Meine Philosophie (auf den Punkt gebracht).


Hier ist das Allerwesentlichste über meine Philosophie (sehr) kurz zusammengefasst. (Ich habe es noch einmal ein bisschen kürzer gemacht, damit hier wirklich nur das Wesentlichste enthalten ist.)



Die Sinnfrage. Hat das Leben einen Sinn? So eine Frage kann sich nur der Mensch stellen, welcher aus dem dumpfen Sinn der Natur hervorgetreten (nicht heraus-, sondern hervorgetreten) ist, und einige Mühe bekundet, den höheren Sinn seiner eigenen Kultur zu begründen und zu bewahren. Auf die Frage nach dem Sinn des Lebens - des einzelnen oder des allgemeinen - oder von allem überhaupt, also: die vielleicht häufigst gestellte Frage im Rahmen von dem, was wir als Philosophie verstehen, müssen wir wohl sagen: ja und nein. Indes hat doch wohl jenes Wesen, welches nach dem Sinn fragt, auch das Potenzial einen Sinn zu erkennen und zu behaupten. Also (eben): der Mensch. Schafft er einen Sinn nicht schon alleine mit der Frage bzw. mit den Fragen? Und wieviel besser wäre es, wenn er auch noch sinnvolle und nachhaltige Antworten auf seine Fragen finden würde.



Die Philosophen. Mich faszinieren diese Menschen, die nach der Wahrheit suchen, und nach der Weisheit in derselben - die Philosophen wie auch die Wissenschaftler (aber auch etwa die Theologen [und sogar die Esoteriker und die Künstler]). Menschen, die - wie ich - irgendwann in einen Zwiespalt gefallen sein mussten und sich nicht mit dem reinen Zeitgeist als vorgegebene Antwort zufrieden gaben. Ich will das nicht idealisieren: nicht allen geht es um die Wahrheit (sondern manchen wohl auch um dies oder das), manchen aber wohl schon. Und diese Menschen faszinieren mich - in der Vergangenheit, wie in der Gegenwart und in der Zukunft. Das Suchen ist wohl wichtiger und bedeutender in der Philosophie als das Finden, auch das Weitersuchen, nachdem man bereits gefunden hat (oder: zu haben glaubt). Trotzdem habe ich erwogen, ein (eigenes) philosophisches System zu begründen.



Meine literarischen und philosophischen Anfänge. Nichts deutete in meiner Jugend darauf hin, dass ich mich später einmal intensiv mit Philosophie beschäftigen würde. Im Gymnasium begann ich erst mit der Lektüre von belletristischen Büchern - meine damaligen Lieblingsschriftsteller waren etwa (u.a.) Andersch, Camus, Loetscher, Orwell oder Paton - und ebenfalls zu schreiben: Gedichte und Kurzgeschichten (später auch Theaterstücke und Romanfragmente - jedoch alles eigentlich noch ohne irgendeinen Publikationsgedanken). Meine Philosophielektüre begann zu dieser Zeit mit damals bedeutend verbreiteten populär- und vulgärphilosophischen und -wissenschaftlichen Büchern (besonders bedeutend waren für mich etwa Bücher von Capra [Paradigmenwechsel], Sheldrake [Morphische Felder] oder Vester [Vernetztes Denken] - weitere Stichworte jener Literatur in den 1980-er Jahren, die für mich ein philosophischer Anfangs- und Ausgangspunkt war, etwa: Holismus, Integralismus, Kybernetik). Durch verschiedene schwierige Ereignisse in meinem Privatleben - inkl. dem Abbruch meines Studiums der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften - kam ich in den früheren 1990-er Jahren auf diese Spur: zur Lektüre von (echten) philosophischen Büchern. Daraus wurde eine richtiggehende Passion, welche mich fortan nicht mehr losliess.



