentham, Mill], welche vor den Sozialisten schon einen Wohlstand für möglichst viele Menschen forderten [durch das Prinzip des Nutzens sollte das Glück in der Gruppe gefördert werden, oder anders gesagt: die Wirtschaft sollte den Menschen dienen (und zwar nicht nur einzelnen wenigen, sondern einer möglichst grossen Zahl)]). Interessant ist der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, welcher sich wesentlich auf dem System der Sozialen Marktwirtschaft begründet - zu nennen ist dabei etwa Alfred Müller-Armack - sowie auch auf US-amerikanischer Hilfestellung. Der Begriff der Sozialen Marktwirtschaft ist jedoch nicht weit über die deutsche Grenze hinausgekommen (in den USA, der führenden Wirtschaftsmacht der Welt, ist dieser Begriff praktisch unbekannt).

* Es stellte sich mir hier die Frage, ob ich die Sozialismusdiskussion eher unter der Soziologie, der Politologie oder der Ökonomie einordnen sollte. Offenkundig ist Marx die bedeutendste und auch kontroverseste Figur in dieser Diskussion - ihn würde ich der Ökonomie zuordnen (und daher habe ich das auch hier platziert). Saint-Simon dagegen, den Begründer des Frühsozialismus, würde ich eher der Soziologie, Bernstein, den Wegbereiter der Sozialdemokratie, eher der Politologie zuordnen. Frühere Wurzeln dieser Diskussion werden etwa bei Fugger, Morus, Platon, Alkmaion oder Pythagoras gesehen - beide wären natürlich der Philosophie zuzordnen; sehr bedeutend ist natürlich auch die Verschwörung der Gleichen (frz. Société des égaux) zur Zeit der Französischen Revolution (1796-1797 [Babeuf, Buonarroti]) - hier zeigte sich bereits, dass im Widerstreit der Argumente (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) in der nachrevolutionären Bürgerlichkeit, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen, die Freiheitlichkeit das stärkste Argument ist.

Zehn bedeutendste Ökonomen: Adam Smith (1723-1790 [Wirtschaftsliberalismus]), David Ricardo (1772-1823 [Aussenhandelstheorie]), Hermann Heinrich Gossen (1810-1858 [Grenznutzentheorie]), Karl Marx (1818-1883 [Kapitalanalyse]), Alfred Marshall (1842-1924 [Marktdiagramm]), Frederick Winslow Taylor (1856-1915 [Wissenschaftliche Betriebsführung]), Arthur Cecil Pigou (1877-1959 [Wohlfahrtsökonomie]), John Maynard Keynes (1883-1946 [Keynesianismus]), Alfred Müller-Armack (1901-1978 [Soziale Marktwirtschaft]), Milton Friedman (1912-2006 [Neoliberalismus]).

-> Adam Smith: der Vater des Kapitalismus.
-> Karl Marx: der Vater des Kommunismus.


Die Rechtswissenschaft (Jurisprudenz) behandelt das juristische System und Handeln in der menschlichen Gesellschaft. Eigentlich gehört die Rechtswissenschaft zur Politikwissenschaft (oder umgekehrt), denn eigentlich ist Politik nichts anderes als die Auseinandersetzung darum, wie das Recht gesetzt werden soll (und wer es überhaupt setzen darf). Daher könnte man meinen, dass für die Rechtswissenschaft etwas ähnliches gilt wie für die Politikwissenschaft: solange grosse und starke Könige an der Macht waren, brauchte es und gab es keine Rechtswissenschaft. Es waren weitgehend die Könige und ihre Mitregenten, die bestimmten. Erst die Gewaltenteilung (Locke, Montesquieu) mit zusätzlich (zur Exekutiven) einer Legislativen und einer Judikativen änderte dies eigentlich. Diskussionen um das Recht, eine Rechtslehre und Rechtsgelehrte gab es aber immer (und schon Konfuzius meinte, dass ein ungerechter König abgesetzt werden darf). Natürlich gibt es auch eine historisch bedeutende Ausnahme von einem reinen Herrschaftsrecht, und das sind die religiösen Schriften (insbesondere das Gesetzbuch Mose, aber auch andere). Diese waren im Glauben über die Herrscher (und deren Rechtsetzung) gestellt - zumindest standen die Vertreter der Religion und der (weltlichen) Macht diesbezüglich in dauerndem Konflikt miteinander (das ist sogar in der Bibel dargestellt: mit den dramatischen Auseinandersetzungen zwischen den israelitischen Königen und den Propheten). Daher wurden auch (in der Neuzeit, im westlichen Kulturkreis) die Kirche und der Staat voneinander getrennt (freilich unter anderen politischen Vorzeichen, von einer sich herausbildenden Volkssouveränität und -herrschaft, in welcher das Volk grundsätzlich für sich selber verantwortlich ist).

In der Römischen Antike, welche das griechische Göttersystem übernommen hatte, war die Religion etwas weniger wichtig und die Jurisprudenz etwas wichtiger. Diese kann man als bedeutendste Geisteswissenschaft im Alten Rom überhaupt betrachten (insofern man hier schon von Wissenschaft sprechen kann - inkl. sogar eben Theologie und Philosophie). Wie bedeutend sich die römischen Kaiser wiederum an das Gesetz gehalten haben ist eine andere Frage, aber trotzdem. Es ist nicht erstaunlich, dass wir bis heute wesentliche Teile des Römischen Rechts übernommen haben (insbesondere betreffend des Privateigentums und [weitgehender] Willensfreiheit im Zivilrecht). Zwei der bedeutendsten Rechtsgelehrten im Alten Rom waren Gaius und Ulpian; das bedeutendste römische Gesetzeswerk ist der Corpus Iuris Civilis (erstellt im sechsten Jahrhundert [nach Christus], unter Kaiser Justinian).

Die Rechtswissenschaft wird heute unterteilt in Privatrecht und Völkerrecht. In der Neuzeit, aber auch schon vorher, spielte die Rechtsphilosophie eine bedeutende Rolle in der Jurisprudenz. Zu den bedeutendsten Rechtsvertretern und -begründern der Neuzeit gehören etwa Hugo Grotius (Völkerrecht - aufgrund von Vorarbeiten der thomistischen Idealisten [etwa Vitoria und Suarez] sowie Gentili) oder Thomas Paine (Menschenrechte); Friedrich Carl von Savigny, Mitbegründer der Historischen Rechtsschule, gilt als bedeutender Vertreter der Geschichtlichkeit des Rechts (im frühen 19. Jahrhundert) - der Rechtspositivismus (Kelsen, Hart) anerkennt alleine staatlich gesetztes Recht; dagegen ist das Recht für Radbruch an der Idee Gerechtigkeit auszurichten. Philosophisch bedeutend ist einerseits die Verwandtschaft der Begriffe von Recht und Gerechtigkeit, andererseits aber auch jene von Ethik, Moral und Jurisprudenz. Die (Rechts- und Polit-) Philosophen spielten eine sehr bedeutende Rolle in der Ausarbeitung von neuzeitlichen und modernen Rechtsgrundsätzen.

Eine besondere Stellung hat in der Rechtsgeschichte die Behauptung eines Naturrechts des Menschen. Der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquino sprach in seiner "Summa theologica" (dt. Summe der Theologie, 1265-1273) bedeutend vom lex naturalis (Naturrecht), dies in seiner vierstufigen Gesetzeslehre (lex aeterna, lex divina, lex naturalis, lex humana). Diesen Begriff hat er aus dem Werk antiker griechischer und römischer Philosophen und christlicher Kirchenväter entwickelt (besonders bedeutend sind etwa die Stoiker, Cicero - bei ihm mit verschiedenen Begriffen: vera lex, suprema lex, communis lex naturae, jus naturale, naturae jus, naturae lex, naturalis lex, universum jus, sempiterna lex - oder auch Augustinus). Das Naturrecht entspricht bei Thomas der Teilhabe der vernünftigen Kreatur am ewigen Gesetz (analog bei den Stoikern: am Logos - damit ist das Gesetz auch wesentlich eine Sache der Vernunft). Weitere Vertreter des Naturrechts waren mit verschiedenen Ansätzen etwa Grotius, Pufendorf, Locke, Wolff oder Thomasius. Heute (etwa seit Kant [umstritten] und Jefferson) wird unter dem Naturrecht ein Recht vom Menschen verstanden, welches unabhängig ist von anderen Bedingungen, d.h. das urtümliche Recht des Menschen bzw. die (sogenannten) Menschenrechte (die im Menschsein selber bzw. in der Natur des Menschen liegen). Bedeutend für diese ist der Humanismus in der Antike (Protagoras) und in der Renaissance, u.a. mit der Darlegung der Würde des Menschen (bei Mirandola).

Zehn bedeutendste Rechtswissenschaftler (und Rechtsphilosophen): Hugo Grotius (1583-1645 [Völkerrecht]), Samuel Pufendorf (1632-1694 [Naturrecht (u.a.)]), John Locke (1632-1704 [Recht auf Widerstand]), Thomas Paine (1736-1809 [Menschenrechte]), Cesare Beccaria (1738-1794 [Kriminologie]), Friedrich Carl von Savigny (1779-1861 [Historische Rechtsschule]), Gustav Radbruch (1878-1949 [Idee der Gerechtigkeit]), Hans Kelsen (1881-1973 [Rechtspositivismus (Reine Rechtslehre)]), H.L.A. Hart (1907-1992 [Rechtspositivismus]), Ronald Dworkin (1931-2013 [Egalität]).


Die Pädagogik ist die Wissenschaft von der Erziehung und Bildung der Kinder und Jugendlichen. In der neuzeitlichen und modernen Pädagogik geht es um die zunehmende Anerkennung des Eigenwertes von Kindern und Jugendlichen (während sie vorher quasi einfach als kleine, unreife und unfertige Erwachsene betrachtet wurden). Im Mittelalter war das Schulwesen fest in der Hand religiöser Institutionen - weil sich der Staat noch lange gar nicht darum kümmerte. Die neue Pädagogik kam nach der Reformation auf, v.a. mit dem Johann Amos Comenius (eigentlich: Komensky - ferner sind vor der Aufklärung etwa Montaigne [vor Comenius] oder Locke [Voraufklärer] zu nennen). Bei ihm hatte das Kind noch keinen Eigenwert wie später bei Rousseau (oder Montessori), aber er betrachtete in seiner Pädagogik bereits die verschiedenen Kindheitsphasen. In der Bildung sah er die Möglichkeit, eine bessere Welt mit besseren Menschen zu erzeugen. Dieses hohe Bildungsideal sollte typisch werden für die nachkommende Reformpädagogik, als deren Vorläufer Comenius, Rousseau und Pestalozzi gelten. Dieser war ein bedeutender Vertreter der Volksschule, während Fröbel den Kindergarten einführte. Die Schulen sollten zu Werkstätten der Menschlichkeit werden, in welcher Hilfe zur Selbsthilfe angeboten wird. Die Gedanken der Aufklärung stiessen gerade in der Pädagogik auf fruchtbaren Boden. Man erinnere sich an Kants Postulat der Verwendung des eigenen Verstandes. Zur bekanntesten Figur der Reformpädagogik wurde Maria Montessori (Montessoripädagogik); als eigenwillige Figur zur selben Zeit ist Steiner mit seiner Anthropologie zu nennen (Steinerschulen). Den hohen Ansprüchen der Reformpädagogik konnte das realexistierende Schulwesen wohl nie ganz gerecht werden. In den 1960-er und 1970-er Jahren kamen Konzepte einer antiautoritären Erziehung auf (verstärkt durch Psychoanalytik und die 1968-er Bewegung). Dieser stand die Bewegung der Kritischen Erziehungswissenschaft oder Kritischen Pädagogik eher kritisch gegenüber - die Debatte über die Bedeutung der Autorität in der Erziehung und Bildung hält bis heute an.

