Philotexte 2 - Philosophie und Bildung



Anmerkung: dieser Text ist noch nicht abgeschlossen (das ist eine Grundversion). Er befindet sich derzeit im Ruhemodus, da ich mich im Moment auf die Ausarbeitung einer Spielphilosophie konzentriere - siehe 'Philosophie und Spiel(e)'.

Philosophie und Bildung, oder: Bildung leicht(er) gemacht. Die Dinge sind einerseits komplex und kompliziert, ich halte sie aber andererseits auch wiederum im Grunde für viel einfacher und leichter, als manche glauben und denken. Nicht das Leben in dieser Vielfalt und Komplexität (der Welt wie der Wissenschaft) ist einfach, sondern das - für das Gesamtverständnis und das Welt- und Menschenbild so wichtige - Verstehen der Gründe, des Aufbaus und des Zusammenhangs dieser ganzen Komplexität ist gar nicht so kompliziert. Ich spreche hier von Religion, Philosophie und Wissenschaft, von Physik, Chemie und Biologie, von Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft und Systemwissenschaft. Ich werde versuchen, meine eigene Philosophie hier in ein umfassendes Bildungssystem einzubringen - und aufzuzeigen, wie man den Menschen neue Gewissheiten anstelle von alten Verunsicherungen vermitteln kann (wie sie leider derzeit um sich zu greifen scheinen, in diesem heutigen [ersten, frühen] Anflug von einer postmodernen Zeit, was uns gewisse Sorgen bereiten kann, dagegen aber auch nicht allzu pessimistisch stimmen sollte). Es soll eine kleine Übersicht werden über die allereinfachste Auffassung der komplizierten Dinge dieser Welt. Leichter als so geht es (vermutlich, leider) nicht, komplizierter aber auf vielfältige Art und Weise sehr leicht (für diejenigen, die mit diesen komplizierten Dingen vertraut sind). Die (Aus-) Bildung ist für mich eines der faszinierendsten Dinge der Welt und eine Kernmotivation meiner (autodidaktisch aufgebauten und sich mit der Bildung der Welt in angestrengter und leidlicher Auseinandersetzung begriffen habenden) Philosophie (und so habe ich von meiner Philosophie in ihrer ganzen Vielschichtigkeit auch immer wieder Zusammenfassungen gemacht, damit jedermann leicht begreifen kann, worum es mir überhaupt geht). Was soll man den Menschen lehren, und wie soll man es ihnen lehren? Ich fange an mit der Religion und deren Theologie, gehe dann zur Philosophie und komme schliesslich zu den Wissenschaften (das scheint der natürliche und logische Aufbau der menschlichen Kultur zu sein [wie er sich historisch ergeben hat bzw. immer wieder ergibt im Glauben, Denken und Handeln]).

Die Theologie der Religion(en) ist die Wissenschaft vom religiösen Glauben in der Welt. Dieser Glauben orientiert sich an Götterwelten (polytheistisch bei mehreren Göttern, monotheistisch bei einem Gott: wir sprechen von fünf grossen Religionen - Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus - sowie vielen kleineren [inkl. den ausgestorbenen Religionen]). Zwei Religionen kennen eine bedeutende Vermittlerfigur, welche den zentralen Wert dieser Religionen begründet (Christus Jesus im Christentum, Buddha Gotama im Buddhismus - die anderen Religionen kennen auch Vermittlerfiguren, aber diese sind nicht so zentral in ihren Religionen, sondern zentral sind da eigentlich alleine die Götterphänomene [Jahwe, Allah, Brahma/Vishnu/Shiva]). Die Ablehnung jeglichen Götterglaubens oder Gottglaubens wird Atheismus genannt, während Agnostizismus eine Haltung bezeichnet, in welcher die Religions- und Gottesfrage offengelassen wird. (Die Berechtigung von Religion und Theologie scheinen im Allgemeinen ungebrochen, weil die aus der Philosophie hervorgegangenen neuzeitlichen Wissenschaften die letzten Fragen nicht adäquat beantworten können. Was steht am Anfang/Ursprung der Welt? Was ist das Universum? Was ist der Sinn des (Da-) Seins? Was ist das Leben? Woher kann der Mensch Kraft in seinem Leben beziehen? Woran kann sich der Mensch halten in schwierigen Momenten/Situationen? Was soll der Mensch letztlich tun? Was steht am Ende der Welt? Die Wissenschaften haben auf diese Fragen teils schon eigene Antworten, aber es sind durchwegs Antworten, die (auch) nicht unbezweifelbar sind (bzw. nicht an wirkliche Letztbegründungen heranreichen können). Die Wissenschafen reden sich damit hinaus, dass eben von der Wissenschaft noch nicht alles geklärt sei, dass aber alles von der Wissenschaft geklärt werden wird, aber das ist eine reine Spekulation (und es hilft auch nicht über die aktuellen Fragen hinweg). Es ist der Wissenschaft bisher weder gelungen, die Theologie zu widerlegen, noch sich mit ihr zu verbinden. Man kann also - summa summarum - den Gläubigen trotz aller Wissenschaft ihren Glauben noch immer nicht absprechen - und das ist für manche eine frohe Botschaft. Trotzdem muss auch darauf hingewiesen werden, dass gewisse Ausprägungen von religiösen Fundamentalismen wahrscheinlich nicht mehr zeitgemäss sind.

