Ökoseite (historisch)



Eigentlich wollte ich schon lange eine Ökoseite machen, habe es dann aber doch immer wieder verschoben und vertagt - ich wusste auch nicht, wie ich das genau anpacken sollte. Anlässlich der Aufschaltung der Pandemieseite habe ich mich nun dazu entschlossen auch eine solche Ökoseite zu machen. Wie das im Einzelnen aussehen wird, das werde ich dann noch sehen.


Im Gegensatz zum Pandemiethema behandle ich das Thema der Ökologie viel stärker im historischen Zusammenhang. Was hat eigentlich zum heute aufkommenden ökologischen Denken geführt? Eine kulturelle Spurensuche der Auffassungen von Umwelt & Natur. Wir sind vielleicht erstaunt von dieser Entwicklung, wenn wir sie noch nicht kennen. Wir werden sehen, dass die Namen, die heute eigentlich in aller Munde sein müssten, weil sie zu den Pionieren der Ökologie gehören, noch immer kaum jemandem bekannt sind. Wahrgenommen wird die Ökologie in der Politik seit etwa den 1970-er Jahren mit ersten Protesten und den 1980-er Jahren mit der Gründung der nationalen Grünen Parteien - doch diese Bewegung kommt von sehr viel weiter her. Wir werden auch sehen, dass die Ökologie eine viel vertracktere Sache ist, als wir im ersten Moment vielleicht denken.


Antike. Für den antiken Menschen gab es noch keine so bedeutende Trennung von Natur und Kultur bzw. Subjekt und Objekt, wie sie Descartes am Beginn der wissenschaftlichen Neuzeit eingeführt hat. Die ersten Urgrundphilosophen bestimmten die Elemente als Urgrund (Erde, Wasser, Luft, Feuer), Parmanides das ganze Sein, Heraklit das Fliessen in allem, Anaxagoras den allwirkenden Geist, Platon die Ideen hinter allem. Für Aristoteles bestand die Seele aus einem pflanzlichen, einem tierischen und einem menschlichen Aspekt. Die sophistische und die stoische Philosophie bereiten am Ehesten in dieser Hinsicht auf die Neuzeit vor, jedoch kam zuerst das Mittelalter, in welchem die Religion die Hauptrolle spielte - mit einem Gott, welcher (zumindest bis zur Schöpfung) ausserhalb des Zusammenhangs von Natur und Kultur steht (oder wie Spinoza später sagen wird: reinste Natur ist, das Ewige als das Uranfängliche in der Zeit, denn uranfänglich ist [im Glauben der Religion] das Wirken Gottes, und das Unendliche im Raum, denn unendlich ist der Raum, den Gott erreicht sowie das Jenseitige oder eben 'Himmlische' im Leben, welches durch einen Schleier von Religion vom diesseitigen, irdischen Leben getrennt ist, aber nicht absolut, sondern nur relativ [quasi - natürlich ist es schwierig, das Göttliche zu beschreiben, und auch dies ist nur ein Versuch; das Uranfängliche oder Natürliche ist die sich selbst begründende und nicht widerlegbare Substanz]). Bedeutend zu nennen ist in diesem Zusammenhang in der Antike auch der atheistische, römische Dichter Lukrez mit seinem Gedicht "De rerum natura" (dt. Über die Natur der Dinge oder Vom Wesen des Weltalls) - es ist eine Hommage an Epikur und handelt von der Stellung des Menschen in einem nicht von Göttern beeinflussten Universum. Der Sinn besteht darin, dem Menschen stoische Ruhe und Gelassenheit durch die Überwindung der Furcht vor dem Tod und den Göttern zu geben. Die Auffassung kann man als streng materialistisch bezeichnen. Lukrez sieht also quasi (christlich interpretiert) die Schöpfung ohne einen Schöpfer (oder nach Aristoteles, welcher von einem Erstbeweger sprach: eine Bewegung ohne einen Beweger - die entsprechende Stellung des Menschen müsste dann jener eines quasi absoluten Herrschers entsprechen [und/oder: eines Menschen, der keinen Schutz mehr hat vor der Natur (bzw. vor dem Uranfänglichen)? - natürlich ein sehr kontroverses Thema, welches uns auch bis heute und weit darüber hinaus beschäftigt]).


Sonnengesang (im 13. Jh.). Das bedeutendste Schöpfungsgedicht/-lied des Mittelalters ist "Il Cantico di Frate Sole (Cantico delle Creature)" (dt. Sonnengesang) von Franziskus von Assisi (Video: 'Angelo Branduardi - Sonnengesang').


Naturrecht (1265). Der italienische Theologe Thomas von Aquino spricht in seiner "Summa theologica" (dt. Summe der Theologie, 1265-1273) bedeutend vom lex naturalis (Naturrecht), dies in seiner vierstufigen Gesetzeslehre (lex aeterna, lex divina, lex naturalis, lex humana). Diesen Begriff hat er aus dem Werk antiker griechischer und römischer Philosophen und christlicher Kirchenväter entwickelt (besonders bedeutend sind etwa die Stoiker, Cicero - bei ihm mit verschiedenen Begriffen: vera lex, suprema lex, communis lex naturae, jus naturale, naturae jus, naturae lex, naturalis lex, universum jus, sempiterna lex - oder Augustinus). Das Naturrecht entspricht bei Thomas der Teilhabe der vernünftigen Kreatur am ewigen Gesetz (analog bei den Stoikern: am Logos - damit ist das Gesetz auch wesentlich eine Sache der Vernunft). Weitere Vertreter des Naturrechts waren mit verschiedenen Ansätzen etwa Grotius, Pufendorf, Locke, Wolff oder Thomasius. Heute (etwa seit Kant [umstritten] und Jefferson) wird unter dem Naturrecht ein Recht vom Menschen verstanden, welches unabhängig ist von anderen Bedingungen, d.h. das urtümliche Recht des Menschen bzw. die (sogenannten) Menschenrechte (die im Menschsein selber bzw. in der Natur des Menschen liegen). Bedeutend für diese ist der Humanismus in der Antike (Protagoras) und in der Renaissance, u.a. mit der Darlegung der Würde des Menschen (bei Mirandola).


Schäferdichtung (1504). Der italienische Dichter und Renaissancehumanist Jacopo Sannazaro begründete mit seinem Werk "Arcadia" (1504) die Schäferdichtung und den Schäferroman. Darin wird das einfache und naturnahe Leben der Hirten verherrlicht. Weitere Vertreter sind etwa Torquato Tasso ("Aminta", 1573) oder Giovanni Battista Guarini ("Il pastor fido", 1585). Zu verweisen ist diesbezüglich auch auf die bukolische Dichtung in der Antike (bekanntestes Werk: Vergil - Bucolica [aka Eclogae, um 40 v. Chr. - das formale Vorbild dieses Werks sind die Idyllen (grch. Eidyllia) des hellenistischen Dichters Theokrit von Syrakus (anfangs 3. Jh. v. Chr.)]).