Zehn bedeutendste Pädagogen: Johann Amos Comenius (1592-1670 [Ganzheitlichkeit]), Jean-Jacques Rousseau (1712-1778 [Selbstentfaltung]), Johann Bernhard Basedow (1724-1790 [Menschenfreundlichkeit]), Christian Gotthilf Salzmann (1744-1811 [Moralische Erziehung]), Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827 [Volksschule]), Johann Friedrich Herbart (1776-1841 [Pädagogik als Wissenschaft]), Friedrich Fröbel (1782-1852 [Kindergarten]), Berthold Otto (1859-1933 [Geistiges Wachstum]), Rudolf Steiner (1861-1925 [Dreigliederung des Menschen]), Maria Montessori (1870-1952 [Offener Unterricht]).


Die Medienwissenschaft behandelt die Massenkommunikation und ihre Mittel und ist daher verwandt mit der Kommunikationswissenschaft. Sie hat sich erst im 20. Jahrhundert entwickelt, bedeutender eigentlich erst im späteren 20. Jahrhundert - v.a. durch das Aufkommen neuer Medien (zum Zeitungswesen): Radio, Fernsehen, Internet, Social Media. Es liegt in der Natur der Sache bzw. der Entwicklung, dass sich das Hauptinteresse der Medienwissenschaft stets zum neusten Massenmedium verschoben hat (sehr oft traten dabei gegenüber den Technikern und Machern zuerst gerade auch Kritiker des neuen Mediums auf). Die Medien werden manchmal als vierte Gewalt im Staat bezeichnet - diese Bezeichnung kann mindestens bis zu Rousseau zurückverfolgt werden, welcher von der vierten Säule des (modernen) Staates sprach (der Rechtsphilosoph Marcic nahm den Begriff in den 1950er-Jahren bedeutend wieder auf). Die bedeutendsten Figuren in der frühen Medienwissenschaft waren vielleicht Lasswell, Postman und McLuhan. Von Lasswell stammt die Formel der öffentlichen Kommunikation (Lasswell-Formel): (1) Wer sagt (2) was (3) auf welchem Weg (4) zu wem (5) mit welchem Effekt? Neil Postman war ein Fernsehkritiker, welcher glaubte, dass das Fernsehen die Urteilsbildung der Bürger gefährde. Er prägte den Begriff vom Infotainment. Die Wahrheit meinte er, drohe in einem Meer von Belanglosigkeit unterzugehen. Marshall McLuhan sprach dagegen von einem durch die Medien geprägten Globalen Dorf (engl. Global Village). Neue Medientechnologien üben nach ihm eine Anziehungskraft auf die menschliche Wahrnehmung aus, was sich auf die soziale Organisation auswirke. - Bedeutendste Medienwissenschaftler (und Medienphilosophen): Lasswell, Flusser, Baudrillard, Postman, Virilio, Castells, McLuhan, Bolz, Lanier, Bard.


Die Geschichtswissenschaft (Geschichte) ist die Wissenschaft, die sich mit der Geschichtsschreibung und ihrer Interpretation befasst. Geschichtsschreibung ist bekannt seit den altorientalischen Völkern wie den Ägyptern, den Babyloniern, den Assyrern und Persern - natürlich aber wird Geschichte aus allem gedeutet, was irgendwie vorhanden ist, von geologischen Befunden bis zu Höhlenmalereien. In den frühen Geschichten geht es v.a. um Preisungen von Herrschern; noch lange finden wir die Bestimmung von Hauptlinien der Geschichte bei Herrschern und ihren Kriegen. Daneben gibt es - im Zusammenhang mit jenen auch - eine eigentlich Kulturentwicklung und -geschichte. Bekannte Geschichtsschreiber der griechischen Antike sind - u.v.a. - etwa Hekataios v. Milet (im 6./5. Jh. v. Chr.), Herodot (im 5. Jh. v. Chr.), Thukydides (im 5./4. Jh.), Plutarch (im 1./2. Jh.), Polybios (im 2. Jh. v. Chr.), Diogenes Laertios (im 3. Jh. - er hat die Geschichte der Philosophen bearbeitet) oder Zosimos (um 500) - Namen, die als teils reine Geschichtsschreiber bis heute einen erstaunlichen Bekanntheitsgrad besitzen (so auch etwa jener von Tacitus im Alten Rom [im 1./2. Jh.]); die Geschichtsschreibung war danach ein wesentlicher Faktor in der westlichen Kultur. Als einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber des Mittelalters gilt Isidor von Sevilla (im 6./7. Jh.). Erstaunlich ist natürlich auch der historische Gehalt der Bibel - ein religiöses Grundbuch, in welchem sich reine Mythologie abwechselt mit exaktester Geschichtsschreibung.

Vom Dichter Lukian ist eine satirische Anleitung 'Wie man Geschichte schreiben soll' bekannt (im 2. Jh.). Relativ früh gab es also auch bereits eine Kritik der Geschichtsschreibung (auch der grosse Kulturkritiker Nietzsche schrieb ein geschichtskritisches Werk). Verschiedene Philosophen haben der Geschichte eine ganz bedeutende und bestimmende Rolle in der Kulturentwicklung zugedacht, darunter etwa Vico, Dilthey oder Collingwood. Unter Wilhelm von Humboldt entstand in Preussen ein historistisches Konzept (Historismus - nicht zu verwechseln mit dem selben Begriff in der Kunstwissenschaft): Humboldt sah in der ganzen Geschichte die Idee der Menschheit. Bedeutend ist die Auseinandersetzung zwischen Droysen und Ranke - dieser verlangte eine objektive Geschichtsschreibung, während Droysen der Geschichtsschreibung einen dezidiert erzieherischen Charakter zuschrieb. Als Methodenstreit der Geschichtswissenschaft wird eine Auseinandersetzung zwischen Lamprecht und seinen Gegner verstanden: Lamprecht behauptete dabei, dass Kultur- und Wirtschaftsgeschichte primär, Politik- und Personengeschichte dagegen sekundär seien. In Deutschland wurde eine besonders intensive Diskussion über die Geschichtswissenschaft geführt (und das gilt es bis ins frühere 20. Jahrhundert von fast allen Geisteswissenschaften zu sagen); der bedeutendste alte Historiker Frankreichs ist Michelet (im 18./19. Jh. - u.a. mit einer Geschichte der Französischen Revolution).

Verwandt mit der Geschichtsphilosophie ist die Zeitphilosophie (ebenso etwa die Paradigmen- oder die Revolutionsphilosophie). Augustinus unterschied als erster Philosoph, der sich bedeutende Gedanken zur Zeit machte, zwischen einer subjektiven und einer objektiven Zeit. Der Zeitbegriff spielt in der modernen Physik eine bedeutende Rolle - etwa bei der relativistischen raumzeitlichen Physik von Einstein. Fukuyama sprach 1992 vom 'Ende der Geschichte' (damit meinte er einen ungebremsten Siegeszug des liberalistischen Kapitalismus - ebenso, oder sogar noch bedeutender, kann man diesbezüglich die naturwissenschaftliche und/oder transhumanistische Vorstellung von einer Technologischen Singularität anführen)*. Wie man Geschichte schreiben und weitertradieren soll, das wird vermutlich auch in der Zukunft - insbesondere in einer immer durchpolitisierteren und durchpolarisierteren Gesellschaft - ein interessantes Thema sein und bleiben.

* Huntington verwendete dagegen fast schon archaisch-reaktionär das Bild von einem (weitergehenden) 'Kampf der Kulturen' (1996). Seit dem Millenniumswechsel ist eine esoterische Diskussion über die Endzeit im Gang: sogar in der Philosophie ist heute zuweilen - wie in der Kunst der Fantasy und der Dystopie - schon von 'Apokalypse' die Rede (etwa bei Zizek oder Agamben - halb ernst zu nehmen, vermutlich, aber irgendwie zu dieser Zeit passend; dass unsere Zeit seit der Atombombe und mit dem Öko- und Klimaproblem apokalyptisches Potenzial hat, ist auch klar). Irgendwie gehören die Einschätzungen der Gegenwart und der Zukunft (aus der Geschichte heraus) mit zur Geschichtswissenschaft, denn eigenständige Wissenschaften gibt es dafür nicht.

Zehn bedeutendste Geschichtswissenschaftler (und Geschichtsphilosophen): Giambattista Vico (1668–1744 [Aufstieg und Niedergang von Zivilisationen]), Wilhelm von Humboldt (1767-1835 [Idee der Menschheit]), Leopold von Ranke (1795-1886 [Objektive Geschichtsschreibung]), Johann Gustav Droysen (1808–1884 [Erzieherischer Aspekt]), Theodor Mommsen (1817-1903 [Geschichte und Rechtswesen des Römischen Reichs]), Wilhlem Dilthey (1833-1911 [Geschichte des deutschen Geistes]), Karl Lamprecht (1856-1915 [Methodenstreit der Geschichtswissenschaft]), Robin George Collingwood (1889-1943 [Philosophie der Geschichte]), Eric Hobsbawm (1917-2012 [Erfundene Tradition]), Francis Fukuyama (geb. 1952 [Ende der Geschichte]).


Die Kunstwissenschaft ist die Wissenschaft der menschlichen Kunst. Das heisst: eigentlich gibt es keine einheitliche Kunstwissenschaft, sondern verschiedene Kunstwissenschaften - bezüglich praktisch aller grossen Künste: Literatur, Theater, Musik, Tanz, Malerei, Grafik, Fotografie, Film, Multimedia (-> Medienwissenschaft), Architektur, Bildhauerei. Sicher gibt es noch viele andere Künste mehr, aus denen schon eine Wissenschaft gemacht worden ist, oder noch eine gemacht werden kann (grundsätzlich kann man aus allem eine Kunst und eine Wissenschaft machen*). Die verschiedenen Kunstwissenschaften sind schwierig vereinbar, da sie etwa andere Einteilungen von Kunstepochen kennen - so gibt es etwa in der Malerei eine andere Einteilung als in der Literatur. Teilweise überschneiden sich die Kunstepochen verschiedener Künste, aber das ist nicht immer so.

* Ein kleines Beispiel dazu: an der Universität Münster in Deutschland gibt es z.B. die Zirkuswissenschaft. Grundsätzlich sind die Universitäten frei, die Wissenschaften nach Belieben zu begründen, zu verbinden und zu vermischen. Es gibt zwar gewisse Traditionen, die aber nicht verbindlich sind (vielleicht in der Zukunft auch ein gewisses Problem bezüglich Einheit und Klarheit - ich kann hier nicht alle Wissenschaften der Welt besprechen, sondern nur jene, welche die bedeutendste Tradition besitzen).

Anm. Teilweise ist auch die Kulturwissenschaft im Gespräch, welche nebst den verschiedenen Kunstgebieten weitere kulturelle Phänomene umfasst (z.B. Sport und Spiel*, aber auch etwa Ethnologie [natürlich ist die Behauptung von einer Kulturwissenschaft ein etwas ungenauer Begriff, da eine solche Wissenschaft eigentlich alle Phänomene des menschlichen Lebens umfassen müsste]).