Die Philosophie ist die Wissenschaft vom philosophischen Nachdenken über die Welt. Die Philosophen stellen die klassischen, traditionellen Glaubenssysteme in Frage und denken eigenständig über die Welt nach (jedenfalls versuchen sie dies zu tun [auch wenn eine reine Unabhängigkeit vielleicht nur eine mehr oder weniger grosse Illusion ist]). Das Ziel der Philosophie ist der Weg zur Weisheit (daher bezeichnen sich Philosophen als Freunde der Weisheit [nicht als Weise!]). Darüber, was Weisheit ist, kann man sich trefflich streiten, wie über fast alles in der Philosophie (was nicht heisst, dass in der Philosophie nicht manche Argumente einleuchtender und andere weniger einleuchtend sind [und dennoch gibt es in der Philosophie keine entscheidende Instanz, welche eine solche Bewertung letztlich vornehmen und festlegen könnte]). Ich unterteile die Geschichte der Philosophie in Antike (Griechenland, Rom), Mittelalter (Christentum nebst den anderen Religionen) und Neuzeit (Wissenschaft) - sowie deren Moderne in: Moderne I (Liberalismus [bzw. Aufklärung und Liberalismus (18. Jh.)]), Moderne II (Sozialismus [bzw. Sozialismus und Kapitalismuskritik (19. Jh.)]), Moderne III (Existentialismus [bzw. Existentialismus und Kunst-/Kultursinn (20. Jh. - damit sind jeweils die Hauptstossrichtungen bezeichnet, nebst anderen Richtungen jener Zeit)]). Die Philosophie - zumindest die schulmässig verstandene Philosophie - begann mit der Philosophie im Antiken Griechenland, in deren Klassik Sokrates (Zweifel, Kritik), Platon (Ideenlehre) und Aristoteles (Begründung der systematischen Wissenschaft) herausragten. Im späteren Mittelalter erinnerten die christlichen, islamischen und jüdischen Philosophen an die Philosophie des Aristoteles. Das frühere Mittelalter war eher platonisch geprägt, das spätere eher aristotelisch. Mit der Auseinandersetzung der neuzeitlichen Wissenschaftler mit der aristotelischen Physik wurden die Neuzeit und die neuzeitliche Wissenschaft begründet. Descartes begründete in dieser Zeit (im 17. Jh.) eine starke Rolle des Subjekts in der Welt ("Ich denke, also bin ich") – durch das forschende Subjekt und die vergleichende Forschung wurde aber gleichsam auch eine starke Rolle des Objektiven begründet. In der Zeit der Aufklärung wurde eine objektive Sichtweise auch politisch erhoben - gegen die übertrieben absolutistische Regierungsweise der damaligen europäischen Könige (exemplarisch: Louis XIV., der sogenannte Sonnenkönig). Locke und Montesquieu sprachen von der Gewaltentrennung im Staat, Rousseau von der Volkssouveränität (Demokratie). Nach und mit diesem Höhepunkt einer Aufklärung (nach allen Seiten hin) als (vielleicht) ewigem (Haupt-?) Projekt der modernen Philosophie folgte eine grossangelegte und unerbittliche Kulturkritik, angefangen bei Voltaire über Nietzsche bis zum 20./21. Jahrhundert (u.a. mit der sogenannt postmodernen Philosophie sowie dem Existentialismus, welcher die Situation eines entwurzelten bis verängstigten und doch intellektuellen und kunstsinnlichen Menschen schildert - dieser existentialistische Mensch hat sich in seinem puren Existentialismus auch von den philosophisch-ökonomischen Ideologien des Liberalismus/Kapitalismus und des Sozialismus/Kommunismus gelöst, die nach ihm je nicht das halten konnten, was sie versprochen haben; auch dies ist jedoch noch lange nicht das letzte Wort der Philosophie, da sich diese immer wieder neu erfinden kann).

Die Wissenschaft (lat. sciencia [Kenntnis]) ist die Wissenschaft vom wissenschaftlichen Handeln in der Welt. Wissenschaft gab es bereits in der Antike (herausragend etwa: die Sternbeobachtung sowie die Begründung der wissenschaftlichen Systematik durch Aristoteles) und im Mittelalter (herausragend: die Alchemie), und trotzdem sprechen wir von einer eigentlichen Wissenschaft, wie wir sie heute kennen, erst ab der Neuzeit (im 16./17. Jh.). Was war denn so neu in dieser grossen erkenntnistheoretischen Wende (von der alten Naturphilosophie zur neuen Naturwissenschaft)? Erstens die Neubetrachtung uralter Ansichten (vgl. Kopernikus mit dem heliozentrischen Weltbild), zweitens die experimentelle Methodik (vgl. Galilei mit seinen Experimenten zur Bewegung auf schiefer Ebene), drittens das Verlangen nach naturbeherrschender Technik (vgl. Bacon mit seinem wissenschaftlich-technischen Weltbild), viertens die starke Stellung des Forscher-Ichs gegenüber einer objektivierten Welt (vgl. Descartes mit seiner Subjekt-/Objekt-Scheidung), fünftens die grosse Bedeutung der Mathematik im Beweis der neuen Erklärungen zu den Phänomenen der Welt (ebenfalls bedeutend erhoben v.a. bei den Rationalisten [Descartes, Spinoza, Leibniz]). All diese Faktoren gingen zusammen in dieses neue Projekt ein, die Welt systematisch wissenschaftlich zu ergründen, was v.a. bedeutete, dass über die Phänomene der Welt nicht mehr bloss nur nachgedacht werden sollte, sondern: dass das Denken, wo es möglich ist, experimentell in der Wirklichkeit nachprüfbar werden muss. Das vage Denken sollte zu einem geprüften und gesicherten Wissen werden. Vor allem Bacon und Descartes werden heute von wissenschaftskritischen Denkern stark kritisiert - ihnen wird Feindschaft zur Natur und deren Degradierung zum reinen Objekt vorgeworfen (vgl. Capra mit seiner esoterischen Wendezeit-Vorstellung und seinem New-Age-Postulat von einer sanfteren Technik und Forschung). Wir schauen heute zurück auf 400 Jahre immer rasantere Entwicklung der Wissenschaften und ihrer Technik. Als der deterministische Rationalismus (vgl. Laplace) an seine Grenzen stiess, erhob der Wissenschaftsphilosoph Popper den Kritischen Rationalismus, welcher besagt, dass eine Theorie nicht nur verifiziert werden muss, sondern dass sie vielmehr auch immer falsizierbar sei (d.h. wenn eine bessere Theorie gefunden werden kann, ist die alte Theorie in den entsprechenden Bereichen oder allgemein nicht mehr gültig, was allerdings in der Praxis aus verschiedenen Gründen nicht immer so einfach ist - berühmte Beispiele: Mechanik [Newton/Einstein], Evolution [Lamarck/Darwin]). Vieles von dem, was die Wissenschaften und ihre Technik hervorgebracht haben, möchten wir nie wieder missen, aber wir (an-) erkennen mittlerweilen nicht mehr nur den Segen von Wissenschaft, Technik und Fortschritt, sondern auch die weniger schönen Seiten (wie etwa: [moderne] Waffentechnik oder Ökoproblematik). Wir sollten daher die Wissenschaft weder verdammen noch überidealisieren. Der Mensch benötigt eine gute Wissenschaft, aber diese sollte auch ihr eigenes Treiben in Frage stellen, damit sie eine wahre Wissenschaft bleibt, welche das Wissen ebenso will, wie auch dessen gute Anwendung. Die Wissenschaft und die Ethik haben sich getrennt - die Wissenschaft will frei sein, die Ethik möchte sie einbinden. Dies ist einer der Konflikte, welchen die Wissenschaft in der Zukunft zu bewältigen hat (u.v.a. [darunter auch einige interne Konflikte]). Wenn wir uns heute fragen, wo es denn mit der Religion/Theologie und der Philosophie hingehen soll, so stellt sich die Frage noch viel mehr bezüglich der Wissenschaft, da sie seit einigen Jahrhundert die treibende Kraft der menschlichen Kultur ist. Auch über den Gegensatz von Natur- und Geisteswissenschaften wird noch zu reden sein (folgt).

