Philosophie und Bildung: Allgemeinbildung



Einführung. Wie bin ich auf die Idee gekommen, hier eine Seite für die 'Allgemeinbildung' zu machen*? Der Begriff, welcher früher ganz natürlich verwendet wurde - etwa seit der grossen Enzyklopädie im Aufklärungszeitalter (im 18. Jahrhundert) und seit der Einführung der Volksschule (dito) - tendiert heute zu einem negativen Beigeschmack: er wird gerne und immer mehr in die Ecke des Intellektuellen gestellt, welches der Normalbürger von heute nicht mehr so gerne sieht. Ich möchte ein bisschen vermitteln, weil ich finde, dass die Allgemeinbildung immer noch und erst recht - in einer Zeit von zunehmender Dystopie, Fantasy und Esoterik sowie immer abstruseren Verschwörungstheorien - ihren Platz in der menschlichen Kultur haben sollte. Ich sage nicht, dass diese neuen Dinge nicht auch ihre Berechtigung hätten, aber immer mehr Leute von heute scheinen ob den ganzen verwirrenden Sachen zu vergessen, dass der Mensch einmal eine Bildung und Intellektualität der Klarheit aufbauen wollte (etwa seit den christlich-scholastischen Denkern Canterbury im 11. Jahrhundert [mit der Forderung nach Einsicht im Glauben] und Ockham im 14. Jahrhundert [mit einer ersten Formulierung eines Rationalprinzips]). Einiges mag dabei auf nicht mehr immer ganz durchschaubare Wege geraten sein (spätestens seit der Relativitätstheorie und der Quantentheorie in der Physik [im frühen 20. Jahrhundert] und seit dem marxistischen Kommunismus bzw. politischen Marxismus und dessen Scheitern in Osteuropa [im 19./20. Jahrhundert]), aber gerade deswegen sollte oder könnte uns die Klarheit heute wieder etwas bedeuten. Der heutige Trend zielt jedoch auf das Gegenteil: auf noch mehr Verwirrung und Vernebelung. Ich frage mich manchmal, warum wir die Aufklärung, die wir begonnen haben (im 18. Jahrhundert), so rasch wieder aufgeben, bei den kleinsten Schwierigkeiten (und lauter Kulturkritik aus den Reihen der Philosophie selber, zugegeben [seit Voltaire, Kant und Nietzsche sowie den Kulturpessimisten des 20. Jahrhunderts]), und warum wir auf Abwege geraten, statt das Projekt der Aufklärung vielmehr umfassender zu gestalten: als eine Aufklärung nach allen Seiten hin.

* Diese wendet sich übrigens nicht nur an Leute, die sich sonst nicht so gross mit intellektuellen Dingen beschäftigen, sondern durchaus auch an Techniker oder Intellektuelle bestimmter Fachgebiete, die sich als Spezialisten oft nicht allzu gross für die anderen Disziplinen interessieren (das Spezialistentum geht ja heute bis in die Universitäten und bis in die einzelnen Disziplinen hinein sogar [sogar auch in der heutigen Philosophie]). Kein Spezialist muss ein Generalist werden, und natürlich benötigen wir in der heutigen komplexen Welt viele gute Spezialisten - und trotzdem bin ich der Meinung, dass auch ein allgemeiner Überblick über die Bildung und das Wissen seinen Platz hat. Es geht auch hier darum, v.a. die Grundstrukturen, d.h. den Aufbau und die Kernpunkte der Bildung herauszuarbeiten - im Detail kann sich natürlich jeder/jede dort speziell informieren, wo es ihn/sie besonders interessiert. (Ich habe hier meine eigene Philosophie einbezogen - wie alles andere auch aber möglichst kurz und knapp und praktisch [ohne allzu viele und allzu lange Nebensätze und Ausführungen, die man natürlich auch immer machen kann, wie dieses Beispiel hier gerade zeigt, und die auch oft recht bis sehr interessant und aufschlussreich sind]).

(Auch hierzu wieder: ich sage sicher nicht, dass der Kommunismus, die Relativitätstheorie und die Quantentheorie keine Bedeutung hätten, ich sage nur, dass viele Leute damit etwas überfordert sind, und ich selber manchmal sogar auch ein bisschen - die Wendung, welche der realexistierende politische Marxismus genommen hat, ist unverständlich, und die Folgen daraus bedeuten einen tiefen und sehr schwierigen Bruch mit der menschlichen Utopiehoffnung, und die Entwicklung der Physik im 20. Jahrhundert bis zur heutigen Astrophysik und der subatomaren Physik, u.a., sind eben für viele nur eines, und das ist verwirrend, so dass es einen überhaupt nicht erstaunen muss, dass weitere Verwirrlichkeiten aller Arten und Weisen heute, natürlich auch durch das Internet, welches auch seine besseren und schlechteren Seiten hat, einen immer leichteren Zugang zu den Menschen haben - in alledem möchte ich eben hier die klare Allgemeinbildung wieder erwägen). Der Bruch zwischen der universitären Gelehrtenwelt und der Allgemeinheit scheint derzeit immer grösser zu werden, und wir sehen das in der Politik oder auch in Krisen, wie der aktuellen Coronakrise (oder auch in der Ökoproblematik). Ich bin der Meinung, dass wir dadurch in sehr schwierige Probleme hineinkommen werden, und dass eine kleine Vermittlung - oder ein Versuch dazu - deswegen dringend notwendig ist. Dabei soll sicher nicht die Wahrheit zugunsten der Klarheit aufgegeben, aber andererseits auch nicht die Wahrheit in der Unklarheit aufgelöst werden (um schliesslich in irgendeinem Schwarzen Loch unterzugehen, oder in irgendeiner Supernova zu explodieren - schliesslich leben wir trotz aller Astrophysik immer noch auf dieser Erde, im Hier und Jetzt [und dies vermutlich und hoffentlich noch für eine unvorstellbar lange Zeit]).

Der deutsche Philosoph Roland Simon-Schäfer meinte, dass wir nicht in der Mitte seien, dass aber wo immer auch wir sind, die Mitte ist - für uns (persönlich, subjektiv und individuell). Damit wollte er die irdische, menschliche Sicht der Dinge wieder etwas zurückholen gegenüber der objektiven, universalen Sicht. Und das scheint mir heute durchaus berechtigt. Die Gelehrten denken heute in astronomischen Dimensionen, im Grössten wie im Kleinsten quasi, aber sie sind eingeholt worden vom Ökoproblem. Wir sind wieder auf der Erde angekommen. Es ist eben beides wahr: die Sonne steht im Zentrum des Sonnenystems (wie Kopernikus sagte [im 16. Jahrhundert], und das All scheint unendlich zu sein, wie Bruno sagte [dito]), aber für uns steht trotzdem und nachwievor die Erde im Zentrum, auf welcher wir stehen und leben. Wir müssen die zweifache Bedeutung sehen, erkennen, verstehen und begreifen, und sogar die dreifache, die etwa besagen kann, dass der Menschen immer in einer dreifachen Zeit lebt: in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft. Das darf einerseits für uns als Menschen nicht zu komplex sein, andererseits aber wollen wir es im Allgemeinen auch nicht komplexer machen, als es tatsächlich ist und/oder betrachtet werden kann.

Meine vielfältigen Erfahrungen mit der Komplexität haben mich dazu gebracht, anzunehmen, dass der Mensch die Dinge im Allgemeinen bis zur Fünfheit noch relativ gut erfassen kann (also: Einheit, Zweiheit, Dreiheit, Vierheit, Fünfheit), dass es aber ab der Sechsheit immer schwieriger wird mit dem Verständnis, und dass der Mensch dann auch leicht und rasch überfordert ist (also: Sechsheit, Siebenheit, Achtheit, Neunheit, usw. usf., etc. etc.). Daher hat mein philosophisches System fünf Dimension: vom (Da-) Sein, vom Leben, vom Glauben, vom (Nach-) Denken und vom Handeln (sowie Gut-Handeln und Nicht-Handeln). Die Dreiheit ist die kürzeste Formel zur Beschreibung einer komplexen Einheit - die Fünfheit (nach mir) die beste. Ich werde meine eigene Philosophie in dieser Darstellung der Allgemeinbildung (natürlich) miteinbauen, werde aber klar darauf verweisen, welche Inhalte von mir selber stammen. Nebst einem eigentlichen philosophischen System und/oder Weltbild ist für mich die Zeiteinteilung* sehr wichtig, denn darin teilen wir die Ereignisse der Vergangenheit ein. In einer allgemeinen Zeiteinteilung bin ich auf folgendes Schema gekommen: 1. (Altertum und) Antike, 2. Mittelalter, 3. Neuzeit, 4. Moderne (Moderne I: Aufklärung/Liberalismus [18. Jh.], Moderne II: Sozialismus [19. Jh.], Moderne III: Existentialismus [20. Jh.]), 5. Postmoderne (später - die heutige Zeit nenne ich: Spätmoderne). Eine genaue Zeiteinteilung ist wichtig und bedeutend für unser Zeitverständnis.

* Die Zeiteinteilung ist eines der wichtigsten Grundraster der Einordnung des Wissens und der intellektuellen Arbeit überhaupt, denn damit bekommt man eine Vorstellung und Einschätzung der zeitlichen Entwicklungen. Man kann auch selber spezifische historische Zeittabellen erstellen - mit eigens zusammengestellten historischen und/oder fachspezifischen Daten. Weitere Grundraster sind - nebst der Sprache bzw. den Sprachen und der Mathematik, notabene - etwa die Weltgeografie (Erdkunde, Weltkarte), das anatomische Modell des Menschen und das Periodensystem der Elemente (dieses ist schon ein bisschen spezifischer, gehört aber ebenfalls in diese Kategorie der Grundraster - allgemein weniger gebräuchlich, weil etwas zu komplex, ist die biologische Einteilung der Tierarten [es gibt allerdings auch besser brauchbare Darstellungen als die klassische Klassifikation]; zur Entstehung der frühen Formen gibt es den Tree of Life [dt. Baum des Lebens - interessant, einmal anzuschauen, aber nicht wirklich bedeutend für das Weitere]).



Wichtig und bedeutend ist es für mich als generalistischer Philosoph auch, gerade im Rahmen des Projekts einer Allgemeinbildung, dem gesamten Kulturbereich bzw. den verschiedenen Faktoren der Kultur - Religion/Esoterik, Philosophie/Politik, Wissenschaft/Ökomomie sowie auch Kunst/Spiel (und schliesslich auch: Jurisprudenz/Medien) - die gleiche Berechtigung zu geben, wie verschieden auch ihr konkreter Stellenwert in einer gegebenen Gesellschaft zu einer gegebenen Zeit sein mag. Diese Faktoren verhalten sich letztlich wie die Parteien in einer Demokratie: sie ergänzen einander, obwohl sie auch in einem gewissen Wettstreit miteinander liegen - um die Gunst in der Gesellschaft (etwa zwischen der Politik und der Ökonomie, oder zwischen der Religion, der Philosophie und der Wissenschaft, usw. usf., etc. etc. - letztlich geht es doch v.a. um eine ausgewogene Gesamtkultur, in welcher alle Interessen adäquat vertreten sind [alleine dies kann eine gewisse Lebensqualität für den Menschen bieten - wieder so ein Begriff, der heute einen negativen Beigeschmack bekommen hat, aber wie will der Mensch der Zukunft leben, ohne diese Dinge wie Allgemeinbildung [negative Schlagwörter: Schulzwang, Gehirnwäsche, Indoktrination] oder Lebensqualität [Bequemlichkeit, Ignoranz und Arroganz, Korruption], u.a.: diese Frage müssen wir uns ja heute stellen (wobei sich auch fragt, wie wir die ganzen negativen Stimmungen, die aus einem übertriebenen Positivismus heraus gekommen sind, auflockern können, und wie wir an sich gute Begriffe einem allzu starken negativen Zugriff entziehen können [durch aktive Veränderung und Verbesserung aktueller Zustände auch])]).

Wir können ja nicht alle guten Begriffe vernichten, und glauben, dass dann ein werteres Leben entstehen würde: das ist absurd. Wir müssen die Begriffe nicht fahrenlassen, sondern wir müssen sie besser und genauer angehen. Wir müssen uns fragen, was sie wirklich bedeuten, und wie wir wahrhaftiger mit ihnen umgehen können. Es scheint durchaus, als ob wir an einem gewissen Scheideweg der Kultur stehen, an welchem diese Fragen aufzuwerfen und neu zu betrachten sind.

Ferner wichtig und bedeutend sind für mich die wissenschaftlichen Disziplinen, daher werde ich die Inhalte im System derselben eingliedern. Obwohl ich sehr dafür bin, Natur- und Umweltschutz in die heutige Bildung zu integrieren, halte ich gar nichts halte ich von Fächern, die ein öologisches Generalwissen vermitteln wollen - etwa 'Natur, Mensch & Gesellschaft', oder ähnliche, welche die klassische Disziplinenordnung aufheben und eigene Ordnungen schaffen, oder sogar einfach alle Disziplinen in ein einzelnes generalisiertes Fach eingliedern. Bildung erlernt man mit der richtigen Einordnung. Man kann nicht anfangen damit, Wissen zu verbinden, wenn man noch gar keines hat. Das ist eine bedeutende Fehlentwicklung in der heutigen Volksschule. Zuerst kommen die Analysefähigkeiten und erst danach die Synthesefähigkeiten. Wenn man das Einzelne verstanden hat, kann man darangehen, das Ganze zu verstehen. Das ist die richtige Vorgehensweise einer (analytischen) Wissenschaft (die freilich auch nicht zu Ende gedacht ist, wenn sie dann nicht auch das Ganze zu ergründen versucht, sondern im Einzelnen steckenbleibt). Hier also gibt es die klassische Einteilung der Bildungsinhalte nach den wissenschaftlichen bzw. universitären Disziplinen (inkl. der Einteilung in Natur- und Geisteswissenschaften).

Anfangen möchte ich die Betrachtung der einzelnen Disziplinen mit der Theologie, welche neben der Philosophie und deren Wissenschaftstheorie eine spezielle Kategorie innerhalb des Systems bildet, von Wissenschaften, die sich nicht so leicht in Natur- oder Geisteswissenschaften einteilen lassen. Aristoteles, der Begründer der systematischen Wissenschaft in der Antike, von welchem auch die Einteilung in theoretische Philosophie (heute: Naturwissenschaft) und praktische Philosophie (heute: Geisteswissenschaft) stammt, betrachtete Gott als den Ersten Beweger [im ewigen Regress des Kausaldenkens - dies war für ihn der Grund, um die Religion in die Wissenschaft aufzunehmen]). Es stellt sich natürlich übrigens in der Wissenschaft bezüglich der Theologie nicht die Frage, ob man ein 'gläubiger Mensch' ist oder nicht: die Theologie ist - an unseren Universitäten - eine wissenschaftliche Disziplin.





Die Theologie ist die Wissenschaft vom religiösen Glauben. Dieser orientiert sich an Götterwelten (immer, wenn wir von Religion sprechen, geht es um Götterwelten: polytheistisch bei mehreren Göttern, monotheistisch bei einem Gott, ferner: atheistisch ohne Gott, agnostisch bei der Offenlassung der Gottesfrage, pantheistisch bei der Annahme einer blossen, allumfassenden Naturkraft). Wir sprechen heute von fünf grossen (Welt-) Religionen - von Westen nach Osten auf der Weltkarte: Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus - sowie vielen kleineren [inkl. den ausgestorbenen Religionen]). Zwei Religionen kennen eine bedeutende Vermittlerfigur, welche den zentralen Wert dieser Religionen begründet: Jesus Christus im Christentum und Buddha Gotama im Buddhismus (der Gott Jesu heisst Abba [in der Heiligen Schrift der Bibel], jener von Buddha ist Brahma [in den Reden Buddhas] - die anderen Religionen kennen auch Vermittlerfiguren, diese sind aber nicht so zentral in ihren Religionen, sondern zentral sind da eigentlich alleine die Götterphänomene selber [Jahwe [das ist der Gott, der keinen spezifischen Ort hat, sondern überall sein und auftreten kann], Zebaoth [der Gott der Propheten in der Bibel], Elohim, Abba, Allah, Brahma/Vishnu/Shiva, u.v.a.]). Bekannte religiöse Schriften sind etwa: Bibel (Judentum und Christentum), Talmud (Judentum), Koran (Islam), Avesta (Parsismus bzw. Zoroastrismus), Veden (Hinduismus), Bhagavadgita (Hinduismus), Reden des Buddha (Buddhismus); antike Götter- und Heldensagen findet man in den Schriften der griechischen Dichter Homer (Ilias, Odyssee) und Hesiod (Theogonie) sowie des römischen Dichters Ovid (Metamorphosen) - bedeutend in der germanischen Götter- und Heldenmythologie sind etwa: Edda (Island), Heimskringla (Norwegen), Nibelungenlied (Deutschland), Artussage (Britannien). Verwandt mit der Religion und deren Theologie sind die Mystik und die Esoterik - diese beiden Formen der Religion können als spirituelle Geheimlehren bezeichnet werden. Die Mystik, eine Art tiefe innere Einkehr im Glauben, bildet die Grundlage des Phänomens der Religion überhaupt, während die Esoterik eher diverseste Randphänomene der Religion und/oder einer verschiedenartigen Spiritualität bezeichnet.

Mit dem Begriff der Ökumene wird die Zusammenarbeit verschiedener Konfessionen im Christentum bezeichnet. Weiter gefasst kann darunter aber auch die Zusammenarbeit aller Religionen (und noch weitergefasst, könnte man - wie ich den Begriff verwende - den Begriff der Ökumene sogar ausdehnen auf die philosophischen Ideologien). Das Christentum, welches auf dem Glauben des galiläischen Wanderpredigers Jesus Christus beruht, ist in verschiedene Konfessionen eingeteilt: die orthodoxe, die katholische (mit verschiedenen Ordensgemeinschaften wie jener der Benediktinerorden, der Franziskaner oder der Jesuiten), die protestantische (bzw. reformierte, mit der Reformation von Luther und Calvin im 16. Jahrhundert; zur protestantischen Konfession gehören auch die evangelischen Konfessionen wie der Baptismus oder der Methodismus). Die Katholische Kirche wird als Grundlage des Christentums betrachtet, weil sie sich auf eine Bibelstelle bezieht, in welcher Jesus das Kirchenamt an Petrus übergibt, der in der katholischen Tradition als erster Papst gilt. Philosophisch wird das mittelalterliche Christentum eingeteilt in die Zeit der Patristik der Kirchenväter im ersten Jahrtausend (etwa 1.-8. Jahrhundert - mit Paulus dem Apostel, Justinus dem Märtyrer [welcher sagte, der Christus sei der ganze Logos (philosophischer Urgrund)], Augustinus von Hippo) und der Scholastik der Kirchenlehrer im zweiten Jahrtausend (etwa 11.-16. Jahrhundert - mit Anselmus von Canterbury, Thomas von Aquino, Wilhelm von Ockham). Die Patristik ist geprägt von der Aufrichtung des kirchlichen Dogmas (u.a. mit der Heiligen Dreifaltigkeit [Vater, Sohn und Heiliger Geist]), die Scholastik durch Fragen zu allen Glaubensinhalten (inkl. auch philosophischen und wissenschaftlichen Fragen); die Methodik der Scholastik lag in den Quaestiones, bestehend aus Fragen, Argumenten und Auflösung.

Die Heilige Schrift der Bibel - hier kurz eine Inhaltsbeschreibung mit meinen Interpretationen - besteht aus einem Alten Testament des Judentums und einem neuen Testament des Christentums. Das Alte Testament kann in zwei Teile gegliedert werden: in einen eher mythischen Teil, mit den Geschichten von Adam bis Noah, und einem eher historischen Teil, mit den Geschichten von Abraham bis zu den Propheten. Die Schöpfungsgeschichte sagt, wie zuerst die Planeten entstanden sind (Sonne und Erde), dann die Tiere und schliesslich die Menschen. Adam und Eva werden als erste Menschen bezeichnet; ich stelle mir Adam als ersten Menschen vor, welchem der monotheistische Gott erschienen ist (nach jüdischer Zeitrechnung: 3761 v. Chr.*). In der Bibel ist von zwei frühen Paradiesen bzw. fruchtbaren Landschaften die Rede, einem in Afrika (in der Gegend von Ägypten und/oder Äthiopien) und einem in Mesopotamien - vermutlich ist damit eine frühe Völkerwanderung angedeutet. Das frühe Leben der Menschen war jedoch nicht nur paradiesisch, sondern auch arbeitsreich. Noah, ein Nachfahre Adams, baute eine riesige Arche, um der Sintflut zu entkommen (vermutlich eine Flut des indischen Flusses Sindh) - mit sich nahm er seine Verwandten und Tiere verschiedener Gattungen; die Arche Noahs landete auf dem Berg Ararat. Abraham gilt als Urvater der jüdischen, christlichen und islamischen Religion - er schloss einen Bund mit Gott und ihm wurde das heilige Land versprochen. Die drei Erzväter der Israeliten sind Abraham, Isaak und Jakob - dieser gilt als Vater der zwölf Stämme der Israeliten. Ismael, ein Halbbruder Isaaks, gilt als Stammvater der Araber. Als die Israeliten in Ägypten unter die Knechtschaft des Pharaos gerieten, wuchs der Israelit Mose am Hof des Pharaos auf. Ihm wurde von Gott verheissen, dass er die Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft führen sollte. Er führte sie durch die Wüste und in die Region des heiligen Landes, welches Gott Abraham verheissen hatte. Dort starb er, und Joshua übernahm die Führung der Israeliten. Kriegerisch zogen sie ins heilige Land ein und liessen sich dort nieder, wo sie mit den heimischen Kanaanitern zusammenlebten. Im heiligen Land wurden die Israeliten von Richtern wie Gideon, Simson und Samuel geführt und schliesslich von Königen wie Saul, David und Salomo regiert. Das Reich zerfiel allerdings nach der Herrschaft Salomos in zwei Reiche, die beide in fremde Gefangenschaft gerieten: der letzte König des Reiches Israel, Hoschea, geriet in assyrische Gefangenschaft, der letzte König des Reiches Juda, Zedekia, geriet in babylonische Gefangenschaft. Propheten wie Elia, Jeremia und Jesaja hatten die Israeliten vor dem Abfall von ihrer Religion und dem Zerfall ihrer Reiche gewarnt. Sie verhiessen einen Messias (Erlöser), welcher der grosse Friedefürst sein sollte. Als solcher wird Jesus Christus im Neuen Testament beschrieben, welcher in Bethlehem geboren wurde, aber in Nazareth aufwuchs (in der Region von Galiläa [auch Bezirk der Heiden genannt, mit einer bedeutenden Population von Galliern (Kelten)]). Er zieht als Wanderprediger durch das Land Palästina, hält vor vielen Zuhörern eine Bergpredigt der Liebe, bezeichnet sich als Licht der Heiden und wird schliesslich von Pilatus, dem römischen Statthalter in Judäa, zum Tod verurteilt, weil ihm von den Pharisäern, der herrschenden Elite in Palästina, religiöse Aufruhr vorgeworfen wurde (das israelitische Volk, welches von Pilatus in dessen Entscheid einbezogen wurde, erwartete nach immer wieder wechselnden Fremdherrschaften einen politischen Erlöser, wie es Mose war, und war daher mit Jesus ebenso wenig zufrieden wie die Pharisäer). Nach drei Tagen soll er von den Toten auferstanden, seinen Jüngern erschienen und zum Himmel aufgefahren sein. (Diese Passage, u.a., zeigt, dass die ganze Bibel durchsetzt ist mit einem Gemisch aus historischen Fakten und mythischen Darstellungen.) Im Neuen Testament der Bibel finden sich neben den vier Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, welche die Lebensgeschichte Jesu beschreiben, u.a. auch die Apostelbriefe von Paulus und Petrus sowie die Offenbarung des Johannes (auch als Apokalypse bekannt), welche dieser vom Christus empfangen hatte.