* Die Sportwissenschaft hat heute eine gewisse Bedeutung, während von einer Spielwissenschaft (Ludologie) zwar schon die Rede ist, eine solche aber im Universitätswesen noch praktisch keine Rolle spielt (diese würde auch - traditionell - in einem engen Verhältnis mit der Pädagogik stehen, wo sie auch seit dem Beginn der Moderne, als Teilgebiet derselben, eine gewisse Bedeutung hat [etwa bei Rousseau, Montessori und anderen; darüber hinaus hat sich auch eine Spielphilosophie entwickelt, welche auch zu den Hauptgebieten meiner Philosophie gehört]).


Die Ethnologie ist die Wissenschaft der verschiedenen Völker, ihrem verschiedenen kulturellen und sozialen Leben (Völkerkunde). Im Vordergrund stand zuerst das Fremde, und erst später das Eigene. Wiederum stand am Anfang das Zusammenleben der verschiedenen Ethnien im Vordergrund, heute mehr auch ethnosoziologische bzw. sozioanthropologische Themen und die Globalisierung. Der Begriff stammt von Kollár, wichtig für die Entwicklung der Feldforschung war Malinowski - Lévi-Strauss gilt als Begründer des ethnologischen Strukturalismus (Erforschung der Struktur von Struktur von Verwandtschaft und Mythen - er ist bedeutend auch in der philosophischen Diskussion um Strukturalismus und Poststrukturalismus im 20. Jahrhundert in Frankreich). Die Ethnologie wird heute teils auch als Sozial- und Kulturanthropologie bezeichnet. - Bedeutende Ethnologen (und Anthropologen): Kollár, Schlözer, Morgan, Lévy-Bruhl, Boas, Frobenius, Radcliffe-Brown, Malinowski, Lévy-Strauss, Bateson.

Die Anthropologie ist eine Wissenschaft des Menschen mit relativ vagem Inhalt. Sie ist eng mit der Ethnologie verwandt. Laut dem Begründer Hundt (1501): 'Antropologium de hominis dignitate, natura et proprietatibus', d.h. etwa Wissenschaft der menschlichen Würde, Natur und Eigentümlichkeit - also etwa: die Wissenschaft, in welcher es darum geht, was den Menschen als Menschen ausmacht. In der neueren Zeit hat sich die Anthropologie so bedeutend mit der Ethnologie vermischt, dass die beiden Begriffe teils sogar fast synonym verwendet werden. Eine spezifische, systematische Anthropologie gibt es eigentlich gar nicht, vielmehr die Verbindung von einer Anthropologie mit verschiedenen anderen Disziplinen. Die Philosophische Anthropologie, welche der urtümlichen Bedeutung wieder näherkam, befasst sich mit dem Wesen des Menschen (Scheler, Plessner, Gehlen).

* Nicht zu verwechseln ist die Anthropologie mit der Anthroposophie von Rudolf Steiner. Anthropologie bedeutet die Lehre vom Menschen, Anthroposophie bedeutet die Weisheit vom Menschen (beides - wie gesagt - relativ vage für wissenschaftliche Verhältnisse, aber nicht uninteressant).

Die Archäologie ist die wissenschaftliche Erforschung von alten Kulturen. Meist geht es dabei um das Ausgraben und Freilegen von alten Bauten und Kulturgütern. Die theoretische Entwicklung der Archäologie reicht von der Kulturhistorischen Archäologie (Diffusionismus [Verteilung bestimmter Merkmale von Kulturen] - oft nationalistisch geprägt) über die New Archaeology (Kulturanthropologischer Ansatz) bis zum Post-Prozessualismus (Subjektivität archäologischer Interpretationen). In den USA wird die Archäologie zunehmend unter dem Begriff der Anthropologie betrachtet (4 Fields Anthropology mit Biologischer Anthropologie, Kulturanthropologie, Ethnolinguistik und Archäologie - vielleicht nur ein vorübergehender Trend [aber nicht untypisch für eine wachsende Disziplinenverunsicherung in zunehmender Disziplinenvielfalt und Interdisziplinarität]). - Bedeutendste Archäologen: De Alcubierre, Cunnington, Hoare, Bingham, Virchow, Rivers, Schliemann, Dörpfeld, Petrie, Binford.

Wo soll man die Archäologie einordnen? Ist es eine Naturwissenschaft, eine Geisteswissenschaft oder eine Hilfswissenschaft. Da es in der Archäologie um (wenn auch meist materielle) Kulturgüter geht, ist die Einordnung unter den Geisteswissenschaften sicher nachvollziehbar (zumal sie eine gewisse Verwandtschaft zur Ethnologie und Anthropologie kennt).


Eher nicht zu den Geisteswissenschaften zähle ich die Sprachwissenschaft[en] (Linguistik), welche ich zusammen mit der Mathematik in eine zusätzliche Kategorie von Grund-, Hilfs- oder Formalwissenschaften einteilen würde (die gängige Vorstellung, dass die Mathematik zu den Naturwissenschaften gehöre und die Linguistik zu den Geisteswissenschaften, ist für mich nicht korrekt [die Naturwissenschaften sind ebenfalls auf die Sprache angewiesen, die Geisteswissenschaften ebenfalls auf die Mathematik - ich möchte auch weder die Geisteswissenschaften alleine von der Sprache, noch die Naturwissenschaften alleine von der Mathematik abhängig machen (wie es die neuzeitliche Wissenschaft klassischerweise aber eigentlich tut)]).


Die Sprachwissenschaft [Linguistik] ist die Wissenschaft der Sprache. Das bedeutendste Teilgebiet der Linguistik ist seit alters her die Grammatik (Schriften über die Grammatik [Systematisches Regelwerk der Sprachverwendung] gab es schon in der Antike); ebenfalls seit alters her bekannt, sind etwa die Rhetorik und die Poetik. Die vergleichende Sprachwissenschaft untersucht die Verwandtschaft zwischen den Sprachen und stiess auf die damals aufsehenerregende Verwandtschaft von einer indoeuropäischen Sprachgruppe (im 18./19. Jahrhundert). Heute müssen wir sagen, dass (natürlich und letztlich) alle Sprachen, Schriften, Kulturen und Menschen miteinander verwandt sind. Bedeutend ist der Strukturalismus von De Saussure: er unterschied Sprache (Langue) und Sprechen (Parole) sowie Signifikat (Bezeichnetes) und Signifikant (Bezeichnendes, Bezeichnung). Erst im Akt des Sprechens (oder Schreibens) vollzieht sich die Verbindung (Synthese) des vorsprachlichen, chaotischen und zu einem grossen Teil vorüberziehenden bzw. unbewussten Denkens. Die Sapir-Whorf-Theorie besagt, dass die Sprache das Denken formt. Die analytische Sprachphilosophie brachte neue Aspekte der Sprache hervor (Frege, Russell, Wittgenstein, Carnap, Ryle, Morris, Quine, Austin, Strawson); der analytischen Sprachphilosphie folgte die analytische Philosophie des Geistes und des Bewusstseins. Eine Gegenbewegung zum klassischen Strukturalismus bildeten die Poststrukturalisten (Lacan, Barthes, Foucault, Lyotard, Deleuze, Baudrillard, Derrida). Sie wendeten sich gegen jegliche einheitliche Bestimmung einer generellen Strukturierung (in seinem Werk zur Grammatologie stellt Derrida sein Konzept der Dekonstruktion vor). Die Sprachwissenschaft kennt - nebst verschiedenen Sprachen, natürlich - verschiedene weitere Teilgebiete. Die bedeutendste ist die Semiotik (allgemeine Zeichenlehre), welche ihrerseits verschiedene Untergebiete hat: die Syntaktik (Zeichen-Zeichen-Relationen), die Semantik (Zeichen-Bedeutung-Relationen), die Pragmatik (Zeichen-Benutzer-Relationen) und die Sigmatik (Zeichen-Realität-Relationen).

Hier gibt es einmal die wichtigsten Fremdwörter zur deutschen Grammatik - ein bisschen viele Fremdwörter auf einem Haufen, aber anders geht es in der Grammatik scheinbar nicht (und es wird auch nicht allzu viel einfacher, wenn man nur die deutschen Begriffe benützen würde, andererseits ist es auch weniger komplex, als es im ersten Moment erscheint oder auch etwa im Internet dargestellt wird - es soll hier nur kurz gezeigt werden, worum es in der Grammatik etwa so geht). Die Deutsche Grammatik unterscheidet zwischen verschiedenen Wortarten: Substantiv (auch: Nomen, Dingwort - gross geschrieben), Adjektiv (Beiwort - beschreibt meist ein Substantiv) und Verb (Tätigkeitswort) sowie Adverb (Umstandswort), Artikel (Geschlechtswort), Interjektion (Ausrufe- oder Empfindewort), Konjunktion (Bindewort), Numeral (Zahlwort), Partikel (Teilwort), Partizip (Mittelwort - zwischen Verb und Adjektiv), Präposition (Verhältniswort), Pronomen (Fürwort), Quantoren (Mengewort). Substantive sind flektierbar nach Kasus (Nominativ [Wer-Fall], Genitiv [Wes-Fall], Dativ [Wem-Fall], Akkusativ [Wen-Fall]) und Numerus (Singular [Einzahl], Plural [Mehrzahl]). Verben sind konjugierbar nach Tempus (Präsens [Gegenwart], Präteritum [(erste) Vergangenheit], Futur [Zukunft] - weitere: Perfekt [Vorgegenwart], Plusquamperfekt [Vorvergangenheit], Futur II [Vorzukunft]) und nach Modus (Infinitiv [Grundform], Imperativ [Befehlsform], Konjunktiv [Möglichkeitsform]). Adjektiv ist ein Wort, das ein Substantiv oder Pronomen beschreibt, während ein Adverb ein Verb, Adjektiv oder andere Adverbien beschreibt. Ferner gilt es etwa die Satzzeichen zu beachten (wie Punkt, Komma, Strichpunkt, Doppelpunkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Bindestrich, Gedankenstrich, Klammern, Anführungszeichen, Schrägstrich, Apostroph, Mittelpunkt). Neben der Wortanalyse und -lehre gibt es auch eine Satzanalyse und -lehre. Hierbei gibt es Satzarten, Satzteile und Satzglieder. Im Deutschen wird grundsätzlich zwischen fünf verschiedenen Satzarten unterschieden: Aussagesatz, Fragesatz, Aufforderungssatz, Ausrufesatz und Wunschsatz. Dabei ist wiederum die Unterscheidung der Satzgteile und -glieder bedeutend. Satzteile sind Haupt- und Nebensätze, Satzglieder sind: Subjekt (Satzgegenstand - meist aktiver Handlungsträger [wer tut etwas?]), Prädikat (Satzaussage - meist ein Verb oder eine Verbengruppe [was wird getan?]) und Objekt (Satzergänzung - meist passiv [was? wessen? wem? wen?]) sowie Adverbial bzw. Adverbialbestimmung (Umstandsbestimmung - wie? wo? wann? warum? weshalb? [die Fragewörter können in vielen, aber nicht in allen Fällen angewandt werden]). Dies ist von eher philosophischer Bedeutung. Für die reine Schrift- bzw. Grundsprache ist die Wortlehre bedeutend, für die Schreib- bzw. Ausdrucksweise kann die Satzlehre hinzugezogen werden.

Beispielsatz (Wortarten): Dies [Pronomen] ist [Verb] ein [Artikel] ganz [Adverb] normaler [Adjektiv] Satz [Nomen], der [Pronomen] eigentlich [Adverb] nur [Adverb] zur [Präposition] Bestimmung [Nomen] der [Artikel] einzelnen [Adjektiv] Worarten [Nomen] und [Konjunktion] Satzteile [Nomen] dient [Verb].