Landschaftsmalerei (1522). Vom deutschen Maler und Baumeister Albrecht Altdorfer soll das erste Bild einer Landschaft ohne Figuren stammen ("Donaulandschaft mit Schloss Wörth", um 1522). Ein bekanntes früheres Bild, in welcher die Landschaft den (religiösen) Figuren ebenbürtig ist, stammt von Konrad Witz ("Der wunderbare Fischzug", 1444). Die Landschaftsmalerei war sicher sehr bedeutend für das Aufkommen eines neuen und verstärkten Naturbegriffs bis zur ökologischen Bewegung in der heutigen Zeit. Im 17. Jahrhundert prägte die niederländische Landschaftsmalerei (Van de Velde, Van Goyen, Van Ruisdael) das künstlerische Empfinden stark. In der Kunstaera der Romantik im 19. Jahrhundert kamen sowohl in der Literatur wie auch in der Malerei Motive der Verbundenheit mit der Natur auf (Frühromantik [etwa 1795-1804], Hochromantik [bis 1815] und Spätromantik [bis 1848]).


Naturzustand (1651). Der englische Philosoph Thomas Hobbes beschrieb den (menschlichen bzw. gesellschaftlichen) Naturzustand (engl. state of nature) als Krieg aller gegen alle - um diesen zu überwinden brauche es, so Hobbes, einen Gesellschaftsvertrag (Video: 'Thomas Hobbes on Human Nature'). Die Diskussion um den Naturbegriff war offenbar durch die Erhebung der (Natur-) Wissenschaftstheorie (allen voran durch Bacon und Descartes) entstanden. Der natürliche Kriegszustand nach Hobbes ist natürlich eine reine Spekulation, welche sich weder bei Urvölkern und Urmenschen noch bei Affenpopulationen bestätigen lässt. (Es handelt sich, um mit moderner Terminologie zu sprechen, um eine Art Verschwörungstheorie; allerdings taucht das Bild wieder auf in einem [post-] apokalyptischen Denken - welche Relevanz es dort hat, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.)


Gartenanlagen von Versailles (1662). Die berühmten Gartenanlagen des Schlosses Versailles wurden zwischen 1662-1689 gebaut (Video: 'Versailles, des jardins aux châteaux de Trianon'). Sie bedeuteten einen Ausbau des für den französischen König Louis XIII. angelegten Petit Parcs. Ausgeführt wurde dieser Ausbau vom französischen Landschafts- und Gartengestalter André Le Nôtre. Natürlich ist die Gartenbaukunst keine Kunst, die in dieser Zeit erfunden wurde - erinnert sei etwa an die Hängenden Gärten von Babylon, welche zu den sieben Weltwundern der Antike gehörten (ferner etwa: Bagh-e Eram [Iran, 11./12. Jh.], Yu Yuan [China, 16. Jh.], Kenroku-en [Japan, 17. Jh.], Taj Mahal [Indien, 17. Jh.]) - und doch ist der Schlossgarten von Versailles zumindest im neueren Europa so etwas wie ein Sinnbild für die ästhetische Architektur der Natur (oder den entsprechenden Versuch dafür) zum reinen Wohlgefallen des Menschen. Weitere bedeutende Schlossgärten in Europa sind etwa (u.a.): Schönbrunn in Wien, Sanssouci in Potsdam oder Villandry (klein aber fein).


'Gott ist Natur' (1677). Der jüdisch-niederländische Philosoph Baruch de Spinoza gab in seinem Hauptwerk "Ethica, ordine geometrico demonstrata" (dt. Ethik, nach geometrischer Methode dargelegt, 1677) eine religiöse Antwort auf die Diskussion um den Naturbegriff - mit seinem Kernsatz: «Deus sive natura.» (Gott ist Natur, wörtlich übersetzt: Gott oder [auch die] Natur.) Mit dem Begriff der Natur ist hier nicht ein biologischer, sondern ein philosophischer Begriff gemeint - vom Ursprung von allem (Da-) Sein. Für Spinoza, dessen Auffassung als pantheistisch bezeichnet wird, ist dies eine Machtfrage: «Potentia, qua res singulares et consequenter homo suum esse conservat, est ipsa Dei sive Naturae potentia.» (Die Macht, kraft deren Einzeldinge und folglich der Mensch sein Sein erhält, ist genau Gottes Macht, das heisst die der Natur - Video: 'God or Nature'.)

Die pantheistische Philosophie beinhaltet, wie modern sie auch erscheinen mag, allgemein die Problematik, dass der auf seine Natur reduzierte Mensch keine spezielle Verantwortung in der Schöpfung mehr besitzt (wenn alles in der Schöpfung gleich bewertet wird, gibt es keine spezielle Verantwortung - siehe Verantwortungsphilosophie, u.a.: Lévy-Bruhl, Jonas, Weischedel, Ricoeur, Pogge, Nida-Rümelin, Heidbrink). Die Versöhnung zwischen einer pantheistischen und einer theologischen Position könnte darin liegen, dass es einen natürlichen und einen moralischen Aspekt Gottes und der Religion gibt (logischerweise müsste sich der moralische Aspekt dabei aus dem natürlichen ableiten, da das Umgekehrte nicht möglich ist [siehe: Naturrecht beim Menschen als ein moralisches Recht, welches sich aus der Natur des Menschen begründet]).


Nachhaltigkeitsbegriff (1713). Der deutsche kameralistische Ökonom Hans Carl von Carlowitz fragte 1713 in seinem Hauptwerk "Silvicultura oeconomica, oder hausswirthliche Nachricht und Naturmässige Anweisung zur wilden Baum-Zucht", «wie eine sothane [solche] Conservation und Anbau des Holzes anzustellen, dass es eine continuirliche, beständige und nachhaltende Nutzung gebe, weiln es eine unentbehrliche Sache ist, ohne welche das Land in seinem Esse [Sein?] nicht bleiben mag» (Video: 'Trailer 300 Jahre Nachhaltigkeit'). Auch die vermutlich erste bekannte Verwendung des Substantivs bezieht sich auf die Forstwirtschaft: im Werk "Einfachste den höchsten Ertrag und die Nachhaltigkeit ganz sicher stellende Forstwirthschafts-Methode" vom deutschen Forstmann Emil André (1832).