* Dies erklärt auch die Darstellung von zwei verschiedenen Schöpfungsgeschichten: der siebentägigen Weltschöpfung und der Menschenschöpfung mit Adam und Eva. Die spezifische Schöpfungsgeschichte der Menschen mit Adam und Eva beschreibt eine theologisch-patriarchalistische Wendung: das hätte man, wenn man dies gewollt hätte durchaus etwas neutraler gestalten können, was aber offenbar nicht im Sinn jener Zeit lag** (interessant ist auch, dass der Gottesname in der Lutherbibel bis zur Figur von Abraham neutral gehalten ist ['Gott'] und erst von da an eine patriarchalistische Wendung nimmt ['Gott, der Herr'], d.h. der mystische Gott ist neutral, der theologische Gott ist [in der Bibel] männlich - das ist aber wiederum von Bibelausgabe zu Bibelausgabe verschieden).

** Inwieweit die Theologie der Zukunft neutraler werden soll oder nicht, wird sicher eine bedeutende Diskussion in der Zukunft sein. Ich kann beide Argumente verstehen - sowohl jene, welche die Religion möglichst original erhalten möchten (falls dies nicht überhaupt eine Illusion ist), und jene, welche die Innovation fordern (natürlich aber nicht eine frauenfeindliche Religion und/oder Praxis). Eine wichtige Frage dazu wird auch sein, welche Rolle die Religion in einer angehenden und/oder künftigen neutraleren Friedensgesellschaft*** spielen kann/soll.

*** Unter einer Friedensgesellschaft verstehe ich vorab eine Gesellschaft, welche in einem äusseren Frieden lebt, d.h. keine Kriege gegen andere Länder führt. Der äussere Frieden wird in der zukünftigen Welt notwendigerweise herzustellen sein, aufgrund der immer stärkeren und gefährlicheren Waffen, welche im Kriegsfall weltweit zur Verfügung stehen (sowie auch aufgrund des bedeutenden Massenmigrationsproblems, welches bei grossen Kriegen auftritt, denn Kriege bedeutenden ja immer auch grosse und weitreichende humanitäre Katastrophen allgemeiner Art, mit Millionen von Menschen, die sich dadurch in plötzliche und unkoordinierte Bewegung setzen). Der äussere Frieden wird durch die Organisation der Vereinten Nationen und ein starkes internationales Beziehungsgeflecht zwischen den Nationen relativ einfach herzustellen sein. Viel schwieriger wird es sein, den inneren Frieden in den verschiedenen Gesellschaften herzustellen - dies wird vermutlich noch Jahrtausende dauern (während die Herstellung des äusseren Friedens bzw. eines weitreichenden, wenn auch vermutlich nie ganz perfekten äusseren Friedens eine Sache von Jahrhunderten sein könnte).


Anmerkung: dass die Menschen für ein patriarchalistisches Weltbild (und das Führen von Kriegen) keine Religion benötigen, hat (entgegen einem heute häufig auftretenden Argument im Atheismus) die Ideologie des Kommunismus gezeigt. Sogar neuere (unreligiöse) Trenderscheinungen wie HipHop oder Hipster sind ausgesprochen männlich geprägt. Dass aber fundamentalistische Auffassungen in den Religionen historisch zum Patriarchalismus (und zum Führen von sogenannt heiligen Glaubenskriegen) neigen, ist auch nicht zu verleugnen. Dies ändert aber wiederum nichts daran, dass der Christus Jesus als Friedefürst verheissen ist (bzw. als Wunderrat, Gottheld, Ewigvater, Friedefürst und... Morgenstern [nach den Prophetenbüchern im Alten Testament und der Johannesoffenbarung]). Und dies ändert wiederum nichts daran, dass in allen grossen Religionen noch (mindestens) ein weiterer grosser Gottesgesandter angesagt ist (Judentum: ['eigener'] Messias, Christentum: Paraklet, Islam: Mahdi, Hinduismus: Kalki, Buddhismus: Maitreya - dies wurde in der Esoterik im 20. Jahrhundert thematisiert [Steiner, Morris, Creme]). Und dies ändert wiederum nichts daran, dass Pascal meinte, dass niemand tun könne, was der Christus Jesus getan hat (und dies ändert wiederum nichts daran, dass Pascal teils abwertende Gedanken gegenüber anderen Religionen äusserte [usw. usf., etc. etc. - ein weites Feld mit vielen Unwägbarkeiten]).

Die Berechtigung von Religion und Theologie scheinen im Allgemeinen ungebrochen, weil die aus der Philosophie hervorgegangenen neuzeitlichen Wissenschaften die letzten Fragen nicht adäquat beantworten können. Was steht am Anfang/Ursprung der Welt? Was ist das Universum? Was ist der Sinn des (Da-) Seins? Was ist das Leben? Woher kann der Mensch Kraft in seinem Leben beziehen? Woran kann sich der Mensch halten in schwierigen Momenten/Situationen? Was soll der Mensch letztlich tun? Was steht am Ende der Welt? Die Wissenschaften haben auf diese Fragen teils schon eigene Antworten, aber es sind durchwegs Antworten, die (auch) nicht unbezweifelbar sind (bzw. nicht an wirkliche Letztbegründungen heranreichen können). Die Wissenschafen reden sich damit heraus, dass eben von der Wissenschaft her noch nicht alles geklärt sei, dass aber alles von der Wissenschaft geklärt werden wird zu gegebener Zeit. Dies aber ist eine reine Spekulation, und daher nicht wirklich wissenschaftliches Denken (und es hilft auch nicht über die aktuellen Fragen diesbezüglich hinweg). Es ist der Wissenschaft bisher weder gelungen, die Theologie zu widerlegen, noch sich mit ihr zu verbinden. Man kann also - summa summarum - den Gläubigen trotz aller Wissenschaft ihren Glauben noch immer nicht absprechen (und das ist für manche eine frohe Botschaft oder doch zumindest ein kleiner Trost). Trotzdem muss auch darauf hingewiesen werden, dass gewisse Ausprägungen von religiösen Fundamentalismen wahrscheinlich nicht mehr zeitgemäss - und/oder sogar zu verurteilen - sind. Eine Religion, welche die philosophische Vernunft und/oder das wissenschaftliche Engagement ablehnt, sollte es in der heutigen Zeit eigentlich nicht mehr geben. Die Religion, die Philosophie und die Wissenschaft wären in einem vernünftigen Weltbild gegenseitig dazu angehalten, miteinander zusammenzuarbeiten, insofern alle das Ziel von einer besseren Welt erreichen wollen. Die Frage, wie die patriarchalische Tendenz in praktisch allen bestehenden Religionen heute bewerten werden soll, und wie den Frauen mehr Gewicht in diesen Religionen verliehen werden kann, ist offen.

Zehn bedeutendste (christliche) Theologen: Paulus von Tarsus (10-60 [Interpretation Christi]), Simon Petrus (gest. 65 [Erster Papst (posthum)]), Justin der Märtyrer (100-165 [Christus als Logos]), Augustinus von Hippo (354-430 [Trinität (Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit)]), Anselm von Canterbury (1033-1109 [Einsicht im Glauben]), Thomas von Aquino (1225-1274 [Summe der Theologie]), Meister Eckhart (1260-1328 [Mystik vom Seelenfünklein]), Nikolaus von Kues (1401-1464 [Zusammenfall des Entgegengesetzten]), Martin Luther (1483-1546 [Reformation (mit Calvin, Knox u.a.)]), Hans Küng (geb. 1928 [Ökumene]).


Die Philosophie ist die Wissenschaft vom philosophischen Nachdenken. Die Philosophen stellen die klassischen, traditionellen Glaubenssysteme in Frage und denken eigenständig über die Welt nach (jedenfalls versuchen sie dies zu tun; der Zweifel bedeutet natürlich noch lange nicht die Verwerfung, sondern die Religion kann in die Philosophie eingebunden sein, wie dies bei mir etwa der Fall ist - die Ferne zum Glauben treibt viele heutige Philosophen in die Umarmung mit der reinen Wissenschaft (und damit ebenfalls weg von der reinen Philosophie)]). Das Ziel der Philosophie ist der Weg zur Weisheit (daher bezeichnen sich Philosophen als Freunde der Weisheit [und nicht als Weise (was ein kleiner, aber feiner Unterschied ist)]). Darüber, was Weisheit ist, kann man sich trefflich streiten, wie über fast alles in der Philosophie (was nicht heisst, dass in der Philosophie nicht manche Argumente einleuchtender und andere weniger einleuchtend sind [und dennoch gibt es in der Philosophie keine entscheidende Instanz, welche eine solche Bewertung letztlich vornehmen und festlegen könnte*]). Die Philosophie - zumindest die schulmässige Philosophie - begann im antiken Griechenland und führte zu deren Klassik mit Sokrates (Zweifel, Kritik), Platon (Ideenlehre) und Aristoteles (Begründung der systematischen Wissenschaft). Im späteren Mittelalter erinnerten die christlichen, islamischen und jüdischen Philosophen an die Philosophie des Aristoteles. Das frühere Mittelalter war eher platonisch geprägt, das spätere dann aber klar aristotelisch. Durch die Auseinandersetzung der neuzeitlichen Wissenschaftler mit der aristotelischen Physik wurde v.a. durch Galilei die neuzeitliche Wissenschaft begründet. Descartes behauptete in dieser Zeit (im 17. Jahrhundert) eine starke Rolle des Subjekts in der Welt ("Ich denke, also bin ich") - durch das forschende Subjekt und die vergleichende Forschung wurde aber gleichsam auch eine starke Rolle des Objektiven mitbegründet: das Subjekt erforscht das Objekt (die Wissenschaft behauptet daher quasi ein objektives Subjekt). Die Wissenschaftstheorie ist bis heute eine Disziplin der Philosophie geblieben. In der Zeit der Aufklärung wurde auch politisch eine neue, objektive Sichtweise begründet - gegen die übertrieben absolutistische Regierungsweise der damaligen europäischen Könige (exemplarisch: Louis XIV., der sogenannte Sonnenkönig, in Frankreich). Locke und Montesquieu sprachen von der Gewaltentrennung im Staat, Rousseau von Volkssouveränität und Demokratie (und Smith vom Wirtschaftsliberalismus). Nach und mit diesem Höhepunkt einer Philosophie als Aufklärung folgte eine grossangelegte und unerbittliche Kulturkritik, angefangen bei Voltaire über Nietzsche bis zum 20./21. Jahrhundert (v.a. in der Kritischen Theorie in Deutschland und im Poststrukturalismus in Frankreich - aber teils auch im Existentialismus, welcher die Situation eines alleine auf sich selber gestellten, entwurzelten bis verängstigten und doch intellektuellen und kunstverständigen und -sinnlichen Menschen schildert - dieser existentialistische Mensch hat sich in seinem puren Existentialismus auch von den philosophisch-ökonomischen Ideologien des Liberalismus/Kapitalismus und des Sozialismus/Kommunismus gelöst, die nach ihm je nicht das halten konnten, was sie versprochen haben; auch dies ist jedoch noch lange nicht das letzte Wort der Philosophie, da sich diese immer wieder neu erfinden kann [und muss]). Die aktuelle Philosophie ist stark wissenschafts- und psychologiebezogen (sie versucht - meiner Meinung nach - eher etwa der neurowissenschaftlichen Erforschung der Gehirnwindungen nachzugehen, als den eigentlichen philosophischen Wendungen dieser Zeit [aber natürlich gibt es heute sehr viele verschiedene Richtungen, was eine allgemeine Darstellung der Philosophie immer schwieriger macht]).

* Die allerletzte Instanz, wenn man denn doch eine festlegen wollte, hat in der Philosophie sogar jedoch einen ähnlich fatalen Charakter wie in der Religion. Da ist es das Gericht Gottes (also eines übergeordneten Wesens, welches letztlich weitestgehend ausserhalb unseres Macht- und Einflussbereichs liegt und vollkommen über uns bestimmt), hier die Wahrheit der Skeptizisten. Die philosophischen Skeptiker sind bereits im Hellenismus der Antike aufgetreten (v.a. mit Pyrrhon - und später vereinzelt immer mal wieder [Agrippa, Sextus Empiricus, Montaigne, Fries, Hume]). Die Fatalität der skeptizistischen Ansicht liegt darin, dass aufgrund der verschiedenen Temperamente und Auffassungen der Menschen keine Wahrheit möglich ist. Das Denken, so meinen sie, vollziehe sich bloss in Zirkelschlüssen, welche nur beweisen können, was zuvor schon vorausgesetzt wurde. Umgekehrt bedeutet dies auch: es gibt eigentlich und letztlich für alles irgendwelche Gründe, die man erwägen kann. Das ist gleichzeitig absolute Relativität wie absolute Paradoxie. Nichts ist wahr und alles ist wahr. Das verunmöglicht nicht nur jegliche Philosophie, sondern auch jegliche Wissenschaft und jegliche Religion. Ein solches Denken, so fand man schon in der Antike heraus, ist letztlich nicht alltagstauglich. Offenbar benötigt der Mensch ein einigermassen vernünftiges Denken, um den Alltag bewältigen zu können. (Und doch bleibt dieser Radikalskeptizismus als philosophische Fatalität irgendwo im Raum stehen [und wird auch von heutigen Philosophen gerne benutzt, wenn sie sich die Sache allzu einfach machen möchten - natürlich kann man so eben alles und jedes kritisieren und argumentativ vernichten, aber geholfen ist damit am Ende eben auch niemandem].)

Zehn bedeutendste Philosophen: Konfuzius (551-479 v. Chr. [Tugend von Mass und Mitte (auch zu finden bei Aristoteles)]), Platon (427-347 v. Chr. [Ideenlehre* - von Sokrates (?**)]), Aristoteles (384-322 v. Chr. [Wissenschaftliche Systematik]), René Descartes (1596-1650 [Rationalismus]), John Locke (1632-1704 [Empirismus, Liberalismus, Voraufklärung]), Jean-Jacques Rousseau (1712-1778 [Aufklärung, Gesellschaftsvertrag]), Immanuel Kant (1724-1804 [Aufklärung, Kritik der reinen Vernunft]), Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831 [Phänomenologie des Geistes]), Sören [Aabye] Kierkegaard (1813-1855 [Existentialismus, Psychologie]), Friedrich (Wilhelm) Nietzsche (1844-1900 [Kulturkritik]).

* Die Ideenlehre ist eine der bedeutendsten, wenn nicht die bedeutendste philosophische Grundvorstellung der antiken Philosophie. Sie basiert darauf, dass hinter den Dingen Ideen stecken. Diese kann man sich vorstellen als die ideale Vorstellung des Dings. Das heisst: von einem einzelnen Pferd besteht immer auch die (allgemeine) Idee von einem (idealen) Pferd. An der Spitze der Ideen stehen in dieser Ideenwelt die Ideen des Guten und der Gerechtigkeit. Das Gute ist die höchste Idee, die Gerechtigkeit ist - nach Platon - die höchste Tugend (von vier Tugenden: Klugheit, Mässigkeit, Tapferkeit, Gerechtigkeit).

** Ich spreche hier das Faktum an, dass Sokrates und Platon in den Büchern von Platon und damit in der platonischen Philosophie eigentlich eine Person sind. Alle Weisheiten von Platon werden ausgesprochen von der Figur von Sokrates (daher habe ich hier nur eine Figur aufgeführt, nämlich Platon, von welchem die Literatur stammt).

Anm. Die Philosophen des Mittelalters sind unter der Theologie eingeordnet (üblicherweise bezeichnet man Augustinus von Hippo und Thomas von Aquino als bedeutendste Philosophen des Mittelalters - dazu Moses Maimonides im Judentum sowie Avicenna und Averro&eecute;s im Islam); andere sind teils unter den Wissenschaften eingeordnet.

Zehn* bedeutendste philosophische Bücher. Platon - Politeia (dt. Der Staat), Aristoteles - Ta meta ta physika (dt. Metaphysik), Roger Bacon - Nova Atlantis (dt. Neu-Atlantis, 1627), René Descartes - Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences (kurz: Discours de la méthode, dt. Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung, 1637), John Locke - An Essay Concerning Humane Understanding (dt. Eine Abhandlung über den menschlichen Verstand, 1690), Jean-Jacques Rousseau - Du contrat social ou Principes du droit politique (kurz: Du contrat social, 1762), Immanuel Kant - Kritik der praktischen Vernunft (1788), Georg Wilhelm Friedrich Hegel - Phänomenologie des Geistes (1807), Nicolai Hartmann - Ontologie (Vier Bände: 1. Zur Grundlegung der Ontologie, 2. Möglichkeit und Wirklichkeit, 3. Der Aufbau der realen Welt: Grundriss der allgemeinen Kategorienlehre, 4. Philosophie der Natur: Abriss der speziellen Kategorienlehre, 1935-1950), Hans Jonas - Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation (1979)**.

* Eigentlich habe ich nur sieben philosophische Werke gefunden (bei bloss einer Nennung pro Philosoph, notabene), welche in die oberste Kategorie gehören (und gleichermassen bedeutend und bahnbrechend wie berühmt sind - die anderen drei Positionen musste ich ergänzen; in der Philosophie ist es ja letztlich so, dass v.a. die Summe der verschiedenen Standpunkte es ausmacht [und trotzdem ist man versucht, einzelne herauszuheben]).

** Die Darstellung der Philosophie der Moderne zeigt, dass ich mich weder an einer rein existentialistischen, noch an einer negativistisch-antistrukturalistischen oder abgehoben analytischen Philosophie orientiere - das waren die drei vorherrschenden Richtungen der Philosophie des 20. Jahrhunderts (bis in das 21. Jahrhundert hinein - sondern an einer positiv konstruktiven Philosophie (ich zähle neben Hartmann und Jonas auch unbekanntere Philosophen wie Gebser oder Heidbrink noch dazu). Das unterscheidet mich von den meisten heutigen Philosophen.

Meine Philosophie zielt darauf hin, alles - auch bedeutendste Gegensätze - in einer Grossen Theorie zu vereinigen (manche sagen, die Systemphilosophie sei etwa bei Hegel ausgestorben, aber das stimmt nicht - im 20. Jahrhundert wurde sie etwa noch vertreten von Hartmann und Gebser). Nach mir entspricht das Hauptprojekt der Philosophie einer wirklichen Aufklärung nach allen Seiten hin (inkl. einem System, welches die reine [Kultur-] Kritik der Philosophie des 20. Jahrhunderts relativiert, gleichzeitig aber auch in einer umfassenden Gesamtschau jede einzelne Ideologie relativiert). In meiner Philosophie findet sich ebenso radikal Neues wie auch der Einbezug von Althergebrachtem, dies mag erscheinen wie eine eigenartige und/oder gelungene Mischung, vielmehr ist es aber eben generalistische Philosophie, die versucht, einen möglichst guten Ausgleich zu schaffen (wie gesagt hier: in Verbindung auch mit neuen und innovativen Ideen).