-> Worarten.Info: Satz eingeben, Wortarten bestimmen (ziemlich gut, aber leider nicht ganz fehlerlos).

Beispielsatz (Satzteile): Dies ist ein ganz normaler Satz [Hauptsatz], der eigentlich nur zur Bestimmung der Satzteile dient [Nebensatz].

Beispielsatz (Satzglieder): Dies [Subjekt] ist [Prädikat] ein ganz normaler Satz [Objekt], der [Subjekt] eigentlich [Adverbiale] nur zur Bestimmung der Satzglieder [Objekt] dient [Prädikat].

Zehn bedeutendste Sprachwissenschaftler (und -philosophen): Antoine Arnauld (1612-1694 [Sprache wird zum Gegenstand]), Johann Gottfried Herder (1744-1803 [Entstehung der Sprache]), Wilhelm von Humboldt (1767-1835 [Vergleichende Sprachwissenschaft]), Franz Bopp (1791- 1867 [Indogermanistik]), Charles Sanders Peirce (1839-1914 [Semiotik II]), Ferdinand de Saussure (1857-1913 [Strukturalismus I, Semiotik I]), Edward Sapir (1884-1939 [Sapir-Whorf-Hypothese]), Nikolai Sergejewitsch Trubetzkoy (1890-1938 [Phonologie]), Roman Jakobson (1896-1982 [Strukturalismus II]), Noam Chomsky (geb. 1928 [Generative Grammatik]).


Die Mathematik ist die Wissenschaft von den Zahlen (Arithmetik), Formen (bzw. Flächen, Figuren und Körpern - Geometrie) und Rechnungsweisen mit Formeln (allgemein). In der Einführung in die Mathematik muss gesagt werden, dass wir dabei immer mit Gleichem rechnen. Die Rechnungen können abstrakt oder mit konkreten Dingen vorgenommen werden - es müssen aber Dinge der gleichen Art sein*. Also abstrakt: 1 + 1 = 2. Oder konkret: 1 Apfel + 1 Apfel = 2 Äpfel. Aber nicht: 1 Apfel + 1 Birne = 2 Birnen (ungleiche Dinge: diese Rechnung ist nicht definiert). Oder gar: 1 Apfel + 1 Birne = 2 Nüsse (dito). Aber wiederum: 1 Apfel + 1 Birne = 2 Früchte. Das heisst: unter einem gemeinsamen Allgemeinbegriff können zwei unterschiedliche Dinge zusammengezählt werden. Natürlich auch allgemein: 1 Frucht + 1 Frucht = 2 Früchte. Oder noch allgemeiner: 1 Ding + 1 Ding = 2 Dinge. Also auch etwa: 1 Apfel + 1 Auto = 2 Dinge. Die Vorstellung von Rechnungen mit konkreten Dingen ist wichtig für das Grundverständnis (und so wird die Mathematik auch in ihren Anfängen in der Schulbildung gelehrt, bevor es immer abstrakter und komplexer wird).

* Das ist sozusagen das Grundgesetz aller angewandten und nicht rein abstrakten Mathematik. Es zieht sich weiter etwa in physikalischen Rechnungen mit den verschiedenen Einheiten: man kann nicht Kilogramm und Meter zusammenzählen, weil das so nicht definiert ist. Es gibt verschiedene Grössen, welche im gesamten Formelsystem ineinander umgewandelt werden können, aber das gilt nicht für alle Grössen (ausser in einem bestimmten Kontext, welche dies ausdrücklich zulässt oder vorgibt; das heisst: Mathematik ist immer und von Grund auf schon auch eine Definitionsfrage [so ist etwa die Division durch null generell nicht definiert]).

Wir sehen in diesen einfachsten Anfängen, dass Mathematik durchaus auch etwas mit Vorstellungen und Sprache zu tun hat (dies ist noch klarer in der Geometrie, wo bestimmte Formen mit bestimmten Namen bezeichnet sind, aber man kann es schon in der Arithmetik sagen). Das heisst: Mathematik ist nicht nur abstrakt, obwohl sie auch so aufgefasst werden kann. So gibt es auch die mathematische oder sprachliche Zahlenreihe. Mathematisch: 1, 2, 3, 4, 5... Sprachlich: eins, zwei, drei, vier, fünf... Gerechnet wird natürlich aber mit den mathematischen Zahlen, weil dies formal einfacher ist*. Dieser Vergleich ist gar nicht so weit hergeholt: erst im Jahr 1202 wurde das indisch-arabische Zahlensystem in Europa eingeführt - bis dahin rechneten die Europäer mit römischen Zahlensystem, welches aus sieben lateinischen Buchstaben besteht (I [1], V [5], X [10], L [50], C [100], D [500], M [1000]). Also etwa: I + II = II (wobei die Zeichen und Formeln auch erst mit der Arithmetik eingeführt wurden). Mit einfachen Zeichen geht dies relativ einfach, mit komplexeren wird es sehr viel schwieriger. Die formale Erleichterung durch das indisch-arabische Dezimalsystem war auf jeden Fall ein sehr grosser Faktor bei der Herausbildung und beim Erfolg der neuzeitlichen Wissenschaft.

* Tatsächlich könnten wir - woran man normalerweise nicht denkt - aber auch die gesamte Mathematik mit der reinen Sprache abwickeln (ohne dafür die Grammatik und/oder die Mathematik zu verändern). Das heisst: es gibt überhaupt keinen Grund, von der Mathematik her die Sprache zu unterschätzen (ganz im Gegenteil - denn mit der normalen Mathematik kämen wir in der Sprache sehr viel weniger weit, natürlich [demgegenüber ist es aber wiederum tatsächlich auch möglich, die Sprache mit mathematischen Zeichen auszudrücken - die Computer machen das etwa, mit der binären Maschinensprache**, mit nur zwei Zeichen: 0 und 1]). Formal wäre eine rein sprachliche Mathematik zu kompliziert, und daher ist man angewiesen auf die einfachste und formalste mathematische Sprache, um grosse und exakte Rechnungen durchführen zu können (d.h. für Menschen [vermutlich] das Dezimalsystem, für Computer [vermutlich] das Binärsystem). Aber: eins und eins gleich zwei - das versteht jeder sofort, und das ist eine mathematische Rechnung in sprachlicher Form. Und das wäre auch in komplizierterer Form möglich: fünf mal zweiundreissig und Klammer achtundzwanzig durch vierzehn Klammer geschlossen gleich hundertzweiundsechzig (usw. usf., etc. etc.).

** Da die schwierigeren Rechnungen immer mehr von Computern durchgeführt werden, ist es möglich, dass das Verständnis für die normale Mathematik in der Zukunft laufend abnimmt (das konnte man bereits feststellen mit dem Taschenrechner und dem Kopfrechnen - und dasselbe passiert im sprachlichen Bereich, notabene, was wir schon bei der Schriftsprache und dem Emailverkehr und anderem Webverkehr sehen können; ob die Vorteile die Nachteile überwiegen, oder ob das ein echtes Problem werden kann, das vermag ich nicht zu sagen und/oder einzuschätzen [sicher wird es aber auch Probleme mit sich bringen]).

Bis hierhin ist die Rede von ganzen Zahlen, d.h. positiven (1 od. +1) und negativen (-1) ganzen Zahlen. Mit diesen können zuerst einmal vier verschiedene Rechenoperationen durchgefürt werden: Addition (Undrechnung, auch: Plusrechnung [8+4=12]), Subtraktion (Wegrechnung, auch: Minusrechnung [8-4=4]), Mulitplikation (Malrechnung [8x4=32]), Division (Durchrechnung [8:4=2]). Das sind die Grundoperationen. Diese Operationen sind alle miteinander verwandt. In der Addition geht es um das Zusammenzählen von Zahlen. Die Subtraktion ist eine umgekehrte Addition (8-4=8+[-4]), die Multiplikation ist eine verfielfachte bzw. wiederholte Addition (8·4=4+4+4+4+4+4+4+4=32), die Division ist eine umgekehrte Multiplikation (8:4=2 und 2·4=8) und, wenn man so will, auch eine wiederholte Subtraktion (die Division fragt eigentlich: wieviel mal ist 4 in 8 ohne Rest enthalten, Resultat: 2mal, also muss 4 von 8 2mal abgezogen werden, um auf 0 zu kommen, oder formal: 8-[4·x]=0, x=2)*.

* Es ist hier sogar ein bisschen komplexer dargestellt, als es eigentlich sein müsste, weil hier Mathematik und Sprache vermischt sind. Ich habe diesen Teil in sprachliche Klammern gesetzt, und daher wird die mathematische Klammer eckig; normalerweise setzt man in der Mathematik jedoch - wie in der Sprache, notabene - zuerst eine runde und dann erst, falls noch eine weitere Klammer nötig ist, eine eckige Klammer. Rein mathematisch würde dies also so aussehen: 8-(4·x)=0, x=2 (das gilt für alle mathematischen Rechnungen, die hier in einer sprachlichen Klammer stehen).

Damit sind wir aber bereits im Kontext der Gleichungen, die man hier schon anführen kann. Jede einfachste Rechnung ist im Grunde schon eine Gleichung, indem etwas gleich ist bzw. den gleichen Zahlenwert aufweist wie etwas anderes (8+4=12). Gleichungen mit Platzhaltern (Variablen) sind in der Arithmetik sehr bedeutend, denn sie erlauben es, komplexere Rechnungen durchzuführen und im rechnerischen Kontext gezielt nach bestimmten Grössen zu fragen/suchen. Dabei werden für bestimmte, unbekannte Zahlenwerte bestimmte Platzhalter in die Rechnung eingeführt - meistens in Buchstabenform (x, y, z sowie weitere). In einfachster Form, z.B. so: 12=8+x. In dieser Gleichung ist ein bis hier noch unbekannter Wert mit einem Platzhalter (x) versehen. Solche Gleichungen können umgeformt werden, indem auf beiden Seiten der Gleichung bzw. des Gleichheitszeichens die selbe Operation (bzw. die selben Operationen mit den selben Werten) vorgenommen wird. Wenn wir hier den Wert des Platzhalters (x) erfahren wollen, müssen wir nur auf beiden Seiten 8 subtrahieren, so dass der Platzhalter (x) alleine auf einer Seite der Formel zu stehen kommt, also: 12-8=x bzw. x=12-8. Und nun können wir den Wert des Platzhalters (x) ganz einfach ausrechnen: x=12-8=4. Mit dieser an und für sich sehr einfachen Methode kann jede (logische) Gleichung verrechnet werden. Natürlich wird es komplexer, wenn Gleichungen mehr Glieder enthalten - und allenfalls auch mehr Platzhalter (dies entspricht einer zunehmenden Abstraktion [der Begriff der Abstrakten Algebra* hat aber eine andere Bedeutung, welche hier nicht gegeben ist]).

* Was ist eigentlich der Unterschied zwischen den Begriffen der Arithmetik und der Algebra? Arithmetik ist der grundlegendste Bereich der Mathematik, welcher das blosse Rechnen mit Zahlen unter Verwendung von Operationen (Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division) bezeichnet, Algebra dagegen verwendet Zahlen und Variablen, um Probleme zu lösen (wie im obigen Beispiel).

