Pandemieseite (aktuell)




Aufgrund der aktuellen Entwicklung - siehe: Homepage - bin ich nicht mehr in der Lage, diese Seite weiter betreuen zu können. Ich werde sie in den nächsten drei Tagen noch einmal durchredigieren und sie am Wochenende, auf dem Stand vom Sonntagabend, einfrieren (so kann man wenigstens den Anfang der intellektuellen Diskussion zu dieser Coronakrise einsehen und nachvollziehen).


Dieser Film dient als Grund- und Aufklärungsinformation über das Thema der Pandemie: Unseen Enemy (dt. Viren - die unsichtbaren Feinde - USA, BRA, KPU, CHN, CON, D, LIBR, SL, SIN, CH, THAI, GB 2017 - Regie: Janet Tobias). Diesen Film haben wir bisher nicht verstanden, in den meisten Fällen vermutlich auch nicht gesehen - jetzt werden wir ihn verstehen.

Aussagen aus diesem Film (u.v.a.). Peter Piot (Belgischer Mikrobiologe): «Ob es uns gefällt oder nicht: unsere Welt wird immer globalisiert werden - nicht nur Finanzmärkte und Wirtschaft, auch Krankheiten. Unsere Mobilität macht uns verwundbar. Immer mehr Menschen leben auf der Erde in immer volleren Städten. Ideale Voraussetzungen für Viren. Im Nu sind hunderttausende Menschen infiziert. [...] Wir haben es alle unterschätzt - alle. Jetzt weiss ich, dass bereits ein Ebola-Fall den Ernstfall bedeutet. Jeder neue Fall lässt die Zahlen immens steigen. Die Devise ist: sofort handeln oder später bezahlen. [...] Der Schlüssel, um eine Epidemie zu stoppen, ist das Übertragungsrisiko genau zu kennen.» - Larry Brilliant (US-amerikanischer Epidemologe): «In den letzten drei Jahrzehnten haben sich rund 30 neue Krankheiten mit dem Potenzial einer Pandemie entwickelt. Wenn wir nichts unternehmen ist die Frage nicht, ob es dazu kommen wird, sondern nur noch: welcher Virus, wann und wie schlimm es wird.» - Heidi Larson (US-amerikanische Anthropologin): «Falsche Informationen können die Verbreitung einer Krankheit verstärken.» - George Gao (Chinesischer Virologe und Immunologe): «Wenn wir den Neu- und Wiederausbruch von Viren verhindern wollen sind drei Dinge wichtig: eine frühe Identifizierung, präzise Diagnose und sofortiges Handeln.» - Sprecher und Sprecherinnen (nicht deklariert): «Man kann definitiv zu spät handeln. [...] Immer wenn eine Infektionskrankheit so richtig zuschlägt, müssen unsägliche Entscheidungen getroffen werden, die die Freiheit und die Rechte einer Gesellschaft einschränken. [...] Das 21. Jahrhundert lässt sich als die Zeit des Wettlaufs zwischen Gefahren und Vorteilen der Modernisierung definieren. Unsere einzige Chance, zu gewinnen, ist die Methoden des 21. Jahrhunderts gegen die Epidemien zu nutzen und sie in idealer Weise durch Impfungen zu verhindern. [...] Bessere Diagnosen sind wichtig, um zu verhindern, dass aus Ausbrüchen Epidemien werden. Gerade die Grippe wird oft falsch diagnostiziert. Auch Ebola und Zika wurden zu Beginn oft mit anderen Krankheiten verwechselt, dabei ging wertvolle Zeit für die Eindämmung des Virus verloren.»

Leider machen all diese Einsichten die politische Diskussion nicht hinfällig. Sonst könnten wir im Allgemeinen ja einfach Praktiker/Praktikerinnen und Techniker/Technikerinnen in die Regierung einsetzen. Das wäre dann eine Technokratie (und die nächste billige Lösung, die nicht funktioniert). Die Praktiker/Praktikerinnen und Techniker/Technikerinnen werden ihren Kopf weder für die Einhaltung der Gesetze hinhalten noch für bessere soziale Verhältnisse in der Welt sorgen. Die Politik wird weiterbestehen, und damit auch die Information, und damit auch die Falschinformation. Ideal wäre natürlich, wenn rechte und linke Politiker/Politikerinnen und die Praktiker/Praktikerinnen und Techniker/Technikerinnen und Experten/Expertinnen besser zusammenarbeiten würden. Aber das ist nur ein relativ frommer Wunsch - in der Praxis ist das (was bei einer Krise oder Katastrophe noch am Besten funktioniert) immer relativ schwierig und mühsam.

-> Aufruf vom Neuropathologen Prof. Dr. Aguzzi (Uni Zürich), die Massnahmen der Regierung zu befolgen.

Aguzzi vertritt einen rigorosen Lockdown, beurteilt die Situation mittelfristig aber erstaunlich günstig: er meint, im Sommer könnte die Krise vorüber und die Welt in Zukunft besser vorbereitet sein. Man hört auch andere Stimmen, welche meinen, die Krise würde uns vielleicht Jahre weiterbeschäftigen.

-> Mundschutz - jetzt doch: ja (und sogar selber machen) (Nähanleitung).



Kleiner dystopisch-präapokalyptischer Vorschub. Natürlich kommt einem religiösen Menschen bei solchen Themen auch Gedanken an die Geschichte der Apokalypse und deren Bedeutung. Die Coronaviruskrise ist eine politische Krise, eine Krise unserer Polis, welche die ganze Politik und Gesellschaft erschüttert (und zwar offenbar v.a. die europäische und westliche Gesellschaft). Es ist der dritte grosse Schock des spätmodernen Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen mit dem ganzen atomaren Wettrüsten sowie der Ökoproblematik, in welcher die Lebensgrundlagen des Menschen in Frage gestellt sind. Wir wissen seit letztem Jahr dank einer Schülerin aus Schweden, dass uns diese Thematik wirklich bedroht, oder waren wir nicht erschüttert im letzten Jahr, als wir merkten, dass wir einem kleinen Mädchen mehr Vertrauen entgegenbringen müssen für die Zukunft als unseren alten Politikern - und dass dieses Schulmädchen die aktuelle Wissenschaft vertritt und die alten Politiker irgendetwas anderes?). Die Jahre 2019 und 2020 brachten auf einen Schlag die zwei schlimmsten Krisen dieser Zeit ins (Wach-) Bewusstsein. Neben der altväterlich bzw. sohnemannschen biblischen Apokalypse gibt es jetzt offenbar eine mehr oder weniger offizielle Gaia-Theorie-Apokalypse, in welcher behauptet wird, dass das Virus quasi von Mutter Erde geschickt wurde, um die Menschheit zu entschleunigen (vgl. auch: Resonanztheorie von Hartmut Rosa sowie Entschleunigungsphilosophie [Vincenzo Di Nicola, Tristan Garcia], dagegen: Beschleunigungsphilosophie [Nick Land, Nick Srnicek - diese fordern eine (weitere) Beschleunigung der Welt]; deutsche Philosophen sprechen besonders oft von Entschleunigung im Zusammenhang mit dieser Coronakrise). Ausgerechnet 'Bundes-Jogi' Löw - einer der bekanntesten Trainer im Milliardengeschäft Fussball - hat in einer Videoschaltung während einer Pressekonferenz des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) am 18.3. bedeutende Gesellschaftskritik geäussert und diese quasi in Zusammenhang gebracht mit der Gaia-Theorie (ohne diese namentlich zu nennen). Er rief dabei zur Mässigung im kapitalistischen Denken und zu mehr Empathie auf. Die Welt und vielleicht auch die Erde würden sich gegen die Menschen und deren Tun wehren, weil zu viel Machtgier, Profit und Rekorde im Vordergrund standen. Das Tempo, welches der Mensch vorgegeben habe, sei nicht mehr zu toppen gewesen. Ökologische Katastrophen und pandemische Krisen auf anderen Kontinenten hätten uns dagegen nur am Rande berührt. Jetzt hätten wir etwas, was alle Menschen betreffe (Video: 'Jogi Löw: "Die Erde wehrt sich gegen den Menschen"'). Natürlich ist eine solche Gaia-Theorie-Apokalyptik nicht viel weniger fragwürdig als eine zu fundamentalistisch verstandene christliche Virusapokalypse (in welcher man quasi sagen würde, Gott habe uns das Virus geschickt, und das bedeute nun den Anfang vom Ende der Welt). Natürlich muss man das heute wissenschaftlicher betrachten. Jedenfalls: immer bedeutender scheinen uns alle Probleme gleichzeitig zu beschäftigen (wie wir es uns im Aufkommen einer Apokalypse vorstellen): ökologische Probleme, pandemische Probleme, andere Probleme (ökonomische, politische, soziologische, psychologische Probleme). Wir kämpfen nicht nur gegen Viren und Buschbrände - wir kämpfen mit den ganzen Ambivalenzen dieser Zeit. Im Film "Viren - die unsichtbaren Feinde" (2017) wird gesagt, dass das 21. Jahrhundert die Zeit des Wettlaufs (bzw. Wettkampfs) zwischen Gefahren und Vorteilen der Modernisierung (Technik, Kapitalismus, Demokratie) sei. Wir möchten es vielleicht nicht ganz so dramatisch nehmen und ein bisschen beschwichtigen, sehen aber im Verlauf dieser Coronakrise durchaus wie dramatisch solche Sachen sein und werden können.




Auf dieser Seite geht es einerseits um reine Information und Entwicklungsanalyse, speziell aber auch um das Verfolgen der intellektuellen Diskussion zum Thema (in diesem Klima der Unsicherheit und Verunsicherung). Wir haben das Problem anfangs fast alle unterschätzt und jetzt stellen sich Fragen über Fragen. Wie schlimm ist das Coronavirus? Wie bedeutend ist das Pandemiethema in der heutigen und kommenden Zeit überhaupt? Sind die behördlichen Massnahmen in der zunehmenden Schärfe gerechtfertigt oder setzen sie das politische, ökonomische und gesellschaftliche Gefüge aufs Spiel? Wir wissen im Moment nicht, wie sich dieses Thema weiterentwickeln wird, aber derzeit sieht es so aus, als ob wir vor der grössten Herausforderung des Menschen seit dem Zweiten Weltkrieg und dem Aufkommen der Ökoproblematik stehen könnten (nicht nur mit diesem aktuellen Virus, sondern mit dem Pandemiethema überhaupt [Virenepidemien haben schon seit Jahren stark zugenommen, und dieses Coronavirus - richtig ist: durch das Virus SARS-CoV-2 wird die Krankheit Covid-19 [COronaVIrusDisease] ausgelöst - ist nur eine aktuelle und vorläufige Spitze in dieser Entwicklung (Liste von Pandemien und Epidemien); ausgerechnet Microsoft-Milliardär Bill Gates warnt seit Jahren vor schlimmeren Pandemien; mit Microsoft hat er die ganze Heim- und Bürocomputerwelt revolutioniert, und wir haben alle gedacht, dass er in sämtlichen Relevanzfragen bereits im Browserkrieg gegen Mozilla Firefox (2002) und Google Chrome (2008) ausgeschieden ist, und jetzt kommt der plötzlich wieder: als Prophet der Pandemie]).


Ausbruch, Entwicklung - erste (bestätigte Krankheits-) Fälle (2020): China (Mitte Dezember 2019 [erste Meldungen am 31.12. (bereits waren 27 Personen mit der Erkrankung identifiziert), erster Todesfall am 11.1.]), Frankreich (25.1.), Deutschland (28.1.), Italien (28.1. - wird rasch zum zweitstärkst und dann zum stärkstbetroffenen Krisengebiet), Schweiz und Österreich (25.2.). Entwicklung in der Schweiz: Der grosse Schock war in der Schweiz natürlich die erste Abriegelung von 'Städten' (wie die Presse vermeldete) bzw. Ortschaften in Norditalien am 23.2., dies zwei Tage vor dem ersten Schweizer Fall, und am selben Tag stoppten die Österreicher den Zugverkehr nach Italien (auch diese Meldung war etwas überrissen, zeigte aber ebenfalls ihre Wirkung). Die Situation in Norditalien, Westösterreich und der Südschweiz war sehr angespannt, weil Norditalien eben innert kurzer Zeit zum drittstärkst betroffenen Gebiet weltweit wurde (nach China und Südkorea damals - derzeit ist Italien weltweit die Nummer 2). Und das musste logischerweise in der Schweiz einen kleinen Schock auslösen*, war man doch in Bezug zu Italien mit dem stark frequentierten Grenzübergang zum Tessin das am stärksten mitbetroffene Land (diesbezüglich war die Situation im Monat vor dem ersten Ausbruch im eigenen Land relativ bis sehr ruhig). Ganz allgemein kann man sagen, dass sie - wie auch die Medien, notabene - viel zu spät reagiert haben. Spätestens, als die Lage in Italien schlimmer wurde, hätte man bereits informieren müssen. Aber: dieses Zuspätsein betrifft ja alle westlichen Regierungen... Kann man den Regierungen einen Vorwurf machen: jein!?

* Die Schweizer Behörden haben am Tag des ersten Falls in der Schweiz noch beschwichtigt, riefen aber nach drei Tagen bereits eine 'besondere Lage' aus (mit dem Verbot von Grossanlässen über 1000 Besucher). Laufend wurden die Massnahmen dann erweitert bis zum eigentlichen Notstand. Dass die Schweizer Regierung früh relativ drastische Massnahmen ergriffen hat, liegt wahrscheinlich auch daran, dass die kommunistische chinesische Regierung und die (halb-) rechtspopulistische italienische Regierung relativ rigoros vorgegangen sind. In der Folge wartete die Schweizer Regierung dann wiederum länger als alle anderen auf die Abriegelung der Grenzen und die Ausrufung des Notstandes. Dieser fiel seinerseits weniger scharf aus als in Italien oder Österreich. Die Schweizer Regierung appellierte v.a. an die Eigenverantwortung. Das war eine überraschend schweizerische Lösung (in einem positiven Sinn - allerdings ist fraglich, ob sich die Schweizer auch wirklich an die Empfehlungen halten, und so eine Ausgangssperre vermieden werden kann; und natürlich: eine bedeutende Motivation für einen relativ lockeren Lockdown besteht darin, dass die Wirtschaft möglichst gut weiterarbeiten kann [die Regierungsmassnahmen sind länderspezifisch und stehen natürlich auch in Zusammenhang mit dem spezifischen und traditionellen Verhältnis zwischen der Regierung und der Bevölkerung (in der Schweiz ist eben die Wirtschaft immer der bedeutendste Faktor - ob ein solch wirtschaftliches Denken sich auch in diesem Fall auszahlt, wird sich zeigen)]).


Webseiten: Offizielle BAG-Seite, Neuster Situationsreport der Weltgesundheitsorganisation WHO, Wirkung des Coronavirus, Unterschied Coronavirus/Grippe/Erkältung, Jennifer Rohn, Cell Biologist, Explains How a Virus Mutates and Spreads, 66 Fragen zum Coronavirus, Coronaseite des Robert Koch Instituts, Where Did Viruses Come From? (II), Glückskette (Coronasammlung), Richtiges Händewaschen, Mundschutz - jetzt doch: ja (und sogar selber machen).
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Und was sagen eigentlich die Public Intellectuals/Philosophers zum Coronavirusthema? Natürlich wird es interessant sein, die intellektuelle Debatte zu diesem Thema weiterzuverfolgen. Dies ist nicht nur ein Experiment, um zu schauen, ob die Leute den Wissenschaftlern glauben, wie De Grasse Tyson sagt, sondern auch ein Experiment, zu schauen, ob unsere Public Intellectuals und Philosophers überhaupt noch etwas zu sagen haben (und wenn ja: was genau - das ist interessiert mich natürlich einigermassen [ich bin zwar nur am Rande auch ein Public Philosopher, aber mit dieser Website hier doch immerhin im Internet präsent]). Hier sprechen also Public Intellectuals bzw. Public Intellectuals, Philosophen und auch Experten - das ist darum eine gute Mischung, wie wir sehen werden, weil wir da ein breites und doch letztlich auch kompetentes Spektrum haben.


Einschätzung zur intellektuellen Diskussion - ein Überlick. Als wir anfangs dieses Jahres in unseren Medien die leere, isolierte chinesische Stadt Wuhan gesehen haben mit ihren geschlossenen Läden und ein paar wenigen Menschen unterwegs, mit Mund-/Nasenschutz, haben wir nie geglaubt, dass so etwas auch bei uns möglich wäre. Aufgewacht sind wir halbwegs als in Italien erste Orte isoliert wurden, aber erst als die ersten Fälle in unserem Land bekannt wurden und die Regierung in unserem Land begann, immer schärfere Massnahmen zu treffen, war uns klar, dass so etwas auch bei uns passieren kann. Wir waren alle vollkommen unvorbereitet auf so etwas - leider auch die Politik. Es ging mir nicht anders als den Allermeisten. Wir rechneten nie und nimmer mit einer Pandemie - die Warnungen von Bill Gates haben wir entweder nicht gehört oder in den Wind geschlagen, weil wir dachten, dass unsere moderne Lebensweise (durch die Technik) uns vor so etwas schützen würde, dabei ist es gerade unsere moderne Lebensweise (u.a. durch die Demographie, welche uns mehr gefährdet für so etwas denn je). Im christlichen Kulturkreis verbinden wird eine solche Sache mit dem Thema der Apokalyptik - wer dies verleugnet, hat diesen Kulturkreis, in welchem der Messias zu den Heiden gekommen ist, nicht verstanden. Doch ich will mich als Philosoph sicher nicht auf ein solches Thema versteifen (und schon gar nicht auf eine 'Strafe Gottes' oder ähnliches - das ist etwas für Fundamentalisten und Extremisten; ich interpretiere die Religion durch die Philosophie [das macht man in der westlichen Kultur allgemein seit Anselm von Canterbury so (im 11. Jh. [unterbrochen von der Inquisition (seit dem 13. Jh.) und von der Pest (seit dem 14. Jh.), natürlich: den zwei Geisseln im Übergang vom späten Mittelalter zur Renaissance und zur Neuzeit; Jesus spricht: überwindet!] - der Glaube sucht einsichtig zu werden, die Philosophie sucht, die Religion nicht zu verlieren)]). Aber der Anhauch von einer apokalyptischen Situation bringt uns an den Rand unseres Verständnisses und unserer Einschätzungen. Die intellektuelle Diskussion entstand - wenig erstaunlich - mit den ersten Fällen in Europa. Es waren offenbar - auch wenig erstaunlich (jedenfalls für mich) - ausgerechnet zwei Philosophen, welche diese eröffneten: der französische Philosoph Vincent Cespedes (Inex-Begriff) und der libanesisch-US-amerikanische Philosoph Nassim Taleb (Black-Swan-Theorie). Dieser ist als Risikoanalytiker, welcher sich seit Jahren mit solchen Phänomenen sofort auf das Thema gestossen, während die besondere Aufmerksamkeit von Cespedes nicht bekannt ist. Er war einfach da, wie man halt einfach so da sein kann. Ich habe hier den Philosophen keinen besonderen Vorzug gegeben, sondern alle relevanten bzw. mir relevant erscheinenden Beiträge gesammelt (das ist eine Sammlung bzw. ein Sammelsurium von Kommentaren von Public Intellectuals zur Coronakrise). Cespedes gehört zu jenen Philosophen - und er ist der Vorreiter von ihnen, weil er eben der erste hier war - welche etwas Positives, oder sogar etwas Weltbewegendpositives, aus dieser Krise ziehen möchten, oder: das geschehen sehen. Ich betrachte dies ebenso kritisch wie auch neutral - ich rate das weder zu überschätzen, noch zu unterschätzen. Die Welt ist - so meine ich - nicht an einem Punkt, wo ein neuer Kommunismus losbricht (der dann wieder in sich zusammenbricht wie nichts), aber sie ist durchaus in einem Punkt begriffen, wo neue Gedanken und Möglichkeiten aufbrechen. Und das wird sicher interessant sein, im weiteren Verlauf dieser Krise und deren Entkrisung. Die Stimmen und Inhalte der Public Philosophers sind einigermassen gut länderspezifisch einzuordnen: typisch für die italienischen Philosophen ist ein stärkeres Temperament und ein extremerer Ton (Agamben, Cacciari, Fusaro, Galimberti, Sgarbi - bei jedem auf seine Weise, und man muss dazu sagen, dass die italienische Philosophie seit vielen Jahrhunderten nicht mehr so beachtet wurde wie in eben dieser Krise heute [zumindest von mir]), bei den deutschen Philosophen fiel ihre Beschwichtigung auf (Precht und Scobel, auch weitere Intellektuelle wie Lesch, Welzer und Yogeshwar - aus der Reihe tanzt hier, mit einigermassen irren Durchseuchungsideen*, für mich einigermassen erstaunlich: Nida-Rümelin [der hat in meinen Augen - obwohl ich ein sehr grosser Fan und Anhänger seines 'Lexikons der philosophischen Werke' bin, einiges an Bedenklichkeit dazugewonnen (den anderen kann man eine gewisse Naivität vorwerfen, aber bei ihm scheint doch auch weitere und neue Überlegung dahinter zu stehen, und das macht die Sache schwerwiegender; es ist immer schwierig in all diesen Fragen hier und heute zu urteilen, aber auch ich muss meine Meinung vertreten]), die französischen Philosophen wiederum haben alle ihre eigene Form und ihren eigenen Schwerpunkt (das sind hier etwa heterogene Philosophen wie Cespedes, Enthoven, Nancy oder Onfray - da finden sich vom Einen zum Anderen kaum irgendwelche Gemeinsamkeiten: das sind alles Individualisten ohne jeglichen Zusammenhang). Was haben wir ausser Philosopen? Auf jeden Fall keine Theologen? Denkste. Der populäre christliche Mystiker Anselm Grün etwa hat schon ein Buch zum Thema veröffentlicht (und damit dürfte er einer der Ersten gewesen sein, der schon nach wenigen Wochen bereit war mit einem Buch zu diesem so überraschend gekommenen Thema [natürlich nicht aus marketingstrategischen, sondern aus rein seelsorgerischen Gründen]). Jetzt geht es um das Eingemachte, und das ist natürlich auch eine Sache der Theologen (u.a.). Und doch stehen sie überhaupt nicht im Vordergrund. Da stehen - ausser die Philosophen - v.a. die Virologen und die Ökonomen. Ja, es scheint sogar ein gewisser Streit zwischen diesen zu entstehen, jedenfalls habe ich in einer Talk-Sendung, in welcher es um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise ging, schon gehört, dass sich Wirtschaftsvertreter darüber beklagen, dass wir (bzw. unsere Regierungen) nur noch den Virologen folgen, und alles andere (v.a. die Wirtschaft) ausser Betracht lassen würden. Ja, ein Streit zwischen der Wirtschaft und der Wissenschaft ist in der spätmodernen Zeit eine einigermassen interessante und brisante Sache (gingen doch die Beiden in der Moderne bisher Hand in Hand - aber wir haben schon seit dem Aufkommen der ökologischen Wissenschaft gewisse Differenzen gesehen). Unter den Public Intellectuals dieser Zeit finden sich v.a. linke Ökonomen (zuletzt von Interesse etwa: Krugman, Piketty, Sedlacek [dieser scheint sich bisher nicht geäussert zu haben zum Coronathema]) und technokratische Virologen (Drosten, Kekulé, Piot). Was soll man dazu sagen? Das passt irgendwie nicht so ganz zusammen, und das könnte auch ein grösseres Problem in dieser Krise sein. Wir haben keine ausgewogene Vertretung bei den Public Intellectuals der Ökonomie, und wir haben Virologen, die sich schwertun, andere Gebiete als ebenso bedeutend wie ihr eigenes Gebiet zu anerkennen, was allgemein ein Problem ist unter Wissenschaftlern und Intellektuellen, und hier geht es ja zuallererst einmal um ein Virus, und damit um die Virologie. Dieser Streit wird interessant weiterzuverfolgen sein, und es gibt viele andere Dinge, Gebiete, Fragen, die ferner auch noch interessant wären, aber ich kann natürlich hier nicht in das letzte Detail gehen - es ist ja nur ein kleiner Überblick. Last, but (for us) not least, möchte ich mich noch ganz kurz mit der Schweizer Debatte befassen. Man kann das natürlich immer überheben, bis zum Geht-nicht-mehr fast, und behaupten: die Direkte Demokratie ist die politische Spitze, und daher ist die Schweiz interessant für alle (und unsere Intellektuellen haben vielleicht nicht immer ganz den Ausdruck, aber immer einen bemerkenswerten Eindruck, wenn man es genau betrachtet, was man leider immer viel zu wenig tut). Abgesehen von allen Fragen dazu, hat es ganz einfach nicht die Weltbedeutung, die man ihm (als Schweizer) vielleicht geben möchte. Die Anderen haben andere Ideen, und sie haben ihre Argumente dafür, item. Was ich generell zur Schweizer Diskussion bisher sagen kann, ist dies: dass es mir erscheint, dass hier nicht alle oder fast niemand alles gegeben hat (Bärfuss, Binswanger, Kohler, Meyer - ausser Blocher, natürlich: der gibt immer alles [auf seine Art und Weise]). Die Philosophen spielten im 20. Jahrhundert in der Schweiz praktisch keine Rolle. Die bedeutendsten Schweizer Philosophen des 20. Jahrhunderts (Häberlin, Künzli) kennt heute niemand mehr. Das war früher ganz anders: die Philosophen spielten in der Schweiz sowohl zur Zeit der Aufklärung, wie bei der Staatsgründung, wie auch bei der Herausbildung der Direkten Demokratie eine bedeutende Rolle. Die heutige Schweiz definiert sich mehr denn je über die Politik und deren Wirtschaft (die freiheitliche Wirtschaft in der [Direkten] Demokratie). Was braucht es da überhaupt noch Philosophen? Und wer bleibt noch? Zizek, Chomsky, Silva. Ich kann nicht viel über sie sagen: sie bringen das, was man sich gewöhnt ist - das gehört zum Interessanteren in der intellektuellen Diskussion, aber von den Socken reisst das auch nicht viele. Chomsky hat offenbar keine Lust mehr, sich selber zu überbieten, Zizek bleibt ebenso solid wie angreifbar, Silva ist originell, ja: teils sogar spektakulär, aber immer auch ein bisschen skurril. Und von denen, die sich noch nicht geäussert haben, ist nun auch keine wahre Offenbarung zu erwarten (etwa Friedman [völlig im Abseits derzeit], Sandel [traditionell mit relativ wenig zufrieden] oder Sloterdijk [er immerhin mit der zynischen Vernunft und den Regeln für den Menschenpark in idealer Startposition, aber vielleicht möchte er gar nichts mehr dazu sagen, jetzt: wo sein Zeitpunkt eigentlich gekommen wäre, spät, aber so ist es, ich weiss es nicht - u.a.]). Und bei alledem fragt sich natürlich auch: wo sind die neuen Stimmen, Gesichter und Typen?? Die betrübliche Antwort - welche auch betrüblich sein könnte für diejenigen, welche von dieser Krise mit dem Virus zu viel Weltveränderung bzw. -verbesserung erwarten ist (Bude, Cespedes, Kohler, Meyer, Silva, Welzer, Zizek [die Einen erwarten die Solidarität, die Anderen die Empathie]): es gibt sie nicht (ausser natürlich den Virologen [Drosten, Kekulé], die man vorher nicht gehört hat - aber wir wollen ja nicht die ganze kommende Menschheit nur noch mit den Virologen zubringen [und selbst diese Krise ist ja eben viel komplexer, als dass alleine die Virologen dazu gefragt wären]). Da ist absolut niemand (bisher, und die Krise ist bereits drei Monate alt - und das ist für mich sehr viel mehr als bloss erstaunlich und betrüblich). [1.4.2020 (kein Aprilscherz).]