Die Systematik vom (Da-) Sein. Der Ausgangspunkt meiner Philosophie war der Begriff vom (Da-) Sein (in erster Linie aus dem französischen, künstlerischen Existentialismus [Sartre/Camus] und erst in zweiter Linie aus der deutschen Existenzphilosophie [Heidegger/Jaspers - Hartmann]). In der Auseinandersetzung mit dem Begriff des (Da-) Seins zeigte sich rasch, dass ein System um diesen Begriff weg vom reinen Existentialismus und hin zu einer Ontologie führen muss. Diese Wendung vom Existentialismus zur Ontologie ist einer der zentralen Gedanken und Entwicklungen ganz im Anfang meiner Philosophie. In rund elf Jahren bis zur Publikation meines ersten Buches ("Postmoderne Ontologie", 2003) entwickelte ich mein philosophisches bzw. ontologisches System, mit fünf Dimensionen: (Da-) Sein, Leben, Glauben, (Nach-) Denken und Handeln (inkl. Gut-Handeln und Nicht-Handeln, wie ich später, in meinem zweiten Buch ["Politika 2000+", 2016], ergänhte, in welchem es ansonsten spezifisch um die Schweizer Politik ging). Schichtenmodelle der Wirklichkeit gibt es eigentlich seit Aristoteles. Was ist in meinem Modell besonders? Drei Dinge: 1. dass es das (Da-) Sein als Urgrund nimmt (Ontologie), 2. dass es das Glauben ins Zentrum stellt (nicht primär religiös bzw. konfessionell [der Glauben], sondern neutral [das Glauben - (Welt-) Religion*]), 3. dass es zum Handeln führt (und nicht mit dem reinen Denken aufhört, wie die meisten philosophischen Systeme [Utilitarismus, Pragmatismus**]).

* Das ist natürlich erklärungsbedürftig. Ich verstehe unter einem neutralen Glauben alleine die Ausgangspunkte des Denkens. Jegliches Denken geht von einem Glauben aus und mündet auch wieder in einen Glauben, bevor es wieder neu überlegt wird. Wir können nicht immer alles überdenken, und daher benötigen wir auch das Glauben. Darunter verstehe ich im Religiösen sowohl bestimmte Konfessionen/Religionen, wie auch allgemeine oder persönliche religiöse Meinungen, wie auch agnostische und atheistische, pantheistische oder deistische Ansichten (auch diese entsprechen einem bestimmten ideologischen oder nicht-ideologischen Glauben - innerhalb eines umfassenden Begriffs der Weltreligion sehe ich damit alle möglichen Inhalte, welche als Glauben zum Ausgangspunkt vom Denken dienen können).

** Meine Philosophie ist nicht ausgesprochen utilitaristisch oder pragmatisch (im Sinne der Programme dieser philosophischen Richtungen), aber mein System zielt auf die Handlung, und die Faktoren des vernünftigen Handelns liegen vermutlich in der Nützlichkeit (Utilitarismus), Angemessenheit (Pragmatismus) und Nachhaltigkeit.

Anmerkung: Eher zufällig entstanden sind - obwohl ich durchaus bewusst von einem integralen Denken ausgegangen bin - interessante philosophische Querverbindungen. Der Titel des ersten Buches entspricht einer Verbindung von französischer und deutscher Philosophie (Postmoderne/Ontologie), die erste und letzte Dimension in der Systematik einer Verbindung von kontinentaler und anglophiler Philosophie ([Da-] Sein/Handeln bzw. Metaphysik-Ontologie/Utilitarismus-Pragmatismus).



Logik und Ethik. Ich teile die Philosophie grundsätzlich in fünf Gebiete ein: Metaphysik, Systematik, Logik, Ethik, Politik. Nachdem die Systematik als Hauptthema im ersten Buch erschienen ist, machte es mir einige Mühe, die anderen Gebiete adäquat zu behandeln. Es gab da offenbar noch einige Lücken. Im zweiten Buch behandelte ich die Politik (sowie ansatzweise die Ethik), im dritten ("Vom Sein, vom Wahren und vom Guten", 2017) die Ethik, die Logik und schliesslich (vertieft auch) die Metaphysik. Die Logik, die Ethik und die Politik sind eigentlich, wie ich im Herbst 2017 herausfand, bereits in der Systematik enthalten (wie es ja auch sein muss, wenn sich der Wert der Systematik bestätigen soll). Auf die einfachsten Schlüsse kommt man in der Philosophie manchmal erst am Schluss (und damit sind sie auch eigentlich im ersten Buch bereits dargelegt [nämlich: in der ausführlichen Beschreibung der Systematik, welche nur dort gegeben ist]). Die Logik erscheint in der dialektischen Schichtung der Systematik, die Ethik (und eine entsprechende Politik) in den beiden letzten (Ziel-) Faktoren der Systematik, d.h. in der Sozialgerechtigkeit und der Umweltverträglichkeit. Dies entspricht auch meinem wissenschaftlichen Postulat von der Erhebung der Ökologie und der Soziologie als Grund-, Haupt- und Führungswissenschaften (je) der Natur-, Technik- und Ökowissenschaften (früher: Naturwissenschaften) und der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften (früher: Geisteswissenschaften).