Die Wissenschaft (lat. sciencia [Kenntnis]) ist die Wissenschaft vom wissenschaftlichen Handeln. Wissenschaft gab es bereits in der Antike (herausragend etwa: die Sternbeobachtung, die euklidische Geometrie sowie die Begründung der wissenschaftlichen Systematik durch Aristoteles) und im Mittelalter (herausragend: die Alchemie), und trotzdem sprechen wir von einer eigentlichen Wissenschaft, wie wir sie heute kennen, erst ab der Neuzeit (im 16./17. Jh.). Was war denn so neu in dieser grossen erkenntnistheoretischen Wende (von der alten Naturphilosophie zur neuen Naturwissenschaft)? Erstens die Neubetrachtung und -erwägung uralter Grundansichten (vgl. Kopernikus mit dem heliozentrischen Weltbild [obwohl es diese Ansicht auch in der Antike schon gab: bei Aristarchos von Samos und Seleukos von Seleukia]), zweitens die experimentelle Methodik (vgl. Galilei mit seinen Experimenten zur Bewegung auf schiefer Ebene), drittens das Verlangen nach naturbeherrschender Technik (vgl. Bacon mit seinem wissenschaftlich-technischen Weltbild), viertens die starke Stellung des Forscher-Ichs gegenüber einer objektivierten Welt (vgl. Descartes mit seiner Subjekt-/Objekt-Scheidung), fünftens die grosse Bedeutung der Mathematik für die Beweisführung in den neuen Erklärungen zu den Phänomenen der Welt (ebenfalls bedeutend erhoben v.a. bei den Rationalisten [Descartes, Spinoza, Leibniz]). All diese Faktoren gingen zusammen in dieses neue Projekt ein, die Welt systematisch wissenschaftlich zu ergründen, was v.a. bedeutete, dass über die Phänomene der Welt nicht mehr bloss nur nachgedacht werden sollte, sondern: dass das Denken, wo es möglich ist, experimentell in der Wirklichkeit nachprüfbar werden muss. Das vage Denken sollte zu einem geprüften und gesicherten Wissen werden. Vor allem Bacon und Descartes werden heute von wissenschaftskritischen Denkern indes stark kritisiert - ihnen wird Feindschaft zur Natur und deren Degradierung zum reinen Objekt vorgeworfen (vgl. Capra mit seiner esoterischen Wendezeit-Vorstellung und seinem New-Age-Postulat von einer sanfteren Technik und Forschung). Wir schauen heute zurück auf 400 Jahre immer rasantere Entwicklung der Wissenschaften und ihrer Technik. Als der deterministische Rationalismus (vgl. Laplace) an seine Grenzen stiess, erhob der Wissenschaftsphilosoph Popper den Kritischen Rationalismus, welcher besagt, dass eine Theorie nicht nur verifiziert werden muss, sondern dass sie vielmehr auch immer falsizierbar sei (d.h. wenn eine bessere Theorie gefunden werden kann, ist die alte Theorie in den entsprechenden Bereichen oder allgemein nicht mehr gültig, was allerdings in der Praxis aus verschiedenen Gründen nicht immer so einfach ist - berühmte Beispiele zeigen, dass eine neuere Theorie eine ältere nicht immer gänzlich ausräumen kann: das Paradebeispiel ist die Mechanik von Newton in der Relativität von Einstein]). Vieles von dem, was die Wissenschaften und ihre Technik hervorgebracht haben, möchten wir nie wieder missen, aber wir (an-) erkennen mittlerweilen nicht mehr nur den Segen von Wissenschaft, Technik und Fortschritt, sondern auch die weniger schönen Seiten (wie etwa: [moderne] Waffentechnik oder Ökoproblematik). Wir sollten daher die Wissenschaft weder verdammen noch überidealisieren. Der Mensch benötigt eine gute Wissenschaft - wie schon Augustinus im Mittelalter meinte (kein vernünftiger Mensch kann gegen die Wissenschaft sein) - aber diese sollte auch ihr eigenes Handeln in Frage stellen, damit sie eine wahre Wissenschaft bleibt, welche das Wissen ebenso sucht, wie sie auch dessen gute Anwendung in der Technik will (spätestens seit der Atombombe sollte sich die Wissenschaft diesen Fragen stellen [beteiligte Physiker wie Oppenheimer oder Einstein wurden nach deren Einsatz zu Gegnern von Atomwaffen]). Die Wissenschaft und die Ethik haben sich getrennt - die Wissenschaft will frei sein, die Ethik möchte sie einbinden. Dies ist einer der Konflikte, welche die Wissenschaft in der Zukunft zu bewältigen hat (u.v.a. [darunter auch einige interne Konflikte (Spezialisierung, Spekulationen, Politisierung)]). Wenn wir uns heute fragen, wo es denn mit der Religion/Theologie und der Philosophie hingehen soll, so stellt sich die Frage noch viel bedeutender bezüglich der Wissenschaft, da diese seit einigen Jahrhundert die treibende Kraft der menschlichen Kultur ist (und als solche die moderne Kultur auch zusammenhält). Auch über den nicht immer einfachen Gegensatz von Natur- und Geisteswissenschaften wird noch zu reden sein (folgt).

Zehn bedeutendste Naturwissenschaftler: Nikolaus Kopernikus (1473-1543 [Astronom u. Arzt]), William Gilbert (1544-1603 [Physiker u. Arzt]), Galileo Galilei (1564-1642 [Astronom, Physiker u. Ingenieur]), Johannes Kepler (1571-1630 [Astronom]), Robert Boyle (1627-1692 [Chemiker]), Isaac Newton (1643-1727 [Physiker]), Carl von Linné (1707-1778), Antoine (Laurent) de Lavoisier (1743-1794), James Clerk Maxwell (1831-1879 [Physiker]), Albert Einstein (1879-1955 [Physiker]).

Zehn bedeutendste Geisteswissenschaftler: Thomas Hobbes (1588-1679 [Philosoph u. Politologe]), Montesquieu (1689-1755 [Philosoph u. Politologe]), Jean-Jacques Rousseau (1712-1778 [Philosoph, Pädagoge u. Politologe]), Adam Smith (1723-1790 [Ökonom u. Philosoph]), Auguste Comte (1798-1857 [Soziologe u. Philosoph]), Alexis de Tocqueville (1805-1859 [Politologe u. Philosoph]), Karl Marx (1818-1883 [Ökonom, Soziologe u. Philosoph]), Eduard Bernstein (1850-1932 [Politischer Theoretiker*]), John Maynard Keynes (1883-1946 [Ökonom]), Talcott Parsons (1902-1979 [Soziologe]).


* Dieser - im wissenschaftlichen Kontext etwas weniger bekannt als die anderen - ist hier aufgefürt, weil er die Sozialdemokratie vom revolutionären Kommunismus abtrennte und mit seiner revisionistischen Politik die systemverbessernde und -erhaltende Funktion der Sozialdemokratie begründete.

Anm. Die Politologen bezeichnete man früher - d.h. vor der Einführung der eigentlichen Politikwissenschaft - als Staatstheoretiker; ich habe hier für alle Zeiten den Begriff des Politologen verwendet.

Zehn bedeutendste Bücher der Wissenschaft (fünf Natur- und fünf Geisteswissenschaften). Nikolaus Kopernikus - De revolutionibus orbium coelestium (dt. Über die Umlaufbahnen der Himmelssphären, 1543), Galileo Galilei - De motu antiquiora (1590 [gedruckt aber erst 1890!]), Robert Boyle - The Sceptical Chymist (dt. Der skeptische Chemiker, 1661), Isaac Newton - Philosophiae Naturalis Principia Mathematica (kurz Principia Mathematica, 1687), Montesquieu - De l'esprit des loix (dt. Vom Geist der Gesetze, 1748), Jean-Jacques Rousseau - Du contrat social ou Principes du droit politique (kurz: Du contrat social, dt. Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechts, 1762), Adam Smith - An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations (kurz: The Wealth of Nations, dt. Der Wohlstand der Nationen, 1776), Immanuel Kant - Kritik der praktischen Vernunft (1788), Karl Marx - Das Kapital (1867-1894), Albert Einstein - Zur Elektrodynamik bewegter Körper (Essay - 1905).

Anm. Nähme man hier noch Freud dazu (mit seiner Traumdeutung etwa), würde man merken, dass die drei bedeutendsten wissenschaftlichen Theoretiker der letzten 200 Jahre aus dem Judentum kamen (Marx, Freud, Einstein - und dass es in den letzten 100 Jahren in der theoretischen Wissenschaft nichts - von der reinen Bedeutung her - Vergleichbares mehr gegeben hat, wobei man vielleicht Planck, ein evangelischer Christ, mit der Quantentheorie noch zu den drei Genannten dazurechnen müsste - dafür entwickelten sich in dieser Zeit die Naturwissenschaften immer mehr zu Technikwissenschaften [mit Spitzenleistungen wie Computer oder Internet (mit ähnlichen Umwälzungen in allen Bereichen; natürlich gilt das auch für frühere technische Neuerungen*)]). Dies wäre in der Philosophie zuvor nicht möglich gewesen. Diese drei Denker haben das westlich-abendländische Denken wirklich auf den Kopf gestellt und die spätmoderne Zeit, in welcher wir heute leben, wäre ohne sie undenkbar. (Natürlich ist aber auch auf die Kunst hinzuweisen, welche diese Richtungen in vielfältiger Art und Weise vorgespurt hat.)

* Erfindungen: Ur-Innovationen vor ca. 2,5 Mio. Jahren; Feuer vor 1 Mio. Jahren; Keramik, Glas, Porzellan ca. 20'000 v. Chr.; Ackerbau und Viehzucht ca. 10'000 v. Chr.; Schlitten und Rad ca. 9000 v. Chr.; Pfeil und Bogen ca. 9000 v. Chr.; Spinnen und Weben ca. 7000 v. Chr.; Kupfer, Bronze, Eisen ca. 7000 v. Chr.; Schiffe ca. 6000 v. Chr.; Backen und Brauen ca. 3500 v. Chr.; Schrift und Papier ca. 3000 v. Chr.; Bewässerung und Kanalisation ca. 3000 v. Chr.; Bogen in der Baukunst ca. 1400 v. Chr.; Medizintechnik ca. 1000 v. Chr.; Wind- und Wassermühle ca. 700; Schiesspulver und Feuerwaffen ca. 850; Buchdruck 1045; Linse, Fernrohr, Mikroskop 13. Jh.; Uhr 13. Jh.; Rechenhilfen 1623; Dampfmaschine 1712; Automaten und Roboter 1728; Telegraphie 1791; Fahrrad 1817; Eisenbahn 1825; Photographie 1826; Glühlampe 1854; Beton 1855; Verbrennungsmotor 1859; Telephon 1861; Kühltechink 1879; Schallplatte 1877; Strom 1880; Fluggeräte 1891; Dieselmotor 1892; Röntgen 1895; Film und Kino 1895; Magnetspeicher 1898; Kunststoff 1905; Kunstdünger 1913; Rundfunk 1923; Fernsehen 1927; Rakete und Weltraumfahrt 1927; Computer 1930; Atomkraft 1942; Laser 1953; Solarzelle 1954; Internet 1969; Mikroprozessor 1971; Gentechnik 1972. (Diese Liste habe ich aus dem Buch '50 Klassiker: Erfindungen' [2003] übernommen; eine Reihe, die man allgemein empfehlen kann, wie auch etwa die Reihe vom dtv-Atlas [mit der Geschichte und dem Grundwissen der diversen Wissenschaften].)





Die Naturwissenschaften. Betrachten wir die Naturwissenschaften, also die Untersuchung der Natur in verschiedenen Disziplinen, im Einzelnen. Die eigentliche oder sogenannte Naturwissenschaft ist unterteilt in Physik (Ebene der Atome sowie der unbelebten Körper und des Universums), Chemie (Ebene der Moleküle/Verbindungen/Stoffe) und Biologie (Ebene der lebendigen Körper und ihren gesellschaftlichen Strukturen [inkl. Anatomie (Lehre vom menschlichen Körper)]). Früher sprach man noch oft von Naturwissenschaftlern an und für sich, weil es früher mehr Universalgelehrte gab (sei es im Bereich der Naturwissenschaft oder der Wissenschaft allgemein [inkl. Geisteswissenschaften], während man heute eigentlich nur noch die Bezeichnung der Spezialisten verwendet: Physiker, Chemiker, Biologe - oder noch spezifischer, so etwa: Teilchenphysiker, Agrochemiker oder Mikrobiologe. Jede Wissenschaft - das gilt ebenso für die Geisteswissenschaften - hat ihren spezifischen Untersuchungsgegenstand und ihre spezifische daraus hervorgehende Logik sowie auch ihre spezifische Fachsprache (dabei ist festzustellen, dass eigentlich jeder Wissenschaftler ein seiner Disziplin entsprechendes Weltbild hat: der Physiker ein physisches, der Chemiker ein chemisches, der Biologe ein biologisches [usw. usf., etc. etc. - die Wissenschaft hat also letztlich nicht wirklich ein einziges wissenschaftliches Weltbild hervorgebracht, sondern viele verschiedene, disziplinenspezifische Weltbilder]). Bei den Naturwissenschaften gibt es aber trotzdem eine gewisse Linearität in deren natürlichem (Grund-) Bezug: Physik/Atom, Chemie/Molekül, Biologie/Körper-Organismus (Leben). Es herrscht also in diesem Bereich eine sehr viel klarere Ordnung und Struktur als bei den Geisteswissenschaften (siehe unten - und doch wäre es eben auch falsch zu sagen, dass diese naturwissenschaftliche Ordnung in sich selber vollkommen abgeschlossen wäre [dies ist schon alleine deshalb nicht möglich, weil es natürlich diverse Bezüge zu anderen Wissenschaften gibt, auch zur Theologie und Philosophie, und auch zu den Geisteswissenschaften]).


Die Physik untersucht die Bewegung von Teilchen und Körpern. Ich teile sie ein in Mechanik & Relativität sowie Elementar- und Astrophysik. Die Mechanik untersucht die Bewegung der Dinge (Materie) und die Kräfte (Energie), welche dabei wirken. Sie geht davon aus, dass es mechanische Grundformeln gibt. Diese lauten: 1. Kraft [F] ist Masse [m] mal Beschleunigung [a] -> F=m·a (d.h. Kraft ist definiert durch eine Masse und die Beschleunigung [also: Geschwindigkeitsveränderung*], welche sie erfährt). 2. Arbeit [W] ist Kraft [F] mal Weg [s] -> W=F·s (d.h. Arbeit ist definiert durch eine wirkende Kraft und dem Weg, welchen diese Kraft zurücklegt). 3. Leistung [P] ist Arbeit [W] in der Zeit [t] -> P=W/t (d.h. Leistung ist definiert durch eine Arbeit und der Zeitdauer, in welcher sie erbracht wird). Hat man diese drei Formeln begriffen, dann hat man schon einmal den Ansatz der mechanistischen Physik begriffen.

* a=dv/dt=v2-v1/t2-t1 (d = delta [oft mit einem Dreieck dargestellt], steht in der Mathematik für: Veränderung - d.h. Beschleunigung [a] ist die Veränderung der Geschwindigkeit [dv=v2-v1] im Verhältnis zur Veränderung der Zeit [dt=t2-t1]).

Weiterführend - analog zur Arbeitsformel gibt es diverse Energieformeln: Potentielle Energie oder Höhenenergie [Epot] ist Masse [m] mal Erdbeschleunigung [g=9,81 m/s2 (Erdbeschleunigungskonstante)] mal Höhe [h], Kinetische Energie oder Bewegungsenergie [Ekin] ist halbe Masse [m] mal Geschwindigkeit im Quadrat [v2] -> Epot=m·g·h, Ekin=0,5·m·v2. (Dies ist schon ein bisschen schwieriger verständlich und kurz zu erklären - und daher hier nur am Rande angemerkt: bedeutender ist das Verständnis der einfachen Grundformeln [oben].)

Physikalische Einheiten (das sind Messeinheiten, in welchen die verschiedenen Grössen messbar sind [ich gebe hier jeweils noch den englischen Begriff dazu, nach welchem die Grössen bezeichnet sind]): Mass (engl. mass, m) in Kilogramm [kg], Weg (engl. space, s) und Höhe (engl. height, h) in Meter [m], Zeit (engl. time, t) in Sekunden [s], Geschwindigkeit (engl. velocity, v) in Meter pro Sekunde [m/s], Beschleunigung (engl. acceleration, a) in Meter pro Sekunde im Quadrat [m/s2]*, Kraft (engl. force, F) in Newton [N], Arbeit (engl. work, W) und Energie (engl. energy, E) in Joule [J], Leistung (engl. power, P) in Watt [W].

* Bei einer Beschleunigung von 1 m/s2 verändert sich die Geschwindigkeit pro Sekunde um 1 m/s.

Die Mechanik wurde bereits durch erste, primitive Bewegungstheorien in der Antike begründet (Platon, Aristoteles) und danach durch die sogenannte Impetustheorie erweitert - erst die Auseinandersetzung Galileis mit der aristotelischen Theorie brachte die klassische (neuzeitliche) Mechanik hervor*. Berühmt sind in der Mechanik die drei Newtonschen Grundgesetze der Bewegung (auch: Grundgesetze der Mechanik): 1. Ein Körper, auf welchen keine Kraft einwirkt, bleibt in Ruhe oder bewegt sich geradlinig mit konstanter Geschwindigkeit (Trägheitsprinzip), 2. Bewegungsänderungen entsprechen der Einwirkung der bewegenden Kraft nach der geradlinigen Richtung dieser Kraft (oder: Kraft ist Masse mal Beschleunigung -> Aktionsprinzip), 3. Kräfte treten immer paarweise auf: jede Kraft (actio) hat eine gleichwertige Gegenkraft (reactio –> Wechselwirkungsprinzip**).

* Die Entwicklung der Bewegungstheorie ist sehr interessant. In unserem heutigen Verständnis ist es relativ klar, was für Faktoren eine Rolle bei der Bewegung spielen, aber am Anfang, als die ersten Denker über die Bewegung nachdachten, war das durchaus nicht klar (und so war es mit allem in der Wissenschaft). Man wusste v.a. nicht, was die Bewegung der Dinge erhält. Platon nahm an, dass Luftwirbel für die anhaltende Bewegung eines Pfeiles sorgen, Aristoteles meinte, dass der Bogen die bewegende Kraft an die Luft weitergibt (dass also quasi der Pfeil von sich bewegender Luft getragen wird). Die Impetustheorie (von Philoponus und Buridan) besagte im Mittelalter dann erst, dass die anhaltende Bewegungskraft gar nicht von der Luft stammt, sondern durch den Bogen direkt in den Pfeil geht (eines von vielen Beispielen, welches beweist, dass es im christlichen Mittelalter durchaus eine wissenschaftliche Weiterentwicklung gegeben hat!). Diese Kraft aber sei nur geliehen und gehe darum wieder verloren (deswegen falle der Pfeil auch nach einer gewissen Flugdauer wieder zu Boden).

** Ein anschauliches Beispiel ist die Bewegung eines Ruderbootes. Mit dem Rudern wird das Wasser nach hinten gedrückt, gleichzeitig erfährt das Boot durch das Wasser einen Schub nach vorne. Bei diesem Gesetz müssen immer zwei Kräfte aufeinander wirken.

(Wer sich für den gesamten Verlauf der Bewegungstheorie interessiert, kann dies hier einsehen: Von Aristoteles zu Galilei und Newton - Die Entdeckung der Grundgesetze der Mechanik (Webseite). Man kann dabei auch sehen, dass Aristoteles durchaus schon ein interessantes Grundverständnis von der physikalischen Bewegung hatte. Schade: dass einem in der Schule die historische Entwicklung der Wissenschaft nicht nähergebracht wird, denn dies würde den Sinn für die Wissenschaft schärfen.)

Exkurs: Entwicklung vom Magnetismus über die Elektrizität zur Strahlung (sowie zur Quanten- und Relativitätstheorie). Bedeutend für das Verständnis der Entwicklung der modernen Physik ist v.a. die Entwicklung von einer magnetischen zu einer elektrischen Physik - und darüber hinaus. Der Magnetismus hat eine alte Herkunft und war schon im Altertum und in der Antike bekannt. Im Mittelalter schrieb Petrus Peregrinus de Maricourt die erste bedeutende wissenschaftliche Abhandlung zum Magnetismus ("Epistola de magnete", 1269), und auch am Beginn der Wissenschaft der Neuzeit steht eine solche - von William Gilbert ("Tractatus, sive physiologia nova de magnete, magneticisque corporibus et de magno magnete tellure", 1600). Seinen eigentlichen Höhepunkt erlebte der Magnetismus in der mechanischen Physik von Newton, in welcher er einen wesentlichen Faktor bildete - mit dem Newtonschen Gravitationsgesetz (veröffentlicht in Newtons Hauptwerk: "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica", 1687). Die Elektrisierung der Physik erfolgte wesentlich durch die Experimente von Galvani über tierische Elektrizität (veröffentlicht 1791) und die Interpretation derselben durch Volta, welcher die Batterie erfand (1800). Bekannt war das Phänomen ebenfalls bereits im Altertum und in der Antike - und eine erste Schlüsselfigur in der Neuzeit war dazu wiederum William Gilbert, welcher den Begriff von der Electrica einführte (1600). Jedoch kann der Magnetismus trotzdem klar der alten, die Elektrizität klar der neuen Welt zugeordnet werden. Die Elektrifizierung der Welt ist das Phänomen, welches die Moderne symbolisiert (oder sagen wir: die spätere Moderne, wenn wir die frühere vielleicht mit der Dampfmaschine [Newcomen 1712, Watt 1769] in Verbindung bringen). Verschiedene Naturforscher und Erfinder beschäftigten sich mit dem Phänomen der Elektrizität bis zur Erfindung der Batterie und der Begründung der Elektrostatik (Coulomb) und des Elektromagnetismus (Oersted, Ampère) sowie der Erfindung des Elektromotors (Faraday und andere), der Begründung der Elektrotechnik (Siemens) und der weiteren Erforschung der Elektrizität (etwa durch Ohm oder Joule). Einer der bedeutendsten Autoren zum Elektromagnetismus, sozusagen der Vereinigung von Elektrizität und Magnetismus, ist James Clerk Maxwell ("On Physical Lines of Force", 1861-1862). Berühmt wurde Thomas Alva Edison als Erfinder der Glühlampe, welche allerdings eine viel längere Entwicklungsgeschichte hat, und als Begründer des modernen Beleuchtungssystems (zuerst in New York). Berühmt ist auch der Stromkrieg bzw. Formatstreit zwischen Edison (Gleichstrom) und Westinghouse (Wechselstrom - Tesla hatte den Wechselstrom 1887 erfunden). Nach der Beschäftigung mit dem elektrischen Strom und den elektromagnetischen Wirkungen im 19. Jahrhundert erfolgte gegen Ende jenes Jahrhunderts die Beschäftigung mit den Röntgenstrahlen (Röntgen 1895) und der Radioaktivität (Becquerel 1896, Curie 1898) sowie ebenfalls um die (für die Wissenschaft der Physik - aber auch für die Kultur allgemein - höchst bedeuteungsvolle) Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert die Begründung der Quantenphysik (Planck, 1900 [Plancksche Strahlungsformel]; Bohr, 1913; De Broglie, 1924; Heisenberg/Born/Jordan, 1925; Dirac, 1925; Schrödinger, 1925)) und - auf einer anderen Ebene (aber nicht unverwandt) - der Relativitätstheorie (Einstein 1905/1916). Fast ein bisschen esoterisch mutet die Relativität im Grossen und Ganzen (Einstein) oder auch die Verschränktheit im Kleinsten (Schrödinger) bis heute an. Physikalische Phänomene waren schon immer auch eine beliebte Quelle für esoterische Spekulationen (innerhalb und ausserhalb der Wissenschaften, notabene [sowohl die subatomare Physik wie auch die Astrophysik scheinen heute einiges Halbwissen für die esoterische Spekulation hervorzubringen]).

Nebst dem Konzept der Mechanik (von Isaac Newton, 17. Jh.) gibt es das Konzept der Relativität (von Albert Einstein, 20. Jh.), welches die Verhältnisse von Zeit- und Raumbestimmungen in verschiedenen Bezugssystemen einbezieht* (es ist auch die Rede vom Inertialsystem [einem abgeschlossenen, gleichförmig bewegten oder unbewegten System -> reine Mechanik] und vom Relativitätsprinzip [zwei (oder mehrere) unterschiedlich zueinander bewegte Inertialsysteme im Vergleich -> Relativität]).