* Wie man in der Zukunft mit solchen Pandemien umgeht - und was es in Zukunft für Philosophen geben wird - das weiss ich nicht (es wird darauf ankommen, wie sich das alles entwickeln wird). Aber im heutigen Zeitpunkt der Menschheitsentwicklung und der Geschichte zwischen Menschen und Viren kann ich mir eine bewusste und absichtliche Durchseuchung irgendeiner Art aus den verschiedensten Gründen überhaupt nicht vorstellen. Das allerstärkste Argument gegen solche Theorien ist für mich jenseits aller Berechnungen, jenseits aller medizinischen Kapazitäten, und sogar jenseits eines allgemeinen humanistischen Arguments, die rechtliche Frage. Ein solches Vorgehen könnte in den Einzelfällen evtl. als Mord angeklagt werden, und Politiker, welche solche Massnahmen anordnen würden, könnten evtl. dafür juristisch belangt werden.

Eine Weltveränderung/-verbesserung erwarte ich nicht von einem Virus, welches - was sie selber nicht zustandebringen - die Solidarität zusammentreiben und aufbranden soll, sondern von der (Selbst-) Verantwortlichkeit des Menschen. Wenn wir selbstständige und -verantwortliche Menschen wollen, müssen wir ihnen die Möglichkeit geben, sich und die Welt spielerisch zu erfahren. Der Spielphilosoph und -theoretiker Brian Sutton-Smith sagt: «Die Schule der Zukunft täte deshalb gut daran, Spiel und Kunst mehr in den Mittelpunkt zu stellen und die Formen zur Entwicklung der Fertigkeiten aus ihnen hervorgehen zu lassen. Unter einem solchen System hätten wir bessere Gewähr dafür, dass das Kind nicht durch die Prozesse der Verschulung systematisch seinen eigenen Erfahrungen entfremdet wird, sondern dass die ihm mögliche Expressivität und Erfindungsgabe eine primäre Rolle im Leben an der Schule spielt. Die Massenkultur der Zukunft mit ihrer gewiss unumgänglichen Reglementierung des öffentlichen Verhaltens kann schwerlich überdauen, wenn sie nicht Bürger hervorbringt, die innovativ genug und genügend spielfähig (engl. playful) sind, um ständig neue Lösungen zu formulieren und den Unabänderlichkeiten einer solchen Kultur die Mannigfaltigkeit hinzufügen.» (Brian Sutton-Smith: "Die Dialektik des Spiels" [1978]). Was er von der Schule fordert, sollten wir eigentlich vom ganzen Bildungs- und Erziehungssystem fordern (Familie [Primärstufe], Schule [Sekundärstufe], Medien [Tertiärstufe]). Ich bin auch der Meinung, dass wer ein besseres Verständnis für das Spiel hat, auch ein besseres Verständnis für den Ernst entwickeln kann (gegenüber denjenigen, welche den Ernst immer so ernst betrachten, dass sie ihn plötzlich gar nicht mehr richtig ernst nehmen können). Die Welt wird nicht besser durch eine Solidarität, welche aus dem Nebel kommt und wieder dahin verschwinden wird - nicht einmal alleine durch die Solidarität - sondern durch einen (besseren) Sinn, welcher sich etabliert unter den Menschen.

Und wenn wir etwas aus der Krise lernen können, sind es natürlich v.a. zwei Dinge: dass wir uns in einer Krise besser organisieren müssen (oder überhaupt), und dass wir uns (weltweit) besser auf eine Krise vorbereiten müssen. Das wäre oder ist auch ein positives Verständnis von Wissenschaft, notabene: SAVOIR POUR PRÉVOIR. Ich glaube nicht, dass der Technikglauben in der Menschheit abnehmen wird - wie Liessmann sagt - ganz im Gegenteil: er wird gerade auch durch diese Krise weiter zunehmen. Was aber langfristig abzunehmen droht: das ist das Wissenschaftsverständnis (dabei hätten wir gerade in der Krise die Chance - ich spreche also auch bereits mitten in der Krise von einer Chance - zu sehen, wie komplex die Wirklichkeit ist: dass wir viele Faktoren in einer solchen Krise berücksichtigen müssen, an welche wir im ersten Moment gar nicht gedacht haben; und das ist nicht nur in der Krise so, sondern eigentlich auch in der 'Zeit der Normalität'). [2.4.2020.]

P.S. Ich komme langsam aber sicher an die Grenzen der Beschäftigung mit dieser Stimmen der Intellektuellen - schliesslich sollte ich die Krise auch noch für mich selber bewältigen und dann an meinem nächsten Buch arbeiten. Es ist extrem schwierig, sich mit dem ganzen Zeug, was da behauptet wird, auseinanderzusetzen. Da sind so viele Halbwahrheiten und Unüberlegtheiten dabei, dass man immer wieder fassungslos ist, auf eine Art und Weise. Und zwar nicht nur, wenn die Philosophen reden, sondern auch wenn die Virologen oder die Ökonmen reden, welche je die Sicht des anderen vergessen oder herunterspielen - und teils widersprechen sich auch die Virologen und Ökonomen unter sich. Es fällt mir immer schwieriger, da noch etwas dazu zu sagen. Und das ist natürlich das, was ich schon lange beobachte, was ich jetzt aber einmal auf dieser Spitze von einer Krise noch etwas genauer beobachten wollte. Was wir hier sehen: diese Uneinigkeit unter Wissenschaftlern (eigentlich) ist ein Phänomen, welches uns noch weiter beschäftigen wird. Wenn Abaelard einst sagte, dass die Kirchenväter sich uneins sind, so können wir heute sagen, dass sich die Wissenschaftler uneins sind (mit unabsehbaren Folgen, notabene). Es wäre ein grosses Wort, zu sagen, dass die Coronakrise das 'Ende der Wissenschaft' bedeutet, aber ich bin nahe daran, es zu sagen. Natürlich würde ich es schon aus dem Grund nicht sagen, weil ich ein Verteidiger der Wissenschaft bin - ebenso wie der Philosophie und der Religion.

Ein bedeutendes Problem sind natürlich auch die Medien: sie bringen nicht die wirkliche Befindlichkeit unter den Gelehrten zum Ausdruck, sondern sie bringen bloss einzelne Stimmen. Damit besteht in einer solchen Krise die Gefahr, dass die Wissenschaftsmeinung verzerrt wiedergegeben wird. Was die Wissenschaft wirklich denkt, wissen wir in der Coronakrise bzw. in einem Problem, welches so urpl&aouml;tzlich auftritt und so rasch gelöst werden sollte, nicht (weil wir nur einzelne Stimmen [und Gegenstimmen] hören).


Vincent Cespedes (Französischer Philosoph, Komponist und Pianist - seit 26.1.). Er scheint (mit Taleb [siehe unten]) der Erste gewesen zu sein, welcher sich mit seinem Format Philo-Live auf seinem Youtube-Kanal intellektuell zu diesem Thema gemeldet hat (ohne Gewähr): 'Penser la pandémie' (26.1. [01:43:05]). Glorreicher Titel! Dies ist ein Ausschnitt: 'Contrôler la critique par la philosophie' (27.1. [02:20]). Dabei griff er den Pandemiebegriff auf - ein Tag nach dem ersten Fall in Frankreich, welcher auch der erste Fall in Europa gewesen ist, notabene - um (analog der rechten Diskussion über 'politische [In-] Korrektheit') über 'philosophische (In-) Korrektheit' zu sprechen bzw. einen Mainstream, welcher die wahre Kritik verhindere. Er übertrug also den Begriff ('pandémie des idées critiques') quasi auf seine eigenen philosophischen Interessen: «Nous sommes dans une pandémie du vide de penser.» Natürlich sprach er auch über die tatsächliche Pandemie, allerdings stand doch dieser innerphilosophische Link (quasi) im Vordergrund. Er spricht u.v.a. etwa allgemein über die Krankheit, den Tod und die Angst vor dem Tod oder über menschliche bzw. humanistische Solidarität*, aber nicht über die wirklichen Folgen für die Gesellschaft (dabei geht es ja eigentlich eher um sozialen Abstand als um soziale Solidarität [oder: um diese verrückte heutige bzw. pandemische Wendung von sozialem Abstand als sozialer Solidarität]). Nach diesem Beitrag zur Pandemie hat Cespedes einige weitere Videos zu anderen Themen gemacht - er behandelte dieses Thema also nicht irgendwie prioritär (wie die Medien dies tun). Hier gibt es ein weiteres, zweites Philo-Live von Cespedes zum Thema: 'Politique & Philosophie' (15.3. [01:41:03] - er sagt hier, er sei anfangs ausgelacht worden, als er das Ereignis als ernsthaft bezeichnete; er ruft dazu auf, die Älteren zu schützen und er freut sich auf die kommende Diskussion um die Werte in dieser Gesellschaft und erwartet davon eine Weltverbesserung - er sieht sogar ein 'paradis de philosophie' in dieser Situation, was für mich eher ein bisschen zynisch tönt; auch in diesem Ausschnitt gibt es reichlich Zynismus: 'Philocovid - 5ème jour (extraits)' [22.3. (02:41)]). (Erst) Seit dem 17.3. ist Cespedes voll auf die Philosophie zur Pandemie eingestiegen: aus seinem Philo-Live-Format hat er kurzerhand ein Philocovid-Format mit langen, täglichen Live-Beiträgen gemacht (er ist quasi vom Philocovid-Virus infiziert worden: es gibt einige Philosophen, die aktiv sind jetzt, aber ist quasi hyperaktiv geworden). Seine Botschaft ist und bleibt: 'Créons une communauté connective!' (18.3. [02:19]). Interessant, dass Cespedes, welcher - wie gesagt - vermutlich der Erste war, welcher sich zu diesem Thema zu Wort gemeldet hat, nun quasi daraus auch eine grosse Sache machen möchte: sein Thema - das Virus und die Verbesserung der Welt (Cespedes spricht sogar von einem 'virus philosophique' und von einem 'révélateur philosophique', welche uns und die Welt verändern werden [in einem positiven Sinn, durch eine kollektive Intelligenz, für welche er in seiner Philosophie das Wort 'inex' (von: nexus) erfunden hat] - das mag auch ein bisschen blauäugig sein und fast ein bisschen an die erste Euphorie mit dem Kommunismus erinnern, dagegen die Circle-Filmkritik - mit dem Wir-Gefühl zum realexistierenden Überwachungshorror [vgl. Film: "The Circle" (2017)] - ein bisschen ausblenden, aber es wirkt authentisch, und daher könnte es auch interessant werden - aber die neue (postkommunistische) Einstellung der (kritischen) Philosophie, wie wir hier sehen, stimmt auch nachdenklich: gleichzeitig idealistisch wie auch zynisch [ob dies wirklich ein guter Nährboden ist für die Zukunft?? (können wir überhaupt noch nicht-zynisch denken in der Phase von Corona oder sollten wir es nicht doch wenigstens versuchen?)]). Cespedes im Fernsehen: 'Philosopher sur le Covid-19' (M6 Info, 27.3. - er spricht hier von einem konnektiven Denken ['pensée connectif'- natürlich bleibt das relativ schlagwortartig (und erinnert mich auch an das Vernetzte Denken in der New-Age-Philosophie)]).

* Im Grunde gehe es ihm v.a. um Humanismus, sagt Cespedes: «Plus il y a de l'humanisme, plus on lutte contre une pandémie.» Er beendete sein erstes Philo-Live-Video mit einer wirklich schönen Erklärung zum Humanismus vom französischen Philosophen Vladimir Jankélévitch: «Quand deux homme l'un à l'autre étranger et inconnu l'un pour l'autre se rencontrent dans la solitude d'un désert, dans la montagne ou au milieu de l'océan. Ces deux hommes seules se saluent. Ils entrent en rapport sans avoir le besoin d'être présenter l'un à l'autre. Ils se serrent la main sans autre forme de protocol. Ils sont seuls dans la nature hostile, mais ils se connaissent déjà parce qu'ils sont tous les deux des hommes. C'est là, dans la nature hostile, leur fraternité essentielle.» (Wenn nur immer alles so einfach wäre - aber trotzdem.)


Nassim Taleb (Libanesisch-US-amerikanischer Autor, Statistiker, Risikoanalytiker und Philosoph - seit 26.1.). Er befasst sich mit dem Faktor der Unsicherheit und führt eine eigene Website; von Taleb stammt die Black-Swan-Theorie (diese handelt von überraschenden Ereignissen, die zu Hauptereignissen werden, die inadäquat rationalisiert werden und deren Vorhersehbarkeit später arg überschätzt wird). Taleb gehört zu den ersten Public Intellectuals, welche auf die Pandemie reagiert haben: 'Systemic Risk of Pandemic via Novel Pathogens - Coronavirus: A Note' (26.1. - der Artikel von Joseph Norman, Yaneer Bar-Yam und Nassim Nicholas Taleb findet sich auch auf der Website). Er spricht von Verteilungen mit fetten Verteilungsenden (engl. fat-tailed distributions) in der Wahrscheinlichkeitsbetrachtung. Taleb sagt, dass das klassische Risiko-Management in der Coronakrise nicht genügen wird. Er meint weiter, dass die Menschheit eine einzelne solche Krise überstehen wird, vielleicht aber «keine Chance habe» eine ganze Abfolge von solchen Krisen zu überstehen (was immer das heissen mag, das lässt er offen - was wir uns vorstellen bei solchen Worten, ist: Chaos!?). Solche Prozesse würden einhergehen mit einer grossen Unsicherheit. Klassische Reaktionsweisen seien in diesem Fall fatalistisch, während korrekt ausgewählte aussergewöhnliche Massnahmen einen grossen Nutzen bringen würden. Klassische Methoden wie Isolierungen oder Kontaktverfolgungen würden rasch an ihre Grenzen stossen, notwendig sei eine Einschränkung der Mobilität in einem sehr frühen Stadium des Ausbruchs (Anm. wir haben in der Folge eine Kombination all dieser Handlungsschritte gesehen [wobei mit der Einschränkung der Mobilität anfangs etwas gezögert wurde]). Offenbar erstellte Taleb gerade eine Studie zum Thema (hier). Weitere Artikel (u.a.): 'The UK's coronavirus policy may sound scientific - It isn't' (The Guardian, 25.3. - er kritisiert hier die 'disaströse These der Herdenimmunität', welche nur eine aufgepimpte Version des Einfach-nichts-tun-Ansatzes sei; wir [bzw. die Briten] hätten Wochen verschlafen, und es bleibe jetzt nur noch der Lockdown, hyperaktives Testen und Contact Tracing nach chinesischem und südkoreanischem Vorbild). Videos: 'Nassim & Yaneer discuss super spreaders, optimism on lock downs, & ergodicity' (19.3. [05:31]), 'Nassim & Yaneer discuss making decisions with uncertainty and how acting early would have cost less' (20.3. [09:07]).

Talebs Analysen tönen im ersten Moment recht theoretisch. Kann man eine Pandemie mit reiner Theorie lösen? Theoretischer Weise schon - in der Praxis gibt es freilich heute noch grosse Schwierigkeiten (wir sehen es in diesen Zeiten). Im Prinzip sagt Taleb ähnliches, wie wir es etwa im Film "Unseen Enemy" (2017) hören («frühe Identifizierung, präzise Diagnose und sofortiges Handeln»), in welchem Experten sprechen, die an der Front frührer Epidemien und Pandemien gearbeitet haben - nur versucht er es quasi wissenschaftlich festzulegen. Weiter muss man dazu sagen, dass es sich hier eigentlich um exponentielle Phänomene und Mathematik handelt - also keine Sache, die bis dahin völlig unbekannt gewesen wäre. Was Taleb neu zu solchen Ereignissen anführt, ist eine massenpsychologische Seite.

[Anm. Ich bin erst relativ spät auf Taleb gestossen, erst am 25.3. - natürlich gibt es bei einer solchen Betrachtung nur die raschesten und strengsten Massnahmen. Es lief aber realiter nicht so, sondern die Regierungen in Europa zögerten - lange nach Ausbruchs der eigentlichen Epidemie (in China), beim Auftreten erster Fälle in ihrem Land - und brachten damit die ganze Diskussion auf um den Sinn und Unsinn von deren Massnahmen. Die Menschen waren nicht vorbereitet auf das, was passiert ist. Daher ist hier auch die ganze Diskussion in der Entwicklung gegeben, wie sie auch tatsächlich stattgefunden hat. Auch ich war unvorbereitet und habe mich gewundert über die Schärfe der Massnahmen (die im Grunde ja eben noch viel schärfer hätten sein müssen), weil wir dies in der westlichen Gesellschaft so nicht kennen, ich habe mich aber sofort daran angepasst (und dann auch gemerkt, wie schwierig die Situation wirklich ist [bevor ich obigen Film gesehen und hier eingefügt habe]). Es ist wirklich erstaunlich, wie geringschätzig das Pandemiethema bisher in der westlichen Welt behandelt wurde.]


Dirk Müller (Deutscher Börsen- und Wirtschaftsspezialist - seit 27.1.). Er wird als 'Mr. Dax' bezeichnet und kann mittlerweilen auch zu den Public Intellectuals gezählt werden. Müller betreibt einen eigenen Youtube-Kanal und ist einer der aktivsten, ernsthaftesten und bedeutendsten frühen Beobachter des Themas: 'Situation kritischer als dargestellt' (27.1. [16:08]). Er ruft zur Nüchternheit auf und meint, die Herkunft des Virus sei derzeit keine wichtige Frage. Weitere Videos (u.a.): 'Es rollt ein Tsunami auf uns zu - Vergessen Sie alle Bilanzzahlen!' (11.3. [01:41]), 'Jetzt wird alles in Frage gestellt' (16.3. [03:37] - Müller sieht die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Katastrophe auf uns zukommen und beurteilt die Regierungsmassnahme diesbezüglich als «überstark» [eine gewagte Aussage, angesichts der Probleme, die einige Länder schon haben]), 'Zwangsimpfungen - in Dänemark jetzt unter Einsatz von Söldnertrupps möglich!' (18.3. [01:33] - Müller sieht unvorstellbare Zwangsgesetze und Freiheitsberaubungen auf die westliche Welt zukommen), 'Nach deflationärem Schock droht schlagartige Preisexplosion' (19.3. [04:08]), 'Grotesk! Ausgangssperre: Politik selbst für mangelnde Vorsicht verantwortlich!' (20.3. [03:49]), 'Zwangspause ist eine riesige Chance!' (21.3. [02:30]), 'Lasst uns in Solidarität investieren!' (25.3. [05:26] - ein bemerkenswerter Versuch, die Situation, in der lokalwirtschaftlichen Dimension quasi, plötzlich toller zu reden, als sie wirklich ist). Gespräch mit einem bedeutenden Internet-Broker: 'Die Bundesregierung hat versagt' (LYNX-Broker, 25.3. [30:08]). Auch Müller beklagt sich (wie Cespedes), dass er anfangs ausgelacht wurde, als er die Situation früher als andere ernst nahm, und dass solche Leute anfangs als Verschwörungstheoretiker bezeichnet worden seien. Wirtschaftlich und börsenmässig spricht er von einer vollkommenen Unsicherheit: «Es kann auch passieren, dass das Ding noch weiter abrauscht, und da gibt's keine Garantie, wo der Boden ist.»