Anmerkung: Wie sehe ich die zunehmende Bedrängnis der Philosophie angesichts der spätmodernen Wissenschaft? Ich bin der Meinung, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse zwar interessant und bedenkenswert sind, die Fragestellungen der reinen Philosophie jedoch nicht allzu bedeutend tangieren. Mein Beispiel dafür ist die Hirnforschung, von welcher einige Philosophen glauben, dass sie die Philosophie radikal verändern wird. Ich gehe davon aus, dass die philosophische Frage nicht ist, welche Neuronen in welchen Hirnregionen welche Gedanken hervorrufen, sondern: was Ziel und Zweck von ethisch-moralischen Handlungen ist. Der Mensch ist und bleibt der Mensch, selbst dann, wenn sich die Welt technisch noch um ein Vielfaches verändern wird (was ziemlich sicher der Fall sein wird). Am Ende wird dann - nebst aller wissenschaftlichen Technik - doch wieder die religiöse Gottesfrage gestellt werden und die philosophische Ethik gefragt sein... (weil sich eben das Mensch-Sein gar nicht grundlegend verändert hat - und daher kann man auch den Fortschritt bejahen und die Philosophie [und auch die Religion] trotzdem weiterhin betreiben, unter sich leicht, aber eben nicht grundlegend verändernden Voraussetzungen: die Philosophie ist daher [wie auch die Religion] der Zeit anzupassen, ohne ihre Grundfesten zu erschüttern).

Eine weitere Besonderheit meiner Philosophie liegt in der Urbegründung der Welt. In der Metaphysik habe ich mit esoterischen Überlegungen eine begriffliche Erstbegründung hergeleitet, wonach Gott das Sein ins Dasein schöpfte (diese Erklärung findet sich in meinem dritten Buch). Es muss hier meiner Meinung nach auf die Esoterik zurückgegriffen werden, weil die bisherigen Erklärungen ungenügend erscheinen (Gott aus dem Nichts oder Urknall im Anfang des Universums). Im Dasein sehe ich eine Raum-Zeit (d.h. Anordnung und Bewegung im Dasein), welche auf drei energetischen Zuständen beruht: Materie als verdichtete und gebundene Energie, Feld-Energie als Energie-Feld, welches die Einheiten des Daseins zusammenhält, sowie freie Energie (diese Erklärung findet sich in meinem ersten Buch - ebenso wie auch eine Herleitung der Materiewelt aus dem Periodensystem der Elemente). Zeitgemäss ist (m)eine Theorie des Bewusstseins (dies wird heute diskutiert im Rahmen von Themengebieten wie der sogenannten 'Philosophie des Geistes' sowie in den Neurowissenschaften [Neuropsychologie, Neurobiologie, Hirnforschung]). Ich sehe das Bewusstsein als ein Phänomen von seelischen Funktionen (Orientierung, Konzentration) wie geistigen Funktionen (Verstand, Vernunft). Es ist meiner Meinung nach zuerst und ursprünglich die Gegenwartserfahrung der (Da-) Seins-Raum-Zeit, in der Erfahrung vom Dieses (Dasein), Hier (Raum) und Jetzt (Jetzt), an welche sich eine Weltintegration und -koordination anschliesst (sowohl im Persönlichen [Individualbewusstsein] wie auch im Allgemeinen [Kollektivbewusstsein (nach dem Begriff von Durkheim)], und dies auf verschiedenen Zeitebenen [Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft]). (Dazu gibt es weitere Überlegungen zu verschiedenen Themen, welche ich hier nicht anführe.)