Betrachten wir die (Natur-) Wissenschaften im Einzelnen. Die (eigentliche oder sogenannte) Wissenschaft der Dinge und Kräfte ist unterteilt in Physik (Ebene der Atome), Chemie (Ebene der Moleküle) und Biologie (Ebene der [lebendigen] Körper [sowie Materialkunde bei den unlebendigen Körpern]).

Die Physik sagt, dass es in der Welt der Dinge (Materie) und der Kräfte (Energie) mechanische Grundformeln gibt. Diese lauten: 1. Arbeit [W] ist Kraft [F] mal Weg [s] -> W=F·s. 2. Kraft [F] ist Masse [m] mal Beschleunigung [a] -> F=m·a. 3. Leistung [P] ist Arbeit [W] in der Zeit [t] -> P=W/t.

Analog zur Kraftformel: Potentielle Energie oder Höhenenergie [Epot] ist Masse [m] mal Erdbeschleunigung [g=9,81 m/s2 (Erdbeschleunigungskonstante)] mal Höhe [h], Kinetische Energie oder Bewegungsenergie [Ekin] ist halbe Masse [m] mal Geschwindigkeit im Quadrat [v2] -> Epot=m·g·h, Ekin=0,5·m·v2. (Dies ist schon ein bisschen schwieriger verständlich und zu erklären - und daher hier nur am Rande angemerkt: bedeutender ist das Verständnis der einfachen Kraftformel an und für sich.)

Physikalische Einheiten: W in Joule [J], F in Newton [N], s in Meter [m], m in Kilogramm [kg], a in Meter pro Sekunde im Quadrat [m/s2], g =, P in Watt [W], t in Sekunden [s] – E ist K (entspricht Kraft), h ist Höhe (entspricht Weg), v in Meter pro Sekunde [m/s].

Nebst dem Konzept der Mechanik (von Isaac Newton, 17. Jh.) gibt es das Konzept der Relativität (von Albert Einstein, 20. Jh.), welches die Abhängigkeit von Zeit- und Raumangaben in einem bestimmten Bezugssystem einbezieht (es ist auch die Rede vom Inertialsystem [einem abgeschlossenen, gleichförmig bewegten oder unbewegten System -> Mechanik] und vom Relativitätsprinzip [im Vergleich von zwei (oder mehreren) unterschiedlich bewegten Inertialsystemen -> Relativität]).

Berühmt sind die drei Newtonschen Grundgesetze (auch: Grundgesetze der Mechanik): 1. Ein Körper, auf welchen keine Kraft einwirkt, bleibt in Ruhe oder bewegt sich geradlinig mit konstanter Geschwindigkeit (Trägheitsprinzip), 2. Bewegungsänderungen entsprechen der Einwirkung der bewegenden Kraft nach der geradlinigen Richtung dieser Kraft (oder: Kraft ist Masse mal Beschleunigung -> Aktionsprinzip), 3. Kräfte treten immer paarweise auf: jede Kraft (actio) hat eine gleichwertige Gegenkraft (reactio –> Wechselwirkungsprinzip). Ferner die Einsteinsche Weltformel: Energie [E] ist Masse [m] mal Lichtgeschwindigkeit im Quadrat [c²] -> E = mc² (auch: Äquivalenzprinzip von Masse und Energie bzw. [Ruheenergie und Masse entsprechen einander sowie: Masse und Energie können ineinander umgewandelt werden, wobei schon bei der Umwandlung geringer Massen sehr grosse Energiemengen frei werden (siehe: Kernspaltung)]).