Im Gegensatz zum Mainstream der aktuellen deutschen Elite in Politik, Medien und auch Philosophie fällt Müllers Regierungskritik ziemlich klar und gnadenlos aus. Einerseits hat er sich das quasi verdient und herausgenommen, weil er zu den relativ frühen Warnern des Themas gehörte - zu einer Zeit, wo alle anderen noch auf ihrem Generalbeschwichtigungskurs waren - andererseits ist doch eben auch zu sehen, dass alle Regierungen in Europa zu spät reagiert haben (zumindest von den zuerst betroffenen Ländern). Interessant: dass man an den Börsen solche Krisen vielleicht sogar vor der Politik und der Philosophie riecht (vielleicht müsste man da bei ähnlichen Entwicklungen das nächste Mal etwas genauer hinschauen [wobei es halt eben auch an den Börsen immer solche und solche gibt, wie Müller auch selber sagt, bzw. Beschwichtiger und Hysteriker, was im einen Fall dienlich sein kann und im anderen vielleicht eher nicht]).

[Er ist hier v.a. auch vertreten, weil es zu diesem Zeitpunkt scheinbar keine anderen Verlautbarungen zum Thema von deutschen Intellektuellen gab (und auch weil er die wirtschaftliche und politische Seite sehr kritisch betrachtet).]


Paul Krugman (US-amerikanischer Ökonom - seit 28.1.). Er ist einer der populärsten Ökonomen der USA und Kolumnist bei der New York Times: 'No, Team Trump, the Coronavirus Isn't Good for America' (New York Times, 30.1. - um diesen Artikel lesen zu können, muss man ein Login machen; den Kommentaren nach zu schliessen, sagt Krugman in diesem Artikel, dass die Us-amerikanische Rechte [mit der Trump-Administration] auf die Coronakrise gleich schlecht reagiere wie auf die Finanzkrise 2008 - sie könne nicht mit der Wahrheit umgehen, meint Krugman). Videos: 'Paul Krugman on the Coronavirus' (28.1. [01:24], gepostet am 1.2. - in dieser konservativen Talk-Show meinte er, dass die heutigen Industriestaaten sehr gut mit Krisenlagen umgehen könnten, und dass er keine Ahnung vom Virus habe), 'Paul Krugman explains his concerns about the economic impact of the coronavirus' (27.2. [01:12] - es komme auch wirtschaftlich ein 'big deal' auf uns zu, meint Krugman hier, v.a. aufgrund der Unterbrechung der Lieferketten).


Peter Piot (Belgischer Mikrobiologe - seit 28.1.). Seit der Ebolakrise in Westafrika ist er eine der bedeutendsten Kapazitäten bezüglich Virenkrankheiten in der Öffentlichkeit. Er scheint zuerst bei CNBC International aufgetreten zu sein (ohne Gewähr): 'China coronavirus a 'global health emergency,' medical expert says' (CNBC International, 28.1. [04:35]). Weitere Videos (u.a.): 'World Health Organization should have declared global emergency earlier' (CNA, 31.1. [05:04] - Piot nimmt es hier relativ gelassen, dass die Regierungen ein bisschen spät reagiert haben, er ist zufrieden, dass sie reagiert haben*), 'Professor Peter Piot, Director of the London School of Hygiene and Tropical Medicine' (Talks at GS, 27.2. [25:22] - er sagt hier, die Welt sei viel verletzlicher geworden; bei SARS sei das Virus tief in der Lunge, bei Covid-19, welches weniger tödlich sei als SARS, dagegen im Hals, und daher sei es übertragungstechnisch viel gefährlicher [Ebola ist noch viel tödlicher, wird aber nur bei sehr engem Kontakt übertragen] - das Beste [Hilfe] und Schlechteste [Rassismus] komme aus den Menschen). 'Coronavirus is going to be 'everywhere'' (CNN, 19.3. [21:08] - er meint, dass wir sehr rasch handeln müssen, und dass wir mehrere Wellen haben werden und die erste ein paar Monate dauern wird: das Virus werde letztlich überall sein), 'Coronavirus: More Threatening Than Other Viruses?' (Asia Society, 20.3. [01:00:06] - jeder Tag sei anders bei Covid-19, meint Piot; er zweifelt daran, dass ein Lockdown in den westlichen Gesellschaften lange zu halten ist - wichtig sei jetzt Kommunikation und Koordination, und wir seien am Lernen für die nächsten Pandemien), 'Q&A with Peter Piot about Covid-19' (20.3. [22:58] - dies ist eine Runduminformationssendung: Viren sind überall, sagt Piot, dies ist ein Planet der Viren, die insgesamt mehr wiegen als alle [übrigen?] Lebewesen [daher, aufgrund all der Mikroben, ist ja auch die Hygiene so bedeutend, notabene]; er erklärt hier u.v.a., was wir jetzt alle wissen sollten: dass die Ansteckung in allererster Linie deshalb verhindert werden soll, um das Medizin- und Spitalwesen nicht massiv zu überlasten). Die Videos mit Piot sind sehr interessant und informativ (er ist ja eben auch einer der kompetentesten Experten zu diesem Thema).

* Abgesehen von der direkten Reaktion der Regierung bemängle ich v.a. auch, dass jene Länder, die früher hätten informieren können, dies nicht getan haben - alle haben gewartet, bis die Krankheit bei ihnen nachgewiesen wurde (und auch dann noch ist die Information langsam angelaufen [und war von anfänglichen Beschwichtigungen und Herunterspielen geprägt]).

Piot trat bedeutend etwa in dieser Sendung bereits vor der Krise auf: 'Are We Ready for the Next Pandemic?' (The Royal Institution, 24.10.2018 [01:01:55]). Was die Experten allgemein betrifft - v.a. Experten, welche sich an der Front mit solchen Viruserkrankungen auskennen - ist es natürlich erstaunlich, dass sie sich nicht früher, stärker und lauter in die Diskussion eingemischt haben. Gut, sie wurden auch nicht in grossem Stil gefragt, weder von den Politikern noch von den Medien, aber man kann ja auch auf sich aufmerksam machen, wie etwa Prof. Aguzzi (siehe: oben) in der Schweiz (als es um den Lockdown ging). Es ist halt so, dass Intellektuelle relativ selten sofort auf die Barrikaden gehen (und die Anderen ja sowieso eher schon überhaupt gar nicht [die ganze soziale und ökologische Bewegung, so auch die Aufklärung und die Bürgerrevolution, sind wesentlich von Intellektuellen ausgegangen; dies muss einmal hier erwähnt werden, in einer Zeit, in welcher die Intellektuellen allgemein keinen allzu guten Ruf geniessen]).


Christian Drosten (Deutscher Virologe - seit 29.1.). Er ist eine der grössten Kapazitäten der Virologie im deutschsprachigen Raum und wurde zum pandemischen Gesicht Deutschlands während der aktuellen Krise (er ist Koentwickler des ersten Diagnostiktest zum Coronavirus-2 [am 16.11.]). Erstmals geäussert hat er sich offenbar in einem Interview im WDR: 'Corona-Virologe: 'Normalbürger müssen keine Angst haben'' (WDR, 29.1.). Er beschwichtigt hier noch sehr stark und meint, als Normalbürger müsse man keine Angst haben, sich anzustecken - die Behörden hätten die Lage gut unter Kontrolle. Ferner gab er ein Interview im Rundfunk Berlin-Brandenburg: 'Prof. Dr. Christian Drosten: Coronavirus-Experte' (rbb/Talk aus Berlin, 30.1. [30:19] - er sagt hier, die Übertragung sei eher nicht so leicht [er vergleicht es mit SARS - später wurde gesagt, die Übertragung sei deutlich stärker als bei SARS]; ob Deutschland bedeutend betroffen sein würde, war für ihn zu diesem Zeitpunkt noch offen - wie in späteren Sendungen gibt er sich sehr beschwichtigend und sagt, er habe vor Viren gar keine Angst, da wir viele Dinge tun könnten). Weitere Videos (u.v.a.): 'Wie gut ist Deutschland vorbereitet?' (ZDF/Maybrit Illner, 28.2. [Ausschnitt - 17:07] - hier sagt er, die Behördenmassnahmen seien genau richtig; Regierungskritik wehrt er ab), 'Kontraproduktive Fragen' (11.3. [02:51] - hier kritisiert er die politische Berichterstattung gegenüber dem wissenschaftlichen Journalismus und wirft ihr kontraproduktive Fragen vor; er kritisiert auch die heutige Form des Bezahljournalismus im Wissenschaftsbereich [das elitäre Zeitungssystem an sich kritisiert er jedoch nicht]). Drosten ist derzeit in Deutschland allgegenwärtig - sogar an Bundespressekonferenzen nimmt er teil. Seit dem 3.3. führt Drosten im NDR einen vielbeachteten Podcast zum Coronavirus mit regelmässigen Updates.


Christoph Blocher (Schweizer Unternehmer und Politiker - seit 31.1.). Er ist seit vielen Jahren die Stimme der rechten Politik in der Schweiz (und kann als einer von wenigen renommierten rechten Public Intellectuals im deutschsprachigen Raum bezeichnet werden [er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Zürich, Montpellier und Sorbonne/Paris]). Erstaunlich früh sprach er auf seiner Website Teleblocher über das Coronavirus. Blocher bezieht sich dabei auf eine Demokratiekritik* des Schriftstellers Bärfuss (vom 12.1. [im "Blick"] - ohne direkten Coronabezug): 'Coronavirus, Fredi Heer und Lukas Bärfuss' (Teleblocher, 31.1. - im letzten Teil der Sendung). Auf der Teleblocher-Website und dem entsprechenden Youtube-Kanal gibt es weitere Videos zur Coronakrise in der Schweiz aus Blochers Sicht.

* Er spricht über die Coronamassnahmen der chinesischen Regierung und meint, in einer Diktatur würde alles viel schneller gehen, aber die Demokratie sei besser für den einzelnen Bürger. Das stimmt so natürlich nicht so ganz. Ein schlechter Diktator kann eine solche Situation nicht vernünftig bewältigen (siehe rechtspopulistische Staatschefs: Johnson soll nach eigener Aussage bei einem Spitalbesuch sogar demonstrativ Coronapatienten die Hand gegeben haben, um die Krise herunterzuspielen, und hat sich dann als erster Staatschef mit dem Virus angesteckt; zudem neigen autoritäre Regierungen dazu, die Dinge zu verharmlosen und zu verleugnen, was normalerweise nicht für ein rasches Reagieren in der Krise spricht [offenbar war das im Fall von China hier ein bisschen anders, weil man sofort gesehen hat, wie gross das Problem in der hauptbetroffenen Region tatsächlich war]). Und hier haben wir derzeit gar keine reguläre Demokratie mehr, sondern einen AUSNAHMEZUSTAND (wie in einem Krieg, nur ohne General eben - eine generelle Demokratiekritik passt auch nicht zur jetzigen Situation). Das ist kein demokratisches Problem mehr, was wir hier jetzt vor uns haben. Die Demokratie kann nicht sagen, dass sie einfach halt langsamer ist, und daher eine Krisensituation langsamer angeht. Dafür gibt es ja den Ausnahmezustand. Herr Duttweiler sagte einmal, dass sich der Kapitalismus gegenüber dem Kommunismus beweisen müsse und nicht einfach im Voraus als das bessere System bezeichnet werden könne. Und genau so ist es auch mit der Demokratie. Sie muss sich beweisen - und wir können darüber urteilen, ob sie das zufriedenstellend macht oder nicht.

Blochers Tochter, Frau Martullo-Blocher, trat im Schweizer Parlament mit einer Gesichtsmaske auf (am 2.3.) und sorgte dabei für Diskussionen. Das Parlament verbot ihr das Tragen der Maske. Das Bundesamt für Gesundheit BAG gab in der Schweiz die Weisung heraus, dass in der Öffentlichkeit keine Masken getragen werden sollen, da diese keinen effektiven Nutzen bringen würden (und vielleicht sogar dazu verleiten könnten, sich zu sicher zu fühlen). Das Schweizer Parlament brach die Session am 15.3. bis auf Weiteres unvermittelt ab (nachdem es am 9.3. noch gemeinsam beschlossen hatte, die Früjahrssession trotz Coronavirus nicht abzubrechen). So viel ich weiss, ist es das erste Parlament, welches sich in dieser Phase (zumindest zwischenzeitlich) quasi selber aufgelöst hat (ohne Gewähr: dies mitten in der Diskussion der Wirtschaftsmassnahmen, so dass man verzweifelte Parlamentarier auf dem Bundesplatz mit dem Moderator der Kassensturzsendung sprechen sah - selbst das italienische Parlament tagte jedenfalls weiter - mit Masken; in keiner anderen Massnahmen waren die Schweizer sonst die ersten). Erstaunt war ich in dieser Frage v.a. darüber, dass im digitalen Zeitalter keine Alternativen für diese Situation bereitgestanden sind. Im allerallerschlimmsten Fall wäre es ja auch möglich, (Video-?) Sitzungen mit Fraktionsvorsitzenden abzuhalten, die im Kontakt sind mit ihren Leuten stehen - aber das Parlament in einer solchen Krisenzeit Knall auf Fall einfach auf unbestimmte Zeit selber abzubrechen, aufzuheben oder aufzulösen, oder was immer das auch sein mag, das scheint mir eine ziemlich absurde Situation zu sein.


Diego Fusaro (Italienischer Philosoph - seit 31.1.). Er ist ideologisch-marxistisch geprägt, führt sehr umtriebig einen eigenen Youtube-Kanal, fährt auf der verschwörungstheoretischen Linie und präsentiert quasi eine linke Gegenverschwörungstheorie (wonach die USA das Virus zur Destabilisierung Chinas eingesetzt haben könnten) zur rechten Verschwörungstheorie (wonach die Chinesen es, bewusst oder unbewusst [durch ein technisches Versagen], freigesetzt hätten)*. Videos: 'Allarme Coronavirus - Qualcosa non torna' (31.1. [05:30]), 'Cosa sta accadendo in Cina? La verità sconvolgente che tengono nascosta' [12.2. (04:50)], 'Lombardia isolata - L'incubo continua - Ecco gli sviluppi' [8.3. (04:29)] - hier meint er, die Situation sei schwerwiegend, und es gehe darum, Menschenleben zu retten [damit ist er von der theoretischen auf eine praktische Ebene gekommen]), 'Tutta l'Italia da ora è zona rossa - E adesso il peggio, con tanto di MES' (9.3. [02:46] - mehr politische Propaganda gegen den Liberalismus und die EU [und überhaupt alles, was nicht kommunistisch ist]). Weitere Videos: 'Viene trascurato il retroscena politico' (La7 Attualità, 2.2. [01:39] - hier bezeichnet er das Virus als ein [politisch, strategisch] intelligentes Virus), 'Possibile guerra batteriologica che mette all'angolo la Cina' (La7 Attualità, 14.2. [01:31]), 'I dubbi sulla coincidenza del virus, Cina e Italia sono sotta attacco?' (Radio Radio TV, 27.2. [04:04] - hier sagt er, dass auch Italien angegriffen worden sei), 'Emerge il deficit dell'Europa a nocumento dell'Italia' (La7 Attualità, 7.3. [02:44] - usw. usf., etc. etc.). Nachdem Fusaro mit seiner Theorie stark auf das Coronathema fokussiert war, hat er sich schon bald wieder anderen Themen und v.a. allgemeiner Systemkritik gewidmet; das Coronathema an sich ist ein bisschen in den Hintergrund gerückt, soweit dies in der aktuellen Situation überhaupt möglich ist (zudem publiziert jetzt auch die Journalistin und Autorin Enrica Perucchietti auf seinem Kanal, welche von einer orwellhaften Situation spricht: 'Orwell realizzato - Geolocalizzazione e controllo coi droni' [23.3. (07:20)]).

Problematisch natürlich: eine Verschwörungstheorie über eine technische Herkunft des Virus behindert die Aufklärung über die Gefahr von natürlichen Viren (und es scheint sehr viel logischer - aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte - dass hier ein natürliches Virus vorliegt [und dass Fusaro bloss politische Propaganda betreibt [ohne letzte Gewähr, natürlich] - man kann das freilich, etwa milder bewertet, auch einfach als Metapher für seine Philosophie betrachten; das Beispiel zeigt immerhin, dass die Verschwörungstheorien längst auch den Bereich der Philosophie erreicht haben]). Fast ein bisschen zynisch mutete diese philosophische Idee an, als im Verlauf der Pandemie immer klarer wurde, dass die USA das hauptbetroffenste Land der Welt sein wird.

Anm. Offenbar hatte - wie "Blick" hier schreibt - ein chinesischer Epidemiologe an einer Pressekonferenz am 27.2. die Theorie, dass das Virus aus den USA komme, erstmals in China vertreten - Fusaro war aber fast einen Monat früher dran (ob er der erste ist, weiss ich nicht [laut Kaiser Kuo (siehe unten) ist Zhao Lijian, der Sprecher des chinesischen Aussenministeriums, der Urheber dieser Theorie (Datum unbekannt)]). Bei der chinesischen Theorie handelt es sich aber offenbar darum, dass Grippekranke in den USA eigentlich das Coronavirus gehabt h¨tten, und dass es so in die USA gekommen sei (hier gibt es einen Artikel rund um die Verschwörungstheorien und Anschuldigungen [aus chinesischer Sicht]).


Slavoj Zizek (Slowenischer Philosoph - seit 3.2.). Er ist vermutlich (etwa mit Chomsky und [in Deutschland] Precht) der gefragteste Public Philosopher dieser Zeit und tritt auch zu diesem Thema als Gastkolumnist in verschiedenen Zeitungen und Medien auf: 'Clear racist element to hysteria over new coronavirus' (RT [Russia Today], 3.2. - auch Cespedes und Fusaro sprechen von antichinesischem Rassismus: dies ist die bedeutendste Stossrichtung dieser ersten Kommentatoren [!]), 'Mein Traum von Wuhan' (Die Welt, 5.2. - nur für Abonnenten: offenbar spielt Zizek in diesem Artikel die Coronaepidemie noch herunter!?), 'What the coronavirus & France protests have in common (and is it time for ORGIES yet?)' (RT, 20.2.), 'Coronavirus is 'Kill Bill'-esque blow to capitalism and could lead to reinvention of communism' (The Greanville Post, 28.2. - auch er verbindet hier etwas opportunistisch Philosophie und Pandemie: «but maybe another - and much more beneficial - ideological virus will spread and hopefully infect us: the virus of thinking about an alternate society»), 'Wie Verdrängungskünstler: wie das Coronavirus uns verändert' (NZZ, 4.3. - hier macht es sich Zizek ungewohnt einfach, indem er quasi eine andere Person durch sich sprechen lässt [Frau Kübler-Ross] und auch nicht wirklich über die biologische Pandemie spricht, sondern über die psychologische Verdrängung), 'Global communism or the jungle law, coronavirus forces us to decide' (RT, 10.3. - Zizek sieht den Siegeszug eines globalen Kommunismus gekommen), 'What I like about coronavirus' (LNW, 16.3.), 'Biggest threat Covid-19 epidemic poses is not our regression to survivalist violence, but BARBARISM with human face' (RT, 19.3. - Zizek meint, in der Krise seien wir alle Sozialisten, er fürchtet sich aber von einem Experten-Barbarentum mit einem freundlichen Gesicht [mehr als vor einem sozialen Chaos]). Video: 'Coronavirus situation is way too serious to be in panic' (RT, 15.3. [10:18] - hier bezeichnet er das Virus als lächerlich [!?], trotzdem sieht er eine neue Weisheit kommen [siehe: Cespedes]; ein Problem einer opportunistischen Krisenbeglückwünschung zur Weltverbesserung ist natürlich die Frage, wie die Leute in Zukunft Freude am Leben haben sollen [ein medizinisches Welthilfesystem zur Verhinderung des Schlimmsten reicht dazu wohl nicht aus]). Zizek spricht einerseits von Hysterie, andererseits von Verdrängung - wie ein vernünftiger Umgang mit dem Problem aussieht, bleibt offen (ebenso wie die Frage, wie kritisch die Krise denn wirklich ist).

In seinen bisherigen Artikeln vergleicht er die Coronavirusepidemie auch immer wieder mit der Spanischen Grippe 1918-1920, ohne zu analysieren, wie sich die Welt seither verändert hat - wie sensibel etwa die Wirtschaft und das ganze System, aber auch die Leute selber, geworden sind (die Spanische Grippe ist im Ersten Weltkrieg, in welchem Europa zum ersten Mal im totalen Chaos versunken ist, unter den Soldaten aufgekommen, die 1920-er Jahre brachten eine Nachkriegsdepression bis zur grossen Weltwirtschaftskrise 1929, welche der Vorauslöser für den Zweiten Weltkrieg war - alles Dinge, die wir eigentlich lieber nicht mehr erleben möchten). Sämtliche Vergleiche mit dem Coronavirus scheinen zu hinken - es ist weder mit dem normalen Grippevirus vergleichbar, noch mit der Spanischen Grippe; und das ist eben typisch für alle neuen Viruskrankheiten: man weiss nie so ganz, was da genau auf die Gesellschaft zukommt.

Zizeks Rede vom 7.12. (bei der Holberg-Debatte in Bergen [Norwegen]) enthält dagegen trotz dem offenbar später aufgepeppten, kernigen Titel überhaupt nichts über das Coronathema, siehe: 'Slavoj Zizek on China, Capitalism and the Global Apocalyptic Pandemic' (Event: 7.12.2019 - Video: 3.2. [02:38:35] - interessant ist dieses Video für das Verständnis der allgemeinen Haltung von Zizek).


Alexander Kekulé (Deutscher Arzt und Biochemiker - seit 6.2. [oder vermutlich anfangs Februar]). Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und wurde in Deutschland zur Expertengegenstimme zu Drosten (und der medienpräsenteste Public Intellectual zu diesem Thema im deutschsprachigen Raum). Dies ist der erste Artikel, welchen ich bisher von ihm gefunden habe (er sagt aber darin, er habe in jener Woche schon viele Interviews gegeben): 'Mit dem Coronavirus können wir gut klarkommen' (MDR, 6.2.). Er sagt, dass es viele Behörden in Deutschland gebe, die sagen würden, das Grippevirus sei viel schlimmer, aber das sei schlichtweg falsch. Die Sterblichkeit sei beim neuen Coronavirus deutlich höher. Aus China habe es anfangs geheissen, dass es keine Mensch-zu-Mensch-Übertragungen gebe, aber das sei wohl eine bewusste Fehlinformation der chinesischen Behörden gewesen. In Deutschland sei man extrem gelassen, er könne nicht sagen, ob die Massnahmen ausreichen würden. Ein Gegenmittel gegen das Coronavirus zu finden, sei extrem schwierig, weil es sich genetisch sehr schnell verändere. Aus der nüchternen Sicht eines Virologen sei dies ein sehr wichtiges Ereignis, aber eines, mit welchem die Industrieländer ganz gut klarkommen könnten (ob die Virologen wohl auch an die Wirtschaft und die Gesellschaft gedacht haben??). Weitere Artikel (u.v.a.): 'Wir müssen damit rechnen, dass solche Erreger im Land sind' (Stern, 25.2. - er sagt hier, dass man das Coronavirus in Italien anfangs oft mit der Grippe verwechselt habe, selbst in Krankenhäusern; er fordert daher in Deutschland mehr Tests). Video: 'Was Deutschland gegen das Coronavirus tun muss' (ZDF/Lanz, 27.2. [26:41]), 'Hysterie und Angst: Wie gefährlich ist das Corona-Virus?' (ARD/Hart aber fair, 2.3. [01:59:18]), 'Notstand & Ausgangssperren in Deutschland?' (ARD/Anne Will, 16.3. - Ausschnitt: Wir haben viel Zeit verschlafen - die letzte Verteidigungslinie gegen Erkrankungen sind die Menschen selber, wenn die Regierung nichts gemacht hat [dazu muss man aber sagen, dass Kekulé am Anfang ja sagte, er wisse nicht, ob die Massnahmen ausreichend seien: die Kritik an diesen kam auch bei ihm eigentlich etwas zu spät - als er dann als Kritiker gefragt war, wurde sie immer heftiger]). Er hat auch (analog zu Drosten) einen eigenen Podcast beim MDR. [Weiteres folgt.]