In meinen religionsphilosophischen Überlegungen gehe ich davon aus, dass die Menschen - in einer einigermassen fernen Zeit - noch einen Weltlehrer erwarten können, welcher eine Friedensfigur zwischen den Religionen (und Ideologien) ist (die esoterische Literatur spricht von einem Messias-Paraklet-Mahdi-Kalki-Maitreya*). Für mich steht diese Figur also nicht über den bisherigen Religionen (bzw. den bisherigen religiösen Gesandten), sondern zwischen den Religionen (welche er als solche nicht verändern wird). Und die Erwartung in dieser Hinsicht ist für mich bedeutender als die Erfüllung. Die Menschen müssen selber eine Welt schaffen - und das ist eigentlich die bedeutendste Überlegung zu diesem Thema - in welcher eine solche Figur sinnvoll erscheinen kann (ob und wie weit bisherige Phänomene diesbezüglich einen Einfluss auf diese Figur haben, erschliesst sich mir nicht - auf diesen Themenkreis bin ich durch eine Beschäftigung mit theosophischer bzw. anthroposophischer Literatur gestossen, jedoch bin ich der Meinung, dass dort, u.a., etwas zu wenig sorgfältig mit dem Thema umgegangen wird**). Diese Figur würde demnach also quasi kommen und sagen, dass die Welt jetzt gut (genug) sei, und nicht, dass er/sie sie gut machen würde. Dies entspricht - wie ich schon in meinem ersten Buch angemerkt habe - einer Transformierung der Lichtmission, wie sie in den Evangelien der Bibel gegeben ist (Ich bin das Licht [Joh 8,12] -> Ihr seid das Licht [Mt 5,14], und: So schaue darauf, dass nicht das Licht in dir Finsternis sei [Lk 11,35]). Betrachten wir die heutige Welt, so können wir uns vorstellen, dass wir von einem solchen Zeitpunkt noch relativ weit entfernt sind. Diese religiösen Überlegungen sind in meinem Werk relativ unabhängig von den philosophischen und wissenschaftlichen Überlegungen, obwohl auch wiederum das Ganze eine Einheit bildet.

* Diese Figur ist in den verschiedenen Religionen sehr verschieden ausgeprägt: etwa als Friedefürst (Messias), Geisttröster (Paraklet), Zeiterfüller (Mahdi), Schwertreiter (Kalki), Gütebringer (Maitreya). Darunter lässt sich leider letztlich fast alles und nichts vorstellen. Sicher dürfen und sollen wir uns jegliche zukünftige Religion (und Ideologie) eher im Guten als im Schlechten vorstellen (denn wir möchten ja zum Guten hin und nicht zum Schlechten - und das ist auch ein wesentlicher Teil der Religionen [und Ideologien, die ja eigentlich alle zum selben Ort hin möchten: zum Guten, wie es auch Platon und Aristoteles schon sagten/wollten, und mit ihnen alle späteren Philosophen und überhaupt alle vernünftigen Menschen dieser Welt - freilich gibt es dann immer Meinungsverschiedenheiten, wenn es darum geht, was das Gute denn eigentlich ist, aber trotzdem]). Wer die Religion überschätzt, wird von ihr enttäuscht werden, wer sie unterschätzt, wird von ihr überrascht werden.

** So wird dort etwa missachtet, dass eine solche Figur nicht höher stehen kann als der Christus. Denn dieser hat, klug wie er war in aller Religion, den Parakleten für sich gepachtet - und dies ist, so viel ich weiss, auch die einzige dieser Figuren, welche in der bedeutendsten Grundschrift der entsprechenden Religion verankert ist (das Problem dieser Weltlehrerfigur ist: dass sie von allen grossen Weltreligionen, oder allen bedeutenden Religionen der Welt überhaupt, im Sinn der erwähnten Zusammensetzung gleichermassen anerkannt werden muss, und das ist ein sehr grosses Problem, natürlich - wir würden wohl sagen, dass dies fast nicht möglich ist, andererseits können wir auch nicht sagen, dass es gänzlich unmöglich sei). Für mich erscheint die Geschichte des Geistes als eine Geschichte des Bewusstseins.



Obwohl ich mich auch intensiv mit Fragen der Religion und der Wissenschaft beschäftigt habe, würde ich mich als (ontologischer) Philosoph bezeichnen, da ich letztlich versuche, meine Gedanken auf eine philosophische Basis zu stellen. (Meine Bücher sind in einer Entwicklungsreihe zu sehen, wie sie hier beschrieben ist. Diese finden sich auf meiner Verlagsseite, wo auch Angaben zu den Büchern zu finden sind.)