Müll- und Abwasserentsorgung (1739). Das bedeutende Wachstum der Städte machte eine organisierte Abwasserentsorgung notwendig. Wien war im Jahr 1739 die erste Stadt Europas, welche eine vollständige Kanalisation zur Entsorgung des Abwassers besass. In London dagegen etwa wurde mit dem Bau einer Kanalisation erst 1842 begonnen. Die erste Kläranlage wurde 1882 in Frankfurt am Main begründet. Um die hygienischen Verhältnisse in Paris zu verbessern erliess der Präfekt Eugène Poubelle 1883 ein Dekret, welches die Hauseigentümer verpflichtete, den Mietern Mülleimer zur Verfügung zu stellen. In der französischen Sprache wurde fortan sein Name für den Begriff des Mülleimers verwendet (poubelle). Bis zum 16. Jahrhundert wurden sämtliche Abfälle in Paris einfach auf die Strasse geworfen.


'Zurück zur Natur!' (1755). Dieses Schlagwort wird dem französischen Aufklärungsphilosophen Jean-Jacques Rousseau zugeschrieben: 'Retour à la nature' oder 'Retour à l'état de nature' (Video: 'Le mythe du bon sauvage [Rousseau et l'état de nature]'). Der Satz findet sich allerdings so nirgends in seinen Werken. Am ehesten ist der Satz dem Werk "Discours sur l'origine et les fondements de l'inégalité parmi les hommes" (dt. Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen, 1755) zuzuschreiben. Rousseau betrachtete den Naturmenschen anders als Hobbes nicht als kriegerisch, sondern als in einem gewissen Sinn moralisch rein. Für Rousseau hat die Kultur den Menschen dekadent gemacht - die Rückkehr zur Natur entspricht daher einer gewissen Sehnsucht des Menschen, die aber gleichwohl nicht realistisch ist (da dies zu einer Asozialität führen würde bzw. zu einem vorsozialen Status [vgl. Hobbes (obwohl Rousseau den Naturzustand als etwas Positives empfindet, ist es für den modernen Menschen doch auch wiederum etwas Negatives, weil es nicht mehr erreichbar ist)]). Der Wahlspruch nach Rousseau kann daher gerade eben nicht heissen: Zurück zur Natur. Der Mensch muss auf andere Weise Lösungen für 'sein Kulturproblem' finden.


Tierrechte (um 1781). Der utilitaristische, britische Philosoph Jeremy Bentham ist der erste Intellektuelle, welcher Tieren eigene Rechte zugesteht. Er unterschied dafür Naturalrechte von Legalrechten - das Kriterium für Naturalrechte sei die Leidensfähigkeit, meinte Bentham. Wäre es die Vernunft, argumentierte er, müssten etwa geistig Behinderte oder Kinder entrechtet werden. Bentham gilt somit als Begründer der Tierrechtsbewegung (im 20. Jahrhundert v.a. mit Peter Singer ["Animal Liberation", 1975 - 'Animal Equality'] und Tom Regan ["The Case for Animal Rights", 1984]).


Die Sache mit dem Bevölkerungswachstum (1798). Der britische Ökonom Thomas Robert Malthus stellte in seinem Werk "An Essay on the Principle of Population" (dt. Das Bevölkerungsgesetz, 1798) ein Bevölkerungsgesetz auf, wonach dem weltweiten Bevölkerungswachstum ein geringeres Wachstum der Nahrungsmittelproduktion gegenüberstehe (das heisst, dass nach ihm die Nahrungsmittelversorgung für die Menschen irgendwann einmal nicht mehr reichen wird). Dieses Argument (bzw. allgemein das Argument einer zu grossen Weltpopulation [oder auch Landespopulation]) spielte in der ökologischen Diskussion eine gewisse Rolle (v.a. in rechten Kreisen).


Naturheilkunde (1846). Der deutsche Naturheilkundler Heinrich Friedrich Francke führte 1846 den Begriff der Naturkunde ein, welcher die ganze Bewegung von Naturheilpraktikern im 19. Jahrhundert bezeichnet. Der bekannteste von ihnen ist Sebastian Kneipp (bedeutend in der Begriffsdefinierung war auch der Militärarzt Lorenz Gleich - Video: 'Das Leben von Sebastian Kneipp'). Naturheilvereine und Kneippgesellschaften waren Teil der sozialen Bewegung der Lebensreform (soziale Reformbewegung, welche wesentlich von der Künstlergemeinschaft um Karl Wilhelm Diefenbach und der berühmten Alternativkommune auf dem Monte Verità [ab 1900 - 'Filmtrailer Freak Out'] ausging).

Vermutlich können wir in dieser Bewegung, der Naturheilkunde- und Lebensreformbewegung - den eigentlichen Ursprung der modernen Ökobewegung sehen: die Natur ist hier etwas Positives und hat sogar eine heilende Wirkung auf den Kulturmenschen (das ist die Umkehr von Bacons hexenprozesslicher Verhörung und Ausbeutung der Natur, wie sie unserer alten Wissenschaftstheorie zugrunde liegt). Zumindest war diese Bewegung sehr bedeutend mitverantwortlich für die Popularisierung eines neuen Naturverständnisses.


Naturschutz (1864). Der US-Dichter und -Philosoph Henry David Thoreau ("Walden" - Video: 'Reflect On Henry David Thoreau's Vision Of Walden Pond') und der US-Philologe und -Diplomat George Perkins Marsh ("Man and Nature: Or, Physical Geography as Modified by Human Action") schrieben im Jahr 1864 zwei bedeutende Bücher, welche eng im Zusammenhang mit der Naturschutzbewegung gesehen werden. Weitere Figuren der frühen US-Naturschutzbewegung: John Burroughs, George Catlin, Ralph Waldo Emerson, Ferdinand Hayden, William Henry Jackson, Aldo Leopold (gilt als Pionier des ökologischen Denkens und des Wildtiermanagements), John Muir (war massgeblich für die Errichtung der Nationalparks), Gifford Pinchot.


Ökologiebegriff (1866). Vom deutschen Mediziner, Zoologen, Philosoph und Freidenker Ernst (Heinrich Philipp August) Haeckel stammt die Einführung und Definition des Ökologiebegriffs: «Unter Oecologie verstehen wir die gesammte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Aussenwelt, wohin wir im weiteren Sinne alle 'Existenz-Bedingungen' rechnen können. Diese sind theils organischer, theils anorganischer Natur; sowohl diese als jene sind, wie wir vorher gezeigt haben, von der grössten Bedeutung für die Form der Organismen, weil sie dieselbe zwingen, sich ihnen anzupassen.» Als Anhänger der Evolutionstheorie von Darwin gilt er als Begründer der Rassenhygiene- und Eugeniktheorie in Deutschland - das heisst: vielen ist nicht so ganz wohl bei diesem Namen, aber er ist und bleibt der Begründer überhaupt von einer Auffassung der Ökologie.