Die Mathematik kennt verschiedene Arten von Zahlen: die natürlichen Zahlen (1, 2, 3, 4, 5, ... [mit oder ohne 0]), die ganzen Zahlen (..., -3, -2, -1, 0, 1, 2, 3, ...), die rationalen Zahlen (inkl. Brüche, in welchen sowohl im Zähler wie auch im Nenner, also oberhalb und unterhalb des Bruchstrichs eine ganze Zahl steht), die reellen Zahlen (sie umfassen die rationalen und die irrationalen Zahlen - weitere Zahlen wie die Eulersche Zahl und die Kreiszahl Pi, oder auch die Quadratwurzel aus Zwei und das Teilungsverhältnis des Goldenen Schnitts [u.a. - aber: das ist alles nicht Thema dieser kurzen Einführung]). Bei den Brüchen oder Bruchzahlen geht es immer um Teilzahlen und/oder Zahlenteile, die eigentlich Divisionen sind, welche nicht aufgehen ohne Rest. 1/2 ist die Hälfte, 1/4 ist ein Viertel, 1/8 ist ein Achtel (usw. usf., etc. etc. - also immer Bruchteile [hier: von 1]), analog 2/4=1/2 bzw. 4/8=2/4=1/2 und 2/8=1/4. Dies nennt man das Kürzen von Brüchen, was bedeutend ist für das Rechnen mit Brüchen. Das sind alles auch wieder Gleichungen, in welchen auf beiden (oder allen) Seiten der Gleichung derselbe Zahlenwert resultieren muss. Dabei werden Zähler und Nenner miteinander verrechnet, indem wir auf beiden Seiten des Bruchstrichs die selbe Rechnung bzw. die selbe Operation mit den selben Zahlen durchführen (hier je: durch 2). Neben dem Kürzen gibt es auch das Erweitern der Brüche, bei welchem das Umgekehrte geschieht (1/4=2/8 [Multiplikation mit 2]); dies kann je nützlich sein beim Rechnen mit Brüchen. Allgemein können wir vom Vereinfachen von Brüchen sprechen (für den jeweiligen Zweck innerhalb einer bestimmten Rechnung).

P.S. Ganze Zahlen können natürlich auch in Brüche verwandelt, gekürzt und erweitert werden: 1 = 1/1 = 2/2 = 3/3, usw. usf., etc. etc. Und das selbe gilt auch für Zahlen die aus ganzen Zahlen und Bruchteilen bestehen: 1 1/2 = 3/2 = 6/4.

Beim Bruchrechnen bzw. Rechnen mit Brüchen können wir uns vorstellen, was bis hierhin gesagt wurde: dass es sich hier eigentlich um Gleichungen mit Divisionen handelt, die einfachen, logischen Regeln folgen. Wichtig bei der Bezeichnung der Brüche: der Zähler bezeichnet die obere Zahl, also die Zahl über dem Bruchstrich, der Nenner die untere Zahl, also die Zahl unter dem Bruchstrich (der Nenner gibt die Art des Teiles an [z.B. Achtel], der Nenner gibt an wieviele es von diesem Teil sind [z.B. 1], also: 1/8 bzw. ein Teil von 8). Addition: 1/2 + 1/4 = 2/4 + 1/4 = 3/4 (addiert werden hier bloss die Zähler, also: 1/2 + 1/4 = [nach dem Erweitern der Brüche zu Vierteln] 2/4 + 1/4 = 2+1/4 = 3/4). Und analog die Subtraktion: hier wird das selbe gemacht, nur werden die Zahlen im Zähler dieses Mal subtrahiert (1/2 - 1/4 = 2/4 - 1/4 = 2-1/4 = 1/4). Multiplikation: 1/2 · 1/4 = 1/8 (hier werden beide Seiten multipliziert, also 1·1/2·4 = 1/8). Ein bisschen kompliziert erscheint es nur bei der Division, denn hier wird nicht die eigentliche Division, sondern die umgekehrte Multiplikation durchgeführt, bei welcher bei der zweiten Zahl Zähler und Nenner vertauscht werden: 1/2 : 1/4 = 1/2 · 4/1 = 1·4/2·1 = 4/2 = 2 (oder: Ein Viertel ist in der Hälfte 2x enthalten). Dies sind die vier Grundregeln für die vier Grundoperationen beim Bruchrechnen.

Die hier verwendeten Bruchzahlen nennt man gemeine oder gewöhnliche Brüche. Dazu gibt es auch noch eine andere Schreibweise - jene des Dezimalbruchs. Hier wird der Teil nicht mit Zähler und Nenner dargestellt, sondern hinter einem Komma (oder Punkt): 1/2 = 2/4 = 0,5 = 0.5. 1/4 = 0,25 = 0.25. 3/4 = 0,75 = 0.75. 1/8 = 0,125 = 0.125 (usw. usf., etc. etc.). Die Zahl hinter dem Komma gibt uns auch gleichzeitig eine Prozentzahl an: 0.5 = 0.50 = 50% von 1 bzw. von einem Ganzen oder einer Einheit. 1.5 = 1.50 = 150% von 1 (was eigentlich nicht möglich ist, denn die natürliche oder logische Prozentrechnung geht eigentlich oder normalerweise nicht über 100% bzw. das Ganze hinaus - rein rechnerisch ist es aber schon möglich, ja: rein rechnerisch ist vieles möglich, was eigentlich gar nicht möglich ist, und das ist eine der Sachen, welche die Mathematik manchmal etwas verwirrlich macht gegenüber der natürlichen oder gewöhnlichen Vorstellung, die zwischen Normalität und Phantasie unterscheidet - das macht die Mathematik nicht [was etwa in der Physik nicht unwesentlich ist - ferner: normalerweise wird die Prozentrechnung mit der Zahl 100 gemacht: Ganzes = 100%, Hälfte = 50%, Viertel = 25% (usw. usf., etc. etc.). Aber man kann diese in Bezug auf das Bruchrechnen durchaus eben auch logischerweise auf die Zahl 1 beziehen.])

Das Bruchrechnen brauchen wir im Alltag eigentlich eher selten, trotzdem kann es nützlich sein, diese paar wenigen Regeln zu kennen (wichtig auch hier: das sind alles nicht Regeln, die irgend aus einem Nichts heraus kommen, sondern die ganze Mathematik ist ein logisch aufgebautes System und die einzelnen Regeln lassen sich voneinander ableiten und miteinander kombinieren [innerhalb dieses Systems gibt es auch gewisse Definitionen, aber auch diese sind logisch erklärbar]). Wichtig beim Bruchrechnen: sich auch immer vorstellen, was man da genau miteinander verrechnet (z.B. mit Kuchenteilen, die miteinander verrechnet werden [immer das entsprechende Kuchenstück [1/2, 3/4, 5/8, usw. usf., etc. etc.] im Verhältnis zum ganzen Kuchen vorstellen, indem man sich den Teil im Ganzen vorstellt]). Mathematik ist im Grund - d.h. bevor es richtig kompliziert wird und quasi nur noch abstrakt gerechnet wird - v.a. eine Vorstellungssache. Und dafür muss man sich die richtige Zeit nehmen (ohne sich von den Anderen stressen zu lassen): manche brauchen mehr Zeit dafür, manche weniger, aber (fast) jeder/jede kann sich das vorstellen. Eigentlich sollte man jedem/jeder immer genügend Zeit geben, um sich die Dinge wirklich vorstellen und sie wirklich begreifen zu können, aber das ist im Schul- und Berufsalltag leider manchmal oder sogar oft nicht der Fall (und dann kommt es etwa in der Schule darauf an, wieviel Zeit man zuhause bzw. in der Freizeit investieren kann und will, um das zu lernen, was man direkt im Schulunterricht nicht mitbekommt [ich rate hier dazu, sich für die Grundlagen - in allen Fächern und Disziplinen - viel Zeit zu nehmen, damit es dann später einfacher geht; natürlich ist dies auch ein Appell an die Schulen: die Grundlagen in einem adäquaten Tempo und mit der richtigen Methodik und den richtigen Instrumenten zu lehren; heute, im Internetzeitalter ist das doppelt relevant: wenn die Grundlagen begriffen sind, kann sich im Internet letztlich auch jeder selber weiterbilden]).

Bedeutend ist in der Alltagsmathematik die Dreisatzrechnung. Damit kann aus drei bestimmten Werten eines bestimmten Verhältnisses der unbekannte vierte Wert errechnet werden. Oft verwendet wird diese Rechnungsart im Zusammenhang mit der Prozentrechnung: wenn ein Land eine Gesamtbevölkerung von acht Millionen hat, wieviel davon ist dann eine Schulklasse mit 20 Kindern? Der Dreisatz kann hier einfach angewendet werden, weil wir mit dem Setzen vom Ganzen (100%) einen dritten Wert haben, so dass der vierte dann ausgerechnet werden kann: 100 -> 8'000'000, x -> 20. Rechnung: x = (20 · 100) : 8'000'000 oder 20 · 100 / 8'000'000 = 0,00025 (Prozent bzw. %). Es geht hier immer um das Verhältnis, daher wird der Dreisatz auch als Verhältnisgleichung bezeichnet. Die linke und die rechte Seite vom Gleichheitszeichen stehen bei beiden Aussagen im gleichen Verhältnis, so dass der Dreisatz angewendet werden kann. Dabei wird der gegebene Wert in der zweiten Zeile (Ausgangswert = 20) mit der 100 multipliziert und das Resultat dann durch den Vergleichsgrösse (8'000'000) dividiert. Analog kann dies in ähnlichen Fällen gemacht werden, wenn es nicht um Prozentrechnungen, sondern um andere Verhältnisse geht. Das ist dann schon ein bisschen komplizierter zum Erklären, und daher lasse ich das hier auch auf diesem Stand sein mit dem Weiterrechnen und Erklären (und Drauskommen, auch für mich - wenn man das Rechnen lange nicht mehr angewandt hat, muss man immer von Neuem wieder anfangen, genau zu studieren [das ist natürlich bei der Sprache anders, weil wir diese ständig verwenden, jedenfalls die mündliche Sprache (bei der Mathematik ist dies eigentlich nur bei Menschen der Fall, die berufsmässig mit Mathematik zu tun haben, und da handelt es sich dann meist um ein bestimmtes Spezialgebiet der Mathematik)]).

Weiteres Grundwissen - kurz angeführt. Potenzen sind Zahlen mit Hochzahlen, z.B. 32 = 3·3 = 9. Es geht hier eigentlich nur um eine vereinfachte Schreibweise einer mehrgliedrigen Multiplikation mit der selben Zahl. Die Hochzahl (Exponent) sagt aus, wieviel mal eine bestimmte Zahl (Basiszahl) mit sich selber multipliziert wird. Aus der Potenzrechnung erfolgt auch das Rechnen mit Wurzeln und Logarithmen. Anhand von einer allgemeinen Gleichung: ab=c. Bei der Potenzrechnung wird das Resultat (c) gesucht (bzw. der Potenzwert), bei der Wurzelrechnung (bzw. beim Wurzelziehen) wird die Basis (a) gesucht (bzw. der Wurzelwert), bei der Logarithmusrechnung ist der Exponent (b) gesucht (bzw. der Logarithmuswert - während die anderen Werte jeweils fix gegeben sind). Für die Wurzel- und die Logarithmusrechnung gibt es je eine spezielle Notation (mit dem Wurzel- und dem Log-Zeichen). [Weiteres folgt.]

-> Rechnen mit Lehrerschmidt.


In der Mathematik gibt es verschiedene interessante Teilgebiete, von welchen ich hier (neben der bereits besprochenen Arithmetik bzw. dem 'Grundrechnen') ein paar wenige kurz behandle (dies geht teils leicht über das reine Grundwissen hinaus).