* Ein einfachstes Beispiel dazu: irgendein Gegenstand auf unserem Pult scheint in Ruhe zu verharren, in Wirklichkeit aber bewegt er sich - nämlich durch die (bzw. mit der) Erdrotation (die Erde dreht sich ja in rund 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse). Betrachten wir das Bezugssystem des Pultes, so verharrt er in Ruhe, betrachten wir aber das Bezugssystem der Erde, so ist er in Bewegung. Daher ist die Angabe von Ruhe oder Bewegung für diesen Gegenstand relativ, und das ist die Relativität, die Einstein meint. Desgleichen könnten wir also 24 Stunden stehenbleiben und würden uns dabei einmal um die Erdachse drehen (man kann das ausprobieren und wird nichts davon merken, weil das gesamte eigene Bezugssystem sich mit uns dreht - und warum fallen wir unten nicht weg? Weil wir mit unserem ganzen Bezugssystem von der Erdanziehungskraft angezogen werden, und weil es auf einer Kugel im Weltall kein oben und kein unten gibt: unten ist für den Menschen immer gegen den Mittelpunkt der Erde hin, wo die Masse am Stärksten verdichtet ist und daher die Schwerkraft am Stärksten wirkt). (Dieses Relativitätsprinzip in der Physik hatte indes schon Galilei beschrieben: er sagte, dass in einer Schiffskajüte [ohne Fenster] die Bewegung des Schiffes mituner [bei ruhigem Wellengang] gar nicht eingesehen werden könne (während diese auf dem Deck draussen - im Vergleich mit der Umgebung und/oder dem Horizont - einsehbar ist [die Kajüte scheint also für einen inneren Betrachter in Ruhe, für einen äusseren Betrachter aber in Bewegung zu sein (die beiden Beispiele sind analog)]). Der Begründer des Relativitätsprinzips ist also eigentlich Galilei, während Einstein eine grosse Theorie daraus gemacht hat.

Kritik: Dass (nach Einstein) aus dem beschriebenen Sachverhalt Aussagen über einen absoluten Raum und eine absolute Zeit gemacht werden können, ist falsch - denn wir wissen weder, was das Universum ist, noch was die Zeit verursacht hat (die Mutmassungen der Wissenschaft darüber [Singularitätspunkt, Urknall] sind bloss logisch erscheinende Spekulationen, und zudem Grössen, die immer noch nichts über den wirklichen Ursprung aussagen* [was war vor dem Singularitätspunkt und vor dem Urknall?]). Es ist daher ebenso falsch zu sagen, dass es einen absoluten Raum und eine absolute Zeit gebe, wie: dass es solches nicht geben würde. Es ergibt sich in einer verabsolutierten Relativität auch das Paradox, dass in einem Universum, in dem alles relativ ist, die Relativität selber absolut ist (die Aussage, wonach es in einem Universum, in welchem alles relativ ist, nichts Absolutes geben kann, wäre demnach falsch [w.z.b.w. - der Umkehrschluss würde lauten, dass in einem Universum, in welchem es etwas Absolutes gibt, trotzdem alles relativ erscheinen kann]).

* Ich habe aus diesem Grund wieder eine philosophische Ur-Welt-Begründung eingeführt, welche als Welterklärung nach Platon, Hartmann und Hirt bezeichnet werden kann. In der platonisch-hartmannschen Version findet quasi eine Wendung vom ideellen Sein zum materielle Dasein statt. Ich spreche diesbezüglich von einer Schöpfung vom Sein ins Dasein (für diese Schöpfung kann ein Gott angenommen werden, dies ist jedoch nicht zwingend); und für mich ist das Sein mehr als nur das Möglichen zum Wirklichen: es ist bereits Sein als solches und trägt damit bereits Wirkliches in sich, wenn auch noch nicht Wesentliches (Dasein = Sein + Wesen).

Berühmt in der Relativitätstheorie ist die Einsteinsche (bzw. Physikalische) Weltformel: Energie [E] ist Masse [m] mal Lichtgeschwindigkeit im Quadrat [c²] -> E = mc² (auch: Äquivalenzprinzip von Masse und Energie bzw. [Ruheenergie und Masse entsprechen einander - und: Masse und Energie können ineinander umgewandelt werden, wobei schon bei der Umwandlung geringer Massen sehr grosse Energiemengen frei werden (siehe: Kernspaltung)]).

Die Astrophysik oder Astronomie ist ein Teilgebiet der Physik, welches die physikalischen Himmelsvorgänge beschreibt. Die Astronomie stand am Beginn der neuzeitlichen Wissenschaft - mit Kopernikus, Brahe, Bruno, Kepler und Galilei (alles Astronomen). Herausragend sind die drei Keplerschen Gesetze des Planetenumlaufs um die Sonne (siehe: Johannes Kepler, 16./17. Jh.), wobei das erste Gesetz besagt, dass die Planeten im Sonnensystem in elliptischen Bahnen um die Sonne kreisen (dies nach einer Anpassung der Beobachtungen von Brahe an das heliozentrische Weltbild von Kopernikus [in der Antike und im Mittelalter war das geozentrische Weltbild vorherrschend (geozentrisch = Erde steht im Mittelpunkt, heliozentrisch = Sonne steht im Mittelpunkt)]). Unser Sonnensystem besteht aus einem Stern (Sonne) und acht Planeten (sowie verschiedenen Zwergplaneten und anderen Himmelskörpern) - in dieser Reihenfolge (Abstand zur Sonne): Sonne, Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun (die äusseren vier Planeten, jenseits des sogenannten Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter, sind reine Gasplaneten). Die heutige Astrophysik spricht von Weissen Zwergen (kleine, sehr kompakte alte Sterne), Neutronensternen (Endstadium in der Sternentwicklung eines massereichen Sterns), Schwarze Löchern (Objekt, dessen Masse auf ein extrem kleines Volumen konzentriert ist und in welchem kein Licht vorkommt) und vielen anderen Dingen. Im Vordergrund steht dabei die Frage nach dem Ursprung des Weltalls; derzeit herrscht die Theorie vor, dass Schwarze Löcher ganze Galaxien hervorbringen, und dass es in ihnen einen Singularitätspunkt mit extrem verdichteter Masse gibt. Dieses Phänomen soll auch am Anfang des Universums stehen. Während die Quantentheorie und die Relativitätstheorie ein kleines Stück Mystik in die Wissenschaft hineinbrachten, lieferte die Urknalltheorie (Lemaître, 1931; Gamow, 1948; Hoyle, 1949) und der Singularitätspunkt eine Ersterklärung und ferner die Technologische Singularität, wonach die Künstliche Intelligenz der menschlichen einmal überlegen sein wird, eine Letzterklärung (dies vor noch viel schlimmeren Letzterklärungen wie etwa dem Verlöschen von Erde und Sonne, oder dem Verschwinden des Universums in einem Schwarzen Loch - alles sehr spekulativ und über Billionen von Jahren hinaus extrapoliert, notabene). Die Wissenschaft scheint heute alles erklärt zu haben, aber die ersten und letzten Erklärungen sind teils noch immer dürftig bis sogar unhaltbar.

-> Terra X: Der Urknall - Das Rätsel des Anfangs (Video [43:43] - die allerletzten Begründungen würde ich auch hier in Zweifel ziehen - dies ist aber trotzdem eine interessante Sendung darüber, wie sich die heutige Wissenschaft den Ursprung des Universums vorstellt).

Die Elementarphysik oder (Elementar-) Teilchenphysik In der Elementarphysik oder (Elementar-) Teilchenphysik werden die Grundteilchen der Welt untersucht: das Atome sowie die subatomare Ebene. Das Atommodell stammt aus der griechischen Antike (Leukipp, Demokrit) und wurde in der Neuzeit wieder aufgenommen und weiterentwickelt (Dalton [18./19. Jh.], Rutherford [19. Jh.], Bohr [20. Jh.] und weitere). Es geht davon aus, dass ein Atom aus einem Atomkern mit Neutronen (ungeladene bzw. elektrisch neutrale Elementarteilchen) und Protonen (positiv geladene Elementarteilchen) sowie einer Atomhülle mit Elektronen (negativ geladene Elementarteilchen) besteht. Ursprünglich war die Wissenschaft der Meinung, dass mit dem klassischen Atommodell die kleinsten Teilchen beschrieben sind. Im 20. Jahrhundert wurde der Bereich der sogenannten subatomaren Teilchen erforscht. Diese Forschung brachte eine spezifische Klassifizierung hervor - mit Hadronen (d.h. Mesonen und Baryonen [darunter die Nukleonen (Neutronen und Protonen)], welche aus Quarks bestehen [diese sind wiederum im eigentlichen Standardmodell der Elementarteilchen - nebst Leptonen, wozu u.a. das Elektron gehört - klassifiziert als Fermionen, dies neben Bosonen, wozu das Photon [auch: (Licht-) Quant] gehört). Ob man jetzt all diese Namen und Einteilungen wirklich kennen muss, ist eine andere Frage*, aber man kann sie einmal gehört haben. Wichtiger ist das Faktum an und für sich, dass die Wissenschaft subatomare Teilchen erforscht. Ebenso ist in diesem Bereich die Rede von Antimaterie sowie Dunkler Materie/Energie - diese beiden sind im Standard-Modell nicht beschrieben.

* Im Gegensatz etwa zum Periodensystem der Elemente (siehe: im Chemiebereich) sind im Standardmodell der Elementarteilchen nicht Materialien und Stoffe beschrieben, die für relativ viele Menschen einen bedeutenden Anwendungswert besitzen, sondern das sind ja Phänomene, mit welchen sich bloss Teilchenphysiker beschäftigen (obwohl diese eben behaupten, dass die ganze Materie aus solchen subatomaren Elementarteilchen bestehe).

Kommentar: Trotz der Untersuchung der subatomaren Ebene scheint das Atom die grundlegende Einheit der Teilchenwelt bzw. die Referenzeinheit derselben zu bilden, weil die subatomare Welt als wenig stabil beschrieben wird (d.h. da werden meist Teilchen gebildet, welche relativ rasch wieder vergehen [siehe auch: Teilchen-/Wellencharakter in der Quantenphysik] - dies in Experimenten unter unnatürlichen Bedingungen, in riesigen Teilchenbeschleunigeranlagen, welche das Symbol der aktuellen Wandlung von der Natur- zur reinen Technikwissenschaft sind). Einige Vorbehalte in diesem schwierig einzuschätzenden Bereich scheinen vermutlich noch angebracht - auch wenn man diesen natürlich auch wiederum nicht vernachlässigen kann. Bisher hat übrigens nachwievor kein Mensch je ein Atom gesehen, geschweige denn irgendwelche subatomare Teilchen (die ganze Teilchenphysik beruht alleine auf logisch scheinenden Überlegungen [was in diesen Teilchenbeschleunigern genau passiert, mit Teilchen, die noch nie ein Mensch gesehen hat, das entzieht sich meinen genauen Kenntnissen (ich werde mich noch besser darüber informieren [vermutlich basieren die gewonnenen Schlüsse alleine auf beobachtbaren Wirkungen und Nebenwirkungen - eine wissenschaftlich heikle Sache, denn damit könnte u.a. auch ein Gottesbeweis gemacht werden])]). Vorläufig können wir vielleicht sagen, dass es so aussieht, als wäre die stabile Materie (Atome, Moleküle, Körper) aus unstabilen Teilchen zusammengesetzt, d.h. aus Teilchen, welche auf einer tieferen Ebene alleine keine stabile Materie begründen können und scheinbar teils zwischen materiellen und energetischen Zuständen hin und her wechseln können.

-> Entwicklung der Atomtheorie. (Anmerkung: Die Vier-Elementen-Theorie in der Antike stammt von Empedokles - Aristoteles hat sie ebenfalls verwendet.)

In der Physik gibt es auch verschiedene weitere Spezialgebiete, dazu gehören etwa die Optik (Lehre vom Licht) und die Akustik (Lehre vom Schall und seiner Ausbreitung - sehr bedeutend ist auch etwa die Thermodynamik [Wärmelehre, auch: Kalorik]; die Elektrodynamik [Elektrizitätslehre], die Astronomie [Astrophysik] und die Teilchenphysik wurden schon erwähnt). Allgemein interessant ist in der Optik insbesondere die Farbenlehre bzw. die Wellenlänge elektromagnetischer Strahlung (die Farbenlehre ist allerdings zusammengesetzt aus den Erkenntnissen verschiedener Wissenschaften [Physik (Optik), Physiologie, Psychologie, Kunst]). Das Licht besteht aus elektromagnetischer Strahlung bzw. elektromagnetischen Wellen. Dadurch wird ein optischer Farbeindruck erzeugt. Der Mensch sieht Farben in einem Frequenzbereich von 380 nm (violett) bis 780 nm (rot) [nm = Nanometer]. Das Spektrum reicht von violett über blau, grün, gelb, orange bis rot (dies entspricht natürlich auch dem Farbspektrum des Regenbogens, dem einzigen Phänomen in der Natur, in welcher das Farbenspektrum [auch: Lichtspektrum oder Elektromagnetisches (Wellen-) Spektrum] so gut einsehbar ist). Das menschliche Auge ist nicht empfänglich für ultraviolett (sowie die anschliessende Röntgenstrahlung [wäre dieser extrem ultraviolette Bereich für den Menschen einsehbar, hätte er quasi einen Röntgenblick]) und infrarot (mit dessen Wärmestrahlung [könnte der Mensch infrarot sehen, so würde er ein Wärmebild sehen]). Farben werden unterschieden in Lichtfarben (von Lichtquellen) und Körperfarben; diese entstehen durch Remission ('Zurücksendung'), d.h. diffuse Reflexion von Lichtstrahlen. Die Farben entstehen dadurch, dass ein bestimmter Teil des RGB-Spektrums gefiltert bzw. nicht remittiert wird (bei einem gelben Körper wird nur rot und grün remittiert, blau nicht - dadurch entsteht nach der additiven Farbmischung der drei Primärfarben Rot, Grün und Blau [RGB] die Farbe gelb).

-> Sichtbares Lichtspektrum, Additive und Subtraktive Farbmischung (RGB/CMY[K]).

Zehn bedeutendste Physiker (und Astronomen - der Neuzeit und Moderne): Nikolaus Kopernikus (1473-1543 [Heliozentrisches Weltbild]), Galileo Galilei (1564-1642 [Bewegungsexperimente auf der schiefen Ebene]), Johannes Kepler (1571-1630 [Umlaufbahnen der Planeten]), Isaac Newton (1643-1727 [Grundgesetze der Mechanik]), Michael Faraday (1791-1867 [Elektromagnetische Induktion]), James Clerk Maxwell (1831-1879 [Elektrodynamik/Elektromagnetische Wellen]), Henri Becquerel (1852-1908 [Radioaktivität]), Max Planck (1858-1947 [Strahlungsformel/Quantentheorie]), Ernest Rutherford (1871-1937 [Atommodell]), Albert Einstein (1879-1955 [Relativitätstheorie]).


Die Chemie untersucht Zusammensetzung von Verbindung und Stoffen (auf der Ebene der Moleküle [d.h. einer chemischen Verbindung aus Atomen von zwei oder mehreren Elementen]). Die Entstehung der neuzeitlichen und modernen Chemie aus der antiken und mittelalterlichen Alchemie* heraus ist eines der bedeutendsten Phänomene in der neuzeitlichen (Natur-) Wissenschaft überhaupt. Der bedeutendste Bezugspunkt der Chemie ist das Periodensystem der Elemente (kurz: Periodensystem - siehe: Mendelejew und Meyer [19. Jh., gleichzeitig und unabhängig]). In diesem System sind alle chemischen Elemente** tabellarisch aufgeführt (angefangen mit Wasserstoff und Helium [den beiden häufigsten Elementen auf der Sonne] bis zu den diversen Metallen, Nichtmetallen und Gasen [die häufigsten Elemente auf der Erde sind: 1. Sauerstoff 32,4%. 2. Eisen 28,8%. 3. Silicium 17,1%. 4. Magnesium 15,8%. 5. Nickel, Calcium und Aluminium 1,5-1,7%. Das Periodensystem ist einerseits geordnet nach der Ordnungszahl, welche die Zahl der Protonen im Atomkern angibt, und damit auch nach steigender Masse, andererseits stehen auch Elemente mit ählichem chemischen Verhalten nahe beieinander).

* Exkurs: Alchemie. Besonders im Mittelalter bedeutete die Alchemie eine Art Vorwissenschaft (daran beteiligt waren nicht nur unabhängige Alchemisten, sondern durchaus auch Klosterbrüder). Bekannte Alchemisten sind etwa: Hermes Trismegistos (vermutlich mysthologischen Ursprungs), Ostanes (400 v. Chr.), Zosimos von Panopolis (250-310 ), Geber (auch: Dschabir ibn Hayyan - zweite Hälfte des 8. Jh.), Rhazes (auch: Abu Bakr Muhammad ibn Zakariyya ar-Razi - 865-925), Paracelsus (1493-1541), John Dee (1527-1608). Selbst bedeutendste und initiierende frühe neuzeitliche Naturwissenschaftler wie etwa Boyle oder Newton beschäftigten sich noch mit Alchemie (der Ökonom Keynes, welcher sich mit Newtons Alchemie und Mystik befasste, meinte: 'Newton was not the first of the age of reason. He was the last of the magicians [...].' Vermutlich kann man das nun so oder so betrachten.) Bedeutend war neben der westlichen auch die arabische und die chinesische*** Alchemie. In der Alchemie ist oft auch die Rede von geheimnisvollen Dingen wie dem Stein der Weisen, dem Elixier des Lebens, dem Perpetuum Mobile oder dem Corpus Hermeticum. Daher wird die Alchemie heute irgendwo zwischen Magie und Wissenschaft angesiedelt (zu ihrer Zeit war sie aber eben eine durchaus - wenn auch sagenumwobene - Vorform der neueren Wissenschaft). Unter dem Stein der Weisen wird die Umwandlung von unedlen Metallen in edle Metalle, v.a. in Gold, verstanden (ebenso gilt der Begriff in der Alchemie allgemein auch als Symbol für Verwandlung, Heilung und Läuterung). Der scheinbar so phantastische Traum der Alchemisten ging 1935 tatsächlich in Erfüllung, als der italienische Physiker Enrico Fermi Platin mit Neutronen beschoss und es so in Gold umwandeln konnte (die Herstellung von Gold aus unedlen Metallen ist allerdings so immens teuer, dass dies geschäftlich betrachtet vollkommen unrentabel ist).

** Exkurs: Entwicklung der Elementenlehre. In der Antike gab es eine Vier-Elementen-Lehre von Empedokles (Erde, Wasser, Luft, Feuer), welche im Mittelalter beibehalten wurde; diese bestand ausser den vier Grundelementen auch aus zwei Grundkräften (Liebe/Verbindung und Hass/Trennung). Die chinesische Antike kannte eine Fünf-Elementen-Lehre (Holz, Feuer, Metall, Wasser, Erde). Die schrittweise Entdeckung der wissenschaftlichen Elemente war ein bedeutender Schritt in Richtung der heutigen, höher entwickelten (Natur-) Wissenschaft: 1669 Phosphor (Brandt), 1735 Cobalt (Brandt), 1751 Nickel (Cronstedt), 1755 Magnesium (Black), 1766 Wassserstoff (Cavendish), 1772 Stickstoff (Rutherford), 1774 Sauerstoff (Priestley u. Scheele), usw. usf., etc. etc.).

*** Exkurs: Wissensschaftliche Kulturgeschichte. Die chinesische Antike gehörte zu den bedeutenden früheren Hochkulturen. Diese ist v.a. berühmt durch die vier grossen (alt-) chinesischen Erfindungen: Papier, Buchdruck, Schiesspulver und Magnetkompass. Bedeutend waren in der Antike auch die Sterndeutung und die Alchemie. Die arabische Wissenschaft war im Mittelalter wichtig für die Medizin, aber auch in der Übertragung des heutigen Zahlensystems von Indien nach Europa sowie für die Herausbildung der Algebra. Die Griechen begründeten in der Antike die Euklidische Geometrie. Man darf die heutige Wissenschaft nicht bloss als ein westliches Produkt sehen - man stelle sich etwa vor, die europäische Wissenschaft wäre ohne das indisch-arabische Zahlensystem begründet worden und hätte mit dem römischen Zahlensystem rechnen müssen (das ist fast undenkbar).


In der Chemie geht es oft v.a. um die Darstellung von chemischen Reaktionen (einfachste: 2H + O -> H2O [zwei Wasserstoffteile und ein Sauerstoffteil ergeben die Verbindung von Wasser]). Bei einer chemischen Reaktion werden chemische Verbindungen in andere umgewandelt, wobei Energie freigesetzt oder aufgenommen wird. Eine der bedeutendsten Reaktionen ist die Oxidation, bei welcher ein Atom, Molekül oder Ion (also ein elektrisch geladenes Atom oder Molekül) Elektronen abgibt (bei einer Oxidation findet immer gleichzeitig eine Reduktion statt, d.h. ein Reaktionspartner nimmt Elektronen auf [Redoxreaktion]).

Bedeutendste chemische Elemente: H = Wasserstoff (lat. hydrogenium), O = Sauerstoff (lat. oxygenium), N = Stickstoff (lat. nitrogenium), C = Kohlenstoff (lat. carbo), Fe = Eisen (lat. ferrum), Pb = Blei (lat. plumbum), Cu = Kupfer (lat. cuprum), Au = Gold (lat. aurum), Ag = Silber (lat. argentum), Al = Aluminium (lat. aluminium), Ca = Calcium (lat. calx), He = Helium (grch./lat. helios), S = Schwefel (lat. sulpur).

-> Periodensystem der Elemente.

Beispiele von chemischen Verbindungen: H2O = Wasser, CO2 = Kohlen[stoff]dioxid, H2CO3 = Kohlensäure, CuSnx = Bronze, CuZnx = Messing, Fe2O3 = Eisen(III)-oxid (farbgebender Bestandteil des Rostes), CaCO3 = (kohlensaurer) Kalk, NaCl = Kochsalz, C2H6O = Ethanol (auch: gewöhnlicher Alkohol), C6H12O6 = Glucose (auch: Traubenzucker), C8H8O3 = Vanillin, C6H10O5 = Stärke, C12H20O10 = Cellulose (am häufigsten vorkommendes Biomolekül), C8H8 = Polystyrol (inkl. Styropor [geschäumtes Polystyrol - wird als Schaumstoff verwendet]), CH2O= Formaldehyd (nebst Phenol Bestandteil des ersten vollsynthetischen Kunststoffs [Bakelit]).

Die Chemie wird mit vielen anderen Naturwissenschaften verbunden und/oder in viele verschiedene Klassen unterteilt: Allgemeine Chemie, Anorganische Chemie, Organische Chemie, Physikalische Chemie, Biochemie, Agrochemie, Kosmochemie (usw. usf., etc. etc.). Bedeutend ist die Chemie heute natürlich (u.v.a.) für die Herstellung von Kunststoffen aller Art.