Am 31.3. vertrat Kekulé im Gegensatz bis zur dahin üblichen Praxis in Europa die Meinung, dass Schutzmasken in der Öffentlichkeit getragen werden sollten. Er meinte, damit könnten rund 50% der Ansteckungen vermieden werden (SAT.1/Bild Corona Spezial, 31.3. [04:37]). Wenn das nur annährend stimmt, dann sind wir in Europa von den Politikern ziemlich schamlos belogen worden (in der klassischen Manier: es besteht ein Mangel, dieser wird schögeredet und deswegen ein anderes Handeln empfohlen, um einen glauben zu lassen, dies sei das richtige Handeln [und plötzlich hört man: es ist eigentlich doch umgekehrt]). Der Wind in der Maskenfrage drehte sich als (zuvor) am gleichen Tag die österreichische Regierung das Tragen von Masken beim Einkaufen zur Pflicht erklärte. Österreich hat überhaupt - mit Italien - die strengsten Massnahmen in Europa ergriffen (10.3. Schliessung der Grenze zu Italien, 15.3. Quasi-Ausgangssperrre, 31.3. Maskenpflicht beim Einkaufen).


Thomas Piketty (Französischer Ökonom - seit 12.2.). Er ist derzeit vermutlich der bedeutendste Public Economist (manchmal auch als 'Starökonom' bezeichnet - dies aufgrund der Publikation seines Werkes "Le Capital au XXIe siècle" [2013 - das tönt relativ unspektakulär im Prinzip, aber trotzdem]). Der erste Artikel von ihm zum Thema ist vielleicht dieser (am 12.2., ohne Gewähr - die Coronakrise ist hier nur angetönt: auf das Coronavirus angesprochen, meint Piketty bloss, die nächste Krise werde bestimmt kommen [noch kein Wort davon, dass sie mit Sicherheit mit diesem Problem kommt]). Bedeutender ist etwa dieser Artikel: 'Crise économique mondiale: pour Thomas Piketty, le Covid-19 est l'arbre qui cache la forêt' (L'OBS, 15.3.). Er ruft in Erinnerung, wie sehr wir ökologisch und sozial (soziologisch) in Rückstand sind (das sind meine Worte!). Die Krisen seien exakt präsent - da sei dieses Virus, eine gesundheitliche/medizinische Krise. Für Piketty soll die Coronakrise uns dazu führen, neue Entscheidungskriterien in der globalen ökonomischen Regierung zu finden. Erstaunlicherweise sagt Piketty auch, dass die ökologischen und sozialen Risiken nicht gleich ausschauten wie eine Epidemie, aber von denen man die schwerwiegende langfristige Bedeutung kenne. Ich denke, man kann heute sagen, dass die Coronakrise die sozialen Faktoren recht stark in Mitleidenschaft ziehen wird, und wie das mit der Ökologie ausschaut, das zeigt sich dann (es gibt Zyniker, die sagen, dass es der Ökologie besser gehe, seit der Mensch gedownlockt ist, aber das ist ja sehr zynisch: wir wollen ja nicht eine billige Ökologie ohne Menschen, sondern wir wollen die Umweltverträglichkeit [und Sozialgerechtigkeit - so meine Worte] des Menschen, und zwar eines aktiven und fröhlichen Menschen). Ferner: : 'Krise zeigt den Regierungen ihre Macht' (Tiroler Tageszeitung, 15.3. - die Krise würde den Regierungen zeigen, meint Piketty, dass sie die Wirtschaft stark beeinflussen könnten; die Leute würden sehen, dass Homeoffice funktionieren würde).

Während Piketty vorwiegend oder ausschliesslich auf linke Instrumente setzt, vertrete ich den Dritten Weg, welcher einen Ausgleich zwischen Liberalismus und Sozialismus sucht (allerdings nicht am Reissbrett - wie bei früheren Erwägungen - sondern praktisch-politisch).

[Anm. Ich habe diesen Artikel erst am 26.3. geschrieben, daher schreibe ich hier schon von 'gedownlockten Menschen', was zum Zeitpunkt des Artikels von Piketty noch nicht der Fall war. Er spricht sogar noch immer von einer Epidemie, obwohl die WHO die Coronakrise schon am 11.3. als Pandemie einstufte.]


Bill Gates (US-amerikanischer Unternehmer und Microsoft-Gründer - seit 15.2.). Er nimmt eine bedeutende Stellung in dieser Problematik ein, indem er vor der aktuellen Krise der gröste Warner vor neuen globalen Pandemien war. Er äusserte sich zuerst offenbar beim AAAS (American Association for the Advancement of Science) meeting in Seattle (ohne Gewähr): 'Bill Gates warns of 10 million deaths as Coronavirus spreads to Africa' (The Telegraph, 15.2. - die Meldung ist nur für Abonnenten einsehbar; Gates warnt vor einer Katastrophe, wenn die Seuche in Afrika ausbricht [wenige Stunden bevor der erste Fall in Kairo (Ägypten) gemeldet wurde]). Weitere Texte (u.a.): Responding to Covid-19 - A Once-in-a-Century Pandemic?' (The New England Journal of Medicine NEJM, 20.2. - sein Lösungsansatz ist sehr allgemein, einfach und unspektakulär: jetzt Leben retten und dann die Infrastruktur verbessern; er macht sich grosse Sorgen um die ärmeren Länder, welche mit ihrem schlecht ausgerüsteten Gesundheitssystem grosse Probleme bekommen könnten aufgrund der schnellen Verbreitung des Coronavirus), 'Bill Gates says the coronavirus is a pandemic and a 'once-in-a-century pathogen' - here are the solutions he's proposing to fight it' (Business Insider, 29.2.). Videos (u.a.): 'How we must respond to the Covid-19 pandemic' (TED, 25.3. [51:50]), 'Bill Gates outlines what he thinks world is learning about pandemics' (27.3. [10:28] - er sagt hier, dass die Möglichkeit gross ist, dass in der kommenden Zeit noch viel schwierigere Pandemien auf uns zukommen werden).

Im Januar habe ich bisher noch kein Statement von Gates gefunden, aber es gab zu diesem Zeitpunkt schon eine irre Verschwörungstheorie im Internet, wonach Gates selber hinter dem Virus stecken soll (andererseits gab es im Januar auch bereits Verschwörungstheorien, die sagten, das Virus sei sehr viel schlimmer, als man uns - zu diesem Zeitpunkt - glauben mache [das hat sich leider bewahrheitet]).

In diesem TED-Talk (u.a.) warnte Bill Gates vor neuen Pandemien: 'The Next Outbreak? We're Not Ready' (TED, 3.4.2015). Es gibt viele weitere Aussagen von Gates zu diesem Thema, so warnt er z.B. vor dem Zusammenbruch der Lieferketten - den Effekt, welchen jetzt die Ökonomen feststellen. Er trat auch in der Netflix-Serie "The Next Pandemic" (2019) auf (Trailer, Artikel).


Giorgio Agamben (Italienischer Philosoph - seit 25.2.). Er ist einer der bekanntesten italienischen Philosophen dieser Zeit und äusserte sich in der kommunistischen Tageszeitung il manifesto: 'Lo stato d'eccezione provocato da un'emergenza immotivata' (il manifesto, 25.2.). Er meint, die Ausrufung des Ausnahmezustands bringe Panik und schränke die Freiheit schwerwiegend ein. Wir empfinden dies als Vermischung von vielem - aber der Marxismus geht eigentlich von Selbstbestimmung und -verwirklichung aus - in diesem Zusammenhang ist diese Kritik, die man eher von einem Liberalisten erwarten würde (von diesem aber - in der Schweiz - nicht unbedingt kommt [siehe: Artikel der NZZ, welche (noch) drastischere Massnahmen fordert]), logisch. Er spricht in diesem Artikel weiter von einer 'vermeintlichen Epidemie' und stösst damit, im Ton etwas weniger marktschreierisch als andere, ins selbe Horn wie die meisten italienischen Intellektuellen zu dieser Zeit (welche der Regierung masslose Übertreibung vorwerfen). Er befürchtet, dass der Ausnahmezustand zum normalen Paradigma der Regierung werde. Weitere Artikel: 'L'invenzione di un'epidemia' (quodlibet.it, 27.2.), 'Nach Corona: Wir sind nurmehr das nackte Leben' (NZZ, 18.3. [der Artikel erscheint auch in anderen Formaten, u.a. auf der Website von Stanford University] - er sagt hier, der Ausnahmezustand werde zum Normalzustand, wir hätten die Freiheit zugunsten der Sicherheit geopfert, es gehe nur noch ums nackte Überleben, und die Angst treibe die Menschen auseinander, nicht zusammen; seltsam sei es, dass die Kirchen dazu schweigen würden [gesellschaftlich relativ düstere Aussichten - von einem enttäuschten Marxisten? (leider hilft uns keine [einzelne] politische Einstellung gegen das Virus - weder der Marxismus noch der Liberalismus: das Virus ist unpolitisch, interessant aber: Agamben ist ein Marxist mit einer existentialistischen Dimension [von welcher man vielleicht auch noch etwas hören wird])]).


Marco Hirt (Schweizer Philosoph - seit 25.2.). Siehe: 'Pandemieseite' auf der Website (das ist diese Seite hier - mit täglichem Update; diese Seite entstand am 7.3, vorher gab es bereits Kommentare auf der Homepage: seit 25.2. [am Tag des ersten Schweizer Falls]).

Was vertrete ich hier für Positionen? Sicher einmal, dass es zu einem so aktuellen und kontrovers diskutierten Thema interessant ist, viele verschiedene Stimmen zu hören und zu analysieren. Sicher auch, dass mir die Stimmen von Public Intellectuals und Philosophers wichtiger sind, als der reine Wildwuchs im Web oder auch als die blosse Darstellung in den Massenmedien. Ich nehme die Situation sehr ernst, und schaue über diese hinaus - das aktuelle Thema ist für mich ein Aufhänger für eine vergangene, gegenwärtige und v.a. eben auch zukünftige Pandemiediskussion. Im Westen und überhaupt wird das Pandemiethema derzeit erstmals so richtig ernstgenommen. Wir sehen, dass es eine grosse Beeinträchtigung der Lebensqualität in der Gesellschaft bedeuten kann, und dass wir es daher zu den bedeutenderen Menschheits- und Weltproblemen zählen müssen (daher auch diese Seite hier, aus aktuellem Anlass). Philosophisch interessant ist das Thema, weil es so schlecht in die Philosophie hinein passt: man möchte es eigentlich lieber der reinen Medizin übergeben, aber wenn alles auch ein philosophisches Thema ist, dann auch dies. Sicher ist es - mit den ganzen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen - ein politisches Thema (und schon alleine deswegen auch ein philosophisches Thema, da alles, was politisch ist, auch die [politische] Philosophie betrifft). Daher ist es auch so interessant für mich, zu schauen, wie die Public Philosophers bzw. die anderen Public Philosophers mit diesem Thema umgehen. (Konkretere Aussagen zu konkreteren Punkten finden sich auf dieser Seite.)


Massimo Cacciari (Italienischer Philosoph - seit 27.2.). Er äusserte sich offenbar erstmals zum Thema in der Zeitung Libero (der Artikel ist leider nur für Abonnenten einsehbar, aber es gibt dieses Video davon): 'Cacciari azzera Conte sul coronavirus: l'errore che pagheremo caro' (Libero, 2.3. [01:47] - Zeitungsartikel: 27.2.). Auch Cacciari greift v.a. die Regierung an. Er findet, man könne in der heutigen Welt gegenüber einer solchen Katastrophe nicht dermassen unvorbereitet sein*. Er spricht ferner etwas fatalistisch - vielleicht aber realistisch (angesichts der weiteren Entwicklung der Krise in Italien) - von einer unkontrollierbaren Notlage. Weitere Videos (u.a.): 'Il governo è in confusione' (La7 Attualità, 5.3. [02:36]), 'L'Europa? Dobbiano constatarne il fallimento - Si salvi chi può' (La7 Attualità, 27.3. [03:08] - Cacciari weist etwas resigniert darauf hin, dass die wirtschaftliche Situation in Italien ohne europäische Hilfe dramatisch werden wird). Weitere Artikel: 'Il coronavirus è la pietra tombale sull'integrazione europea, sarà la Cina a risollevare l'Italia' (Business Insider [Italia], 16.3. - das interessanteste bisherige Interview zum Thema von Europa: er sagt hier, das Coronvirus sei der Grabstein der europäischen Integration, es sei also China, welches Italien wieder hochhelfen werde [auch Fusaro hatte das schon angetönt, indem er neben den USA die EU auch kritisierte, und fragte, wer die echten Freunde Italiens seien - so früh würde ich die EU nicht abschreiben, aber die italienischen Bedenken sind in dieser Situation verständlich; Cacciari meint, das zukünftige Europa sei ein Desaster für die schwachen Länder, es fragt sich aber, ob es ohne die EU besser wäre oder nicht noch viel schlimmer]). Von den italienischen Philosophen scheint er derjenige zu sein, welcher mit den wenigsten ideologischen Eigeninteressen direkt bei der Sache ist (auch wenn er etwas später als die anderen auch noch zu extremen Wendungen gekommen ist [ruhig Blut scheint in Italien derzeit niemand mehr bewahren zu können (was zeigt, wie schwierig die Situation in diesem Land auch politisch werden könnte)]).

* Das gilt natürlich nahezu für alle westlichen Regierungen! Und es ist vielleicht die Kritik, die man am Grössten herausstellen muss (im Hinblick auf andere mögliche Katastrophen und Krisen). Dürrenmatt sagte einmal, dass derjenige, welcher sich am Besten vorbereite, am Härtesten vom Schicksal getroffen werde. Das mag vielleicht auch stimmen, trotzdem würden wir nicht sagen, dass wir uns - bei dieser Technik, die wir heute führen - als Gesellschaft nicht adäquat auf die Krisen und Katastrophen der Technik vorbereiten sollten. Das ist oder wäre ja auch gerade das entschleunigende Moment (wenn wir ein solches wünschen): dass wir uns die Technik nur noch in dem Masse erlauben, wie wir sie auch wirklich einigermassen sinnvoll verantworten können.


Jean-Luc Nancy (Französischer Philosoph - seit 27.2.). Er gehört zu den bedeutendsten französischen Philosophen der letzten Jahrzehnte bzw. der nachfoucaultschen Zeit, steht in der Tradition von Dekonstruktion und Phänomenologie - wie passt das zusammen? (Derrida und Husserl? - die Philosophie bringt alles zusammen) - und publizierte seinen ersten Artikel zum Thema in einer italienischen Zeitung: 'Eccezione virale' (Autonomia, 27.2.). Nancy kritisiert dabei Agamben ('einen alten Freund'): dass dieser das Coronavirus mit einer normalen Grippe verglichen habe. Es ist doch eher selten, dass sich akademische 'Philosophenkollegen', wie wohl sie so oft verschiedener Meinung sind, in den Medien so korrigieren, daher ist dieser Einwurf von Nancy (zumal in einer italienischen Zeitung) bemerkenswert. Aus dem Einwurf ist eine kleine eigene Diskussion entstanden - siehe: 'Coronavirus and philosophers' (European Journal of Psychoanalysis). Video: 'Un trop humain virus' (17.3. [15:56] - die Art und Weise wie Nancy das Coronavirus umarmt, um es als quasi-philosophische Kraft einzusetzen [obwohl er es auch als brutal und ungerecht verdammt], erscheint [mir] ein bisschen befremdlich [ähnliche Tendenz wie bei Cespedes, notabene, nur etwas nüchterner vorgetragen; für manche Philosophen scheint der Virus fast so etwas zu sein wie der Rebell, welcher sie selber nicht sind (weder politisch noch philosophisch - die Rede von Nancy hört sich am Ende an wie eine wohltemperierte Grabesrede: der Mensch könne nicht zu viel sein, meint er, abschliessend [und kein Wort mehr davon, dass er immer wieder so viel zu wenig sein kann bzw. ist])])


Vittorio Sgarbi (Italienischer Kunstkritiker und Politiker - seit 27.2.). Er brachte sich mit einem völlig aufgebrachten Votum - einige sagen: mit einer persönlichen Show - im italienischen Parlament in die Diskussion ein: 'Non è peste, è tranello di Salvini' (La Repubblica, 27.2. [04:38]). In diesem Votum verharmlost er die Epidemie, spricht von Wahnsinn (es gebe keine Notlage!) und hält der Regierung eine Attacke auf das Veranstaltungs-, Kultur- und Kunstwesen vor. Er führt auch einen eigenen Youtube-Kanal mit weiteren Videos zum Thema. Ferner (u.a.): 'È una cosa ridicola, tutte le influenze sono incurabili' (La7 Attualità, 27.2. [02:33] - hier spricht er von antiitalienischem Terrorismus), 'Non è un'epidemia perché non c'è rischio di morte' (La7 Attualità, 27.2. [03:04] - er spricht hier vom 'Virus der Politik'), 'La vera peste è aver detto le bugie' (La7 Attualità, 29.2. [03:17]). Die politische (und philosophische!) Diskussion war in Italien viel heftiger als hierzulande bzw. in nördlicheren Gebieten - mittlerweilen ist sie jedoch stark zurückgegangen.

Wenn wir solche Worte hören, wie Sgarbi sie hier vorführt, dann dürfen wir nicht vergessen, dass Italien quasi das Tor des Virus zur westlichen Welt gewesen ist (wo man solche Massnahmen, wie sie jetzt von fast allen Regierungen getroffen werden, zuvor nicht im Ansatz gekannt hat [ausser in der Zeit des Faschismus, vielleicht]). Dass man sich also hier in einem frühen Stadium dermassen für die Freiheit wehrte, ist verständlich (zumal in Italien immer ein bisschen unstabile politische Verhältnisse herrschen und die aktuelle Regierung, eine Regierung aus Sozialdemokraten und Rechtspopulisten ist). Das erstaunt mich weniger, als die überlegene Gelassenheit, die unseren Breitengraden vorgespielt wird (wie lange wird sie halten?).


Hans-Werner Sinn (Deutscher Ökonom - seit 27.2.). Er äusserte sich offenbar zuerst in diesem kurzen Interview (zu finden auf seiner Website): 'Ökonom Sinn für 'Kurzarbeitergeld' wegen Coronavirus' (ntv, 27.2. [03:21]). Texte: 'The World Is at War' (Project Syndicate, 16.3. - er spricht von einem Krieg gegen das Virus, fordert Massnahmen, die es stoppen, nicht bloss dessen Entwicklung verlangsamen, und schlägt Steuererleichterungen und öffentliche Bürgschaften zur Verhinderung von Bankrotten vor), 'In Europa droht die Vergemeinschaft der Schulden' (Die Welt, 20.3. - dieser Artikel ist nur für Abonnenten lesbar). Video: 'Die Welt im Corona-Schock' (Wirtschaftsrat Bayern, 18.3. [01:04:52]). Ein sehr informatives Video. Dass Italien in Europa besonders betroffen ist, hängt nach ihm mit besonders starken Chinakontakten zusammen (viele chinesische Touristen, besonderes Handelsabkommen, viele Chinesen, die in Italien arbeiten). Er weist darauf hin, dass der deutsche Bundestag sich im Jahr 2012 über eine Studie von einem modifizierten SARS-Virus ('Modi-Sars') befasste, in welchem dies als wenig wahrscheinliches Szenario betrachtet wurde (Sinn sagt, man finde diese Studie online: auf den offiziellen Seiten habe ich das nicht gefunden, hier gibt es Auszüge). Die Studie sagt u.a., dass eine zweite Welle gefährlicher werden könnte als die erste, weil die Leute dann weniger bereit sein könnten, noch einmal harte Massnahmen auf sich zu nehmen. Sinn meint, die Coronakrise treffe auf eine (deutsche) Wirtschaft, die bereits im Abschwung begriffen sei (Gründe: Schwache Weltkonjunktur, Trump, Brexit, Energiewende). Die Zinssätze befinden sich auf einem sehr tiefen bis einem Null- oder sogar Negativ-Niveau. Jetzt kommt die Corona-Crash - Hauptprobleme: Zusammenbruch der Lieferketten, Wegsperrung der Kunden (entspricht einem wirtschaftlichen Transaktionsverbot). Prognosen Sinns: starke Rezession, wenn nicht Depression. Klassische Konjunktur- und Geldpolitik kann hier nicht angewendet werden (da nicht einfach bloss der Konsum angeheizt werden kann). Bankrotte sollten mit massiven staatlichen Eingriffen vermieden werden (evtl. auch durch Verstaatlichungen oder Teilverstaatlichungen, z.B. durch staatliche Anteilsscheine). Kurzarbeiterentschädigung ist nach Sinn besser als Entlassung in die Arbeitslosigkeit. Der Staat kann nicht alles retten, da er von der Wirtschaft und durch die Wirtschaft lebt, daher sind die Möglichkeiten des Staates beschränkt. Sinn verwirft die Forderung der Grünen, in der Krise «noch mehr Klimaschutz» zu machen, wir hätten derzeit andere Sorgen - das ist natürlich ein fragwürdiges Statement, denn die Pandemiekrise hängt ja eben vermutlich auch mit ökologischen Problemen zusammen (zudem könnte ein Einbruch der ökologischen Politik die gesamten Fortschritte diesbezüglich in den letzten Jahren zunichte machen). Da kommen wir fast wieder in einen quasi-apokalyptischen Teufelskreis hinein, in welchem uns alle Probleme gleichzeitig beschäftigen. Sinn begrüsst dagegen ein grosszügiges Geschenk Deutschlands für Italien (reine Nachbarschaftshilfe, ausserhalb der EU).


Umberto Galimberti (Italienischer Philosoph, Soziologe und Journalist - seit 28.2.). Er spricht von einem Terror vom Coronavirus, welches aber keine Furcht hervorrufen kann, weil gar kein Objekt für eine Furcht vorhanden sei, da wir das Virus und dessen Herkunft kennen würden. Er spricht von 'angoscia' anstelle von 'paura' (leider ist mein Italienisch nicht das Beste - paura = Furcht/Angst, angoscia = Angst/Beklemmung? - philosophisches Geplänkel zum genauen Wortgebrauch [in einem etwas schwierigen Moment]), und er verlangt Weisheit im Umgang mit der Situation und fordert, auf politische Polemik zu verzichten. Videos (u.a.): 'Sul coronavirus' (Feltrinelli Editore, 28.2. [13:35]), 'Parlerei di angoscia, non paura' (La7 Attualità, 29.2. [01:32]), 'Coronavirus, le ristposte degli scienziati' (Mediaset, 2.3. [04:26]), 'Sono veramente meravigliato dall'isteria collettiva' (La7 Attualità, 8.3. [01:37] - Galimberti entnervt über den Niedergang der freiheitlichen Gesellschaft!).