Biosphärebegriff (1875). Der Begriff der Biosphäre stammt vom österreichischen Geologen Eduard Suess im Jahr 1875. Wesentlich weiterentwickelt wurde die Vorstellung des Begriffs vom russischen Geologen Wladimir I. Werndadski in dessen Werk "The Biosphere" (1926).


Lebensphilosophie (1880). Die Ansätze zur sogenannten Lebensphilosophie stammen von Wilhelm Dilthey, in seinen später veröffentlichten 'Breslauer Ausarbeitung' (1880) zur "Einleitung in die Geisteswissenschaften" (1883). Weitere Vertreter der Lebensphilosophie sind u.a. Henri Bergson ("L'Evolution créatrice", 1907) und Ludwig Klages ("Der Geist als Widersacher der Seele", 1929). Als Vorreiter der Lebensphilosophie gelten Schopenhauer und Nietzsche - beide verstanden ihre (Willens-) Philosophie als Kritik des Rationalismus und der Aufklärung.


Windkraftanlage (1891). Der dänische Physiker und Erfinder Poul la Cour bekam 1891 die Genehmigung für den Bau einer ersten Windkraftanlage auf dem Schulgelände von Askov. Sie war der Prototyp der weiteren Elektrifizierung der Gewinnung von Windenergie, welche durch die Verbesserung des Wirkungsgrades von Windmühlen (durch La Cour) interessanter wurde. In den 1970-er Jahren entstanden in den USA und in Deutschland erste grosse Versuchsanlagen.


Wildheitsliteratur (1894). Damit ist ein literarisches Genre des Abenteuerromans gemeint, in welchem literarische Figuren auftreten, welche den Mensch in der wilden Natur thematisieren, exemplarisch etwa Mowgli (Rudyard Kipling: "The Jungle Book", 1894) oder Tarzan (Edgar Rice Burroughs, 1912/1914). Der Mensch beherrscht hier die Natur nicht mehr, sondern er lebt in ihr und passt sich ihr an, bleibt aber trotzdem letztlich Mensch und geht zu den Menschen zurück (siehe: Mowgli im Dschungelbuch). Den Gegensatz zum lieben bzw. gezähmten Wilden bildet quasi die böse Natur. Die Literatur und der Film haben natürlich viele andere Naturanschauungen kreiert, so z.B. auch die Horrorvorstellung, exemplarisch etwa im Gedicht "The Raven" (Poe, 1845) oder im Film "King Kong" (1933). In den 1970-er Jahren wurden Naturkatastrophenfilme zu einem Zweig der Katastrophenfilme, etwa mit "Poseidon Inferno" (1972) oder "Earthquake" (1974).


Gross-Wasserkraftwerk (1896). Die Nutzung der Wasserkraft ist uralt (es soll sie etwa schon vor 5000 Jahren in China gegeben haben). 1896 entstand bei den Niagarafällen das erste Gross-Wasserkraftwerk der Welt.


Ökosystembegriff / Ökologie als Wissenschaft (1935). Der britische Pflanzenökologe und Geobotaniker Arthur George Tansley prägte in seinem Werk "The Use and Abuse of Vegetational Concepts and Terms" (1935) den Begriff des Ökosystems. Er gilt als Begründer der ökologischen Wissenschaft. Wesentlich weiterentwickelt wurde die Theorie von Ökosystemen vom US-Ökologen Eugene P. Odum, hauptsächlich in seinem Hauptwerk "Fundamentals of Ecology" (1953 - Video: 'Georgia Groundbreakers: Eugene Odum'). Ein erster Vorläufer der Ökologie als Wissenschaft war der dänische Botaniker (Johannes) Eugenius (Bülow) Warming mit seinem Hauptwerk "Plantesamfund" (dt. Lehrbuch der Ökologischen Pflanzengeographie - Eine Einführung in die Kenntnis der Pflanzenvereine" (1891). Der Begriff des Biotops wurde 1908 vom deutschen Zoologen Friedrich Dahl erhoben (siehe auch: "Grundlagen einer ökologischen Tiergeographie", 1921). Ein weiterer Vorläufer der Ökowissenschaft ist die Pflanzensoziologie, hauptsächlich vom Schweizer Botaniker Josias Braun-Blanquet mit seinem Hauptwerk "Pflanzensoziologie - Grundzüge der Vegetationskunde" (1928). Vorläufer der Pflanzensoziologie waren wiederum etwa Carl von Linné und Alexander von Humboldt (ferner werden zu den Vorreitern der ökologischen Wissenschaft auch etwa Justus von Liebig, Charles Darwin oder Karl August Möbius gezählt). Als Begründer der Tierökologie gilt Charles (Sutherland) Elton ("Animal Ecology", 1927). Der britische Ökologe G. Evelyn Hutchinson gilt im englischen Sprachraum als Vater der modernen Ökologie, wobei er sich v.a. mit Limnologie (d.i. Wissenschaft von den Binnengewässern als Ökosystemen) beschäftigte. Ferner gilt auch etwa die Umwelthygiene als weiterer Vorläufer der modernen wissenschaftlichen Ökologie (etwa mit Ellen Swallow Richards [als Lehrkraft unterrichtete Richards ihre Studentinnen und Studenten in der Analyse von Trinkwasser, Abwässern und der Luft]).


Technikkritik/-skepsis (1946). Die Technikkritik ist eigentlich sehr viel älter - und geht etwa zurück auf Mary Shelley: "Frankenstein or The Modern Prometheus" (1818) - eine spezifische Technikkritikliteratur kam aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Bedeutende Werke (u.a.) - Jacques Ellul: "La technique ou l'enjeu du siècle" (1946 - Video: 'Jacques Ellul - Le Système Technicien'), Friedrich Georg Jünger: "Perfektion der Technik" (1946), Günther Anders: "Die Antiquiertheit des Menschen" (Band I: Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution, 1956), Lewis Mumford: "The Myth of the Machine" (1967-1970). Technikkritische Ansätze finden sich auch in der Philosophie, etwa im Existentialismus (besonders beim späteren Martin Heidegger), in der Kritischen Theorie und im Poststrukturalismus.