Für die Beschreibung der Stoffe gibt es verschiedene Kriterien. Das elementarste Kriterium ist die Einteilung in festem, flüsigem und gasförmigem Zustand, dem sogenannten Aggregatszustand. Je nach Zustand sind die Teilchen des Stoffes weniger nahe beisammen, beweglicher und unregelmässiger angeordnet. Bei Stoffen, die auch bei hohen Temperaturen fest bleiben, ist die Anziehung zwischen den Teilchen besonders gross, während bei Flüssigkeiten und Gasen die Teilchen sich durch Erhitzung immer freier bewegen bis sogar sich frei im gesamten Raum verteilen. Flüssigkeiten werden unterschieden als sauer (Säuren) oder basisch (auch: alkalisch - Basen); dieser Unterschied wird nach dem ph-Wert angegeben. Weitere bedeutende chemische Eigenschaften sind etwa die Dichte oder die Brennbarkeit.

Zehn bedeutendste Chemiker (der Neuzeit und Moderne): Robert Boyle (1626-1627 [Moderner Elementbegriff]), Antoine [Laurent] de Lavoisier (1743-1794 [Quantitative Messmethoden]), John Dalton (1766-1844 [Atomtheorie]), [Jöns] Jakob Berzelius (1779-1848 [Buchstaben für chemische Elemente]), Justus von Liebig (1803-1873 [Mineraldügung (Agrochemie)]), Louis Pasteur (1822-1895 [Pasteurisierung zur Haltbarmachung flüssiger Lebensmittel]), [Julius] Lothar Meyer (1830-1895 [Periodensystem der Elemente]), Dmitri Iwanowitsch Mendelejew (1834-1907 [Periodensystem der Elemente]), Svante Arrhenius (1859-1927 [Voraussage einer globalen Erderwärmung durch Kohlendioxid-Emissionen]), Linus Pauling (1901-1994 [Forschungen zur Natur der chemischen Bindung]).


Die Biologie setzt sich mit den lebendigen Wesen (Organismen) auseinander, welche aus Zellen und Organen aufgebaut sind und eine Erbinformation beinhalten. Dabei bedient sie sich eines Klassifizierungssystems (auch: Nomenklatur oder Taxonomie genannt – siehe: Linné [18. Jh.]). Die Biologie wird grob eingeteilt in Flora (Pflanzenreich, Fachgebiet: Botanik) und Fauna (Tierreich, Fachgebiet: Zoologie). Bedeutend sind in technischer Hinsicht die Grundlagen der Genetik (Vererbung und Züchtung – siehe: Mendel [19. Jh.]) und die Evolutionstheorie von Darwin über die Entstehung der Arten durch natürliche Selektion (siehe: Charles Darwin [19. Jh.]). Der Übergang zwischen dem nichtlebendigen Bereich ([Klassische] Physik, Chemie) und dem lebendigen Bereich (Biologie [und Organische Physik/Chemie]) ist noch immer nicht restlos geklärt - bedeutend sind dazu etwa die Überlegungen des Biochemikers Oparin zur Entstehung des Lebens (1924) oder das Urey-Miller-Experiment (1953), in welchem die Verhältnisse in einem Ur-Ozean simuliert wurden (es ist dabei die Rede von einer 'Ursuppe' [aus Wasser, Schwefelwasserstoff, Methan und Ammoniak]). Als bedeutendste Grundlage allen Lebens gelten organische Kohlenstoffverbindungen und v.a. Aminosäuren, welche die Proteine (Eiweisse) bilden. (Organische Chemie bzw. Biochemie ist im Wesentlichen die Chemie von Kohlenstoffverbindungen.)

Die biologische Klassifizierung besteht etwa aus den Kategorien: Domäne, Reich, Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung (und Art). In diese biologische Klassifizierung ist auch der Mensch eingegliedert.

Dies hört sich etwa wie folgt an (nur als Beispiel) - Klassifikation. Klasse: Lebewesen. - Domäne. Domäne: Eukaryoten (Lebewesen mit echtem Zellkern). Ohne Rang: Amorphea. Ohne Rang: Obazoa. Supergruppe: Opisthokonta (Schubgeissler). Ohne Rang: Holozoa. - Reich. Reich: Metozoa (Vielzellige Tiere). Ohne Rang: Gewebetiere. Ohne Rang: Zweiseitentiere. - Stamm. Stammgruppe: Neumünder. Überstamm: (bei Säugetieren nicht verwendet). Stamm: Chordatiere. Unterstamm: Wirbeltiere. - Klasse. Überklasse: Kiefermäuler. Reihe: Landwirbeltiere. Ohne Rang: Nabeltiere. Klasse: Säugetiere. Unterklasse: Höhere Säugetiere. - Ordnung. Überordnung: Euarchontoglires (auch: Supraprimates). Ordnung: Primaten. Unterordnung: Trockennasenaffen. Teilordnung: Altweltaffen. - Familie. Überfamilie: Menschenartige. Familie: Menschenaffen. Unterfamilie: Homininae. - Gattung. Tribus: Hominini. Gattung: Homo (Menschen). Art: Mensch (Homo sapiens).

Die besondere Verbindung zwischen Menschen und Affen war eigentlich schon früh in der Menschheitsgeschichte bekannt. So meinte etwa auch der bedeutende Mediziner Galen im 2. Jahrhundert, dass sich Menschen und Affen biologisch am Meisten ähneln. In der Klassifizierung von Linné war der Mensch bereits in das Tierreich eingegliedert. Umso mehr erstaunt der grosse Wirbel, welchen Darwin mit seiner Evolutionstheorie entfachte, in welchem er selber etwa satirisch als Affe dargestellt wurde. Interessant auch: Aristoteles meinte in seiner Psychologie, dass die menschliche Seele einen pflanzlichen, einen tierischen und einen spezifisch menschlichen Anteil besitze (im Gegensatz dazu stellte Mirandola, vermutlich noch beeinflusst von der mittelalterlichen christlichen Theologie, in der Renaissance die Conditio Humana speziell zwischen Gott und Tier heraus - es bleibt zu erwähnen, dass auch in der zweifachen Schöpfungsgeschichte der Bibel eine Art Evolution dargestellt ist [die Pflanzen am dritten, die Wasser- und Lufttiere am vierten, die Landtiere am fünften, die Menschen am sechsten Tag; auf die Bedeutung der zweiteiligen Schöpfungsgeschichte habe ich im Bereich der Religion schon hingewiesen]).

Die biologische Klassifizierung der Lebewesen reicht also etwa von den Einzellern über Mehrzeller, Pflanzen (d.h. Lebewesen, die Photosynthese* betreiben), Pilze (bilden eine eigene Kategorie nebst Pflanzen und Tieren), Schwämme (gehören zum Tierreich), Würmer, Fische, Insekten, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere bis zu den Menschen - inkl. Bakterien; einen Sonderfall bilden die Viren, da sie keinen eigenen Stoffwechsel und keinen eigenen Vervielfältigungsmechanismus besitzen - sie benötigen dazu eine fremde Wirtszelle. Virologen klassifizieren daher Viren nicht als Lebewesen, sondern bloss als dem Leben nahestehend. Für uns am Bedeutendsten sind natürlich die Pflanzen- und Tierarten.

* Photosynthese ist eine umgekehrte Atmung bzw. Atmung ist eine umgekehrte Photosynthese. Bei der Atmung (der Tiere und Menschen) wird Sauerstoff aufgenommen und Kohlenstoffdioxid abgegeben, bei der Photosynthese, welche in den Blättern der Pflanzen stattfindet, wird Kohlenstoffdioxid aufgenommen und Sauerstoff abgegeben. Mit Hilfe des Sonnelichts produzieren die Pflanzen aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Glucose (Traubenzucker), um damit Stärke zu erzeugen. Stärke ist eine der wichtigsten Stoffe des primären Stoffwechsels in pflanzlichen Zellen.

-> Tier- und Pflanzenbestimmung (ein paar Beispielwebsites): Bäume, Speisepilze, Vögel (mit Stimmen). [Weitere folgen.]

Die Mendelsche Vererbungslehre stammt von einem Priester, welcher in seinem Klostergarten Erbsen, Habichtskräuter und Bienen züchtete und kreuzte. Daraus zog Mendel die Grundgesetze der Vererbung. Bekannt für die Kreuzungsforschung wurde insbesondere auch die Drosophila-Fliege. Im späteren 20. Jahrhundert wurde die Gentechnologie zu einem bedeutenden Thema. Man spricht dabei etwa von Gen-Knockout (Ausschalten von Genen), Knock-in (Einschalten bzw. einbringen von Genen) oder Knock-down (Aktivität von Genen drosseln). Seit 1996 gibt es transgene Nutzpflanzen; im selben Jahr wurde auch die Klonung des Hausschafs Dolly bekannt gegeben*. Im Jahr 2007 wurde der erste Rhesusaffe geklont. Diskussionen darüber, wie bedeutend auch der Mensch in die gentechnische Forschung und Praxis einbezogen werden soll, sind heute im Gang und haben allgemein verstärkt zum Aufkommen der Ethikfrage in der Wissenschaft und deren Forschung und Technik geführt.

* Ein Transgen ist ein Gen, welches natürlicherweise bzw. durch Gentechnologie vom einen in einen anderen Organismus übertragen wird. Klonen bedeutet die Erzeugung eines oder mehrerer genetisch identischer Individuen von Lebewesen durch Kopie der DNA (Desoxyribonukleinsäure, d.i. ein bedeutendes Biomolekül in den Chromosomen des Erbguts, welches paarweise in einer verdrillten sogenannten Doppelhelix-Struktur geformt ist [Chromosomen sind komplexe Zellen auf welchen die Erbinformationen gespeichert sind]).

-> Mendelsche Regeln (muss man nicht zwingend kennen/wissen, aber vielleicht sollte man die Begriffe einmal gehört haben).

Die Darwinsche Evolutionstheorie behauptet, die biologischen Arten seien durch natürliche Selektion entstanden (gleichzeitig hatte der weniger bekannte Wallace die selbe Idee). Darwin meinte, die natürliche Selektion bestehe aus der bestmöglichen Anpassung an die Umwelt. Der Soziologe Spencer, welcher die Theorie von Darwin auf die menschliche Gesellschaft anwandte (Sozialdarwinismus*), sprach vom 'survival of the fittest' (also etwa: Überleben des/der Fittesten), ein Begriff, welchen Darwin selber später übernahm. Im Darwinschen Zusammenhang sind mit der biologischen Fitness nicht die Stärksten gemeint, sondern eben die Bestangepasstesten. Die Evolutionstheorie von Darwin setzte sich durch gegen die älteren Theorien von Maîllet (Panspermie [d.h. das Leben stammt von Samen im All]) oder Lamarck (Urzeugung [auch heute noch gegeben], Pflanzen und Tiere entwickeln sich unabhängig, keine gemeinsame Abstimmung aller Arten gegeben [auch Lamarck erwog dagegen bereits die biologische Abstammung des Menschen vom Affen]).

* In der Soziologie ist die Theorie des Sozialdarwinismus bzw. die Anwendung der biologischen Evolutionstheorie von Darwin auf den Menschen und dessen Gesellschaft umstritten. Einwände gegen eine solche Verbindung können etwa vom Gleichheits- und/oder Menschlichkeitskonzept abgeleitet werden (die Frage nach einer biologischen Relevanz bleibt allerdings bestehen).

Zehn bedeutendste Biologen (der Neuzeit und Moderne). Andreas Vesalius (1514-1564 [Anatomie]), William Harvey (1578-1657 [Entdeckung des Blutkreislaufs]), Antoni van Leeuwenhoek (1632-1723 [Mikrobiologie]), Robert Hooke (1635-1703 [Zelltheorie]), Carl von Linné (1707-1778), Charles [Robert] Darwin (1809-1882 [Evolutionstheorie (durch natürliche Selektion)]), Gregor [Johann] Mendel (1822-1884 [Vererbungslehre]), Thomas Hunt Morgan (1866-1945 [Bedeutung der Chromosomen]), Alexander Iwanowitsch Oparin (1894-1980 [Überlegungen zur Entstehung des Lebens]), Francis Crick (1916-2004 [Entdeckung der DNA (mit Watson)]).

Der Mensch besteht aus Körper (Spüren und Empfinden), Seele (Fühlen) und Geist (Denken bzw. Bewusstsein, Verstand und Vernunft). Der Biologie sind - nebst etwa der Biochemie - mehrere Wissenschaften, die im folgenden einzeln behandelt werden, mehr oder weniger stark angeschlossen, so etwa die Anatomie, die Medizin, die Psychologie, die Neurologie, die Trophologie, schliesslich auch etwa die Ökologie.

Die Anatomie ist die Lehre vom inneren Bau der Körper von Lebewesen (Organismen). Die bedeutendsten Organe im menschlichen Körper sind das Gehirn (Denken), das Herz (Pumpe im Blutkreislauf), die Lunge (Atmung), die Leber (Stoffwechsel), die Niere (Harnsystem), der Magen-Darm-Trakt (auch: Verdauungstrakt - Verdauungssystem), die Milz (Unterstützung des Blutkreislaufs), die Gallenblase (umgangssprachlich: Galle - Unterstützung des Verdauungssystems), die Geschlechtsorgane (Sexualität) und - nicht zu vergessen - die Sinnesorgane (fünf Sinne: Hören [Ohren], Riechen [Nase], Schmecken [Mund], Sehen [Augen], Tasten/Spüren [Haut - sie ist vielseitig und dient auch etwa der Abdichtung/Abgrenzung sowie der Unterstützung der Atmung [beim Menschen weniger als 1%; bei Tieren, speziell bei Amphibien, kann sie auch Wasser aufnehmen und abgeben]). Die Anatomie wurde als Wissenschaft erst im 16. Jahrhundert begründet, durch den flämischen Anatom und Chirurg Andreas Vesalius.

Die Medizin ist die Lehre von der Heilung erkrankter Organismen bzw. Organe und Funktionen und/oder die Lehre einer möglichst guten Gesundheit. Der antike griechische Arzt Hippokrates hat den hippokratischen oder medizinischen Eid begründet. Dieser begründet eine besonders hohe Ethik im Arztberuf, welcher etwa das Gebot umfasst, Patienten nicht zu schädigen, sowie auch die ärztliche Schweigepflicht. Der bekannteste Arzt im Mittelalter war Galen (auch: Galenos) - bedeutend war auch Avicenna im arabischen Raum. Die Pest war einer der Hauptgründe dafür, dass das mittelalterliche vom neuzeitlichen Weltbild abgelöst wurde. Als Schwarzer Tod wird eine der schlimmsten Pandemien der Weltgeschichte bezeichnet, die in Europa zwischen 1346 und 1353 rund 25 Millionen Todesopfer forderte - ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas. Mit der neuzeitlichen Wissenschaft hat sich auch die Medizin stark weiterentwickelt. Sehr wichtig war dabei die Verbesserung der Hygiene* (u.a. durch Semmelweis [im 19. Jahrhundert]). Berühmt geworden sind Florence Nightingale als Pionierin der modernen westlichen Krankenpflege (ebenfalls im 19. Jahrhundert) oder Albert Schweitzer als Urwaldarzt und Symbol dafür, dass die Wissenschaft der Medizin auch in ärmeren Weltgegenden eingeführt werden soll (im 20. Jahrhundert).

* Exkurs: Müll- und Abwasserentsorgung. Die Hygiene war allgemein bis ins 19. Jahrhundert sehr schlecht - dies zeigt sich auch etwa an der Müll- und Abwasserentsorgung. Wien war im Jahr 1739 die erste Stadt Europas, welche eine vollständige Kanalisation zur Entsorgung des Abwassers besass. In London dagegen etwa wurde mit dem Bau einer Kanalisation erst 1842 begonnen. Die erste Kläranlage wurde 1882 in Frankfurt am Main begründet. Um die hygienischen Verhältnisse in Paris zu verbessern erliess der Präfekt Eugène Poubelle 1883 ein Dekret, welches die Hauseigentümer verpflichtete, den Mietern Mülleimer zur Verfügung zu stellen. In der französischen Sprache wurde fortan sein Name für den Begriff des Mülleimers verwendet (poubelle). Bis zum 16. Jahrhundert wurden sämtliche Abfälle in Paris einfach auf die Strasse geworfen.

Die Psychologie ist die Lehre von der menschlichen Seele und ihren Zuständen - sie ist aus der Medizin heraus entstanden (in ihrer Weiterentwicklung nahm sie jedoch eine Zwischenstellung zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften ein). Die Psychologie ist eine uralte Diszipin, welche etwa schon bei Platon und Aristoteles eine gewisse Rolle spielte. Während in der Antike v.a. von der Seele die Rede war, sprach man im Mittelalter eher vom Geist (wenngleich der Christus Jesus meinte, dass der Mensch die Seele nicht auslösen könne). In der Neuzeit kam die Rede vom Leib-Seele-Dualismus/-Problem* auf. Bedeutende Richtungen der neueren Psychologie sind die Tiefenpsychologie (Freud [Begründer der Psychotherapie], Jung), der Behaviorismus (Watson, Skinner) oder die Gestalttherapie (Perls, Goodman) - spezifisch für die Psychiatrie sind Namen wie Cullen (Neurose), Canstatt (Psychose), Kraepelin (Psychopharmakologie) oder Bleuler (Schizophrenie) sowie Szasz (Antipsychiatrie) zu nennen. Heute reicht die Psychologie in fast alle Bereiche hinein, welche das menschliche Leben betreffen. Die Psychologie als Wissenschaft steht zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften.

* Exkurs: Leib-Seele-Problem. In der neuzeitlichen Wissenschaft ging es erst eigentlich eher darum, die Seele auszuschalten (spezifisch etwa bei Bacon oder Descartes [Subjekt-Objekt-Scheidung, auch: Leib-Seele-Dualismus, auch: Geist-Körper-Dualismus - in der Philosophie wurden die Begriffe von Seele und Geist immer wieder ein bisschen durcheinander gebracht - auch: Seele verstanden als denkendes Ding (res cogitans)] oder De La Mettrie [Mensch als Maschine]). Als frühe psychologische Schriftsteller und Philosophen werden u.a. etwa Carus (Geschichte der Psychologie), Schopenhauer (Leiden, Willen), Kierkegaard (Angst, Existenz), Fechner (Psychophysik), Marx (Entfremdung), Dostojewski (Irrationales), Hartmann (Unbewusstes) oder Nietzsche ('Es') bezeichnet. Der Anthroposoph Steiner vertrat - wie etwa Pestalozzi zuvor (Kopf, Herz, Hand) - die Dreifaltigkeit des Menschen: Körper, Seele, Geist (was offenbar einer alten religiösen Ansicht entspricht).

Die Neurologie ist die Wissenschaft vom Nervensystem (sowie dessen Gehirn). Begründet wurde dieses Gebiet als neurologische Anatomie vom Anatomen Willis (im 17. Jahrhundert). Statt von der Neurologie wird heute oft von den Neurowissenschaften gesprochen, da die Unterdisziplinen verschiedene andere Wissenschaften tangieren, so etwa: Neurobiologie, Neurophysiologie, Neuropsychologie oder Neuropsychiatrie. Die Neurowissenschaften gehören derzeit zu den trendigsten Wissenschaften, welche auch die heutige Philosophie beeinflusst (insbesondere in der Philosophie des Geistes und des Bewusstseins). Von grosser Bedeutung war u.a. die Einsicht, dass bei Nervenaktionen sowohl physikalische (elektrische) wie auch chemische Faktoren beteiligt sind. Ins Zentrum des Interesses rückten im 20. Jahrhundert die sogenannten Neurotransmitter: Botenstoffe, die an chemischen Synapsen die Erregung von einer Nervenzelle auf andere Zellen übertragen. Eine weitere sehr bedeutende Disziplin der Neurologie ist die Hirnforschung.

Die Trophologie (oder: Ökotrophologie) ist die Lehre von der guten und richtigen Ernährung (allgemein und auch bezüglich spezieller Ernährung bei bestimmten Krankheiten). Als Hauptstoffe der Nahrung gelten Kohlenhydrate, Eiweisse (auch: Proteine) und Fette. Experten empfehlen für die Gesundheit eine ausgewogene Ernährung (sowie ausreichend Bewegung und einen gesunden Schlaf).

Die Ökologie ist die Lehre von Natur- und Umweltsystemen - sie ist aus der Biologie heraus entstanden* und ist - wenn wir die heutigen Probleme und Aussagen der Wissenschaft betrachten - vermutlich (nach meiner Philosophie zusammen mit der Soziologie) als bedeutendste und richtunggebendste Naturwissenschaft der Zukunft zu betrachten. Die Ökologie ist die erste Naturwissenschaft, die nicht primär auf einen technischen Fortschritt zielt, sondern auf die Erhaltung des Gegebenen - trotzdem spielt natürlich auch der technische Fortschritt in der Ökologie eine bedeutende und entscheidende Rolle. Im Vordergrund stehen dabei alternative Energieträger bzw. -gewinnung wie die Wasserkraft, die Windenergie, die Erdwärme, die Solarenergie oder die durch Gezeiten gewonnene Energie.

* Exkurs: Entwicklung der Ökologie. Eine neue Einstellung zur Natur begann sich bereits in der Kunst der Renaissance zu entwickeln (mit der Schäferdichtung [1504 - Jacopo Sannazaro: "Arcadia"] und der Landschaftsmalerei [1522 - Albrecht Altdorfer: "Donaulandschaft mit Schloss Wörth"]). Der Ökonom Carlowitz verwendete in seinem Hauptwerk zur Forstwirtschaft 1713 erstmals den Begriff der Nachhaltigkeit. Im 19. Jahrhundert sind die Bewegungen der Naturheilkunde und des Naturschutzes (Perkins Marsh, Thoreau - ferner: Leopold [20. Jahrhundert]) zu erwähnen. Im Jahr 1866 prägte der Biologe Haeckel in seinem Hauptwerk den Begriff der Ökologie***. Bereits ab 1935 begann sich die Ökologie als Wissenschaft zu etablieren (Tansley, Odum - Vorläufer: Warming [im 19. Jahrhundert]). Wesentlich zur gesteigerten Bedeutung der Ökologie haben die Ökokatastrophen des 20. Jahrhunderts beigetragen (Great Smog 1952, Seveso 1976, Harrisburg 1979, Bhopal 1984, Tschernobyl 1986 - all diese Katastrophen haben zur wachsenden Einsicht darüber geführt, dass die Technik für die Menschheit nicht nur ein Segen ist, sondern auch eine steigende Gefahr**). Aufsehenerregend war The Limits to Growth (dt. Grenzen des Wachstums), ein Bericht des Clubs of Rome von Meadows (1972). In den 1980-er fand eine bedeutendere Politisierung der Umweltbewegung statt. In den 2000-er Jahren trat das Klimaproblem in den Vordergrund der Diskussion (globale Erwärmung, vermutlich durch menschliche Einwirkung verursacht).