Die intellektuelle Diskussion in Italien ist mittlerweilen - angesichts der wahren Tragik in den norditalienischen Spitälern - ziemlich verstummt. Natürlich hat Galimberti recht, dass die Regierungen immer stärker in die Freiheit der Menschen eingreifen, bis zu Ausgehverboten, was man so in Europa niemals für möglich gehalten hat. Schlimmer noch: wir wissen nicht, wie lange das dauern wird - es könnte länger sein, als viele meinen. Was ist oder wäre die Alternative dazu gewesen. Vermutlich bloss die heroische Direktkonfrontation der ganzen Gesellschaft mit dem Virus - dies hätte vermutlich eine unglaubliche Zahl an Todesopfern bedeutet und eine strukturelle Veränderung der Gesellschaft. Die vielen Krankheitsfälle würden auch so ein Durcheinander in der Wirtschaft und Gesellschaft bedeuten (selbst wenn man bloss die älteren und besonders gefährdeten Personen mit einem Ausgehverbot belegen würde [wie würde sich aber die Ethik dazu verhalten: wenn man bloss bestimmte Gruppen unter solch scharfe Massnahmen stellt?]). Fakt ist aber: wir wissen nicht, was diese (seltsame) Alternative bedeutet hätte. Wir wissen nicht einmal, was der Weg bedeutet, den wir eingeschlagen haben.


Raphaël Enthoven (Französischer Philosoph - seit 29.2.). Er trat u.a. bei France tv auf: 'Coronavirus: une semaine de psychose' (France tv/C l'hebdo, 29.2. [22:13]). Enthoven spricht (wie Galimberti) v.a. über die Angst: «C'est la peur qui est le virus.» Er verweist an mehreren Stellen auf das weltberühmte Buch "La peste" von Camus (1947 - «une livre sur le courage malgré le désespoir») - vermutlich das berühmteste Buch der Weltliteratur über das Pandemiethema überhaupt (Film 1992 [ganzer Film - Erhebung von Solidarität, Freundschaft und Liebe, doch die existentialistische Absurdität kann nie ganz aufgehoben werden]). Artikel: 'Le virus du délire se répand plus vite que le coronavirus' (L'Express, 14.3. - nur für Abonnenten lesbar).


Steven Pinker (US-amerikanisch-kanadischer Psychologe - seit 1.3.). Er - bekannt als spätmoderner Vertreter der Aufklärung - hat offenbar am 2. März noch ein Interview gegeben ohne jeglichen Bezug zur Coronakrise, sich aber am 1. März mit diesem Tweet auf Twitter gemeldet. Gefunden habe ich das auf einer rechten Medienseite: siehe nachfolgender Kommentar zum Tweet (Pinker sagt, das Virus sei eines von vielen Zeichen dafür, dass der Neonationalismus destruktiv sei, ein Antipode antwortet, dass Viren Träger benötigen, und dass diese durch Grenzen gestoppt werden können).

Eine interessante Frage natürlich: ist das Virus ein Zeichen für die Internationalität oder den Nationalismus? Beides, natürlich, anfangs ist die internationale Zusammenarbeit gefragt, dann der nationale Zusammenhalt (wenn die internationale Zusammenarbeit zu wenig gut funktioniert hat und aus einer Epidemie eine Pandemie geworden ist [gerade im vorliegenden Coronafall kann man natürlich aber auch einwerfen, dass es v.a. Chinakontakte waren, die Europa in Gefahr gebracht haben; das stimmt vermutlich, aber man wird auch in Zukunft internationale wirtschaftliche Kontakte nicht verbieten können und/oder wollen, und wir können auch die Entwicklung der Verkehrs- und Transport- sowie der Informations- und Kommunikationstechnologie nicht rückgängig machen, oder aufgrund der besseren Technik die Leute unterdrücken, was ein ausgesprochen dystopisches Szenerio ist - ferner sind die Kontakte ja auch politisch nötig, um die Lebens- und Hygienestandards in der Welt zu verbessern; oder ist es tatsächlich so, dass wir uns aufgrund von Mikrobengefahren stärker national abschotten werden, als dies je bisher der Fall war?, das ist eigentlich wirklich fast undenkbar: diese Fragen werden uns aber sicher noch bedeutend beschäftigen]). Punkto Nation bin ich der Meinung, dass wir sowohl die Nation brauchen wie auch die supranationale Organisation (also: keinen Nationalismus und auch keine Supranationalismus).


Ranga Yogeshwar (Luxemburgischer Physiker und Wissenschaftsjournalist - seit 5.3.). Er trat sehr beschwichtigend im RTL-Podcast 'Fragen wir doch!' (5.3. [siehe Podcastliste]) auf und sprach dabei von Hysterie und Irrationalität. Yogeshwar nimmt voll und ganz die Regierungshaltung ein (und tritt als Hauptbeschwichtiger der grossen deutschen Fernsehstationen auf): keine Panik, aber klare Massnahmen. Das Coronavirus vergleicht er mit anderen Epidemien wie Vogelgrippe, Schweinegrippe oder SARS, aber (auch zu diesem Zeitpunkt noch) mit der normalen Grippe: «Das Coronavirus ist nicht so gefährlich, wie man denkt. Doch die Grippe wird bagatellisiert, obwohl sie Tausende allein in Deutschland tötet.» Den Medien wirft er, wo sie reisserisch sind, Quotenkampf vor* - massiv verstärkt durch Soziale Netzwerke (meiner Meinung nach haben die Medien die Thematik, ebenso wie die Behörden, zu spät aufgenommen). Immerhin - trotz meinen Einwänden (siehe unten) - ist das auch einmal eine 100%-beschwichtigende Stimme eines Intellektuellen (was durchaus auch einen gewissen Mut benötigt in dieser turbulenten Zeit - Yogeshwar ist die Ruhe selbst). Weitere Videos: 'Wir brauchen eine Balance' (ARD/Anne Will, 8.3. [01:32] - ganze Sendung), 'Ausnahmezustand: Was wir wissen, was wir fürchten' (ARD/Presseclub, 22.3. [56:47] - hier bezeichnet er das Pandemieproblem als Lackmustest für die Demokratie [das sehe ich auch so]).

* Die Menschen haben natürlich ganz einfach Bedenken, wenn so etwas krisenhaftes oder katastrophisches aufkommt (auch die Medienmenschen, notabene). Bei den Bedenken handelt es sich um dreifache Bedenken: 1. gegenüber dem Virus, 2. gegenüber der Regierung, 3. gegenüber den Anderen (bzw. der Panik der Anderen). Womit ich gar nicht einverstanden bin, ist: wenn man Panik allgemein dem Mittelalter zurechnet und dieser die Aufklärung entgegensetzt. Wenn ein Tsunami kommt, dann gibt es zu jeder Zeit Panik (auch im Zeitalter der Aufklärung - Aufklärung ist übrigens auch nicht etwas Passives, sondern etwas Aktives: das aktive Gebrauchen der Vernunft [mit all ihren Thesen, Antithesen und Synthesen]; und natürlich bedeutet Aufklärung auch [mediale] Information [wenn man nicht informiert, damit ganz sicher keine Panik aufkommt, dann ist das eben gerade gegen die Aufklärung - dass es in turbulenten Zeiten, in denen die Regierungen in kürzesten Abständen neue Krisenmassnahmen treffen, auch in den Medien turbulent zugeht, ist verständlicher, als dass es in eigentlich eher ruhigen Zeiten auch so ist]).


Gert Scobel (Deutscher Philosoph, Journalist und Moderator - seit 5.3.). Er hat auf 3sat eine eigene TV-Sendung: 'Gefühlte Wahrheit' (3sat/Scobel, 5.3. [58:03]). In dieser Sendung machte Scobel eine fast leibnizianisch anmutende Generalbeschwichtigung: die Welt ist gut, und sie wird (dank der Technik) immer nur noch besser (das Gegenteil also zu jeglicher apokalyptischer Beschwörung). Diese Generalbeschwichtigung geht so weit, dass er auf die aktuelle Pandemiesituation nur ganz am Rande und unter ferner liefen eingeht. Weitere Videos (u.a.): 'Corona - was es über unsere Gesellschaft verrät' (17.3. [37:43] - hier nimmt er die Pandemiethematik schon sehr viel ernster: das ist eine gute und interessante Informationssendung zu diesem Zeitpunkt), 'Corona - was kommt danach? Philosophisch betrachtet' (2.4. [28:11]): in dieser Sendung bezeichnet er die Veränderungen in der Krise als ein riesiges Sozialexperiment und verweist auf US-Gesundheitswissenschaftler Ioannidis, der die Gefährlichkeit des Coronavirus noch Mitte März herunterspielte; als philosophische Generaltherapie in der Krise schlägt er Entspannung und eine grundlose Gelassenheit* vor (dies in einer immer komplexeren und gefährlicheren Welt - das erinnert natürlich an die alte Stoa; Scobel wirkt aber sicher nicht wie jemand, der aus irgendeiner grundlosen Gelassenheit kommt: was er genau damit sagen will, bleibt also letztlich schleierhaft).

* In der ersten angegebenen Sendung behauptet Scobel an einer Stelle, es gebe gar keinen Sinn und gar keine Zusammenhänge (was mich an die antike Untergangsphilosophie der Stoa erinnert) - damit verwirft er das gesamte Kausaldenken und somit auch die gesamte Wissenschaft (dabei benutzt er doch die Wissenschaft gerade als Argument gegen übermässige Kritik und Panik (vgl. Hans Rosling).

Scobel gerecht zu werden, ist relativ schwierig. Wenn man manchmal das Gefühl hat, die Philosophie komme ein bisschen von oben herab - und gerade die deutsche Philosophie, notabene - dann findet man in Scobel so etwas die Personifizierung dafür (mit einer seltsamen Kombination von wirklichem Engagement und intellektueller Distanziertheit). Die Leute, die sich für Fussball interessieren, betrachtet er, fast ausgesprochen, als dumme Menschen. Ich bin dagegen der Meinung, dass wir kluge Verbindungen schaffen sollten, so dass wir auch in einer immer komplexer werdenden Welt als Menschen zufrieden bleiben können.


Neil de Grasse Tyson (US-amerikanischer Astrophysiker und TV-Moderator - seit 7.3.). Nach Carl Sagan ist De Grasse Tyson der bedeutendste Erklärer des Universums bzw. der populärste Astrophysiker in den USA. Er trat zuerst in einer US-Talkshow auf: 'Will People Listen To Science?' (CBS/The Late Show with Stephen Colbert, 7.3. [10:54]). De Grasse Tyson meint, dies sei ein grosses Experiment, davon, ob die Leute auf die Wissenschaftler hören würden. Er steht auch für den lockeren bzw. populistischen Umgang mit der Wissenschaft: er macht aus der Wissenschaft eine unterhaltsame TV-Show. Weitere Videos (u.a.): 'Understanding the Coronavirus' (Star Talk Radio Show Podcast, 20.3. [37:00] - wer zwischendurch, in der ganzen Informationsflut, ein bisschen intelligenten Spass zum Thema haben möchte, ist hier am richtigen Ort).


Rainer Forst (Deutscher Philosoph - seit 8.3.) Er wurde von der FAZ angefragt: 'Die Feier der Irrationalität' (FAZ, 8.3. - Artikel nur für Abonnenten; der Titel wirkt zynisch [siehe: Kommentar zur Rationalität (bei Yogeshvar)]). Trotz dem knackigen Titel meint Forst aber auch: «Man weiss einfach nicht, was die angemessene Reaktion ist.» Relativiert er seine eigene Beschwichtigung? (Leider kann ich eben nicht den ganzen Artikel lesen.)


Lukas Bärfuss (Schweizer Schriftsteller - seit 9.3.). Während es in Deutschland (und Österreich) kaum mehr Autoren gibt, die man als Public Intellectuals bezeichnen könnte, gibt es in der Schweiz noch einen, welcher die grosse Tradition von Frisch und Dürrenmatt aufrecht erhält - Bärfuss eben. Der erste Artikel zum Thema von ihm scheint dieser gewesen zu sein: 'Covid-19 oder die Politik des Birnenschüttelns' (Blick, 9.3.). Er stellt hier fest, dass es kaum Kritik an den Regierungsmassnahmen gebe, und dass jetzt Kooperation angesagt sei. Ferner: 'Das Kapital hat nichts zu befürchten, der Mensch schon' (Der Spiegel, 24.3.2020). Er kritisiert die Regierung, dass ihre Informationspolitik nicht darauf ziele, die Leute aufzuklären darüber, was in der nächsten Zeit auf sie zukommen wird. Zur Situation in der Schweiz meint der radikale Kritiker: «Es wird wahrscheinlich unnötig viele Tote geben, und die meisten werden nicht an einem Virus aus China sterben, ersticken werden sie an der helvetischen Ausprägung der menschlichen Dummheit, an jener Krankheit, die hier auch in besseren Zeiten grassiert, am allgegenwärtigen Geiz nämlich.» Ob diese Krise in der Schweiz wirklich anders ist als in anderen Ländern ist natürlich sehr zu hinterfragen - denn überfordert sind hier scheinbar alle. (Brisanter von Bärfuss ist eigentlich eine allgemeine Demokratiekritik* vom 12.1. [im "Blick": 'Die Demokratie ist tot - es lebe die Demokratie'], ohne direkten Coronabezug, welche aber von Blocher mit in die Coronadiskussion einbezogen wurde [siehe dort]).

* Er meint darin etwa, die Demokratie sei veraltet mit ihren 300 Jahren.


Harald Welzer (Deutscher Soziologe - seit 9.3.). Er trat als Gastkommentator bei RadioEINS auf: 'Harald Welzer über Corona-Panik und Globalisierung' (RadioEINS, 9.3. [03:31]). Welzer spricht mit ziemlich zynischen Radioleuten über die «Corona-Story» und spielt die Pandemie gegen die Ökologie aus (so als ob die Ökologie quasi neidisch auf die Pandemie sein müsste - ein interessanter Punkt für meine Betrachtung, da ich mir die Frage dieses Zusammenhangs auch sehr bedeutend stelle). Hier ist Welzer zu hören in einer Talkrunde auf Phoenix: 'Das Virus und die Verantwortung - Die Wiedergeburt des Wir-Gefühls?' (Phoenix/Unter den Linden, 16.3. [44:43]). Welzer spricht hier von einer «totalen Betroffenheit», welche neu ist - die Angst sei berechtigt (er unterscheidet zwischen reeller und neurotischer Angst [nach Freud]). Er sagt, dass wir erstmals in so einer Situation seien, und es daher nicht einmal Experten gibt, die uns sagen können, was wir tun sollen (das kommt natürlich auch davon, dass wir bis dato die übrige Welt nicht so ganz ernstgenommen haben - siehe: Jogi Löw). Ferner hat Welzer etwa Interviews gegeben für die Neue Presse in Hannover (13.3.) und den Kölner Stadt-Anzeiger (19.3.), welche nur Abonnenten lesen können. (Am 7.3. gibt es einen Artikel von ihm auf der Website des Bayrischen Rundfunks, wo er unter dem Titel "Positiv in die Zukunft" [BR, 7.3.] für neue Utopien plädiert in Zeiten von Klimawandel, Artensterben, Digitalisierung der Arbeitswelt - kein Wort über das Coronavirus [die deutschen Public Intellectuals sind das Thema allgemein etwas langsam und träge angegangen].)


Konrad Paul Liessmann (Österreichischer Philosoph - seit 10.3.). Er äusserte sich in einer Kolumne in einer der bedeutendsten Schweizer Zeitungen: 'Infame Instrumentalisierung' (NZZ, 10.3. - Liessmann meint, dass die Coronakrise von allen und allem instrumentalisiert werde; dabei sehe sich jeder gegenüber den Anderen selber auf objektivem Boden: die Wirklichkeit sei aber vielfältig, offen und sehr tolerant - sie biete allen etwas [natürlich wahr (und gut formuliert), und trotzdem müssen politische Meinungen* bestehen bleiben und vertreten werden]). Ferner: 'Liessmann sieht 'schweren Einbruch' bei Technikglauben' (News, 17.3. - er behauptet hier, die Coronakrise würde den Technikglauben vermindern; der Demokratie attestiert er eine gute Reaktion auf die Krise: die getroffenen Massnahmen seien mit der Demokratie vereinbar).

* Viele Philosophen verharren bis heute im Glauben, dass die Philosophie quasi im Geist und im Denken abgeschlossen sei - dass es also keinen Fortschritt zum Handeln und keine Rückkoppelung vom Handeln gibt bzw. dass dies in der reinen Philosophie nicht zu berücksichtigen sei. Das entspricht dem antiken philosophischen Denken (wobei hier eigentlich schon Aristoteles zwischen einer theoretischen und einer praktischen Philosophie unterschied [was vielleicht mit ein Grund dafür war, dass er von der Spätklassik bis zur Frühscholastik vergessen ging]). In der Philosophie des Mittelalters und der Neuzeit gab es jedoch verschiedenste Entwicklungen, welche das Handeln in die Philosophie einbezogen haben: 1. Religiöse Konsequenz (später auch Religions- bzw. Kirchenkritik [Voltaire]), 2. Wissenschaftstheorie (Bacon, Descartes), 3. Ethischer Imperativ (Kant), 4. Wirtschaftstheorie (Smith), 5. Utilitarismus bzw. Nützlichkeitsphilosophie (Bentham, Mill [auch: Pragmatismus (Peirce, James)]), 6. Politische Philosophie (Marx, Sartre), 7. Ökophilosophie (Shepard, Naess, Jonas), 8. Wohltätigkeitsphilosophie bzw. Effektiver Altruismus (Ord, MacAskill).

Liessmann schrieb in einem NZZ-Gastkommentar mit dem Titel "Was heisst denken?" sogar ausdrücklich: "Dabei [nach Trumps Wahlsieg, nach welchem Intellektuellen-Schelte en vogue sei] wird grundlegend verkannt, was das eigentliche Geschäft des Intellektuellen ausmacht: denken, nicht handeln - ein einsames Geschäft." (NZZ, 16.01.2017.) Das ist sicher teilweise richtig, bedeutet aber nicht, dass das Handeln nicht ins Denken einbezogen sein soll (und dazu muss wohl auch gehandelt werden, da man über das Handeln nur Bescheid wissen kann, wenn man das Handeln kennt - und das ist das Problem im reinen Denken [auch das Problem zwischen der antiken Naturphilosophie und der neuzeitlichen Wissenschaft, notabene]).


Sam Harris (US-amerikanischer Philosoph und Neurowissenschaftler - seit 11.3.). Er trat in der Öffentlichkeit in Erscheinung als einer der sogenannten vier apokalyptischen Reiter* des Atheismus am Anfang der 2000-er Jahre (Dawkins, Dennett, Harris, Hitchens) - und er ist der aktivste Public Intellectual dieser Gruppe geblieben. Harris, welcher eine sehr angenehme Stimme zum Zuhören hat, führt eine eigene Website mit Podcast-Beiträgen: 'How Should We Respond To Coronavirus (with Nicholas Christakis [Griechisch-US-amerikanischer Soziologe und Physiker])' (11.3. [01:18:48] - Harris tritt hier als Interviewer auf [er meint, dass es ein ziemlich langes Experiment von Social Distancing geben und er seine Mädchen vermutlich bis Ende Jahr aus der Schule nehmen werde), 'Early Thoughts On a Pandemic (with Amesh Adalja [US-amerikanischer Spezialist für Infektionskrankheiten])' (12.3. [01:06:23] - dito). (Von der politisch rechten Seite wurde Harris angegriffen, weil er behauptet hat, die liberalen Medien hätten früh vor dem Coronavirus gewarnt, die rechten nicht.)

* Die vier apokalyptischen Reiter sind Figuren aus der Johannes-Offenbarung der Bibel. Sie werden seit dem Mittelalter mit Krieg, Hunger, Pest und Tod in Zusammenhang gebracht. «Die Pest war schon einige Jahre früher im Morgenland aufgeflammt, [...] um sich dann, ohne Aufenthalt von einem Ort zum anderen eilend, gegen Westen auf grauenvolle Weise auszubreiten. [...] Hunger, Krieg und Pest hingen eng zusammen. Es gab kaum ein Entrinnen. Menschen aus dem Umland flohen vor Kriegstruppen in die Städte. Die Felder wurden nicht länger bestellt. In der Stadt waren bald die Essensvorräte aufgebraucht. Der Hunger, schlechte Ernährung und weitere Lebensumstände in der überfüllten Stadt schwächte die Konstitution der Menschen. Krankheitserreger fanden rasch Verbreitung und streckten auch solche Personen nieder, die unter normalen Umständen resistent waren.» (Ganzer Text auf webhistoriker.de.).


David Halpern (Britischer Psychologe - seit 11.3.). Er führte offenbar in diesem Artikel den Begriff vom Cocooning im Zusammenhang mit dem Coronavirus ein: 'Care Home Residents Could Be 'Cocooned' (BBC, 11.3.). Dies stand im Zusammenhang mit Massnahmen, welche im britischen Parlament besprochen wurden, indem man Personen in Altersheimen und andere Risikopersonen von der übrigen Gesellschaft fernzuhalten versucht. Weiter verwendet wurde der Begriff vom liberalen irischen Politiker Leo Varadkar (am 18.3. - er sprach von einem Cocooning der Alten und Kranken) und vom deutschen Philosophen Julian Nida-Rümelin (am 25.3. - er sprach von einer offensiven Durchseuchung der Jungen: siehe dort [inkl. einer Besprechung der Problematik]). Der Begriff besteht allerdings schon länger und stammt ursprünglich von der US-amerikanischen Trendforscherin Faith Popcorn (in den späteren 1980-er Jahren). Allgemein bezeichnet er eine Tendenz, dass sich die Leute vermehrt aus der Zivilgesellschaft und der Öffentlichkeit in das häusliche Privatleben zurückziehen.


Greta Thunberg (Schwedische Ökoaktivistin - seit 11.3.). Sie war im Jahr 2019 die Hauptperson der intellektuellen und/oder öffentlichen Diskussion (ob sie selber als Public Intellectual zu bezeichnen ist, weiss ich nicht - sie ist noch Schülerin). Sie ist sicher (oder wäre sicher) eine bedeutende Person zur Einordnung des Zusammenhangs der Themen von Pandemie und Ökologie. Jedoch war ihre Stimme in der Öffentlichkeit bezüglich des Pandemiethemas sehr lange nicht zuhören. Plötzlich ging eine Meldung durch die Presse, wonach sie vermutlich selber an Covid-19 erkrankt sei (CTV News, 24.3.). Auf Instagram postete sie dazu einen allgemeinen Appell zur gegenseitigen Hilfestellung; speziell bat sie auch die junge Generation darum, die Pandemie ernst zu nehmen. Am 11.3. hatte sie bereits die Kurven der Ansteckung (hier für einmal in voller Länge) gepostet. Von den Regierungen spricht sie generell als 'sie', wie sie das auch in den Ökodebatten tut (bewusst versucht sie fast momoartig, eine neue, junge Ökogeneration gegen alte, graue Regierungen zu setzen). Dass Thunberg die Pandemie auch als ökologisches Thema sieht, ist aus ihren Reaktionen nicht zu entnehmen (was eigentlich erstaunlich ist, denn Ansätze zu einer solchen Behauptung gibt es durchaus und Thunberg könnte ja auch versuchen, das Thema für ihre Zwecke zu nutzen [aber vielleicht zeigt auch diese Reaktion, dass diese Verbindung nicht so ganz unproblematisch ist]).