P.S. I (Kontinentale, Amerikanische und Transatlantische Philosophie.) Interessant: dass der US-Philosoph Rorty, vermutlich der bekannteste US-Philosoph des 20. Jahrhunderts, zu einer ganz anderen Einschätzung kam, als ich in meiner Philosophie. Während ich die Kritizistische und die Analytische Philosophie als Hauptrichtungen im 20. Jahrhundert sehe und die alte Ontologie quasi aus der Mitte heraus als weiterführende Richtung, sah er die Phänomenologie und den Logischen Positivismus als Hauptrichtungen (beides wissenschaftsorientierte Richtungen) und den alten Pragmatismus (auch wissenschaftsorientiert) als weiterführende Richtung. Beim Pragmatismus fragt sich antürlich, ob es wirklich eine Philosophie im herkömmlichen Sinn ist (ebenso wie auch beim früheren Common-Sense-Ideal, notabene [beim Common Sense ist uns aus der Geschichte heraus bekannt, dass dieser reichlich verzerrt auftreten kann und aber immer noch als solcher wahrgenommen oder behauptet wird]). Denn eigentlich bedeutet ja Pragmatismus einfach: das blinde Tun der Erfolgreichen (blind in dem Sinne, dass bei ihnen meist bessere Voraussetzungen vorhanden ist - und was ist mit den Anderen?). Ich meine, es ist eine Philosophie, aber eine, die wir durchaus auch sehr kritisch bewerten können. Nähme man hier die Mitte, so ginge es heute um eine Verbindung von Ontologismus und Pragmatismus (d.h. eine Verbindung von Sein und Handeln - das entspricht aber genau der Spannweite in meinem philosophischen System). Rortys Verwerfung der Metaphysik kann ich aus verschiedenen Gründen natürlich nicht teilen. Die Rechtfertigung für eine metaphysische Ansicht liegt natürlich im unendlichen Regress der Kausalkette - und diese ist ja nach der Raum-Zeit die wichtigste Grundgegebenheit des (Nach-) Denkens im Dasein überhaupt - bei welchem wir letztlich zwangsläufig bei der (heideggerischen) Seinsfrage enden. Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? Das ist die letzte bzw. erste Frage (der ersten Philosophie). Ob wir sie beantworten können, ist vermutlich gar nicht so bedeutungsvoll, sondern bedeutend ist, dass hier der unendliche Regress endet, und dass damit - entgegen Rortys Behauptung, dass es keine gebe - eine Rechtfertigung für eine metaphysische (und/oder ontologische) Weltsicht gegeben ist. Das vernetzte Denken löst das Ursache-Wirkungs-Prinzip ebenso wenig aus, wie die Relativität von Einstein die Gravitation von Newton auslöst. Ich hoffe und behaupte, dass meine Philosophie über die transatlantische Verbindung hinausgeht, aber sie kann eben auch - wie hier gezeigt - zur Verbindung und Versöhnung derselben dienen.