** Dagegen behaupten Trans- und Posthumanisten, dass die heutige Technikkritik übertrieben sei und viel bedeutender dagegen die zunehmende Verbindung von Mensch und Technik:

-> Jason Silva: Are We Already Cyborgs? (Mein Gedanke zu dieser Behauptung, ist dieser: dass der Mensch solange Mensch bleibt, als er eine menschliche Seele oder sogar bloss ein menschliches Seelenfünklein besitzt. Das heisst: die Verbindung von Mensch und Roboter ist letztlich bloss eine Phantasie. Der Mensch bleibt - selbst, wenn er sich selber technologisiert - Mensch [weil der Mensch die Seele nicht auslösen kann (wie Jesus Christus sagte)]. Zur Science-Fiction-Terminologie: Roboter sind Maschinen, die dem Menschen dazu dienen, häufig wiederkehrende mechanische Arbeit abzunehmen, Androiden sind Roboter, die menschenähnlich aussehen, Cyborgs sind Mischwesen aus lebendigem Wesen und Maschinenwesen bzw. aus Mensch und Roboter.)

*** «Unter Oecologie verstehen wir die gesammte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Aussenwelt, wohin wir im weiteren Sinne alle 'Existenz-Bedingungen' rechnen können. Diese sind theils organischer, theils anorganischer Natur; sowohl diese als jene sind, wie wir vorher gezeigt haben, von der grössten Bedeutung für die Form der Organismen, weil sie dieselbe zwingen, sich ihnen anzupassen.» Dies schrieb Haeckel sieben Jahre nach der Erscheinung von Darwins Hauptwerk, welches hier offenbar einen grossen Eindruck hinterlassen hatte (bzw. direkt verantwortlich war für die Begründung der Ökologie als Wissenschaft).


-> Greta Thunberg's speech at UK climate strike (2020). (Die schwedische Schülerin wurde 2019 mit ihrer Bewegung Fridays for Future zum globalen Aushängeschild der Umweltbewegung.)

Anmerkung: die Jahre 2019 und 2020 waren sehr kontrovers. 2019 war das Jahr der Umweltproteste (bzw. der Proteste gegen die scheinbar zunehmende Problematik der Umweltgefährdung), 2020 das Jahr der Coronaproteste (bzw. der Proteste gegen die Coronamassnahmen der Regierungen). Umwelt- und Naturkatastrophen stehen vielleicht in einem engeren Zusammenhang als wir denken, und doch sind es zwei Seiten der selben Sache. Grundsätzlich geht es hier um Bildung und klare Inhalte - in Sachen Ökologie ist aber durchaus heute ein bisschen Kontroverse auch gegeben.

-> Aktuell: Pandemieproblem. Hier sollte eigentlich ein Link sein zu einem hervorragenden Film über das Pandemieproblem, leider aber ist er nirgends im Web (kostenlos) zu sehen: Unseen Enemy (dt. Viren - die unsichtbaren Feinde - USA, BRA, KPU, CHN, CON, D, LIBR, SL, SIN, CH, THAI, GB 2017 - Regie: Janet Tobias [Trailer]). Hier gibt es einige zentrale Aussagen aus diesem Film (u.v.a.). Peter Piot (Belgischer Mikrobiologe): «Ob es uns gefällt oder nicht: unsere Welt wird immer globalisierter werden - nicht nur Finanzmärkte und Wirtschaft, auch Krankheiten. Unsere Mobilität macht uns verwundbar. Immer mehr Menschen leben auf der Erde in immer volleren Städten. Ideale Voraussetzungen für Viren. Im Nu sind hunderttausende Menschen infiziert. [...] Wir haben es alle unterschätzt - alle. Jetzt weiss ich, dass bereits ein Ebola-Fall den Ernstfall bedeutet. Jeder neue Fall lässt die Zahlen immens steigen. Die Devise ist: sofort handeln oder später bezahlen. [...] Der Schlüssel, um eine Epidemie zu stoppen, ist das Übertragungsrisiko genau zu kennen.» - Larry Brilliant (US-amerikanischer Epidemologe): «In den letzten drei Jahrzehnten haben sich rund 30 neue Krankheiten mit dem Potenzial einer Pandemie entwickelt. Wenn wir nichts unternehmen ist die Frage nicht, ob es dazu kommen wird, sondern nur noch: welcher Virus, wann und wie schlimm es wird.» - Heidi Larson (US-amerikanische Anthropologin): «Falsche Informationen können die Verbreitung einer Krankheit verstärken.» - George Gao (Chinesischer Virologe und Immunologe): «Wenn wir den Neu- und Wiederausbruch von Viren verhindern wollen sind drei Dinge wichtig: eine frühe Identifizierung, präzise Diagnose und sofortiges Handeln.» - Sprecher und Sprecherinnen (nicht deklariert): «Man kann definitiv zu spät handeln. [...] Immer wenn eine Infektionskrankheit so richtig zuschlägt, müssen unsägliche Entscheidungen getroffen werden, die die Freiheit und die Rechte einer Gesellschaft einschränken. [...] Das 21. Jahrhundert lässt sich als die Zeit des Wettlaufs zwischen Gefahren und Vorteilen der Modernisierung definieren. Unsere einzige Chance, zu gewinnen, ist die Methoden des 21. Jahrhunderts gegen die Epidemien zu nutzen und sie in idealer Weise durch Impfungen zu verhindern. [...] Bessere Diagnosen sind wichtig, um zu verhindern, dass aus Ausbrüchen Epidemien werden. Gerade die Grippe wird oft falsch diagnostiziert. Auch Ebola und Zika wurden zu Beginn oft mit anderen Krankheiten verwechselt, dabei ging wertvolle Zeit für die Eindämmung des Virus verloren.»


Ebenfalls eher im naturwissenschaftlichen angesiedelt werden ferner etwa die Geografie und die spezifischen Technikwissenschaften (auch: die Ingenieurwissenschaften - wie etwa Agrartechnik, Maschinentechnik, Elektrotechnik und andere).





Über die Unterscheidung von Natur- und Geisteswissenschaften. Bevor wir zu den Geisteswissenschaften kommen, müssen wir erklären, warum diese überhaupt als Wissenschaften gelten. Denn selbstverständlich ist das nicht. Die ursprüngliche Wissenschaftstheorie (Bacon, Descartes) war vollkommen auf die Naturwissenschaften ausgerichtet (wie sie sich aus der Astronomie und der Physik heraus entwickelt haben). Diese haben sich in der Neuzeit auch zuerst als Wissenschaften konstituiert, während dies bei den Geisteswissenschaften eigentlich erst in der Zeit der Aufklärung der Fall war. Gelehrt wurden einzelne geisteswissenschaftliche Disziplinen freilich schon immer - auch im Mittelalter und in der Antike. Aristoteles machte die grundsätzliche Unterscheidung zwischen theoretischer Philosophie (etwa Physik, Biologie - Metaphysik, Logik) und praktischer Philosophie (etwa Staats-/Politik- und Rechtsphilosophie, Ethik), daraus sind die heutigen Natur- und Geisteswissenschaften entstanden* (ich spreche von Natur-, Technik- und Ökowissenschaften sowie von Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften). Diese Unterscheidung ist bis heute relevant**. In der Philosophie selber hat diese Differenzierung eigentlich - seltsamerweise - keine allzu bedeutende Rolle mehr gespielt, in den Wissenschaften aber ist sie sehr bedeutend geworden.

* Wir können feststellen, dass die Relevanz der klassisch-wissenschaftstheoretischen Faktoren wie Subjekt-Objekt-Scheidung, Experiment oder Mathematik vom nicht-lebendigen zum lebendigen und menschlichen Bereich hin abnehmen. Oder anders gesagt: ein Mensch ist weniger gut berechenbar als ein Stein (das ist irgendwie sehr logisch, aber man muss es sagen, denn für die reine Wissenschaft ist das - ohne Unterscheidung - nicht unbedingt logisch). Das heisst: die Wissenschaftstheorie für die Geisteswissenschaft kann nicht genau dieselbe sein wie für die Naturwissenschaften. Dieses Faktum hat mit der Entwicklung der Geisteswissenschaften - und insbesondere etwa der (Tiefen-) Psychologie und der Soziologie - einige Verwirrung in die Wissenschaftstheorie gebracht (weil meist oder oft diese Unterscheidung nicht gemacht wird).

** Wieso ist diese Differenzierung überhaupt so wichtig? Das ist ganz leicht zu erklären: der Grund liegt darin, dass es einen wesentlichen Unterschied in der Grundausrichtung der Wissenschaften gibt: die Naturwissenschaften zielen auf das Ursache-Wirkungs-Prinzip, die Geisteswissenschaften dagegen auf das Grund-Folge-Prinzip. Die Naturwissenschaften suchen Kausalitäten in der Vergangenheit, um die Gegenwart zu erklären, die Geisteswissenschaften suchen aus heutigen Gründen heraus Zwecke in der Zukunft, um auf diese zu verweisen (zumindest sollten sie dies tun). Daher haben auch die Naturwissenschaften eine realistische (bzw. theoretisch-realistische) Referenz, während die Geisteswissenschaften eine idealistische (bzw. praktisch-idealistische*) Referenz haben sollten. Die Naturwissenschaften fragen: was ist, und warum es so ist, während die Geisteswissenschaften fragen: was sein soll, und wie wir dies erreichen können





Die Geisteswissenschaften. Zu verschiedenen Zeiten war die Gewichtung bzw. Wichtigkeit der geisteswissenschaftlichen Disziplinen unterschiedlich. In der griechischen Antike lag das Augenmerk auf der Geschichte (allerdings mit blosser Geschichtsschreibung [und eher bis gar nicht vergleichender Wissenschaft]) und v.a. auf der Staats-/Politikphilosophie (bei Platon und Aristoteles - dieser interessierte sich ebenfalls etwa für die Poetik und die Rhetorik), in der römischen Antike nahm die Rechtsphilosophie die bedeutendste Stellung ein (das moderne Recht ist auf dem Römischen Recht aufgebaut - zu nennen ist aber v.a. auch Cicero, welcher die politische Philosophie weiterführte). Die heutigen Geisteswissenschaften sind jedoch weitgehend erst im 18. Jahrhundert - mit und nach der Zeit der Aufklärung - entstanden. Nach mir zählen alle Wissenschaften zu den Geisteswissenschaften, die nicht bei den Naturwissenschaften eingeordnet werden können (ausser der Theologie und der Philosophie, die ich als eigenständige Wissenschaftssektoren sehe - Mathematik und Linguistik [im Sinn von Sprachwissenschaften] würde ich als Hilfswissenschaften bezeichnen), ebenso die Informatik und die Archäologie. Dazu zählen etwa die Sozialwissenschaft (Soziologie [für mich die bedeutendste Richtungsdisziplin innerhalb der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften]), die Politikwissenschaft (Politologie), die Wirtschaftswissenschaft (Ökonomie, früher: Nationalökonomie), die Rechtswissenschaft (Jurisprudenz), die Geschichtswissenschaft (Geschichte) sowie die Pädagogik, die verschiedenen Kunst- und Kulturwissenschaften, die Medienwissenschaft (ferner auch Teile der Psychologie, welche sowohl den Natur- wie auch den Geisteswissenschaften zugerechnet werden kann [je nachdem, ob sie eher einem anatomisch-physiologischen oder eher einem philosophischen Bezug folgt; man spricht in der Psychologie oft auch von Psychosomatik: das ist die Verbindung der beiden Bereiche]). Die Ökonomie ist übrigens ganz klar eine Geisteswissenschaft (sie hat sich aus der Moralphilosophie heraus entwickelt - ich spreche nicht von der praktischen Wirtschaft, sondern von der Ökonomie als Wirtschaftswissenschaft, welche allerdings das heutige ökonomische Denken hervorgebracht bzw. bedeutend unterstützt hat, insbesondere den Wirtschaftsliberalismus und die Marktwirtschaft]).

Entwicklung der Geisteswissenschaften* (Moderne). Im kurzen Zeitalter der Renaissance (zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit) entstand die Idee, dass der Mensch im Zentrum des Weltgeschehens steht (damit wurde der alte Humanismus aufgenommen, wie ihn Protagoras vor der Zeit der Klassik formuliert: der Mensch ist das Mass aller Dinge). Dies führte zur Begründung der neuzeitlichen und modernen Naturwissenschaft(en). Geisteswissenschaftlich interessierte im 17. Jahrhundert zuerst einmal die Politik (Althusius) und die Pädagogik (Comenius), wobei das politische Interesse (ein halbes Jahrhundert vor der Geburt des französischen Sonnenkönigs Louis XIV.) noch nicht im Vordergrund stand (in Europa herrschten die Könige, und daher war es nicht angebracht, eine Wissenschaft der Politik zu betreiben, welche andere Dinge behaupten könnte als das, was die Könige wollten). Die Pädagogik stellte sich zunehmend die Frage, wie man Erziehungsfragen vom Interesse des Kindes her beurteilen kann (v.a. bei der späteren Reformpädagogik [Rousseau, Montessori, Piaget (bei diesen Pädagogen hat das Kind im Gegensatz zur früheren Pädagogik bereits einen deutlichen Eigenwert)]). Im Zeitalter der Aufklärung kam im 18. Jahrhundert die grosse Neuorientierung der Geisteswissenschaften. Die staatstheoretischen Erwägungen von Montesquieu, Voltaire und Rousseau führten zur Französischen Bürgerrevolution gegen den damals in Europa noch immer vorherrschenden Absolutismus. Der Liberalismus brachte Toleranzgedanken - v.a. zuerst einmal im religiösen Bereich (zuvor initiiert bei Locke, welcher als bedeutender Voraufklärer gilt) - sowie eine Konzentration auf die Ökonomie (Smith). Die moderne, freiheitliche Gesellschaft war herausgefordert, eine eigenständige Politik und Ökonomie zu begründen. Man kann diese Zeit sicher als (erste) Hochblüte von geisteswissenschaftlichen Überlegungen betrachten (auch etwa Pestalozzi und seine Begründung der Volksschule oder Fröbel und dessen Begründung des Kindergartens [vormals: Kinderbewahranstalten] gehören in diese Zeit).

* Ich verwende hier (und auch im übrigen Teil des Textes) vereinfachend den Begriff der Geisteswissenschaft im alten und allgemeinen Sinn bzw. im Gegensatz zu den Naturwissenschaften, wie Aristoteles diese Differenzierung begriff, heute ordnet man gewisse Wissenschaften eher den Kultur- oder Sozialwissenschaften zu, daher sollte man eigentlich immer von Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften sprechen (oder analog: von Natur-, Technik- und Ökowissenschaften).

Im 19. Jahrhundert folgte die Kapitalismuskritik der Sozialisten (Saint-Simon, Marx) und die Begründung der Soziologie als Wissenschaft (Comte), im 20. Jahrhundert die Begründung von neuen Geisteswissenschaften, wie der eigentlichen Politikwissenschaft sowie der Medienwissenschaft. Das 20. Jahrhundert war einerseits geprägt von der Akzentuierung verschiedener Befreiungsbewegungen innerhalb der modernen Gesellschaft, andererseits aber auch von einer starken und schwierigen Kulturkritik in der Philosophie (Kritische Theorie, Poststrukturalismus sowie auch Existentialismus [der Aufklärer Kant hatte sein Zeitalter schon als das kritische bezeichnet und der Nihilist Nietzsche schon als Entwerter und/oder Umwerter aller kulturellen und moralischen Werte - Voltaire, Schopenhauer, Marx und Nietzsche (u.a.) können als bedeutendste Vorläufer der Kulturkritik des 20. Jahrhunderts genannt werden, welche offenbar immer nach einer grossen Zeit der Klassik kommt (vgl. Skeptizismus in der Antike oder Canterbury und Abaelardus im Mittelalter)]). Der Ausgang dieser sehr umfassenden Kulturkritik der Neuzeit und ihrer Moderne - mit Namen wie Voltaire, Nietzsche, Freud, Heidegger, Lacan, Orwell, Sartre, Beckett, De Beauvoir, Frisch, Camus, Flusser, Dürrenmatt, Lyotard, Baudrillard, Derrida (u.v.a.) - ist noch immer offen. Wie kann/soll sie integriert werden in ein zukünftiges Menschen- und Gesellschaftsbild? Wir leben heute in einem immer ambivalenteren Zeitalter zwei grundverschiedener Strömungen (Positivismus der [Natur-] Wissenschaft [Utopie - zurückgehend auf Bacon und Comte], Negativität der Kulturkritik [Dystopie]).


Wie schon gesagt, gibt es bei den Geisteswissenschaften eine weniger genaue Ordnung als bei den Naturwissenschaften, daher kann auch die Reihenfolge bei der Besprechung der einzelnen Disziplinen beliebig gewählt werden. Ich beginne die Ordnung der Geisteswissenschaften mit der Soziologie, der Politologie und der Ökonomie (ebenso liessen sich aber auch die Politologie oder die Ökonomie vorziehen - oder [fast] jede andere Geisteswissenschaft).


Die Gesellschaftswissenschaft (Soziologie) behandelt das soziologische (gesellschaftliche) System und Handeln. Die Wissenschaft der Soziologie werde sich erst richtig entwickeln, wenn alle anderen Wissenschaften schon hoch entwickelt seien, meinte deren Begründer Auguste Comte (im 19. Jahrhundert). Und es scheint, als hätte er damit recht gehabt (die allermeisten heutigen Menschen wissen vermutlich nicht einmal, dass es überhaupt eine Wissenschaft der Soziologie gibt) - die Menschen scheinen sich zuerst für alles andere zu interessieren und zuletzt erst für ihre eigene Gesellschaft. Im Zentrum des Begriffs der Gesellschaft* steht wohl die Zusammengehörigkeit (einer bestimmten bzw. grösseren Gruppe von Menschen [grösser als die Familie - heute spricht man meistens von Gesellschaften innerhalb eines bestimmten Staatsgebietes, d.h. politischen Gesellschaften, aber auch kulturell verwandten Gesellschaften, z.B. von der westlichen Gesellschaft (der Begriff kann aber eigentlich für jede grössere zusammengehörige Gruppe verwendet werden)]). In der Wissenschaft der Soziologie ist von einer verwissenschaftlichten, objektiven (Welt-) Gesellschaft die Rede, insofern es eine solche überhaupt geben kann. Wir können uns quasi eine platonische Idee von der Gesellschaft darunter vorstellen, und die Frage danach, wie die Gesellschaft bzw. eine sich selber konstituierende Gesellschaft sein soll, aber natürlich auch die ganze, grosse und breite Diskussion um die Themenbereiche, welche den Begriff der Gesellschaft realiter und idealiter betreffen. Wir sehen: die Sache der Gesellschaft ist relativ schwierig zu fassen, und das ist nicht untypisch für die Geisteswissenschaften allgemein (ich versuche es, so einfach wie möglich zu halten).

* Man könnte meinen, dass der Begriff der Gesellschaft wohl etwa bei den früheren Sozialisten und den frühen sozialen Siedlungen aufgekommen ist (Fuggerei 1521, New Harmony 1825). Indessen könnte der Begriff auch aus der Politik und der Wirtschaft stammen, denn hier ist ja auch von Gesellschaften die Rede (engl. associations - so sprechen wir etwa von der Aktiengesellschaft). Nebst dem Begriff der Gesellschaft gibt es etwa die verwandten Begriffe der Gemeinschaft und der Genossenschaft.

Die Soziologie kann insofern als oberste Geisteswissenschaft gesehen werden, als dass sie andere Geisteswissenschaften wie die Politologie oder die Ökonomie beinhaltet (natürlich auch etwa die Rechts-, Sprach- oder Geschichtswissenschaft: eine Gesellschaft macht ihr Recht, sie spricht ihre Sprache[n] und sie hat ihre Geschichte[n]). In der Naturwissenschaft gibt es schon längstens auch eine Pflanzen- und eine Tiersoziologie: diese können aber ganz eindeutig der Naturwissenschaft zugeordnet werden, was zeigt, dass es in den Geisteswissenschaften vorwiegend um den Menschen und wiederum vorwiegend um den geistigen Menschen geht. Nach Comte ist die Soziologie die komplexeste Wissenschaft; er sieht einen sechsfachen Aufbau der Wissenschaften (Mathematik, Astronomie, Physik, Chemie, Biologie, Soziologie), welcher zeigt, dass er unter der Soziologie allgemein die Geisteswissenschaften zusammenfasste. Weiter stand Comte ein für das Wirken der Frauen in der Gesellschaft und v.a. für den Positivismus, welcher einen dreifachen Aufbau der Bereiche Religion, Philosophie und Wissenschaft behauptet. Hier also steht am Ende die Wissenschaft der Soziologie über der Philosophie und der Religion. Als Sekretär von Henri de Saint-Simon war Comte direkt mit dem utopischen Frühsozialismus verbunden, ohne diesen jedoch später zu vertreten. Sein Schluss aus der sozialistischen Idee war eben vielmehr die Begründung der Soziologie als Wissenschaft.

Die ideologische Kontroverse zwischen Marx und Spencer im 19. Jahrhundert zeigt ein grosses Problem der Soziologie und der Geisteswissenschaften überhaupt: ihre Anfälligkeit für ideologische Ansichten und Verfälschungen aller Arten und Weisen. Während Marx den Sozialismus zum Kommunismus erweiterte (und Rodbertus den Staatssozialismus begründete), übertrug Spencer die Theorie von Darwin auf die menschliche Gesellschaft (Sozialdarwinismus). Daraus entstanden die Ideen von einer (theoretischerweise - nach sozialistischen Kriterien) vollkommen sozialen und vollkommen unsozialen Gesellschaft - beides im Namen und/oder Umfeld der Soziologie (während Spencer tatsächlich Soziologe war, gilt Marx als Ökonom). Demgegenüber versuchte Durkheim die Soziologie mit einer Studie über Selbsttötung auf eine wissenschaftliche und empirische Schiene zu bringen. Sein Gesellschaftsmodell war getragen von der Arbeitsteilung, welche er als organische Solidarität interpretierte (die gemeinsamen Ansichten würden dagegen langsam in den Hintergrund treten).