Geometrie. Die Geometrie ist ein Teilgebiet der Mathematik, welches sich mit Punkten, Geraden, Strecken, Abständen, Flächen, Körpern und Räumen beschäftigt. Die Geometrie ist in einem gewissen Sinn (ich habe dies in meinem Werk behandelt) verbunden mit der Arithmetik, indem der Punkt der Zahl eins, die Gerade/Strecke der Zahl zwei, das Dreieck der Zahl drei, das Viereck (bestehend aus zwei Dreiecken) der Zahl vier entspricht (usw. usf., etc. etc.). Man kann die geometrischen Figuren so wie aufgespannte Zahlen vom Zahlenstrahl betrachten. In der Geometrie geht es sowohl um Berechnungen mit und innerhalb der Figuren und Körper (wie etwa Dreieck, Viereck, Quadrat, Parallelogramm, Trapez, Fünfeck, Vieleck, Kreis, Kugel, Zylinder, Würfel, Quader, Prisma, Kegel [usw. usf., etc. etc.]) wie auch um die Konstruktion von Figuren und Körpern - mit Zirkel, Lineal, Geodreieck und anderen Hilfsmitteln. Eingeteilt wird dieses Teilgebiet in eine alte, nichteuklidische (klassische) Geometrie (inkl. analytische Geometrie) und eine neuere, nichteuklidische Geometrie (darin unterscheidet man elliptische und hyperbolische Geometrien - auf diese werde ich hier nicht speziell eingehen). Die nicht nicht-euklidische Geometrie behält alle Axiome der euklidischen Geometrie bei, nur das Parallelenaxiom nicht (mit der Festlegung der Eindeutigkeit paralleler Geraden bei Euklid [danach gibt es nur eine Parallele zu einer Geraden]). Die nicht-euklidische Geometrie bedeutet den Übergang in der Mathematik von konstanten Beziehungen zu veränderlichen Beziehungen (das tönt ein bisschen nach Relativitätstheorie und ist in diesem Rahmen hier zu komplex).

Trigonometrie. Die Trigonometrie ist ein Teilgebiet der Geometrie, in welchem es um die Berechnung von Grössen in Dreiecken (oder Vielecken) geht. Als Hilfsmittel werden die Winkelfunktionen benutzt: Sinus (sin), Kosinus (cos), Tangens (tan), Kotangens (cot), Sekans (sec) und Kosekans (csc).

Wahrscheinlichkeitsrechnung (oder: Wahrscheinlichkeitstheorie). In der Wahrscheinlichkeitsrechnung geht es um die Unterschuchung von Zufallsgeschehen. Das heisst: das ist ein Bereich, in welchem eben keine genaue Berechnung von einem genauen Geschehen gemacht werden kann (und trotzdem wird hier auch ein genaues Resultat ausgerechnet). Das Resultat gibt nur an, wie wahrscheinlich ein Geschehen ist. Typisch ist etwa das Werfen von Würfeln. Die einfachste Rechnung dazu, natürlich: wenn wir einen standardisierten Spielwürfel werfen, ist die Wahrscheinlichkeit ein Sechstel für jede Zahl zwischen 1-6. Nun können verschiedene andere Rechnungen gemacht werden, z.B. wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für jede Zahl beim Wurf mit zwei Würfeln zwei gleiche Zahlen zu werfen (usw. usf., etc. etc.). Hier ist die Wahrscheinlichkeit ein 1/36-tel. Die Wahrscheinlichkeiten werden multipliziert (1/6 · 1/6 = 1/36) - für irgendein Pasch wäre sie wiederum 1/6 (nämlich 1/36 · 6 = 6/36 = 1/6). Da wir es im Alltag sehr oft mit 'zufälligem' Geschehen zu tun haben (in mathematischer Hinsicht - ob es den reinen Zufall auch philosophisch gibt, ist eine andere Frage), ist die Wahrscheinlichkeitsrechnung eine gute und wichtige Sache (wenngleich es sich im Alltag natürlich meist um sehr komplexe Zufälligkeiten handelt, die nicht so leicht auszurechnen sind).

-> Verblüffend: Gutes Schätzen.

Statistik. In der Statistik geht es um die (möglichst unverfälschte) Sammlung, Organisation, Analyse, Interpretation und Präsentation von Daten. Die Statistik gibt heute zu allerlei Zynismus Anlass, z.B. mit dem bekannten Spruch, wonach man keiner Statistik trauen soll, wenn man sie nicht selber gefälscht habe. Vielleicht zeigt dies an, wie wichtig und bedeutend die Statistik heute in Politik und Wirtschaft und geworden ist. Die Statistik ist verwandt mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung, daher gibt es auch ein Teilgebiet, welches beide umfasst - das ist die Stochastik. Eine der bedeundsten Wahrscheinlichkeitsverteilungen in der Stochastik ist die (Gausssche) Normalverteilung mit der bekannten Glockenkurve. Bei einer Standardnormalverteilung ergeben sich folgende Streuungsintervalle: 68,3% liegen im mittlersten Intervall, 95,4% und 997% in den äusseren Intervallen. Man könnte also sagen: in der Standardnormalverteilung sind 68,3% normal im engeren Sinn (dies ist eine rein statistische Interpretation). Bei Abstimmungen sehen wir nicht selten Resultate im Bereich von zwei Dritteln (66,6%) zu einem Drittel (33,3% - in der heutigen Politik auch immer mehr 51%:49%). Bei der Datenerhebung spricht man davon, dass eine Stichprobe einer Grundgesamtheit entnommen wird. Eine Standardnormalverteilung ist gegeben bei einer Normalverteilung mit einem Mittelwert von μ [My, klein] = 0 und einer Standardabweichung von σ [Sigma, klein] = 1. Bei einer Normalverteilung hängt der Stichprobenumfang von der Standardabweichung der Grundgesamtheit, dem angestrebten Konfidenzniveau und der zugelassenen Fehlergrenze ab. Zur Berechnung des Stichprobenumfangs gibt es eine statistische Formel (ein bisschen zu komplex, um sie hier anzugeben).

-> Hans Rosling - The best stats you've ever seen (engl.).

Ininitesimalrechnung ist ein zusammenfassender Begriff für die Differential- und die Integralrechnung. In der Differentialrechnung geht es um die Berechnung lokaler Veränderung von Funktionen, in welcher es v.a. um die Ableitung einer Funktion im Koordinatensystem anhand der Veränderung der Tangentensteigung geht, in der Integralrechnung geht es v.a. um die Berechnung von Flächen und Volumen unter einer Funktionskurve im zweidimensionalen Koordinatensystem. (Dies nur, damit man die Begriffe einmal gehört hat.)

Spieltheorie. Bei der Spieltheorie geht es um eine Entscheidungssituation mit mehreren Beteiligten, die sich gegenseitig beeinflussen (nicht zu verwechseln mit der eigentlichen Entscheidungstheorie, in welcher rein ein Entscheidungsträger alleine betrachtet wird). Häufig geht es dabei um Spielstrategien. Dabei wird unterschieden zwischen nicht-kooperativer und kooperativer Spieltheorie (letztere mit dem Abschluss von verbindlichen Verträgen). Das Min-Max-Theorem beschreibt ein Resultat von maximalem Ertrag durch minimalen Aufwand (bzw. maximaler Wirkung durch minimale Intervention). Die Win-win-Strategie bezeichnet einen Nutzen für alle Beteiligten. Beim Nullsummenspiel sind die Gewinne und Verluste aller Spieler zusammengenommen gleich null. Beim Nash-Gleichgewicht sind alle Spieler mit ihren Strategien (auch im Nachhinein betrachtet) zufrieden. Die Von-Neumann-Morgenstern-Erwartungsnutzenfunktion (von den beiden Begründern der Spieltheorie) ist eine Nutzenfunktion (siehe: Wirtschaftslehre, Mikroökonomie, Grenznutzen), bei welcher der Nutzen der Wahl einer Alternative nicht bekannt ist (daher kann hier bloss eine Erwartungsnutzenfunktion aufgestellt werden). Bedeutend sind in der Spieltheorie Informationsbegriffe wie: Vollständige Information (alle kennen die Regeln), Perfekte Information (alle kennen alle Entscheidungen aller Spieler), Perfektes Erinnerungsvermögen (alle vergangenen Informationen sind memoriert). Die Spieltheorie findet Anwendung etwa in der Wirtschaftswissenschaft, in der Rechtswissenschaft, in der Politologie, Soziologie und Psychologie sowie in der Informatik und auch in der Biologie (Evolutionäre Spieltheorie).

Mengenlehre. Die Mengenlehre wurde erst im frühen 20. Jahrhundert begründet, doch hat sie sich als derart fundamental erwiesen, dass die gesamte Mathematik in der Sprache der Mengenlehre dargestellt werden kann. In der Mengenlehre geht es um die Zusammenfassung von Objekten und/oder Zahlen. Laut dem Begründer dieser Lehre (Cantor) ist eine Menge so definiert: «Unter einer 'Menge' verstehen wir jede Zusammenfassung M von bestimmten wohlunterschiedenen Objekten m unserer Anschauung oder unseres Denkens (welche die 'Elemente' von M genannt werden) zu einem Ganzen.» Natürlich können so eben auch die Zahlenreihen (der natürlichen, ganzen, rationalen oder reellen Zahlen [siehe: oben]) aufgefasst werden. Die Mengenlehre folgt einer besonderen Notation (siehe: Video [unten]). Daher ist sie auch mit der Algebra und der Geometrie zwar logisch, aber rechnerisch schwierig vereinbar (und daher ist die praktische Anwendung der Möglichkeit, die ganze Mathematik mit der Mengenlehre darzustellen, eher von hypothetischer Art). Gleichwohl kann natürlich aber mit Mengen gerechnet werden. Mengen können nicht nur Gesamtmengen sein, sondern auch je nach Verrechnung etwa Teil-, Vereinigungs-, Schnitt-, Komplementär-, Differenz- und Potenzmengen; ferner gibt es auch die leere Menge, wenn null Objekte in einer Menge zusammengefasst sind. Mengen werden in aufzählender oder beschreibender Mengenschreibweise dargestellt - aufzählend z.B. {1,3,5,7,9} für die Menge der ungeraden ganzen Zahlen zwischen 1-10; beschreibend: M = {x|A(x)} ist die Menge aller Objekte, für welche A(x) gilt (dies hier nur zu Veranschaulichung).

-> Lehrerschmidt - Mengenlehre: Teilmenge, Schnittmenge, Differenzmenge, Vereinigungsmenge.