Michel Onfray (Französischer Philosoph - seit 12.3.). Er betreibt eine eigene Website mit Texten und Videos (und scheint sich seit Dezember auf Martinique zu befinden). Dieser Text scheint der erste zu sein, welchen er zu diesem Thema veröffentlichte: 'Un virus mondialisé' (12.3.). Weitere Texte (u.a.): 'Dos crawlé dans sa baignoire' (18.3. - hier spricht er von einem psychopathischen Präsidenten), 'Le surgissement du mot 'science' ne doit pas fonctionner comme un argument d'autorité qui interdirait toute réflexion critique' (23.3. - Anm. noch ist die Kritik überhaupt nicht irgendwie verboten...), 'Faire la guerre' (23.3.). Er kritisiert v.a. die Regierung. Das scheint ein bisschen typisch (und recht wenig originell) zu sein: wer vorher die Regierung schlecht fand, findet sie jetzt doppelt schlecht, wer sie gut fand, findet sie jetzt doppelt gut. Er bezeichnet die Regierung von Macron als diktatorisch und Frankreich als ein 'pays dictatorial', ferner spricht er von einer 'gestion totalitaire de la crise'. Die Kritik an Macron ist natürlich überhaupt nicht neu, sondern sie hält sich auf einem bedeutenden Niveau seit den Gelbwesten-Protesten. In Frankreich hat der Präsident mehr Macht als in jedem anderen westlichen europäischen Staat. Video: 'Le gouvernement a choisi la pire stratégie' (C-News, 23.3. [06:49] - er kritisiert hier die liberale Haltung, wonach es in der besten aller Welten keine Grenzen gebe; auf die Frage, ob er mit seiner Kritik Öl ins Feuer giesse, meint er, er denke, dass man seine Meinung haben und publizieren dürfe, und dass er ein Temperament habe: die Krise verpflichte als Bürger, zu denken - mehr, besser und anders zu denken). (Die Videos auf der Website kann man nur schauen, wenn man ein Login macht.)


Richard David Precht (Deutscher Philosoph - seit 12.3.). Er wurde von turi2tv und Horizont - der Zeitung für Marketing, Werbung und Medien - befragt: 'Etwas vergleichsweise Harmloses' (turi2tv/Horizont, 12.3. [12.3. (03:56)]) - dazu gibt es auch einen Zeitungsartikel (Horizont, 12.3.). Wie Yogeshvar vertritt er die Regierungsmeinung (gegensätzliche Meinungen kommen in Deutschland nicht in die Öffentlichkeit [und auch keine Kritik an der Regierung]). Die Leute hätten mehr Angst um ihr eigenes Leben, als um das Überleben der Menschheit*, meint Precht. Auch er spielt die Pandemie gegen die Ökologie aus. In der Generation unserer Kinder würden vermutlich beide Probleme zusammenfallen, meint Precht (eine quasi-apokalyptische Aussage [auch von ihm]). Natürlich hätte man auch bei der Fukushima-Katastrophe oder irgendwelchen Naturkatastrophen, z.B. den australischen Buschfeuern, von etwas vergleichsweise Harmlosem sprechen können: wir sind ja aber doch da, um die Dinge ein bisschen ernst zu nehmen - (fast) alles ist philosophisch betrachtet immer vergleichsweise harmlos (es kommt immer auf den Vergleich an - diese Wendung dünkt mich aber ein bisschen zu viel der Beschwichtigung). Ich hoffe, dass wir von Precht noch etwas Interessanteres zu hören bekommen zum Thema - er ist ja sonst ein relativ interessanter Zeitgenosse (und auch nicht ein Mensch, welcher sich mit solchen Verkürzungen zufrieden gibt; auch wenn ich manche Aussagen von ihm schon immer ziemlich seltsam gefunden habe, z.B. 'Vergesst das Wissen', oder ähnliches).

* Dieser Satz regt natürlich zum Denken an: ist nicht gerade, wenn es ums eigene Leben geht, der Einzelne gefordert, dafür einzustehen - ist das nicht die Politik von allen Menschenrechtsorganisationen? Wo kommen wir hin, wenn das Leben des Einzelnen nichts mehr zählt und die Regierungen darüber frei verfügen können (und wenn wir dem Einzelnen sogar raten, oder von ihm fordern sein eigenes Leben für irgendetwas preiszugeben - vermutlich hat sich Precht da in der Wortwahl und/oder im Gedanken vergriffen: die Philosophie kann vom Einzelnen nicht fordern, dass er sein Leben nicht ernst nehmen soll)?

Eine (kurze) allgemeine Betrachtung zu den Verschwörungstheorien. Mit dem gleichen Argument ('Etwas relativ Harmloses') sind derzeit auch gewisse Verschwörungstheoretiker unterwegs, welche den Regierungen vorwerfen, sie würden die Coronakrise für ihre eigenen Zwecke ausnützen, von anderen, (noch viel) schlimmeren Problemen ablenken, und das Coronavirus selber sei etwas relativ Harmloses (mit einer Sterberate von 'nur etwa 3%' [das wären in Deutschland 1,7 Mio. Todesopfer bei einer Ansteckung von 70% (siehe Drosten), die in den meisten Fällen auch Angehörige haben, notabene - nur um den Grad der Betroffenheit anzudeuten]). Während diese die Regierungen offen kritisieren, sagen Precht oder Yogeshwar dasselbe, ohne allerdings die Regierungen zu kritisieren - das ist ein bisschen seltsam (v.a. sagen sie auch nicht, wie lange sie solche Lockdowns verteidigen würden, wenn sie andauern sollten [es wird sich ja das Problem von Neuansteckungen und -ausbrüchen ergeben, sobald man die Situation lockern möchte]). Ich stelle mich sicher nicht auf die Seite von irgendwelchen Verschwörungstheoretikern, aber ich mache auch auf die Schwächen der Position der Beschwichtiger aufmerksam. Diejenigen jedoch, die glauben, es wäre besser gewesen, sehr viel offensiver mit dem Virus umzugehen, die sollten sich einmal ganz genau überlegen (denkenderweise!), wie die Welt jetzt aussehen würde, wenn wir das tun würden. Sie wäre ganz anders, als wir sie zuvor gekannt haben, und so oder so w&aum;re eine grosse Belastung für die Wirtschaft und Gesellschaft - und ein drohendes Chaos - entstanden. Was die Politiker betrifft bzw. die Regierungen und ihre Massnahmen, müssen wir zuerst einmal davon ausgehen, dass sie normalerweise ihre Arbeit gut machen und ihre Aufgaben gut erfüllen möchten wie jeder vernünftige Mensch. Ihnen zu unterstellen, ihr einziges Ziel sei es, die Menschen zu unterdrücken und zu vernichten - wie das manche Verschwörungstheoretiker meinen - ist sicher masslos übertrieben. Zynismus kann man aber letztlich beiden Seiten heute vorwerfen. Ich glaube aber, dass kaum ein Mensch, welcher die Verantwortung für die Sache tragen muss, derzeit nicht versuchen würde, die Ausbreitung von diesem Virus so gut wie möglich zu stoppen. Andererseits bin ich auch nicht der Meinung, man sollte alle Verschwörungstheorien gleichermassen als Unsinn betrachten. Es gibt Unsinniges und Bedenkenswertes darunter, aber allermeistens - wenn es nicht blosser Unsinn ist - handelt es sich eigentlich um eine (überspitzte) Metapher von einem bestimmten (ideologischen) Denken und einer bestimmten (ideologischen) Kritik (siehe auch: Fusaro). Natürlich gibt es heute auch immer mehr Verschwörungstheoretiker, welche in diese Blase eintauchen, sich von ihr den Kopf verdrehen lassen und die eigenen Überspitzungen gar nicht mehr richtig begreifen (das kann an Verrücktheit grenzen). [Hier gibt es ein Video zu einer kleinen Übersicht über Verschwörungstheorien zum Coronavirus [24.3. [25:01]].]


Julian Nida-Rümelin (Deutscher Philosoph - seit 12.3.). Er bestritt ein Interview auf der Website des Bayrischen Rundfunks: 'Massnahmen gegen Corona: Wie die Risiko-Ethik abwägen muss' (BR, 12.3.). Er meint, dass die Ängstlichen, die ohnehin dazu neigen, sich zurückzuziehen, in eine Art Depression verfallen könnten. Nida-Rümelin vergleicht die Coronapandemie noch immer mit der Grippe bzw. mit der besonders schweren Grippewelle 2017/18, welche in Deutschland rund 25'000 Todesopfer forderte (Unterschied: man konnte diese Grippewelle nicht vorhersehen, und man hatte es mit einer Krankheit zu tun, die man schon ein bisschen kannte). Wenn - wie die Bundeskanzlerin sagt - 60-70% der Leute sowieso angesteckt würden (das sind Zahlen, welche der Virologe Drosten herausgegeben hatte [mit oder ohne Berücksichtigung von scharfen Massnahmen?]), würden sich Fragen nach den Kosten stellen. Ferner: 'Cocooning wäre die bessere Lösung' (Abendzeitung [München], 25.3. - er sagt hier, die Seuchen seien erst mit der Urbanisierung aufgetreten und die US-Amerikaner würden heute vom Global Village sprechen, dies mache die Welt anfälliger als je zuvor; mit Cocooning meint er, die Alten und die Risikopersonen sollen zuhause bleiben, die Jungen sollen bewusst durchseucht werden - dazu auch [digitale] Kontaktverfolgung). Es besteht zu einem Cocooning allgemein die Befürchtung, dass ein partieller Lockdown eine viel geringere Befolgung bedeuten würde (besonders im Westen, wo wir uns solche Massnahmen eben noch überhaupt nicht gewöhnt sind); zudem würde die Überforderung des Spital- und Medizinwesens verschärft, denn es würden ja so eindeutig mehr Patienten und Patientinnen anfallen. Auch bei einem Cocooning könnte natürlich nicht von einem reibungslosen Wirtschaftsablauf ausgegangen werden (und was wäre mit infizierten, kranken und risikobehafteten Personen - müssten sie arbeiten gehen? [wie wäre die Stimmung in einer Gesellschaft von einer bewussten Durchseuchung??, vermutlich äusserst gespalten]). Wenn Nida-Rümelin das Beispiel Südkorea bringt, dann muss man dazu erwähnen, dass man dort ganz einfach sofort reagiert hat - dies ist in unseren Breitengraden nicht der Fall, wir stehen nicht am Zeitpunkt der Auslösung von einer Pandemie, sondern mitten in einer schwerwiegenden Pandemiekrise. Zudem besteht in Europa auch immer noch das Problem von fehlenden Schutzmasken (für diejenigen, welche sie trotzdem tragen möchten - es ginge ja nicht, eine Durchseuchung ohne Schutz quasi behördlich anzuordnen: zumindest wäre dies eine absolut neue und sehr fragwürdige Politik, und Politiker, welche solche Massnahmen anordnen würden, könnten vermutlich sogar gerichtlich verklagt werden, notabene [da käme auch die juristische Seite noch ins Spiel - Philosophen haben allgemein oft Mühe sich vorzustellen, was es bedeutet, Politiker zu sein oder überhaupt irgend etwas anderes]; also: das scheint doch relativ theoretisch und wenig praktisch zu sein).

Die Fragen zwischen Ausgangssperre - Lockdown - Cocooning - Durchseuchung sind komplex. Meine Meinung ist heute dezidiert die, dass es zu diesem Zeitpunkt der Kenntnisse des Problems zwischen Viren und Menschen keinerlei Rechnungen geben kann, sondern dass wir - erstmals im Westen mit einer spätmodernen Gesellschaft vor einer solchen Herausforderung stehend - den Versuch machen müssen, diese Pandemie zu stoppen, ohne unnötig Leben zu riskieren (schon alleine versuchsweise: um zu sehen, was dann passiert - wir müssen die Pandemieproblematik besser kennenlernen [was wir bei der Grippe ja leider eben verpasst haben, indem wir sie nach dem Impfstoff - seit 1942 - zu wenig weiter erforscht haben, um den Viren wirklich auf den Grund zu kommen, obwohl sie seit vielen Jahren jedes Jahr wieder kommt]). Die Frage nach Kosten wird sich stellen, wenn das nicht innert nützlicher Frist geschehen kann, denn natürlich - oder vermutlich - kann ein Lockdown nicht ewig aufrecht erhalten werden. Es gibt ja trotz aller Kritik an den Regierungen oder trotz aller Fragezeichen aber fast keinen Philosophen - ausser dem verwegenen Ökonomen Eichenberger - welcher offen für einen offensiven Umgang mit dem Virusproblem plädiert (quasi 'fight and die' statt 'hide and seek' - die partielle Durchseuchungsforderung von Nida-Rümelin geht da eigentlich schon sehr weit [würde er persönlich wirklich die Verantwortung für so etwas übernehmen wollen??, er gehört immerhin zu den bedeutendsten Verantwortungsphilosophen!]; manche italienischen Philosophen - oder auch etwa Onfray - kritisieren zwar die Regierung und deren Massnahmen aufs Schärfste, aber keiner von ihnen sagt in einem fortgeschrittenem Stadium des Problems, er wolle die offene Durchseuchung [was wahrscheinlich doch - im aktuellen Stand der Geschichte von Viren und Menschen - einem ziemlich irrationalen Risiko entsprechen würde]). Natürlich: wenn die wirtschaftlichen Folgen sehr gravierend werden sollten, werden dann alle kommen und sagen, Cocooning oder Durchseuchung wäre besser gewesen, aber es ist wirklich sehr schwierig in dieser Zeit 'richtig' zu handeln. Wir werden es erst im Nachhinein das nächste Mal in den diversen Punkten von Anfang an besser machen können.


Harald Lesch (Deutscher Astrophysiker und Fernsehmoderator - seit 15.3.). Er trat in den ZDF-Nachrichten auf: 'Coronavirus als Urphänomen: Warum uns Nichtstun so schwer fällt' (ZDF, 15.3. [05:19]). Lesch spricht beim Virus von einem Urphänomen, welches er nicht als Lebewesen bezeichnet, und bei der aktuellen Krise von völliger Überforderung. Auch Lesch rät dazu, die Ruhe zu bewahren, und er vertraut (natürlich) der Wissenschaft. Zudem spricht er von einer Chance des Vertrauensaufbaus von seriösen Expertinnen und Experten (der Elite, der wissenschaftlichen wie auch der politischen Elite, gegenüber Verschwörungstheoretikern und ähnlichem) - die Frage bleibt natürlich aber, warum man (bzw. diese heutige Elite) im Westen so schlecht vorbereitet war auf eine solche Krise (wo doch die Thematik keineswegs neu, sondern seit Jahren und Jahrzehnten bekannt ist [in diesem Sinn könnte man ja eben auch von einer Expertenkrise sprechen]). Weitere Videos (u.a.): 'Coronavirus - unnötiger Alarm bei COVID-19?' (ZDF/Terra X Lesch & Co, 20.3. [09:11] - hier widerspricht er Verschwörungstheorien, wonach die Coronaviruspandemie eine reine Erfindung sei [und er gibt erschreckende Prognosen, welche das Imperial College in London publiziert hat - «im Lichte dieser Zahlen und dieser Prognosen erscheinen die Massnahmen, die die Regierungen überall auf der Welt ergreifen alles andere als hysterisch» (die Frage ist höchstens, ob diese Zahlen stimmen, aber auch sonst ist die Sache ernst genug)]), 'Corona: Was weiss die Wissenschaft?' (ZDF/Leschs Kosmos, 26.3. [43:36] - eine Informationssendung, in welcher es v.a. um die Ansteckung, Ausbreitung, Impfung und Medikamente geht [Fledertiere werden hier Virentrainingszenter bezeichnet (enges Zusammenleben, starkes Immunsystem), Märkte mit Wildtieren als ein Virenparadies]).


Jason Silva (Venezolanisch-US-amerikanischer Philosoph - seit 14.3.). Er führt einen relativ spektakulären Youtube-Video-Kanal (mit diversifiziertem und trotzdem einschlägigem transhumanistisch-singularistischem Touch - er wird als 'Timothy Leary of the Viral Video Age' bezeichnet und gehört zu jenen 'Verrückten', die es verstehen, aus dem Extremen eine sehr starke Kunst zu machen). Lange liess er auf sich warten mit einem Video zum Coronavirus, zuerst äusserte er sich offenbar auf Facebook: Kaum ein Intellektueller kann sich derzeit diesem Thema entziehen, natürlich - Silva ässerte sich zuerst in zwei Facebook-Videos: 1. 'Some Thoughts on Coronavirus' (Facebook, 14.3. [08:49] - sehr frisch wie ehrlich uns Silva seine intellektuellen Gefühle zum Thema erzählt; dies tut er hier eigentlich sehr entspannt und locker [und ein bisschen high - er wird nicht umsonst als 'Timothy Leary des viralen Zeitalters' bezeichnet]), 2. 'More Reflections on Coronavirus and How Empathy Can Go Viral' (Facebook, 15.3. [13:27] - dito). Ferner: 'When Fear Goes Viral' (23.3. [07:08]). Sein Thema ist hier, sehr viel weniger entspannt, v.a. die Angst - wir sind diesem Thema hier schon mehrfach begegnet. Also nicht allzu viel Neues - freilich sind die Argumentationen von Silva wie immer sehr interessant. Er spricht hier die Memes von Dawkins an, in der (viralen) Verbreitung von Ideen. Wie bei vielen anderen Intellektuellen dieser Zeit finden wir hier die Aussage, dass die Angst stärker sei als das Virus selber - das ist natürlich eben eine recht fragwürdige Einschätzung (wir werden das erst im Nachhinein einschätzen können, aber die Zeichen deuten darauf hin, dass diese Einschätzung falsch ist: das Virus ist - unabhängig von der Angst - gefährlich genug).


Noam Chomsky (US-amerikanischer Philosoph - seit 17.3.). Der vermutlich weltbekannteste Philosoph dieser Zeit hält sich im englischsprachigen Raum weiterhin bedeckt. Er hat aber ein Interview gegeben für die kommunistische italienische Tageszeitung: 'Sanità devastata dal neoliberalismo' (il manifesto, 17.3.). Er sagt hier, dass die asiatischen Staaten adäquat reagiert hätten, die EU verspätet, die USA fürchterlich. Der Neoliberalismus habe das Medizin- und Spitalwesen vernachlässigt (was v.a. oder in erster Linie für das Gesundheits- und Sozialwesen in den USA gilt [daher ja: Obama Care]). Interessant natürlich, dass man im englischsprachigen Raum offenbar derzeit eher nicht allzu viel von ihm wissen möchte (oder wird gar die Philosophie nun allgemein noch stärker in den Hinter- und Untergrund verbannt? Das ist nicht auszuschliessen.) Es sieht gar nicht so aus, als ob sich Chomsky zu diesem Thema gross herausstellen möchte, natürlich hat er das auch gar nicht nötig, aber trotzdem interessant, dass dieses kleine Interview alles ist, was wir bisher von ihm zum Thema haben. Seinen nächsten Auftritt hatte Chomsky ebenfalls an einem eher unerwarteten Ort: 'Noam Chomsky on the Primary, Media Criticism, and Covid-19' (Rolling Stone/Useful Idiots, 19.3. [Radio Podcast] - er macht hier Werbung für Bernie Sanders im US-Wahlkampf; alles, wofür die US-Amerikaner in den letzten 40 Jahren gut gewesen seien, meint er, sei Geld in die Taschen von Reichen und öffentlichen Körperschaften zu stecken, während alles andere zusammengebrochen sei).


Alain de Botton (Britsch-schweizerischer Philosoph - seit 20.3.). Er gehört mit zu den bekanntesten Philosophen dieser Zeit und ist vermutlich der weltweit bekannteste Philosoph mit Schweizer Bezug. Ausgerechnet in der Financial Times bringt er die Botschaft vom reinen intellektuellen Aussitzen: 'How to Travel from Your Sofa' (Financial Times, 17.3.). Es geht hier um innere, intellektuelle Reisen - offenbar vom Sofa aus (darum heisst es vermutlich auch Filosofie [oder umgekehrt, notabene*]) - die man in der Zeit von Lockdowns machen kann und wie sie auch Philosophen und Wissenschaftler gemacht hätten. Der einzige Grund für die Unzufriedenheit des Menschen sei, dass er nicht ruhig in seinem Raum bleiben kann, zitiert er Pascal. Zeit also, um dies zu lernen - ist dies aber nicht fast schon ein bisschen zynisch (bei dieser äusseren Ursache)? Denken statt rausgehen - ob das wirklich der grosse Trost für alle ist - jeder/jede steht ja in einer völlig unterschiedlichen bisherigen Lebensentwicklung - das bleibe hier einmal dahingestellt. Wir können, meint De Botton, das Beste, was uns jeder Platz der Welt zu bieten hat, geniessen, indem wir nur daran denken (Anm. - z.B. Geld: wozu eigentlich Geld verdienen, wenn man doch auch einfach nur daran denken kann? [Diogenes hat auch in einer Tonne gelebt]). Spezifisch zum Coronavirus oder der Pandemie sagt De Botton praktisch gar nichts (man könnte fast daraus schliessen, dass er denkt, dass es philosophisch das Beste sei, gar nicht an das Virus zu denken).

* Der Begriff vom Sofa (auch: Couch, Kanapee, Diwan) soll vom arabischen suffa stammen (d.h. gepolsterte Ruhebank). Das erinnert uns natürlich an den Begriff vom Sufi (muslimischer Mystiker/Weiser [arabisch safa bedeutet 'rein sein', der Begriff vom Sufi wird aber auch mit dem griechieschen Wort sophia in Verbindung gebracht, welches 'Weisheit' bedeutet]). Etymologie ist zwar interessant, aber immer auch ein etwas schwieriges und unsicheres Gebiet.

Es gibt übrigens sogar Philosophie, die im Gefängnis entstanden ist, oder davon handelt, etwa von Sokrates (verweigerte die Flucht aus dem Gefänis und wollte sich seinem Prozess stellen), Boëthius (schrieb sein Hauptwerk im Gefängnis) oder Epiktet (war ein freigelassener Sklave, welcher sagte, die innere Freiheit habe überall Gültigkeit, auch im Gefängnis).

[Anm. Ich konnte den Artikel aus der Suchmaschine heraus geöffnet lesen, bekomme aber von diesem Link hier ausgehend eine Seite, welche nur für Abonnenten einsehbar ist. But: why worry?].


Heinz Bude (Deutscher Soziologe - seit 20.3.). Die Süddeutsche befragte ihn zur Coronakrise: 'Die Angst macht uns zu wilden Egoisten' (Süddeutsche, 20.3.). Auch dies ist nur für Abonnenten einsehbar. Der Titel kommt mir eher psychologisch vor als soziologisch, zumal auch spezifisch von 'Egoisten' die Rede ist (die Soziologie sollte ja alle betreffen, d.h. auch Egoisten und Nicht-Egoisten). Ferner: 'Solidarität ist heute etwas, worauf wir alle angewiesen sind' (Deutschlandfunk Kultur, 16.3. - er glaubt an und hofft auf eine Abkehr vom Neoliberalismus und eine Deglobalisierung [früher war doch die Linke für die Internationale: alle Arbeiter sollten vereinigt werden, und heute sollen sie deglobalisiert werden? ['Proletarier aller Länder: deglobalisiert euch!?'], und weniger Globalisierung bedeutet ja mehr Nationalisierung, das ist ja das, was die Rechten üblicherweise möchten - da kommt ja einfach überhaupt niemand mehr draus heute (ich glaube, dass sie je länger je mehr alle zusammen nicht mehr wissen, was sie denn eigentlich wollen: weder die Linken noch die Rechten*)]).