P.S. II. (Bestreitung der Metaphysik/Ontologie als Erster Philosophie.) Tugendhat führte zuerst die Sprachphilosophie und später die Anthropologie als Erste Philosophie ein. Irgendwie erscheint es logisch, eine Philosophie des Menschen als Erste Philosophie zu betrachten - dies ergab sich eigentlich ja schon bei Protagoras und dessen humanistischer Wende. Aristoteles korrigierte dies eigentlich wieder mit seiner Metaphysik. Es bliebe ja ansonsten das bereits erwähnte Problem mit dem unendlichen Regress, welcher eben bei der Seinsfrage endet. Wollte man dies mit dem (rein) Menschlichen verbinden, so käme man auf die Philosophie des Bewusstseins als Erster Philosophie. Ich bleibe jedoch beim Sein als solchem, denn das Dasein ist eine Funktion des Seins, und das Bewusstsein ist eine Funktion des Daseins - und nicht umgekehrt. Die Erste Philosophie wäre demnach dem Ursprung nach als Seinsphilosophie und dem Endzweck nach als Bewusstseinsphilosophie (inkl. Handeln, Ethik) aufzufassen. Mit einer Ersten Philosophie im klassischen Sinn ist indes der Bereich aller Grundfragen der Philosophie gemeint - das ist die Metaphysik (die Unterscheidung von Metaphysik und Ontologie - beides ist Philosophie oder Wissenschaft vom Seienden als solchem - liegt meiner Meinung darin, dass die Metaphysik nach Aristoteles zwingend einen Gott in die Grundüberlegungen einbezieht, während die Ontologie dies an und für sich offenlässt). Wie weit man den Bereich der Grundfragen ziehen will, ist relativ offen, aber man kann nicht willkürlich irgendetwas als Erste Philosophie bezeichnen. Man muss diese spätmodernen Willkürlichkeitsdenker und ihre ganzen Destruktionen der klassischen Philosophie konsequent widerlegen. Die Philosophie ist kein Tummelfeld für geistige Spekulanten, sondern ein Ideenfeld, welches nach Wahrheits- und Weisheitskriterien geordnet werden soll. Den Menschen ins Zentrum der Philosophie zu stellen, ist eine löbliche (wenn auch nicht ungefährliche) Sache, aber doch nicht so, dass man damit die ganzen Grundwerte der Philosophie, welche sich diese mühsam erstritten hat, notabene, verbiegt und vernichtet. Ich räume dem Menschen in meinem System, welches auf das (menschliche) Handeln zielt ebenfalls einen hohen Stellenwert ein, gehe aber gleichzeitig vom ureigentümlichen Sein aus. Man muss sich schon die Mühe nehmen, ein System aufzustellen, wenn man solch gewichtige Gedanken formulieren will (und dies nicht aus dem Nichts heraus tun). Mangelhafte oder fehlende Systematik ist ein grosses Manko bei vielen aktuellen Denkern (deren Thesen so schlecht gestützt sind [insofern sie sich nicht auf ein anderes, bestehendes System berufen]).

Die (westliche) Philosophie ist eine undankbare Aufgabe. Zuerst muss man sich mit allem Vergangenen beschäftigen, es bedenken und (in grösstmöglicher Achtung) widerlegen (oder aber weiterführend und neubedacht aufnehmen), und wenn man nach Jahren damit fertig ist, kann man sich fast sicher sein, dass irgendwo aus dem Hintergrund irgendeiner kommt, der etwas ganz Neues und ganz Anderes behauptet, worauf man dann nicht allzu viel zu sagen weiss. Aber ich bin ein Mann für undankbare Aufgaben - und ich kann nur für die Philosophie dieser Zeit bzw. meiner Zeit - geb. 1965, anf. 1992, lit. 2003 - sprechen (was darüber hinausgeht, wird mir unzugänglich bleiben). Manchmal möchte man überhaupt ganz neu anfangen mit der Philosophie, aber das ist leider nicht möglich, denn wie man das Rad nicht neu erfinden kann, so ist das auch mit der Philosophie nicht möglich (sie geht eben über die Vorsokratiker, Sokrates, Platon, Aristoteles, die Hellenisten, das Mittelalter, die Renaissance und die ganze Neuzeit und ihre Moderne bis dato - freilich gibt es auch immer die Möglichkeit, etwas quasi geschichtslos einfach einzuwerfen und die Interpretation davon dann den Philosophen zu überlassen [es sollte in der Zukunft vielleicht auch mehr und offenere bzw. von der universitären Philosophie stärker beachtete Ideeneinbringungsmöglichkeiten geben, die sich auch als solche verstehen sollten - ansonsten droht in der Philosophie vielleicht eine geschlossene Gesellschaft, die zunehmend den Bezug zur Realität verliert; ich bin daran, mir Gedanken zu machen über eine praktische Lösung für dieses Problem].)

Mein Gesamtwerk ist sicher nicht allzu leicht zugänglich (sowohl von der Masse der tangierten Themenbereiche her - wobei wenigstens die Gesamtseitenzahl überschaubar ist [was ich nach dem ausführlicheren ersten Buch stark beachtet habe und auch weiter beachten werde] - wie auch bezüglich der Dichte der Gedanken) - und daher erscheint dieser kurze Leitfaden auch sinnvoll und notwendig. Er zeigt, dass in diesem Ganzen durchaus eine klare Struktur besteht, welche den Kern meiner Philosophie ausmacht. Die Art und Weise, wie dieses Werk zustande gekommen ist, ist sicher einmalig in der Philosophie-, Ideen- und Kulturgeschichte und mit nichts Anderem zu vergleichen. Auch dies ist vermutlich recht schwierig, weil man doch gewisse Vorstellungen von etwas hat (und im Bereich der universitären Wissenschaft, wozu die Philosophie als Disziplin ja auch gehört, ist dies in einem besonderen Mass der Fall). Meine Schriften sind grösstenteils auch keine Abhandlungen über ein genau eingegrenztes Thema, wie es sich die heutige Universitätsphilosophie gewöhnt ist, sondern Erwägungen des Ganzen. Ich kann nichts Anderes anbieten als eben mein Werk, so wie es sich entwickelt hat (auch wenn dies reichlich ungewöhnlich ist). Ich kann verstehen, dass die Art und Weise dieser Entwicklung für die Wissenschaft (der Philosophie) schwierig integrierbar sein wird, ich möchte aber darauf verweisen, dass ich die Grundgedanken dieses Werkes im Philosophie-, Ideen- und Kulturbereich für bedeutend erachte.