Logik. Die Logik spielt sich seit jeher zwischen der Philosophie, der Sprache und der Mathematik ab. Die klassische Logik von Aristoteles war eine reine Begriffslogik, d.h. sie entsprach der Analyse von Begriffen und deren Beziehungen zueinander. Die klassische Logik behielt ihre Gültigkeit über das Mittelalter, in welchem die Logik, v.a. in der scholastischen Philosophie, eine bedeutende Rolle spielte (bedeutender als jene der [reinen] Mathematik und der Naturwissenschaften), bis in die Neuzeit hinein. In Frankreich und England war das Lehrbuch der sogenannten Logik von Port-Royal von Arnauld/Nicole aus dem 17. Jahrhundert, in welchem es ebenfalls um reine Begriffslogik ging (geprägt durch erkenntnistheoretische Fragestellungen [mit der klassischen Theorie der Zeichen]), populär bis ins 19./20. Jahrhundert. Weitere (spätere) Vertreter der Begriffs- sowie der Aussagenlogik waren etwa: Leibniz, De Morgan, Boole, Peirce, Frege, Russell/Whitehead, Tarski. Von Leibniz an, welcher eine erste Kalküllogik mit Gleichungssystemen formulierte, wurde die Logik immer mathematischer (und zumindest eine Zeit lang auch immer mehr von reinen Mathematikern anstelle von Philosophen bestritten). De Morgan stellte Gesetze für logische Aussagen auf, welche allerdings schon vom scholastischen Logiker Wilhelm von Ockham vertreten wurden. Er hat die mathematische, sukzessive oder vollständige Induktion in die Logik eingebracht, nach welcher eine Aussage für alle natürlichen Zahlen gilt, die grösser oder gleich einem bestimmten Startwert sind (Induktion bedeutet seit Aristoteles den Schluss vom Einzelnen auf das Allgemeine - der Gegensatz ist die Deduktion, welche dem Schluss vom Allgemeinen auf das Einzelne entspricht). Boole entwickelte die Durchformalisierung eines algebraischen Logikkalküls weiter. Die boolesche Algebra war grundlegend für die Computertechnik (ebenso wie das binäre Zahlensystem, welches Leibniz aus Indien eingeführt hatte - ohne die Logiker gäbe es also heute keine Computer und kein Internet; dies ist quasi ihr Nebenprodukt, während ihr Hauptprodukt, nämlich: die Philosophie einer strengen, mathematisch-technischen Logik zu unterziehen, letztlich etwas weniger Früchte trug - jedenfalls ist die Philosophie, trotz dieser Versuche, nicht zur reinen Mathematik geworden).

Mathematikgeschichte*. Einige der ersten grossen Philosophen waren auch grosse Mathematiker - oder umgekehrt, insbesondere Thales (siehe: Satz des Thales) und Pythagoras (siehe: Satz des Pythagoras). Der berühmteste Mathematiker der Antike war jedoch Euklid, dessen Geometrie in seinem Lehrbuch "Elemente" bis in die Neuzeit bzw. in die Gegenwart hinein bedeutend ist. Mathematische Kenntnisse gab es allerdings schon vor den Griechen - etwa bei den Ägyptern und bei den Babyloniern. Platon meinte, ohne mathematische Kenntnisse komme niemand an seine Akademie. Die Römer interessierten sich mehr (oder fast ausschliesslich) fürs Praktische, nicht für höhere Mathematik. Hingegen ist die Mathematik in China und v.a. in Indien sowie im arabischen Raum zu beachten. Bedeutende Mathematiker im Mittelalter waren etwa Aryabhata (Zahl 0, im 6. Jh.), Al-Chwarismi (Algebra, im 9. Jh.) oder Zhu Shijie (Gleichungen, im 13./14. Jh.). Erst im 13. Jh. wurde das indisch-arabische Zahlensystem von Fibonacci in seinem Werk "Liber abaci" (1202) in Europa eingeführt. Unter den christlichen Mathematikern ragen die Kinetiker hervor, welche sich mit der physikalischen Bewegung beschäftigten (Oresme, Ockham, Buridan und andere). Der franziskanische Ordensbruder Pacioli beschrieb im Aufkommen der Geldwirtschaft 1494 die doppelte Buchführung. Adam Riese gab 1544 in Deutschland sein Buch zur Arithmetik und Algebra heraus. Im 17. Jh. baute Pascal eine der ersten Rechenmaschinen und gilt zusammen mit Fermat als Begründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Weitere bekannte Namen in Mathematik und Physik der frühen Neuzeit sind etwa Kepler, Descartes, Torricelli, Huygens oder Leibniz. Die Namen zeigen, dass die Philosophie, die Naturwissenschaft und die Mathematik in jener Zeit sehr eng miteinander verknüpft waren (dies zeigt ebenfalls der Titel von Newtons Hauptwerk "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica", 1686). Im 18. Jh. sind Namen wie Bernoulli, Euler oder Lagrange zu nennen. Carl Friedrich Gauss (1777-1855) wird als 'Fürst der Mathematiker' bezeichnet. Er gilt als Begründer der nicht-euklidischen Geometrie; bedeutend sind ferner u.a. seine Beiträge zur Algebra, Statistik, Differentialgeometrie und Astronomie. George Boole (1815-1864) führte das algebraische Logikkalkül ein und begründete damit die mathematische Logik, Georg Cantor (1845-1918) ist bekannt als Begründer der Mengenlehre. Ein weiterer grosser Name der modernen Mathematik ist David Hilbert (1862-1943); er strebte eine vollständige Axiomatisierung bzw. Ableitbarkeit der Mathematik an (was ihm aber nicht gänzlich gelang). Im 20. Jh. folgten weitere Berühmtheiten der Mathematik wie Kurt Gödel oder John von Neumann - natürlich auch Albert und Mileva Einstein.

* Die Geschichte ist in jeder Disziplin von sehr grosser Bedeutung. Und ich rate jedem Schüler und Studenten, sich für die Geschichte seiner Disziplin(en) zu interessieren. Denn die trockene Vermittlung des Stoffs - nahezu ohne jeglichen historischen Bezug - war einer der Hauptgründe dafür, dass ich mein Studium der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften in den frühen 1990-er Jahren abgebrochen habe. Vielleicht hätte das ganz anders ausgesehen, wenn die Sache im Zusammenhang mit historischen Personen vermittelt worden wäre. Denn das gibt der trockenen Wissenschaft nicht nur etwas Historisches, sondern auch etwas Persönliches und v.a. etwas Spannendes. Heute wüsste ich, wie ich ein Studium - gleichgültig welches - angehen müsste: damals wusste ich das noch nicht (und heute sind auch die Möglichkeiten viel besser, sich selber zu informieren und damit ein eigenes Studium, quasi, zu machen, während man früher fast ausschliesslich auf die Dozenten angewiesen war; zumindest die Spannung kann sich heute jeder/jede selber vermitteln [und es ist wirklich sehr spannend - die ganze Kultur-, Ideen- und Wissenschaftsgeschichte (dies ist natürlich auch eine Aufforderung an die Lehrer, dem historischen Bezug der Theorien, die sie vermitteln, mehr Gewicht beizumessen: wir lernen in der Schule, was Menschen für uns gemacht haben, letztlich zur Verbesserung der Welt; man sollte die Schule deswegen nicht überschätzen, denn das Leben besteht auch nicht nur aus Lernen, aber sie kann damit immerhin verständlich gemacht werden [das ist sie nämlich nicht in jedem Fall - ich habe jedenfalls den Wert der Schule erst erkannt, als es für mich - rein schulisch betrachtet - schon längst zu spät war])]).


Die Informatik, die eigentlich als eine spezifische Technikwissenschaft zu bezeichnen ist, ist die Wissenschaft von der Datenverarbeitung und der Computertechnik (Hardware und Software). Im Vordergrund steht die Elektronische Datenverarbeitung (EDV). Die Geschichte der Computer beginnt wohl bei den ersten Rechenhilfsmitteln wie dem Abakus (mit sumerischem Ursprung), dem Rechenschieber, den mechanischen Rechenmaschinen (Pascal, 1641 ff) oder den Tischrechnern (erster Taschenrechner später: Texas Instruments, 1967). Als erster funkionsfähiger Digitalrechner gilt der Zuse Z3 (1941) - als erster Personal Computer PC gilt der Apple I (1976 - kommerziell erfolgreicher: IBM Personal Computer, 1981); ebenfalls als Vorläufer kann etwa das frührere Loch- und Musterkartensystem zur Steuerung mechanischer Maschinen betrachtet werden (z.B. Analytical Engine von Babbage, um 1837). Das World Wide Web wurde 1991 von Tim Berners-Lee vorgestellt (Vorläufer: ARPANET, 1968). Bedeutend für die Entwicklung der Computer ist die binäre Maschinen- und Computersprache bzw. das entsprechende duale Zahlensystem (0/1). Dieses wurde 1703 von Leibniz eingeführt (in seiner Philosophie bedeutete 1 Gott und 0 das Nichts - heute wird das elektronisch und/oder [baum-] diagramm-mässig aufgefasst: 1 bedeutet Licht [in einem elektrischen Stromkreis] oder ja, 0 bedeutet kein Licht oder nein). Dieses Zweiersystem geht aber weiter zurück: auf den altindischen Mathematiker Pingala (vermutlich um 400 v. Chr.). Es ermöglicht einen Entscheidfluss, welcher auf einfachster, vollkommener Logik beruht - das ist das ganze Geheimnis, welches hinter der klaren Computerstruktur steht. Wir können dabei von einer binären oder technischen oder synthetischen (künstlichen) Intelligenz sprechen. Bedeutend zu nennen in der Entwicklung der Informatik sind auch etwa die Turingmaschine (Turing, 1936) und die Computerarchitektur (auch: Von-Neumann-Architektur - Von Neumann, 1945). In diesem Referenzmodell werden die bedeutendsten Einheiten - das Rechenwerk (Arithmetical Logical Unit ALU) und das Steuerwerk (Control Unit CU) - in der eigentlichen Verarbeitungseinheit bzw. dem Prozessor (Central Processing Unit CPU) vereint.

Generell wird die Informatik unterteilt in Theoretische Informatik (allgemeine Grundlagen), Praktische Informatik (praktische Anwendungen wie z.B. Datenverwaltung oder Softwareentwicklung) sowie Technische Informatik (hardwarespezifische Grundlagen). Der Hardware-Begriff bezeichnet in der Informatik die technische Ausrüstung, der Software-Begriff die Programme (und die entsprechende Programmierung in den entsprechenden Programmiersprachen [wie z.B. Fortran, Lisp, Cobol, Algol, Pascal, Basic, C, Java; die Sprache des Internets bzw. der Websites des Internets, Hypertext Markup Language HTML, ist keine eigentliche Programmiersprache, sondern bloss eine textbasierte Auszeichnungssprache, welche nur eine Darstellung angibt (in HTML können aber auch Programmierelemente integriert werden)]). Beim Internet/Web wird begriffsmässig unterschieden zwischen dem technischen Backbone (d.h. Internet - Ein- und Ausgabegeräte, Kabel, Antennen, Satelliten, Gateways, Router, Modems, Switches, Hubs, Repeater, Bildschirme, Tastaturen, usw. usf., etc. etc.) und den Anwendungen (d.h. World Wide Web, oder kurz: Web - im Prinzip entspricht dies der Hardware-/Software-Unterscheidung [Technik ist natürlich beides, aber wir verstehen umgangssprachlich unter Technik eher die Hardware, während die Technologie ein weiter gefasster Begriff ist, welcher alles umfasst]). Auch die Informatik kann natürlich - wie praktisch jede Wissenschaft - mit vielen anderen Disziplinen verbunden werden - so spricht man heute etwa von Sozio- oder Sozialinformatik, Medieninformatik, Computerlinguistik, Geoinformatik, Medizininformatik und anderen Teildisziplinen.