* Das wäre natürlich ein interessanter Ansatz für eine politische Diskussion, in welcher einige Verdrehungen der heutigen Politik vielleicht geklärt werden könnten, aber ich werde das nicht an dieser Stelle tun.

Ich glaube nicht, dass man den Menschen in einer solchen Katastrophe Angst* vorwerfen kann oder muss (aber auch dies dient wohl der im deutschsprachigen Raum derzeit allgegenwärtigen Beschwichtigung [Angst vor der Angst (der Anderen)] - da gibt es eine grosse Einheit der (elitären) Gefühlslage [Müller, der Börsenmann (siehe oben), scheint der Einzige zu sein, der sich zwischendurch ein bisschen mehr aufregt: ich bin froh, dass ich ihn in dieser Liste habe]).

* Die Angst ist ein häufig wiederkehrendes Motiv in dieser intellektuellen Betrachtung zum Coronavirus. Es heisst ja auch - sehr (pseudo-) intellektuell, irgendwie - dass Angst ein schlechter Berater sei. Jemand der solches sagt oder nachplappert, das ist entweder jemand, der völlig verrückt ist (und der z.B. ohne Angst Dinge tut, die absolut gefährlich sind), oder jemand, der selber soviel Angst hat vor allem, dass er jegliche Situationen, die mit Angst zu tun haben könnten, vermeidet. Angst ist ein Gefühl und ein Teil des Lebens, und mit Angst muss man umgehen können und lernen. Es gibt Situationen, in welchen die Angst richtig, und solche, in welchen sie falsch ist. Das ist aber die Sache einer Abschätzung, nicht die Sache einer generellen Aussage (auch oder selbst, wenn es öfter der Fall sein dürfte, dass wir auf Ängste hereinfallen, die gar nicht nötig sind).


Eduard Kaeser (Schweizer Physiker und Philosoph - seit 21.3.). Er war beteiligt an der ersten SRF-Sternstunde-Philosophie-Diskussion zum Thema am 22.3. (spät, aber doch noch): 'Corona - Eine Mikrobe stellt unsere Stärke in Frage' (SRF/Arena, 22.3. [01:00:13] - auf der selben Webseite findet sich ein Interview vom 21.3. unter dem Titel "Wir müssen lernen, uns dem Ökosystem anzupassen"). Er fordert die Anpassung an das Ökosystem* sowie ein Moratorium der technischen Forschung (das ist natürlich illusorisch bzw. nicht durchführbar, und in verschiedensten Gebieten auch nicht erwünscht, notabene, aber vermutlich auch eher eine Metapher für eine Entschleunigung). Die Viren sieht er als die negative Seite der Ökologie, die wir nun plötzlich erkennen würden (das Verhältnis zwischen Ökologie und Pandemie ist aber eben noch eine ziemlich offene Frage).

* Die Aussage, dass wir uns dem Ökosystem anzupassen hätten, bedeutet, dass sich der Mensch der Natur unterordnen müsste. Das ist nicht möglich: würde sich der Mensch der Natur unterordnen, wäre er nicht mehr Mensch (siehe: Natur-Kultur-Problem oder -Paradoxon bei Rousseau). Der Mensch stellt seine Kultur über die Natur, und diese Kultur stellt sich in ihrer Technik immer mehr über den Menschen. Der Mensch muss lernen, ein besseres Verhältnis zwischen Gott/Natur und Kultur/Technik zu finden.


Daniel Binswanger (Schweizer Journalist - seit 22.3.). Er hat Philosophie und Literaturwissenschaften studiert und ist vermutlich der bedeutendste und vielleicht sogar auch der einzige echte Public Intellectual dieser Zeit, welcher praktisch zu allen Themen etwas Interessantes zu sagen weiss (dass er für ein Magazin arbeitet, welches sich einer breiteren Öffentlichkeit vollkommen entzieht, ist diesbezüglich eher seltsam). Binswanger nahm ebenfalls an der ersten Sternstunde-Philosophie-Diskussion teil: 'Corona - Eine Mikrobe stellt unsere Stärke in Frage' (SRF/Arena, 22.3. [01:00:13]). Er wies darauf hin, dass wir derzeit in einer gefährlichen politischen Situation stehen, in welcher die Regierung eigentlich machen könne, was sie wolle*. Sie habe das bisher gut gemacht, aber wir müssten trotzdem auf die besondere Situation hinweisen. Ferner erwartet er nach der Krise - wie nach den Weltkriegen - eine substanzielle Verstärkung aller sozialen Sicherungssysteme.

* Ich würde nicht sagen, dass der Bundesrat machen kann, was er will - denn es gibt auch ein Morgen (und es gibt auch ein Wahl-Morgen). Fast noch bemerkenswerter an der aktuellen Situation finde ich, dass es nicht nur kein Versammlungsrecht mehr gibt, sondern nicht einmal mehr eine Versammlungsmöglichkeit (ausser im Internet - aber das kann nicht viel ausrichten, wenn man sich draussen nicht treffen und draussen nicht handeln kann; mich beschäftigt mehr, dass man nicht adäquat darauf reagieren könnte, als dass überhaupt etwas grundsätzlich Falsches gemacht werden könnte).

[Diese erste Sternstunde-Philosophie-Sendung zum Thema - eine zweite ist offenbar noch nicht vorgesehen - kam mir sehr unaufgeregt vor: so, als ob wir bereits das Ende der Krise sehen und über die Zeit danach sprechen könnten, dabei steht uns der Höhepunkt der Krise ja noch bevor; und wir wissen nicht, wie lange das alles dauern und welche Folgen es genau haben wird.]


Byung-Chul Han (Südkoreanisch-deutscher Philosoph - seit 22.3.). Er ist aufgetaucht mit einem Artikel in einer der grössten spanischen Zeitungen: 'La emergencia viral y el mundo de mañana - Byung-Chul Han, el filósofo surcoreano que piensa desde Berlín' (El Pais, 22.3. - nach ihm ist Europa durchgefallen; in Asien herrsche der Kollektivismus, die asiatischen Menschen seien folg- und gehorsamer, es gebe dort nichts, was der reinen Privatssphäre überlassen sei und kein kritisches Bewusstsein gegenüber Big Data, daher lasse sich in Asien das Virus digital bekämpfen, in Europa sei dies eine dystopische Vorstellung). Han bezieht sich insbesondere auf das Handy-Tracking, welches v.a. in Südkorea angewendet wurde. Natürlich hinterlassen jegliche Oden auf einen politisch rein gefügigen Menschen in Europa einen fahlen Beigeschmack (man kann sich aber auch die Frage stellen, warum ausgerechnet die Europäer einen dermassen grossen Schrecken vor einer allzu grossen Macht entwickelt haben).


Georg Kohler (Schweizer Philosoph - seit 22.3.). Er reagierte auf den NZZ-Artikel von Agamben: 'Coronavirus und das nackte Leben - warum Giorgio Agamben falschliegt' (NZZ, 22.3.). Kohler sieht nicht einen Rückzug in die Vereinzelung, sondern eine Welle der Solidarität heranbranden (möge er recht haben damit). Aufgefallen ist mir hier v.a. auch dieser Satz: «Ein weniger renommierter Zeitgenosse dürfte vermutlich nicht hoffen, mit seinen apokalyptischen Aussagen zum grossen Ganzen im gerade dominierenden Jetzt ernst genommen zu werden.» (Und dies sei auch gut so.) Ich finde, und habe dies auch eingangs erwähnt, dass wir in solchen Zeiten auch von der Apokalypse bzw. einer möglichen Eskalation der Problemlagen sprechen müssen (was die vorherrschende Kirche ja übrigens selten tut, selbst in dieser Krise!), auch in der Philosophie (deren Bezug zur Religion früher sehr viel bedeutender war als in Zeiten der allgemeinen intellektuellen Dekonstruktion), wenn auch philosophisch überlegt und nachgedacht. Und Sokrates/Platon ja: war eben halt (wie Aristoteles) ein Befürworter der Sklaverei - keine allzu guten Vorzeigebeispiele für Solidaritätswellen (ein besseres Beispiel wäre... Jesus).


Frank A. Meyer (Schweizer Journalist - seit 22.3.). Er war vielleicht vielleicht vor Binswanger der bedeutendste Schweizer Public Intellectual (auch ein Journalist!, und einst mein Lieblingsjournalist [als ich jung war und Journalist werden wollte]) und ist heute Blick-Kolumnist - und damit natürlich immer noch immer am aktuellen Geschehen dran, auch bezüglich des Coronavirus: 'Was dann?' (Blick, 22.3.). Meyer pflegt philosophisch eher den deutschen als den italienischen Ton, d.h. eher Beschwichtigung als Aufregung. Er sucht eher Tröster und Abwiegler als emotionale Aufwiegler, wie er sagt. Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen (und in der Aufwiegelung auch ein Trost). Was dann? Meyer erhofft sich von der Krise und dem Social Distancing eine neue Distanz der (bürgerlichen) Höflichkeit. Auch hier: wir brauchen den richtigen Abstand im richtigen Moment, d.h. mehr Flexibilität (und Verständnis für Verschiedenheit) und nicht mehr (alte) Ideologie (wenn sich durch das Verständnis das Distanzgefühl verbessert, umso besser). Ferner: 'Welt-Gewissen' (Blick, 29.3. - hier greift er Bärfuss und dessen Spiegel-Artikel an [siehe auch: Blocher (oben)]).


Kaiser Kuo (Chinesisch-US-amerikanischer Autor und Musiker - seit 26.3.). 'Das Verhalten von Donald Trump ist unverantwortlich, fast schon kriminell' (Tagesanzeiger, 26.3.). Interessant auch einmal einen chinesischen Intellektuellen zu hören. Er meint, dass westliche Kritik den Zuspruch der Chinesen zu ihrer Regierung fördern würde. Die Chinesen seien verblüfft darüber, dass die Europäer keine Schutzmasken tragen. Die meisten Chinesen, meint er, denken, dass die Europäer zu zaudernd reagieren. Mit einer Schutzmaske werde das Ansteckungsrisiko reduziert, ebenso das Risiko, sich an die Nase oder den Mund zu fassen (Anm. in Europa wird gesagt, dass die Masken nicht viel bringen und zu falscher Sicherheit verleiten würden - vermutlich auch deshalb, weil es in Europa zu wenig Schutzmasken für alle gibt). Er sieht nichts Positives, was aus dieser Krise erwachsen könnte (insbesondere bemängelt er, dass es - anders als bei der Ebola-Epidemie in Westafrika - keinen Austausch zwischen chinesischen und amerikanischen Experten gebe).


Weitere(s). Der Schweizer Ökonom Reiner Eichenberger ist immer für spezielle Ideen gut: eine solche hat er auch zum Coronavirus - er fordert eine gelenkte Durchseuchung (20 Minuten, 9.3.). Was auf den ersten Moment recht findig und bauernschlau tönt, hat natürlich praktisch durchdacht sehr viele Haken (nicht zuletzt den, dass sich Viren verändern können und damit unberechenbar bleiben; und offenbar ist es auch noch gar nicht sicher, ob man nach der ersten Ansteckung wirklich immun ist - das Virus ist eben neu, und man weiss noch gar nicht, wie es sich tatsächlich verhalten wird [einer Reinfektionsgefahr widerspricht wiederum ein Experte bei SRF - in den Medien hört man also dies und das, und was nun wirklich richtig ist, das bleibt manchmal im Dunkeln]). - Sebastian Heilmann ist ein chinakritischer deutscher Sinologe: 'Die Epidemie muss jetzt beendet sein, sonst wird es für China gefährlich' (watson.ch, 14.3.). Allzu viel Neues erfahren wir hier über China eigentlich nicht. Interessant ist diese Aussage: «Wir können uns nicht vorstellen, dass eine solche 'mittelalterliche Seuche' unsere vermeintlich so hoch entwickelten Gesellschaften fundamental erschüttern kann. Erst so langsam verstehen wir, was da auf uns zurollt.» Dies kommt natürlich von unserer Politik, welche das so steuert, und von unseren Medien, die nicht zurück und nicht voraus schauen. Was auf uns zukommt, wissen wir von China (und Italien) her sehr gut - die Frage ist eben, ob China einiges verschweigt, und es daher sogar noch schlimmer kommt als in China ausgegeben. (Im Allgemeinen wurde übrigens anfangs gesagt, dass China in diesem Fall erstaunlich offen informiert hätte [viel offener als bei SARS 2002].) - Schliesslich und letztlich: Zhao Tingyang ist der chinesische Philosoph zum aktuellen Thema. Von ihm habe ich (noch?) kein Statement zum Coronavirus gefunden, aber er hat während der Krise ein auch im Westen diskutiertes Buch namens "Alles unter dem Himmel - Vergangenheit und Zukunft der Weltordnung" herausgegeben. Im Westen wird er mitunter als in einer alten Zeit verhangen, demokratie- und menschenrechtsfeindlich betrachtet. Wird es eine neue Weltordnung geben, die nicht mehr von Freiheit, sondern von Angst (und Macht) geprägt ist? Meine Meinung ist auch dazu eine relativ klare: ich glaube, dass wir auf eine gemeinsame Weltkultur der Unterschiede* zusteuern, in welchem der Ost-/West-Konflikt weniger bedeutend sein wird als der Süd-/Nord-Konflikt (das ist der zweite grosse geopolitische Konflikt, welchen es in der Zukunft zu lösen gilt).

* Ich halte nicht viel vom ganzen politischen Geplänkel - das ist alles nur ein Gestürm um verlassene Standpunkte und eine dumme Zeitverschwendung (sowohl global wie national - wir haben heute andere Probleme wie die Ökologie oder die Pandemie, bei denen man zusammenarbeiten muss, um die besten Lösungen hinzubekommen - und diese Probleme werden uns auch immer wieder daran erinnern, dass wir mit dem dummen Gestürm endlich aufhören sollten [ich weiss: in einer Demokratie braucht es die politische Auseinandersetzung, aber trotzdem: es braucht auch die politische Vernunft]).

Anm. Auch dies gehört zur heutigen Information - ich habe viele Seiten angetroffen, die man nicht lesen kann, wenn man nicht Abonnent ist: auch Peter Piot, welcher im obigen Film die Hauptaussagen macht, wurde zur aktuellen Krise befragt. Er wird von der Financial Times als 'Mick Jagger of microbes' bezeichnet: schöner könnte man nicht sagen, wie ernst man diese Krise wirklich genommen hat in den USA, und auch in Europa. Um den Artikel vom 28.2. lesen zu können, muss man zuerst eine Werbeumfrage mit zehn Fragen durchgehen... Hier gibt es ein Video von Piot bei CNN (CNN, 19.3. [21:08]).

Bald ist es Zeit für eine erste Zusammenfassung all dieser intellektuellen Stimmen, aber ich warte damit noch ein paar Tage.

[Alle Angaben der kleinen Sammlung von Stimmen der Public Intellectuals zum Coronathema sind ohne Gewähr gegeben. Sie sind nicht immer ganz auf dem aktuellsten Stand, was recht schwierig ist, da ja im Moment irgendwie fast alle etwas zu dieser Sache sagen, aber ich werde mir Mühe geben, die Sache einigermassen aktuell, interessant und übersichtlich zu halten. Es fragt sich hier am Ende auch, ob das Konzept des Public Intellectual und Philosophers in Zeiten der sozialen Medien (Facebook, Twitter, Instagram) nicht längst überholt ist. Ich habe hier nur Youtube berücksichtigt, nicht aber die (anderen) sozialen Medien (weil es bei den heutigen Suchmaschinen die Videosuche, aber [noch] keine Tweetsuche gibt). Das hat einen bestimmten Grund, und der liegt in den Suchmaschinen (Google, Bing). Sie sind heute neben den klassischen Medien und deren Webinhalten der bedeutendste Hauptknotenpunkt für die Bedeutung von Public Intellectuals; und mit ein Grund dafür, warum das Konzept des Public Intellectuals und Philosophers noch nicht veraltet ist. Diejenigen, welche diese Rolle ganz gezielt suchen - wie etwa (auf philosophischer Seite) Chomsky, Zizek, Precht (alle übrigens, glaube ich, ohne Twitter-Account!) - sind jedoch selten (aber meiner Meinung nach: wichtig).]


Allgemeine, persönliche Beiträge.

Ethikdiskussion Triage (21.3.2020). In der SRF-Tagesschau wurde ein Papier namens 'Covid-19-Pandemie: Triage von intensivmedizinischen Behandlungen bei Ressourcenknappheit' von der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW vorgestellt, welches eine Richtlinie darüber gibt, welche Patienten in einem Notfall bevorzugt werden. Ich finde das - aus einer philosophischen Sichtweise heraus - ethisch problematisch, und ich meine, dass man das - wenn schon (und zumindest nach der aktuellen Notlage, und überhaupt wenn immer möglich) - über Patientenverfügungen (bzw. vorausgehende Patientenmitbestimmung) lösen sollte.

Erste Generalbeurteilung der Schweizer Lage in der Coronakrise, am 26.3.2020. "Die vom Bundesrat getroffenen Einschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus sind einschneidend, und sie werden noch mindestens drei Wochen dauern. 'Das ist kein 100-Meter-Lauf, sondern ein Marathon', sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien. Das klang so, als rechne der Bundesrat damit, die Massnahmen über den 19. April hinaus zu verlängern. Auf Nachfrage eines Journalisten wich Berset jedoch aus und sagte, der Bundesrat müsse dies noch analysieren. Bereits heute ist klar, dass zumindest gewisse Einschränkungen länger gelten werden. Die Schweiz müsse sich an diese Situation adaptieren - über mehrere Monate oder sogar Jahre. Dabei zeichnete Berset mit einem Finger eine Wellenbewegung in die Luft. Als wollte er verdeutlichen, dass sich Fortschritte und Rückschläge im Kampf gegen das Virus abwechselten. Es sei Ausdauer gefragt, sagte Berset: 'Wir sind erst am Anfang.'" (Neue Zürcher Zeitung NZZ, 25.3.) Wieder einmal hat man sich also in der Politik arg verschätzt - jetzt scheint man aber die richtigen Dimensionen gefunden zu haben (anders sieht es in der Wirtschaft aus, wo die geforderten Abstände noch nicht überall eingehalten werden - ob die Rechnung der starken Begünstigung der Wirtschaft im Lockdown aufgeht, wird sich noch zeigen: möglicherweise wird eben gerade dies die Zeit der Massnahmen bedeutend verlängern [ich hoffe natürlich, dass die Rechnung für die Wirtschaft wie für die Gesellschaft letztlich aufgehen wird]). Die Regierungen stehen heute unter doppeltem und dreifachen Druck. Man kann sie angreifen oder verteidigen. Angriffsflächen bieten sie derzeit relativ viele - mein Verteidigungsargument besteht darin, dass ich nicht glaube, dass irgendeine frühere Regierung diese Krise besser gelöst hätte. Wir waren ganz einfach mehr oder weniger alle überrascht von der Entwicklung (Mitte Dezember 2019: China, 28.1.2020: Italien, 25.2.2020: Schweiz). Keine Pandemie seit der Spanischen Grippe (1918-1920) und der Pest (im Mittelalter) hat die westliche Welt derart stark betroffen (wie die getroffenen Massnahmen aller Regierungen in Europa ganz eindeutig zeigen). Die Warnungen - etwa vom US-Unternehmer und -Millionär Bill Gates und einigen Experten - waren noch sehr weit weg. Spätere Regierungen werden - in allen Stadien der immer internationaleren Verbreitungskette - solche Probleme hoffentlich besser angehen (und die Vorgaben der Experten besser berücksichtigen: 'frühe Identifizierung, präzise Diagnose und sofortiges Handeln'), aber das war in diesem Moment fast gar noch nicht möglich. Daher müssen wir einmal mehr zufrieden damit sein, dass die Regierung und die Politik das Beste geben nach ihrer Möglichkeit.





Einschätzungen / Aussichten.

Vielleicht und hoffentlich wird ein Impfstoff gegen dieses Virus gefunden werden, aber damit wäre nur diese eine Bedrohung gelöst: wir haben eben in den letzten Jahren eine starke Zunahme von Epidemien in der Welt gehabt; so dass das Problem so oder so weiterbestehen wird. Muss man sich gar um die Weltordnung sorgen? Vielmehr muss uns zu dieser Zeit bereits bewusst werden, was man zuvor bei den besten Bedingungen, welche es in der Welt je gegeben hat, verpasste (und diese Tatsache kann eigentlich nur die schärfste Kritik am Menschen dieser Zeit in uns hervorrufen). Vielleicht wird uns das Virus endlich zeigen, was wir das nächste Mal unbedingt tun müssen, wenn wir irgendwann wieder einmal Zeit dafür haben, nämlich einen gerechten Frieden und eine gerechte Ordnung in der Welt schaffen. (Damit man bei solchen und anderen bzw. echten Problemen vorbeugen und zusammenarbeiten kann. Wieviel Zeit dafür in der spät- und postmodernen Zeit und deren Problemen noch bleiben wird dafür, das ist fraglich. Man kann solchen Gedanken auch eine gewisse Naivität vorwerfen, aber für mich hat Philosophie durchaus etwas mit berechnender Naivität zu tun. Man kann auch die Weisheit im Grunde erkennen, sich dann aber von allem ablenken lassen und am Ende etwas ganz anderes behaupten.)

Sehr wichtig wird in dieser Sache natürlich sein, ob das Coronavirus ebenso wärmeempfindlich ist wie das Grippevirus - demnach müsste es bereits im April nachlassen und dann im Sommer vorerst praktisch verschwinden. Allerdings wissen wir nicht, ob das wirklich so eintreffen wird. Und wie gesagt: damit ist das Coronaproblem noch nicht gelöst, denn das Virus wird vermutlich wieder kommen, noch sind die folgenden Epidemieprobleme gelöst. Die Diskussion dazu ist natürlich eben - so oder so - eröffnet. Wir haben jetzt gesehen, wie rasch eine solche Problematik wirklich problematisch werden kann/könnte. (Für die Medien gilt freilich meistens: aus den Augen, aus dem Sinn [und die Politik schliesst sich dem oft sehr gerne an]. Schauen wir mal.)

Natürlich stellen sich beträchtliche Fragen für die Zukunft. Da man mit relativ drastischen Massnahmen aufgefahren ist - vom kommunistischen China über Italien und die Schweiz bis zu weiteren Ländern Mitteleuropas - muss damit gerechnet werden, dass man bei einer weiteren Welle des Coronavirus und/oder bei weiteren Pandemien ähnlich verfahren wird. Bedeutet dies eine ständige Unsicherheit und Verunsicherung der Wirtschaft und der Veranstalter? Wer mag schon nur nächsten Winter noch in Winterevents investieren? Die traditionellen Veranstalter von Winterevents werden es sicher noch einmal versuchen, aber allzu viele neue Veranstaltungen wird es nächsten Winter vermutlich nicht geben (falls der Impfstoff nicht früher kommt, als erwartet). Und eben: es ist in den nächsten Jahren mit weiteren, neuen Pandemien unvorhersehbaren Ausmasses zu rechnen.