Während viele Soziologen Themen diskutieren, die sie als besonders bedeutend in einem soziologischen Zusammenhang betrachten, stechen Georg Simmel und Talcott Parsons hervor, wenn es darum geht eine wirklich wissenschaftliche Ansicht der Soziologie zu begründen. Simmel versuchte eine formale Soziologie zu begründen, welche er als reine Soziologie und exakte Wissenschaft verstand, wobei er von Formen des zwischenmenschlichen Zusammenlebens ausging, die zu allen Zeiten und in allen Kulturen bestehen. Was Soziologie nun für Simmel ist, das ist die Analyse von beobachtbaren sozialen Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen den Individuen einer Gesellschaft. Parsons setzte sich dagegen v.a. mit den Institutionen auseinander und sah diese als bedeutend zum Erhalt der sozialen Ordnung. Seine strukturfunktionalistische Systemtheorie versteht sich als soziologische Universaltheorie, welche für alle Formen von Sozialität gilt. Nach dieser Theorie müssen alle sozialen Systeme vier elementare Funktionen erfüllen: Anpassung (Adaption), Zielerreichung, Integration und Strukturerhaltung. Dieser systemischen Auffassung gegenüber hatte wiederum Mead zuvor die Identität ins Zentrum seiner soziologischen Überlegungen gestellt. Bedeutend sind auch etwa die Untersuchungen des Zusammenhangs zwischen der christlichen Religion und dem Kapitalismus (Weber) sowie der Naturwissenschaft (Merton).

Wie gesagt: die Soziologie und die Geisteswissenschaften stecken eben allgemein voller Wechselwirkungen und -überlegungen. Dies soll sie weder ab- noch aufwerten. Es ist halt eben so. Aus diesen ganzen Kontroverson* eine Soziologie als Wissenschaft herauszulesen, das ist eine der bedeutendsten Aufgaben von Soziologen und Soziologinnen.

* Da es bei der Geisteswissenschaft immer um das Menschliche geht, steckt der Mensch hier anders als in der Naturwissenschaft selber - d.h. mit seiner eigenen und ganzen Person - mitten drin im Geschehen. In der Naturwissenschaft wird eine Subjekt-Objekt-Scheidung behauptet, welche in der Geisteswissenschaft so strikt nicht zu halten ist. Für die Soziologie gilt: jeder Forschende ist Teil der Gesellschaft, d.h. er nimmt einen ganz bestimmten Platz in der Gesellschaft ein und tätigt seine Überlegungen von diesem Ort aus. Wie sehr er sich auch Mühe gibt für eine objektive Sichtweise, ganz ist das Persönliche und Subjektive in der Geisteswissenschaft nicht auszuschalten (auch hier: vielleicht stellt sich diese Frage sogar auch in den Naturwissenschaften, in den Geisteswissenschaften sicher aber bedeutender).

Einer der bedeutendsten Soziologen des 20. Jahrhunderts ist Jürgen Habermas, dessen Diskursethik und -theorie (zusammen mit Apel) als Versuch bewertet werden kann, den Diskurs in der Wissenschaft und Gesellschaft zu verwissenschaftlichen (ebenfalls kein unkontroverses Thema). Zu erwähnen ist auch etwa Richard Sennett, welcher mit seiner Kontroverse vom Verschwinden des öffentlichen Menschen irgendwie an Durkheim erinnert. Interessant - u.v.a. - ist sicher auch der Begriff der flüchtigen Moderne von Zygmunt Bauman, welcher auch das Problem der Migration behandelte (er sieht auch zeitgeschichtlich eine Verabschiedung von einer ersten Phase der Moderne [was die Auffassung, dass wir heute zwischen der Moderne und einer Postmoderne stehen, wie sie in der Kunst und in der Philosophie geäussert wurde, bestätigt - ich bezeichne die heutige Zeit als Spätmoderne]). Die erste Adresse, wenn es in der Soziologie um die globale Industrialisierung und das Umweltproblem geht, ist Anthony Giddens. Das 20. Jahrhundert* verlief in der Soziologie sehr lebhaft, und man kann sagen, dass diese sich mittlerweilen im Reigen der Wissenschaften bedeutend etabliert hat.

* Weitere bedeutende und bekannte Namen der Soziologie des 20./21. Jahrhunderts sind etwa (alphabetisch): Adorno, Alexander, Anderson, Appadurai, Bataille, Baudrillard, Beck, Becker, Bourdieu, Butler, Caillois, Castells, Cooley, Du Bois, Elias, Ellwood, Etzioni, Foucault, Fromm, Garfinkel, Gehlen, Goffman, Gramsci, Hall, Horkheimer, Koigen, Kracauer, Latour, Lefebvre, Lévi-Strauss, Luhmann, Malinowksi, Mannheim, Marcuse, Mayo, Mead (Margaret), Merton, Michels, Müller-Armack, Negt, Neurath, Ortega y Gasset, Pareto, Plessner, Putnam (R.D.), Robertson, Rosa, Rüstow, Sassen, Scheler, Tönnies, Topitsch, Touraine, Townsend, Veblen, Wallerstein, Welzer, Willis, Ziegler, Zukin.

Zehn bedeutendste Soziologen: Auguste Comte (1798-1857 [Positivismus]), Herbert Spencer (1820–1903 [Sozialdarwinismus]), Gustave Le Bon (1841-1931 [Massenpsychologie]), Émile Durkheim (1858–1917 [Empirische Soziologie]), Georg Simmel (1858–1918 [Formale Soziologie]), Max Weber (1864–1920 [Protestantismus und Kapitalismus]), George Herbert Mead (1863–1931 [Identität]), Talcott Parsons (1902-1979 [Strukturfunktionalismus, Soziologische Systemtheorie]), C[harles]. Wright Mills (1916–1962 [Macht, Elite]), Daniel Bell (1919-2011 [Postindustrielle Gesellschaft]).


Die Politikwissenschaft (Politologie) behandelt das politische System und Handeln in der menschlichen Gesellschaft. Grundlegend war in der Antike v.a. die Grundordnung des Systems bzw. die eigentliche Staatsform. Platon schlug zuerst Philosophenkönige vor, korrigierte sich dann aber selber auf eine Regierung durch (gerechte) Gesetze. Aristoteles unterschied zwischen fünf unterschiedlichen Formen: Monarchie (Anzahl der Herrscher: einer, altruistisch [dem Gemeinwohl dienend]), Aristokratie (einige, altruistisch), Politie (alle, altruistisch), Tyrannis (einer, egoistisch [dem Eigennutz dienend]), Oligarchie (einige, egoistisch), Demokratie (alle, egoistisch). Die Politie bezeichnete Aristoteles an anderer Stelle als die beste Staatsform und als eine Mischform zwischen der Oligarchie und der Demokratie (interessant: das ist fast exakt die Staatsform, welche wir in den heutigen Demokratien haben [mit einer Demokratie in der Politik und einer Oligarchie in der Ökonomie (aber auch in der politischen Elite)]). Sowohl Platon wie auch Aristoteles lebten zur Zeit der attischen Demokratie (d.h. der Demokratie im antiken Athen), waren aber erstaunlicherweise eher fast ein bisschen demokratiekritisch (jedenfalls nicht demokratieunkritisch). Selbst Rousseau, der bedeutendste Demokratietheoretiker der frühen Moderne, meinte noch, die Demokratie sei vermutlich nur geeignet für kleinere Staaten - die nachfolgende Zeit hat sie (zumindest sicher schon eine Zeit lang) eines Besseren belehrt. Montesquieu formulierte seinerseits zuvor - basierend auf den Gedanken von Locke - die sehr bedeutende Teilung der Machtverhältnisse (Gewaltenteilung) zwischen der Legislativen (gesetzgebende Gewalt - in der Schweiz auf eidgenössischer Ebene: Parlament [mit National- und Ständerat (Zweikammersystem)]), der Exekutiven (ausführende Gewalt [und eigentliche 'Regierung'] - Bundesrat mit Bundespräsident) und der Judikativen (richterliche Gewalt - Bundesgericht).

Es gibt vermutlich keine andere Wissenschaft, von welcher es so schwierig ist, zu sagen, wer sie denn eigentlich als Wissenschaft begründet hat. Meistens wird Tocqueville genannt (im 19. Jahrhundert), welcher als Begründer der Vergleichenden Politikwissenschaft gilt (er verglich die französische und die amerikanische Revolution und Staatsform). Die Entwicklung der Politik ist wiederum eigentlich ein Teil der Disziplin der Geschichte, welche sich ja auch sehr bedeutend mit der Politik beschäftigt. Vielleicht ist dies auch ein Grund dafür, dass sich die Politikwissenschaft sehr spät wirklich - d.h. an den Universitäten - begründet und konstitiuiert hat (realiter eigentlich sogar erst im 20. Jahrhundert [in den Demokratien, die ja wesentlich in den meisten Fällen erst im 20. Jahrhundert oder sogar erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind (Ausnahmen: USA [1776], Frankreich [1789], Schweiz [1848 - erste demokratische Landsgemeinde im Kanton Uri 1231*] - England ist, wie ein paar andere Staaten Europas auch, noch immer eine Monarchie! (Ansonsten: 1689 - die Angaben sind jedoch schwierig, da der Übergang von anderen Staatsformen zur Demokratie meist nicht ganz genau zu bestimmen ist)]). Die erste Generation von wirklichen Politikwissenschaftlern soll es erst im späten 19. Jahrhundert in den USA gegeben haben (1882-1900 - und ihr Motto soll gewesen sein: 'History is past politics and politics present history'), zu ihr gehörte der nachmalige US-Präsident Woodrow Wilson, welcher den Völkerbund (heute: UNO) ins Leben rief. In Europa gab es wirkliche Politikwissenschaftler erst nach dem Ersten Weltkrieg (eine Ausnahme ist Sonnenfels, welcher schon im 18. Jahrhundert Politische Wissenschaften lehrte, an der Universität Wien).

* Älter sind skandinavische** Volksvertretungen/-versammlungen: 979 Tynwald auf der Isle of Man (älteste durchgehend existierende Volksvertretung), 930 Althing in Island, 900 Loegting auf den Färöer-Inseln. (Das erste Parlament mit Bürgerbeteiligung fand in England 1265 statt [mit der Mitwirkung von zwei Bürgern]; älter sind adlige Beraterkreise der angelsächsischen Könige [Witan, 7.-11. Jahrhundert].)

** Interessant dazu: dass in der Geschichtsschreibung der Name des Kantons Schwyz sowohl auf schwedische wie auf suebische Einwanderer zurückgeführt wird (die Sueben waren eine germanische Volksgruppe aus dem Nordosten, von welchen die Schwaben und die Alemannen abstammen sollen). Die Landsgemeinde gibt es heute auf eidgenössischer Ebene nicht mehr - auf kantonaler Ebene noch in den Kantonen Appenzell Innerrhoden und Glarus. Die Direkte Demokratie wurde in der Schweiz gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt (1874 Fakultatives Referendum, 1891 Volksinitiative).

Die noch relativ junge Wissenschaft hat noch nicht viele grosse Richtungen hervorgebracht. Die bedeutendste ist vermutlich der Behavoiralismus in den USA (Waldo, Easton, Almond), in welchem (etwa nach 1942) überhaupt erstmals eine unbestrittene Politikwissenschaft behauptet wurde. Die US-Behavioralisten versuchten, die Politologie mit überprüfbaren Studien und harten Fakten, Feldforschung und Datenanalyse, zu einer anerkannten Sozialwissenschaft zu formen (in der Psychologie versuchte der Behaviorismus ebenfalls zuvor gegenüber der Tiefenpsychologie als eigentliche oder richtige Wissenschaft aufzutreten). Die Behavioralisten studieren politisches Verhalten eher als politische Institutionen und Verfassungen. Dieser Ansatz wurde kritisiert - etwa, indem den Fakten Werte entgegengehalten wurden - und er spielte zudem auch in Europa kaum eine bedeutende Rolle. Der Soziologe John Meyer propagierte stattdessen einen Neuen Institutionalismus (1977). Die weitere Entwicklung der Politikwissenschaft scheint recht unbestimmt zu sein; sie scheint auch heute - gegenüber der realen Politik - eine sehr geringe Dynamik* zu haben (sowohl in kritischer wie auch in positiver Hinsicht). Die heutige Parteienlandschaft ist (etwa exemplarisch in der Schweiz) geprägt von Nationalisten, Liberalisten, Christen, Sozialisten und Grünen - je länderspezifisch scheinen sich in dieser Struktur relativ stabile politische Verhältnisse herausgebildet zu haben (jedoch sehen wir auch immer wieder, wie leicht diese zu erschüttern sind - das politische Dilemma der Menschen wird bestimmt weitergehen und nichts scheint in der Politik wirklich sicher und dauerhaft zu sein [was natürlich die Sache einer Politikwissenschaft sehr schwierig macht]).

* Ganz anders natürlich als etwa zur Zeit der Aufklärung und der Bürgerrevolution. Dies scheint auch heute keine Zeit von grossen politischen Revolutionen zu sein (jedenfalls nicht im westlichen Kulturraum - eine heutige Revolution könnte sogar die Errungenschaften der Bürgerrevolution im 18. Jahrhundert gefährden; andererseits lässt sich aber auch kaum wegdiskutieren, dass deren Motto noch besser umgesetzt werden müsste [Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit]). Die Revolutionstheorie spielt interessanterweise in der Philosophie, in der Soziologie - auch etwa in der Geschichte - eine bedeutendere Rolle als in der eigentlichen Politikwissenschaft.

Ein bedeutendes Thema der Politik ist sicher der Weltfrieden. Bedeutende Friedensordnungen gingen etwa aus dem Westfälischen Frieden 1648 oder dem Wiener Kongress zur Neuordnung Europas 1815 hervor. Beide können als Vorläufer der Europäischen Union betrachtet werden (EWG 1957, EG/EU 1993). Von einem Projekt der europäischen Integration sprach Charles Irénée Castel (oder: Abbé) de Saint-Pierre bereits 1712 (in seiner Schrift: 'Projet pour rendre la paix perpétuelle en Europe'). Kant griff das Thema 1795 auf der Weltebene auf, in seiner Schrift "Zum ewigen Frieden", in welchem er einen internationalen Völkerbund vorschlug, der anders als die Friedensverträge nicht nur einen Krieg, sondern alle Kriege für alle Zeit beendigen sollte. Das ebenso ambitiöse wie schwierige Projekt wurde 1920, nach dem Ersten Weltkrieg, vom damaligen US-Präsidenten Woodrow Wilson verwirklicht und heisst heute United Nations (Organization [UNO]). Internationale Politik wird jedoch heute oft auch und v.a. im kleineren Zirkel gemacht, etwa bei Treffen der führenden Industrienationen (G7, G8, G20 - nebst allen bilateralen Vereinbarungen und vielen weiteren internationalen Organisationen und Institutionen). Wir befinden uns zunehmend in einer Weltsituation, in welcher der Weltfrieden, nach zwei schlimmen Weltkriegen im 20. Jahrhundert, nicht mehr eine Frage des reinen Pazifismus ist, sondern eine Frage der Arterhaltung wird - dies aufgrund der immer stärker gewordenen Waffen (inkl. chemische, nukleare und biologische Waffen). Daher ist davon auszugehen, dass die Erreichung und Erhaltung des Weltfriedens die grösste Aufgabe der zukünftigen (Welt-) Politik sein wird.

Zehn bedeutendste Politologen (und Staatstheoretiker): Jean Bodin (1529-1596 [Verteidigung des Absolutismus]), Johannes Althusius (1563-1638), Hugo Grotius (1583-1645 [Völkerrecht]), Thomas Hobbes (1588-1679 [Staatstheorie, Gesellschaftsvertrag (I)]), John Locke (1632-1704 [Gewaltentrennung (I), (Politischer) Liberalismus]), Montesquieu (1689-1755 [Gewaltentrennung (II)]), Jean-Jacques Rousseau (1712-1778 [Gesellschaftsvertrag [II], Demokratie]), Immanuel Kant (1724-1804 [Völkerbund]), Thomas Paine (1737-1809 [Common Sense, Menschenrechte]), Alexis de Tocqueville (1805-1859 [Vergleichende Politikwissenschaft]).


Die Wirtschaftswissenschaft (Ökonomie) behandelt das ökonomische System und Handeln in der menschlichen Gesellschaft. Der erste ökonomische Denker der Kulturgeschichte war Xenophon, ein Zeitgenosse von Platon. Er sagte u.a., dass der Frieden eine wichtige Bedingung für einen florierenden Handel sei. Als Begründer der modernen Volkswirtschaftslehre (oder Klassischen Nationalökonomie), welche die alten Formen des Merkantilismus (Colbert - Wirtschafts- und Handelspolitik im politischen Absolutismus) und des Physiokratismus (Quesnay - Betonung der Werte der Natur und damit des Grund und Bodens) ablöste, gilt der Moralphilosoph Adam Smith (im 18. Jahrhundert, zur Zeit der Aufklärung; als weitere Vertreter der Klassischen Nationalökonomie gelten etwa Ricardo oder Malthus). Seiner Meinung nach funktioniert die Wirtschaft dann am Besten, wenn jeder sein Eigeninteresse verfolgt* (oder anders gesagt: wenn jeder Einzelne nach persönlichem Erfolg strebt, dann erhöht sich auch der Gesamterfolg in der Gesellschaft - dies führt nach ihm auch zum Wohlstand der Nationen. Tatsächlich führte der Wirtschaftsliberalismus, angefeuert durch die Industrielle Revolution**, nach und nach zu einer stark gesteigerten betriebs- und handelswirtschaftlichen Tätigkeit, auch wenn der Industriesektor noch immer vergleichsweise klein war. Noch bis anfangs 20. Jahrhundert waren über 80% der Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt - heute sind es weniger als 5% (dies nach einer bedeutenden Industrialisierung der Landwirtschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert). Das 20. Jahrhundert war zuerst das Zeitalter der Industrie, dann das Zeitalter der Dienstleistungen und schliesslich der Computerisierung***. Der Soziologe Daniel Bell sprach in seinem Hauptwerk 1973 vom Kommen der post- bzw. nachindustriellen Gesellschaft, in welcher die Information der neue Hauptfaktor ist. Die Realwirtschaft freilich bleibt vorderhand weiter beim Industriebegriff: sie spricht derzeit von der Industrie 4.0 (Industrie 1.0: erste Massenproduktion in der Industriellen Revolution [ca. um 1800], Industrie 2.0: Elektrifizierung der Industrie, Industrie 3.0: Computerisierung der Industrie, Industrie 4.0: Zukunftsprojekt zur umfassenden Digitalisierung der industriellen Produktion im Zeitalter der Digitalen Revolution). Eine interessante kleine Divergenz zwischen den Wissenschaften der Ökonomie und der Soziologie (siehe dort).

* Der Staat sei dabei so klein wie möglich zu halten. Ein Mindestmass an Staatlichkeit sei aber notwendig, schon alleine um den freien Markt zu ermöglichen und zu sichern. Diese Staatsauffassung wurde vom Sozialisten Lassalle despektierlich als Nachtwächterstaat bezeichnet.

** Daten zur Industrielle Revolution: Newcomen, 1712 (Dampfmaschine I); Hargreaves, 1764 (Spinnmaschine); Watt, 1769 (Dampfmaschine II), E. Cartwright, 1785 (Webmaschine); Trevithick, 1804 (Eisenbahn u. Dampflokomotive I); Stephenson, 1825 (Eisenbahn u. Dampflokomotive II). Philosophische, politische und ökonomische Daten dazu: 1748 Gewaltentrennung in der Gesetzesschrift von Montesquieu, 1762 Rousseaus Schrift zum Gesellschaftsvertrag, 1776 Common-Sense-Pamphlet von Paine, 1776 Unabhängigkeitserklärung der USA, 1776 Wealth of Nations (Smiths Hauptwerk des klassischen Wirtschaftsliberalismus), 1787 US-Verfassung (mit Menschenrechten), 1789 Französische Bürgerrevolution, 1795 Kants Idee vom Völkerbund (zum ewigen Frieden [umgesetzt erst nach dem Ersten Weltkrieg, 1920]), 1799-1815 Napoleons Herrschaft in Frankreich, 1815 Wiener Kongress zur Neuordnung Europas. Die grosse technische und die grosse politische Revolution gingen zeitlich also sozusagen Hand in Hand. Wenn man von bedeutendsten Zeitabschnitten in der Weltgeschichte sprechen würde, käme man um diese Zeit gewiss nicht herum.

*** Etwa ab den späteren 1970-er Jahren: Apple I 1976, IBM PC 1981, World Wide Web 1991, Kommerzialisierung des Webs etwa ab 1995.

Die Volkswirtschaftslehre wird eingeteilt in Makroökonomie (gesamtwirtschaftliches Verhalten der Wirtschaftssektoren) und Mikroökonomie (Verhalten einzelner Wirtschaftssubjekte [Haushalte und Unternehmen]). Zur Makroökonomie gehört etwa das sogenannte magische Vieleck der Koordination von volkswirtschaftlichen Zielen (ursprünglich als Viereck: stetiges und angemessenes Wachstum, stabiles Preisniveau, hoher Beschäftigungsgrad, aussenwirtschaftliches Gleichgewicht; bei einem Fünf- oder Mehreck können weitere Ziele dazu kommen, wie z.B. ausgeglichene öffentliche Haushalte, gerechte Einkommensverteilung und Vermögensverteilung oder Erhaltung einer lebenswerten Umwelt und andere). Auch sehr bedeutend sind die Produktionsfaktoren der Volkswirtschaftslehre: Boden, Arbeit und Kapital. Unser Wirtschaftssystem wird Kapitalismus genannt, was zeigt, dass das Kapital hierbei eine starke Hauptrolle spielt (dies im Gegenteil etwa zur mittelalterlichen Ökonomie, in welcher es eine Zinsverwerfung gab [was wenig kapitalfreundlich ist]). Zur Mikroökonomie gehört etwa das Bestimmen des Preis-/Mengenverhältnisses im Marktgleichgewicht - dieses ergibt sich im Schnittpunkt der Angebots- und Nachfragekurve. Nach diversen Vorarbeiten (v.a. bei Gossen [Gesetz des abnehmenden Grenznutzens (erstes Gossensches Gesetz, d.h. der Nutzen eines Gutes nimmt mit der Menge ab)] und weiter in den sogenannten Grenznutzenschulen [mit Jevons, Menger, Pareto, Schumpeter, Walras und anderen]) wurde das Marktdiagramm schliesslich von Alfred Marshall präsentiert (im frühen 20. Jahrhundert). Diese ganze Grenznutzentheorie wird auch Neoklassik genannt. Im 20. Jahrhundert begründeten John Maynard Keynes den Keynesianismus (Hauptfaktor: gesamtwirtschaftliche Nachfrage, Befürwortung von staatlichen Eingriffen) und Milton Friedman den Neoliberalismus (insbesondere auf Vorarbeiten der österreichischen Ökonomen Mises und Hayek [aber auch deutschen Ökonomen wie Eucken u.a.] - sein Sohn David Friedman gehört zu den führenden Vertretern des sogenanten Anarchokapitalismus, welcher den Staat gänzlich abschaffen möchte).