Die Wissenschaftstheorie ist ein philosophisches Teilgebiet, in welchem es um die Grundlagen der Wissenschaft geht (ich werde diesen Abschnitt leicht über eine eigentliche Allgemeinbildung hinaus behandeln, weil er wichtig und bedeutend ist für die Wissenschaft als solche). Die eigentliche, frühe und/oder ursprüngliche Wissenschaftstheorie ging wesentlich von zwei Philosophen des 17. Jahrhunderts aus: Francis Bacon (1561-1626) und René Descartes (1596-1650) - oder man kann auch sagen vom Streit zweier entgegengesetzter philosophischer Richtungen: Empirismus (F. Bacon, Locke, Hume) vs. Rationalismus (Descartes, Spinoza, Leibniz). Aus diesen Richtungen entstand - dialektisch quasi - die neuzeitliche Wissenschaft, welche geprägt ist durch experimentelle Forschung und mathematische Beweisführung sowie durch eine strenge Subjekt-/Objekt-Scheidung (forschendes Subjekt und wissenschaftlich untersuchtes Objekt). Schon in der Antike hatte ein Philosoph erste wissenschaftliche Grundlagen erhoben: Aristoteles - viele seiner Werke gelten als erste Grundlagenwerke in einem bestimmten wissenschaftlichen Gebiet (teilweise revidiert bzw. widerlegt) - die grössten Wissenschaftler der griechischen Antike kamen nach ihm. Im Mittelalter spielte sich die Wissenschaft mehr - aber nicht nur - in anderen Kulturkreisen ab (China, Islam). Schliesslich initiierten Naturwissenschaftler wie Kopernikus, Kepler oder Galilei - nebst etwa Gilbert oder Harvey - aber eben auch Bacon und Descartes die neuzeitliche Wissenschaft. Robert Boyle (in der Chemie) und Isaac Newton (in der Physik) setzten einen ersten Höhepunkt, bei welchem die Vorstellung von einem mechanistischen Weltbild im Vordergrund stand (ganz im Gegensatz zum relativ wilden alchemistischen Weltbild der vorwissenschaftlichen Zeit der Antike und des Mittelalters). Die Naturwissenschaftler versuchten quasi die Gesetzmässigkeiten hinter der offenkundig erscheinenden Weltmechanik zu entdecken. Die (philosophische) Rationalität wurde gleichgesetzt mit dieser Weltmechanik (der Naturwissenschaften). In der Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert verlagerte sich das Weltinteresse etwas von den Naturwissenschaften zu den sozialen Problemen (und damit zu den Geisteswissenschaften, die erst im Entstehen waren). Der materialistische Philosoph De la Mettrie trieb im Gegenzug der neuen freiheitlichen Ideale die Vorstellung vom mechanistischen Weltbild auf die Spitze, mit seinem Buch "L'Homme-Machine" (1748). Der Mensch (selber auch - d.h. das forschende Subjekt, notabene) als rein mechanistisches Maschinenwesen?

An diesem Punkt sollten sich die Geister scheiden - am Menschen in der Wissenschaft, und v.a. auch am psychologischen Menschen - und es entstand eine bedeutende Wissenschaftskritik (etwa bei Nietzsche und später v.a. im 20. Jahrhundert mit den kulturkritizistischen Philosophen [Existentialisten, Kritizisten, Poststrukturalisten]). Gleichzeitig war nun die Wissenschaftstheorie herausgefordert, sich besser, anders und/oder neu zu erklären, was gar nicht so einfach ist, wenn man bedenkt, wie klar die Grundannahme war. Während die Wissenschaft sich immer bedeutender zur Technikwissenschaft wandelte und die Technik immer neue Höhepunkte erreichte, waren es wiederum die Philosophen, welche sich der Herausforderung der Wissenschaftstheorie stellten (in einem Prozess, der eigentlich bis heute anhält). Zuerst kam der Wissenschaftspositivismus auf, welcher von Comte - eigentlich sogar noch ein paar Jahre vor De la Mettrie - bis zu den (durch Emigration in den USA einflussreichen) Neopositivisten reicht. Der Wissenschaftspositivismus geht davon aus, dass die Wissenschaftlichkeit natürlicher- und historischerweise über der Religion und der Philosophie steht, so dass man sich eigentlich gar keine weiteren Gedanken dazu machen muss. Wissenschaft ist einfach positiv betrachtet das Beste. Das reichte natürlich aber eben nicht mehr, um der wachsenden Wissenschaftskritik auf theoretischem Grund paroli bieten zu können, zumal nun auch noch das Unbewusste auftauchte (Carus [1846], E. von Hartmann, Freud [hier selbst innerhalb der Wissenschaft!]), welches die Sache vollkommen verwirrte. Im US-Pragmatismus wurde die positivistische Position schon ein bisschen abgeschwächt: bedeutend ist nicht, was (rein) positiv ist, sondern was pragmatisch ist bzw. erscheint. Das war eine moderne philosophische Wendung, aber für die Wissenschaft so nicht ausreichend. Mit dem Logizismus (Frege, Russell/Whitehead, Wittgenstein) gingen einige Philosophen quasi zurück ins (christliche) Mittelalter, wo die reine Logik auch wichtiger war als eine eigentliche Wissenschaft - doch das ist nur ein Nebengeleise der Philosophie und der Wissenschaft. Nun erschien an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert in der Naturwissenschaft - neben dem Unbewussten in der Psychologie - das Unfassbare: die Röntgenstrahlen (bei Röntgen), die Radioaktivität (bei Becquerel und Curie), die Quantentheorie (Planck, Bohr, De Broglie, Heisenberg, Dirac, Schrödinger) und schliesslich die Relativitätstheorie (Einstein). Dies kam der vollkommenen Erschütterung der wissenschaftlichen Welt gleich. Die wissenschaftlichen Phänomene erschienen im Äussersten und Grössten plötzlich relativ und im Kleinsten und Innersten irgendwie verschränkt. Noch schlimmer: die Dinge waren plötzlich nicht mehr nur Teilchen, sondern konnten auch Wellen sein. Was sollte man mit solchen Erkenntnissen in der Wissenschaft anfangen?

Während die Philosophie sich - eher fraglich - mit einer sogenannten Phänomenologie als neuer Wissenschaft versuchte (Husserl), behauptete die (philosophische) Wissenschaftstheorie - einen Kritischen Realismus (Riehl, Wundt, Külpe, Messer, N. von Hartmann [ältere: Herbart, E. von Hartmann, Wundt] - Naiver Realismus: Moore, Montague, Perry) und einen Kritischen Rationalismus (Popper, Albert, Lakatos, Musgrave, Watkins, Miller); dazu kamen etwa ein Wissenschaftlicher Konventionalismus (Poincaré) und ein Wissenschaftlicher Instrumentalismus (Duhem). Der Kritische Realismus, welcher auch durch die Diskussionen rund um die philosophische Erkenntnistheorie, erhoben wurde, geht davon aus, dass es eine äussere Welt gibt (was der Idealismus bezüglich der Beweisbarkeit bestreitet), und dass diese bis zu einem gewissen Grad erkennbar ist. Das ist natürlich eine relativ vage Position, welche zwar den alten Determinismus (siehe: Laplace [18./19. Jh.]) revidiert, dabei aber nicht wirklich eine neue Haltung hervorbringt. Diese kam vom Kritischen Rationalismus, insbesondere von Karl Raimund Popper (1902-1994 - Philosoph des Kritischen Rationalismus). Er ging nicht mehr davon aus, dass die Wissenschaft ihre Behauptungen verifizieren muss, sondern: dass diese falsifizierbar sind - das heisst: wissenschaftlich wahr ist nicht das, was einmal bewiesen wurde, sondern das, was bis dahin nicht widerlegt werden konnte. Damit wird nicht mehr eine allgemeine und ewige Wahrheit in der Wissenschaft behauptet, sondern bloss eine, welche sich durch die Forschung und Erkenntnis zu einer bestimmten Zeit ergibt, weil ihre Wahrheit zu dieser Zeit nicht widerlegt werden kann. Das heisst: die Wissenschaft versucht das Beste zu dieser Zeit, nicht das Absolute für alle Ewigkeit. Diese Einschränkung scheint, wie schwierig sie auch für einen wahren Wissenschaftler erscheinen mag, nötig zu sein, um das wissenschaftliche Paradigma in die Zukunft zu retten*. Thomas Kuhn formulierte eine - eigentlich wenig spektakuläre - Paradigmentheorie, wonach es zu verschiedenen Zeiten verschiedene wissenschaftliche Paradigmen gab, gibt und geben wird. Weitere wissenschaftstheoretische Erwägungen änderten nicht wirklich viel daran, dass der Kritische Rationalismus die derzeit populärste Wissenschaftstheorie geblieben ist - so etwa der Wissenschaftliche Realismus (Smart, McMullin, Hacking), der Wissenschaftliche Naturalismus (Laudan) oder der Wissenschaftliche Historismus (Hübner); ferner ist auch der Radikale Konstruktivismus (Glasersfeld) zu nennen, welcher aber als Theorie der subjektiven Wahrnehmung sehr weit weg ist von einer objektiven Wissenschaft (und eine andere gibt es nicht, weil Wissen etwas Objektives ist [Wissen ist eben mehr als blosse Erfahrung - es ist, sich ständig immer wieder bestätigende und daher objektive Erfahrung]).

* Ich sehe auch meine eigene Philosophie unter diesem Aspekt, notabene (freilich eben auf dem Gebiet der [wissenschaftlichen] Philosophie, die für mich v.a. aus einer Aufarbeitung der Ideengeschichte und den [logischen] Schlüssen daraus beruht [Philosophie kann niemals so wissenschaftlich sein wie die Wissenschaft, und das sollte sie auch gar nicht, aber sie kann versuchen, einen wissenschaftlich Anspruch zu erfüllen, indem sie sich nach bestem Wissen und Gewissen manifestiert]).

Während die Wissenschaft weiter um eine adäquate Wissenschaftstheorie ringt, ist die Philosophie bzw. Literatur - etwa in der Wahrheitstheorie - teils vollkommen in den dunklen Keller hinabgestiegen (etwa mit der Minimalistischen Wahrheit bei Horwich [1990] oder gar mit einer Behauptung von Post Truth bei Tesich [1992] - das erinnert schon fast an die hellenistischen Untergangsphilosophien der antiken griechischen Kultur; andere liefern auch [neo-] stoizistische und [neo-] hedonistische Einschläge dazu [die heutige Zeit erinnert in vielem verdächtig an den Untergang der altgriechischen Kultur, in anderem aber wiederum nicht, und das ist der Grund dafür, warum alles so ambivalent erscheint und bleibt derzeit]). Die mittlerweilen gegebene Vielzahl von wissenschaftstheoretischen Erwägungen zeigt, dass die Frage bezüglich der Grundlagen der Wissenschaftstheorie weiterhin offen, spannend und interessant ist. Das Grundproblem dabei ist auch klar: alle Einschränkungen beinhalten die Gefahr einer gewissen Vagheit der Wissenschaft, während das Fehlen von jeglichen Einschränkungen einen gefährlichen Absolutheitsanspruch der Wissenschaft begründen. Alle vernünftigen Menschen wünschen sich vermutlich letztlich eine perfekte Wissenschaft - das Problem ist aber, dass eine solche zu keiner Zeit je zu haben ist (und zwar aus zwei Gründen: erstens weil das Menschliche nicht perfekt ist, und zweitens weil sich die Welt ständig verändert - d.h. die Wissenschaft wird sich schon deswegen ständig verändern, weil sich die Welt ständig verändert [dabei gibt es sowohl Neues, wie auch neue Erkenntnisse zum Alten]).


[Der Text wurde nun einmal durchredigiert, es wird aber noch weitere Redaktionen und Verbesserungen geben [derzeit läuft die zweite Redaktion] - auch sollen noch etwas mehr Links dazu kommen, aber auch nicht zu viele. (20.1.2021).]


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