The Great Smog (1952). Vom 5.-9. Dezember 1952 war London in einer dicken Smog-Wolke eingenebelt (frühere extreme Smog-Ereignisse in London: 1813, 1873, 1880, 1882, 1891 und 1948 - London war zwischen 1825-1925 die bevölkerungsreichste Stadt der Welt [Video: 'London's deadly smog']). Hauptverursacher waren die Emissionen von schwefeldioxidhaltigem Rauch durch Kohleheizungen. Die Schadstoffe konnten aufgrund der Inversionswetterlage nicht entweichen. Zwischen 4000 bis 12'000 Menschen sollen an den Folgen dieser Katastrophe verstorben sein. In der Folge wurde 1956 der Clean Air Act zur Bekämpfung der Luftverschmutzung in London beschlossen. Das Thema der Verschmutzung von Luft, Boden und Gewässern ist ein bedeutendes frühes Thema der politischen Ökologie.


Silizium-Solarzelle (1954). Im Jahr 1954 vermeldete Bell Laboratories, die ehemalige Forschungsabteilung der US-Telefongesellschaft AT&T, die Erfindung der ersten in der Praxis verwendbaren Silizium-Solarzelle. 1957 erhielten Gerald L. Pearson, Daryl M. Chapin und Calvin S. Fuller das Patent US2780765: 'Solar Energy Converting Apparatus', welches die Forscher als 'Solarbatterie' bezeichneten. Die ersten solchen Photovoltaikzellen kamen 1958 auf der Mission des US-Satelliten Vanguard zum Einsatz. In der Folge wurde die Leistungsfähigkeit von Solarzellen stark verbessert. Bis die ersten Solarzellen auf der Erde installiert wurden, vergingen rund 20 Jahre. Dem Schweizer Ingenieur Markus (G.) Real gelang es 1979 erstmals, photovoltaisch erzeugten Strom in ein europäisches Stromnetz einzuspeisen. 1986 konnte er erstmals Strom aus einer kleinen, dezentralen Solaranlage auf dem Hausdach eines Privathauses einsetzen. Es folgten grossangelegte Solarprojekte wie das 1'000-Dächer-Programm in Deutschland.


Globales Ölfördermaximum / Erneuerbare Energien (1956). Der US-amerikanischer Geologe und Geophysiker M. King Hubbert stellte 1956 ein Modell auf, welches ein Ölfördermaximum (engl. peak oil) etwa für das Jahr 2000 prognostizierte (die Zahl wurde mittlerweilen von verschiedenen Autoren mehrfach nach oben korrigiert). Aufgrund solcher nicht-erneuerbaren Energieträger und politisch immer schwieriger zu vertretenden Energieträger (wie die Kernkraft) kam mit der Zeit die Diskussion um erneuerbare Energieträger auf (Windenergie, Wasserenergie, Solarenergie, Geothermie, Bioenergie). Mit der International Renewable Energy Agency IRENA (dt. Internationale Organisation für erneuerbare Energien) wurde 2009 eine zwischenstaatliche Institution für die Förderung der erneuerbaren Energien begründet.


World Wide Fund For Nature WWF (1961). Der World Wide Fund For Nature (bis 1986 World Wildlife Fund) wurde 1961 zur Erhaltung der biologischen Artenvielfalt gegründet (Gründungsmitglieder: Julian Huxley, Peter Markham Scott, Yolanda Farr, Bernhard zur Lippe-Biesterfeld, Philip Mountbatten (Duke of Edinburgh), Edward Max Nicholson, Guy Mountfort, Godfrey A. Rockefeller [Video: 'The History of the World Wildlife Fund']). Dies war die erste grosse internationale Natur- und Umweltschutzorganisation. Weitere (u.a.): Greenpeace (1971 [siehe dort]), Sea Shepherd Conservation Society (1977), OceanCare (1989).


Die Alarmistin (1962). "Silent Spring" (dt. Der stumme Frühling, 1962), ein Sachbuch der US-amerikanischen Zoologin, Biologin, Sachbuchautorin und Umweltschützerin Rachel Carson, in dem diese die Auswirkungen eines rigorosen Pestizid-Einsatzes auf Ökosysteme thematisierte, wird als Ausgangspunkt der US-amerikanischen Umweltbewegung bezeichnet (Video: 'Rachel Carson - Silent Spring'). Das Buch, welches als eines der bedeutendsten Sachbücher des 20. Jahrhunderts gilt, wurde in den USA heftig diskutiert und führte schliesslich später zu einem Verbot des Insektizids Dichlordiphenyltrichlorethan DDT. Von der chemischen Industrie wurde sie abwertend als 'Alarmistin' bezeichnet.


US-Politik Nixon/Carter (1969). Die US-Regierung von Präsident Richard Nixon schaffte 1969 den Council on Environmental Quality, welcher einen jährlichen Bericht zur ökologischen Lage liefern und den Präsidenten beraten soll; bereits 1970 folgte die Einrichtung einer Umweltbehörde. Zudem wurde auch ein umfassendes Umweltschutzgesetz verabschiedet. Es ist das erste ökologische Instrument einer Regierung. Hier ist also noch von Qualität die Rede, noch nicht von Krisen und Katastrophen. Die Regierung von Jimmy Carter wollte die Umweltpolitik - mit der Studie Global 2000 (1980 [siehe dort]) - weiter voranbringen, doch mit dem frühen Anfangstempo konnte die spätere ökologische (US-) Politik nicht Schritt halten. 2019 - ausgerechnet im Jahr der Umweltaktivistin Greta Thunberg - stieg die Regierung Trump sogar aus dem Pariser Klimaabkommen aus.


Ökophilosophie (1969). Es seien hier einige der bedeutendsten Werke und Texte aufgezählt, die in diesen Bereich gehören. Paul Shepard: "The Subversive Science: Essays Toward an Ecology of Man" (1969), Arne Naess: "The Shallow and the Deep, Long-Range Ecology Movement" (1973 - Video: 'Arne Naess and the Deep Ecology Movement'), Richard Sylvan (aka Francis Richard Routley): "Is There a Need for a New, an Environmental, Ethic?" (1973), John Passmore: "Man's Responsibility for Nature" (1974), Holmes Rolston: "Is There an Ecological Ethic?" (1975), Hans Jonas: "Das Prinzip Verantwortung - Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation" (1979 - Video: 'Hans Jonas - Philosoph des Umweltbewusstseins [Radiobeitrag]'), Murray Bookchin: "Toward an Ecological Society" (1980), Paul Taylor: "The Ethics of Respect for Nature" (1981), Bill Devall & George Sessions: "Deep Ecology - Living as if Nature Mattered" (1985), Arne Naess: "Ecology, Community and Lifestyle" (1989), Paul Shepard: "Nature and Madness" (1992). Die Ökophilosophie ist eigentlich auf einen fahrenden politischen Zug aufgesprungen und war im Gegensatz zu früheren philosophischen Bewegungen ihrer Zeit nicht voraus, sondern hinkte ihr nach (oder begleitete sie bestenfalls mit). Weitere Autoren (u.a.): Robin Attfield, Andrew Brennan, J. Baird Callicott, Dieter Birnbacher, Vittorio Hösle, Lothar Schäfer. Auch etwa die Kybernetik (Wiener), der Holismus (Haldane, Smuts) oder die New-Age-Literatur (Vester [Autor des Brettspiels "Ökolopoly", 1980], Capra, Sheldrake u.a.) können in einem erweiterten Sinn zur Ökophilosophie dazu gezählt werden (ebenso die Vertreter der Gaia-Hypothese [siehe dort] oder Technikkritik [siehe dort]).