Exkurs Magnetismus/Elektrizität. Bedeutend für das Verständnis der Entwicklung der modernen Physik ist (u.v.a.) die Entwicklung von einer magnetischen zu einer elektrischen Physik (und darüber hinaus). Der Magnetismus hat eine alte Herkunft und war schon im Altertum und in der Antike bekannt. Im Mittelalter schrieb Petrus Peregrinus de Maricourt ("Epistola de magnete", 1269) die erste bedeutende wissenschaftliche Abhandlung zum Magnetismus, und auch am Beginn der Wissenschaft der Neuzeit steht eine solche - von William Gilbert ("Tractatus, sive physiologia nova de magnete, magneticisque corporibus et de magno magnete tellure", 1600). Seinen eigentlichen Höhepunkt erlebte der Magnetismus in der mechanischen Physik von Newton, in welcher er einen wesentlichen Faktor bildete - mit dem Newtonschen Gravitationsgesetz (veröffentlicht in Newtons Hauptwerk: "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica", 1687). Die Elektrisierung der Physik erfolgte wesentlich durch die Experimente von Galvani über tierische Elektrizität (veröffentlicht 1791) und die Interpretation derselben durch Volta, welcher danach die Batterie erfand (1800). Bekannt war das Phänomen ebenfalls bereits im Altertum und in der Antike und eine erste Schlüsselfigur in der Neuzeit war dazu wiederum William Gilbert, welcher den Begriff von der Electrica einführte (1600). Verschiedene Naturforscher und Erfinder beschäftigten sich danach mit dem Phänomen bis zur Erfindung der Batterie und der Begründung der Elektrostatik (Coulomb) und des Elektromagnetismus (Oersted, Ampère) sowie der Erfindung des Elektromotors (Faraday und andere), der Begründung der Elektrotechnik (Von Siemens) und der weiteren Erforschung der Elektrizität (etwa durch Ohm und Joule). Einer der bedeutendsten Autoren zum Elektromagnetismus ist James Clerk Maxwell ("On Physical Lines of Force", 1861-1862). Berühmt wurde Thomas Alva Edison als Erfinder der Glühlampe, welche allerdings eine viel längere Entwicklungsgeschichte hat, und Begründer des modernen Beleuchtungssystems. Berühmt ist auch der Stromkrieg bzw. Formatstreit zwischen Edison (Gleichstrom) und Westinghouse (Wechselstrom - Tesla hatte diesen 1887 erfunden). Nach der Beschäftigung mit dem elektrischen Strom und den elektromagnetischen Wirkungen im 19. Jahrhundert erfolgte gegen Ende jenes Jahrhunderts die Beschäftigung mit den Röntgenstrahlen (Röntgen 1895) und der Radioaktivität (Becquerel 1896) sowie ebenfalls um die (für die Wissenschaft der Physik - aber auch für die Kultur allgemein - höchst bedeuteungsvolle) Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert die Begründung der Quantenphysik und - auf einer anderen Ebene (aber nicht unverwandt) - der Relativitätstheorie. Fast ein bisschen esoterisch mutet die Relativität im Grossen und Ganzen (Einstein) oder auch die Verschränktheit im Kleinsten (Schrödinger) bis heute an. Physikalische Phänomene waren schon immer auch eine beliebte Quelle für esoterische Spekulationen (innerhalb und ausserhalb der Wissenschaften).

Die Astronomie ist ein Teilgebiet der Physik und beschreibt die physikalischen Himmelsvorgänge (im Weltall). Berühmt sind die drei Keplerschen Gesetze des Planetenumlaufs um die Sonne (siehe: Johannes Kepler, 16./17. Jh.), wobei das erste Gesetz besagt, dass die Planeten im Sonnensystem in elliptischen Bahnen um die Sonne kreisen (dies nach einer Anpassung der Beobachtungen von Brahe an das heliozentrische Weltbild von Kopernikus [in der Antike und im Mittelalter war das geozentrische Weltbild vorherrschend (geozentrisch = Erde steht im Mittelpunkt, heliozentrisch = Sonne steht im Mittelpunkt)]). Unser Sonnensystem besteht aus einem Stern (Sonne) und acht Planeten (sowie verschiedenen Zwergplaneten und anderen Himmelskörpern): Sonne, Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun.

Extrembereiche der Physik/Wissenschaft. In der Elementarphysik oder Teilchenphysik werden die Grundteilchen der Welt untersucht: Atome sowie subatomare Ebene. Das Atommodell (siehe: Dalton [18./19. Jh.], Rutherford [19. Jh.], Bohr [20. Jh. - und weitere, neuere Modelle in der Quantenphysik]) geht davon aus, dass ein Atom aus einem Atomkern mit Neutronen (ungeladene bzw. elektrisch neutrale Elementarteilchen) und Protonen (positiv geladene Elementarteilchen) sowie einer Atomhülle mit Elektronen (negativ geladene Elementarteilchen) besteht. Anmerkung: trotz der Untersuchung der subatomaren Ebene bleibt das Atom die grundlegende Einheit der Teilchenwelt, weil die subatomare Welt als wenig stabil beschrieben wird (d.h. da werden Teilchen gebildet, welche relativ rasch wieder vergehen [siehe auch: Teilchen-/Wellencharakter in der Quantenphysik]). In der Astrophysik werden weit entfernte Himmelsphänomene beschrieben, die uns im Grossen - wie die subatomare Physik im Kleinen - eine ganz andere Welt zu zeigen scheinen. Anmerkung: Bei diesen Phänomenen können wir leider nicht wissen, was wirklich ist, oder was unwirklich ist - z.B. auch optische Täuschung sein könnte. (Wir schauen dabei mit extremen Fernrohren in eine längst vergangene Zeit. Unsere eigene Galaxie, die Milchstrasse, hat einen Durchmesser von 170'000-200'000 Lichtjahren [d.h. Jahre, welche das Licht im Vakuum durchläuft]. Wir können im Universum nicht - oder nur sehr beschränkt - sehen, was heute ist. Extreme Teleskope und extreme Mikroskope, die sehr weit ausserhalb unseres normalen und vernünftigen Sehens [bzw. einem Sehen, auf welches unsere Vernunft aus- und eingerichtet ist] liegen, zeigen uns vielleicht [auch] nicht die ganze Wahrheit. Zweifel sind zumindest immer angebracht bei solchen bzw. solchermassen beobachteten Phänomenen. Dasselbe gilt überall dort, wo das Sehen überhaut gar nicht hinkommen kann und daher reine Berechnungen angestellt werden müssen. Daher bin ich immer auch ein bisschen skeptisch bei relativistischen, subatomaren, quanten- und astrophysikalischen Wahrheiten - ich sage nicht, diese würden nichts gelten, ich sage nur, man muss sie [auch] kritisch betrachten. Und gerade die Wissenschaft sollte solche Zweifel haben, wo sie angebracht sind - sie verkauft uns aber heute immer mehr als reine Wissenschaft, was überhaupt gar nicht schlüssig bewiesen ist oder werden kann. Dies schafft [gefährliche] Zweifel gegenüber der reinen, echten und wahren Wissenschaft [die übrigens als Naturwissenschaft immer mehr von Technikwissenschaften abgelöst wird - es findet also heute eine bedeutende Entwicklung in den Wissenschaften statt: von der alten Naturphilosophie über die früheren Naturwissenschaften zu den heutigen und kommenden Technikwissenschaften - was die Gefahr einer Technokratisierung der Naturwissenschaften in sich trägt: d.h. die Wissenschaft wird zunehemend von der Technik bestimmt, nicht mehr von der eigentlichen (Natur-) Wissenschaft; die heutigen und zukünftigen Generationen wachsen in einer Welt auf, in welcher die Extrem- und Technikbereiche im Vordergrund der Wissenschaft stehen, während sie den Sinn für natürliche Wissenschaft - d.h. natürliche Physik, natürliche Chemie und natürliche Biologie - langsam aber sicher zu verlieren drohen].)