Auch in Firmen, bei Behörden, Vereinen und Sportteams werden Massnahmen getroffen. So meint etwa ein Schweizer Fussballer (Stocker [FC Basel]): «Das Einzige, was beständig ist, ist die Unbeständigkeit.» Das stimmt, rein philosophisch betrachtet, so natürlich nicht - aber vielleicht ein Motto der nächsten Tage, Wochen, Jahre und Jahrzehnte...?! Es erstaunt mich, wie locker das alles viele Leute und Medien noch immer nehmen. Sie diskutieren (selbst bei einer aktuen Krise) nicht über die grossen Zusammenhänge (dabei ist das wichtig und bedeutend für die geistige Immunität und die Volksgesundheit! Sich jetzt schon die grossen Gedanken zu machen, um dann damit leben zu können [das ist wie in einem (Welt-) Krieg - zum Glück nicht ganz so dramatisch, aber dramatisch genug]). Zuerst gilt es jetzt einmal diese Welle zu überstehen. Die Fragen nach einer apokalyptischen Zukunft und wie man eine solche abwenden will/soll, sind aber mit dieser Pandemieepisode sicher nicht kleiner geworden. Es gilt daher auch das Vertrauen zu fassen, dass eine solche Welle ohne allzu grosse strukturpolitische Konsequenzen auch wieder vorbeigehen kann. Das Vertrauen in die Regierung ist natürlich ein wichtiger Faktor in Krisen- und Katastrophenzeiten.

Ach ja, und übrigens, falls das jemand noch nicht gehört oder begriffen hat (oder es auch versehentlich teils gar nicht gesagt, oder nicht so klar gesagt wurde, oder im allgemeinen Medientrubel ganz einfach untergeht): die aktuellen drastischen Behördenmassnahmen gibt es deshalb, weil man versucht, eine Überbeanspruchung des Medizin- und Spitalwesens zu vermeiden. Es geht also v.a. darum, die Sache hinauszuzögern, um sie besser bewältigen zu können, wenn der Hauptansturm kommt. (Dies musste man anfangs unbedingt noch anmerken, mittlerweilen sollte das klar sein, aber trotzdem.)

So oder so kann man natürlich trotzdem verschiedener Meinung sein über die drastische Stärke der Massnahmen der Behörden und deren Entwicklung. Sind sie unausweichlich, oder sollte man einfach ein bisschen cooler reagieren? Oder gerät man mit einer solchen 'Coolness' nicht wiederum unweigerlich in einen Zynismus der Arroganz und der Ignoranz hinein, mit welchem auch üblicherweise die 'normalen Probleme' dieser Gesellschaft behandelt werden? Müssen oder sollten (insbesondere) Philosophen distanziert und abgehoben sein/wirken, oder können oder sollen (insbesondere auch) sie auch betroffen und engagiert sein/wirken? Ich denke, es gibt auch dazu keine einheitliche Antwort. Und man fragt sich natürlich, ob das jetzt ein paar Jahre jeden Winter so gehen wird (und wie man sich auf allfällige neue, noch schlimmere Pandemien vorbereiten und einstellen will).


Die erste politische Einschätzung aus dieser Coronakrise ist diese, dass wir in einem ähnlichen solchen Fall einen echten Krisenmanager oder eine echte Krisenmanagerin brauchen.

Ähnlich wie man im Krieg einen Krieg einen General oder eine Generalin aufstellt. Dieser/diese müsste sich auch nicht täglich um Medientermine kümmern (dafür hätte er/sie seine/ihre Sprecher und Sprecherinnen), sondern würde alleine die Krise managen und dafür arbeiten. Der Vorteil wäre u.a. auch, dass sich ein solcher Krisenmanager nicht noch um viele andere politische Dinge kümmern müsste, sondern sich sofort und alleine mit dieser Krise auseinandersetzen könnte (die normalen Aufgaben laufen ja für die politischen Vertreter teils weiter, trotz der Krise). Natürlich wäre ein solcher Krisenmanager vom Bundesrat gewählt und würde auch eng mit diesem zusammenarbeiten - es geht nicht um eine Distanz von der Politik, sondern um die Konzentration auf die sofortige und intensive Konzentration auf die Krisenlage. Ich sage nicht, dass die derzeit handelnden Personen die Sache schlecht machen würden: sie geben sich sehr viel Mühe und machen das Mögliche (aus einer relativ schlecht vorbereiteten Situation heraus, notabene; und wenn Herr Berset zuweilen gelobt wird, wie er als Gesundheitsminister die Krise managt, so tut dies meinem Einwand keinen Abbruch, denn wir wissen nie, wie die Konstellation im Bundesrat beim Eintreten einer Krise genau aussieht: das hat immer etwas Zufälliges, was bei der Wahl eines Krisenmanagers sicher weniger der Fall wäre). Ich würde in solchen Fällen eben eher eine spezielle Person sehen, welche die ganze Sache unabhängig von allem anderen angehen kann. Das wird sicher zumindest ein paar Gedanken wert sein.

Hier gibt es Kritik zur schlechten Vorbereitung der (Schweizer) Behörden in einem solchen Krisenfall (SRF/Echo der Zeit, 20.3. [10:07 - Radiobeitrag]). Gesundheitsminister Berset meinte am Anfang der Krise, dass die Schweiz vorbereitet sei - die Entwicklung der Krise hat leider das Gegenteil gezeigt (alles wirkt ein bisschen spontan, unvorbereitet und ungenügend). Offenbar gibt es seit dem Jahr 2004 einen nationalen Pandemieplan, welcher aber von den Kantonen nicht adäquat umgesetzt wurde. Die richtige Zeit für Manöverkritik sei nach der Krise, meint eine Expertin. Da meine ich: Ja und Nein. Diejenigen, die jetzt beschäftigt sind mit öffentlichen Aufgaben, sollen sich nicht mit solchen Dingen herumschlagen. In der intellektuellen Diskussion zur Zeit des Internets können solche Dinge aber durchaus bereits zeitgerecht diskutiert werden (so dass auch eine gewisse Empörung in der Spontankritik offenbart wird). Diese Kritik bzw. die schlechte Vorbereitung ist natürlich immer auch eine Frage der Sensibilität und der Sensibilisierung der Leute. Das scheint ein gewisses Problem in der Demokratie zu sein - dass die Politik gewisse Dinge aufschiebt oder gar nicht anpackt, weil sie das Gefühl hat, die politische Sensibilität sei dafür nicht gegeben. Vielleicht geht es in der heutigen Politik ein bisschen zu viel um Sensibilität und ein bisschen zu wenig um Logik und Politik.

Die zweite politische Einschätzung dieser Coronakrise ist diese, dass wir über eine neue Form von Medien nachdenken müssen.

Ich habe oben geschrieben, dass sowohl die Regierungen wie auch die Medien zu spät reagiert haben. Die Frage ist nun, wem man die grössere Verantwortung dafür geben will - insbesondere auch zusätzlich für die ungenügende Vorbereitung. Politisch verantwortlich, ist natürlich die Regierung, aber die Medien behaupten von sich, dass sie - so behaupten sie selber - die vierte Gewalt im Staate seien. Warum dies? Weil sie die Regierung kontrollieren sollten. Sie haben also eine Kontrollfunktion. Und diese geht erstens noch tiefer, als die oberflächliche Verantwortung, und zweitens haben die Medien auch viel mehr Zeit, welche sie sich nehmen könnten, als die Regierung, die ja immer im täglichen Geschäft drin ist. Die Medien zwar auch, aber sie haben viel mehr Auswahl- und Gestaltungsmöglichkeit. Sie können eigentlich machen, was sie wollen, und daher auch die Zeit sinnvoll nützen, die sie viel zu oft unsinnig verplempern. Die Regierung hat ihre festen Abläufe und Termine, die Medien sind so frei, wie sie gerne sein möchten. Aber sie nutzen diese Freiheit schlecht. Darum waren sie auch diesem Virus nicht adäquat auf der Spur: weder am Anfang der Epidemie, noch in der Vorbereitung. Sowohl die Privatmedien wie die Staatsmedien scheinen aus je verschiedenen Gründen den kommenden Problemen nicht gewachsen zu sein; noch viel weniger sind es die Sozialen Medien, in welchen das grösste Durcheinander herrscht (sie können anregen, aber nicht führend sein oder gar verantwortlich gemacht werden). Wir sollten also über eine neue Form von Medien nachdenken. Die bisherigen Medien können bestehen bleiben, aber es müssen neue dazu kommen, die uns vorwärts bringen können. Ein wichtiger Punkt wird sicher sein, wie die Wissenschaft sinnvoll übermittelt werden kann. Das heisst: es braucht bei diesen neuen Medien bessere Experten (und auch Experten als Journalisten, quasi - eine Art Mischform von Expertentum und Journalistentum [Journalisten, die halb bei der Sache sind, und einfach Experten mit verschiedensten und skurrilsten Meinungen interviewen oder auch nicht, genügen nicht mehr; der Journalismus hatte Zeit, adäquatere Journalisten auszubilden, aber er hat es nicht getan: die journalistische Ausbildung ist qualitativ miserabel (zudem sitzen in der Führungsetage von privatwirtschaftlichen Medien meist Leute eigentlich ohne jeglichen Medienbezug und -verständnis, reine Wirtschaftsleute)]). Gleichzeitig müssen diese neue Medien breit abgestützt und sinnvoll eingesetzt werden.

Ideen zu neuen Medien. Warum nicht sozialwissenschaftliche Forschungsprojekte in entsprechenden Reality-TV-Formaten? In Deutschland gibt es derzeit neu eine Show, in welcher Zuschauer Gerichtsentscheide fällen müssen. Fällen sie das gleiche Urteil wie die Rechtsexperten der Gerichte (und wenn nein: warum nicht? - dieser Aspekt fehlt in der Sendung)? Das sind durchaus interessante (auch wissenschaftlich interessante) Ansätze und Möglichkeiten. Gerichts- und Polizeisendungen werden heute auch eingesetzt, um einer moralisch verludernden Gesellschaft auf die Sprünge zu helfen. Doch Gerichte und die Polizei sind nicht die einzigen Dinge, über welche die Leute besser informiert sein sollten. Es gibt auch etwa den Dokumentarkanal beim ZDF (ZDFinfo) - das ist auch interessant: die deutschen Medien sind zu dieser Zeit in vielem vorbildlich, aber das reicht noch lange nicht. Es gibt sicher viele Möglichkeiten, auch viele neue Möglichkeiten - in allen Bereichen der Wissenschaft - die zuerst entwickelt werden müssen (bis zu Einblick und Teilhabe in aktuellen Forschungsprojekten, Streitgespräche zwischen Experten, evtl. auch mit Zuschauerwahlen [was würden die Zuschauer für Experten wählen (und warum?, was würden überhaupt auch die Zuschauer für eine Wissenschaft machen und wollen?, wie kann man die Zuschauer dazu bringen, die Wissenschaft nachzuvollziehen, die sich in den letzten Jahrhunderten gebildet hat, nicht dass die Wissenschaft plötzlich wieder auf Leute trifft, die ahnungslos sind, und von nichts irgendeine Ahnung haben, wie jene im späteren Mittelalter: wenn nur noch eine immer kleinere Elite diese Wissenschaft nachvollzieht, dann wird sie früher oder später moralisch verkümmern*)]). Die Wissenschaft müsste sich zusammentun und über neue Wege nachdenken, um einen medialen Bildungs- und Erziehungsauftrag zu erfüllen. Das wäre eine Sache, welche die Universitäten - vielleicht international - an die Hand nehmen könnten: sie sind ja mit in der Verantwortung in so einem Problem, wie wir es derzeit haben. Sie müssen eine Brücke finden zur Bevölkerung. Dieses heutige Problem kann uns zeigen, wie wichtig die Medien sind, und wie wichtig es wäre, bessere und aufmerksamere Medien zu haben. Es gibt ja übrigens auch Medienwissenschaften. Warum kommen die nicht auf solche Dinge? Warum muss ein Philosoph solche Dinge erarbeiten? Weil der Philosoph eben den besseren Überblick hat, und die einzelnen Wissenschaften manchmal gar nicht sehen, was eigentlich angesagt wäre. Gefragt wären also vielleicht universitäre Unternehmer, die so etwas an die Hand nehmen. Oder sonst vielleicht auch überhaupt zuerst einmal eine breit abgestützte Diskussion zu neuen Medienformen und -formaten. Ich sage nicht, ich hätte hier gerade die Medien neu erfunden - das ist bloss eine sehr spontane Idee (zur Eröffnung einer Diskussion). Ich mache die heutigen Medien mit- oder sogar hauptverantwortlich für vieles, was in der heutigen Welt schiefläuft. Sie sind der Kontrollfunktion, die sie haben (und sich selber gegeben haben eben auch), nicht gewachsen.

* Die ganzen heutigen Kultur- und Moralprobleme betreffen ja leider nicht nur Politik und Wirtschaft, und Medien, sondern alle Bereiche, auch die Universitäten. Das ist vielleicht sogar das grösste Problem bei Medien, die von den Universitäten ausgehen würden. Ich bin natürlich der Meinung, dass die Natur- und Sozialwissenschaften gleichermassen vertreten sein müssten, und auch die Philosophie und die Theologie. Dass die Universitäten die Philosophie an den Rand ihrer eigenen Institution gedrängt haben ist ein ebenso grosses Problem wie die Fehlentwicklungen in der Philosophie selber. Sie müsste der Leader sein in dem allem, in einer wahren wissenschaftlichen Gesellschaft, wie sie erträumt wurde am Anfang der Neuzeit (auch wenn sie heute besser begründet werden muss als damals), aber sie steht heute im zunehmenden Abseits. Ein Journalist sagte einmal, wir würden heute einen neuen Kant benötigen: nein, wir benötigen einen ökologischen Bacon (Neu-Öko-Atlantis) und einen soziologischen Descartes (Wir denken, also sind wir), eine Neubegründung und -ausrichtung der Wissenschaft, eine Medialisierung der Wissenschaft. Damit wir nicht in irgendein neues Mittelalter abgleiten, sondern dabei bleiben, beim positiven Fortschritt der Menschen. (Zum neuen Kant können wir dann später kommen.)

Den privatwirtschaftlichen Medien weiterhin die Führung zu überlassen bedeutet den Untergang der Menschheit, wie wir sie heute kennen, oder mindestens den Untergang der westlichen Kultur (alleine deshalb, weil die privatwirtschaftlichen Medien auf den reinen, zeitgeistlichen Zufall bauen - das kann sich eine wissenschaftliche Gesellschaft nicht erlauben). Es mag ein reiner Zufall sein (?), aber die von der aktuellen Krise meistbetroffenen Länder - Stand von anfangs April - sind durchwegs Länder mit einer aus diversen Gründen völlig desolaten Mediensituation: die USA, Italien und die Schweiz. Desolat ist in diesen Ländern auch das Verhältnis zwischen Medien und Politik. In den USA haben wir einen Präsidenten, der die Medien als Fake News bezeichnet und fast schon zu Gewalt gegenüber Medienschaffenden aufgerufen hat. In Italien hatten wir sogar einen Medienzar als Ministerpräsidenten, der jahrzehntelang die sowieso schon sehr instabile italienische Politik aufgemischt hat. In der Schweiz herrscht ein ausgesprochener Föderalismus, doch die Medienwelt wird von zwei Zürcher Verlagen, aus der Stadt der Banken und der Wirtschaft (und der Psychiater, notabene), beherrscht, während die meisten Kantone und sogar die Hauptstadt Bern - vermutlich als einzige Hauptstadt der Welt (ohne Gewähr) - keine eigenen, unabhängigen Tageszeitungen mehr haben. (Die Schweiz benötigt auch eine Bundeszeitung zum medialen Ausgleich.)


Tipps - eine kleine Lebenshilfe für die Coronazeit.

Was kann man zuhause tun während der nächsten Wochen? Natürlich sich informieren - aber irgendwann wird uns das vielleicht einmal nicht mehr so gross interessieren (weil wir genug haben von dem ganzen Thema). Was kann man sonst tun? Meine Empfehlungen: Spielen (Brett-, Karten-, Würfelspiele), Bibel lesen (für alle diejenigen, die das noch nicht gemacht haben, wäre dies eine gute Gelegenheit [sehr spannend, mal zu schauen, was denn da wirklich drinsteht - aber: es gibt natürlich auch viele andere Bücher, und natürlich ist es auch erlaubt, meine Bücher zu lesen (siehe: Verlagsseite)]), Fitness-/Yogatraining (und ähliches - Anleitungen mit geeigneten Sachen für die Wohnung finden sich im Internet).

Werdet kreativ: schreibt - Gedichte, Kurzgeschichten, Theaterstücke, Romane, aber auch Sachbücher oder ganz einfach bloss ein Tagebuch (Schreiben kann Therapie sein, das wissen alle Autoren) - oder zeichnet, malt und bastelt, kreiert selber Spiele, je nach Begabung und Interesse. Ihr müsst nichts veröffentlichen, wenn ihr nicht wollt. Ihr könnt das später aufbewahren als eure persönliche Erinnerung an die Coronazeit. Ihr könnt auch eine Website machen - eine Anleitung dazu gibt es auf meiner Website (siehe Webpublishing). Denkt bei all euren Aktivitäten im Netz und am Handy aber daran, dass das Internet zusammenbrechen könnte im Verlauf der Zeit (wenn immer mehr Leute immer mehr Zeit dafür haben). Mit dem muss man leider wohl rechnen (das heisst nicht, dass es passieren wird, aber dass es passieren kann). Natürlich eignet sich diese Zeit auch zum grossen Aufräumen und Putzen, evtl. sogar die Wohnung umstellen, und auch kochen, bescheiden natürlich, denn man sollte ja im Moment auch mit allem ein bisschen sparen - dafür hat man jetzt sehr viel Zeit. Sicher ist es auch eine gute Idee, neue (WhatsApp-) Kontakte zu suchen (vielleicht Bekannte oder Verwandte, die man in letzter Zeit nicht so viel kontaktiert hat - andererseits sollte man sich damit auch nicht überladen und nur noch im WhatsApp und/oder in den Sozialen Medien herumhängen, sondern diese Zeit jetzt auch wirklich und geradezu bewusst für sich nützen - man sollte diese Zeit nicht nur als Unfall, sondern auch als Chance sehen - denn unter diesem Motto soll diese Zeit stehen [für sich heisst: für sich selber, wenn man alleine lebt, für die Partnerschaft, Wohngemeinschaft oder für die Familie: wenn man nicht alleine lebt]).

Als mittlerweilen Langzeitarbeitsloser bin ich mir gewöhnt, sehr viel zuhause herumzusitzen, was gar nicht so einfach ist, wie die meisten Leute dieser Gesellschaft meinen (sie werden das jetzt dann selber merken). Wichtig ist allgemein, trotz allem eine gewisse Tagesstruktur zu haben - etwa mit festen Essenszeiten, bestimmten Sendungen im Fernsehen, die man sich jeden Tag anschaut oder anderen Aktivitäten für die man eine feste Zeit einplant (das muss nicht martialisch eingehalten werden, aber so ungefähr), damit man das Gefühl hat, man habe einen geregelten Tagesablauf. Sehr wichtig ist auch ein klarer Tag-/Nacht-Rhytmus: das heisst feste Zeiten, in den man ins Bett geht und aufsteht. In der Nacht sollte man ruhen, d.h. nicht aufstehen und etwas Leistungsmässiges machen, wenn man nicht schlafen kann, sondern im Bett bleiben und die Tageszeit dafür nützen. Der Geist wird jetzt mehr beansprucht werden als üblich und das kann auch Probleme bereiten - wenn man zu nervös und aufgeregt wird, sollte man sich vom Arzt Beruhigungspillen verschreiben lassen (diese nur nehmen, wenn man sie wirklich gerade braucht).

Sicher wird euch auch vieles selber in den Sinn kommen, womit ihr eure Zeit ausfüllen könnt (und sonst gibt es vermutlich im Internet noch einige Seiten mehr, die weitere Tipps anbieten und herumbieten). Ihr solltet auf jeden Fall auch Ruhephase einbauen, damit ihr euch nicht überlastet (eben auch mit Yoga, autogenem Training und ähnlich, oder auch einfach nur lernen dazu sitzen und die Gedanken ein bisschen herumschweifen lassen [natürlich nicht den ganzen Tag nur das - sonst wird man ja blödsinnig, man sollte eben auch etwas bzw. einiges tun]). Natürlich sollten die Behörden die Leute auch in diesem Bereich informieren (denn das Psychologische und Alltägliche wird für die Leute sehr wichtig werden in den nächsten Tagen und Wochen) - tun sie aber nicht (sondern sie lassen die Leute vollkommen alleine in diesem Bereich). Natürlich mache ich mir im Moment Gedanken um die Leute, die jetzt dann alleine und einsam sein werden und sich dies überhaupt nicht gewöhnt sind (weil sie normalerweise arbeiten gehen). Daher hier ein paar Tipps von meiner Seite her - falls die Sache tatsächlich länger gehen sollte, als wir ursprünglich gedacht haben (was leider sehr gut möglich ist).

Kleine spielerische Betrachtung. Natürlich kann ich mir einen kleinen spielphilosophischen Hinweis nicht verkneifen. Derzeit empfehle ich dieses Brettspiel: Pandemie (neuere Ausgabe: Pandemic [engl.]). Das ist kein Witz, sondern ein spielerischer Umgang mit dem Thema. Das kooperative Spiel gehört zu den bekanntesten Brettspielen der 2000-er Jahre und stammt aus dem Jahr 2008. Man kann damit im Spiel aktiv die Pandemie bekämpfen, während man im wirklichen Leben nur hoffen kann, auf die Wissenschaftler, Forscher und Techniker. Auch sonst tut das Spielen gut in dieser schwierigen Zeit. Erst am 12.3. hat übrigens die WHO, die Coronaepidemie offiziell zur Pandemie erklärt. Weitere Spieletipps gibt es auf meiner Website (siehe: Spieleseite - Spiele kann man natürlich im Internet kaufen [bei Amazon, bei Spielläden oder Buchhandlungen, oder bei Ebay, Tutti oder Ricardo]).

Natürlich ist es jetzt nicht nur Zeit für Spiel, sondern auch für Ernst (aber Spiel muss auch sein) - Zeit für Gedanken zu dieser ganzen Problematik und wie diese mit dem eigenen Leben zusammenhängt; was der Einzelne in seinem Leben und in seiner Position tun kann und sollte. Das einzige Glück desjenigen, der keines hat, ist dasjenige, dass diejenigen, die es haben, es nicht schätzen können. Ich frage mich derzeit, ob wir, wenn wieder Normalität einkehren wird, unser Glück besser schätzen und doch auch ökologischer handeln können. Ich befürchte, das wird alles ein bisschen schwieriger werden, als wir meinen. Das ist ja überhaupt das Schwierige an dieser ökologischen Sache: dass sie keinen Mehrwert bringt. Es geht nicht darum, etwas Neues aufzubauen - jedenfalls haben wir nicht den geringsten Plan dafür - sondern nur etwas zu verhindern (nämlich das Schlimmste).

Auch Büchertipps machen die Runde. Meine sind diese: 1. Die Bibel, 2. Die Bibel, 3. G.K. Chesterton: 'Father-Brown-Geschichten', Jostein Gaarder: "Sofies Welt", Victor Hugo: "Die Elenden", Hugo Loetscher: "Der Immune", Albert Camus: "Die Pest". Maja Lunde scheint eine interessante Autorin im Natur- und Umweltbereich zu sein - habe ich selber noch nicht gelesen (ich werde es tun, sobald ich Zeit habe [derzeit bin ich hier an dieser Pandemieseite und an der Ökoseite sowie an meinem nächsten Buch und an ein paar anderen Sachen, aber irgendwann wird es Zeit geben, und die Coronakrise dauert noch länger]). Wer sich in dieser Zeit ein bisschen näher mit der Philosophiegeschichte befassen möchte, dem empfehle ich auch mein Buch: "Geschichte der Philosophie - Von der Ur-Idee zum Welt-All" (2018 - siehe: Verlagsseite).


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