Earth Day (dt. Tag der Erde, 1970). Name und Konzept wurden 1969 bei einer UNESCO-Konferenz vom US-amerikanischen Friedensaktivisten John McConnell vorgeschlagen, um auf die Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen. Erstmals abgehalten wurde der Earth Day am 21. März 1970.


Anti-Atomkraft-Bewegung (1971). Die ersten Kernkraftwerke (oder: Atomkraftwerke) wurden 1954 in Obninsk (Russland) und 1955 in Calder Hall (England) aufgestellt. Die erste Demonstration gegen ein Kernkraftwerk fand am 12. April 1971 in Fessenheim (Frankreich) statt - kleinere lokale Opposition gab es bereits in den 1960-er Jahren. 1975 wurde die erste Einstellung eines AKW-Projekts in Wyhl (Deutschland) erreicht. Die grössten Demonstrationen gegen die Atomkraft bildeten 200'000 Personen (in Bilbao [Spanien, 1977] und in New York City [1979]); die grösste Protestkundgebung gegen Atomwaffen bildeten 600'000 Personen (in Berlin [1981]). Die Anti-Atomkraft-Bewegung war auch Teil einer alternativen Bewegung, die etwa 1963/1965 bei den Protesten der Friedensbewegung zum Vietnamkrieg in den USA entstanden war, und sich von da an - über die Hippie-Bewegung (1967, 1968, 1969) - international verbreitete (Vorreiter etwa: Romantik, Naturheilkundebewegung, Lebensreform/Monte Verità, Wandervogelbewegung/Nature Boys, Beatniks bzw. Beat Generation in der US-Literatur [Burroughs, Ferlinghetti, Kerouac, Carr, Ginsberg, Brautigan]).


Freiburger Thesen (1971). Heute kaum mehr zu glauben, aber auch in Deutschland zeigte sich ein Teil der Politik bereits in dieser Zeit sehr fortschrittlich bezüglich des Umweltthemas. So nahm etwa die Freiheitlich-Demokratische Partei FDP in ihrem Parteiprogramm 1971, welches der Partei einen sozial-liberalen Anstrich geben sollte, bereits einen ebenso bedeutenden wie brisanten Passus zum Umweltthema auf: «Umweltschutz hat Vorrang vor Gewinnstreben und persönlichem Nutzen.» (Was später mit diesem Passus geschah, entzieht sich meinen Kenntnissen.)


Greenpeace (1971). Die Friedensaktivisten Irving Stowe, Paul Cote und Jim Bohlen gründeten 1971 Greenpeace, eine Non-Profit-Organisation im Umweltbereich (Video: 'The History of Greenpeace: Environmental Activists'). Die Organisation fiel zuerst durch Kampagnen gegen Kernwaffentests auf - später kamen andere Themen dazu wie Walfang, Überfischung, Urwaldrodung, Klimakrise, Atomenerige und Gentechnik - später kamen weitere Themen dazu.


The Limits to Growth (1972). Im Jahr 1972 veröffentlichten Donella H. Meadows, Dennis L. Meadows, Joergen Randers und William W. Behrens III. den Bericht "The Limits to Growth" (dt. Die Grenzen des Wachstums - Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit [Video: 'The Origin of Limits to Growth - Interview with Dennis Meadows']). Der Bericht - erhoben vom Massachusetts Institute of Technology MIT für den Club of Rome - veränderte die Perspektiven der Ökologie vollkommen. Er wurde als erstes (quasi-) wissenschaftliches Zeichen gesehen, welches der alternativen Bewegung recht gab. Er besagt, dass bei fortlaufend gleicher Entwicklung und Ausbeutung der Ressourcen die Grenzen des Wachstums im Jahr 2072 bedeutend würden; das Erreichen der Wachstumsgrenzen hätte einen massiven und unkontrollierbaren Rückgang der Bevölkerung und die industriellen Kapazitäten zur Folge - daher müsse für ein ökonomisches und ökologisches Gleichgewicht gesorgt werden.


Ozonloch (1974). Der mexikanische Physikochemiker Mario J. Molina und der US-Chemiker Frank Sherwood Rowland warnten 1974 davor, dass die Anreicherung schwer abbaubarer Fluorchlorkohlenwasserstoffe FCKW zu einer wesentlichen Abnahme der Ozonkonzentration in der Erdatmosphäre und damit zu einer Schwächung der Ozonschicht führen würde. 1990 beschloss die internationale Konferenz zum Schutz der Ozonschicht in London die Anwendung von FCKW ab dem Jahr 2000 zu verbieten oder stark einzuschränken. Im Jahr 2012 wurde erstmals von einer Umkehr des Ozontrends gesprochen. Laut der Welt-Organisation für Meteorologie WMO soll das Ozonloch spätestens im Jahr 2050 kein Thema mehr sein. Dies ist ein bedeutender Erfolg der Ökopolitik.


Gaia-Hypothese (Mitte 1970-er). Die US-amerikanische Mikrobiologin Lynn Margulis und der britische Chemiker, Biophysiker und Mediziner James (Ephraim) Lovelock entwickelten Mitte der 1970-er Jahre gemeinsam die sogenannte Gaia-Hypothese (Videos: 'Gaia Hypothesis [Theory]', Interview mit James Lovelock [2014]). Die Theorie besagt, dass die Mutter Erde (Gaia - aus der griechischen Mythologie) ein selbstorganisierender lebender Organismus sei. Bedeutend ist der Begriff der Symbiose. Diese Vorstellung war v.a. für die New-Age-Philosophie bedeutend.


Nuklearunfall von Harrisburg (1979). Beim Kernreaktorunfall in Harrisburg (bzw. Three Mile Island bei Harrisburg, in Pennsylvania [USA]) kam es am 28. März 1979 bei einem Unfall während Wartungsarbeiten zu einer Überhitzung des Reaktorkerns und zu einer partiellen Kernschmelze, welche die Fragmentierung oder Schmelzung rund eines Drittels des Reaktorkerns verursachte. Dabei wurde radioaktives Gas in die Atmosphäre abgelassen. In einer Langzeitstudie wurden laut medizinischen Untersuchungen unter rund 30'000 Anwohnern keine gesundheitlichen Folgeschäden festgestellt.