Die Chemie untersucht die chemischen Verbindungen (auf der Ebene der Moleküle). Ein bedeutender Bezugspunkt ist das Periodensystem der Elemente (siehe: Mendelejew und Meyer [19. Jh.]). In diesem System sind alle chemischen Elemente tabellarisch aufgeführt (angefangen mit Wasserstoff und Helium [den beiden häufigsten Elementen auf der Sonne] bis zu den diversen Metallen, Nichtmetallen und Gasen). Das Periodensystem dient zur Berechnung von chemischen Reaktionen (einfachste: 2H + O -> H2O [zwei Wasserstoffteile und ein Sauerstoffteil ergeben die Verbindung von Wasser]).

Die Biologie setzt sich mit den lebendigen Wesen auseinander (welche aus Zellen und Organen aufgebaut sind und eine Erbinformation beinhalten). Dabei bedient sie sich eines Klassifizierungssystems (auch: Nomenklatur oder Taxonomie genannt – siehe: Linné [18. Jh.]). Bedeutend sind auch die Grundlagen der Genetik (Vererbung und Züchtung – siehe: Mendel [19. Jh.]) und die Darwinsche Evolutionstheorie über die Entstehung von Arten durch natürliche Selektion (siehe: Charles Darwin [19. Jh.]).

Der Mensch besteht aus Körper, Seele (Empfinden/Spüren und Fühlen) und Geist (Bewusstsein, Verstand und Vernunft)*. Die Anatomie ist die Lehre vom inneren Bau der Körper von Lebewesen (Organismen). Die Medizin ist die Lehre von der Heilung erkrankter Organismen bzw. Organe und Funktionen (und die Lehre einer möglichst guten Gesundheit). Die Psychologie ist die Lehre von der menschlichen Seele und ihren Zuständen - sie ist aus der Medizin heraus entstanden (in ihrer Weiterentwicklung nahm sie jedoch eine Zwischenstellung zwischen den Natur- und den Geisteswissenschaften ein**). Die Trophologie (oder: Ökotrophologie) ist die Lehre von der guten und richtigen Ernährung (allgemein und auch bezüglich spezieller Ernährung bei bestimmten Krankheiten).

* Anmerkung am Rande: Aristoteles sprach in seiner antiken Auffassung von einem pflanzlichen, tierischen und menschlichen Aspekt der Psyche. Im späteren Mittelalter und in der Neuzeit und deren Moderne entstanden v.a. bedeutende Ausdifferenzierungen auf der Ebene des Geistes.

** Unnötig zu sagen, dass sich die Psychologie und die Psychiatrie nicht immer auf sicherem und unbezweifelbarem Boden befinden? Und dass sie insbesondere auch einige soziologische Fragezeichen offenlässt? Es gab sogar eine bedeutendere Bewegung der Antipsychiatrie, was einzigartig ist bis dato gegenüber einem gesamten Wissenschaftsgebiet. Man sollte sowohl den Sinn der Psychologie und Psychiatrie erkennen wie auch deren Grenzen und Schwächen. (Dies gilt es besonders zu sagen, weil die Psychologie und die Psychiatrie eine immer bedeutendere Stellung in dieser Gesellschaft einnehmen.)

Die Ökologie ist die Lehre von Natur- und Umweltsystemen - sie ist aus der Biologie heraus entstanden und ist vielleicht sogar als bedeutendste und richtunggebende Naturwissenschaft der Zukunft zu betrachten. Ebenfalls eher im naturwissenschaftlichen angesiedelt werden ferner etwa die Geografie und die spezifischen Technikwissenschaften (auch: Ingenieurwissenschaften - wie etwa Agrarwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik und andere).

[Ein kleiner, aber bedeutender Exkurs.] Die strikte Trennung von Natur- und Geisteswissenschaften geht auf Aristoteles zurück: er hatte in seiner Naturphilosophie unterschieden zwischen theoretischer und praktischer Philosophie, wobei er die heutigen Naturwissenschaften sinngemäss als theoretisch (etwa Naturphilosophie - inkl. Physik, Biologie - Metaphysik, Logik), die heutigen Geisteswissenschaften dagegen als praktisch bezeichnet hat (etwa Staats-/Politik- und Rechtsphilosophie, Ethik). Die Geschichte dieser folgenreichen Differenzierung ist teils nicht einmal Wissenschaftlern - beider Richtungen - wirklich klar, obwohl sie sich bis heute durch das ganze universitäre System der Neuzeit durchgezogen hat. Ich spreche von Natur-, Technik- und Ökowissenschaften (mit der Richtungsdisziplin der Ökologie [nach meiner Philosophie]) sowie von Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften (mit der Richtungsdisziplin der Soziologie [nach meiner Philosophie]). Wieso ist diese Differenzierung überhaupt so wichtig? Das ist ganz leicht zu erklären. Weil es einen wesentlichen Unterschied in der Grundausrichtung der Wissenschaften gibt: die Naturwissenschaften zielen auf das Ursache-Wirkungs-Prinzip, die Geisteswissenschaften dagegen auf das Grund-Folge-Prinzip. Die Naturwissenschaften suchen Kausalitäten in der Vergangenheit, um die Gegenwart zu erklären, die Geisteswissenschaften suchen aus heutigen Gründen heraus Zwecke in der Zukunft, um auf diese zu verweisen (zumindest sollten sie dies tun). Daher haben auch die Naturwissenschaften eine realistische (bzw. theoretisch-realistische) Referenz, während die Geisteswissenschaften eine idealistische (bzw. praktisch-idealistische*) Referenz haben sollten. Die Naturwissenschaften fragen: was ist, und warum es so ist, während die Geisteswissenschaften fragen: was sein soll, und wie wir es erreichen können (anzumerken ist: dass die Entwicklung der Naturwissenschaften in Richtung von Technik- und Ökowissenschaften sich auf diese grundsätzliche Unterscheidung auswirken - die Ökologie fragt ebenfalls nach Zwecken in der Zukunft, d.h. dass sich diese Unterscheidung in der Zukunft auflösen könnte).