Schliesslich: meine politische Einstellung (das interessiert heute immer, und man sagt es nicht allzu gerne, weil man befürchtet, dass es unnötige Ablehnungen provozieren könnte, aber item). Diese ist nicht einfach zu beschreiben. Ich bin nicht für den Neoliberalismus, aber ich bin nicht gegen den Liberalismus. Ich bin in dieser Zeit und zu den heutigen politischen Bedingungen mitte-links eingestellt (das heisst für mich: bürgerlich sozial-demokratisch*), im Sinne eines sozialdemokratischen Revisionismus (d.h. sozialer Reformismus statt sozialistischer Revolutionismus - ich denke, dass meine politische Einstellung je nach System verschieden sein könnte, nicht jedoch mein politischer Grundansatz). Ich habe in meinem ersten Buch von einer Zwei-Drittels-Wirtschaft gesprochen (d.h. zwei Drittel Privat- und ein Drittel Staatswirtschaft). Dies zeigt vielleicht meine Grundhaltung am Besten. Ich bin für Mischformen, die trotzdem eine klare Akzentuierung haben und in diesem Sinn für einen Sozialismus, welcher auf dem Liberalismus aufbaut (ich sehe auch die andere Möglichkeit: zwei Drittel Sozialismus und ein Drittel Liberalismus - möglicherweise eine Möglichkeit für den Osten, während ich im Westen weiterhin den Liberalismus als Hauptfaktor betrachte). Auf jeden Fall bin ich gegen einseitige, absolutistische Modelle (im Liberalismus wie im Sozialismus [und überhaupt]). Politisch ist für mich auch weiterhin das bürgerliche Credo von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bzw. Verwandtschaftlichkeit bedeutend. Ich sehe die Welt allgemein in Einheiten, Zweiheiten, Dreiheiten, Vierheiten, Fünfheiten, die selten einfach auszuloten sind. Daher sieht es vielleicht manchmal so aus, als würde ich keine klaren Positionen vertreten. Ich vertrete - wenn es um Gegensätze geht - nicht selten zwar akzentuierte, aber nicht eindeutige Positionen. Ob meine Ansichten und Einstellungen trendy sind oder nicht, das interessiert mich eigentlich wenig - in der Politik sind derzeit extreme Einstellungen trendiger, sowohl links wie auch rechts (und gerade auch bei aktuellen Public Philosophers) - ich schreibe nicht über Trends, sondern über Philosophie (und die Philosophie soll sich von nichts vereinnahmen lassen, natürlich auch und schon gar nicht von aktuellen politischen Trends).

* Ich bin der Meinung, dass jene Kräfte, die demokratisch und sozial interessiert sind, sich um Integration bemühen sollten, nicht um Revolution (dies freilich in einer Gesellschaft gesagt, welche im Grundzug bereits revolutioniert ist [ohne dass ich der Meinung bin, dass es ideal umgesetzt ist, also: dass es verbesserungswürdig und -fähig ist - insbesondere die Trennlinie von Markt und Leben ist eine harte Trennlinie, die in der heutigen (trotz sozialen Massnahmen) immer noch zu radikalen Form gesellschaftlich nicht sinnvoll ist und nicht bestehen kann; die Probleme des Lebens wird man letztlich nie ganz wegrevolutionieren können - weder wegrevolutionieren noch wegrationalisieren - sondern man wird versuchen müssen, sie besser zu lösen: trotz den Beschwichtigungen gegenüber radikalen politischen Einstellungen, wie sie heute wieder in Mode zu kommen scheinen, sehe ich den sozialen Faktor in der Gegenwart wie in der Zukunft als ein Muss]).