Global 2000 (1980). Dies war eine Umweltstudie, die von der US-amerikanischen Regierung (unter Jimmy Carter) in Auftrag gegeben wurde. Sie war breiter angelegt als die Studie 'Limits to Growth' und sah bereits deutliche Anzeichen für Klimaveränderungen - auch findet sich in ihr bereits der Begriff des Treibhauseffekts.


Waldsterben (1980). Diese Bezeichnung wurde in den 1980-er Jahren zu einem bestimmenden Thema in der ökologischen Diskussion (Artikel: 'Was wurde eigentlich aus dem Waldsterben?'). In Mittel-, Nord- und Osteuropa wurden grossflächige Waldschäden festgestellt, für welche saurer Regen - durch die Industrialisierung verursachte Schadstoffemissionen im Regen - verantwortlich gemacht wurde. Die entsprechenden, aufwühlenden Bilder von abgedorrten Wäldern stammten ausschliesslich aus dem Harz oder Erzgebirge (BRD, DDR, CSSR) und ist auf unzureichende Umwelttechnik im Braunkohleabbau zurückzuführen. Im Allgemeinen bzw. für den ganzen Waldbestand erschien die Problematik später übertrieben und wurde von den Gegnern der Umweltpolitik als grosser Ökoflop dargestellt, in den 2010-ern brachten jedoch die deutschen Förster das Thema zurück in die öffentliche Diskussion (die Rede ist von einem Waldsterben 2.0).


Grüne Partei[en] (1980). Am 12./13. Januar 1980 wurde in Deutschland die erste nationale grüne Partei gegründet ('Die Grünen' - es folgten weitere Parteigründungen in Schweden [1981], in Frankreich [1982/1984 - die Beteiligung kleinerer ökologischer Gruppen am politischen Leben in Frankreich geht allerdings auf die 1970-er Jahre zurück (etwa: Mouvement d'écologie politique MEP [1974])], in den Niederlanden [1983], in der Schweiz [1983 - erste grüne politische Bewegung in der Schweiz: Mouvement populaire pour l'environnement MPE (1971 [im Kanton Neuenburg])], in Spanien [1984], in Österreich [1986], in England [1990], in Italien [1990], in Russland [1993] oder in den USA [1996/2001]). Der Schweizer Politiker Daniel Brélaz wurde 1979 als weltweit erster Grüner in ein nationales Parlament gewählt (für den Kanton Waadt [Groupement pour la protection de l'environnement]).


Chemiekatastrophe von Bhopal (1984). Der Chemieunfall in Indien bewirkte Tausende von Toten - die offizielle Zahl liegt bei 3800 Todesopfern (damit ist dies der grösste Chemieunfall der Geschichte [zuvor: die Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes 1921 mit über 550 Todesopfern] - Video: 'India's Bhopal Gas Disaster Explained'). Die verschiedenen Chemieunfälle - auch in Europa (Bitterfeld [DDR] 1968, Fischsterben im Mittelrhein 1969, Flixborough 1974, Seveso 1976, Bhopal 1984, Schweizerhalle 1986, Houston 1989 usw.) - spielten im Aufkommen der grünen Politik eine nicht unbedeutende Rolle.


Nuklearkatastrophe von Tschernobyl (1986). Dies war am 26. April 1986 die grösste Katastrophe bei einem Kernkraftwerkunfall bis dahin. Bei einer Simulation eines vollständigen Stromausfalls explodierte ein Reaktor des KKWs nach einem unkontrollierten Leistungsanstieg (Video: 'Was geschah in Tschernobyl?'). Die Zahl der direkten Todesopfer durch Strahlungsschäden soll etwa 50 betragen, die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet jedoch in der Folge mit bis zu 4000 Todesopfern weltweit, v.a. durch Krebserkrankungen.


Weltklimarat (1988). Der Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC (dt. Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen - im Deutschen oft auch als 'Weltklimarat' bezeichnet), wurde im November 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP und der Weltorganisation für Meteorologie WMO als zwischenstaatliche Institution für Klimafragen begründet.


Erderwärmung, Treibhauseffekt, Klimawandel/-problem/-katastrophe (anfangs 1990-er Jahre). Seit etwa anfangs der 1990-er Jahre besteht ein breiter wissenschaftlicher Konsens darüber, dass die Erderwärmung vom Menschen verursacht wird (Video: 'Treibhauseffekt einfach erklärt'). Erstmals in Erwägung gezogen, hatte dies der schwedische Physiker und Chemiker Svante Arrhenius bereits im Jahr 1908 (weitere Wissenschaftler, welche im 20. Jahrhundert an diesem Problem arbeiteten sind etwa: Guy Stewart Callendar oder Roger Revelle und Hans E. Suess). Der Treibhauseffekt ist jedoch schon viel länger bekannt: 1862 konnte der britische Vermesser und Naturforscher John Tyndall sogar schon dafür verantwortliche Gase wie Wasserdampf und Kohlenstoffdioxid ermitteln.


'Earth in the Balance' (1992). Der US-Politiker, Unternehmer und Umweltschützer (Albert Arnold) 'Al' Gore, welcher für die Demokratische Partei zweimal erfolglos als US-Präsident kandidierte und von 1993-2001 US-Vizepräsident war, veröffentlichte 1992 seinen Bestseller "Earth in the Balance", in welchem er auch politische und ökonomische Lösungsstrategien vorschlug. In diesem Buch ging es v.a. um Umweltverschmutzung und gerechtere, weltweite Ressourcenverteilung. Im Jahr 2006 wühlte Gore die Öffentlichkeit auf mit dem Dokumentarfilm "An Inconvenient Truth" (dt. Eine unbequeme Wahrheit), in welchem es um die globale Erwärmung ging.


UN-Klimakonferenz (1995). Die UN-Klimakonferenz wird jährlich seit 1995 (erstes Treffen in Berlin) ausgetragen und auch Welt-Klimakonferenz oder (Welt-) Klimagipfel genannt. In diesen Konferenzen wurden verbindliche Verträge im Klimabereich ausgehandelt, so das Kyoto-Protokoll 2005 und das Übereinkommen von Paris 2018.


Grüner Vizekanzler in Deutschland (1998). Der bekannteste grüne Politiker Deutschlands und der Welt, Joschka Fischer, war in der ersten rot-grünen Bundesregierung Deutschlands 1998-2005 Vizekanzler und Aussenminister (Video: 'Joschka und Herr Fischer - Filmtrailer'). Dabei haftete ihm auch der Übername des 'Turnschuhministers' an. Nach dem Ende seiner politischen Karriere war er als Lobbyist sowohl für den Hanfproduzenten Tilray wie auch für Grosskonzerne wie BMW oder Siemens tätig.