* Die Doppelbedeutung ist hier sogar von grosser Bedeutung, denn ein reiner Idealismus ist etwas anderes als ein praktischer Idealismus. Der reine Idealismus tendiert dazu, ignorant und arrogant zu werden, der praktische Idealismus dagegen sieht und akzeptiert auch die Schwierigkeiten in der praktischen Erreichung von Zielen.

Während die Naturwissenschaften im Grundzug relativ einfach leicht beschrieben werden können (da es eine gewisse Linearität in ihrem natürlichen Bezug gibt [Physik/Atom, Chemie/Molekül, Biologie/Leben-Körper*]), ist dies bei den Geisteswissenschaften aus den genannten Gründen weniger der Fall. Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften kennen die Geisteswissenschaften keinen linearen Bezug: alle Einzeldisziplinen sind bei diesen auf derselben Ebene anzusiedeln. Und: wenn es um Zwecke für die Zukunft geht, dann geht es relativ rasch auch um Meinungen und Streitpositionen. Oder können wir das ebenfalls objektiv behandeln? Das ist eine wichtige und grundsätzliche Frage bezüglich der Geisteswissenschaften. Zu verschiedenen Zeiten war die Gewichtung bzw. Wichtigkeit der geisteswissenschaftlichen Disziplinen sehr verschieden. In der griechischen Antike lag das Augenmerk auf der Geschichte (allerdings mit blosser Geschichtsschreibung [und eher bis gar nicht vergleichender Wissenschaft]) und v.a. auf der Staats-/Politikphilosophie (bei Platon und Aristoteles - er interessierte sich ebenfalls etwa für die Poetik und die Rhetorik), in der römischen Antike nahm die Rechtsphilosophie die bedeutendste Stellung ein (das moderne Recht ist auf dem Römischen Recht aufgebaut). Die heutigen Geisteswissenschaften sind jedoch weitgehend erst im 18. Jahrhundert - mit und nach der Zeit der Aufklärung - entstanden. Man sieht verschiedene Einteilungen und Aufzählungen. Nach mir zählen alle Wissenschaften zu den Geisteswissenschaften, die nicht bei den Naturwissenschaften eingeordnet werden (ausser der Theologie und der Philosophie, die ich als eigenständige Wissenschaftssektoren sehe). Dazu zählen etwa die Geschichtswissenschaft, die Wirtschaftswissenschaft (Ökonomie, früher: Nationalökonomie), die Rechtswissenschaft (Jurisprudenz), die Sozialwissenschaft (Soziologie [für mich die Richtungsdisziplin innerhalb der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften]), die Politikwissenschaft (Politologie) sowie die Pädagogik, die verschiedenen Kunst- und Kulturwissenschaften, die Medienwissenschaft (ferner auch Teile der Psychologie). Die Ökonomie ist übrigens ganz klar eine Geisteswissenschaft (auch wenn viele gerne hätten sie wäre eine Naturwissenschaft [oder gar keine Wissenschaft - sie hat sich aus der Moralphilosophie und der Mathematik heraus entwickelt]). Der Entwicklungs- und Ordnungsgrad der Geisteswissenschaften ist im Allgemeinen noch immer relativ gering (ausgenommen: in der Ökonomie, natürlich).

* Man könnte diese Einteilung in einem gesamtwissenschaftlichen Sinn sogar noch weiterbetreiben, und zwei weitere, höhere Kategorien einführen: Soziologie/Körperverbindungen, -einheiten, -gruppen, -gesellschaften (man spricht diesbezüglich sogar bereits auch von Pflanzen- und Tiersoziologie), Ökologie/Gesamtsystem(e). Ich möchte aber vor einer zu stark naturwissenschaftlichen Sichtweise warnen! Insbesondere müssen die ökologischen Probleme auch und v.a. auf der soziologischen Ebene angegangen und aufgelöst werden. Für den Menschen ist die soziologische Ebene eigentlich die bedeutendste, weil auf dieser Ebene auch die Politik bzw. Politikwissenschaft angesiedelt ist (natürlich aber geht es letztlich um Weltsoziologie, Weltpolitik und Weltökonomie [nicht bloss um Soziologie im klassischen nationalistischen und/oder volkswirtschaftlichen Sinn]).

Entwicklung der Geisteswissenschaften (Moderne). Im kurzen Zeitalter der Renaissance (zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit) entstand die Idee, dass der Mensch im Zentrum des Weltgeschehens steht. Dies führte zur Begründung der neuzeitlichen und modernen Naturwissenschaft(en). Geisteswissenschaftlich interessierte im 17. Jahrhundert zuerst einmal die Politik (Althusius) und die Pädagogik (Comenius), wobei das politische Interesse (ein halbes Jahrhundert vor der Geburt des französischen Sonnenkönigs Louis XIV.) noch nicht im Vordergrund stand. Die Pädagogik stellte sich die Frage, wie man Erziehungsfragen vom Interesse des Kindes her beurteilen kann (später weitergeführt u.a. bei Rousseau, Montessori oder Piaget). Im Zeitalter der Aufklärung kam im 18. Jahrhundert die grosse Neuorientierung der Geisteswissenschaften. Die staatstheoretischen Erwägungen von Montesquieu und Rousseau führten zur Französischen Bürgerrevolution gegen den damals in Europa noch immer vorherrschenden Absolutismus. Der Liberalismus brachte Toleranzgedanken - v.a. erst einmal im religiösen Bereich (zuvor initiiert bei Locke) - und eine Konzentration auf die Ökonomie (Smith). Die moderne, freiheitliche Gesellschaft war herausgefordert, eine eigenständige Politik und Ökonomie zu begründen. Man kann diese Zeit sicher als (erste) Hochblüte von geisteswissenschaftlichen Überlegungen betrachten (auch etwa Pestalozzi und seine Begründung der Volksschule gehören in diese Zeit). Im 19. Jahrhundert folgte die Kapitalismuskritik der Sozialisten (Saint-Simon, Marx) und die Begründung der Soziologie als Wissenschaft (Comte), im 20. Jahrhundert die Begründung von neuen Wissenschaften, wie der eigentlichen Politikwissenschaft sowie der Medienwissenschaft. Das 20. Jahrhundert war einerseits geprägt von der Akzentuierung verschiedener Befreiungsbewegungen innerhalb der modernen Gesellschaft, andererseits aber auch von einer starken und schwierigen Kulturkritik in der Philosophie (Kritische Theorie, Poststrukturalismus [der Aufklärer Kant hatte sein Zeitalter schon als das kritische bezeichnet, und der Nihilist Nietzsche galt schon als Infragesteller aller kulturellen und moralischen Werte]). Der Ausgang dieser Kritik ist noch immer offen. Wie kann/soll sie integriert werden in ein zukünftiges Menschen- und Gesellschaftsbild? Natürlich ist es nicht möglich, die (Menschen-) Kultur wegzukritisieren und eine vollkommen andere zu begründen. So funktionieren die Entwicklungen in dieser Welt nicht (selbst bei Revolutionen in der Kultur oder Quantensprüngen in der Natur nicht).