-> Marktdiagramm, Marktgleichgewicht, Gleichgewichtspreis/Gleichgewichtsmenge einfach erklärt.

Während die Volkswirtschaft das gesamtwirtschafliche Handeln untersucht, behandelt die Betriebswirtschaft das einzelwirtschaftliche Handeln. Hauptsächlich geht es dabei um die Unternehmensführung - ein klassisches Instrument ist die Unternehmensbilanz mit der Doppelten Buchführung (Soll/Haben, mit Verbuchung von Aktiven [Vermögen (als Anlage- und Umlaufvermögen) bzw. Mittelverwendung - Zugänge im Soll, Abgänge im Haben] und Passiven [Kapital (als Eigen- und Fremdkapital) bzw. Finanzierung oder Mittelherkunft - Zugänge im Haben, Abgänge im Soll]- begründet vom Mathematiker Pacioli bereits im späten 15. Jahrhundert [seit dem 13. Jahrhundert wurden in Florenz (Italien) die ersten grossen Bankhäuser in Europa aufgebaut]), ferner auch etwa die gleich aufgebaute Erfolgbilanz (Soll/Haben, mit Verbuchung von Aufwand und Ertrag). Ebenfalls sehr bedeutend ist in der Betriebswirtschaft der (vielfach kritisierte) Taylorismus: die (sogenannt) wissenschaftlich rationelle Betriebsführung und Arbeitsgestaltung durch Frederick Winslow Taylor (im frühen 20. Jahrhundert [Scientific Management - das Problem dabei: dass hier technizistisches Denken, ohne Rücksicht auf menschliche Belange, 1:1 auf die Wirtschaftswissenschaft übertragen wird]). Von neuerer Bedeutung ist das Qualitätsmanagement, auch Total Quality Management (William Edwards Deming). Global betrachtet, kommt neben den Ebenen der Betriebs- und der Volkswirtschaft die Ebene der Weltwirtschaft dazu (als Begründer der neueren Weltwirtschaftslehre gilt Bernhard Harms [im frühen 20. Jahrhundert]).

-> Unternehmensbilanz einfach erklärt.

Realiter führte der Wirtschaftsliberalismus nicht nur zu einer Produktionssteigerung, sondern auch zu einer Ausbeutung der Arbeiterschaft durch die Fabrikbesitzer. Dies rief die Sozialisten auf den Plan*, zuerst die utopischen Frühsozialisten (Saint-Simon, Owen, Fourier sowie Weitling), dann die Kommunisten (Marx und Engels) und schliesslich die Sozialdemokraten (Bernstein), die gegenüber den Kommunisten einen revisionistischen bzw. reformistischen, nicht-revolutionären Kurs ansteuerten. Der Sozialismus schlug sowohl ein neues politisches System wie auch ein neues ökonomisches System (Staatliche Planwirtschaft vs. Freie Marktwirtschaft) vor. Der realexistierende Kommunismus scheiterte im Osten Europas im 20. Jahrhundert (aufgrund von wirtschaftlicher Ineffizienz und staatlichem Machtmissbrauch), in welchem gleichzeitig die Sozialdemokratie in der westlichen Welt die allgemeinen Arbeits- und Lohnbedingungen verbessern konnte. Dies führte vorab in England zu Fabrikgesetzen (1842-1847 ff: Verbot der Frauen- und Kinderarbeit in Bergwerken 1842, Beschränkung der Arbeit von unter 13-Jährigen auf 6,5 und von Frauen auf 12 Stunden pro Tag 1944, Allgemeine Beschränkung der Arbeitszeit auf 63 Stunden pro Woche 1847). Durch den besseren Ausgleich entstand ein breiter und stabiler Mittelstand (ganz im Sinne der Utilitaristen [Bentham, Mill], welche vor den Sozialisten schon einen Wohlstand für möglichst viele Menschen forderten [durch das Prinzip des Nutzens sollte das Glück in der Gruppe gefördert werden, oder anders gesagt: die Wirtschaft sollte den Menschen dienen (und zwar nicht nur einzelnen wenigen, sondern einer möglichst grossen Zahl)]). Interessant ist der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg, welcher sich wesentlich auf dem System der Sozialen Marktwirtschaft begründet - zu nennen ist dabei etwa Alfred Müller-Armack - sowie auch auf US-amerikanischer Hilfestellung. Der Begriff der Sozialen Marktwirtschaft ist jedoch nicht weit über die deutsche Grenze hinausgekommen (in den USA, der führenden Wirtschaftsmacht der Welt, ist dieser Begriff praktisch unbekannt).

* Es stellte sich mir hier die Frage, ob ich die Sozialismusdiskussion eher unter der Soziologie, der Politologie oder der Ökonomie einordnen sollte. Offenkundig ist Marx die bedeutendste und auch kontroverseste Figur in dieser Diskussion - ihn würde ich der Ökonomie zuordnen (und daher habe ich das auch hier platziert). Saint-Simon dagegen, den Begründer des Frühsozialismus, würde ich eher der Soziologie, Bernstein, den Wegbereiter der Sozialdemokratie, eher der Politologie zuordnen. Frühere Wurzeln dieser Diskussion werden etwa bei Morus oder Platon gesehen - beide wären natürlich der Philosophie zuzordnen; sehr bedeutend ist natürlich auch die Verschwörung der Gleichen (frz. Société des égaux) zur Zeit der Französischen Revolution (1796-1797 [Babeuf, Buonarroti]) - hier zeigte sich bereits, dass im Widerstreit der Argumente (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) in der nachrevolutionären Bürgerlichkeit, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen, die Freiheitlichkeit das stärkste Argument ist.

Zehn bedeutendste Ökonomen: Adam Smith (1723-1790 [Wirtschaftsliberalismus]), David Ricardo (1772-1823 [Aussenhandelstheorie]), Hermann Heinrich Gossen (1810-1858 [Grenznutzentheorie]), Karl Marx (1818-1883 [Kapitalanalyse]), Alfred Marshall (1842-1924 [Marktdiagramm]), Frederick Winslow Taylor (1856-1915 [Wissenschaftliche Betriebsführung]), Arthur Cecil Pigou (1877-1959 [Wohlfahrtsökonomie]), John Maynard Keynes (1883-1946 [Keynesianismus]), Alfred Müller-Armack (1901-1978 [Soziale Marktwirtschaft]), Milton Friedman (1912-2006 [Neoliberalismus]).


Die Rechtswissenschaft (Jurisprudenz) behandelt das juristische System und Handeln in der menschlichen Gesellschaft. Eigentlich gehört die Rechtswissenschaft zur Politikwissenschaft (oder umgekehrt), denn eigentlich ist Politik nichts anderes als die Auseinandersetzung darum, wie das Recht gesetzt werden soll (und wer es überhaupt setzen darf). Daher könnte man meinen, dass für die Rechtswissenschaft etwas ähnliches gilt wie für die Politikwissenschaft: solange grosse und starke Könige an der Macht waren, brauchte es und gab es keine Rechtswissenschaft. Es waren weitgehend die Könige und ihre Mitregenten, die bestimmten. Erst die Gewaltenteilung (Locke, Montesquieu) mit zusätzlich (zur Exekutiven) einer Legislativen und einer Judikativen änderte dies eigentlich. Diskussionen um das Recht, eine Rechtslehre und Rechtsgelehrte gab es aber immer (und schon Konfuzius meinte, dass ein ungerechter König abgesetzt werden darf). Natürlich gibt es auch eine historisch bedeutende Ausnahme von einem reinen Herrschaftsrecht, und das sind die religiösen Schriften (insbesondere das Gesetzbuch Mose, aber auch andere). Diese waren im Glauben über die Herrscher (und deren Rechtsetzung) gestellt - zumindest standen die Vertreter der Religion und der (weltlichen) Macht diesbezüglich in dauerndem Konflikt miteinander (das ist sogar in der Bibel dargestellt: mit den dramatischen Auseinandersetzungen zwischen den israelitischen Königen und den Propheten). Daher wurden auch (in der Neuzeit, im westlichen Kulturkreis) die Kirche und der Staat voneinander getrennt (freilich unter anderen politischen Vorzeichen, von einer sich herausbildenden Volkssouveränität und -herrschaft, in welcher das Volk grundsätzlich für sich selber verantwortlich ist).

In der Römischen Antike, welche das griechische Göttersystem übernommen hatte, war die Religion etwas weniger wichtig und die Jurisprudenz etwas wichtiger. Diese kann man als bedeutendste Geisteswissenschaft im Alten Rom überhaupt betrachten (insofern man hier schon von Wissenschaft sprechen kann - inkl. sogar eben Theologie und Philosophie). Wie bedeutend sich die römischen Kaiser wiederum an das Gesetz gehalten haben ist eine andere Frage, aber trotzdem. Es ist nicht erstaunlich, dass wir bis heute wesentliche Teile des Römischen Rechts übernommen haben (insbesondere betreffend des Privateigentums und [weitgehender] Willensfreiheit im Zivilrecht). Zwei der bedeutendsten Rechtsgelehrten im Alten Rom waren Gaius und Ulpian; das bedeutendste römische Gesetzeswerk ist der Corpus Iuris Civilis (erstellt im sechsten Jahrhundert [nach Christus], unter Kaiser Justinian).

Die Rechtswissenschaft wird heute unterteilt in Privatrecht und Völkerrecht. In der Neuzeit, aber auch schon vorher, spielte die Rechtsphilosophie eine bedeutende Rolle in der Jurisprudenz. Zu den bedeutendsten Rechtsvertretern und -begründern der Neuzeit gehören etwa Hugo Grotius (Völkerrecht - aufgrund von Vorarbeiten der thomistischen Idealisten [etwa Vitoria und Suarez] sowie Gentili) oder Thomas Paine (Menschenrechte); Friedrich Carl von Savigny, Mitbegründer der Historischen Rechtsschule, gilt als bedeutender Vertreter der Geschichtlichkeit des Rechts (im frühen 19. Jahrhundert) - der Rechtspositivismus (Kelsen, Hart) anerkennt alleine staatlich gesetztes Recht; dagegen ist das Recht für Radbruch an der Idee Gerechtigkeit auszurichten. Philosophisch bedeutend ist einerseits die Verwandtschaft der Begriffe von Recht und Gerechtigkeit, andererseits aber auch jene von Ethik, Moral und Jurisprudenz. Die (Rechts- und Polit-) Philosophen spielten eine sehr bedeutende Rolle in der Ausarbeitung von neuzeitlichen und modernen Rechtsgrundsätzen.

Eine besondere Stellung hat in der Rechtsgeschichte die Behauptung eines Naturrechts des Menschen. Der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquino sprach in seiner "Summa theologica" (dt. Summe der Theologie, 1265-1273) bedeutend vom lex naturalis (Naturrecht), dies in seiner vierstufigen Gesetzeslehre (lex aeterna, lex divina, lex naturalis, lex humana). Diesen Begriff hat er aus dem Werk antiker griechischer und römischer Philosophen und christlicher Kirchenväter entwickelt (besonders bedeutend sind etwa die Stoiker, Cicero - bei ihm mit verschiedenen Begriffen: vera lex, suprema lex, communis lex naturae, jus naturale, naturae jus, naturae lex, naturalis lex, universum jus, sempiterna lex - oder auch Augustinus). Das Naturrecht entspricht bei Thomas der Teilhabe der vernünftigen Kreatur am ewigen Gesetz (analog bei den Stoikern: am Logos - damit ist das Gesetz auch wesentlich eine Sache der Vernunft). Weitere Vertreter des Naturrechts waren mit verschiedenen Ansätzen etwa Grotius, Pufendorf, Locke, Wolff oder Thomasius. Heute (etwa seit Kant [umstritten] und Jefferson) wird unter dem Naturrecht ein Recht vom Menschen verstanden, welches unabhängig ist von anderen Bedingungen, d.h. das urtümliche Recht des Menschen bzw. die (sogenannten) Menschenrechte (die im Menschsein selber bzw. in der Natur des Menschen liegen). Bedeutend für diese ist der Humanismus in der Antike (Protagoras) und in der Renaissance, u.a. mit der Darlegung der Würde des Menschen (bei Mirandola).

Zehn bedeutendste Rechtswissenschaftler (und Rechtsphilosophen): Hugo Grotius (1583-1645 [Völkerrecht]), Samuel Pufendorf (1632-1694 [Naturrecht (u.a.)]), John Locke (1632-1704 [Recht auf Widerstand]), Thomas Paine (1736-1809 [Menschenrechte]), Cesare Beccaria (1738-1794 [Kriminologie]), Friedrich Carl von Savigny (1779-1861 [Historische Rechtsschule]), Gustav Radbruch (1878-1949 [Idee der Gerechtigkeit]), Hans Kelsen (1881-1973 [Rechtspositivismus (Reine Rechtslehre)]), H.L.A. Hart (1907-1992 [Rechtspositivismus]), Ronald Dworkin (1931-2013 [Egalität]).


Die Pädagogik ist die Wissenschaft von der Erziehung und Bildung der Kinder und Jugendlichen. In der neuzeitlichen und modernen Pädagogik geht es um die zunehmende Anerkennung des Eigenwertes von Kindern und Jugendlichen (während sie vorher quasi einfach als kleine, unreife und unfertige Erwachsene betrachtet wurden). Im Mittelalter war das Schulwesen fest in der Hand religiöser Institutionen - weil sich der Staat noch lange gar nicht darum kümmerte. Die neue Pädagogik kam nach der Reformation auf, v.a. mit dem Johann Amos Comenius (eigentlich: Komensky - ferner sind vor der Aufklärung etwa Montaigne [vor Comenius] oder Locke [Voraufklärer] zu nennen). Bei ihm hatte das Kind noch keinen Eigenwert wie später bei Rousseau (oder Montessori), aber er betrachtete in seiner Pädagogik bereits die verschiedenen Kindheitsphasen. In der Bildung sah er die Möglichkeit, eine bessere Welt mit besseren Menschen zu erzeugen. Dieses hohe Bildungsideal sollte typisch werden für die nachkommende Reformpädagogik, als deren Vorläufer Comenius, Rousseau und Pestalozzi gelten. Dieser war ein bedeutender Vertreter der Volksschule, während Fröbel den Kindergarten einführte. Die Schulen sollten zu Werkstätten der Menschlichkeit werden, in welcher Hilfe zur Selbsthilfe angeboten wird. Die Gedanken der Aufklärung stiessen gerade in der Pädagogik auf fruchtbaren Boden. Man erinnere sich an Kants Postulat der Verwendung des eigenen Verstandes. Zur bekanntesten Figur der Reformpädagogik wurde Maria Montessori (Montessoripädagogik); als eigenwillige Figur zur selben Zeit ist Steiner mit seiner Anthropologie zu nennen (Steinerschulen). Den hohen Ansprüchen der Reformpädagogik konnte das realexistierende Schulwesen wohl nie ganz gerecht werden. In den 1960-er und 1970-er Jahren kamen Konzepte einer antiautoritären Erziehung auf (verstärkt durch Psychoanalytik und die 1968-er Bewegung). Dieser stand die Bewegung der Kritischen Erziehungswissenschaft oder Kritischen Pädagogik eher kritisch gegenüber - die Debatte über die Bedeutung der Autorität in der Erziehung und Bildung hält bis heute an.

Zehn bedeutendste Pädagogen: Johann Amos Comenius (1592-1670 [Ganzheitlichkeit]), Jean-Jacques Rousseau (1712-1778 [Selbstentfaltung]), Johann Bernhard Basedow (1724-1790 [Menschenfreundlichkeit]), Christian Gotthilf Salzmann (1744-1811 [Moralische Erziehung]), Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827 [Volksschule]), Johann Friedrich Herbart (1776-1841 [Pädagogik als Wissenschaft]), Friedrich Fröbel (1782-1852 [Kindergarten]), Berthold Otto (1859-1933 [Geistiges Wachstum]), Rudolf Steiner (1861-1925 [Dreigliederung des Menschen]), Maria Montessori (1870-1952 [Offener Unterricht]).


Die Medienwissenschaft behandelt die Massenkommunikation und ihre Mittel und ist daher verwandt mit der Kommunikationswissenschaft. Sie hat sich erst im 20. Jahrhundert entwickelt, bedeutender eigentlich erst im späteren 20. Jahrhundert - v.a. durch das Aufkommen neuer Medien (zum Zeitungswesen): Radio, Fernsehen, Internet, Social Media. Es liegt in der Natur der Sache bzw. der Entwicklung, dass sich das Hauptinteresse der Medienwissenschaft stets zum neusten Massenmedium verschoben hat (sehr oft traten dabei gegenüber den Technikern und Machern zuerst gerade auch Kritiker des neuen Mediums auf). Die Medien werden manchmal als vierte Gewalt im Staat bezeichnet - diese Bezeichnung kann mindestens bis zu Rousseau zurückverfolgt werden, welcher von der vierten Säule des (modernen) Staates sprach (der Rechtsphilosoph Marcic nahm den Begriff in den 1950er-Jahren bedeutend wieder auf). Die bedeutendsten Figuren in der frühen Medienwissenschaft waren vielleicht Lasswell, Postman und McLuhan. Von Lasswell stammt die Formel der öffentlichen Kommunikation (Lasswell-Formel): (1) Wer sagt (2) was (3) auf welchem Weg (4) zu wem (5) mit welchem Effekt? Neil Postman war ein Fernsehkritiker, welcher glaubte, dass das Fernsehen die Urteilsbildung der Bürger gefährde. Er prägte den Begriff vom Infotainment. Die Wahrheit meinte er, drohe in einem Meer von Belanglosigkeit unterzugehen. Marshall McLuhan sprach dagegen von einem durch die Medien geprägten Globalen Dorf (engl. Global Village). Neue Medientechnologien üben nach ihm eine Anziehungskraft auf die menschliche Wahrnehmung aus, was sich auf die soziale Organisation auswirke. - Bedeutendste Medienwissenschaftler (und Medienphilosophen): Lasswell, Flusser, Baudrillard, Postman, Virilio, Castells, McLuhan, Bolz, Lanier, Bard.


Die Geschichtswissenschaft (Geschichte) ist die Wissenschaft, die sich mit der Geschichtsschreibung und ihrer Interpretation befasst. Geschichtsschreibung ist bekannt seit den altorientalischen Völkern wie den Ägyptern, den Babyloniern, den Assyrern und Persern - natürlich aber wird Geschichte aus allem gedeutet, was irgendwie vorhanden ist, von geologischen Befunden bis zu Höhlenmalereien. In den frühen Geschichten geht es v.a. um Preisungen von Herrschern; noch lange finden wir die Bestimmung von Hauptlinien der Geschichte bei Herrschern und ihren Kriegen. Daneben gibt es - im Zusammenhang mit jenen auch - eine eigentlich Kulturentwicklung und -geschichte. Bekannte Geschichtsschreiber der griechischen Antike sind - u.v.a. - etwa Hekataios v. Milet (im 6./5. Jh. v. Chr.), Herodot (im 5. Jh. v. Chr.), Thukydides (im 5./4. Jh.), Plutarch (im 1./2. Jh.), Polybios (im 2. Jh. v. Chr.), Diogenes Laertios (im 3. Jh. - er hat die Geschichte der Philosophen bearbeitet) oder Zosimos (um 500) - Namen, die als teils reine Geschichtsschreiber bis heute einen erstaunlichen Bekanntheitsgrad besitzen (so auch etwa jener von Tacitus im Alten Rom [im 1./2. Jh.]); die Geschichtsschreibung war danach ein wesentlicher Faktor in der westlichen Kultur. Als einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber des Mittelalters gilt Isidor von Sevilla (im 6./7. Jh.). Erstaunlich ist natürlich auch der historische Gehalt der Bibel - ein religiöses Grundbuch, in welchem sich reine Mythologie abwechselt mit exaktester Geschichtsschreibung.

Vom Dichter Lukian ist eine satirische Anleitung 'Wie man Geschichte schreiben soll' bekannt (im 2. Jh.). Relativ früh gab es also auch bereits eine Kritik der Geschichtsschreibung (auch der Kulturkritiker Nietzsche schrieb ein geschichtskritisches Werk). Verschiedene Philosophen haben der Geschichte eine ganz bedeutende und bestimmende Rolle in der Kulturentwicklung zugedacht, darunter etwa Vico oder Dilthey. Unter Wilhelm von Humboldt entstand in Preussen ein historistisches Konzept (Historismus). Verwandt mit der Geschichtsphilosophie ist die Zeitphilosophie - Augustinus unterschied als erster Philosoph, der sich bedeutende Gedanken zur Zeit machte, zwischen einer subjektiven und einer objektiven Zeit. Der Zeitbegriff spielt in der modernen Physik eine bedeutende Rolle - etwa bei der relativistischen raumzeitlichen Physik von Einstein. Fukuyama sprach 1992 vom 'Ende der Geschichte' (damit meinte er einen ungebremsten Siegeszug des liberalistischen Kapitalismus - ebenso kann man diesbezüglich die naturwissenschaftliche und/oder transhumanistische Vorstellung von einer Technologischen Singularität anführen). Wie man Geschichte schreiben und weitertradieren soll, das wird vermutlich auch in der Zukunft - insbesondere in einer immer durchpolitisierteren und durchpolarisierteren Gesellschaft - ein interessantes Thema sein und bleiben. Bedeutende Geschichtswissenschaftler (und Geschichtsphilosophen): Vico, W.v. Humboldt, Michelet, Droysen, Mommsen, Dilthey, Lamprecht, Collingwood, Hobsbawm, Fukuyama.


* * * * * Bis hierhin redigiert * * * * *


Es folgen Artikel über die Kunstwissenschaft(en), die Anthropologie, die Ethnologie sowie die Sprachwissenschaft[en] [Linguistik], die Mathematik sowie die Informatik und die Archäologie).


Eher nicht zu den Geisteswissenschaften zähle ich die Sprachwissenschaften (Linguistik), welche ich zusammen mit der Mathematik in eine zusätzliche Kategorie von Grund-, Hilfs- oder Formalwissenschaften einteilen würde (die gängige Vorstellung, dass die Mathematik zu den Naturwissenschaften gehöre und die Linguistik zu den Geisteswissenschaften, ist für mich nicht korrekt [die Naturwissenschaften sind ebenfalls auf die Sprache angewiesen, die Geisteswissenschaften ebenfalls auf die Mathematik - ich möchte auch weder die Geisteswissenschaften alleine von der Sprache, noch die Naturwissenschaften alleine von der Mathematik abhängig machen (wie es die neuzeitliche Wissenschaft klassischerweise aber eigentlich tut)]).


[Dieser Text ist noch nicht abgeschlossen. Ich werde es hier vermerken, wenn er abgeschlossen ist.]


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