Erster grüner Ministerpräsident in einem deutschen Bundesland (2011). Seit dem 12. Mai 2011 ist Winfried Kretschmann der erste grüne Ministerpräsident in einem deutschen Bundesland, in Baden-Württemberg.


Nuklearkatastrophe von Fukushima (2011). Dieser schwere Kernkraftwerkunfall ereignete sich am 11. März 2011 in Japan. Er war die Folge von einem Tsunami, welcher das Werk beschädigte und grosse Mengen von radioaktiven Material freisetzte (Video: 'Das passierte bei der Atomkatastrophe von Fukushima'). Man rechnet mit bis zu 1000 Todesopfern durch Folgeschäden. Die Welt war v.a. erstaunt darüber, dass sich so ein Unfall im technikverrückten Japan ereignen konnte. Politisch bewirkte diese Katastrophe einen deutlichen Aufschwung für die grünen Parteien.


Erster grüner Staatspräsident (2015). Raimonds Vejonis wurde in Lettland der erste grüne Staatspräsident weltweit. Alexander van der Bellen kam in Österreich (2017) die Ehre zu, der erste grüne Staatspräsident zu sein, welcher direkt vom Volk gewählt wurde.


Fridays for Future FFF (2018/2019). Die schwedische Schülerin und Umweltaktivistin Greta Thunberg wurde im Verlauf ihrer 'Skolstrejk för klimatet' (dt. Schulstreiks für das Klima) weltbekannt und zur bedeutendsten bisherigen Ökoikone (Klimastreik-Rede in Bristol [Grossbritannien, 28.2.2020]). Am 20. August 2018 beschloss sie nach Hitzewellen und Waldbränden in Schweden anlässlich der schwedischen Parlamentswahlen am Unterricht nicht teilzunehmen und stattdessen vor dem schwedischen Reichstag zu protestieren. Am ersten weltweit organisierten Klimastreik vom 15. März 2019 nahmen fast 1,8 Mio. Menschen teil. Die Massenstreiks wurden zur Institution, und die Bewegung nannte sich fortan Fridays for Future, da die demonstrativen Kundgebungen immer an einem Freitag stattfanden. Nachdem im gesamten Jahr 2019 das ökolgische Thema vorherrschte und einen bedeutenden Aufschwung für die grünen Parteien bedeutete*, brachte die Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 einen abrupten Themenwechsel in der Weltöffentlichkeit.

* In der Schweizer Parlamentswahl 2019 verzeichneten die Grünen den höchsten gewonnen Sitzzuwachs seit der Einführung der Proporzwahl 1919 - beim damaligen Wechsel (vom Majorz- zum Proporzwahlsystem [d.h. Parteiwahl statt Kopfwahl]) erreichte die Sozialdemokratie einen noch besseren Wert (1. SPS +21 [1919], 2. GPS +18 [2019], 3. SVP +15 [1999]). Anteilsmässig kamen die Grünen bei den Schweizer Wahlen auf 6,1% Zuwachs (und damit in die Nähe eines Bundesratsanspruchs), in Österreich gar auf 10,1% Zuwachs.


Coronavirus (2019/2020). Wie weit das Coronavirus (eigentlich - Virus: SARS-CoV-2, Krankheit: Covid-19 [COronaVIrusDisease-19]) die Ökologie betrifft, ist noch nicht geklärt. Ist es ein biologisches, medizinisches, (geo-) demographisches und/oder ökologisches Problem? Die Coronakrise ist die Spitze einer bisher bedeutenden Zunahme von Virenkrankheiten in den 2000-er Jahren - etwa mit SARS (2002-2003), Vogelgrippe (seit 2004), Schweinegrippe (2009-2010), Zika (seit 2009/2015), MERS (seit 2012), Ebola (2014-2016); diese Krankheiten haben Europa bzw. den Westen wenig bis gar nicht betroffen. Der Ausbruch der Coronakrise begann Mitte Dezember 2019 in China.

Der ökologische Zusammenhang besteht v.a. in der Befürchtung, dass die Veränderung und Zerstörung der Lebensräume von Tieren mitbeiträgt zu einer Erhöhung der Pandemiegefahr. Andererseits ist es auffallend, wie viele ökologisch oder pseudoökologisch interessierte Public Intellectuals mit der Coronakrise anfangs überhaupt nichts anfangen konnten, was dafür sprechen würde, dass sich die beiden Themen eher etwas fremd sind. Der Zusammenhang muss noch genauer erforscht werden. Was hingegen befürchtet werden muss, ist ein Einbruch der ökologischen Politik aufgrund der ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen/Schwierigkeiten aus der Coronakrise. (Siehe: Pandemieseite [auf meiner Website].)


Weltuntergangsszenarien (2020). Ein internationales Forscherteam der schwedischen Non-Profit-Organisation Global Challenges Foundation hat in einer gross angelegten Analyse zwölf Risiken, die die Menschheit in naher Zukunft ernsthaft bedrohen könnten als zwölf realistische Weltuntergangsszenarien in vier Kategorien bestimmt. Bestehende Gefahren: Extremer Klimawandel, Atomkrieg, Globale Pandemie, Ökologische Katastrophe, Globaler Systemzusammenbruch. Äussere Gefahren: Asteroideneinschlag, Supervulkan. Neu aufkommende Risiken: Synthetische Biologie, Nanotechnologie, Künstliche Intelligenz, Unbekannte Gefahren. Politische Gefahren: Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung. (Gut, dass wir wenigstens dies haben, wenn wir schon keine Weltbilder mehr haben.)


[Still unter Konstruktion - weitere Links und Kommentare folgen.]

P.S. Ich möchte diese Seite nicht in erster Linie politisch verstanden wissen. Meiner Meinung braucht es - in einer ausgewogenen Form - alle politischen Kräfte: die Konservativen, die Freiheitlichen, die Christlichen, die Sozialdemokratischen und die Grünen. Ich wähle auch demokratisch und systemisch, d.h. ich wähle das, was im Moment nötig ist (bzw. mir persönlich so erscheint). Dass ich derzeit hier v.a. über Ökologie rede, liegt an dieser heutigen Zeit - es ist eben nicht mehr das 15., 19. oder 20. Jahrhundert, sondern das 21. Jahrhundert - und die Ökologie ist eines der bedeutendsten Themen dieser Zeit, wenn nicht das bedeutendste Thema überhaupt.


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