Eher nicht zu den Geisteswissenschaften zähle ich die Sprachwissenschaften (Linguistik), welche ich zusammen mit der Mathematik in eine zusätzliche Kategorie von Grund-, Hilfs- oder Formalwissenschaften einteilen würde (die gängige Vorstellung, dass die Mathematik zu den Naturwissenschaften gehöre und die Linguistik zu den Geisteswissenschaften, ist für mich nicht korrekt [die Naturwissenschaften sind ebenfalls auf die Sprache angewiesen, die Geisteswissenschaften ebenfalls auf die Mathematik - ich möchte auch weder die Geisteswissenschaften alleine von der Sprache, noch die Naturwissenschaften alleine von der Mathematik abhängig machen (wie es die neuzeitliche Wissenschaft klassischerweise aber eigentlich tut)]).

Eher Zukunftsmusik ist die Disziplin einer umfassenden Systemwissenschaft. Es gab erste, scheue Versuche mit der (allerdings viel zu technizistischen) Kybernetik (Lehre der Steuerung und Regelung [Wiener] - oder auch einer soziologischen Systemtheorie [Parsons, Luhmann], zu verweisen ist ferner auch u.a. etwa auf Arbeiten zur Feldtheorie und zur Emergenztheorie) - das ist jedoch alles noch weit von dem entfernt, was wir für die Zukunft benötigen: eine Wissenschaft, die sich mit Systemen, deren Begründung, Erhaltung und Verbesserung, auseinandersetzt. Offiziell bzw. rein dem Namen nach gibt es eine solche Wissenschaft bereits (meist sehr mathematik- und informatiklastig orientiert), trotzdem steckt diese Disziplin eben noch in den Kinderschuhen. Man sollte eine Wissenschaft nicht mit Technizismus beginnen, sondern: mit Wissenschaft. Die Technik folgt der Wissenschaft, sie geht ihr nicht voraus (ausgenommen bei ausdrücklichen Technikwissenschaften, ich spreche aber von einer umfassenden, integralen Systemwissenschaft und -theorie). Die Menschheit muss zu neuen Gewissheiten finden und neue Institutionen erfinden (und/oder bestehende verbessern), um die Herausforderungen der Zukunft bewältigen zu können - eine umfassende Systemwissenschaft könnte dazu dienlich sein.

Ein wichtiger Punkt in meiner Philosophie ist eine Sonderstellung der Wissenschaften der Soziologie und der Ökologie, da dies für mich die Haupt- oder Führungswissenschaften sind, in welchen die aktuellen und zukünftigen Probleme entweder gelöst werden können, oder aber: nicht gelöst werden können (und wenn die Politik eine so grosse Rolle spielt bei der Umsetzung wie manche meinen, dann müssen sie eben die Politik - möglichst parteispektrumsunabhängig - einbeziehen in diese Wissenschaften, die Soziopolitik und die Ökopolitik [man kann heute nicht mehr eine blosse Wissenschaft im Glashaus betreiben, welche sich nicht um die technische und politische Umsetzung schert und kümmert - die romantischen Zeiten der Wissenschaften quasi, in welchen sich diese weder um ethische noch um politische Fragen gekümmert haben, sind vorbei]).

Ein paar Anmerkungen zur Bildung allgemein. Wichtig und bedeutend ist in der Bildung - das kann man nicht genug betonen - dass die einzelnen Fächer in den Schulen getrennt und für sich genommen gelehrt werden (wie an der Universität [doch bereits dort kommt die klare Differenzierung immer mehr ins Wanken heute! - eine mögliche Gefahr für die Bildungs- und Wissensklarheit der Zukunft]). Die heutigen Schulen tendieren dazu, die Dinge bzw. Disziplinen zu vermischen, um damit Zusammenhänge besser aufzeigen zu können. Bevor man jedoch die Zusammenhänge erkennen kann, muss man zuerst die Grössen und Grundlagen kennen, aus welchen die Zusammenhänge zusammengesetzt sind. Man kann in der Bildung nicht mit den Zusammenhängen anfangen... Das verwirrt und verunsichert die Schüler - und sie verlieren ihre Fähigkeiten zur Differenzierung, was eine sehr bedeutende Verstandesfähigkeit ist. (Wohl kann man ein zusätzliches Fach der Interdisziplinarität und der Wechselwirkungen einführen, aber nicht ohne die Grundlagen gesondert zu lehren.) Mangelhafte bis fehlende Klarheit in den Begriffen ist verantwortlich für sehr vieles, was im Menschlichen schiefläuft. Dies sagte schon der erste grosse Moralphilosoph Konfuzius, welcher meinte, dass man die Worte richtig verwenden soll - dass man Worte auch falsch verwenden kann, zeigt, dass es einen wahren Begriff der Worte gibt. Eigentlich hat auch Platon dies herausgestellt, dessen Ideenlehre auf die wahren Ideen und Begriffe hinter den Dingen zielt (dies ist die grosse Übereinkunft zwischen Konfuzius und Platon - auf jene zwischen Konfuzius und Aristoteles, welche in der Tugend besteht, die auf die Mitte zielt, habe ich schon an anderer Stelle hingewiesen).