Philosophische Weltansichten begreifen (und von der eigenen immer wieder zur allgemeinen Philosophie zurückkehren [und umgekehrt]). Parmenides: Nur das Seiende ist, und es gibt kein Nichtseiendes (alles, was ist, gehört ohne existenziellen Unterschied zum [Da-] Seienden). - Platon: Idealismus - Nur das Gute/Richtige ist das Wahre bzw. in diesem Sinn: etwas (Wahres) überhaupt. - Aristoteles: Es gibt eine Wissenschaft vom Sein als solchem (Metaphysik/Ontologie), zudem eine theoretische und eine praktische Wissenschaft (bzw. eine Natur- und eine Sozialwissenschaft). - Skeptizismus/Stoa: Es gibt keine (allgemeine) Wahrheit, denn die Auffassungen davon sind verschieden und jede Aussage ist widerlegbar*; gut für den Menschen ist das, was der Seelenruhe dient (fast eine Art westlicher bzw. philosophischer Buddhismus, jedoch muss man sehr vorsichtig sein zwischen östlichem Buddhismus und westlicher Rezeption). - Augustinus/Thomas: Monotheismus - Die wahre Religion (bzw. Beziehung zur Welt) verehrt nur einen Gott; erst Jesus Christus hat diesen Schritt vollzogen**. - Descartes/Kant: Liberalismus - Freiheit ist selbstständiges Denken, Ethik in der Freiheit ist die frei gewählte Pflicht zum selbstständigen Denken. - Rousseau/Marx: Politische Sozialwissenschaft - Es gibt einen Gesellschaftsvertrag (hinter den gesellschaftlichen Verhältnissen), welcher auf Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zielt, und das Volk bzw. die Arbeiterschaft ist souverän gegenüber jeglichem Herrschaftsanspruch. - Hegel: Das Ganze ist das Wahre, es ist durchdrungen von einem dynamischen, dialektischen Prinzip; die Macht vom Ewigen bringt sich aus dem Inneren des Seins in die äussere Erscheinung. - Nietzsche/Camus: Nihilismus-Pessimismus-Existentialismus - Alles ist eitel, nichts ergibt einen wirklichen Sinn, es bleibt alleine die Existenz im Hier und Jetzt (und das Werk des Künstlers). - Aktuelle Philosophie: Philosophie-Sprache-Bewusstsein-Diskurs-?. (Das sind die Hauptauffassungen der europäisch-kontinentalen Philosophie, daneben gibt es in der anglophilen Philosophie auch noch etwa den Empirismus [Bacon, Locke, Hume - Philosophie der Erfahrung], den Utilitarismus [Bentham, Mill - Philosophie des Nutzens bzw. der Nützlichkeit] und den Pragmatismus [Peirce, James, Dewey - Philosophie des Angemessenen, u.v.a., natürlich immer - man kann das Ganze nie ganz durchschauen, aber man kann einen ambitionierten Ein- und Überblick versuchen]; mit der Ökologie, für mich natürlich weiterhin ein Schwerpunkt dieser Zeit, tut sich die Philosophie - vermutlich aus verschiedenen Gründen - thematisch weiterhin recht schwer.)

* Dies scheint zu erst einmal die einfachste und leichteste philosophische Auffassung zu sein. Da es schwierig ist, eine allgemeine Wahrheit zu begründen, enthält man sich einfach jeglicher Aussage. Das ist philosophisch spitzfindig, aber im Alltag wohl kaum praktikabel (wie man schon in der Antike selber festgestellt hat - erst in der Verbindung mit der Stoa macht der Skeptizismus einen gewissen Sinn [es bleibt jedoch der Einwand, dass man damit - zugunsten der eigenen Lebenslust, quasi - die Aussage und die 'Wahrheit' bzw. deren Behauptung den Anderen überlässt]).

** Logisch: weil ein Mensch viele Götter, ein Sohn aber nicht zwei Väter haben kann... Ironie, oder auch nicht: Jesus hatte im Leben eigentlich zwei menschliche Väter, aber nur einen geistlichen Vater/Gott. Trotz diesem noch strengeren Monotheismus, gab es aber in der Theologie des Christentums - wie auch im Judentum - verschiedene Auffassungen in der Religion (sic et non).


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