Lektürevorschläge: allgemein zu empfehlen sind Sachbücher und v.a. Bücher, die einen geschichtlichen Überblick bringen - insbesondere Bücher über die Philosophie-, Wissenschafts- und Technikgeschichte. Zu empfehlen sind etwa: die dtv-Atlas-Reihe sowie die Reihe der 50 Klassiker. Natürlich bin ich nicht der Meinung, dass jeder alle grossen Klassiker gelesen haben muss. Allen Studierenden von Wissenschaften rate ich aber, die wichtigsten Grundbücher und Klassiker ihrer Wissenschaft zu lesen (vielleicht fünf bis zehn Bücher - die wirklich grossen Meilensteine), um einen authentischen (!) Einblick in die Geschichte dieser Wissenschaft zu bekommen und auch eine gewisse Begeisterung für diese mitzubekommen, durch jene Leute, die historisch davon begeistert waren (das gibt eine ganz andere Dimension der Betrachtung - leider wird das von Studenten oft bis meist nicht gemacht! [weil sowohl die Studenten, die natürlich auch sonst viel zu lesen haben, wie auch ihre Profesoren die historische Literatur heute zunehmend geringschätzen (!)]). [Winter 2018/2019 - II.]


Kritik. Man kann eine breitangelegte Kulturkritik machen, wie dies die Philosophie im 20. Jahrhundert gemacht hat (und wie ich dies teils auch gemacht habe in meinen 'Internettexten zum Zeitgeschehen' [1993-2018]). Man kann alle Institutionen kritisieren. Man kann die Exekutive (Regierung) kritisieren. Man kann die Legislative (Parlament) kritisieren. Man kann die Judikative (Gericht) kritisieren. Man kann die Ignoranz und Arroganz der Elite(n) kritisieren (oder jene des Volkes - die Macht der Wenigen, die Ohnmacht der Vielen). Man kann die ganze Korruption kritisieren - und/oder den Kapitalismus an und für sich, das Mobbing - die fehlende Bereitschaft zur Problem- und Konfliktlösung. Man kann auch die Schule, die Kultur und die Medien - unsere primären, sekundären und tertiären Bildungsinstitutionen - kritisieren. Man kann die Männer kristieren, und man kann die Frauen kritisieren. Man kann die Religion, die Philosophie und die Wissenschaft kritisieren. Man kann viele Worte darüber verlieren, man kann es aber auch relativ kurz machen. Ich will es hier so kurz wie möglich - und trotzdem so umfassend wie nötig - machen. Die heutigen Leute denken, die Menschheit würde es ohne die Religion schaffen. Die heutigen Leute denken, die Menschheit würde es ohne die Philosophie schaffen. Und... die heutigen Leute denken, die Menschheit würde es ohne die Wissenschaft schaffen (das wissen sie nur noch gar nicht, weil viele noch gar nicht direkt in Konflikt mit der Wissenschaft gekommen sind, bisher - aber es gibt gerade in diesen Tagen erste Anzeichen dafür, dass dies bald in grösserem Stil geschehen wird und die Wissenschaft, seit rund 400 Jahren im Zentrum der neuzeitlichen Kultur, mit der Zeit ebenso ins gesellschaftliche Abseits geraten könnte wie die Religion und die Philosophie). Die heutigen Leute befinden sich in einem grossen Irrtum. Die Wahrheit ist diejenige, dass die Menschheit alles wird aufbieten müssen, was sie zur Verfügung hat, um ihre Existenz zu sichern (und auf nichts wird verzichten können [das gilt übrigens für die Menschheit ebenso wie für die Gesellschaft und das Individuum]). Dieser Gedanke steht auch hinter meiner Philosophie. Und natürlich auch eine Kritik an der (übertriebenen, verabsolutierten philosophischen Kultur-) Kritik - bezüglich einer Philosophie, die nur noch kritisiert und selber nichts mehr anzubieten hat (an konstruktiven Fragen, realistischen Lösungen, greifbaren, griffigen und umgreifenden Systemen - wir stehen heute wirklich in einer Zeit, in welcher all dies notwendiger ist denn je!). Wenn die Religion, die Philosophie und/oder die Wissenschaft in eine falsche Richtung gehen, dann sollten wir sie korrigieren, statt sie zu verdammen (dies aber ist leichter gesagt, als getan).

Wie - leider relativ wenig bekannt - bedeutend das Verhältnis des Menschen zur Philosophie auch immer ist (z.B. in Fragen der Ethik und der Politik, aber auch bezüglich der Grundlegung, der Logik und des Zusammenhalts), und wie interessant und fragenbehaftet das Verhältnis des Menschen zur Wissenschaft in Zukunft auch werden wird, so ist doch immer und immer wieder das Verhältnis des Menschen zur Religion das problematischste, u.a. auch deswegen, weil man wenig vernimmt von den mittleren Positionen zwischen einem strengen Fundamentalismus und einem abgewandten Atheismus (oder einer scheinbaren Gleichgültigkeit). Ich finde es schade, dass ein esoterisches Christentum - neben dem kirchlichen Christentum - keine bedeutendere Rolle spielt (für Leute, denen die kirchliche Organisation zu streng ist, die sich aber trotzdem im Umfeld des Christus sehen). Die Worte Pauli sind relativ klar: "Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten." Daran schliessen sich eigentlich direkt die Worte Kants an: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen." (Einen Grund für eine Verleugnung dessen, der - einmalig in der früheren Weltgeschichte - diesen ebenso freiheitlichen wie vernünftigen Boden geschaffen hat, gibt es jedoch eigentlich nicht. Viele, welche den Christus und die Religion verleugnen, vergessen, dass es einen [positiven] Grund für die Begründung der Religion, des Christus und der Kirche - ebenso wie der Philosophie und der Wissenschaft - gegeben hat [und dass die Verleugnung diese Positivität gefährdet].)

P.S. Auch dieser Text ist noch nicht abgeschlossen. Wenn es so weit ist, und der Text auch in dieser Form zitiert werden kann, werde ich das hier anmerken.


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